Archive for Mai, 2011

Frühjahrskur mit Löwenzahn – die fragwürdigen Tipps der Kronen-Zeitung

Dienstag, Mai 31st, 2011

Alle Jahre wieder kommen die Ratschläge zum innerlichen Frühjahrsputz. Auch die Kronen-Zeitung setzt sich für mehr interne Sauberkeit ein – und veräppelt ihre Leserinnen und Leser mit wirren und nebulösen Ratschlägen.

Als Beispiel die Empfehlungen zum Löwenzahn:

„Löwenzahn ist eine Leberheilpflanze. Er entleert die Galle, stimuliert die Leber, sodass sie Giftstoffe abstößt, und erleichtert den Nieren die Arbeit. Keine Schlankheitskur ohne Löwenzahn. Als Tee soll gerade der Löwenzahn niemals gesüßt werden, damit macht man manche Wirkung der Bitterstoffe zunichte.

Inhaltsstoffe: Große Mengen Vitamine, vor allem Karotinoide, Bitterstoffe, Flavonoide, viele Mineralstoffe in hoher Dosis, Inulin, geringe Mengen ätherisches Öl, Schleim.

Verwendung: Frische Blätter in Salat und Gemüse, als Frischpflanzensaft (Blätter und/oder Wurzel), die getrockneten oder frischen Wurzeln als Tee (zwei Tassen pro Tag oder ein Esslöffel Frischsaft).“

Quelle:

http://www.krone.at/Gesund-Fit/Kraeuter_fuer_den_Fruehjahrsputz_von_innen-Fruehjahrskur-Story-253748

Kommentar & Ergänzung:

Schauen wir uns einzelne Aussagen genauer an:

„Löwenzahn ist eine Leberheilpflanze“

Sehr pauschale Aussage. Gegen welche der zahlreichen Leberkrankheiten soll Löwenzahn denn helfen? Einfach gegen alle? – Gut dokumentiert als Leberpflanze ist in der Phytotherapie die Mariendistel, bzw. die Mariendistelsamen mit ihrem Hauptwirkstoff Silymarin / Silibinin.

Dabei bleibt der Anwendungsbereich aber eingeschränkt, beispielsweise auf die unterstützende Behandlung bei chronischer Leberentzündung (Hepatitis). Für Löwenzahn gibt es in der Phytotherapie-Fachliteratur keinerlei konkrete Hinweise für eine Heilwirkung auf die Leber.

„Er entleert die Galle, stimuliert die Leber, sodass sie Giftstoffe abstößt, und erleichtert den Nieren die Arbeit.“

Okay, Löwenzahn fördert den Gallenfluss. Aber dass er die Leber stimuliert und diese dadurch Giftstoffe abstösst, ist eine ziemlich gewagte Aussage. Um welche Giftstoffe soll es dabei genau gehen?

„Keine Schlankheitskur ohne Löwenzahn“

Hier fehlt jede Begründung. Weshalb gehört Löwenzahn zu jeder Schlankheitskur? Was genau soll die positive Wirkung des Löwenzahns bei einer Schlankheitskur sein? Meiner Ansicht nach gibt es nicht den Hauch einer plausiblen Erklärung für diese Aufforderung. Und auch in der Phytotherapie-Fachliteratur fehlt jeder Hinweis auf eine solche Wirkung.

Fragwürdig ist auch die Aufforderung, den Löwenzahntee niemals zu süssen. Dass durch Süssen die Wirkung mancher Bitterstoffe zerstört wird, dafür fehlen plausible Argumente. Der Bittereffekt läst sich durch Süssen nicht wirklich eliminieren.

Damit will ich gar nichts sagen gegen den Löwenzahn (Taraxacum officinale), den ich als Heilpflanze schätze. Und ich habe auch nichts dagegen, wenn Löwenzahn als Wildsalat verwendet wird. Das kann gesund sein.

Aber mit derart leeren Behauptungen und pauschal-vagen Beschreibungen, wie sie die Kronen-Zeitung hier auftischt,  werden die Leserinnen und Leser veräppelt. Mehr Sorgfalt im Umgang mit Informationen wäre nötig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Honig gegen Mundschleimhautentzündung (Mucositis) bei Chemotherapie / Bestrahlung

Dienstag, Mai 31st, 2011

Chemotherapie und Bestrahlung schädigen Zellen, welche sich rasch teilen. Das ist bei Krebszellen erwünscht. Doch nicht nur Krebszellen teilen sich häufig, sondern auch viele gesunde Zellen. Das sind hauptsächlich Zellen der Blutbildung, der Haarbälge, der Nagelbildung und der Schleimhäute. Geschädigt werden daher besonders oft die Schleimhautzellen im Mund- und Rachenbereich. Es kommt zu Mundschleimhautentzündung ( Mucositis, Stomatitis)

Dass man in manchen Fällen schon mit verhältnismässig einfachen Mitteln solchen Beschwerden vorbeugen kann, zeigen Studien an Patienten, die aufgrund von Kopf-Hals-Tumoren mit Bestrahlungen und Chemotherapie behandelt wurden. Sie bekamen jeweils 20 ml Honig eine Viertelstunde vor und nach sowie sechs Stunden nach der Bestrahlung oder Placebo. Eine Studie zeigte, dass in der behandelten Gruppe nicht nur weniger Patienten eine Mucositis entwickelten, sondern dass diese auch weniger ausgeprägt war.

So bekamen 15 Prozent der Honig-Anwender eine Mucositis Grad 3 und keiner eine Mucositis Grad 4. In der Kontrollgruppe wurde bei 65 Prozent der Patienten eine Mucositis Grad 3 oder 4 festgestellt. Schmerzhaft ist eine Mucositis immer. Bei einer Mucositis 3. Grades kommt es zu größeren verbundenen Ulzerationen (Geschwürsbildungen), die mehr als 25 Prozent der Mundschleimhaut bedecken. Die Aufnahme von fester Nahrung ist dann nicht mehr möglich. Die Patienten können aber noch trinken. Bei der Mucositis Grad 4 kommt es zu blutenden Ulzerationen, die mehr als 50 Prozent der Mundschleimhaut bedecken. Weder Essen noch Trinken sind in diesem Stadium der Mucositis möglich. Die Patienten müssen in solchen Fällen stationär aufgenommen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=38079&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Eine weitere Möglichkeit gegen Mukositis bei Chemotherapie / Bestrahlung: gefrorene Ananas-Stückchen.

