Phytotherapie auf der Intensivstation – eine Chance!

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Phytotherapie verbindet die Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde mit den Ergebnissen neuzeitlicher Arzneipflanzenforschung. Sie gehört damit zur klassischen Naturheilkunde und ist ein (randständiger) Teil der Medizin. Phytotherapie ist deshalb konzeptuell medizin- und pflegekompatibel.

Was ist Phytotherapie?

Heilpflanzen-Anwendungen auf phytotherapeutischer Basis haben sich in den letzen Jahren in vielen Bereichen der Pflege bewährt – zum Beispiel in Pflegeheimen, Spitex-Organisationen, Psychiatrischen Kliniken und in der Palliative Care.

Phytotherapie in der Pflege

Aber auf der Intensivstation? Stehen da nicht ganz andere Probleme im Vordergrund?

Professionelle Heilpflanzen-Anwendungen machen auch auf der Intensivstation Sinn und bringen viel „Soft-Power“ mit.

Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege nehmen ein weit verbreitetes Bedürfnis nach „natürlichen Alternativen“ auf und beantworten es mit einem fundierten Angebot.

Sie lassen sich science-basiert und medizinisch gut begründbar integrieren. Dass die IPS zur Filiale von Harry Potter’s Hogwarts wird, muss bei phytotherapeutischen Anwendungen jedenfalls niemand befürchten….

Was bringt Phytotherapie auf der Intensivstation?

In der technikgeprägten Atmosphäre einer Intensivstation setzen Heilpflanzen-Anwendungen einen besonders wichtigen ausgleichenden Akzent:

– In einer Umgebung, die den Patientinnen und Patienten meist sehr fremd ist, sind Kräutertees, Wickel, Kompressen und Einreibungen oft vertraute Elemente;

– Heilpflanzen-Anwendungen ermöglichen eine ritualisierte Form von Zuwendung;

– Manche Heilpflanzen-Anwendungen eignen sich auch zur Instruktion von Angehörigen., die damit ihren Liebsten etwas Gutes tun können;

– Heilpflanzen-Anwendungen können zur Tagesstrukturierung eingesetzt werden;

– Heilpflanzen-Anwendungen können zu einem Gefühl der Entschleunigung beitragen – auch bei den Pflegenden;

– Heilpflanzen-Anwendungen bieten den Pflegenden oft eine bessere Basis für Kommunikation und damit einen besseren Zugang zu Patientinnen und Patienten, als es beim Stecken einer Infusion oder beim Verabreichen einer Tablette der Fall ist.

Beispiele für Heilpflanzen-Anwendungen auf der Intensivstation

Mundschleimhaut

Die Phytotherapie kennt verschiedene Ansätze zur Behandlung von Entzündungen im Bereich von Haut und Schleimhaut, die sich gut in die Pflege integrieren lassen.

Bekannt sind die „Klassiker“: Entzündungswidrige Spülungen mit Salbeitee und Kamillentee. Wirksam sind aber auch Schleimpflanzen wie Leinsamen und Eibischwurzel mit ihrem reizlindernden und schleimhautschützenden  Effekt.

Gerbstoffpflanzen wie Blutwurz und Schwarztee reduzieren die Empfindlichkeit des Gewebes und holen Entzündungen relativ rasch herunter. Sie sind aber im Gegensatz zu den Schleimpflanzen meist nicht für die Anwendung über längere Zeit geeignet.

Bewährt haben sich ausserdem gefrorene Ananasstückchen.

Übelkeit und Erbrechen

Gute Erfahrungen haben wir gemacht mit Pfefferminztee, Ingwer und Iberogast®.

Ängstlichkeit / Unruhe / Schlafstörungen

Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Lavendelblüten, Lavendelöl, Melisse, Orangenblüte.

Die Phytotherapie hat nicht nur eine Reihe von unterschiedlich wirkenden Heilpflanzen „im Köcher“, sondern auch sehr verschiedene Anwendungsformen: Vom Dragée, das so schnell und quasi reibungslos geschluckt wird wie ein synthetisches Medikament, bis zu ritualisierten Anwendungen wie Auflagen, Wickel, Einreibungen oder Kräutertees, bei denen Zuwendung und ein sinnlicher Input integriert sind.

Gerade in den Bereichen Ängstlichkeit / Unruhe / Schlafstörungen, aber auch bei Schmerzen, bringen diese ritualisierten Anwendungsformen Effekte mit sich, die ein Dragées nie bieten kann.

Hautentzündungen

Bei Hautentzündungen bewährt sich oft Lavendelöl gemischt mit fettem Öl oder Lipolotion. Bei nässenden Hautentzündungen sind Kompressen mit Schwarztee gut wirksam (Gerbstoffanwendung).

Juckreiz

Juckreizlindernd wirken zum Beispiel:

– Pfefferminzöl auftragen (0.5% in fettem Öl), Mentholpuder;

– Kühle Waschungen mit Zugabe von Pfefferminzöl oder Lavendelöl;

– Kühle Schwarztee-Waschungen;

– Gurkenmus (pürieren, auftragen)

– Quarkauflagen.

Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege brauchen allerdings fundiertes Fachwissen.

Am Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur wird eine Phytotherapie-Ausbildung für Pflegende angeboten, welche dieses Fachwissen vermittelt.

Ausserdem gibt es am SIP  Tagesseminare für Pflegende und ein Angebot für Teamweiterbildungen in Pflegeinstitutionen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>