Heilpflanzen für die Wechseljahre

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Die Zeitschrift Ökotest hat Nahrungsergänzungsmittel gegen Wechseljahrsbeschwerden unter die Lupe genommen. Keines der Produkte war besser als „befriedigend“. Die als Arzneimittel zugelassenen Heilpflanzen-Präparate gegen Wechseljahrsbeschwerden schneiden wesentlich besser ab.

Die „Frankfurter Rundschau“ hat über die Resultate berichtet und schreibt einleitend:

„Am Anfang steht oft eine Odyssee von Wartezimmer zu Wartezimmer. Keine Diagnose hilft weiter. Symptome wie Glieder- und Muskelschmerzen, Schweißausbrüche und Depressionen werden dafür immer schlimmer. Die Patientin wird nach jedem wirkungslosen Medikament ratloser, und am Ende ist es eine Befreiung, wenn ein Arzt endlich darauf kommt: Ursache sind schlicht die Wechseljahre.

Selbst nach dieser Diagnose misstrauen viele Betroffene ihren behandelnden Medizinern. ‚Die Ärzte haben, trotz eines Wandels in der Einstellung zur Hormonersatztherapie, den Ruf, dass sie Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden Hormone geben’, erläutert der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Berufsverbandes der Frauenärzte, Klaus König. Eine Studie der Women’s Health Initiative hat aber ergeben, dass bei langjähriger Anwendung einer Hormonersatztherapie Thrombosen, Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Brustkrebs als Nebenwirkungen auftreten können.“

Zahlreiche Frauen seien daher misstrauisch und bevorzugten Arzneien mit Wirkstoffen aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga) oder  Nahrungsergänzungsmitteln mit Soja und Rotklee. Solche Produkte versprechen, die schwierige Lebensphase auf natürlichem Wege zu erleichtern.

Das Magazin Ökotest hat 33 dieser pflanzlichen Mittel getestet, 14 Arzneimittel und 19 Nahrungsergänzungsmittel. Nachzulesen sind die Fast alle als Arzneimittel zugelassenen Präparate schneiden mit der Note „sehr gut“ ab. Schlechter sieht es bei den Nahrungsergänzungsmitteln aus. Hier schafft es kein einziges der geprüften Produkte über ein „befriedigend“ hinaus.

Arzneimittel auf Grundlage der Traubensilberkerze helfen hauptsächlich gegen Hitzewallungen und zur Verbesserung der Stimmungslage. Sie wirken günstig auf das Zentralnervensystem, ohne dabei der Gebärmutter zu schaden. Einer der wenigen Kritikpunkte von „Oekotest“:

„Etwa bei den Produkten „Remifemin“ (Tabletten) und „Remifemin Plus“ (Filmtabletten) fehlt im Beipackzettel ein wichtiger Warnhinweis: Bestimmte Formen von Brustkrebs sind östrogenabhängig. Es ist aber nicht bekannt, ob die von den Produkten verwendete Kombination von Cimicifuga und Wurzelstock östrogenabhängige Tumore befördern oder unbeeinflusst lassen. Eine Warnung ist deshalb wichtig.“

Auch die Verwendung von Hilfsstoffen wie Chinolingelb (E104) in „Femi Sanol“ und Azorubin (E122) in „Femi-Sabona Kapseln“ ist laut Ökotest unnötig. Für die Verwendung dieser Stoffe zog Ökotest dem jeweiligen Produkt einen ganzen Punkt ab.

Vorsicht mit Isoflavonen

Bei Nahrungsergänzungsmitteln sieht die Situation nach Ansicht von „Oekotest“ wesentlich kritischer aus. Sie enthalten als Wirkstoffe gegen Wechseljahrsbeschwerden meist Isoflavone aus Soja und Rotklee. Gemäss dem Bundesinstitut für Risikobewertung gibt es Hinweise darauf, dass hohe Dosierungen dieser Isoflavone die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen und das Brustdrüsengewebe verändern können. Weil die Forschungslage zu diesem Thema sehr kontrovers ist, gibt Ökotest keinem der Präparate eine bessere Note als „befriedigend“.

Zwar argumentieren die Produzenten dieser Präparate mit eigenen Studien, die die Unbedenklichkeit von Isoflavonen nachzuweisen scheinen. Für den Präsident der Pharmazeutischen Gesellschaft, Manfred Schubert-Zsilavecz, steht jedoch fest: „Eine abgeschlossene wissenschaftlich fundierte Erklärung ist nicht möglich.“ Eine kritische Grundhaltung gegenüber Isoflavone sei darum angebracht.

Auch die häufig zugesetzten Vitamine oder andere Inhaltstoffe aus Melisse, Salbei, Grüntee, Borretsch oder Nachtkerze haben Ökotest zufolge keinerlei günstigen Effekt.

Das Magazin rät trotz des Misstrauens vieler Patientinnen weiterhin die Beratung durch einen Frauenarzt. Wechseljahre seien keine Krankheit und müssten nicht in jedem Fall mit Medikamenten therapiert werden. Häufig genüge schon eine gute Aufklärung über den richtigen Umgang mit der schwierigen Zeit.

Quelle:

http://www.fr-online.de/wirtschaft/hilfe-fuer-die-wechseljahre/-/1472780/8252474/-/index.html

Kommentar & Ergänzung:

Das Resultat dieses Tests stimmt ziemlich mit dem Stand des Wissens in der Phytotherapie überein. Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) ist bei Wechseljahrsbeschwerden (Hitzewallungen) besser dokumentiert und belegt im Vergleich zu Soja und Rotklee. Und aufgrund der vorliegenden Untersuchungen gibt es keine Hinweise darauf, dass Traubensilberkerze östrogenabhängige Tumore fördert. Allerdings fehlen dazu Langzeitstudien, weshalb manche Experten trotzdem zur Vorsicht raten.

Nonsense ist die Formulierung: „Es ist aber nicht bekannt, ob die von den Produkten verwendete Kombination von Cimicifuga und Wurzelstock östrogenabhängige Tumore befördern oder unbeeinflusst lassen.“

In den Extrakten wird der Wurzelstock von Cimicifuga racemosa verwendet. Wer von einer „Kombination von Cimicifuga und Wurzelstock“ spricht, kennt sich mit solchen Heilpflanzen-Präparaten wohl nicht besonders gut aus.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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