Archive for Oktober, 2011

Bittermelone / Bittergurke gegen Diabetes?

Montag, Oktober 31st, 2011

Die Zeitschrift für Phytotherapie ( Nr. 3 / 2011) veröffentlichte einen Beitrag zum Stand des Wissen betreffend einer antidiabetischen Wirkung der Bittermelone.

Hier daraus die wichtigsten Informationen:

In Fachzeitschriften und in der Laienpresse wird in den letzten Jahren immer wieder einmal über die blutzuckersenkenden Eigenschaften der Bittermelone (Momordica charantia, Fam. Cucurbitaceae) berichtet. Andere Bezeichnungen der Pflanze sind sind Bittergurke oder Balsambirne. Es handelt sich um eine einjährige Kletterpflanze, die ursprünglich in Indien und China heimisch war. Zu den pharmakologisch aktiven Inhaltsstoffen gehören Charantin, dem ein hypoglykämischer Effekt zugeschrieben wird, p-Insulin (verwandt, aber nicht kreuzreaktiv mit bovinem Insulin), die antiviralen Proteine MAP 30 (Momordica anti-protein) und RIPs (Ribosome inactivating proteins) und Momorcharin (Ribosomen-inaktivierende und immunmodulatorische Glykoproteine).

Die den Blutzucker beeinflussenden Eigenschaften waren in den ersten größeren randomisierten klinischen Studien eher marginal, als Begleitbehandlung im Einzelfall merklich. Bei früheren Untersuchungen handelt es sich durchweg um kleine Fallserien, die sich für eine Bewertung der Sicherheit und Verträglichkeit nicht oder nur eingeschränkt eignen. Zwar gibt es noch eine neuere pakistanische Publikation, deren Autoren sogar eine bessere Blutzuckerkontrolle mit Bittermelonensaft (55 ml/Tag) als mit Rosiglitazon (4 mg/Tag) postulieren. Die Studie weist allerdings zahlreiche formale und inhaltliche Mängel auf.

Die Autoren fassen den neuesten Stand so zusammen:

„Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2010 identifizierte lediglich 3 klinische Studien von geringer Datenqualität, die keine signifikanten Unterschiede zwischen der Bittermelone und Placebo oder Glibenclamid hinsichtlich einer Senkung des Blutzuckerspiegels zeigten. Die Dauer der Behandlung reichte von 4 Wochen bis zu 3 Monaten. Insgesamt wurden 350 Patienten mit Typ-2-Diabetes untersucht. Die Nebenwirkungen waren moderat und schlössen Diarrhö und abdominelle Schmerzen ein. Die Autoren des Reviews kommen zu dem Schluss, dass es eine unzureichende Evidenz für den Einsatz der Bittermelone bei Typ-2-Diabetes gibt. Weitere Studien sind als Grundlage für eine Standardisierung und der Qualitätskontrolle der Präparate erforderlich. Auch für eine Verwendung als Nahrungsergänzung sind weitere Beobachtungsstudien zur Bewertung des Effektes erforderlich, bevor eine Empfehlung für die Verwendung ausgesprochen werden kann.“

Als Fazit schreiben sie:

„Ausmaß und Nutzen der blutzuckersenkenden Eigenschaften von Momordica charantia sind in nur wenigen kontrollierten klinischen Studien mit unzureichender Datenqualität untersucht und daher nicht einschätzbar. Erforderlich sind weitere kontrollierte klinische Studien als Grundlage für die Bewertung eines Nutzens und einer Standardisierung der vielen Präparate. Zu einer Verwendung kann derzeit nicht geraten werden.“

Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 3 / 2011

Kommentar & Ergänzung:

Diabetes ist eine Krankheit, deren Bedeutung in den nächsten Jahren wohl noch deutlich steigen wird. Insofern ist die Forschung betreffend antidiabetischer Wirkung von Bittermelone / Bittergurke sehr interessant.

Allerdings – und das ist nicht selten so – wird die Heilpflanze Bittermelone bereits intensiv vermarktet, obwohl die wesentlichen Fragen noch nicht annähernd beantwortet sind.

Hier ergänzende Informationen zur Wirkung der Bittermelone / Bittergurke aus Wikipedia:

„Im Jahr 2004 veröffentlichte die Österreichische Apothekerzeitung einen Artikel, der zu dem Schluss kam:

‚Momordica charantia wird im amerikanischen Raum, wie zahlreiche Patente beweisen, zur Zeit im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel und Supplemente propagiert. In der Forschung werden verschiedene Wirkstoffe u.a. in der HIV-Behandlung oder wegen ihrer antikanzerogenen Wirkung näher untersucht. Der Blutzucker senkenden Wirkung von M. charantia bei Typ II-Diabetikern stehen einerseits noch die schlechte klinische Datenlage und andererseits eine meist ungenügende Standardisierung und Deklaration allfälliger am Markt erhältlicher Produkte gegenüber. In Österreich und Deutschland existieren derzeit keine Arzneispezialitäten. Als Nicht-Arzneimittel sind in Österreich z. B. »charantea«, ein Tee aus getrockneten Samen und Früchten für Diabetiker, in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Glukokine) oder als Diätetisches Lebensmittel für Diabetiker erhältlich. Die additive Anwendung von M. charantia ist zusätzlich zu medikamentöser Therapie, Ernährungsmaßnahmen und einem sinnvollen Bewegungsprogramm bei Typ II-Diabetikern immer unter Aufsicht des behandelnden Arztes durchzuführen.’