Informationen dazu:

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

Und hier eine gute Übersicht zu phytotherapeutischen Möglichkeiten bei Mundschleimhautentzündung in der Palliative Care.

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Vietnam gegen Geschäft mit Bärengalle

Freitag, Mai 27th, 2011

Für die Bären ist die Entnahme von Gallenflüssigkeit eine Qual. In zahlreichen asiatischen Ländern gilt dieser Saft jedoch als Heilmittel. Vietnam will den Bärengallen-Tourismus nun beenden. Doch der Handel mit dem Bärengallen-Extrakt floriert.

Vietnam verstärkt den Druck im Kampf gegen das grausame Geschäft mit der Bärengalle. Die Flüssigkeit wird den Bären entnommen und schon seit mehr als 3000 Jahren in der chinesischen Medizin eingesetzt. Sie soll hauptsächlich gegen Leberkrankheiten helfen.

Das Nationale Amt für Tourismus hat nun Leitlinien veröffentlicht, wonach Reiseunternehmen ihre Lizenz verlieren könnten, falls sie “Bärengallen-Ausflüge” anbieten. Die Welttierschutzgesellschaft (WSPA) begrüßt dieses Vorhaben – ein Ende des lukrativen Geschäfts ist  aber wohl noch nicht in Sicht. “Es bringt Profit”, erklärte Nguyen Manh Cuong vom vietnamesischen Tourismus-Amt.

Als “Hot Spot” für die Bärengallen-Reisen gilt nach Auskunft der WSPA die vietnamesische Urlaubshochburg Ha Long. Pauschaltouristen – hauptsächlich aus Südkorea – bekommen bei entsprechender Buchung die Live-Entnahme von Galle geboten. Darüber hinaus können sie die Flüssigkeit kaufen und illegal in ihr Heimatland einführen. Ein Milliliter lässt sich in manchen Regionen bereits für einen Dollar kaufen.

Die Entnahme der Gallenflüssigkeit ist für die Bären schmerzhaft und ihre Käfige sind oft nicht größer als Telefonzellen. Bis zu dreimal pro Tag wird ihnen laut WSPA der Saft abgezapft – aus einer Wunde, die man häufig nicht verheilen lässt. Die Tiere leiden daraufhin oft an schweren Infektionen. In zahlreichen Fällen verenden sie.

WSPA-Projektleiter Dave Eastham begrüßt, dass Vietnam härter gegen die Reiseunternehmen durchgreifen will. “Das sind fantastische Neuigkeiten”, erklärte er. “Vietnam ist bislang das einzige Land, das dieser Unsitte ein Ende setzen will.” Und er weißt darauf hin, dass Bärenfarmen in Südkorea und China weiterhin legal seien. Mehr als 12.000 Bären befinden sich nach Angaben der WSPA in asiatischen Farmen in Gefangenschaft.

Vietnam hat sich schon 2005 zu einer schrittweisen Abschaffung dieser Einrichtungen entschlossen. Auf Initiative des Ministeriums für Landwirtschaft wurden etwa 4000 in Gefangenschaft lebenden Bären Mikrochips eingepflanzt, um ihren Bestand zu kontrollieren. Dennoch durften die Farmer ihre Bären als Touristenattraktion behalten. 2009 wurde schließlich eine Gesetzesnovelle auf den Weg gebracht, die das Halten geschützter Arten zu kommerziellen Zwecken untersagt. Immer wieder entdecken Tierschützer jedoch illegale Farmen.

Und auch der illegale internationale Handel mit Bärengalle floriert in Asien. Das sei verheerend für die bedrohten asiatischen Schwarzbären und Malaienbären, erklärte jüngst die Organisation Traffic, die gegen den Schmuggel von Tieren und ihren Produkten kämpft. Über 50 Prozent der Geschäfte mit traditionellen Heilmitteln in China, Hongkong, Malaysia, Birma und Vietnam führen nach Traffic-Angaben Bärengallensaft im Sortiment.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Vietnam-greift-durch-article3311976.html

Kommentar & Ergänzung:

Bärengalle gehört zur ursprünglichen traditionellen chinesischen Medizin. Man muss sich klarmachen, dass die Traditionelle Chinesische Medizin, wie wir sie im Westen kennen, ein ziemlich junges Exportprodukt ist, das auf westliche Bedürfnisse hin zugeschnitten wurde. Die originale chinesische Medizin  hat beispielsweise auch über zwei Jahrtausende ein sehr kriegerisches Vokabular verwendet, das im Exportprodukt TCM fehlt, in China aber durchaus noch im Gebrauch ist.

Ich bin selber oft in China unterwegs und immer wieder erstaunt über die sehr unterschiedliche Sichtweise auf die traditionelle chinesische Medizin in China und im Westen.

Dass Vietnam nun die Tierquälerei mit der Bärengalle eindämmen will, ist sehr zu begrüssen.

Auch Tradition muss sich in Frage stellen lassen. Tradition hat nicht fraglos Recht. Das gilt natürlich für alle Arten und Methoden der Heilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Donnerstag, Mai 26th, 2011

Übelkeit, Kopfschmerzen, flaues Gefühl im Bauch: Viele Menschen sind anfällig für die so genannte Reisekrankheit oder Kinetose. Die Reisekrankheit tritt jedoch nicht nur auf Schiffen oder Segelbooten, sondern auch im Bus, Pkw und im Flugzeug auf – selten auf Motorrädern oder in der Eisenbahn.

Auslöser der Beschwerden sind ungewohnte Bewegungen und Beschleunigungen, die im Gehirn nicht mit den gleichzeitigen optischen Eindrücken übereinstimmen: Die Gleichgewichtsorgane in den Innenohren melden Alarm, zu dem aus Sicht der Augen jedoch kein Anlass besteht.

In der Regel sind die Beschwerden eher unangenehm als lebensgefährlich. Nur in Einzelfällen treten ernsthaften Herz-Kreislaufsymptomen auf.

