Phytotherapie: Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

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Senföle sind bei bakteriellen und viralen Infekten von Harn- und Atemwegen eine Behandlungsmöglicheit. Offenbar können sie auch der Vermehrung von Influenza-Viren entgegen wirken: Eine Gießener Wissenschaftlergruppe konnte in In-vitro-Untersuchungen eine Hemmung um 90 Prozent feststellen.

Die Vermehrung von Influenza-Viren (Grippe-Viren) kann auch phytotherapeutisch reduziert werden. Das legen In-vitro- Untersuchungen mit einem Heilpflanzen-Präparat nahe, das bislang bei bakteriellen und viralen Infekten der Atemwege und der Harnwege eingesetzt wird.

Als wichtige Wirkstoffe des standardisierten Extraktgemisches aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel gelten Senföle wie zum Beispiel Benzylisothiocyanat, 2-Phenylethylisocyanat und Allylisothiocyanat. Das erklärte Professor Stephan Pleschka vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen.

Die scharfschmeckenden Senföle dienen den Pflanzen als Abwehrmittel gegen Keime, Parasiten und Fressfeinde.

Senföle entstehen akut, wenn bei einer Verletzung pflanzlicher Gerüststrukturen Glucosinolate als inaktive Senfölvorstufe mit dem Enzym Myrosinase in Kontakt kommen.

Senföle beziehungsweise senfölhaltige Pflanzen und Pflanzenextrakte werden traditionell gegen bakterielle und virale Infekte von Harn- und Atemwegen eingesetzt – und zum Teil sind sie auch bereits in Studien geprüft, sagte Pleschka auf einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN) in München.

Eine gute bakteriostatische und dabei „resistenzresistente“ Invitro-Aktivität von Senfölen aus Meerrettich und Kapuzinerkresse – auch gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) – wurde bereits in früheren Studien belegt.

Die Arbeitsgruppe um Pleschka hat nun untersucht, inwieweit diese Senföle in vitro auch gegen Influenza-Viren wirksam sind. Dabei stellten sie fest, dass jedes der drei genannten Senföle die Virusvermehrung in mit pandemischen H1N1-Viren infizierten Kulturen humaner Lungenepithelzellen um rund 90 Prozent vermindert.

Dabei wurden Senfölkonzentrationen eingesetzt, bei welchen in Voruntersuchungen keine toxischen Effekte auf kultivierte Lungenepithelzellen zu beobachten waren. Solche Senföl-Konzentrationen ließen sich bei oraler Verordnung entsprechender Präparate durchaus im Zielgewebe erreichen, erklärte Pleschka.

Auf welche Art die Senföle die Virusvermehrung hemmen und inwieweit sich der beim Schweinegrippe-Virus festgestellt Effekt auch bei anderen Influenza-Viren reproduzieren lässt, ist ein Thema von Nachfolgeuntersuchungen.

Pleschka und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass die Senföle nicht direkt das Virus angreifen, sondern störend in die Wirtszelle-Virus-Interaktion eingreifen –  zum Nachteil des Virus. Ein solches Wirkprinzip wäre auch besser als ein direkter antiviraler Angriff vor viralen Resistenzentwicklungen gefeit, erklärte Pleschka.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/633700/influenza-viren-phytotherapie-bekaempfen.html

Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN)

Kommentar & Ergänzung:

Senföl-Glykoside (Glukosinolate) kommen vor allem in Pflanzen aus der Familie der Brassicaceae (Kreuzblütler) vor. Meerrettichwurzel wird in der Phytotherapie-Fachliteratur schon seit längerem empfohlen bei bakteriellen Infektionen der Bronchien und der Harnwege (Blasenentzündung). Rettichwurzel ist gemischt mit Honig oder Kandiszucker ein traditionelles Hausmittel bei Erkältungen.

Dass inzwischen auch nach einer Wirksamkeit von Senfölen gegen Schweinegrippe-Virus geforscht wird, ist nicht weiter erstaunlich. Beim Nachweis von antibakteriellen oder antiviralen Effekten im Labor (invitro) stellt sich allerdings immer die Frage, ob sich die Wirkungen auch bei der Anwendung im lebenden Organismus von Infekt-Patienten zeigen. Entscheidend sind dabei zwei Fragen:

Wird der Wirkstoff überhaupt aus dem Verdauungstrakt aufgenommen?

Lassen sich im Organismus die nötigen Konzentrationen erreichen, ohne dass gleichzeitig das Gewebe geschädigt wird.

Bei Senfölen ist gut belegt, dass sie in relevanten Mengen aufgenommen, allerdings auch rasch wieder ausgeschieden werden (daher in Portionen über den Tag verteilt einnehmen).

In der vorliegenden Meldung ist meines Erachtens vor allem die Aussage von Prof. Pleschka interessant, dass die im Labor verwendeten wirksamen Konzentrationen auch im Körper erreichbar sind.

Trotzdem: Entscheidend dafür, ob sich Senföle als Mittel gegen Influenza-Viren in der Phytotherapie durchsetzen, werden nicht Laborexperimente sein. Überzeugend sind letztendlich nur erfolgreiche Doppelblind-Studien mit Grippepatienten – und diese stehen meines Wissens noch aus.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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