Heilpflanzen bei Pilzerkrankungen (Mykosen)

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Im „Phyto-Forum“ der Aerztezeitung wurde vor kurzem folgende Frage gestellt:

„Gibt es Pflanzenextrakte gegen Hautpilze? Ich habe vor einiger Zeit etwas von Lavendelöl gehört. In welcher Form oder Zubereitung bei welchen Mykosen wäre das denn geeignet – falls ich mich recht erinnere.“

Auf diese Frage antwortete Professor Jürgen Reichling. Hier die wichtigsten Aussagen und dazu kurze Zwischenbemerkungen von mir.

Wer verursacht die Mykosen?

„Pilzinfektionen der Haut können durch Dermatophyten (Fadenpilze), Hefepilze (zum Beispiel Candida-Arten) und Schimmelpilze (zum Beispiel Aspergillus niger) verursacht werden. In den Zehenzwischenräumen und an den Nägeln der Finger und Zehen treten bevorzugt Fadenpilzerkrankungen hervor.“

Und wie zeigen sich die Pilzerkrankungen der Haut?

„Typisch für den Pilzbefall der Haut sind umschriebene, scharf begrenzte, leicht schuppende und randständig gerötete Herde, die leicht jucken.“

Wie steht es mit Untersuchungen zur Wirksamkeit von Heilpflanzen-Präparaten bei Pilzerkrankungen?

„Bisher gibt es keine zugelassenen pflanzlichen Antimykotika. Andererseits haben in experimentellen In-vitro-Studien vor allem verschiedene ätherische Öle fungizide Eigenschaften gezeigt. Sie waren besonders gegen Fadenpilze und Hefepilze wirksam.“

Tatsächlich zeigen sehr viele ätherische Öle pilzhemmende oder pilztötende Wirkungen. Beispiele sind Teebaumöl, Lavendelöl, Eukalyptusöl, Kümmelöl, Thymianöl.

„Bisher konnte allerdings die Wirksamkeit von pflanzlichen Antimykotika nur in wenigen standardisierten klinischen Studien belegt werden. In einer Beobachtungsstudie konnte etwa für Teebaumöl gezeigt werden, dass das ätherische Öl die Symptome einer Nagelpilzinfektion an Fingern und Zehen signifikant reduziert. Die Patienten berichteten übereinstimmend, dass vor allem die Hautrötungen und der Juckreiz stark gemildert wurden. Der Nagelpilz selbst konnte allerdings nicht abgetötet werden.“

Das entspricht meinen eigenen Beobachtungen bei Nagelpilz-Erkrankungen. Der Pilz ist hier für die ätherischen Öle schwer erreichbar und daher kaum wirksam zu bekämpfen.

„Die Symptomlinderungen lassen sich mit der Beobachtung erklären, dass viele ätherische Öle neben hautregenerierenden auch entzündungshemmende und juckreizstillende Eigenschaften aufweisen.“

Einverstanden. Im Gegensatz zum Nagelpilz kann aber bei Fusspilz oder Vaginalpilz mit ätherischen Ölen durchaus eine wirksame pilzhemmende oder pilztötende Wirkung erreicht werden.

„Aus der Erfahrungsheilkunde weiß man, dass bei Fußpilz- und Nagelpilzerkrankungen zum Beispiel Bäder und Einreibungen mit ätherischen Ölen von Teebaum, Thymian, Rosmarin, Lavendel, Nelke, Kümmel, Kamille und Myrrhe fungizid wirken.“

Hier wird die Differenzierung zwischen Nagelpilz (kaum erfolgreich mit ätherischen Ölen behandelbar) und Fusspilz (mit ätherischen Ölen oft gut behandelbar) wieder verwischt. Ausserdem scheinen mir Bäder – also ätherische Öle in Wasser gemischt – nur beschränkt fungizid (pilztötend) wirksam. Einreibungen von ätherischem Öl gemischt mit fettem Öl dürften wirksamer sein.

„Im Handel gibt es antimykotische Nagelprotektor-Stifte, die verschiedene ätherische Öle (etwa Lavendel- und Teebaumöl) und pflanzliche Extrakte (etwa Niembaumextrakte) enthalten und die gut zur Pflege eingesetzt werden können. Ätherische Öle können auch in Form von Lösungen, Cremes und Gelen auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. In jedem Fall muss beachtet werden, dass ätherische Öle nur verdünnt (1-3 Prozent) verwendet werden sollten, da sie prinzipiell hautreizend sind. Menschen mit bekannter Duftstoffallergie ist von der Verwendung ätherischer Öle abzuraten.“

Grundsätzlich finde ich auch, dass man mit ätherischen Ölen sorgfältig umgehen soll und dass daher eine Verdünnung empfehlenswert ist. Für eine vergleichsweise gut verträgliches ätherisches Öl wie Lavendelöl scheint mir aber eine 1 – 3 %ige Konzentration sehr tief. In manchen Situationen kann man Lavendelöl auch pur verwenden.

„Außer den oben genannten ätherischen Ölen haben sich auch Bäder mit Eichenrinde oder auch Einreibungen mit Propoliszubereitungen bewährt. Generell ist allerdings zu beachten, dass die antimykotische Wirksamkeit von pflanzlichen Zubereitungen eher als begrenzt anzusehen ist.“

Bei Fusspilz eignet sich ein Fussbad mit Eichenrinde vor allem in einem nässenden Stadium und wenn die betroffenen Hautstellen offen sind. Erst anschliessend würde ich ätherische Öle empfehlen.

Das Bienenkittharz Propolis wirkt gut fungizid, doch muss auch hier auf die Verträglichkeit geachtet werden, da es zu Allergien führen kann.

„Pflanzliche Pilzmittel stellen daher immer nur eine begleitende therapeutische Maßnahme dar, nie eine alleinige.“

Das würde ich so absolut nicht sagen. In leichten Fällen sind ätherische Öle bei Mykosen durchaus erfolgreich. Wichtig ist es allerdings, dass die Behandlung genügend lange fortgesetzt wird, weil bei zu frühzeitigen Therapie-Ende ein Rückfall droht.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/647854/pflanzliche-pilzmittel-immer-nur-zusaetzlich.html

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema Lavendelöl & Pilzerkrankungen siehe auch:

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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