Tipp: Nach vorne schauen

Das Risiko eine Kinetose lässt sich mit einfachen Maßnahmen deutlich vermindern. Wichtig ist vor allem die Wahl des Sitzplatzes. Auf Schiffen werden in der Schiffsmitte, im Flugzeug in Höhe der Tragflächen, im Bus hinter der Vorderachse und im Auto auf dem Beifahrersitz, die wenigsten Bewegungsreize übertragen. Darüber hinaus bewährt es sich, wenn die Fahrtbewegungen mit den Augen verfolgt werden können, darum lohnt es sich im Bus in den vorderen Reihen zu sitzen und den Blick während der Fahrt nach vorne zu richten. Ratsam ist es zudem, nächtliche Busfahrten zu vermeiden, speziell in bergigen Gegenden.

Empfindliche Personen sollten weder mit vollem noch mit nüchternem Magen die Reise antreten, sondern vorher leichte Kost zu sich nehmen.

Reisemedikamente können helfen, sind jedoch wegen möglicher Begleiterscheinungen nur in Absprache mit dem Arzt einzunehmen. Die Wirksamkeit von Akupressur-Armbändern soll auf einen Plazeboeffekt zurückzuführen sein. Völlig nebenwirkungsfrei und seit Jahrhunderten in Verwendung ist die Ingwerwurzel.

Quelle:

http://derstandard.at/1304552939230/Kinetose-Reisen-ohne-Uebelkeit

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist in der Phytotherapie gut anerkannt als Heilpflanze gegen Reisekrankheit, aber auch gegen Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie und nach Operationen.

Wikipedia schreibt zum Thema Ingwer & Reisekrankheit:

„Ingwer hat eine antiemetische Wirkung. Er wird in Form von kleinen Scheibchen von der rohen Wurzel gekaut, als Pulver oder in Tablettenform eingenommen. Mit der Medikation kann schon am Vortag begonnen werden. Er gilt als nebenwirkungsarm, sollte jedoch von Menschen mit gleichzeitigen Magengeschwüren und Gallensteinleiden nicht verwendet werden. In einer kleinen doppeltblinden Studie, die an 80 Seekadetten durchgeführt wurde, reduzierte Ingwer im Vergleich zu Placebo signifikant das Auftreten von Erbrechen. 1982 erfolgte eine Studie mit Kandidaten auf einem Drehstuhl, mit einer Dosis von 940 mg, 20 bis 25 Minuten vor dem Test, mit erfolgreicher Reduktion von Übelkeit.“

(Quelle: Wikipedia)

Weitere Informationen zu Ingwer:

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbreche

Ingwer lindert Muskelkater

Ingwer vermindert Muskelschmerzen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Thymian in der Frühjahrsküche

Donnerstag, Mai 26th, 2011

Der Thymian (Thymus vulgaris) zählt zu den feinen Kräutern der französischen Küche. Zusammen mit Schnittlauch, Kerbel, Petersilie und Estragon bildet er die Grundlage für die Gewürzmischung “Fines herbes”. Die frischen oder getrockneten Stängel, Blätter oder Sprossenden des Thymians verwendet man zum Würzen von Kräuteressig, Fleisch, Suppen, Saucen, Salaten, Gemüse und Kartoffeln. Das Thymiankraut macht fette Fleischspeisen und Würste bekömmlicher und länger haltbar, weil es nicht nur würzende Eigenschaften besitzt, sondern auch antimikrobielle Wirkstoffe enthält. Ein bekanntes Sommergericht, bei welchem Thymian nicht fehlen darf, ist das Ratatouille. Der Gemüseeintopf aus geschmorten Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Auberginen, Zucchini und Knoblauch wird mit frischen Provence-Kräutern abgeschmeckt. Das sind vor allem Thymian, Rosmarin, Oregano, Majoran, Bohnenkraut und Lavendel.
Man reicht das Gemüsegericht mit ein bisschen Brot oder serviert es im Sommer auch gerne zu Steak und Kartoffeln vom Grill. Für den häuslichen Bedarf kann Thymian im Kräutergarten gezogen und während der Sommermonate von Mai bis September frisch genutzt werden. Die Ernte geschieht kurz vor Beginn oder während der Blüte. Thymiankraut lässt sich als Wintervorrat gut trocknen. Zu diesem Zweck erntet man es bei gutem Wetter um die Mittagszeit, wenn der Gehalt an ätherischen Ölen besonders hoch ist. Man bindet die geschnittenen Stängel zu kleinen Sträußen zusammen und hängt diese kopfüber an einen luftigen Ort. Getrockneter Thymian behält sein Aroma sehr lange und kann nach Bedarf von den getrockneten Stängeln abgerebelt werden. Thymiankraut riecht stark würzig und schmeckt herb, harmoniert auch mit Lorbeer, Muskat und Salbei. Thymian stammt aus den westlichen Mittelmeerländern und wächst in Mitteleuropa und Südeuropa wild an Berghängen. Als Würzpflanze und Heilpflanze schätzte man den Thymian schon in den mittelalterlichen Klostergärten. Man unterscheidet grob zwischen Arznei-Thymian, Echtem Thymian und Zitronen-Thymian. Letzterer duftet und schmeckt zitronig, weshalb er gerne für Salate eingesetzt wird.

Quelle:

http://www.aid.de/presse/presseinfo.php?mode=beitrag&id=5284

Kommentar & Ergänzung:

In der Phytotherapie gehört Thymian (Thymus vulgaris) zu den wichtigen Heilpflanzen bei produktivem Husten. Thymian wirkt auswurffördernd, krampflösend auf die Bronchien. Zur Anwendung kommt vor allem Thymiantee, Thymiantinktur oder Thymianöl.
Dieser Arzneithymian stammt also aus dem Mittelmeergebiet und kommt bei uns nicht wild vor.
Bei uns wächst dagegen Thymus serphyllum – der Quendel, Bergthymian oder Feldthymian genannt wird. Er enthält wie der Arzneithymian ätherisches Öl, wobei allerdings der Gehalt stark schwankt. Man trifft immer wieder auf Bergthymian, welcher kaum aromatisch riecht, was eine Heilwirkung fraglich erscheinen lässt.

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Ätherische Öle gegen Bakterien

Dienstag, Mai 24th, 2011

Viele ätherischen Öle hemmen das Wachstum von Bakterien. Sie könnten in manchen Fällen eine Alternative zu Antibiotika sein.

Patrick Warnke, Professor für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, hatte als Student in Australien beobachtet, dass unangenehm riechende Klimaanlagen durch Einsprühen von Eukalyptusöl geruchfrei wurden.

Daran erinnerte er sich an der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Kiel und probierte die gleiche Strategie bei Patienten mit übel riechenden Tumoren im Gesichts- und Halsbereich.

