Wildkräuterküche: Wiesen-Labkraut

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Unter dem Titel „Fünf Köstlichkeiten aus der Natur“ berichtet der Südkurier unter anderem über die Verwendung des Wiesen-Labkrauts in der Wildkräuterküche und in der Pflanzenheilkunde:

„Wiesen-Labkraut: Enthält wie Waldmeister Cumarine in geringen Mengen. In der Naturheilkunde wird das Kraut zur Entschlackung über die Lymphe verwendet und hat den Ruf, die Lebensgeister zu wecken. Aus den Blüten lässt sich Sirup und Gelee machen, junge Blätter sind ein leckerer Basilikum-Ersatz auf dem Tomatensalat. Fast das ganze Jahr kann man Blätter und zarte Stängel in der Küche verwenden.“

Quelle:

http://www.suedkurier.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/aktuelles/baden-wuerttemberg/info/Fuenf-Koestlichkeiten-aus-der-Natur;art992911,5653809

Kommentar & Ergänzung:

Das Wiesen-Labkraut (Galium mollugo) gehört zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Die Wurzeln des Wiesen-Labkrauts wurden früher zur Herstellung von roter Farbe für Textilien verwendet, ähnlich wie die Wurzeln des Färberkrapps.

Die Pflanzen der Gattung Labkraut enthalten das Labferment, das auch im Kälbermagen vorkommt und zur Käseherstellung verwendet wird.

Betreffend Heilwirkungen ist beim Wiesen-Labkraut so gut wie gar nichts geklärt. Die Verwendung als „Kraut zur Entschlackung“ ist fragwürdig, weil „Entschlackung“ schon grundsätzlich ein fragwürdiger Begriff ist.

Siehe dazu:

Mit Heilfasten und Entschlackungskuren ins neue Jahr

„Schlackenstoffe“ – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Maria Treben zum Labkrauttee….

Sehr hoch geschätzt wurden die Labkraut-Arten von Maria Treben, wobei sie bezüglich Heilkraft und Anwendungsbereichen keinen Unterschied machte zwischen Wiesen-Labkraut, Echtem Labkraut (Galium verum) und Kletten-Labkraut (Galium aparine).

Maria Treben empfahl Labkrauttee zur Reinigung von Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse und Milz von Krankheitsstoffen, bei Störungen des Lymphdrüsensystems, gegen Bleichsucht, Wassersucht, Seitenstechen, Hautkrankheiten, Wunden, Furunkel und Mitesser, zur Straffung welker Gesichtshaut, bei Epilepsie, Hysterie, Veitstanz, Nervenleiden, Urinverhaltung, Griessbeschwerden und Steinbeschwerden, gegen Kropfleiden, Schilddrüsenerkrankungen und Stimmbänderlähmung.

Labkrauttee soll bei schwersten Nierenleiden und Nierenvereiterung helfen, bei Gebärmutterbeschwerden, Nierenschrumpfung, Zungenkrebs und krabsartigen Geschwüren jeder Art.

Für diese Heilungsversprechungen existieren keinerlei auch nur einigermassen überzeugende Belege. Diese Aufzählung zeigt nur, wie absolut unkritisch und fahrlässig Maria Treben Anekdoten und Heilungsgeschichten weiter verbreitete.

Es handelt sich hier um Indikationslyrik.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Indikationslyrik unter die Lupe nehmen

Zu Maria Treben:

Wie verlässlich sind die Ratschläge von Maria Treben?

Leider kommen grossartige Versprechungen bei vielen Leserinnen und Lesern der Schriften Maria Trebens besonders gut an. Was dringend nötig wäre: Mehr kritisches Denken, weniger blinde Gläubigkeit.

Siehe auch:

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Komplementärmedizin: Mehr Argumente, weniger fraglose Gläubigkeit

Naturheilkunde – kritische Fragen unerwünscht?

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde – nachfragen statt blind glauben

Naturheilkunde: Selber denken statt blind glauben

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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