Archive for Dezember, 2010

Forschung: Krebshemmende Wirkung von Phytoöstrogenen vom Typ der Lignane

Donnerstag, Dezember 30th, 2010

Mit der Wirkung so genannter Phytoöstrogene auf Tumorzellen befassten sich Fachleute aus ganz Deutschland am 10. Dezember 2010 am Workshop „Phytomedizin“ der Universität Rostock. Phytoöstrogene wirken ähnlich wie das menschliche Hormon Östrogen. Sie haben zahlreiche gesundheitsfördernde Eigenschaften: Phyto-Hormone aus Soja können zum Beispiel Wechseljahresbeschwerden lindern. Im Rahmen der Krebsforschung zeigte sich, dass Phyto-Östrogene möglicherweise das Wachstum von Brustkrebszellen hemmen können. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt ein Projekt an der Universität Rostock, in dem Wissenschaftler die Wirkungsweise der pflanzlichen Östrogene auf Brustkrebszellen genauer untersuchen mit 470.000 Euro.

In asiatischen Ländern wie China, Japan oder Indien erkranken deutlich weniger Frauen an Brustkrebs als in westlichen Ländern. Das liegt möglicherweise am hohen Gehalt an Phytoöstrogenen in der traditionellen asiatischen Küche. Doch nicht nur exotische Nahrungsmittel wie Sojabohnen und die daraus hergestellten Produkte, sondern auch zahlreiche heimischer Gewächse enthalten die Pflanzenhormone. Im Fokus der Forscher um Professor Dr. Volker Briese von der Universitätsfrauenklinik und Poliklinik am Klinikum Südstadt Rostock steht dabei eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt: der Lein (Linum usitatissimum), auch Flachs genannt.

Leinsamen als ergiebige Quelle von Lignanen

Seit Jahrtausenden wird der Lein zur Herstellung von Textilien, als Heilpflanze und als Lebensmittel verwendet. speziell die Leinsamen enthalten große Mengen an Phytoöstrogenen, die so genannten Lignane. Lignane haben eine wichtige Eigenschaft: ihre strukturelle Ähnlichkeit mit dem Sexualhormon Östrogen. Deshalb werden Lignane als mögliches Therapeutikum gegen Brustkrebs untersucht.

Bei rund zwei Drittel der betroffenen Frauen wächst der Brustkrebs östrogenabhängig. Ihre Krebszellen besitzen gewisse Bindungsstellen, so genannte Rezeptoren, an welche die Östrogene binden und die Zellen zum Wachstum stimulieren. Lignane können nun diese Bindungsstellen besetzen und damit das weitere Wachstum des Tumors hemmen.

Die Rostocker Wissenschaftler stellen Lignan-haltige Extrakte aus der Wurzel des Leins her und untersuchen ihre Wirkungsweise auf Brustkrebszellen. „Phyto-Östrogene könnten verhindern, dass Krebszellen überhaupt erst entstehen. Aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen möchten wir innerhalb der nächsten zwei Jahre daher auch eine Anwendungsmöglichkeit zur Vorbeugung von hormonabhängigen Tumoren entwickeln“, erklärt Briese. Im Rahmen des Workshops „Phyto-Östrogene — Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe mit tumorpräventivem Potenzial“ stellten die Forscher nun die bisherigen Resultate ihrer Studien vor. Das Ziel der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekte ist es, innovative Strategien in der Prävention und Therapie von Tumor-Erkrankungen zu entwickeln.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news400906

Kommentar & Ergänzung:

Dass Leinsamen Phytoöstrogene enthält ist keine neue Erkenntnis. Die Leinsamen-Lignane standen aber offenbar bezüglich Forschung bisher im Schatten der Isoflavone zum Beispiel aus Soja oder Rotklee.

Das Thema Phytoöstrogene ist allerdings viel komplexer als es in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

So können Phytoöstrogene nicht nur östrogenartig, sondern unter gewissen Bedingungen auch antiöstrogen wirken. Und es ist nicht nur wahrscheinlich, dass gewisse Phytoöstrogene vor Krebs schützen. Möglicherweise können manche Phytoöstrogene in bestimmten Situationen auch das Krebswachstum stimulieren, zum Beispiel bei östrogensensitivem Brustkrebs. Daher ist in solchen Fällen Vorsicht mit der generellen Empfehlung von Phytoöstrogenen angebracht.

