Leinsamenschleim gegen Sodbrennen

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Das Magazin „Focus“ veröffentlichte eine Serie mit bewährten Hausmitteln und Heilpflanzen-Anwendungen gegen Verdauungsprobleme.

Die vorgestellten Tipps aus Naturheilkunde und Phytotherapie sind erfreulich fundiert, was ganz und gar nicht selbstverständlich ist.

Hier ein Tipp gegen Sodbrennen:

„Auch gegen Sodbrennen hilft Leinsamenschleim gut. Seine physikalische Beschaffenheit ist der des Magenschleims sehr ähnlich. Er wirkt reizlindernd und legt sich schützend auf die Magenwand.

Für den Leinsamenschleim einen Esslöffel Leinsamen in einem Viertelliter Wasser aufkochen und anschließend eine halbe Stunde kochen lassen. Dann den Schleim abseihen und über ein paar Tage verteilt kleine Mengen trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/tid-21554/hausmittel-sodbrennen-feuer-in-der-speiseroehre-loeschen_aid_605250.html

Kommentar & Ergänzung:

Leinsamen ist sehr bekannt als Heilpflanzen-Anwendung gegen Verstopfung.

Schleimstoffe lassen sich aber auch sehr gut zum Schutz von Schleimhäuten einsetzen.

Bei Sodbrennen schützt der Leinsamenschleim die Magenschleimhaut gegen die aggressive Magensäure.

Lein  (Linum usitatissimum, Flachs) ist im übrigen eine alte Kulturpflanze:

„ Gemeiner Lein (Linum usitatissimum), auch Saat-Lein oder Flachs genannt, ist eine alte Kulturpflanze, die zur Faser- (Faserlein) und zur Ölgewinnung (Öllein, Leinöl) angebaut wird. Er ist eine Art aus der Gattung Lein (Linum) in der Familie der Leingewächse (Linaceae) und die einzige Lein-Art, deren Anbau eine wirtschaftliche Bedeutung hat. Es gibt mehrere Convarietäten sowie etliche Sorten. In der Praxis wird nach der Hauptverwendung Faserlein und Öllein unterschieden.

Das Artepitheton usitatissimum bedeutet in Latein sehr nützlich und bezieht sich auf die vielfältige Verwendbarkeit. ‚Flachs‘ leitet sich von ‚flechten‘ ab und bezieht sich auf die Verarbeitung.“

(Quelle: Wikipedia)

Und hier noch zur Geschichte des Leins:

„ Die ältesten archäologischen Leinsamenfunde stammen aus Ali Kosh im Iran (7.500-6.700 v. Chr.) und aus Çayönü in der Südosttürkei (rund 7.000 v. Chr.). Die Leinsamen sind jedoch so klein, dass sie dem Wild-Lein (Linum bienne) zugeordnet werden. In Tell Ramad in Syrien wurden in einer auf 6.200 bis 6.100 v. Chr. datierten Siedlungsschicht Leinsamen gefunden, die der Größe dem Gemeinen Lein näher sind. Andere frühe Fundstellen liegen am Oberlauf des Tigris, in den Ausläufern des Zagros-Gebirges und in Syrien. Eine Fundstelle in Griechenland (Sesklo, Peloponnes) wird auf 5.500 v. Chr. datiert, zwei Fundstellen in Bulgarien auf 4800 und 4600 v. Chr. Genetische Studien konnten zeigen, dass der Gemeine Lein durch ein einziges Domestizierungs-Ereignis vom Wild-Lein abstammt. Die erste Verwendung war diesen Untersuchungen zufolge die Nutzung der Samen.

Die ältesten Funde der Leinenverarbeitung sind Leinenstoffe aus Ägypten aus dem Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr. Sie stammen aus El Badâri in Oberägypten. Auf 3500 bis 3000 v. Chr. wird das Leinentuch aus el-Gebelên in der Libyschen Wüste datiert. Ab der 4. Dynastie haben sich Mumienbinden aus Leinen erhalten. Ebenfalls aus dem Alten Reich stammen bildliche Darstellungen der Flachsernte. Aus dem Mittleren Reich wurden mehrfach Samen und Kapseln als Grabbeigaben gefunden.