„Zweimal täglich wurden die Geschwüre mit einer Mischung aus ätherischen Ölen gespült, die überwiegend Eukalyptus enthielt. Schon am dritten oder vierten Tag war der faulige Geruch verschwunden. Auch die Entzündungen gingen zurück.

Die Kranken mussten nicht mehr isoliert werden und konnten wieder nach Hause zu ihren Angehörigen. Für die Patienten war dies ein großer Gewinn an Lebensqualität.
Der Kieferchirurg entschloss sich dazu, der Sache auf den Grund zu gehen. Am Kieler Institut für Infektionsmedizin ließ er verschiedene ätherische Öle auf ihre antimikrobielle Wirksamkeit untersuchen und mit herkömmlichen Antiseptika wie Chlorhexidin und Polyvidon-(PVP-)Jod (z. B. Betadine) sowie mit 70-prozentigem Alkohol vergleichen.
Die Tests zeigten, dass manche ätherische Öle das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen, erläutert der Kieler Mikrobiologe Professor Rainer Podschun. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift für Zahnärztliche Implantologie berichten, zeigen die ätherischen Öle von Eukalyptus, Teebaum, Thymian, Zitronen, Zitronengras und Nelken deutliche Hemmeffekte bei Staphylokokken, Streptokokken und Candida-Pilze.
Ätherische Öle wirksam gegen Problemkeime
Professor Warnke, sieht seine Vermutung bestätigt, dass die geruchsstoppende Wirkung der ätherischen Öle auf ihren antimikrobiellen Eigenschaften basiert. Besonders beeindruckend sei die intensive Wirkung gegen klinische Problemkeime wie den Methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA), die auf herkömmliche Antibiotika nicht mehr ansprechen. Diese Keime verursachen häufig gefährliche Wundinfektionen. Auch der Pilz Candida krusei, der bei immungeschwächten Patienten zu lebensbedrohlichen Infektionen führen kann, wurde im Laborexperiment gehemmt.

Mit ihrer Studie bestätigen die Kieler Wissenschaftler naturheilkundliche Erfahrungen:

Die Ureinwohner Australiens etwa verwenden Teebaumöl seit Jahrhunderten als Wundheilungsmittel, Nelkenöl nutzten bereits unsere Vorfahren als Hausmittel bei Zahnschmerzen und Entzündungen der Mundschleimhaut.

Ätherische Öle können aber noch mehr,  erklärt Professor Hildebert Wagner vom Zentrum für Pharmaforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Sie wirken nicht nur antimikrobiell, sondern auch entzündungshemmend und krampflösend“. Daher eignen sie sich ausgezeichnet zur Behandlung von Atemwegsinfekten und können eine Antibiotikatherapie sinnvoll unterstützen.
Gegen Erkältungskrankheiten existieren viele Fertigpräparate mit ätherischen Ölen zum Einnehmen, Gurgeln, Inhalieren und Einreiben. „Für viele ätherische Öle, beispielsweise aus Eukalyptus und Thymian, liegen umfassende wissenschaftliche Daten vor“, erklärt Heilpflanzen-Experte Wagner.

Die Wirksamkeit von Teebaumöl dagegen wurde längere Zeit kontrovers beurteilt. „Mit unserer Studie konnten wir aber zeigen, dass es tatsächlich wirkt“, erklärt Warnke. „Damit eröffnen sich neue Möglichkeiten der Wundbehandlung.“
Ätherische Öle – interessant für die Zahnmedizin
Hauptsächlich ihre Effizienz gegen Problemkeime macht die ätherischen Öle als Alternative zu herkömmlichen Antibiotika therapeutisch interessant. Allerdings eignen sich ätherische Öle bisher ausschliesslich zur lokalen Anwendung.

„Äußerlich angewandt, könnten sie zur Therapie von oberflächlichen Wundinfektionen dienen oder die Zahl der Problemkeime auf Schleimhäuten reduzieren“, erklärt Mikrobiologe Rainer Podschun.

Er sieht aber noch viel Forschungsbedarf: „Bisher haben wir nur die Wirkung auf bestimmte grampositive Bakterien getestet, aber nicht auf gramnegative und anaerobe Keime“, stellt Podschun fest. Aus Laborversuchen könne zudem nicht abgeleitet werden, wie ätherische Öle wirken, wenn sie beim Menschen zur Anwendung kommen.

Auch für die Zahnmedizin ergeben sich interessante Perspektiven. Ätherische Öle könnten zur Desinfektion eingesetzt werden – zum Beispiel, wenn bei Zahnimplantaten Infektionen an der Kontaktfläche auftreten. Weil zunehmend mehr Implantate gesetzt werden, treten auch solche Infektionen häufiger auf, sagt Kieferchirurg Warnke. Bisher gebe es dafür noch keine überzeugende Therapie.

Zahnmediziner suchen darum nach Alternativen. Sollten sich die antimikrobiellen Wirkungen bei den entsprechenden Keimen bestätigen, könnten die ätherischen Öle für ein neues Therapiekonzept zur lokalen Behandlung implantatbedingter Entzündungen zur Anwendung kommen. Problematisch bei der Anwendung in der Mundhöhle sei allerdings der starke, oft bittere Eigengeschmack.

Fertigpräparate mit ätherischen Ölen für die Wundbehandlung wird es so rasch nicht geben, weil das teure und aufwendige Studien erfordern würde, die gegenwärtig niemand finanzieren möchte. Für die traditionellen Anwendungsgebiete, wie Erkältungen, Zahnschmerzen, kleinere Wunden, oder auch nur als Wohlfühlduft sind in der Apotheke hochwertige ätherische Öle und Mischungen erhältlich.

„In seltenen Fällen verursachen sie jedoch Allergien und Hautreizungen“, sagt der pharmazeutische Biologe Wagner. Stark riechende Substanzen wie Eukalyptusöl und Pfefferminzöl können bei Säuglingen und Kleinkindern zudem lebensbedrohlichen Atemstörungen führen auslösen. Auch Zahnarzt Warnke rät: „Lassen Sie sich vor der Anwendung ätherischer Öle in Ihrer Apotheke beraten.“

Zur Qualität der ätherischen Öle:

Bei handelsüblichen ätherischen Ölen sind große qualitative Unterschiede festzustellen: „Duftmischungen enthalten oft synthetische Aromastoffe und zeigten in unserer Studie keine antibakterielle Wirksamkeit“, erklärt Kieferchirurg Professor Patrick Warnke. In der Apotheke werden ätherische Öle angeboten, welche die strengen Anforderungen des Deutschen Arzneibuchs erfüllen.