Denn es ist nicht so ganz eindeutig auszuschliessen, dass manche Phytoöstrogene, wenn sie an Östrogenrezeptoren binden, dort anstelle einer erhofften Hemmung eine Stimulation bewirken. Das könnte östrogensensitive Tumore zum Wachstum anregen.

Dr. med. Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft, schreibt zum Thema Lignane & Krebs:

„Eine höhere Nahrungsaufnahme von Lignanen geht vermutlich mit einer Reduktion des Brustkrebsrisikos und des Gebärmutterkrebs einher. In verschiedenen Laborexperimenten verringerten Lignane das Wachstum von Tumorzellen. Erste Tierexperimente unterstützten diese Erkenntnisse. Jedoch ist aufgrund der phytoöstrogenen Eigenschaften der Einsatz von Lignanen bei Brustkrebs umstritten. Erste Ergebnisse aus dem Labor und Tierexperiment lassen zwar vermuten, dass die Aufnahme von Lignanen mit der Ernährung auch für Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs ungefährlich ist. Bestätigende Untersuchungen beim Menschen stehen allerdings aus.“

(Zitat aus: Jutta Hübner, Aloe, Ginkgo, Mistel & Co, Schattauer Verlag 2009, mehr dazu im Buchshop)

Im menschlichen Organismus gibt es unterschiedliche Östrogenrezeptoren (ER):

ER-alpha ist vor allem in der Brustdrüse und im Uterus, aber auch in der Leber lokalisiert, während ER-beta überwiegend in den Eierstöcken, den Hoden, der Prostata sowie im Knochengewebe, im Herz-Kreislaufsystem, im Gehirn und im Gastrointestinaltrakt vorkommt. Gegen Wechseljahrsbeschwerden sucht die Phytotherapie-Forschung gezielt nach Phytoöstrogenen, welche nur am ER-beta wirksam werden, den ER-Alpha in der Brustdrüce und im Uterus dagegen nicht beeinflussen. Diese Wirkstoffe gelten dann auch als sicher in dem Sinne, dass von ihnen keine ungünstige Stimulation von Tumoren in Brust und Uterus zu befürchten ist.

Bis gesicherte Empfehlungen abgegeben werden können zum Thema Leinsamen bzw. Lignane und Krebs, braucht es also noch viel Forschung. Wenn heute nicht selten Phytoöstrogene pauschal als gesund vermarktet werden, ist das zu mindestens sehr undifferenziert. Schliesslich sind Phytoöstrogene ja von den Pflanzen nicht zu dem Zweck entwickelt worden sein, um uns gesund zu halten oder gar zu heilen, sondern wohl eher als Abwehrmittel gegen Fressfeinde.

Wenn also in der Meldung auf idw-online die Rede davon ist, dass Phytoöstrogene möglicherweise das Wachstum von Brustkrebszellen hemmen können, dann müsste man eigentlich zurückfragen: Um welche Phytoöstrogene geht es genau?

Interessant an der Meldung auf idw-online ist auch noch, dass an der Universität Rostock Extrakte aus den Wurzeln des Leins verwendet werden, während üblicherweise in der Phytotherapie die Leinsamen verwendet werden – als Phytoöstrogene geschrotet und gegen Verstopfung meist ganz.

Ein weiteres interessantes Lignan ist übrigens das Neo-Olivil aus der Brennesselwurzel, das möglicherweise zur Wirkung dieser Heilpflanze bei benigner Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrösserung) beiträgt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Neurodermitis: Nachtkerzenöl lindert Juckreiz

Dienstag, Dezember 28th, 2010

Nachtkerzenöl als Bestandteil von Cremes und Badeölen kann trockene, schuppige und juckende Haut beruhigen. Gewonnen wird das Öl aus dem Samen der Nachtkerze, erklärt Johannes Gottfried Mayer von Forschungsgruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg.

Nachtkerzenöl enthalte große Mengen Gamma-Linolensäure, sagte Mayer. Über eine Zwischenstufe könne der Körper daraus Prostaglandin E1 bilden, einen wichtigen Entzündungshemmer. Zahlreiche Menschen, die an der Hautkrankheit Neurodermitis leiden, können wegen eines Enzymdefektes keine Gamma-Linolensäure bilden. Dieser Mangel sei möglicherweise für die Entstehung der Neurodermitis mitverantwortlich, erklärte Mayer. Die regelmäßige Einnahme von Nachtkerzenöl könne diesen mangel an Gamma-Linolensäure beheben und die Hautentzündung lindern. Äußerlich werde Nachtkerzenöl auch in Hautcremes und Badeölen eingesetzt.