Es gibt nach wie vor nur wenige klinische Studien, die positive Wirkungen der Bittermelone belegen. Folgende Wirkungen sind seit 2004 wissenschaftlich in Laborstudien und Tierversuchen gezeigt worden:

- sie wirkt anthelmintisch gegen Wurmbefall mit Caenorhabditis elegans und bei viralen Erkrankungen mit Sindbis und Herpes simplex Typ I;

- der Saft hat einen schützenden Effekt auf die Magenschleimhaut von Ratten;

- sie ist möglicherweise bei Ratten gegen Fettsucht wirksam durch Eingriff in den Fettstoffwechsel;

- durch antiandrogene Wirkung werden bei Ratten Spermien geschädigt;

- Linolensäuren aus den Samen erzeugten Zelltod in bestimmten Krebszellen;

- die Pflanze enthält antifungal wirksame Stoffe, auf die die Pilze Candida albicans, Trichophyton rubrum und Cryptococcus neoformans empfindlich sind.“

Und zu den Nebenwirkungen schreibt Wikipedia:

„Im Falle einer Überdosierung kann es zu Magen- und Bauchschmerzen oder zu Durchfall kommen. Auch leichte Blutvergiftungen können kurzfristig auftreten. Der Tee sollte so zubereitet werden, dass er schmeckt und nicht zu bitter ist. Vor allem bei Diabetes und Durchblutungsstörungen wird eine Menge von einem Liter täglich pro Kapsel oder Portion empfohlen. Schwangeren wird vom Gebrauch abgeraten, da einzelne Inhaltsstoffe fruchtschädigende Wirkung zeigten.“

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zwiebelsirup und andere Hausmittel bei Husten

Montag, Oktober 31st, 2011

Die Bild-Zeitung bringt Expertenmeinungen zum Thema „Erkältungszeit – Was hilft, wenn uns die Viren im Griff haben“.

Frage:

„Welche Hausmittel haben sich bei Husten bewährt?“

Antwort von Michael Stimpel, Professor für Innere Medizin und Chefarzt der Deutschen Klinik für Naturheilkunde und Präventivmedizin, Püttlingen:

„Zwiebelsirup, den man aus einer mit Honig oder Zucker über Nacht versetzten, gewürfelten Zwiebel gewinnen kann. Dieser Sirup wird über den Tag teelöffelweise eingenommen. Ätherische Öle von Eukalyptus, Thymian, Salbei, Anis, Eibisch oder Fenchel, als Salbe, Creme, Badezusatz oder zur Inhalation, können über die Haut und Schleimhäute aufgenommen werden. Sie lindern Hustenreiz und lösen den Schleim in den Atemwegen. Die Mittel gibt es auch als Hustensäfte, Sirup, Tropfen und Tee.“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/erkaeltung/erkaeltung-irgendwas-laeuft-hier-schnief-20664192.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Schön, dass hier der altbewährte Zwiebelsirup eine professorale Empfehlung bekommt.

Bei der Auszählung von ätherischen Ölen für die Anwendung bei Husten eignen (als Inhalation, Erkältungsbad, Erkältungssalbe), hat sich allerdings ein Irrtum eingeschlichen. Eibisch enthält kein ätherisches Öl.

Eibischwurzel enthält Schleimstoffe, die einhüllende Wirkung entfalten bei trockenem Reizhusten. Als Erkältungssalbe, Erkältungsbad oder Erkältungsinhalation sind Schleimstoffe aber unsinnig.

Eibischwurzel muss im Form von Eibischwurzeltee angewendet werden (Kaltauszug). Auch Eibischsirup ist eine (aber nicht meine) Option.

Eukalyptusöl, Thymianöl, Salbeiöl, Anisöl und Fenchelöl sind quasi Klassiker bei Husten und Erkältungen.

Als Erkältungssalbe mischen mit einem fettten Öl als Grundlage (z.B. Mandelöl), Bei direkter Inhalation über einem Topf heissem Wasser schwach dosieren (1 Tropfen). Für den Einsatz als Erkältungsbad das ätherische Öl emulgieren mit Vollmilch oder Kaffeerahm.

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“Naturheilkunde sieht Erfolge im Kampf gegen Krebs”

Montag, Oktober 31st, 2011

So betitelt Bild-Zeitung / DPA eine Meldung vom 28. Oktober.

Die Nachricht tönt gut. Naturheilkunde kann meiner Ansicht nach durchaus einen sinnvollen Platz haben in der Krebstherapie.

Die Meldung von Bild / DPA ist aber voll von Nebelschwaden, Manipulation und Täuschung. Es lohnt sich daher, sie genauer unter die Lupe zu nehmen, weil man daraus für viele ähnliche Meldungen etwas lernen kann.

Hier der Originaltext am Stück:

Naturheilkunde sieht Erfolge im Kampf gegen Krebs

Eine Kombination aus Schulmedizin und Naturheilkunde kann aus Sicht von Naturheilkundlern in der Krebstherapie erfolgreich sein. Der amerikanische Krebsforscher Ralph Moss sagte am Freitag zum Auftakt der Medizinischen Woche in Baden-Baden, Studien aus drei Jahrzehnten hätten gezeigt, dass eine konventionelle Therapie die besten Resultate erziele, wenn sie mit einer individuell abgestimmten Behandlung aus dem breiten Spektrum der Komplementärmedizin ergänzt werde. Er begründete dies mit der Stabilisierung und Stärkung der körpereigenen Kräfte gegen die Belastung durch aggressive Therapien.“

Quelle:

http://www.bild.de/regional/stuttgart/stuttgart-regional/naturheilkunde-sieht-erfolge-im-kampf-gegen-20705946.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Schauen wir uns die Meldung nun Schritt für Schritt an (Kommentare von mir kursiv):

„Naturheilkunde sieht Erfolge im Kampf gegen Krebs“

Kommentar M.K.:

Schon der Titel wirft einige Fragen auf:

- Was genau ist gemeint mit „Naturheilkunde“? Dieser Begriff wird heute oft irreführend und unpräzis verwendet.

Siehe:

Naturheilkunde – was ist das?

- “Naturheilkunde sieht Erfolge….”

So? Naturheilkunde ist vorerst einmal ein Begriff und der sieht gar nichts. Darüber hinaus kann man die “Naturheilkunde” auch als eine sehr heterogene “Szene” sehen, deren Vertreter  man aber zuerst fragen müsste, ob sie mit den Aussagen im Text einverstanden sind. “Naturheilkunde sieht….” tönt aber gewichtiger als “Ralf Moss sagt…”. Die “Naturheilkunde” wird hier vereinnahmt zur Stärkung der eigenen Position.

- Was ist gemeint mit „Erfolg“ im Kampf gegen Krebs? „Erfolg“ müsste klarer definiert werden.

Die Formulierung legt nahe, dass mit „Erfolg“ Krebsheilung gemeint ist.

Diese Interpretation wird natürlich von Krebspatienten und von einer Öffentlichkeit, die verständlicherweise Angst vor Krebs hat, sehr gerne gehört.