Nach Mitteleuropa kam der Lein mit der Bandkeramikkultur, er wurde auf den Lößflächen nördlich der Donau bis nach Nordfrankreich angebaut. In den Ufer- und Pfahlbausiedlungen an Bodensee und den Schweizer Seen wurde der Lein etwas später eingeführt. Nach Irland und Schottland gelangte der Lein ungefähr um 1.800 v. Chr. In Norddeutschland und Skandinavien ist er erst ab der Eisenzeit, ab etwa 500 v. Chr. nachweisbar, stand aber während der römischen Kaiserzeit (1. bis 3. Jahrhundert n. Chr.) in hoher Blüte.

Im Mittelalter wird der Lein in allen Verzeichnissen zu Landwirtschaft und Medizin aufgelistet. Im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert war Leinen neben Hanf, Nessel und Wolle die einzige Textilfaser. Herstellung und Handel mit Leinen waren im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wichtige wirtschaftliche Säulen in Venedig, Mailand, Augsburg, Ulm, Kempten und in Gent, Brügge, Antwerpen. Auch für die Hanse waren Leinenprodukte ein wichtiger Handelszweig. Die wichtigen deutschen Anbaugebiete befanden sich um den Bodensee und in Schlesien und verbreiteten sich auf die Schwäbische Alb, das Wuppertal, die Gebiete um Ravensburg und Osnabrück, Sachsen, Thüringen, Böhmen und Ostpreußen. Im 12. und 13. Jahrhundert war Deutschland der weltweit führende Flachsproduzent. Die Leinenproduktion konzentrierte sich auf Schlesien, Schwaben und Westfalen.

Im 18. Jahrhundert hatte Leinen einen Anteil von etwa 18 %, verglichen mit 78 % für Wolle. Wichtige Anbaugebiete waren Westeuropa, Deutschland und Russland. 1875 waren die drei größten Anbaugebiete das Russische Reich mit 910.000 Hektar, das Deutsche Reich mit 215.000 und Österreich-Ungarn mit 94.000 Hektar. Durch das Aufkommen der billigeren und vor allem leichter zu verarbeitenden Baumwolle gingen die Anbauflächen noch im 19. Jahrhundert stark zurück. 1914 wurden in Deutschland nur noch 14.000 Hektar angebaut. Einen kurzen Anstieg erfuhr der Anbau während der beiden Weltkriege, als Baumwollimporte durch die politische Lage nicht möglich waren. In der Nachkriegszeit ging der Leinanbau stark zurück und war 1957 in Westdeutschland und 1979 in Ostdeutschland bis auf geringe Restflächen verschwunden. Der Anbau hielt sich in Westeuropa nur in Nordfrankreich, Belgien und den Niederlanden.

In den 1980er Jahren stieg mit der Ökologie-Bewegung die Nachfrage nach Leinen an.

In den 1990er Jahren gab es in einigen EU-Ländern Anstrengungen, Flachs-Anbau und -produktion wiederzubeleben. Dabei konzentrierte man sich auf die Kurzfaser-Produktion. Durch Förderungen stiegen die Anbauflächen auf bis zu 212.000 Hektar im Jahre 1999. Vermarktungsprobleme auf der einen Seite und strengere Kontrollen bezüglich der tatsächlichen Produktion und Vermarktung der Fasern auf der anderen Seite führten zu einem Rückgang der Anbauflächen in diesen „neuen“ Flachsländern (Spanien, Portugal, Großbritannien, Deutschland). Spanien zahlte die kompletten Förderbeträge der Jahre 1996 bis 1999 in Höhe von knapp 130 Millionen Euro zurück. Der Flachsanbau ist heute wieder im Wesentlichen auf die traditionellen Länder Frankreich, Belgien, Niederlande, sowie die neuen EU-Mitgliedsländer Tschechien, Lettland und Litauen beschränkt.

2005 war der Lein in Deutschland die Heilpflanze des Jahres.

Im Jahr 2009 wurde bei Kontrollen kanadischer Leinsaat in Baden-Württemberg eine erhebliche Verunreinigung mit gentechnisch verändertem CDC Triffid-Leinsamen gefunden.“

(Quelle: Wikipedia)

In der Schweiz war die Leinproduktion bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verbreitet. Die dafür verwendete Fläche betrug noch 1943 280 ha. Die Leinproduktion wurde damals aber endgültig verdrängt durch die Importe von Baumwolle für die Textilproduktion und das Aufkommen des Mais-Anbaus oder die Einfuhr von Soja für die Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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