Antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes-simplex-Viren

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In einer Dissertation untersuchte Dr. med. Anja Schuhmacher die Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpesviren.

Herpes simplex Viren sind weltweit verbreitet und zählen zu den häufigsten Krankheitserregern. Sie verursachen beim Menschen in der Regel schmerzhafte, bläschenförmige Hautläsionen in und um die Mundhöhle (Lippenherpes, Fieberbläschen) und im Genitalbereich (Genitalherpes), können jedoch auch insbesondere bei Immunsupprimierten zu lebensbedrohlichen systemischen Infektionen führen.

Für zahlreiche ätherische Öle wurde bereits eine hohe antibakterielle und antimykotische (= pilzhemmende) Wirksamkeit nachgewiesen. Über eine mögliche antivirale Wirkung von ätherischen Ölen finden sich dagegen bisher nur wenig Informationen.

Anja Schuhmacher untersuchte  die antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes simplex Viren Typ 1 und Typ 2 in der Zellkultur und charakterisierte sie im Hinblick auf den Wirkmechanismus genauer.

Zur Bestimmung der antiviralen Wirkung wurden Plaquereduktionsversuche in verschiedenen Varianten eingesetzt. Sie ergaben eindeutig eine antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl bei einstündiger Inkubation von Virus und ätherischem Öl. Dieser Effekt war abhängig von der Ölkonzentration.

Herausragend war insbesondere die starke Wirkung von Melissenöl gegen HSV-2, die möglicherweise den in Melissenöl in großer Menge vorkommenden Aldehyden zuzuschreiben ist. Vergleichbar tiefe Wirkstoffkonzentrationen wurden bisher nur für ein anderes ätherisches Öl beschrieben.

Gezeigt werden konnte außerdem die Abhängigkeit der antiviralen Wirkung von der Einwirkungszeit der ätherischen Öle auf die Viren. Bei Einwirkzeiten ab 3 Stunden wurden durch die maximalen nicht-zytotoxische Ölkonzentrationen umehr als 99 % der Viren inaktiviert, was für eine direkte viruzide Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl spricht.

Durch Zugabe der ätherischen Öle zu verschiedenen Zeiten des Infektionszyklus der Herpesviren, konnte nachgewiesen werden, dass Pfefferminzöl und Melissenöl nach erfolgter Viruspenetration keinen Einfluss mehr auf die Virusvermehrung haben und auch nicht über eine Beeinflussung der Wirtszellen antiviral wirken. Die stärkste Wirkung zeigte sich bei Behandlung der Viren mit ätherischem Öl vor der Infektion. Bei Ölzugabe während der Infektion wurde ein schwächerer antiviraler Effekt ermittelt.

Diese Resultate zeigen, dass Pfefferminzöl und Melissenöl einen direkten antiviralen Effekt auf Herpes simplex Viren haben, und sie stützen die Theorie, dass ätherische Öle nicht die Virusreplikation hemmen, sondern einen früheren Schritt der Virusvermehrung. Die lipophilen (= fettliebenden) Eigenschaften ätherischer Öle machen eine Wechselwirkung mit der Virushülle wahrscheinlich, die zur Verhinderung der Virusadsorption oder In dieser Arbeit wurde außerdem erstmals die antivirale Wirkung von zwei ätherischen Ölen gegen HSV-1 Viren nachgewiesen, die gegen Aciclovir (Zophirax®) resistent sind. Pfefferminzöl und Melissenöl zeigten sich in der Lage, in den maximalen nicht zytotoxischen Konzentrationen bei einstündiger Inkubation von ätherischem Öl und Viren die Zahl der resistenten Viren um über 99 % zu reduzieren.

Diese Resultate bestätigen die in Überlieferungen der traditionellen Medizin postulierte antivirale Wirkung ätherischer Öle und deren potentiellen Nutzen in der lokalen Behandlung von Herpes simplex Infektionen. Auch wenn in diesen ätherischen Ölen noch keine Einzelsubstanz als Träger der antiviralen Eigenschaften ausfindig gemacht werden konnte und auch der Wirkmechanismus noch detaillierter untersucht werden muss, können Pfefferminzöl und Melissenöl als vielversprechende Kandidaten für eine topische (= lokale) antivirale Therapie bei Herpes simplex Infektionen angesehen werden.

Quelle:

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/4359/1/Zusammenfassung.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Das sind interessante Laborergebnisse, die unter anderem bestätigen, dass eine antivirale Anwendung von ätherischen Ölen nur im Frühstadium Sinn macht. Das gilt im übrigen auch für andere pflanzliche Fieberbläschen-Präparate, wie zum Beispiel den  Melissenextrakt, wie er im Fertigpräparat „Valverde® Fieberbläschensalbe“ zur Anwendung kommt. Als wirksamer Bestandteil gilt dort der Lamiaceen-Gerbstoff, der an Virusproteine andockt.

Gute antivirale Effekte auf Herpesviren wurden auch mit einem Kombipräparat aus Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt erzielt (Parsenn-Herpes Creme®, Phytovir®).

Wenn Melissenöl und Pfefferminzöl beide gegen Herpesviren wirksam sind, dann ist der Preisunterschied nicht unwesentlich. Melissenöl ist sehr viel teurer.

Anzufügen wäre dazu allerdings noch, dass sich antivirale Effekte im Labor wohl leichter erzielen lassen als im menschlichen Gewebe. Dort hat es jedenfalls nicht nur Viren, sondern auch jede Menge anderer Proteine.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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