Naturheilkunde-Tipps gegen Schlafstörungen

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Besser schlafen, das klappt auch mit Heilpflanzen-Präparaten. Wie man den Schlummer mit Baldrian, Hopfen und Co. am besten fördert, war auf der Practica zu hören. Zwei Tipps im voraus:

Baldrian früh genug nehmen und nicht zu heiß im Lavendel baden!

Medikamente, auch pflanzliche, sind bei Schlafstörungen immer zweite Wahl. Das sagte der in Bad Camberg niedergelassene Allgemeinarzt Professor Dr. Peter W. Gündling
auf einem vom Unternehmen Schwabe unterstützten Seminar. Zunächst gehe es darum, das Leben schlummerfreundlich zu gestalten. Dazu gehört: Weg mit Mittagsschlaf und Lesen im Bett. Frühzeitig eine leichte und proteinreiche Abendmahlzeit einnehmen und keinesfalls noch zu später Stunde Obst konsumieren, weil das den Darm belastet. Bewährt haben sich auch Rituale wie ein kleiner Abendspaziergang, ein Schlummertee oder kalte Abwaschungen.

Hopfenkissen für unruhige Kinder

Von den schlaffördernden Heilpflanzen ist Baldrian am bekanntesten. Baldrian lässt die Patienten vor allem ruhiger werden. Sie schlummern rascher ein, erwachen nachts seltener und die Schlafqualität bessert sich. Im Gegensatz zu manchen synthetischen Schlafmitteln ist kein „Hangover“ am nächsten Morgen zu befürchten. Soll Baldrian den Schlaf fördern, braucht man hohe Dosen (500–600 mg Trockenextrakt). Schon ein bis anderthalb Stunden vor dem Zubettgehen ist das Baldrian-Präparat einzunehmen, wegen des bitteren Geschmacks in fester Form, nicht als Baldriantee. Etwa jeder zweite Patient spricht auf Baldrian an, ergänzte der niedergelassene Bonner Allgemeinarzt Dr. Detmar Jobst. Gegen Unruhe und Prüfungsangst reicht eine niedrigere Dosis. Sehr wichtig dabei: vorher die Wirkung ausprobieren.

Biertrinker wissen, dass auch der Hopfen eine leicht schlaffördernde Wirkung hat. Als Heilpflanze wird Hopfen gern mit Baldrian, Melisse oder Passionsblume kombiniert und eignet sich auch tagsüber zur Linderung von Unruhe und Angst. Bei Kindern habe sich ein Schlafkissen mit Hopfenfüllung bewährt, erklärte Prof. Gündling.

Lavendelblüten fördern ebenfalls die Nachtruhe, beispielsweise als Auszug in einem aromatischen Abendbad. Allerdings sollte man die Wassertemperatur nicht zu heiß wählen und die Badedauer auf höchstens 20 Minuten begrenzen. Wer sich den Badezusatz selbst zubereiten möchte, brüht 100 g Lavendelblüten mit 2 l Wasser auf.

Als wohlschmeckende Alternative zum Lavendelbad empfiehlt Prof. Gündling einen Schlaftee mit Lavendelblüten und Melisse. Bei unruhigen Kindern kann man das Zimmer mit einigen Tropfen Lavendelöl beduften – kalt auf ein Schälchen geträufelt, in einer Duftlampe würde das ätherische Öl verbrennen. Zur Behandlung leichter Angst- und Unruhezustände bei Erwachsenen eignet sich ein Heilpflanzen-Präparat auf Lavendelöl-Basis (gewonnen aus Lavendula angustifolia). Es soll den Kalziumeinstrom in die Nervenzelle wieder ins Lot bringen.

Auch bei der Melisse kommt die Hauptwirkung vom ätherischen Öl. Neben der beruhigenden Wirkung fördert sie auch die Verdauung, beispielsweise bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden. Ausserdem lässt sich ihr virustatischer Effekt gegen Herpes nutzen. Gegen Zahnfleischentzündungen und Aphten hilft übrigens, frische Melissenblätter oder noch besser Salbeiblätter zu kauen.

Quelle:

MTD, Ausgabe 6 / 2011 S.23,

http://www.medical-tribune.de/patienten/news/27109/

Kommentar & Ergänzung:

– Insgesamt ein guter Bericht über Möglichkeiten der Schlafförderung mit Heilpflanzen.

– Bei Baldrian würde ich noch anfügen, dass einiges dafür spricht, ihn über längere Zeit regelmässig einzunehmen (mindestens 14 Tage) damit er seine Wirkung optimal entfalten kann.

– Ob beim Bier wirklich der Hopfen für die schlaffördernde Wirkung verantwortlich ist, scheint mir nicht so klar.

– Ein Lavendelbad lässt sich am einfachsten mit ätherischem Lavendelöl zubereiten: 8 – 10 Tropfen Lavendelöl mit etwas Kaffeerahm (Kaffeesahne) gemischt ins Badewasser geben.

– Den  virustatischen Effekt der Melisse gegen Herpes simplex (Fieberbläschen) nutz man als Melissensalbe – dann wirkt der Lamiaceen-Gerbstoff antiviral – oder als Melissenöl.

– Das erwähnte Lavendelölpräparat zur Behandlung von leichten Angst- und Unruhezuständen wird in Kapselform eingenommen (Lasea) und vom Sponsor der Veranstaltung hergestellt (Wilmar Schwabe)

– Zu Lasea siehe auch:

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Angstlöser

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelöl-Präparat Lasea

Bfarm wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelölpräparats Lasea

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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1 Antwort
  1. Petra
    Petra says:

    Zu den oben erwähnten „schlummerfreundlichen“ Maßnahmen würde ich noch die Meditation zählen.
    Wenn ein Tag aufregend und innerlich bewegend war, hilft es mir immer sehr gut, wenn ich mich vor dem Schlafengehen „zentriere“ – mich also in einem leicht meditativen Vorgang auf mich und mein Inneres besinne. Das geht dann fast nahtlos in den Schlafzustand über.
    LG
    Petra

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