Phytotherapie: Blasenentzündung & Cranberry-Saft

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Bei einer beginnenden Blasenentzündung (Zystitis) kann die Empfehlung, viel zu trinken, Schlimmerem vorbeugen. Kräutertees und Cranberry-Saft sind dazu eine gute Option.

Blasentees enthalten meist Heilpflanzen wie Birkenblätter und Bärentraubenblätter, Brennnessel und Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Schachtelhalm und Wacholderbeeren, welche die Harnbildung und Harnausscheidung fördern. Goldrutenkraut und Orthosiphonblätter zeigen zudem eine entkrampfende und entzündungshemmende Wirkung.

Empfehlenswert sind Heilpflanzen-Präparate aus der Apotheke, denn sie enthalten die pflanzlichen Bestandteile in ausgewogenen Mischungen und in Arzneibuchqualität. Ala Alternative zu den Fertigtees kann den Patienten auch eine Teemischung auf einem Privatrezept aufgeschrieben werden, zum Beispiel aus 40 g Bärentraubenblättern und je 30 g Goldrutenkraut und Wacholderfrüchten.

Noch einem weiteren Getränk wird eine vorbeugende Wirkung bei Harnwegsinfektionen nachgesagt: Preiselbeer-Saft, und mehr noch dem Cranberry-Saft aufgrund der darin enthaltenen Proanthocyanidine.

So hat eine Analyse von zehn kontrollierten Studien mit über 1000 Teilnehmern gezeigt, dass Cranberries als Fruchtsaft getrunken oder als Extrakt in Kapsel- oder Tablettenform eingenommen die jährliche Inzidenz von Infektionen des Harntrakts um insgesamt 35 Prozent reduzieren (Cochrane Database Syst http://www2.cochrane.org/reviews/en/ab001321.htmlRev 2008, Ausgabe 1).

Am stärksten profitieren Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Hier wurde eine signifikante Reduktion der Infektrate um 39 Prozent ermittelt. Cranberry-Saft/Tabletten werden auch als Möglichkeit zur Rückfallprophylaxe in der Leitlinie Harnwegsinfekt der Frau aufgeführt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/article/652285/tees-beeren-zaehmen-zystitis.html?sh=9&h=68944998

http://www2.cochrane.org/reviews/en/ab001321.html

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-009.html

Kommentar & Ergänzung:

Cranberrysaft oder Preiselbeersaft hat sich in den letzten Jahren zunehmend durchgesetzt zur Rückfallprophylaxe bei Blasenentzündung (Zystitis).

Das positive Resultat der Cochrane-Metastudie ist erfreulich.

Allerdings zeigt sich einmal mehr, dass auch Studien sehr oft nicht endgültige, in Stein gemeisselte, für immer über jeden Zweifel erhabene Erkenntnisse liefern – sondern dass der Diskussionsprozess namens Forschung in der Regel weiter läuft.

Da kommt doch nun tatsächlich eine neuere Studie aus Amerika, die dem Cranberry-Saft keine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus zubilligt.

„Glaubt man den Resultaten einer aktuellen prospektiven, randomisierten placebokontrollierten Studie mit 319 College-Studentinnen, dann scheint Cranberry-Saft nicht wirksamer zu sein als andere Vitamin-C-haltigen Säfte.

Die Teilnehmerinnen, alle mit einem akuten Infekt der unteren Harnwege,  tranken zweimal pro Tag über einen Zeitraum von sechs Monaten oder bis zum Rezidiv  (Rückfall) entweder 8 oz (etwa 230 ml) Cranberry-Saft oder ein Placebo. Von den Frauen, die den Cranberry-Saft tranken, erlitten 20% einen Rückfall, in der Placebogruppe waren es 14 %.“

Mit anderen Worten: In der Cranberry-Gruppe war die Rückfallrate höher als in der Placebogruppe, was ziemlich irritierend ist.

Über mögliche Gründe für das gute Abschneiden der Placebogruppe machte sich die Studienautorin Gedanken:

„Wir hatten eigentlich in der Placebogruppe eine Rezidivrate von etwa 30% erwartet“, erklärt Betsy Foxman von der University of Michigan School of Public Health in Ann Arbor. „Eventuell enthielt der Placebo-Saft ungewollt Stoffe, die ebenfalls das Risiko für einen Harnwegsinfekt senken, denn beide Säfte enthielten Vitamin C.“ Eine andere Erklärung für das gute Abschneiden der Placebogruppe sehen die Autoren in der Tatsache, dass die Teilnehmerinnen mehr tranken als sonst und darum öfters zur Toilette mussten. Das vermindert das Bakterienwachstum und die Symptomatik.

Quelle: SpringerMedizin.de basierend auf: Barbosa- Cesnik et al. Cranberry Juice Fails to Prevent Recurrent Urinary Tract Infection: Results From a Randomized Placebo-Controlled Trial. Clin Infect Dis (2011) 52 (1): 23-30. doi: 10.1093/cid/ciq073

http://www.springermedizin.de/cranberry-saft-bei-harnwegsinfekte-wirkungslos/318888.html

Kommentar & Ergänzung:

Sehr eigenartig, dass das Placebo Vitamin C enthielt, welches den Urin ansäuert und damit eine pharmakologische Wirkung bei Blasenentzündung entfalten kann.

Placebos müssen pharmakologisch inaktiv sein, wenn sie ihre Funktion erfüllen sollen.

Ohne die Studie damit einfach vom Tisch wischen zu wollen, ist das ein kritischer Punkt

Cranberrysaft ist damit jedenfalls nicht erledigt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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