Viel weniger gerne wird gehört, dass von missionarischen Heilbringern geschürte Hoffnungen leider weitestgehend illusorisch ist.

Naturheilkunde – und das sage ich als Naturheilkundler – kennt meines Erachtens keine überzeugenden Heilmittel gegen Krebs. Selbst für die oft angewendete Misteltherapie  gibt es trotz unzähliger Untersuchungen keine wasserdichten Belege für eine lebensverlängernde Wirkung.

Siehe dazu:

Misteltherapie gegen Krebs – wirksam?

Soll man die Leute mit illusorischen Hoffnungen abfüllen? Das kommt immer gut an und man wird als (vermeintlicher) Retter in der Not hoch geschätzt. Oder soll man die bescheidenen Möglichkeiten bescheiden darstellen auf das Risiko hin, damit im Heer der Heilstrompeter übersehen zu werden?

Ralf Moss gehört meinem Eindruck nach zur ersten Gruppe.

Der „Erfolg“ der Naturheilkunde in der Onkologie kann in der Verbesserung der Lebensqualität der Patienten liegen oder in der Linderung von Beschwerden, die durch Chemotherapie oder Bestrahlung verursacht werden. Für Patientinnen und Patienten ist das oft wertvoll, aber es ist nicht die erhoffte Heilung.

Diese Begrenzung und Präzisierung macht die Schlagzeile von Bild / DPA aber nicht.

Den Heilstrompetern reicht diese Begrenzung nicht. Nur Symptome zu lindern, das ist nicht genug für ihr grosses Ego. Mehr Bescheidenheit und weniger Allmachtphantasien wären meines Erachtens hier angebracht.

„Eine Kombination aus Schulmedizin und Naturheilkunde kann aus Sicht von Naturheilkundlern in der Krebstherapie erfolgreich sein.“

Kommentar M.K.:

- Der Begriff „Schulmedizin“ ist ein ideologisch aufgeladener, negativ gefärbter Kampfbegriff und damit manipulativ. Die Medizin soll kritisiert werden. Sie hat Kritik nötig genauso wie die sogenannte „Komplementärmedizin“. Die Kritik soll aber auf Argumenten aufbauen und konkrete Missstände benennen und sich nicht hinter negativ aufgeladenen Begriffen verstecken.

Siehe dazu:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

- Auch hier wieder: Was meint „in der Krebstherapie erfolgreich sein“?

„Der amerikanische Krebsforscher Ralph Moss sagte am Freitag zum Auftakt der Medizinischen Woche in Baden-Baden..“

Kommentar M.K.:

-Was verstehen Sie unter einem „Krebsforscher“? Ich würde mir einen Wissenschaftler vorstellen, einen Biologen vielleicht oder einen Arzt.

Das dürfte wohl den meisten Leserinnen und Lesern so gehen. „Krebsforscher“ Ralph Moss ist ein Buchautor, Journalist und Filmemacher. Er hat weder in der Krebsforschung gearbeitet noch ist er Arzt. Ralph Moss promovierte 1974 an der Stanford University (Ph.D. in “Classical Languages and Literature”). Er propagiert zahlreiche unwirksame Krebstherpien wie zum Beispiel Amygdalin (Laetrile).

Zu Amygdalin siehe:

Amygdalin / Vitamin B17 als angebliches Krebsmittel

Aber Bild / DPA schreibt von „Krebsforscher“…

Weitere Info zu Ralph Moss:

- Zur „Medizinischen Woche“ in Baden-Baden……..

Tönt anerkannt, neutral, umfassend, die „Medizinische Woche“…..

Es handelt sich um einen Kongress zur Propagierung von unbelegten Krebstherapien. Das ist selbstverständlich legal in einer Gesellschaft mit Meinungsfreiheit. Legal (und nötig) ist aber auch, solche Ansichten kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Warum wird im Titel der Veranstaltung der Inhalt „alternative Krebstherapien“ nicht genannt, sondern ein neutraler „medizinischer“ Inhalt (“Medizinische Woche) vorgegaukelt?

Der Kongress steht unter dem Motto:

Mit der Natur im Einklang – Krebs vorbeugen und behandeln”

Nur schon dieses Motto ist ausgesprochen fragwürdig und irreführend. Zu fragen wäre etwa, ob das überhaupt möglich ist, den Krebs im Einklang mit der Natur zu bekämpfen.

Im Einklang mit der Natur müsste man den Krebs nämlich wachsen lassen. Schliesslich gehört der Krebs unzweifelhaft auch zur Natur.

Das Motto tönt aber so schön…..

Leere, aber mit positiven Emotionen verknüpfte Ausdrücke sind ein Baustein für Manipulation.

Veranstaltet wird die „Medizinische Woche“  von der „Deutschen Gesellschaft für Onkologie e. V“ (DGO). Das tönt nach der offiziellen Fachorganisation der Onkologinnen und Onkologen in Deutschland.

In Wirklichkeit handelt es sich um einen Verein mit sehr beschränkter Mitgliederzahl, vor allem um Ärzte, die Krebstherapien propagieren, deren Wirksamkeit nicht belegt ist. Es ist legal, dass solche Ärzte sich organisieren und ihre Interessen vertreten. Aber warum muss dazu ein Vereinsname her, der eine nicht vorhandene Reputation und Bedeutung vorspiegelt? Das ist unseriös bis in die Knochen. Ralph Moss ist Ehrenmitglied der DGO. Präsident der DGO ist der Arzt Friedrich Douwes, der unter anderem das angebliche Krebswunderheilmittel Miracle Mineral Supplement (MMS) propagiert.

Eine schöne “Gesellschaft zur Ausbeutung der Hoffnung schwerkranker Patienten” (GAHSP) haben wir da.

Weitere Infos zur DGO:

Weitere Infos zu Friedrich Douwes

Eine seriöse Organisation im Bereich Krebs / Onkologie ist die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG): http://www.krebsgesellschaft.de/

und in der Schweiz die Krebsliga.

„Studien aus drei Jahrzehnten hätten gezeigt, dass eine konventionelle Therapie die besten Resultate erziele, wenn sie mit einer individuell abgestimmten Behandlung aus dem breiten Spektrum der Komplementärmedizin ergänzt werde.“

Kommentar M.K.:

- Was heisst genau: Studien aus drei Jahrzehnten…..?

