Asthma: Bessere Kontrolle durch Eukalyptusöl / Cineol

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Eine beim Pneumologen-Kongress als Poster präsentierte, randomisiert-kontrollierte Multicenterstudie hat den Effekt einer sechsmonatigen Behandlung mit dreimal 200 mg Cineol im Vergleich zu Placebo bei 247 Patienten mit persistierendem Asthma untersucht. Cineol ist ein antiinflammatorisch (= entzündungshemmend) wirksamer Bestandteil des Eukalyptusöls.

Primärer Endpunkt der Studie war ein kombinierter Score, in den Häufigkeit und Intensität der Asthmasymptome, außerdem Lebensqualität und FEV1 einflossen. Hier zeigte sich ein hoch signifikanten Vorteil zugunsten der Cineol-Gruppe.

Auch wenn nächtliche Asthmasymptome, asthmabezogene Lebensqualität und Einsekundenkapazität (FEV1) separat betrachtet wurden, war Cineol jeweils signifikant überlegen gegenüber Placebo.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/asthma/article/649661/bessere-kontrolle-asthma-durch-eukalyptus.html?sh=86&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Cineol als Hauptinhaltsstoff des Eukalyptusöls ist ein hochinteressanter Stoff.

Hier ein paar zusätzliche Informationen über Cineol aus Wikipedia:

„1,8-Cineol gehört zu den bicyclischen Epoxy-Monoterpenen, genauer den Limonenoxiden. Die organische Verbindung liegt als farblose Flüssigkeit vor. Es findet Anwendung bei Atemwegserkrankungen wie Asthma und Heuschnupfen.

Vorkommen: 1,8-Cineol kommt in größeren Mengen in Eukalyptus (Eukalyptusöl enthält ungefähr 85 % Cineol) und Lorbeer vor. Weniger stark vorhanden ist es in Minze, Heilsalbei, Thymian, Basilikum und im Teebaum.

Verwendung: 1,8-Cineol wird einerseits bei Atemwegserkrankungen des Menschen, vorwiegend aber in der Veterinärmedizin verwendet. Andererseits kommt es als Aromastoff in der Parfümindustrie zum Einsatz. In der Zahnmedizin wird es bei der Revision von Wurzelfüllungen verwendet.

Physiologische Wirkungen: 1,8-Cineol wirkt beim Menschen in der Lunge und den Nebenhöhlen schleimlösend und bakterizid. Außerdem hemmt es bestimmte Neurotransmitter, die für die Verengung der Bronchien verantwortlich sind. Bei Asthmatikern kann unter ärztlicher Kontrolle durch Gabe von reinem Cineol die Lungenfunktion verbessert werden. Cineol stellt jedoch nur in Ausnahmefällen eine Alternative zu Corticosteroiden dar, die als Inhalation örtlich und nebenwirkungsarm angewandt werden können.

Von 1,8-Cineol sind außer leichter Stuhlverflüssigung und eventuell leichter Übelkeit bisher keine Nebenwirkungen bekannt. Beides tritt nur bei oraler Aufnahme auf.

Medizinische Anwendung: Die Einnahme erfolgt durch orale Zufuhr von Kapseln, die sich erst im Dünndarm auflösen, durch Inhalation oder durch Zubereitung entsprechender den Wirkstoff enthaltender Pflanzen als Tee.“

(Quelle: Wikipedia)

In der beschriebenen Studie wurde Cineol in Form von dünndarmlöslichen Kapseln eingesetzt.

Offenbar wurde die Studie bisher erst an einem Pneumologen-Kongress als Poster präsentiert. Jedenfalls enthält der Bericht keine Literaturangabe bezüglich Publikation in einer Fachzeitschrift. Eine Publikation in einer Zeitschrift mit Peer-Review wäre aber ein Qualitätszeichen, obwohl auch das Peer-Review-Verfahren nicht ohne Tücken ist.

Was ist Peer-Review?

„ Im akademisch-wissenschaftlichen Bereich sind Peer-Reviews von Zeitschriftenartikeln üblich, bei denen einer oder mehrere Experten des entsprechenden Gebietes den zur Veröffentlichung vorgeschlagenen Artikel bewerten. Üblicherweise schickt der Autor seinen Artikel als Manuskript an einen Verantwortlichen (z. B. den Herausgeber) einer Zeitschrift. Wenn dieser den Artikel für grundsätzlich geeignet hält, wählt er Gutachter aus, die nach inhaltlicher Prüfung ein Votum abgeben, ob der Artikel in der eingereichten Form veröffentlicht, zur Überarbeitung an den Autor zurückgeschickt oder endgültig abgelehnt werden sollte. Diese auch Reviewer oder Referee genannten Experten dürfen beim Peer-Review nicht aus dem Umfeld des Autors stammen. Die Unabhängigkeit des Gutachters vom zu bewertenden Objekt ist das wesentliche Kriterium eines Peer-Reviews. Anonymität des Gutachters ist dagegen nicht erforderlich, aber oftmals gegeben. In einem weiteren Sinn wird Peer-Review auch für andere wissenschaftliche Publikationsformen verwendet. Der Gutachter erbringt seine Tätigkeit meistens freiwillig und unentgeltlich. Bleiben sowohl Gutachter als auch Begutachteter anonym, so wird meist von doppelt verdecktem Gutachten gesprochen.

