Cochrane-Studie findet wenig Evidenz für Echinacea bei Erkältung

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Echinacea (Sonnenhut) wird schon seit einigen Jahrzehnten als Immunstimulans gegen Erkältungen angewendet. Die Studienlage ist widersprüchlich. Studien mit positivem und negativem Ergebnis wechseln sich ab. Zu einem sehr zurückhaltenden Fazit kommt nun eine Metaanalyse der Cochrane Collaboration.

Echinacea-Präparate helfen möglicherweise zur Behandlung und Vorbeugung von Erkältungen – aber höchstens ein bisschen, schreiben die Autoren.

Die Wissenschaftler um Dr. Marlies Karsch-Völk von der TU München werteten 33 randomisierte und placebokontrollierte Untersuchungen zur Wirksamkeit von Echinacea aus, an denen insgesamt 4631 Probanden teilnahmen.

Die ausgewerteten 33 Studien mit insgesamt 4631 Teilnehmern unterschieden sich sowohl in ihrer Systematik als auch hinsichtlich des eingesetzten Echinacea-Präparates so stark voneinander, dass die Wissenschaftler keine gepoolte Analyse vornehmen konnten. Einzelauswertungen der Studien zeigten in keinem Fall einen signifikanten Vorteil der Echinacea-Präparate gegenüber Placebo, weder zur Therapie noch zur Vorbeugung von Erkältung. Ein geringer Nutzen in der Behandlung könne aber für einzelne Präparate nicht ausgeschlossen werden. Zudem gebe es für die vorbeugende Anwendung Hinweise auf einen positiven Effekt, dessen klinische Relevanz allerdings fragwürdig sei, schreiben die Forscher.

Echinacea-Präparate vergleichend zu bewerten wird dadurch erschwert, dass mit Echinacea purpurea, Echinacea pallida und Echinacea angustifolia drei verschiedene Stammpflanzen verwendet werden.

Die verschiedenen Stammpflanzen unterscheiden sich unter anderem in ihren Gehalten an Alkamiden, Glykoproteinen, Polysacchariden und Kaffeesäurederivaten, die allesamt an der immunmodulierenden Wirkung beteiligt sind. Darüber hinaus werden die in den verschiedenen Echinacea-Produkten enthaltenen Extrakte mit unterschiedlichen Methoden und aus unterschiedlichen Teilen der Pflanzen gewonnen, sodass die Medikamente sich stark voneinander unterscheiden.

Eine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt können die Wissenschaftler aufgrund der schwachen Evidenz nicht aussprechen. Die wichtigste Erkenntnis aus ihrer Studie sei, dass es große Unterschiede zwischen einzelnen Präparaten gebe und dass die meisten davon nie in klinischen Studien untersucht worden seien. Es gebe Hinweise – stellen sie fest – dass sowohl alkoholische als auch Presssaftextrakte aus den oberirdischen Pflanzenteilen von Echinacea purpurea in der Behandlung von erwachsenen Erkältungspatienten einen positiven Effekt haben könnten. Die klinische Relevanz dieser Effekte sei aber unklar.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46922&Nachricht_ID=51279&Nachricht_Title=Nachrichten_Echinacea:%20Wenig%20Evidenz%20bei%20Erk%E4ltung&type=0

doi: 10.1002/14651858.CD000530.pub3

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD000530.pub3/abstract

 

Kommentar und Ergänzung:

Die Forschungslage zu Echinacea ist schon seit langem widersprüchlich. Den Konsumentinnen und Konsumenten ist zudem in der Regel alles andere als klar, wie unterschiedlich die verschiedenen Echinacea-Präparate sind.

Diese Heterogenität erschwert die Forschung zum Thema Echinacea.

Bei den Präparaten auf der Basis von Alkohol als Lösungsmittel ist am bekanntesten „Echinaforce / Echinamed“, bei den Presssaftpräparaten „Echinacin“.

An der Cochrane-Metaanalyse waren Fachleute beteiligt, die mit dem Thema forschungsmässig schon seit längerem verbunden sind. Bei Univ. Prof. Dr. Rudolf Bauer von Institut für Pharmakognosie der Universität Graz gehören Untersuchungen zu Echinacea purpurea zu den Forschungsschwerpunkten (Anbau, Ernte, Verarbeitung, Wirkstoffe, pharmazeutische Qualität).

Bruce Barrett (Universität Wisconsin) hat selber klinische Studien mit Echinacea durchgeführt.

Solche Verbindungen bieten manchmal Vorteile, weil dadurch Fachwissen in die Metaanalyse einfliessen kann. Andererseits kann es auch problematische sein, wenn jemand selber klinische Studien durchführt, und dann bei der Erstellung einer Metaanalyse an der Beurteilung dieser Studien mitbeteiligt ist.

Und welche Schlüsse sind zu ziehen aus der widersprüchlichen Forschungslage zu Echinacea?

Wer diese Präparate für sich nützlich findet, soll sie doch nehmen. Ich würde einfach die Erwartungen nicht zu hoch hängen. Den vollständigen Schutz gegen Erkältungen kann man von Echinacea nicht erwarten. Und ich würde nicht empfehlen, die Präparate ununterbrochen über den ganzen Winter einzunehmen. Unterbrüche dürften sinnvoll sein.

Für mich selber bin ich schon seit langem zum Schluss gekommen, dass ich keine Echinacea-Präparate brauche. Ich bin auch überhaupt nicht der Meinung, dass es in jeder Lebenslage ein Naturheilmittel braucht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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