Welche Studien, mit welchen Verfahren oder Stoffen?

Es gibt Studien mit sehr unterschiedlicher Qualität. Das Wort „Studien“ sagt über die Relevanz von Ergebnissen nichts aus.

Bei Laborstudien zum Beispiel ist sehr fraglich, ob die Effekte aus Zellkulturen auch beim Menschen auftreten würden.

Und alle „Studien aus drei Jahrzehnten“ scheinen sich einig zu sein? Das ist äusserst unwahrscheinlich. Es ist geradezu charakteristisch für die Wissenschaft, dass es zu einem Thema Studien mit positiven und negativen Ergebnissen gibt, und dass man erst aus einer Vielzahl von zum Teil widersprüchlichen Studien relevante Schlüsse ziehen kann.

Warum werden negative Studien, die es beim Thema Krebsbehandlung durch Naturstoffe in grosser Zahl gibt, nicht erwähnt. Das sieht nach Manipulation durch einseitige Selektion aus.

- Und wie schon beim Begriff „Erfolg“: Was genau meint, die besten „Resultate“? Krebsheilung? Verlängerte Lebenszeit? Verbesserung der Lebensqualität?

- Was genau ist gemeint mit „aus dem breiten Spektrum der Komplementärmedizin“?

„Komplementärmedizin“ ist ein positiv gefärbter Lobbying-Begriff, der an sich noch nichts aussagt. „Komplementär“ bedeutet ergänzend. Darin steckt eine Vorstellung vom Ganzen. Natürlich ist das „Ganze“ zu haben immer attraktiver als nur einen Teil, vor allem auch für leidende Patienten.

Aber was ist den genau das Ganze, zu dem Komplementärmedizin die Medizin ergänzt? Körper, Seele und Geist? Und wie sieht das dann konkret in der Behandlung aus? Kann überhaupt jemand ganzheitlich behandeln? Um jemand ganzheitlich zu behandeln müsste man ihn oder sie ganzheitlich wahrnehmen. Wir nehmen aber wohl nur einen beschränkten Teil unseres Gegenübers und auch nur einen kleinen Teil von uns selbst wahr. Wie also soll Ganzheitlichkeit erreichbar sein?

Mehr dazu hier:

Fragwürdige Ganzheitliche Medizin

Komplementörmedizin – ein fragwürdiger Begriff

„Er begründete dies mit der Stabilisierung und Stärkung der körpereigenen Kräfte gegen die Belastung durch aggressive Therapien.“

Kommentar M.K.:

Gegen das Ziel „der Stabilisierung  und Stärkung der körpereigenen Kräfte gegen die Belastung durch aggressive Therapien“ ist nichts einzuwenden.

Die Aussage ist einfach so vage, dass wohl niemand dagegen Einwände haben kann. Die Kehrseite davon ist aber, dass damit auch nichts Greifbares ausgesagt wird. So „leer“ spricht der Satz einfach Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse an, zum Beispiel das Bedürfnis nach Schutz vor aggressiven Therapien, das Gefühl der Angst etc.

Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse ansprechen, ohne greifbare Aussagen zu machen (an denen jemand anecken könnte) – ist ein Vorgehen mit manipulativem Potenzial.

Fazit: Der in „Bild“ bzw. DPA veröffentlichte Text ist hoch tendenziös und täuscht Leserinnen und Leser.

Dabei ist aber festzuhalten, dass dies kein Einzelfall ist. Die Berichterstattung über Themen aus Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Alternativmedizin ist in hohem Mass unkritisch und irreführend. Im vorliegenden Text hat „Bild“ wohl einfach eine DPA-Meldung abgedruckt, die wiederum vermutlich auf einer Pressemitteilung der Kongressveranstalter basieren dürfte. Fragen wurden da offensichtlich keine gestellt.

Leserinnen und Lesern kann man eigentlich nur raten, entweder solchen Schrott gar nicht zu lesen, oder sich ein Vergnügen draus zu machen, die Inhalte kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Ungeprüft blind glauben, was da alles geschrieben wird, ist jedenfalls eine ungesunde und unwürdige Option.

P.S.: Vor allem Menschen mit chronischen und / oder lebensbedrohenden Krankheiten werden oft überschwemmt mit gut gemeinten Ratschlägen aus dem Bereich Komplementärmedizin.

Das wird für Patientinnen und Patienten nicht selten anstrengend.

Wie kann man sich orientieren in diesem unübersichtlichen Angebot?

Wie bildet man sich eine fundierte, eigene Meinung?

Infos und Anregungen dazu gibt es im Tagesseminar

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Zitat des Tages von Silvio Berlusconi

Sonntag, Oktober 30th, 2011

„Ich bin die Regierung, die Italien rettet.“

(NZZ am Sonntag, 30. Oktober 2011)

So redet ein König oder ein Diktator, aber nicht der Ministerpräsident eines demokratischen Landes.

Wie kommt es eigentlich, dass ein oberpeinlicher Politschauspieler, der am laufenden Band leere Versprechungen produziert, von einem grossen Teil der Bevölkerung immer wieder von neuem gewählt wird?

Vielleicht vor allem deshalb, weil Menschen nur allzu gerne Versprechungen glauben, die ihren Wünschen und Bedürfnissen entgegen kommen?

Meinem Eindruck nach läuft es in der Politik oft sehr ähnlich wie bei der Heilung von Krankheiten. Auch hier gibt es ganz viele kleine oder grosse „Könige“, welche uns die Erlösung von allen Krankheiten versprechen.

Die Fähigkeit, Versprechungen in Frage zu stellen, ist daher zentral in der Politik und in der Heilkunde. Im Gegensatz zur Medizin (die auch nicht fehlerfrei ist), fehlen in den Bereichen „Komplementärmedizin“ und „Alternativmedizin“ in weiten Teilen jegliche Regeln für die Qualitätssicherung. Dieses gravierende Manko ermöglicht fast grenzenlose Versprechungen.

Und wie lassen sich beispielsweise Versprechungen prüfen?

Weitere Hinweise dazu:

Komplementärmedizin: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Komplementärmedizin: Qualität und Quacksalberei

Diese Kriterien sind zwar für die Prüfung von Aussagen im Bereich Komplementärmedizin gedacht, doch kann man mit ihnen auch Versprechungen aus der Politik unter die Lupe nehmen.

