Kräuterkunde braucht einen kritischen Ansatz

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

In Büchern, Kursen und im Internet gibt es eine fast unendliche Menge an Aussagen über die Wirkungen von Heilkräutern – und nicht selten widersprechen sie sich sogar heftig. Ausserdem fehlt jede Qualitätskontrolle. Jede und jeder kann dazu etwas schreiben oder erzählen.

Deshalb braucht die Kräuterkunde einen kritischen Ansatz.

Es reicht nicht, wenn in Ausbildungen, Kursen oder Zeitschriften fast nur von den wunderbaren Wirkungen der Heilpflanzen berichtet wird. Das ist zu einseitig und man könnte sogar sagen – alles andere als ganzheitlich. Wobei „ganzheitlich“ auch ein problematisches Wort ist, weil es einen kaum einlösbaren Anspruch vermittelt.

Was heisst das nun aber, die Kräuterkunde brauche einen kritischen Ansatz.

Das Wort „kritisch“ stammt von einem griechischen Begriff ab, den man mit „Unterscheidungsvermögen“ oder “Beurteilungskunst“ übersetzen könnte. Ein kritischer Ansatz in der Kräuterkunde lehrt also Unterscheidungsvermögen. Es gilt dabei zu lernen, wie man glaubwürdige von unglaubwürdigen Aussagen unterscheiden kann. Ein wichtiges Ziel ist es dabei, Aussagen sorgfältig zu prüfen und zu beurteilen, anstatt sie einfach fraglos und blindlings zu übernehmen.

Eine kritische Kräuterkunde wird offene Fragen und widersprüchliche Aussagen nicht ausblenden, sondern zum Thema machen und sich damit auseinandersetzen.

Und sie wird neben den Möglichkeiten auch die Grenzen der Kräuterheilkunde ernstnehmen, genauso wie allfällige Nebenwirkungen und Kontraindikationen der Heilpflanzen.

Ich halte es für sehr fragwürdig, wenn Ausbildungsinstitutionen und auch Lernende sich einseitig an den „wunderbaren“ Wirkungen und Möglichkeiten der Heilpflanzen quasi berauschen, die Einschränken, Lücken und Widersprüche aber ausblenden. Das ist problematisch für allfällige Patientinnen und Patienten und es tut auch der Kräuterkunde als Wissensbereich nicht gut. Kritische Auseinandersetzung mit Widersprüchen, Lücken und Grenzen ist eine wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung eines Faches. Wer die kritische Auseinandersetzung gelernt hat ist zudem weniger anfällig für leere Werbeversprechungen.

Vor allem in der Phytotherapie-Ausbildung und im Heilpflanzen-Seminar ist es mir ein wichtiges Anliegen, dieses kritische Unterscheidungsvermögen zu fördern.

Schauen Sie sich selber um:

Das Ausblenden von Grenzen, Lücken und Widersprüchen und die einseitige Fixierung auf  wunderbare Heilwirkungen findet man natürlich nicht nur in der Kräuterkunde, sondern genauso beispielsweise bei Themen wie Schüssler-Salze, Bachblüten, Homöopathie und ähnlichem.

In der Kräuterkunde haben wir den Vorteil, dass es mit der wissenschaftlich ausgerichteten Phytotherapie einen ständigen „Stachel“ gibt, der die kritische Auseinandersetzung antreiben und in Gang halten kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>