Quelle:

http://de.news.yahoo.com/26/20101227/thl-nachtkerzenl-beruhigt-juckende-haut-b930478.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Anwendung von Nachtkerzenöl zur Linderung von Juckreiz bei Neurodermitis ist besser belegt als die bekanntere, aber nach wie vor umstrittene Anwendung beim Prämenstruellen Syndrom (PMS).

Eine mit  dem Nachtkerzenöl vergleichbare Wirkung ist von Borretschsamenöl zu erwarten, das ebenfalls Gamma-Linolensäure enthält.

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Völlegefühl mit Heilpflanzen lindern

Mittwoch, Dezember 22nd, 2010

Rechtzeitig auf die Festtage hin publiziert die Nachrichtenagentur dpa eine Meldung unter dem Titel

„Völlerei mit Heilpflanzen begegnen“.

Da möchte ich doch vorgängig noch den schüchternen Einwand erheben, dass Völlerei nicht so schicksalhaft mit Weihnachten verbunden ist, wie es manchmal aussehen mag. Auch dosierte „Futterzufuhr“ bringt Genuss und ist der nachträglichen „Pannenbehebung“ mit Heilpflanzen vorzuziehen.

Hier aber nun eine modifizierte Zusammenfassung der an sich durchaus sinnvollen Meldung:

Verdauungsproblemen durch fettreiche Mahrzeiten kann durch Heilpflanzen mit Bitterstoffen vorgebeugt werden. Die Bitterstoffe steigern die Säurebildung im Magen und regen den Appetit an.

Damit beispielsweise Tees oder Extrakte aus Enzianwurzel oder Löwenzahn gut wirken können, sollten sie eine halbe Stunde vor einer Mahlzeit eingenommen werden, empfiehlt Erika Fink, Präsidentin der Bundesapothekerkammer in Berlin.

Ein bitterer Tee soll laut Fink am besten einige Zeit im Mund belassen werden. Dadurch können die Geschmacksknospen auf der Zunge gut aktiviert werden. Wer unter Magenschmerzen durch zu viel Säure leidet, sollte allerdings Bitteres meiden und stattdessen zu synthetischen Säurebindern greifen.

Hilfreich bei Völlegefühl sind auch verschiedene Heilpflanzen mit ätherischen Ölen wie zum Beispiel Fenchelfrüchte. Sie können krampflösend oder verdauungsfördernd wirken und lindern dadurch die Beschwerden. Unmittelbar bevor man einen Tee aus Fenchelfrüchten zubereitet, sollten die Pflanzenteile leicht angequetscht werden, etwa in einem Mörser oder mit der Außenseite eines Löffels. Dadurch geben sie ihr ätherisches Öl besser in das Aufgusswasser ab.

Quelle:

http://de.news.yahoo.com/26/20101222/thl-vllerei-mit-heilpflanzen-begegnen-b930478.html

Kommentar & Ergänzung.

Das ätherische Öl aus den Fenchelfrüchten löst sich auch besser im Fencheltee, wenn ein Teil des Wassers durch Vollmilch ersetzt wird. Das ist allerdings geschmacklich für viele Leute etwas gewöhnungsbedürftig.

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Beruhigt warme Milch mit Honig den Hals?

Dienstag, Dezember 21st, 2010

Das PTA-Magazin schreibt zu dieser Frage:

„Ja, das tut sie. In diesem alten Hausmittel findet sich auch ein Stück Medizin: der ‘Milch-und-Honig-Effekt’. Dabei beruhigen zuckerhaltige Flüssigkeiten und Bonbons, aber auch Zubereitungen aus Schleimdrogen den gereizten Hals und wirken so gegen den im Rachen entstehenden Husten. Der pharmazeutisch korrekte Begriff für entsprechende Produkte ist Demulzenzien. Als solche wirken Hustensäfte, -bonbons oder Lutschpastillen. Der Zucker und/oder die Schleimbestandteile überziehen die Schleimhaut mit einer Schutzschicht. Das erhöht die Barriere für Reizstoffe und senkt die Empfindlichkeit der Hustenrezeptoren.”

Quelle:

http://www.springer-gup.de/media/pdf/fuer_alle_lesbar/12_08_ausgabe_pta/12_08_pta_64-65.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Mit „Schleimdrogen“ sind Heilpflanzen gemeint wie Eibischwurzel, Spitzwegerich, Huflattich, Malvenblüten (aus Malva silvestris), Isländisch Moos,

„Droge“ meint im Bereich von Pflanzenheilkunde / Phytotherapie also nicht:

Betäubungsmittel, Rauschmittel etc., sondern „getrocknete Heilpflanze“. Dies ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Droge“.