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Alternative-Medizin/Aetherische-Oele-gegen-Bakterien-106113.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass sehr viele ätherische Öle gute antimikrobielle Eigenschaften haben ist schon seit langem bekannt.

Trotzdem braucht es noch viel Forschung, um offene Fragen zu klären, beispielsweise bezüglich der Verträglichkeit und der optimalen Konzentration der Anwendungen.

Für den Entscheid, welches ätherische Öl in einer bestimmten Situation vorzuziehen ist,  ist neben der Wirksamkeit gegen die vorliegenden Keime auch die Verträglichkeit bedeutsam.

Zu begrüssen ist meines Erachtens, wenn man dabei nicht immer nur auf dem trendigen Teebaumöl verharrt, sondern auch andere antimikrobielle ätherische Öle einbezieht wie Thymianöl oder Eukalyptusöl.

Das ist in den beschriebenen Untersuchungen geschehen.

Der Text wird am Schluss etwas gar stark zu Apothekenpropaganda – nicht besonders erstaunlich für eine Apothekenkundenzeitschrift. Ich würde jedenfalls nicht so weit gehen zu sagen, dass man nur in der Apotheke ätherische Öle in guter Qualität kaufen kann – und ebenso wenig, dass man in der Apotheke ausnahmslos gute Qualität bekommt.

Tatsache ist aber: In Apotheken und Drogerien (ich Rede von der Schweiz) kann man ätherische Öle in Arzneibuchqualität kaufen – wenn man dies verlangt. Viele Apotheken und Drogerien verkaufen aber auch ätherische Öle, die nicht den Vorschriften des Arzneibuches für Arzneimittel entsprechen.

Die Vorschriften des Arzneibuches kann man tatsächlich als eine Qualitätssicherung betrachten. Sie sagen allerdings nichts über die Anbaubedingungen aus (Bio oder nicht) und leider gibt es nur eine relativ beschränkte Zahl von ätherischen Ölen nach den Vorschriften des Arzneibuches. Aber zum Beispiel bei Thymianöl, Pfefferminzöl, Eukalyptusöl und Lavendelöl ziehe ich Arzneibuchqualität vor.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel – Zusammensetzung und Wirkung oft nebulös

Montag, Mai 23rd, 2011

Seit einigen Jahren kommen immer mehr pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt. Das sind Produkte aus Pflanzen, die keine Zulassung als Arzneimittel haben, aber mit gesundheitlichen Verkaufsargumenten beworben werden. Ein Teil dieser Nahrungsergänzungsmittel gleicht in der Aufmachung pflanzlichen Arzneimitteln, zum Beispiel durch die Konfektionierung in Kapselform. Auch werden viele Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken und Drogerien verkauft, wo Konsumentinnen und Konsumenten eigentlich den Verkauf von Arzneimitteln erwarten. Nahrungsergänzungsmittel müssen aber im Unterschied zu Arzneimitteln ihre Wirksamkeit nicht belegen.

Während einige dieser Produkte pflanzlichen Arzneimitteln ähnlich sind, sind andere Produkte häufig unterdosiert. Um hier die Spreu vom Weizen zu trennen, empfiehlt Univ.-Prof. Dr. Franz Bucar, die angegebenen Inhaltstoffe und Dosierungen genau unter die Lupe zu nehmen.

„Das Grundproblem bei Nahrungsergänzungsmitteln ist, dass sie vom Erscheinungsbild Arzneimitteln sehr ähnlich sind“, sagte Univ.-Prof. Dr. Franz Bucar vom Department für Pharmakognosie der Universität Graz bei den Südtiroler Herbstgesprächen. So werden Nahrungsergänzungsmittel in abgepackten Dosierungen an die Konsumenten abgegeben und mit gesundheitsorientierten Aussagen beworben.

Ursprünglich enthielten Nahrungsergänzungsmittel hauptsächlich Vitamine und Spurenelemente. Dies machte die Beschreibung ihrer Wirkstoffe verhältnismässig einfach. In den letzten Jahren kamen jedoch immer mehr Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt, die Heilpflanzen-Extrakte enthalten.

„Die pflanzlichen Extrakte müssen sehr gut beschrieben sein, damit man weiß, womit man es zu tun hat“, sagte Prof. Bucar. So können aus einer Heilpflanze unterschiedliche Extrakte hergestellt werden. Er gab auch zu bedenken, dass Extrakte von Pflanzen, die mit der normalen Nahrung konsumiert werden, nicht automatisch toxikologisch unbedenklich sind.

Dosierungsprobleme bei Nahrungsergänzungsmitteln

Eines der größten Probleme bei Nahrungsergänzungsmitteln auf der Basis von Heilpflanzen ist die unterschiedliche Zusammensetzung.

So wird in manchen Produkten ein Pflanzenpulver verwendet, in anderen Fällen wieder ein Pflanzenextrakt in konzentrierter Form. „Manchmal gibt es auch Angaben, die sich auf eine bestimmte Substanz im Pflanzenextrakt beziehen“, erklärte Prof. Bucar. Er empfahl den Apothekern daher, die Angaben auf den Packungen sehr genau durchzulesen und auf die Dosierung zu achten. Denn es komme vor, dass Nahrungsergänzungsmittel nur wenige Milligramm einer Pflanze enthalten, von der mit der täglichen Nahrung mehrere Gramm zugeführt werden.

Für Prof. Bucar stellt sich die Frage, ob solche Nahrungsergänzungsmittel mit derart geringen Dosierungen überhaupt eine Wirkung haben.

Beispiel Schisandrabeere

Sieht man sich die unterschiedlichen Nahrungsergänzungsmittel an, so stellt man oft fest, dass die Produzenten unterschiedliche Dosierungen empfehlen. So gibt beispielsweise zwei Hersteller, die Kapseln mit je 50 mg/Kps. Schisandrafruchtpulver anbieten. Ein Hersteller empfiehlt zwei Kapseln täglich, während der andere bis zu sechs Kapseln pro Tag empfiehlt, also die dreifache Dosis! Ein weiterer Hersteller bietet einen Extrakt aus zwei Früchten, unter anderem Schisandrabeere, an. Hier werden die Beeren schon bei der Extraktion gemischt. Angegeben wird nur, dass die Mischung entsprechend den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin erfolgt.