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit diesem Thema ermöglich das Tagesseminar:

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot

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Phytotherapie: Johanniskraut-Extrakt gegen Depressionen

Sonntag, Oktober 30th, 2011

Der Ravensburger Psychiater Prof. Dr. Volker Faust schreibt in seinem

Nachschlagewerk „Psychische Störungen heute“ (ecomed 2011):

„Kein Antidepressivum hat in den letzten Jahren einen solch spektakulären

Aufschwung genommen wie das Johanniskraut (Hypericum perforatum L.).

Inzwischen steht es unter den antidepressiven Substanzen nach Verordnung und

Verwendung sogar an vorderster Stelle (auch wenn es Umsatzeinbrüche gab).

Das Phyto-Antidepressivum Johanniskraut hat inzwischen durch mehr als 40

klinisch-therapeutische Studien belegt, dass sein Behandlungserfolg für leichtere

bis mittelschwere Depressionen mit dem von synthetischen (“chemischen”)

Antidepressiva vergleichbar ist. Außerdem werden noch spezielle Heilanzeigen

diskutiert: zum Beispiel Winterdepression, körperbezogene Störungen,

Trauerreaktion, Burnout-Syndrom, prämenstruelle Störungen, Klimakterium,

Tinnitus (Ohrgeräusche) oder chronischer Schmerz.“

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirkung von Johanniskraut-Extrakt gegen Depressionen ist inzwischen sehr gut untersucht und dokumentiert.

In der Schweiz gibt es einige Johanniskrautpräparate, die von der Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

Infos dazu hier:

Johanniskraut: Jarsin, Solevita, Hyperiplant, Rebalance, Hyperimed, Lucillium, Hypericum Mepha in der Grundversicherung

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Studie: Beinwell-Salbe in der Therapie akuter Rückenschmerzen

Sonntag, Oktober 30th, 2011

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 3 / 2011) veröffentlichte eine Studie mit einer Beinwell-Salbe (Kytta-Salbe).

Durchgeführt wurde die Studie an der Deutschen Sporthochschule Köln und 3 zusätzlichen ambulanten Zentren für Orthopädie und Sportmedizin.

Die Originalpublikation erfolgte im British Journal of Sports Medicine

(http://bjsm.bmj.com/content/44/9/637.abstract?sid=08e00813-56a0-43af-89f2-ae8be35caa24)

Hier die wichtigsten Ergebnisse dieser randomisierten, klinischen Prüfung.

Zuerst eine Zusammenfassung der bisherigen Studien mit Beinwell:

„Beinwell (Symphytum officinale L.) ist eine traditionelle Heilpflanze, die schon seit Jahrhunderten zur Behandlung von schmerzhaften Muskel- und Gelenkbeschwerden Einsatz findet. Viele klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen bestätigen die Wirksamkeit des in dieser Studie getesteten Beinwellwurzelextrakts bei verschiedenen Muskel- und Gelenkbeschwerden. So konnte die Wirksamkeit der Beinwellwurzelsalbe gegenüber Placebo bei der Behandlung von Sprunggelenksdistorsionen und bei schmerzhafter Gonarthrose (Arthrose/ Osteoarthritis des Kniegelenks) gezeigt werden. Eine weitere Studie demonstrierte die Überlegenheit gegenüber einer 1 %igen Diclofenac-Gelzubereitung bei Patienten mit einer einseitigen Gelenksdistorsion. Dies wird auch durch die ESCOP-Monografie »Symphyti radix« bestätigt. Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) beurteilt Phytopharmaka in Europa anhand harmonisierter Bewertungskriterien.“

Und anschliessend die Zusammenfassung der aktuellen Studie:

„Die multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die Überlegenheit einer Salbe mit Beinwellwurzelextrakt gegenüber Placebo. 120 Patienten litten unter akuten Kreuzschmerzen oder Schmerzen im oberen Rücken- und Nackenbereich. Dabei wandten sie über einen Zeitraum von 5 Tagen dreimal täglich jeweils 4g Verum- oder Placebosalbe an. Gegenüber Placebo waren im Verlauf alle bewerteten Wirksamkeitsvariablen der Therapie mit dem Beinwellpräparat signifikant überlegen. Der Beinwellwurzelextrakt hatte einen bemerkenswert starken und klinisch relevanten Effekt im Hinblick auf die Reduzierung akuter Rückenschmerzen. Zum ersten Mal konnte außerdem der schnelle Wirkungseintritt der Salbe (eine Stunde) nachgewiesen werden.“

Kommentar & Ergänzung:

Beinwell (Walllwurz) ist eine wichtige Heilpflanze bei stumpfen Verletzungen wie Prellung, Bluterguss (Hämatom), Verstauchung, bei Gelenkentzündung, Sehnenscheidenentzündung, Knochenhautentzündung etc.

Beinwell nicht einnehmen und nur auf intakter Haut anwenden.

Siehe auch:

Beinwell-Salbe lindert Verspannung in Schulter und Nacken

Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Bei Wikipedia findet sich eine Erklärung für den Namen „Symphytum“:

„ Die Beinwell-Arten wurden schon in alter Zeit als Heilkraut verwendet. Ihr Name leitet sich von ihrer Anwendung bei Knochenbrüchen und bei offenen Wunden ab. Auch bei Verletzungen von Bändern und Sehnen wurde den Pflanzen Heilwirkung zugeschrieben. Sowohl der heute anerkannte Gattungsname Symphytum als auch der in früheren Werken gebräuchliche Name Consolida bedeuten übersetzt „Zusammenwachsen“ (lat.: consolidare, gr.: symphýein). Als Heilpflanze wird besonders der Echte Beinwell (Symphytum officinale) eingesetzt und auch in Kräutergärten angebaut. Äußerlich angewendet ist er wirksam bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen,…..Die Heilwirkung auf die Haut ist auf den Inhaltsstoff Allantoin zurückzuführen, der heute auch in der Kosmetik zahlreiche Anwendungsgebiete gefunden hat. Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus und der Zellbildung, was in der alten Heilkunde vor allem bei der Behandlung von Unterschenkelgeschwüren genutzt wurde. Bei Nicholas Culpeper ist nachzulesen: der Beinwell hat eine solche Kraft zu heilen und zusammenzufügen, daß zerteilte Fleischstücke wieder zusammenwachsen, wenn man sie mit Beinwell in einem Topf kocht.“

Die Geschichte mit dem Fleisch im Kochtopf, das wieder zusammenwächst, wird auch von anderen Wundheilpflanzen überliefert, zum Beispiel vom Sanikel (Sanicula europaea, „Heil-aller-Schäden“). Bei Knochenbrüchen erwartete man vom Beinwell früher eine Anregung der Kallus-Bildung und damit eine beschleunigte Heilung. Dazu gibt es aber keine gesicherte Erkenntnisse.

