Fakten-Check – nötig wie eh und je

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«Wir werden nicht zulassen, dass unsere Kampagne durch Fact-Checker beeinflusst wird.» – Das sagte der Umfragechef von US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, Neil Newhouse.

Fordert hier einer das Recht auf ungestörte Lüge im Wahlkampf?

So direkt würden Romney und Newhouse das wohl nicht sagen.

Wahrscheinlich sind die Lügen subtiler.

Die Tea Party – gut ersichtlich an Vize-Präsidentschaftskandidat Paul Ryan – hat sich ein sehr spezielles Weltbild gebastelt. Fakten, die diesem Weltbild widersprechen, werden als Zumutung empfunden.

Zu Recht gebogen und gelogen wird, um das eigene Weltbild zu retten, welches offenbar dringende Bedürfnisse erfüllt. Das dürfte deshalb ein wenig bewusster Vorgang sein.

Eine ähnliche Renitenz gegen Fakten-Checking ist zu beobachten in Bezug auf Heilungsversprechungen in Medizin und Komplementärmedizin.

In der Wissenschaft gehören Kritik und „Fakten-Checking“ zum Kerngeschäft. Ein Medikamentenhersteller muss die Wirksamkeit seiner Produkte belegen, bevor er für sie eine Zulassung erhält. Allerdings sind die Spiesse zwischen den Propagandaabteilungen und den Kritikern meistens nicht annähernd gleich lang. Pharmafirmen investieren sehr viel Geld in PR und Lobbying, um kritische Einwände zu übertönen. Geld und Einfluss kann über lange Zeit gegen Kritik immunisieren. Vor allem Halbwahrheiten halten sich dadurch erstaunlich hartnäckig.

Im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin ist Fakten-Checking ebenso wichtig, vor allem weil eine offizielle Qualitätskontrolle fehlt. So werden zum Beispiel Homöopathika und Anthroposophika von den Arzneimittelbehörden als Heilmittel zugelassen, ohne dass die Hersteller die Wirksamkeit der Präparate belegen müssen. Das gilt auch für traditionelle Pflanzenheilmittel (während moderne Phytopharmaka genauso wie synthetische Medikamente Studien vorlegen müssen).

Auch bei Hausspezialitäten von Apotheken und Drogerien sowie bei Nahrungsergänzungsmittel fehlt eine Wirksamkeitskontrolle.

Ohne Fakten-Check stehen Konsumentinnen und Konsumenten einer Welle von ungeprüften Heilungsversprechungen gegenüber, was eine sorgfältige Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Anwendung sehr schwierig macht. Genauso wie die Entscheidung zwischen Romney und Obama schwieriger ist, wenn nicht klar wird, wer wann wieviel lügt.

Auch im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin ist Fakten-Checking allerdings nicht gerade einfach.

Viele Gesundheitszeitschriften sind zum Beispiel stark abhängig von Inseraten der Hersteller von Komplementärtherapeutika und müssten mit Inserate-Entzug rechnen, wenn sie kritisch über solche Produkte berichten würden. Sie unterlassen das daher in der Regel prophylaktisch.

Ausserdem gibt es im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin eine ziemlich verbreitete Neigung, Methoden zu einer Art von Glaubenssystem zu machen. Stellt man kritische Fragen zu solchen Methoden, kommt es zu heftigen Reaktionen von Gläubigen, die ihre Überzeugungen bedroht sehen. Das nimmt manchmal einen Charakter an, der an die Verletzung religiöser Gefühle erinnert.

Leute, die blind an irgendwelche Wunderversprechungen glauben und immun sind für kritische Fragen, wollen – ähnlich wie offenbar Neil Newhouse – einfach nicht zulassen, dass ihr Weltbild durch Fakten-Checking in Frage gestellt wird. Das mag ja ihr Recht sein. Die Empörung  und Militanz aber, mit der das Stellen kritischer Fragen bekämpft wird, nimmt oft fundamentalistische Züge an.

Ich halte die Würde des kritischen Nachfragens und damit des Fakten-Checkings für sehr wichtig. Und zwar überall: In Medizin, Pharmaindustrie, Komplementärmedizin, Phytotherapie, Esoterik, Politik.

Wenn wir es verlernen, Versprechungen einem Fakten-Check zu unterziehen, sind wir auf Gedeih und Verderb der Propaganda ausgeliefert – zum Beispiel im Gesundheitsbereich, aber vor allem auch in der Politik.

Darum ist es mir ein wichtiges Anliegen, in Ausbildungen und Kursen die Fähigkeit zum Fakten-Check zu fördern und zu vermitteln.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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