Wie viel von welcher Beere nun im endgültigen Extrakt vorhanden ist, wird auf der Packung nicht deklariert. „Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist der Hersteller nicht verpflichtet, genau anzugeben, was drinnen ist“, sagte Prof. Bucar.

Während seriöse Hersteller die Daten ihrer Produkte belegen können und so Nahrungsergänzungsmittel herstellen, die mit pflanzlichen Arzneimitteln vergleichbar sind, greifen andere unseriöse Hersteller zu diversen Tricks, um ihre Produkte zu vermarkten. So wird häufig begleitend im Internet mit „Studien“ geworben, welche die Seriosität des Produktes belegen sollen. Tatsächlich liegt die Dosierung der Nahrungsergänzungsmittel häufig weit hinter der in den Studien eingesetzten Dosierung.

So wurden beispielsweise Studien mit Schisandrabeeren zwischen 1940 und 1960 in der damaligen Sowjetunion durchgeführt, neuere Studien kommen aus China. Meist wurden dabei Extrakte verabreicht, teilweise auch Reinsubstanzen.

Die entsprechen häufig nicht den Produkten, die nun bei uns auf dem Markt sind, erläuterte Prof. Bucar. Dennoch beziehen sich die Produzenten und Verkäufer bei ihren gesundheitsbezogenen Angaben auf diese Studien. Aus rechtlichen Gründen wird die Wirkung in den Werbeaussagen sehr schwammig formuliert.

Beispiel Acai-Beere

Um den Unterschied zwischen der tatsächlichen gesundheitsbezogenen Wirkung und dem Inhalt von Nahrungsergänzungsmitteln zu illustrieren, eigne sich als Beispiel die Acai-Beere. Hier wurde in einer Studie nachgewiesen, dass sich die antioxidative Kapazität des Plasmas nach Konsumation von 7 ml Fruchtmus/kg Körpergewicht erhöht. Eine Testperson mit 60 kg Körpergewicht musste 420 ml Fruchtmus zu sich nehmen, um diese Wirkung zu erreichen.

Schluckt dieselbe Testperson ein Nahrungsergänzungsmittel, das 200 mg Acai-Beerenextrakt pro Kapsel enthält, müsste sie eine große Zahl an Kapseln konsumieren, um auf dieselbe Menge zu kommen.

Quelle:

„Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel unter der Lupe: Anti-Aging, Schlankmacher etc.“; Südtiroler Herbstgespräche, Opatija, Oktober 2010

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=107993&dspaid=920051

Kommentar & Ergänzung:

Der Bericht spricht ein wichtiges Thema an: Bei Heilpflanzen-Präparaten kann es sich um Nahrungsergänzungsmittel handeln oder um pflanzliche Arzneimittel.

Den meisten Konsumentinnen und Konsumenten ist der Unterschied nicht klar: Nahrungsergänzungsmittel müssen keine Wirksamkeit belegen.  Bei den pflanzlichen Arzneimitteln gibt es solche, die ohne Wirksamkeitsbelege zugelassen werden auf der Basis von „Tradition“. Und es gibt Phytopharmaka, welche dieselben Kriterien bezüglich Wirksamkeitsnachweis erfüllen wie synthetische Medikamente.

Nötig wäre jedenfalls mehr Transparenz bezüglich dieser Unterschiede, damit Konsumentinnen und Konsumenten wissen, was sie kaufen.

Schwierig zu durchschauen ist auch, dass Nahrungsergänzungsmittel oft, aber nicht immer, stark unterdosiert sind.

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Hummeln finden immer die kürzeste Flugroute

Sonntag, Mai 22nd, 2011

Hummeln wählen zwischen mehreren Blüten selbst dann den kürzesten Weg, wenn sie die Pflanzen in unterschiedlicher Reihenfolge entdeckt haben. Damit lösen die Insekten elegant das sogenannte Handelsreisenden-Problem, das zahlreichen Mathematikern Kopfzerbrechen bereitet. Dies zeigt das Wissenschafterteam um Nigel Raine von der University of London im Journal “The American Naturalist”.

Um Zeit und Geld zu sparen, versucht der Handelsreisende den kürzesten Weg finden, auf dem er die Kunden in verschiedenen Orten besuchen kann. Bei drei Zielen ist das noch einfach, bei 20 oder 30 aber nicht mehr. Computer bewältigen die Aufgabe, indem sie die Entfernungen aller möglichen Routen vergleichen.

In den Experimenten fanden auch die Hummeln immer den kürzesten Weg, obwohl den Insekten nur ein Gehirn in der Größe eines Grassamens behilflich ist. Nachdem die Hummeln den Standort von vier Kunstblumen kannten, lernten sie rasch, den kürzesten Weg zwischen den Blüten zu fliegen. Die Wissenschaftler fügten weitere Blumen hinzu. Flogen die Hummeln zu Beginn noch ihre ursprüngliche, nun nicht mehr die beste Route, banden sie nach und nach die neuen Blumen mit ein und verkürzten die Flugdistanz wieder.

Quelle:

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article1689664/Hummeln-finden-immer-den-kuerzesten-Weg.html

Kommentar & Ergänzung:

Hummeln sind faszinierende Tiere.

Haben Sie auch schon die Geschichte gehört, dass Hummeln nach den Gesetzen der Aerodynamitk gar nicht fliegen können, es aber trotzdem tun, weil sie nichts von diesen Gesetzen wissen?

Hier die Auflösung dieses angeblichen „Hummel-Paradoxons“ nach Wikipedia:

„Hartnäckig hält sich in populärer Literatur die Legende, dass eine Hummel nach den Gesetzen der Aerodynamik nicht fliegen könne. Die Geschichte kursierte zunächst als Scherz Anfang der 1930er Jahre unter Studenten des renommierten Aerodynamikers Ludwig Prandtl an der Universität Göttingen, und sie wurde begierig von der Presse aufgenommen. Nach dieser Geschichte soll eines Abends in einer Gaststätte ein Biologe einen Aerodynamiker gefragt haben, warum eine Biene oder Hummel fliegen könne. Die Antwort des Aerodynamikers soll nach einer kurzen Berechnung auf einem Bierdeckel oder einer Serviette in etwa so gelautet haben:

Die Hummel hat 0,7 cm² Flügelfläche und wiegt 1,2 Gramm. Nach den Gesetzen der Aerodynamik ist es unmöglich, bei diesem Verhältnis zu fliegen.