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Verwirrend Studienlage zur Wirkung von Grüntee

Freitag, Oktober 28th, 2011

Mehr als 100 klinische Studien prüfen die These, dass Grüntee günstig bei verschiedenen Krankheiten wirkt. Darauf haben Forscher heute auf einer Tagung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch hingewiesen.

Heilende Wirkungen soll der Grüntee unter anderem haben bei Alzheimer und Parkinson, Chorea Huntington, multipler Sklerose, Duchenne Muskeldystrophie, Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Entzündungen wie Atherosklerose sowie Krebs.

“Wir erwarten nicht, dass Grüner Tee eine solche Erkrankung tatsächlich heilen kann. Aber es ist unter Umständen möglich, ihr Fortschreiten aufzuhalten oder der Krankheit vorzubeugen”, sagt der Neurologe Paul. Er rechnet für Ende 2012 mit ersten verlässlichen Resultaten aus einer MS-Studie, von denen derzeit drei an der Charité laufen.

Übergewichtigen könnte Grüner Tee möglicherweise ebenfalls helfen. “Menschen mit mäßigem Übergewicht und einer Störung im Energiestoffwechsel oder im Fettumsatz nahmen in einer Studie deutlich ab”, erklärt der Pharmakologe Michael Boschmann, der am Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von MDC und Charité forscht.

Normalgewichtige oder Adipöse hingegen profitierten in dieser Hinsicht nicht von den Grüntee-Extrakten. “Hier ist die Datenlage bislang widersprüchlich. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird es aber konkrete Ergebnisse geben”, kündigt Boschmann an. Auch könnten die Resultate aus großen Untersuchungen etwa aus Japan nicht eins zu eins auf Europa übertragen werden. “Dort wird ja nicht nur Grüner Tee getrunken, sondern die Menschen haben auch eine andere genetische Disposition und ernähren sich anders – fast ohne Milch, dafür mit viel mehr Fisch”, ergänzt der Neurologe Paul.

Bis mehr Klarheit gewonnen ist, raten die Experten davon ab, ohne Absprache mit dem Arzt präventiv große Mengen Grüntee-Extrakt zu schlucken. “Da macht jemand einfach Kasse dran, und es kann immense Nebenwirkungen geben”, warnt Paul. Ein bis drei Liter Grüntee pro Tag hingegen könnten nicht Schaden.

Epigallocatechin-3-gallat (EGCG) – ein Hauptwirkstoff im Grüntee

Bei den klinischen Studien mit Grüntee geht es hauptsächlich um eine Substanz namens Epigallocatechin-3-gallat, kurz EGCG. Die Studien sind jedoch offenbar schwer miteinander vergleichenbar.

„Die dabei eingesetzten Präparate sind nicht standardisiert. Es gibt Teeaufgüsse und Kapseln, die unterschiedliche Konzentrationen von EGCG enthalten und zum Teil mit Zusatzstoffen, wie etwa Koffein, angereichert sind“, erklärte der Neurologe Friedemann Paul vom Exzellenzcluster NeuroCure an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Das erschwere eine Bewertung der Resultate. So gebe es keine klaren Aussagen über die Bioverfügbarkeit der Substanz EGCG und auch keine klaren Aussagen darüber, wie viel von der Substanz gegeben werden müsse, um eine günstige Wirkung zu erzielen, sagte er.

Die Forschungen mit EGCG aus Grüntee ins Rollen gebracht hatte der Neurowissenschaftler Erich Wanker vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hatte er 2006 in Laborversuchen die günstige Wirkung der Grüntee-Substanz EGCG bei Chorea Huntington entdeckt. Im Jahr 2008 konnten sie außerdem belegen, dass durch die Substanz die Protein-Fehlfaltungsprozesse bei Parkinson und Alzheimer beeinflusst werden.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47843/Studienlage_zu_Nutzen_von_gruenem_Tee_verwirrend.htm

http://www.n-tv.de/wissen/Gruener-Tee-schadet-nicht-article4633256.html

Kommentar & Ergänzung:

Zu Grüntee gibt es tatsächlich sehr viele interessante  Studien, aus denen aber oft vorschnell Schlüsse gezogen werden.

Betont werden müsste meines Erachtens auch, dass bei den meisten Grüntee-Studien Effekte mit relativ grossen Grüntee-Mengen erzielt wurden, die für europäische Verhältnisse nicht so selbstverständlich sind (z. B. 8 – 10 japanische Teetassen pro Tag).

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Marienkäfer-Wirkstoff tötet Malariaerreger

Freitag, Oktober 28th, 2011

Die Körperflüssigkeit des Asiatischen Marienkäfers wirkt antimikrobiell und kann dadurch erfolgreich Malaria- und Tuberkuloseerreger abwehren. Ob sich aus der Käfer-Hämolymphe ein Heilmittel für den Menschen herstellen lässt, ist noch offen.

Eine Substanz aus der Körperflüssigkeit des Asiatischen Marienkäfers bekämpft erfolgreich Malariaparasiten und andere Krankheitserreger. Das haben Gießener Wissenschaftler bei der Untersuchung der Körperflüssigkeit des Marienkäfers entdeckt, der sogenannten Hämolymphe. Die Forscher um Jochen Wiesner und Andreas Vilcinskas von der Fraunhofer-Projektgruppe Bioressourcen stellen ihre Laborversuche in den britischen “Biology Letters” vor.

Weltweit stirbt alle 30 Sekunden ein Kind an Malaria. Gemeinsam mit Tuberkulose und Aids zählt Malaria zu den häufigsten tödlichen Infektionen. Eine Malaria-Impfung steht nicht zur Verfügung und ist auch nicht in Sicht. Sehr problematisch ist, dass die Malariaparasiten gegen einst wirksame Medikamente mehr und mehr resistent geworden sind. Mediziner suchen deshalb dringend nach neuen Medikamenten gegen die Parasiten.