Inzwischen gibt es aus der Phytotherapie-Forschung Hinweise, dass Schleimstoffe zum Beispiel aus der Eibischwurzel, nicht nur eine schützende Schicht auf den Schleimhäuten bilden, sondern auch den  Stoffwechsel der Epithelzellen günstig beeinflussen. Siehe:

Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelzellen

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Grüntee oder Schwarztee?

Dienstag, Dezember 21st, 2010

Die Zeitung „Der Standard“ veröffentlichte vor kurzem einen Artikel über die Unterschiede zwischen Kräutertee, Früchtetee, Schwarztee, und Grüntee:

Hier ein interesantes Zitat daraus:

„Im Gegensatz zu Früchte- und Kräutertee ist ‚echter’ Tee ‚ein Genussmittel und somit für den täglichen Bedarf geeignet’, informiert Masselter. Grüner Tee gilt seit Jahren als Gesundheitsquelle und Jungbrunnen. Dass er als gesünder sein soll als schwarzer Tee, liege aber hauptsächlich ‚an der schiefen Datenlage’, klärt Marlies Gruber auf. Das Epigallocatechingallat im grünen Tee rücke deshalb öfter ins Rampenlicht weil es das am besten untersuchte Tee-Polyphenol ist. Gruber: ‚Sowohl Grün- als auch Schwarztee enthalten antioxidative Polyphenole in nahezu gleicher Menge.’

Laut Gruber geben Studien an Zellkulturen, Tierversuche, klinische sowie epidemiologische Studien deutliche Hinweise darauf, dass sie das Risiko für und den Krankheitsverlauf von einigen chronischen Erkrankungen, besonders Herz-/ Kreislauferkrankungen und Krebs, positiv beeinflussen können. Grüntee wegen der Katechine, Schwarztee durch die enthaltenen Theaflavine und Thearubigine.“

Quelle:

http://derstandard.at/1291455115400/Tea-Time-Kraeutertees-sind-keine-Alltagsgetraenke

Kommentar & Ergänzung:

1. Zu den zitierten Personen:

Sonja Masselter ist Leiterin des Institutes für Lebensmitteluntersuchung Innsbruck der Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)

Marlies Gruber ist wissenschaftliche Leiterin vom Forum Ernährung Heute.

2. Grüntee wird tatsächlich viel intensiver untersucht (und vermarktet) – vor allem der erwähnte Inhaltsstoff  Epigallocatechingallat (EGCG). Grüntee und Schwarztee unterscheiden sich zwar hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe, doch ist im Grossen und Ganzen ihr Gehalt an antioxidativen Polyphenolen vergleichbar. Zu den Polyphenolen gehören auch die Gerbstoffe, welche dem Schwarztee seine Wirksamkeit gegen Durchfall verleihen. Ob sich Grüntee und Schwarztee in ihrem Gehalt an gerbenden und daher stopfenden Polyphenolen (Gerbstoffen) wesentlich unterscheiden, darüber habe ich bisher noch keine verlässlichen Angaben gesehen.

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Johanniskraut gegen Winterdepressionen

Dienstag, Dezember 21st, 2010

Das wenige Sonnenlicht der Herbst- und Wintermonate schlägt zahlreichen Menschen auf das Gemüt. Umfragen zufolge leiden etwa zwei Drittel der Deutschen in der kalten Jahreszeit unter Stimmungsschwankungen. Neben Sport und Spaziergängen können auch Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut gegen Winterdepressionen helfen. Thüringens Apotheker empfehlen jedoch, Präparate mit der Heilpflanze nicht ohne eine vorherige Beratung einzunehmen.

“Bei der saisonal abhängigen Depression, die vor allem in den dunklen Monaten auftritt, handelt es sich um den sogenannten Winterblues”, sagt Danny Neidel, Geschäftsführer der Apothekerkammer Thüringen. “Der Lichtmangel führt dazu, dass der Körper den Botenstoff Serotonin nicht mehr ausreichend produziert. Die Betroffenen fühlen sich niedergeschlagen und antriebslos.” Erhöhtes Schlafbedürfnis und gesteigerter Appetit können als weitere Symptome auftreten.
Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskrautextrakt können bei leichten depressiven Störungen helfen. “Die Arzneimittel sind ohne Rezept in Apotheken erhältlich”, erklärt Neidel. “Damit sich die stimmungsaufhellende Wirkung auch voll entfalten kann, ist es wichtig, das Mittel ausreichend hoch zu dosieren. Nahrungsergänzungsmittel sind oftmals wirkungslos, weil sie unterdosiert sind.” Die Einnahmeempfehlungen liegen bei 600 bis 900 Milligramm standardisiertem Johanniskraut-Extrakt pro Tag. Die Wirkung von Johanniskraut setzt in der Regel erst nach etwa zwei bis vier Wochen ein; die entsprechenden Medikamente müssen regelmäßig angewendet werden.