Dazugedichtet wurden meist noch anschließende Sätze wie:

Die Hummel kümmert das nicht und sie fliegt trotzdem. oder

Da die Hummel die Gesetze der Aerodynamik nicht kennt, fliegt sie dennoch.

Der Aerodynamiker soll seine Berechnungen vor dem Hintergrund, dass er die Flügel der Hummel fälschlich als steif angenommen hatte, nochmals überdacht haben. Aus der späteren Antwort ließ sich aber wohl keine Schlagzeile machen. Es ist umstritten, wer dieser Aerodynamiker war. In einigen Quellen wird vermutet, dass es sich um den Schweizer Gasdynamiker Jacob Ackeret (1898–1981) gehandelt haben könnte. Eventuell war es auch André Sainte-Laguë, ein Mathematiker und Mitarbeiter des französischen Entomologen Antoine Magnan. Letzterer erwähnt eine ähnlich lautende Behauptung seines Assistenten zum Flug der Insekten 1934 in seinem Buch Le Vol des Insectes.

Tatsächlich gibt es hier kein Paradoxon. Die Aerodynamik eines Flugzeuges und die einer Hummel unterscheiden sich nicht nur in der Bewegung der Flügel, sondern auch aufgrund anderer Größen- und Geschwindigkeitverhältnisse und damit anderer Reynoldszahlen. Theorien hierzu wurden schon in den 1930er Jahren entwickelt. Dabei spielten insbesondere Wirbel eine entscheidende Rolle. Der experimentelle Nachweis dazu wurde 1996 erbracht, als Charles Ellington von der Universität Cambridge Versuche zum Insektenflug vornahm: durch den Flügelschlag werden Wirbel erzeugt, die der Hummel den nötigen Auftrieb verschaffen, und die Existenz dieser Wirbel ließ sich mit optischen Mitteln zeigen.“

Woran man eine Hummelkönigin erkennen kann, erfahren Sie hier:

Augen auf: Hummelköniginnen unterwegs

Und falls Sie daran interessiert sind, weitere faszinierende Aspekte unserer Tier- und Pflanzenwelt kennen zu lernen, dann nehmen Sie doch an einem meiner Natur-Seminare teil.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schlechte Schlankheitsmethoden: Heilfasten

Sonntag, Mai 22nd, 2011

Das Magazin „Focus“ veröffentlichte vor kurzem eine Beschreibung der zehn schlechtesten Diäten. Zum Thema „Heilfasten“ schreibt Focus:

„Heilfasten – das Märchen vom Entschlacken“

Und zur Grundidee des Heilfastens:

„Ausschließlich kalorienfreie Getränke zu sich nehmen, also Wasser oder Tee, und wenn möglich zwei bis drei Wochen lang. Das sind die Regeln dieser Nulldiät. Geprägt hat den Begriff Heilfasten der deutsche Arzt Otto Buchinger (1878 bis 1966), der zum Start der Kur außerdem eine Darmreinigung vorsah. Auf diese Weise soll der Körper nicht nur rapide Fett abbauen, sondern auch gefährliche „Schlacken“ verlieren.“

Heilfasten sei eine „Belastung für Herz und Nieren“, schreibt „focus“.

Im Detail:

„Vor allem in diesem Punkt setzt die Kritik an. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass der Körper Ablagerungen von Stoffwechselprodukten ansammelt, stellt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung klar. Schlacken im menschlichen Organismus existieren demnach nicht. Heilfasten ist zwar eine wirksame Methode, um rasch Gewicht zu verlieren – aber nur, wer durchhält und den Hunger überwindet, schafft Ergebnisse. Allerdings sammelt es sich nach Ende der Kur rasch wieder an. Zusätzlich kann die Crashdiät Organe belasten. Herzrhythmusstörungen, Nieren- und Gallensteine drohen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/abnehmen/tid-20983/abnehmen-die-zehn-schlechtesten-diaeten_aid_589657.html

Kommentar & Ergänzung:

Schlankheitsdiäten werden immer wieder mit reisserischen Schlagzeilen propagiert und halten kaum je, was sie versprechen. Daher ist es auch immer wieder einmal nötig, sie kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Der Beitrag auf Focus-online gibt dazu eine gute Übersicht.

Ob allerdings Heilfasten tatsächlich eine Belastung für Herz und Nieren mit sich bringt, dürfte stark von der Dauer abhängen, mit der es durchgeführt wird.

Daher ist es ratsam, die Fastenkur nicht zu extrem anzugehen. Herz- und Nierenpatienten verzichten wohl besser ganz darauf.

Sehr einverstanden bin ich mit der Kritik an der Vorstellung, Heilfasten helfe bei der Entschlackung.

Fragt man nämlich genauer nach, um welche Schlacken es sich genau handelt, die da entfernt werden sollen, bekommt man keine plausiblen Antworten. Entschlackungskuren sind unnötig und bisweilen gar schädlich.

Der Diabetologe Dr. Matthias Riedl, Ärztlicher Leiter Medicum Hamburg, hat die Unsinnigkeit der Entschlackung vor kurzem im Hamburger Abendblatt gut erklärt:

„In der Medizin gibt es keine “Schlacke”, sondern nur Stoffwechselprodukte, für die im Körper feste Ausscheidungswege existieren. So wird über die Lunge Kohlendioxid ausgeschieden und in der Leber werden Substanzen, die nicht in den Körper gehören, chemisch so verändert, dass sie ungiftig werden und entweder wiederverwendet oder mit der Gallenflüssigkeit ausgeschieden werden können. Der dritte Weg ist die Niere, über die im Blut gelöste Stoffwechselendprodukte ausgeschieden werden. Abgestorbene Zellen, die zum Beispiel bei Entzündungen entstehen, werden von den weißen Blutkörperchen beseitigt und zu den Lymphorganen transportiert. Durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr kann man all diese Prozesse unterstützen, aber besondere Abführ- oder Entwässerungstees braucht man nicht.“

Quelle:

http://www.abendblatt.de/ratgeber/gesundheit/article1845921/Kann-man-den-Koerper-entschlacken.html

Und übrigens betreffend Gewichtsabnahme: Der Jojo-Effekt ist beim Heilfasten so sicher wie das Amen in der Kirche.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzliche Abführmittel und ihre Inhaltsstoffe

Sonntag, Mai 22nd, 2011

Die Universität Frankfurt hat zu ihrem Arzneipflanzengarten fundierte Informationen über die Wirkungen der Heilkräuter zusammengestellt.

