Heilpflanzenkunde: Engelwurz (Angelica archangelica)

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Engelwurz (Angelikawurzel) stammt aus dem Norden Europas, wo sie im Mittelalter als Gemüsepflanze verwendet wurde.

Der Legende nach machte erst ein Engel die Menschheit auf die Heilwirkung der Angelikawurzel aufmerksam. „Angelus“ bedeutet im Lateinischen Engel und liefert den Gattungsnamen für diese Heilpflanze. Paracelsus propagierte sie als giftaustreibendes Mittel und sogar zur Verhinderung einer Pestinfektion wurde die Inhalation einer essiggetränkten Angelikawurzel empfohlen.

Alte Kräuterbücher sagen der Angelikawurzel „als vornehmlichste Tugend, Gift auszutreiben und den Leib zu erwärmen“ nach. Arzneilich eingesetzt wird der Wurzelstock. Angelicae radix ist als Heilpflanze zugelassen und im Arzneibuch aufgeführt. Sie zählt in der Heilpflanzenkunde zur Gruppe der Amara-Aromatika und wirkt anregend auf die Magensaft- und Pankreassekretion und wird auch zur Steigerung des Gallenflusses angewendet.

Wirksamkeitsbestimmend ist das ätherische Öl der Engelwurz.

Hauptbestandteile des ätherischen Öls sind hauptsächlich Monoterpene vom Phellandrentyp und α-Pinen, Borneol und Camphen, ausserdem wurden Sesquiterpene wie β-Bisabolen und Kumarine (Osthenol und Furokumarine) in der Wurzel nachgewiesen. Der typische Geruch ist auf die enthaltenen Laktonderivate zurückzuführen. Extrakte aus Engelwurz wirken antibakteriell und krampflösend auf den Verdauungstrakt.

In der Volksheilkunde ist Angelikawurzel als alkoholischer Auszug in Magen- und Stärkungsmitteln unverzichtbarer Bestandteil von verdauungsstärkenden Präparaten, beispielsweise in der Rezeptur des Melissengeists oder in verdauungsfördernden Klosterlikören. Bei Appetitlosigkeit, Blähungen, Völlegefühl sowie krampfartigen Beschwerden des Magen- Darm-Trakts verschaffen diese Engelwurz-Extrakte Linderung. Auch als sekretionsfördernder Bestandteil in Erkältungstees, besonders bei Nebenhöhleninfektionen ist Angelicae radix speziell zu empfehlen.

Alkoholische Auszüge enthalten allerdings hohe Anteile an Furanocumarinen, die bei UVA-Belastung phototoxisch wirken. Solche Engelwurz-Auszüge sollen bei UV-Belastung nicht großflächig in Dermatika verwendet werden. In Teezubereitungen stellen diese Inhaltstoffe wegen der geringen Wasserlöslichkeit kein Problem dar.

Quelle:

http://www.pharmaceutical-tribune.at

Kommentar & Ergänzung:

Klar ist bei der Engelwurz die Anwendung zur Linderung von Verdauungsbeschwerden wie Völlebefühl, Krämpfen im Magen-Darm-Trakt etc. Weniger geklärt scheint mir die erwähnte Wirksamkeit bei Nebenhöhleninfektionen.

Engelwurz taucht als Bestandteil in vielen Klosterschnäpsen und Kräuterlikören wie Boonekamp, Bénédictine und Chartreuse. Kandierte Engelwurzstängel werden als Süßigkeit und als Verzierung für Backwaren angeboten. Engelwurz ist zudem Bestandteil des Schneeberger Schnupftabaks.

Die als Heilpflanze verwendete Angelica archangelica kommt bei uns nicht wild vor.

„Unsere“ einheimische Engelwurz heisst Angelica sylvestris, meist übersetzt mit Wald-Engelwurz, wobei aber passender „Wilde Engelwurz“ wäre – im Unterschied zur kultivierten Angelica archangelica. Angelica sylvestris wird auch Brustwurz genannt (Foto auf Wikipedia).

Angelica silvestris wird selten als Heilpflanze verwendet und wächst gerne an feuchten Stellen wie zum Beispiel an Flussufern. Die Blüten sind eine wertvolle Nahrungsquelle für viele Insektenarten. In den Stängeln wurden 65 Tierarten als Überwinterer gefunden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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