Kritik an neuer Einteilung von psychischen Störungen (DSM-5) reisst nicht ab

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Nach 14jähriger Vorbereitung soll im Mai die fünfte Neufassung der Diagnostik-Richtschnur DSM veröffentlicht werden, das DSM-5. Die Abkürzung DSM bedeutet „Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen“. Darin wird definiert, was als psychische Störung gilt und was nicht.

In der Zeitschrift „Psychologie heute“ übt der US-amerikanische Psychiater Allen Frances Kritik an der Neufassung. Er warnt vor dem Trend, dass immer mehr schwierige Verhaltensweisen und Empfindungen als psychische Krankheiten eingestuft werden. Als Beispiel nennt er die neue „Disruptive Mood Dysregulation Disorder“, vorgesehen für Kinder, die zu Wutausbrüchen neigen. Auch die Aufnahme von Fressanfällen – auch „Binge Eating“ genannt – in den Katalog der psychischen Störungen hält Allen Francis für fragwürdig. Nicht jedes problematische Verhalten sei automatisch eine Störung, betont Allen Frances.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=200135

Kommentar & Ergänzung:

Diese Erweiterung des Kataloges psychischer Störungen ist tatsächlich fragwürdig, weil sie einer zunehmenden Pathologisierung von Lebenssituationen und nachfolgend einer Medikalisierung aller Lebensphasen Vorschub leistet.

Ich habe in diesem Blog schon einmal auf die Problematik der zunehmenden Pathologisierung der Trauer im neuen DSM-5 hingewiesen.

Siehe dazu:

Medikalisierung der Trauer

Kaum ein Thema ist bisher allerdings der Beitrag, den Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin zur Medikalisierung aller Lebenslagen leisten.

Einsamkeit, Nervosität beim Schulanfang, Liebeskummer, Entscheidungsschwierigkeiten, Schüchternheit……Es gibt keine Lebenssituation mehr, bei der nicht eine ganze Palette von Globuli, Schüssler Salzen, Bachblüten, Pflanzentinkturen, Kinesiologie-Übungen, Bioresonanz-Applikationen, Aura-Reinigungsmittel, Edelstein-Anwendungen und vieles andere mehr angepriesen werden.

Und ich kenne nicht wenige Menschen, die immer mehrere dieser Mittel konsumieren, weil schliesslich immer „etwas“ ist.

Das halte ich für eine völlig gestörte Entwicklung.

So wird nämlich eine Überzeugung gefördert – oft schon von Kindheit an – dass wir ohne all diese Präparate unseren Alltag gar nicht bewältigen können.

So wird das Vertrauen in den eigenen Organismus unterminiert und eine psychische Abhängigkeit gezüchtet, welche vor allem die Kassen der komplementärmedizinischen Pharmaindustrie füllt.

Was dagegen wichtig wäre ist eine sorgfältige Abwägung, ob ein Präparat wirklich nötig ist oder nicht. Bei leichteren Befindlichkeitsstörungen sind oft nichtmedikamentöse Massnahmen sehr viel sinnvoller (Spazierengehen, Massage…).

Es geht mir also auch nicht darum, nie ein Präparat zu nehmen. Das wäre einfach das gegenteilige Extrem.

Skeptisch macht mich nur dieses Überhandnehmen therapeutisch gemeinter Eingriff in Situationen, die eigentlich normale Geschehnisse des Lebens sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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