Die Anonymität dient dazu, dem Gutachter das Äußern von Kritik und den Hinweis auf Mängel der Publikation zu ermöglichen, ohne dass er die Revanche des möglicherweise hierarchisch oder an Reputation und Einfluss höher stehenden Autors fürchten muss. Das soll eine gründliche und unvoreingenommene Überprüfung ohne Ansehen der Person des Autors sichern und letztlich ein höheres Niveau an wissenschaftlicher Qualität erreichen lassen. Das Prinzip der Anonymität des Gutachters ist jedoch nicht unumstritten. Vereinzelt wird kritisiert, dass es ein überzogenes, destruktives Kritisieren begünstige. Etablierte Stars eines Teilgebiets der Wissenschaft könnten durch unfundiert-abwertende Gutachten das Eindringen von Konkurrenten in ihre „Nische“ verhindern, und müssten sich dank der Anonymität dafür nicht namentlich rechtfertigen. Die Anonymität der Gutachter fördere so das ‚Revierverhalten‘ und behindere einen effizienten Qualitätswettbewerb.

Die Anonymität des Gutachters kann jedoch ebenso zu Beurteilungen führen, die aus Zeitmangel oder ungenügendem Interesse oder Wissen nicht gewissenhaft genug erstellt wurden. So kann ein schlechter Artikel durch das Begutachtungsverfahren rutschen, ohne dass der Gutachter um seinen guten Ruf in der Wissenschaftsgemeinde fürchten muss. Teilweise wird auch der zu begutachtende Artikel anonymisiert, um einer möglichen Voreingenommenheit des Gutachters zu begegnen (‚double-blind‘-Verfahren). Die Autoren werden gebeten, im Text Passagen zu vermeiden, die der Anonymität zuwiderlaufen könnten (z.B. Selbstzitierungen in der ersten Person). In vielen Fällen können jedoch anhand der Referenzen, der experimentellen Möglichkeiten etc. die Autoren trotzdem erraten werden, zumal wenn das betreffende Spezialgebiet von einer überschaubaren Anzahl von Leuten weltweit erforscht wird. Daher und aus anderen Gründen wird vielfach auf die Verdeckung der Autorennamen verzichtet.

Das Peer-Review ist im Allgemeinen keine Methode, um Fälschungen oder in betrügerischer Absicht gemachte Experimente aufzudecken. Der Gutachter muss auf den guten Willen und die Angaben des Autors vertrauen. Er kann nur die Signifikanz und Aktualität der Fragestellung, die Originalität und Validität des Lösungsansatzes und die Plausibilität der Resultate im Kontext überprüfen sowie auf methodische Fehler hinweisen.

Der Sinn der Begutachtung liegt vor allem in einer Bewertung der Qualität eines eingereichten Manuskripts, die dem Herausgeber der Fachzeitschrift Anhaltspunkte liefert, ob dieses als Artikel darin veröffentlicht werden kann. Durch die hohe Anzahl von wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Fachgebieten sind die Bewertungsmaßstäbe oft sehr unterschiedlich und richten sich nach dem Leserkreis und der Reputation des Fachjournals. In der Regel wird der Gutachter das Manuskript nach offensichtlichen Defiziten oder Verbesserungsmöglichkeiten bewerten und nur gelegentlich auf Rechtschreibfehler oder sprachliche Unzulänglichkeiten hinweisen. Sehr detaillierte Gutachten, inklusive Prüfung der verwendeten Methoden, werden vor allem von Artikeln verlangt, die Themen in umstrittenen oder prestigeträchtigen Fachgebieten (z.B. Stammzellenforschung) behandeln oder von außerordentlich hohem Interesse für einen großen Leserkreis sind (z. B. in Nature oder Science).

Kritik:

Das Peer-Review-Verfahren wird aus zwei Gründen kritisiert:

Es dauert meist etliche Monate, in manchen Fällen sogar Jahre, bis ein Fachartikel erscheint.

Die Neutralität der Gutachter ist nicht garantiert. Es gibt keine Gewähr, dass die Gutachter nicht ihren eigenen Standpunkt zu strittigen Fragen als Entscheidungsgrundlage heranziehen.

Eine Studie (Ioannidis 2005) über das Peer-Review-Modell in medizinischen Veröffentlichungen hat ergeben, dass in fast einem Drittel der Studien zwischen 1990 und 2003, die nach einer Begutachtung veröffentlicht wurden, die Resultate entweder übertrieben worden waren oder später als widersprüchlich erkannt wurden. Von den untersuchten Artikeln erhielten 16 % keine Zustimmung, und weitere 16 % wurden in Folgestudien nicht bestätigt. Ioannidis räumte ein, dass viele Faktoren, wie andere oder bessere Versuchsanordnungen der zu wiederholenden Untersuchungen, die Unstimmigkeiten begünstigt haben könnten. Der Prozess des Reviews ist unter den 10.000 medizinischen Zeitschriften weltweit nicht standardisiert. Die Ergebnisse der Studie ließen Zweifel an der Zuverlässigkeit des Peer-Review aufkommen. Die in der Regel externen und nicht bezahlten Gutachter bewerten die Stichhaltigkeit des Artikels, ihre Kommentare und Identität werden jedoch vertraulich gehalten. Einige Herausgeber befürworteten daraufhin, die Gutachter öffentlich beim Namen zu nennen und zu bezahlen, andere versichern hingegen, dass das aktuelle Peer-Preview-Modell die Veröffentlichung vor fehlerhaften Details und unsicheren medizinischen Anweisungen bewahrt.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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