Bei dieser Suche stießen die Gießener Wissenschaftler auf den Asiatischen Marienkäfer, der in zahlreichen Gegenden der Erde als natürlicher Schädlingsbekämpfer eingeführt wurde und in Europa seither die einheimischen Siebenpunkt-Marienkäfer und Zweipunkt-Marienkäfer verdrängt. Der Erfolg des Einwanderers beruht nach Angaben der Wissenschaftler mindestens zum Teil darauf, dass seine Hämolymphe stark antimikrobiell wirkt und den Käfer so weniger anfällig für Krankheitskeime macht.

Die Forscher identifizierten die Verbindung Harmonin als zentralen antimikrobiellen Wirkstoff der Hämolymphe. In Laborversuchen tötete Harmonin sowohl den Tuberkuloseerreger Mycobacterium tuberculosis als auch den Malariaparasiten Plasmodium falciparum. Besonders überraschend sei dabei, dass auch die gegen gängige Malariamittel besonders widerstandsfähigen geschlechtlichen Stadien des Parasiten abgetötet worden seien, betonen die Forscher. Nur diese Stadien könnten im Darm der Anopheles-Mücke überleben und nach einem Stich die Infektion auslösen.

Sollte es gelingen, eine Arznei auf Harmonin-Basis zu entwickeln, könnten damit sowohl die ungeschlechtlichen Parasiten-Stadien aus dem Blut von Patienten entfernt, als auch durch das Abtöten der geschlechtlichen Stadien die Übertragung auf unifizierte Menschen verhindert werden, hoffen die Wissenschaftler. Allerdings sei Harmonin derzeit nur mit grossem Aufwand künstlich herzustellen – für die Produktion seien 30 komplizierte chemische Reaktionsschritte nötig. Die Forscher erhoffen sich eine einfachere Herstellung durch die gezielte genetische Umprogrammierung gewisser Bakterien. Zudem wirkte Harmonin in den Laborversuchen in antimikrobieller Konzentration auch toxisch für menschliche Zelllinien und bestimmte Zelllinien von Insekten. Wie der Marienkäfer dem Zellgift widersteht, ist noch ungeklärt.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Marienkaefer-toetet-Malaria-article4386071.html

Kommentar & Ergänzung:

Na, dass die wirksame Verbindung ausgerechnet „Harmonin“ heissen muss. Das tönt ja eher nach Wellness als nach Malaria.

Von einem einsatzbereiten und zugelassenen Medikament ist dieses Forschungsprojekt allerdings noch sehr weit entfernt.

Zudem ist es ein häufiges Ereignis in der Naturstoff-Forschung, dass eine Substanz im Labor starke Wirkungen zeigt, dass sie aber in therapeutischen Konzentrationen im menschlichen Organismus toxisch wäre und daher nicht eingesetzt werden kann.

Marienkäfer gehören zu den beliebtesten Insekten. Aber wussten Sie, dass die Familie der Marienkäfer in Europa mehr als 250 Marienkäferarten und –unterarten umfasst? Dabei kommen Arten vor mit  2, 4, 5, 7, 10, 11, 13, 14, 16, 17, 18, 19, 22 und 24 Punkten.

Inzwischen ist übrigens eine Malaria-Impfung zumindestens in Sicht:

„Impfstoff gegen Malaria in Reichweite. Hoffnung für Millionen Kinder: Ein Mittel gegen Malaria hat sich in einer Studie mit Schweizer Beteiligung als wirksam erwiesen. Es wäre der erste Impfstoff gegen die Tropenkrankheit. Der Wirkstoff namens RTS,S habe das Erkrankungsrisiko bei kleinen Kindern etwa halbiert, teilte das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK)….mit. An RTS,S wird seit Jahren geforscht, er galt schon länger als aussichtsreicher Kandidat für eine erste Impfung gegen Malaria überhaupt. Von März 2009 bis Januar 2011 waren über 15 000 Kinder aus sieben afrikanischen Ländern südlich der Sahara in die Phase-III-Studie einbezogen worden – der letzten klinischen Versuchsreihe vor einer möglichen Zulassung als Arzneimittel.

Die Studienergebnisse wurden vom «New England Journal of Medicine» veröffentlicht. Daran beteiligt war ein Team um Marcel Tanner, den Direktor des Schweizerischen Tropen- und Public-Health Institut (Swiss TPH), das der Universität Basel assoziiert ist.“

Quelle: http://www.20min.ch/wissen/gesundheit/story/27318024

Verlassen Sie sich übrigens nicht auf Malariaprophylaxe auf der Basis von Homöopathie, wie sie verantwortungsloserweise immer wieder propagiert wird Es gibt keinerlei auf nur einigermassen plausible Gründe dafür, dass eine solche Massnahme wirksam ist. Das gilt im übrigen auch für das angebliche Wundermittel Miracle Mineral Supplement (MMS).

Siehe:

Warnung: Miracle Mineral supplement (MMS)

Wenn Sie in ein Malariarisikogebiet reisen, machen Sie eine Malariaprophylaxe nach Stand des medizinischen Wissens.

Mit Malaria ist nicht zu spassen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Blick ins Pflanzenlexikon: Pfefferminze und andere Minzen

Freitag, Oktober 28th, 2011

An Kursen werde ich immer wieder einmal gefragt, ob andere Minzen genauso wirken wie die Pfefferminze (Mentha piperita).

Das ist keine einfache Frage, denn als Heilpflanze gilt in der Phytotherapie und auch im Arzneibuch die Pfefferminze (Mentha piperita). Die Wirkung anderer Minzenarten ist nur ungenügend dokumentiert.

Pfefferminze gehört also zur Gattung der Minzen (Mentha) und das ist eine interessante Pflanzengruppe in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Je nach Quelle umfasst die Gattung der Minzen 20 bis über 30 Pflanzenarten.

Einen guten Überblick über die Verwendung der Minzen gibt Wikipedia:

„ Minzen werden schon sehr lange in Gärten angebaut. 812 schrieb Karl der Große bereits vier Minzearten für den Anbau in Gärten in seinem Reich vor (siehe Karlsgarten): Polei-Minze (Mentha pulegium), Wasser-Minze (Mentha aquatica), Ähren-Minze (Mentha spicata) und Ross-Minze (Mentha longifolia).

