Phytotherapie: Gegen Heuschnupfen Tesalin oder Pollivita?

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Vor kurzem wurde ich gefragt, welches Pestwurz-Präparat gegen Heuschnupfen besser sei, Tesalin oder Pollivita?

Die Antwort ist einfach: Beide Pestwurz-Präparate enthalten den gleichen Trockenextrakt (Ze 339).

Pharmawiki schreibt dazu:

„Seit 2003 ist in der Schweiz ein Spezialextrakt aus Pestwurzblättern zur Behandlung von Heuschnupfen zugelassen. Der Extrakt ist im Vergleich mit anderen alternativmedizinischen Arzneimitteln in dieser Indikation klinisch gut dokumentiert und gilt als ähnlich gut wirksam wie Antihistaminika. Gleichzeitig tritt weniger Müdigkeit auf. Nachteilig ist, dass das Arzneimittel nur auf ärztliche Verordnung erhältlich ist und die Tabletten zwei- bis dreimal täglich eingenommen werden müssen. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Verdauungsbeschwerden und es besteht ein theoretisches Risiko für sehr seltene Leberschädigungen.“

Die Wirksamkeit dieses Extraktes ist erst kürzlich erneut in einer Studie gezeigt worden.

Siehe dazu:

Studie zeigt Wirksamkeit von Pestwurz-Extrakt bei Heuschnupfen

In der Schweiz ist der Spezialextrakt Ze 339 aus den Blättern der gemeinen Pestwurz (Petasites hybridus L., Asteraceae) seit 2003 zur Therapie von Heuschnupfen zugelassen.

Zur Herstellung schreibt Pharmawiki:

„Ze 339 ist in Tesalin® N und Pollivita® Filmtabletten enthalten und auf 8 mg Petasine standardisiert. Zur Herstellung werden die Blätter einer speziell gezüchteten und Inhaltsstoffreichen Art (Petzell®) und nicht wie bei anderen Arzneimitteln und Indikationen die Wurzeln (Rhizome) verwendet.“

Pestwurz soll nicht als Tee, Pflanzentinktur oder in Form anderer unverarbeiteter Zubereitungen eingenommen werden, weil die Pflanze Pyrrolizidinalkaloide enthält, die hauptsächlich bei längerer Anwendung lebertoxisch, karzinogen und genotoxisch wirken könnten. Beim Extraktionssprozess für den Ze339-Extrakt mit flüssigem Kohlenstoffdioxid und anschliessender Dünnschichtchromatographie werden die fein geschnittenen Blätter von diesen giftigen Alkaloiden befreit. Weil es sich um einen neuen Wirkstoff handelt, sind die Pestwurz-Präparate gegen Heuschnupfen bisher nicht für die Selbstmedikation freigegeben worden und müssen von einem Arzt oder einer Ärztin verschrieben werden.

Zur Wirkung des Pestwurz-Extraktes schreibt Pharmawiki:

„Der Pestwurzextrakt war in den durchgeführten Untersuchungen wirksam gegen die Beschwerden von Heuschnupfen wie Juckreiz der Nase und der Augen, laufende und verstopfte Nase und gerötete Augen. Die Effekte sollen schnell, bereits 30 bis 90 Minuten nach der Einnahme, eintreten.

Die Wirksamkeit wurde in kontrollierten klinischen Studien im Vergleich mit den Antihistaminika Cetirizin und Fexofenadin und Placebo, sowie in Postmarketing-Studien untersucht. Diese Studien deuten auf eine ähnliche Wirksamkeit wie die der Antihistaminika hin. Anzumerken ist jedoch, dass die Studien vom Hersteller finanziert wurden und ein Grossteil der verfügbaren Literatur von Experten mit Interessenskonflikten verfasst wurde. Kritische und neutrale Beurteilungen liegen praktisch keine vor. PharmaWiki kann zur tatsächlichen Wirksamkeit keine Aussage machen.“

Der Wirkmechanismus von Ze339 gegen Heuschnupfen ist noch nicht vollständig bekannt. Für die Wirkung werden die Petasine, veresterte Sesquiterpene vom Eremophilantyp, verantwortlich gemacht, darunter Petasin, Isopetasin und Neopetasin und die in geringerem Anteil enthaltenen Schwefelanaloge S-Petasin, S-Isopetasin und S-Neopetasin. Diese Inhaltsstoffe hemmen die Synthese und die Freisetzung der Leukotriene und Histamin und wirken dadurch entzündungshemmend.

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Pestwurz%20gegen%20Heuschnupfen

Kommentar & Ergänzung:

Pestwurzblätter-Extrakte werden auch untersucht bezüglich einer allfälligen günstigen Wirkung auf Asthma bronchiale. Die Pestwurz-Präparate auf der Basis von Ze339 sind für diese Indikation aber gegenwärtig nicht zugelassen.

Weitere Informationen zu Pestwurz-Extrakt:

Naturheilmittel gegen Heuschnupfen – was ist wirksam?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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