Neidel empfielt, sich vor der Einnahme in einer Apotheke beraten zu lassen: “Arzneimittel mit Johanniskraut sind nicht für jeden geeignet”, betont der Apotheker. “Wer andere Medikamente einnimmt, muss womöglich mit Wechselwirkungen der Präparate untereinander rechnen.” Denn gewisse Inhaltsstoffe der Arzneipflanze beeinflussen Stoffwechselenzyme in der Leber. Sie bewirken, dass andere – zeitgleich eingenommene – Medikamente wie die Antibabypille, Blutverdünner oder Präparate zur Behandlung von Krebserkrankungen oder der Immunschwächekrankheit AIDS rascher abgebaut und so in ihrer Wirkung abgeschwächt werden.

Außerdem kann Johanniskraut-Extrakt zu sogenannten phototoxischen Reaktionen führen. “Gerade bei hellhäutigen Personen kann die Einnahme von Extrakten der Heilpflanze die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen”, erklärt Neidel. Solarium oder Höhensonne lösen sonnenbrandähnliche Reaktionen aus und sind in der Zeit der Johanniskraut-Therapie tabu. Wer intensive UV-Strahlen nicht vermeiden kann, sollte gute Sonnenschutzmittel auftragen.

Neidel empfielt, bei Winterdepressionen nicht nur auf medikamentöse Behandlung zu setzen. “Einfache Maßnahmen wie Bewegung und Tageslicht können die Symptome bessern.” Selbst an trüben und grauen Tagen ist die Lichtintensität im Freien intensiver als in geschlossenen Räumen. Um die Ausschüttung des stimmungsaufhellenden Hormons Serotonin anzukurbeln, genügt bereits eine halbe Stunde Spaziergang. Auch Sport kann die Produktion des Botenstoffs in Gang setzen.

Quelle:

Pressemeldung der Landesapothekerkammer Thüringen

http://www.lak-thueringen.de/index.php?neloh=S010825&jahr=2010&newsbeitrag=916

Kommentar & Ergänzung:

Tatsächlich spricht sehr viel dafür, dass es für eine wirksame Dosis 600 bis 900 mg standardisierten Johanniskraut-Trockenextrakt braucht, und dass zahlreiche unterdosierte und unwirksame Johanniskraut-Präparate verkauft werden.

Ernst nehmen würde ich mögliche Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut-Extrakten und verschiedenen anderen Medikamenten. Insbesondere ist es wichtig, dass behandelnde Ärztinnen oder Ärzte von einer Johanniskraut-Einnahme wissen.

Es stimmt auch, dass Johanniskraut die Empfindlichkeit der Haut gegenüber von UV-Strahlung erhöhen kann. Daher ist extreme Sonnenbestrahlung während der Johanniskraut-Therapie (aber auch sonst) zu meiden. Es wäre aber auch falsch, diesen Punkt zu dramatisieren. Eine normale Sonnenbestrahlung tut gerade depressiven Menschen ja auch gut.

Dass Bewegung auch antidepressiv wirken kann, ist inzwischen überzeugend belegt.

Dazu kommt mir ein schönes Zitat in den Sinn von Sören Kierkegaard“

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

(Sören Kierkegaard, dänischer Philosoph, 1813 – 1855)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Freitag, Dezember 17th, 2010

Senföle sind bei bakteriellen und viralen Infekten von Harn- und Atemwegen eine Behandlungsmöglicheit. Offenbar können sie auch der Vermehrung von Influenza-Viren entgegen wirken: Eine Gießener Wissenschaftlergruppe konnte in In-vitro-Untersuchungen eine Hemmung um 90 Prozent feststellen.

Die Vermehrung von Influenza-Viren (Grippe-Viren) kann auch phytotherapeutisch reduziert werden. Das legen In-vitro- Untersuchungen mit einem Heilpflanzen-Präparat nahe, das bislang bei bakteriellen und viralen Infekten der Atemwege und der Harnwege eingesetzt wird.

