Malaria-Forschung: Afrikanische Heilpflanzen im Fokus

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Die überwiegende Mehrzahl der gegenwärtigen Malaria-Therapien basiert auf dem Wirkstoff Artemisinin, einem Pflanzenstoff, der in den Blüten und Blättern des Einjährigen Beifußes (Artemisia annua) vorkommt. Immer mehr Malaria-Parasiten sind jedoch resistent gegen Artemisinin.

Die Resistenz der Malaria-Parasiten gegen Artemisinin breitet sich in Südostasien immer stärker aus und einiges spricht dafür, dass sie auch Südamerika bereits erreicht hat. In Afrika könnte es in wenigen Jahren soweit sein, dass Artemisinin seine Wirksamkeit gegen Malaria-Parasiten verliert.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Veterinärmedizinischen Universität Wien, der Medizinischen Universität Wien und der Universität Ouagadougou in Burkina Faso erforschen in einem gemeinsamen Projekt Heilpflanzen aus der traditionellen afrikanischen Medizin, die bei Malaria eingesetzt werden.

Sie gehen davon aus, dass die Resistenzentwickklung in spätestens fünf Jahren soweit ist, dass es neue Medikamente braucht, die auf einem anderen Wirkstoff als Artemisinin basieren.

Aline Lamien Meda aus Burkina Faso, die an der Vetmeduni Vienna im Rahmen eines APPEAR-Projekts (Austrian Partnership Programme in Higher Education and Research for Development) an der Entwicklung eines Arzneibuchs traditioneller Malariamedikamente arbeitet, untersucht gemeinsam mit Harald Nödl, Malaria-Experte der MedUni Wien, rund 50 Pflanzen und Kräuter, die in der traditionellen afrikanischen Medizin bei Malaria angewendet werden, auf ihre Wirksamkeit und ihr mögliches Potenzial als Malaria-Medikament. Bei einigen dieser Kräuter sei bekannt, dass sie die Symptome der Malaria bekämpfen, nicht aber, ob sie den Malaria-Parasiten wirkungsvoll bekämpfen können, sagt Nödl.

Untersucht wird die Wirksamkeit im Labor an gezüchteten Malaria-Parasiten. Es sei zu erwarten, erklärt Nödl, dass nur eine Handvoll der untersuchten Pflanzen für eine sinnvolle, kommerzielle Verwendung in der Malaria-Therapie geeignet ist.

 

Täglich 2000 Malaria-Opfer

Täglich sterben rund 2000 Menschen an Malaria (total etwa 655 000 jährlich), einer Krankheit, die hauptsächlich mit Armut assoziiert ist. Die meisten Opfer fordert Malaria in Afrika und hier vor allem unter den Schwächsten, den Kindern. In den meisten Fällen verläuft die Krankheit ohne Komplikationen, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Kommt es allerdings zu Komplikationen, ist die Sterblichkeit nach wie vor extrem hoch. Malaria ist auch heute noch, hauptsächlich in Afrika, Asien und Lateinamerika, eine der häufigsten Todesursachen von Kindern unter fünf Jahren.

Quelle:

http://www.meduniwien.ac.at/homepage/news-und-topstories/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=4711&cHash=96e5436e4a284f425834c7d392f9807f

Kommentar & Ergänzung:

Die Malaria-Forschung verdient und braucht angesichts der weltweiten gesundheitlichen und ökonomischen Bedeutung dieser Krankheit hohe Priorität. Von Malaria sind vor allem arme Menschen betroffen, die über wenig Kaufkraft verfügen. Für Pharmakonzerne ist das kein attraktiver Markt. Ökonomisch lohnt es sich für diese Firmen viel mehr, in die Forschung zu investieren bei Krankheiten der Reichen, obwohl dies vergleichsweise weniger dringlich ist. Als Reaktion auf die mangelnde finanzielle Unterstützung der Malaria-Forschung hat Bill Gates 2005 angekündigt, dass er zu diesem Zweck 258,3 Millionen Dollar zur Verfügung stellen werde.

Zu Artemisinin siehe auch:

Malaria: Artemisia-Pflanze möglicherweise wirksamer als isoliertes Artemisinin

 

Heilpflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin

Dass nun in Wien Malariapflanzen der traditionellen afrikanischen Medizin untersucht werden, ist sehr sinnvoll. Tradition irrt sich zwar auch oft – siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Doch gibt es immer wieder auch überzeugende Beispiele für Heilpflanzen-Anwendungen, die auf traditioneller Erfahrung basieren.

Der Einjährige Beifuß (Artemisia annua) mit seinem Inhaltsstoff Artemisinin gehört dazu.

Wenn nun traditionelle Heilpflanzen aus Afrika auf ihre Eignung zur Malariabehandlung untersucht werden, so bleibt zu hoffen, dass daraus nicht ein weiteres Beispiel für Biopiraterie entsteht. Unter Biopiraterie versteht man die kommerzielle Weiterentwicklung natürlich vorkommender biologischer Materialien, wie zum Beispiel pflanzliche Substanzen oder genetische Zelllinien, durch ein technologisch fortgeschrittenes Land oder eine Organisation ohne eine faire Entschädigung der Länder bzw. Völker, auf deren Territorium diese Materialien ursprünglich entdeckt wurden.

(Siehe Wikipedia-Artikel Biopiraterie)

Die schwierige Lage bezüglich Malariabehandlung – zum Beispiel die mangelnden finanziellen Ressourcen, die desolaten Gesundheitssysteme – schaffen ideale Bedingungen für Scharlatane aller Art, die simple Lösungen für anspruchsvolle Probleme anpreisen.

Forschung ist dazu ganz und gar unnötig. Es reicht Selbstüberschätzung, Verblendung und eine gehörige Portion Dreistigkeit. Beispiele dafür gibt es zuhauf: Manche Homöopathinnen und Homöopathen, die zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria Globuli empfehlen und damit Leben und Gesundheit von Menschen aufs Spiel setzen – zum Beispiel die unsäglichen „Homöopathen ohne Grenzen“, aber auch Jim Humbel mit seinem vermeintlichen Wundermittel MMS (Miracle Mineral Supplement), das neben Malaria gleich auch noch Krebs, Autismus, AIDS, Tuberkulose, Demenz und vieles andere mehr heilen soll – eine ziemlich grosse Aufgabe für ein Präparat, das ganz simpel aus dem Bleich- und Desinfektionsmittel Natriumchlorit besteht.

Siehe dazu auch:

Artikel zu Miracle Mineral Supplement im Verbraucherschutzportel Psiram.

Warnung vor Miracle Mineral Supplement (MMS) 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>