Johanniskraut – Wirkstoffe und Wirkungsweise

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist als Antidepressivum bei leichten und mittleren Depressionen inzwischen gut dokumentiert. Doch wie kommt diese Wirkung zu Stande?

Hier eine Erklärung dazu aus der Medizinzeitschrift „Ars medici“:

„Hochwertige Johanniskrautextrakte enthalten ein Gemisch aus Hyperforin, Hypericin und Pseudohypericin sowie deren Synthesevorstufen, Flavonoide, Xanthone, Gerbstoffe und ätherisches Öl. Neuere Untersuchungen zeigen, dass vor allem Hyperforin und Flavonoide wie Biapigenin und Rutin für die antidepressive Wirkung entscheidend sind. Wie bei den meisten Phytotherapeutika beruht auch die Wirkung von Johanniskraut nicht auf einem einzelnen Inhaltsstoff, sondern auf einem Komplex. Nach aktuellen Untersuchungen hemmt Johanniskrautextrakt die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin und hemmt GABA (Gamma-Amino-Buttersäure) und L-Glutamat. Keines der bekannten synthetischen Antidepressiva weist ein ähnlich breites Wirkspektrum auf. Die Wiederaufnahmehemmung der Neurotransmitter erfolgt vor allem durch Hyperforin (und Adhyperforin), weshalb diese im Wirkmechanismus am ehesten mit trizyklischen Antidepressiva vergleichbar sind, ohne jedoch deren typische Nebenwirkungen aufzuweisen. Die Flavonoide Isorhamnetin und Rutin erhöhen signifikant die extrazelluläre Konzentration von Serotonin im präfrontalen Kortex und tragen so zur antidepressiven Wirkung des Gesamtextraktes bei. Diese Wirkung ist mit jener der SSRI vergleichbar. Hypericin und Pseudohypericin erwiesen sich in In-vitro-Versuchen als unwirksam, zeigten aber  in vivo eine antidepressive Wirksamkeit durch Verbesserung der Bioverfügbarkeit. Zudem scheint Hypericin einzelne Stressparameter günstig zu beeinflussen. Diese Effekte sind am ehesten mit der positiven Wirkung niedrig dosierter Neuroleptika zu vergleichen. Johanniskrautextrakte, die alle diese Substanzen in ausreichender Konzentration enthalten, entfalten also eine Wirkungsbreite, die einzelne synthetische Antidepressiva nicht haben!“

Quelle: ARS MEDICI DOSSIER I+II  2010

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat enthält zwei wichtige Punkte:

1. Beim Johanniskraut-Extrakt lässt sich die Wirkung nicht aus einem einzelnen Wirkstoff basierend erklären, sondern aus dem Zusammenwirken von mehreren Wirkstoffen.

2. Johanniskraut beeinflusst mehrere Transmittersysteme (Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA) und setzt daher breiter an als synthetische Antidepressiva. Diese milde, aber an mehreren Punkten ansetzende Wirkung dürfte wesentlich zum günstigen Nebenwirkungsprofil von Johanniskraut beitragen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>