Hier der Abschnitt über pflanzliche Abführmittel:

„PFLANZEN MIT DARMFÜLLLENDEN INHALTSSTOFFEN: Flohsamen und Lein enthalten un- oder schwerverdauliche Schleimstoffe, die Wasser binden, im Verdauungstrakt aufquellen und über den sog. Dehnungsreflex eine Anregung der Darmperistaltik bewirken. Allerdings sollte man wissen, dass man genug Flüssigkeit dazu aufnehmen muss und dass der Effekt mit Verzögerung eintritt. Pflanzliche Schleimstoffe sind nebenwirkungsarm.“

Flohsamen und Leinsamen gehören zu den milden pflanzlichen Abführmittel.
Sie eignen sich auch zu Langzeitanwendung und führen nicht zur Gewöhnung.

„PFLANZEN MIT MOTORISCH WIRKENDEN EIGENSCHAFTEN: Faulbaum, Kreuzdorn, und Medizinalrhabarber enthalten, ähnlich wie die tropischen Sennesfrüchte, Sennesblätter oder Aloe Anthraglykoside, die die Peristaltik des Dickdarmes direkt stimulieren. Bereits nach 8 bis 10 Stunden kommt es zur Entleerung, allerdings sollte man diese Mittel nicht zu lange anwenden, weil es dann wieder zu einer Verstopfung kommen kann.
Das aus Rizinus gewonnene fette Rizinusöl regt die Peristaltik des Darmes direkt an — vor allem des Dünndarms —  und verkürzt die Passagezeit des Darminhaltes. Hier tritt innerhalb von 2 bis 4 Stunden die Darmentleerung ein. Das Öl ist ein Triglycerid und entspricht in seinem chemischen Aufbau unseren als Nahrungsmittel dienenden fetten Ölen, wie etwa dem Rapsöl. Das Besondere ist das Vorkommen der Rizinolsäure, die in dem Öl gebunden vorliegt. Sie wird im Verdauungstrakt freigesetzt und übt dann ihre Wirkung aus.“

Quelle:

http://www.pharmazie.uni-frankfurt.de/Neuer_Senckenbergischer_Arzneipflanzengarten/Verstopfung/index.html

Kommentar & Ergänzung:

Sennesblätter, Sennesfrüchte und Aloe zählen zu den „Drastika“. Sie können zu Darmkrämpfen führen und bei Langzeitanwendung zur Gewöhnung. Daher sind sie für die Behandlung einer chronischen Verstopfung nicht geeignet.

Rizinus ist ein interessantes Gewächs, das allerdings zu den potenten Giftpflanzen gehört. Die Rizinussamen enthalten nämlich den Giftstoff Rizin.

Informationen zu Rizin auf Wikipedia:

„Rizin oder Ricin, ein äußerst toxisches Lektin aus den Samenschalen der Rizinusstaude (Ricinus communis), Familie der Wolfsmilchgewächse, ist ein starker Inhibitor der eukaryotischen Proteinbiosynthese. Rizin ist einer der giftigsten Eiweißstoffe, die in der Natur vorkommen. Gelangt das Gift in den menschlichen Organismus, so bringt es die kontaminierten Zellen zum Absterben. Für eine tödliche Vergiftung eines Erwachsenen sollen 0,25 Milligramm isoliertes Rizin oder zwei bis vier der gemusterten (ornamentierten) Samenkörner genügen, bei Kindern entsprechend weniger. Hier kann, je nach Alter und Konstitution, schon ein halbes Samenkorn tödlich wirken. Allerdings wird auch berichtet, dass selbst nach Einnahme von 40 bis 60 Samen eine Überlebenschance besteht. Dabei kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt das Erbrechen einsetzt. Rizin ist wasserlöslich, jedoch nicht fettlöslich. Da es hitzelabil ist, wird das Gift durch Wärmebehandlung zerstört.

Rizin ist in der Kriegswaffenliste des deutschen Kriegswaffenkontrollgesetzes aufgeführt.“

Und die Folgen einer Vergiftung durch Rizin:

„ Da Rizin meist versehentlich durch den Verzehr von Rizinus-Samen aufgenommen wird, werden vor allem Zellen des Verdauungstraktes in Mitleidenschaft gezogen (Magen, Darm, Leber, Nieren). Letztlich führt eine Vergiftung mit Rizin auch zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen. Nach der Aufnahme einer tödlichen Dosis tritt der Tod nach 36 bis 72 Stunden ein. Nach einer Latenzzeit von mehreren Stunden bis Tagen können folgende Symptome auftreten: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schwäche, Tachykardie, Abdominalschmerzen und akuter Flüssigkeitsverlust. In schweren Fällen kommen Mydriasis, Krämpfe an Händen und Beinen, Fieber sowie die Symptome einer Lebernekrose und eines akuten Nierenversagens dazu. Der Tod erfolgt durch Lähmung medullärer Zentren, besonders des Atemzentrums.

Das Gift kann auch inhaliert (als Aerosol eingeatmet) oder injiziert werden. Die Symptome ändern sich dementsprechend: Lungenödem und Atemstillstand beziehungsweise schwere Lähmungen sind die Folge.“

Die Symptome einer Rizin-Vergiftung:

„Etwa vier bis acht Stunden nach dem Verzehr der Samen:

Starke Schleimhautreizung (unter anderem Brennen in Mund und Rachen)

nach Resorption Änderung der Syntheserate von essentiellen Enzymen

Schädigung von Niere, Leber, Magen und Darm

hohes Fieber

Übelkeit

Erbrechen bis blutiges Erbrechen

blutiger Durchfall

Kolik

Kreislaufkollaps, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall

Leukozytose (charakteristisch)

Der Tod tritt üblicherweise durch Kreislaufversagen etwa zwei Tage nach der Vergiftung ein. Ein agglutiniertes Protein führt zum Verklumpen der roten Blutkörperchen. Es ist kein Gegengift bekannt.“

(Quelle: Wikipedia)

Rizinusöl wird übrigens raffiniert, bevor es zu medizinischen Zwecken in den Handel kommt, damit allfällige Spuren von Rizin entfernt werden.

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