Walahfrid Strabo schreibt schon im 9. Jahrhundert in seinem Buch Liber de cultura hortorum (kurz Hortulus) zum Thema Minze-Sorten:

‚Wenn aber einer die Kräfte und Arten und Namen der Minze / samt und sonders zu nennen vermöchte, so müsste er gleich auch / wissen, wie viele Fische im Roten Meere wohl schwimmen, / oder wie viele Funken Vulkanus, der Schmelzgott aus Lemnos, / schickt in die Lüfte empor aus den riesigen Essen des Aetna.’

Als Gewürz und Teekraut relevante Minze-Sorten tragen oft Namen, die auf die Geschmacksähnlichkeit mit anderen Pflanzen hinweisen:

- Apfel-Minze (Mentha suaveolens) – (Apfelkuchen-Duft): Bei der Apfelminze besteht die Ähnlichkeit darin, dass sie gut zu Apfel passt, beispielsweise als Apfelkuchengewürz anstelle von Zimt.

- Basilikum-Minze – (Basilikum-Duft)

- Bergamotte-Minze (Mentha × piperita var. citrata) – (Bergamotte)

- Orangen-Minze (Mentha × piperita var. citrata) – (Orange)

- Zitronen-Minze (Mentha × piperita var. citrata) – (Zitrone) (Beachte Zitronenmelisse hört sich ähnlich an, aber gehört nicht zu den Minzen und ist mit Zitronenminze auch nicht gemeint.)

- Schoko-Minze (Mentha × piperita var. piperita) – (Minz-Schokolade-Geruch)

Als Nanaminze werden mehrere Sorten bezeichnet.

Braune Minze oder Nudel-Minze (Mentha ×gracilis = M. arvensis × M. spicata, Syn.: Mentha ×cardiaca J.Gerard ex Baker, Mentha ×gentilis auct.) wird zur Zubereitung der Kärntner Nudel verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Ergänzt werden müsste hier noch als wichtige Minze die Grüne Minze (Mentha viridis), auch Ährige Minze, Speer-Minze oder Krauseminze (Mentha spicata). Sie enthält im ätherischen Öl vor allem Carvon (im Gegensatz zu Pfefferminzöl mit dem Hauptbestandteil Menthol).

„ Die Grüne Minze ist als Spearmint eine der bekanntesten Minz-Arten überhaupt und Grundlage für zahlreiche industrielle Produkte, wie zum Beispiel Zahnpasten, Kaugummis und Süßigkeiten. Die getrockneten Spitzen und Blätter werden medizinisch als Stimulanzien sowie als windtreibende und nervenstärkende Mittel angewendet. Die Grüne Minze enthält Carvone aus der Stoffgruppe der monocyclischen Monoterpene, die als Bestandteil von ätherischen Ölen genutzt werden.“

(Quelle: Wikipedia)

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Ungesünder leben mit Vitaminpillen

Freitag, Oktober 28th, 2011

Menschen, die Vitamin-Pillen und andere Nahrungsergänzungsmittel konsumieren, führen ein ungesünderes Leben. Das haben der taiwanesische Psychologe Dr. Wen-Bin Chiou und sein Team in Experimenten herausgefunden.

In den Versuchen konnten die Probanden entscheiden, ob sie ein Scheinmedikament oder ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen wollten. Was die Teilnehmenden nicht wussten: Alle bekamen ein Placebo verabreicht. Im Anschluss neigte gerade diejenige Gruppe zu ungesundem Verhalten, die glaubte Vitamin-Pillen eingenommen zu haben. Psychologe Dr. Wen-Bin Chiou stellte fest, dass jene Gruppe sich für das ungesündere Essen entschied. Weiterhin zogen diejenigen Testpersonen, die im Glauben waren, dass sie Vitaminpillen einnehmen,  ungesunde Aktivitäten wie Sonnenbaden und exzessives Feiern gesunden Tätigkeiten wie Yoga oder Radfahren vor.

Vitamine, Spurenelemente und andere Nahrungsergänzungsmittel werden im allgemeinen als gesundheitsfördernd angesehen. Anscheinend verbuchten die Probanden der Experimente die Einnahme der Nahrungsergänzungsmittel zunächst als Guthaben auf ihrem Gesundheits-Konto. Mit dem Plus auf dem Konto empfanden sie ihre Gesundheit in robustem Zustand. In der Folge “gönnten” sie sich dann eine ungesunde Lebensweise. Die Resultat: Unterm Strich führten sie ein ungesünderes Leben als jene Menschen, die von vornherein keine Vitamin-Pillen eingenommen hatten.

Dieser psychologische Effekt könnte möglicherweise erklären, weshalb der wachsende Markt für Nahrungsergänzungsmittel nicht mit einem verbesserten Gesundheitszustandes der Bevölkerung einhergeht.

Quelle:

http://www.aponet.de/aktuelles/kurioses/ungesuender-leben-mit-vitamin-pillen.html

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin schon seit langem der Ansicht, dass wir es beim grössten Teil der konsumierten Nahrungsergänzungsmittel mit einer Art Ablasshandel zu tun haben.

Siehe:

Anzeichen für Quacksalberei

US-Studie: Vitaminpräparate sind nutzlos in der 2. Lebenshälfte

Nicht nur Vitamine, Mineralsalze und Spurenelemente dienen oft der Kompensation eines „schlechten Gewissens“ (das uns nicht selten von Herstellern eingeredet wird). Auch Präparate aus der Pflanzenheilkunde und aus der Komplementärmedizin werden zu diesem Zweck propagiert und konsumiert.

Es handelt sich immer um Präparate, die stark mit Gesundheitserwartungen aufgeblasen sind.

Im Bereich der Pflanzenheilkunde ist das zum Beispiel der Fall bei:

Schwedenbitter / Schwedenkräuter, Aloe-vera-Produkte, Grüntee,

Das bedeutet nicht, dass solche Produkte nicht auch sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten haben könnten. Fragwürdig ist nur, wenn sie mit Heilungserwartungen und Gesundheitserwartungen vollgepumpt werden.

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