Quitten – Quittensamen – Quittenschleim

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TABULA, die Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE), berichtet in einem informativen Beitrag über Verwendungsmöglichkeiten der Quitten-Früchte. Interessant aus sich der Pflanzenheilkunde ist vor allem der Abschnitt über Quittensamen / Quittenschleim:

„Die Quittenkerne werden nicht gegessen. Doch auch sie gelten als Heilmittel. Lässt man sie mit wenig frischem Wasser einkochen, entsteht der sogenannte Quittenschleim. Er war früher in Apotheken erhältlich und geriet danach leider in Vergessenheit. Jahrhundertelang wurde er äusserlich gegen Sonnenbrand, spröde, rissige Haut und entzündete Augen angewendet, innerlich bei Magen­-Schleimhautentzündungen, Halsweh, Husten oder Bronchitis. Als einfache Methode wird empfohlen, bei Halsschmerzen Quittenkerne zu lutschen.“

(Quelle: TABULA NR. 3 / 2011)

Kommentar & Ergänzung:

Zwar wurde die traditionelle Anwendung von Quittenschleim meines Wissens nie genauer untersucht, doch ist die reizlindernde, entzündungshemmende und kühlende Wirkung solcher Schleimzubereitungen meines Erachtens plausibel. Pflanzenschleime bilden eine Schutzschicht und binden Feuchtigkeit.

Zur Namensgebung und zum Vorkommen der Quitte schreibt Wikipedia:

„Die Quitte [ˈkvɪtə] (Cydonia oblonga), die einzige Pflanzenart innerhalb der Gattung Cydonia, gehört zu den Kernobstgewächsen (Pyrinae) in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae)…..

Die Quitte verdankt ihren Namen botanisch-wissenschaftlich wie auch in unserem Sprachgebrauch der griechischen Stadt Kydonia, heute Chania, im Nordwesten der Insel Kreta.

Die Quitte ist außerdem Namensgeber für die Marmelade (von portugiesisch marmelo für Quitte, aus dem griechischen melimelon „Honigapfel“)………

Die ursprüngliche Heimat liegt im östlichen Kaukasus und im Transkaukasus. Populationen in der Türkei, Syrien, Turkmenistan und Afghanistan könnten durch die schon lange zurückliegende Verbreitung durch Menschen entstanden sein. Erste Nachweise über kultivierte Quitten aus dem Kaukasus reichen 4000 Jahre zurück, in Griechenland findet man sie ab 600 v. Chr., bei den Römern ab 200 v. Chr. In Mitteleuropa wird sie erst seit dem 9. Jahrhundert angebaut, als wärmeliebende Pflanze dort bevorzugt in Weinbaugebieten.

Heute werden die Sorten vor allem in Asien und Europa angepflanzt. In West- und Mitteleuropa spielt sie eher eine untergeordnete Rolle. Der erwerbsmäßige Anbau ist in Deutschland selten. In Baden-Württemberg und im Rheinland werden gute Fruchtqualitäten erzielt.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu den Inhaltsstoffen der Quitte:

„Die Samen enthalten Schleimstoffe, giftige cyanogene Glycoside und Öl. Die Quittenfrucht selber enthält viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine, Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Verwendung als Lebensmittel:

„ Die in Deutschland oder Österreich wachsenden Quittensorten sind für den Rohverzehr nicht geeignet, da sie hart und durch die Gerbstoffe bitter sind. Andernorts gibt es aber auch Sorten, die roh gegessen werden können, zum Beispiel die in der Türkei angebaute Shirin-Quitte.

Bei der Zubereitung mitteleuropäischer Sorten muss in jedem Fall vor dem Verarbeiten der Früchte der Flaum oder Pelz der Quitten mit Hilfe eines (groben) Tuches gründlich abgerieben werden, da er reichlich Bitterstoffe enthält. Dann kann die Frucht geschält oder ungeschält verwendet werden. Erprobt ist auch das Abbürsten des Flaums mit einer Messingbürste. Da dabei die Schale aber kleine Kratzer bekommt, sollte diese erheblich schnellere Methode nur angewandt werden, wenn man die Früchte sofort weiterverarbeitet.

Die Ernte erfolgt am besten im nicht zu reifen Zustand, da sonst das in den Früchten enthaltene Pektin zunehmend abgebaut ist; am sinnvollsten ist als Erntezeitpunkt die Phase, in der die Farbe der Früchte von grün nach gelb umschlägt. Grasgrüne Früchte bleiben trotz eventueller Nachreife geschmacklich unbefriedigend. Bei später Ernte tritt rasch eine Bräunung des Fruchtfleisches auf. Knapp reif geerntete Früchte lassen sich getrennt von anderem Obst bis zu zwei Monate lagern.

Aus der Quitte kann man Marmelade, Kompott, Mus, Saft und daraus Gelee (Quittenkäs), Likör oder Schnaps herstellen. Von regionaler Bedeutung ist sie als Zugabe in der Apfelweinherstellung. Gebacken eignet sie sich als Dessert oder Beilage zu Fleisch. Quittenbrot ist eine Süßigkeit, hergestellt aus mit Zucker vermischtem eingedicktem Quittenmus, das etwa 1 cm dick auf einem Backblech verstrichen im Backofen gedörrt und anschließend in 2 bis 3 cm große Rauten geschnitten und in Zucker gewendet wird. Quittenbrot ist im Handel fast nicht erhältlich, in spanisch und portugiesisch-sprachigen Ländern ist Dulce de membrillo eine verbreitete traditionelle Weihnachts- oder Wintersüßigkeit.“

(Quelle: Wikipedia)

Die Wikipedia-Angaben zur Verwendung der Quitte als Heilpflanze sind nicht sehr überzeugend, abgesehen von diesem Abschnitt:

„Lässt man ca. 1 Esslöffel Quittenkerne für 10-12 Stunden in 100 ml kaltem Wasser ziehen, entsteht der sogenannte Quittenschleim, der äußerlich aufgetragen bei Entzündungen, Wunden, rissiger Haut und Sonnenbrand helfen soll, sowie innerlich bei Magen-Schleimhautentzündung (Gastritis), Darmentzündung, Rachenentzündung, Fieber, Husten, Reizhusten und Bronchitis.“

(Quelle: Wikipedia)

Hier sind die äusserlichen Anwendungen nachvollziehbar, die innerlichen im Magen-Darmtrakt auch (Gastritis, Darmentzündung). Hier ist ein reizlindernder, schleimhautschützender Effekt plausibel.

Auch die Anwendung bei Reizhusten mag Sinn machen. Schleimhaltige Heilpflanzen wie Malvenblüte, Eibischwurzel oder Spitzwegerichblatt lindern Hustenreiz durch Einhüllung der Schleimhäute in der hinteren Rachenregion.

Wie eine Wirkung des Quittenschleims bei Bronchitis oder Fieber zustande kommen soll, ist mir aber nicht nachvollziehbar.

Zur Quitte in Mythologie und Kunst ein Zitat aus Wikipedia:

„Seit jeher gelten die Quitten als Symbol für Liebe, Glück, Fruchtbarkeit, Klugheit, Schönheit, Beständigkeit und Unvergänglichkeit.“

……was kann man sich schon mehr wünschen!?

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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