Lindenblütentee gegen Nierenerkrankungen?

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Unter dem Titel „Kräutertees für jede Gelegenheit“ stellt die „Kleine Zeitung“ eine Reihe von Heilpflanzen vor.

„Lindenblütentee eignet sich zur unterstützenden Anwendung bei fiebrigen Erkältungen, leichten Infekten, Krämpfen, Kopfschmerzen und Migräne aber auch bei Rheuma, Nierenerkrankungen, Atemwegserkrankungen und Halsschmerzen.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=38495

Kommentar & Ergänzung:

Ein gutes Beispiel dafür, wieviel Unsinn über Heilpflanzen und ihre Wirkungen erzählt und geschrieben wird.

Lindenblütentee wird traditionell angewendet als schweisstreibendes Mittel bei fiebrigen Erkältung. Ob Lindenblütentee dabei wirklich besser wirkt als ein anderer heisser Kräutertee, ist zwar nicht geklärt. Trotzdem würde ich sagen, Lindenblütentee kann man gut zu diesem Zweck anwenden. Teetrinken ist bei fiebrigen Infekten bestimmt gut, und Lindenblütentee ist angenehm, mild und gut verträglich.

Dass Lindenblütentee gegen „Krämpfe“ wirken soll, dafür gibt es allerdings weder in der Tradition noch in der neuen Phytotherapie-Fachliteratur fassbare Hinweise, ebenso wenig wie gegen Kopfschmerzen, Migräne und Rheuma. Es sind weder dokumentierte Erfahrungen dazu greifbar noch sind Wirkstoffe aus den Lindenblüten bekannt, die solche Wirkungen auslösen könnten.

Noch fragwürdiger wird es mit der Indikation „Nierenerkrankungen“. Auch dazu gibt es keine glaubwürdigen Hinweise. Dazu kommt, dass „Nierenerkrankungen“ ein sehr weiter Begriff ist. Was ist denn damit genau gemeint? Nierenentzündungen, Nierenschwäche, Nierenkrebs, Nierensteine, Nierenzysten, Nierenversagen……?

Genauso bei „Atemwegserkrankungen“: Bronchitis, Lungenentzündung, Asthma, Husten….? Und gegen das alles hilft Lindenblütentee? Warum nicht präzisiere Angaben? Weil man dann genauer nachhaken könnte?

Lindenblütentee enthält Schleimstoffe. Davon ableiten liesse sich eine reizlindernde Wirkung bei trockenem Reizhusten. Und das in geringer Menge in den Lindenblüten vorhandene ätherische Öl  soll leicht beruhigend wirken.

Nichts gegen Lindenblütentee, aber eine ganze Menge gegen solche Wischiwaschi-Angaben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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