Mistel gegen Bluthochdruck?

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Mistel gegen Bluthochdruck – diese Empfehlung liest man immer wieder. So auch auf Kleinezeitung.at:

„Auch in der Naturheilkunde spielt die Mistel seit Hildegard von Bingen eine große Rolle: Sie wirkt blutdrucksenkend, harntreibend und tumorhemmend.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/3489478/stachelige-schoenheiten-fuer-den-advent.story

Kommentar & Ergänzung:

In diesem kleinen Abschnitt ist fast alles fragwürdig.

– Die immer wieder erwähnte Wirkung der Mistel gegen Bluthochdruck ist alles andere als überzeugend:

„Bisher konnte noch keine der aus der Mistel isolierten Verbindungen der immer wieder beschriebenen, aber nicht bewiesenen blutdrucksenkenden Wirkung von Mistelauszügen zugeordnet werden.
Für die Anwendung von Misteltee als einer unterstützenden Maßnahme bei Bluthochdruck gibt es daher keine echte Begründung, obwohl zahlreiche Untersuchungen mit dem Ziel durchgeführt wurden, eine antihypertone Wirkung nachzuweisen. Die Ergebnisse bei Tierversuchen sind recht widersprüchlich und lassen keine Übertragung auf die Humanmedizin zu. Zwar erwiesen sich die isolierten Viscotoxine bei parenteraler Gabe als hypotensiv wirksam, als Wirkprinzip kommen sie jedoch nicht in Betracht, da sie oral nicht resorbiert werden.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Mistelkraut.html

– Eine harntreibende Wirkung der Mistel?  Ist nicht im Ansatz fassbar.

– Eine tumorhemmende Wirkung? – Die gibt es bei Mistelextrakt gut dokumentiert im Labor, wenn damit isolierte Krebszellen behandelt werden. Im lebenden Organismus – also bei Krebspatienten – ist dieser Effekt nicht annähernd klar belegt. Mistelextrakt kann bei Tumorpatienten das unspezifische Immunsystem aktivieren.

„In niedriger, nichttoxischer Dosierung dominiert die immunstimulierende Wirkung der Mistellektine, aus der nicht auf eine Hemmung des Tumorwachstums geschlossen werden darf. Erst in höheren Konzentrationen, die bereits deutliche unerwünschte Wirkungen hervorrufen, zerstören Lektine und Viscotoxine Zellen.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Mistelkraut.html

Präzisiert werden muss zudem, dass Misteltee und Misteltinktur schon zum Vorneherein zur Tumorbehandlung unwirksam sind, weil allfällige Wirkstoffe beim Weg über den Verdauungstrakt nicht aufgenommen werden. Fallls die Mistel eine Wirkung auf Tumore haben sollte, dann nur via Injektion.

Zum Thema Mistel in der Krebstherapie siehe auch:

Misteltherapie gegen Krebs – wirksam?

Interessante kulturhistorischen und botanischen Aspekte der Mistel (Viscum album) hat die „Kleine Zeitung“ übrigens auch noch beschrieben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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