Als wichtige Wirkstoffe des standardisierten Extraktgemisches aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel gelten Senföle wie zum Beispiel Benzylisothiocyanat, 2-Phenylethylisocyanat und Allylisothiocyanat. Das erklärte Professor Stephan Pleschka vom Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen.

Die scharfschmeckenden Senföle dienen den Pflanzen als Abwehrmittel gegen Keime, Parasiten und Fressfeinde.

Senföle entstehen akut, wenn bei einer Verletzung pflanzlicher Gerüststrukturen Glucosinolate als inaktive Senfölvorstufe mit dem Enzym Myrosinase in Kontakt kommen.

Senföle beziehungsweise senfölhaltige Pflanzen und Pflanzenextrakte werden traditionell gegen bakterielle und virale Infekte von Harn- und Atemwegen eingesetzt – und zum Teil sind sie auch bereits in Studien geprüft, sagte Pleschka auf einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN) in München.

Eine gute bakteriostatische und dabei “resistenzresistente” Invitro-Aktivität von Senfölen aus Meerrettich und Kapuzinerkresse – auch gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) – wurde bereits in früheren Studien belegt.

Die Arbeitsgruppe um Pleschka hat nun untersucht, inwieweit diese Senföle in vitro auch gegen Influenza-Viren wirksam sind. Dabei stellten sie fest, dass jedes der drei genannten Senföle die Virusvermehrung in mit pandemischen H1N1-Viren infizierten Kulturen humaner Lungenepithelzellen um rund 90 Prozent vermindert.

Dabei wurden Senfölkonzentrationen eingesetzt, bei welchen in Voruntersuchungen keine toxischen Effekte auf kultivierte Lungenepithelzellen zu beobachten waren. Solche Senföl-Konzentrationen ließen sich bei oraler Verordnung entsprechender Präparate durchaus im Zielgewebe erreichen, erklärte Pleschka.

Auf welche Art die Senföle die Virusvermehrung hemmen und inwieweit sich der beim Schweinegrippe-Virus festgestellt Effekt auch bei anderen Influenza-Viren reproduzieren lässt, ist ein Thema von Nachfolgeuntersuchungen.

Pleschka und seine Mitarbeiter gehen davon aus, dass die Senföle nicht direkt das Virus angreifen, sondern störend in die Wirtszelle-Virus-Interaktion eingreifen -  zum Nachteil des Virus. Ein solches Wirkprinzip wäre auch besser als ein direkter antiviraler Angriff vor viralen Resistenzentwicklungen gefeit, erklärte Pleschka.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/633700/influenza-viren-phytotherapie-bekaempfen.html

Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN)

Kommentar & Ergänzung:

Senföl-Glykoside (Glukosinolate) kommen vor allem in Pflanzen aus der Familie der Brassicaceae (Kreuzblütler) vor. Meerrettichwurzel wird in der Phytotherapie-Fachliteratur schon seit längerem empfohlen bei bakteriellen Infektionen der Bronchien und der Harnwege (Blasenentzündung). Rettichwurzel ist gemischt mit Honig oder Kandiszucker ein traditionelles Hausmittel bei Erkältungen.

Dass inzwischen auch nach einer Wirksamkeit von Senfölen gegen Schweinegrippe-Virus geforscht wird, ist nicht weiter erstaunlich. Beim Nachweis von antibakteriellen oder antiviralen Effekten im Labor (invitro) stellt sich allerdings immer die Frage, ob sich die Wirkungen auch bei der Anwendung im lebenden Organismus von Infekt-Patienten zeigen. Entscheidend sind dabei zwei Fragen:

Wird der Wirkstoff überhaupt aus dem Verdauungstrakt aufgenommen?

Lassen sich im Organismus die nötigen Konzentrationen erreichen, ohne dass gleichzeitig das Gewebe geschädigt wird.

Bei Senfölen ist gut belegt, dass sie in relevanten Mengen aufgenommen, allerdings auch rasch wieder ausgeschieden werden (daher in Portionen über den Tag verteilt einnehmen).

In der vorliegenden Meldung ist meines Erachtens vor allem die Aussage von Prof. Pleschka interessant, dass die im Labor verwendeten wirksamen Konzentrationen auch im Körper erreichbar sind.

Trotzdem: Entscheidend dafür, ob sich Senföle als Mittel gegen Influenza-Viren in der Phytotherapie durchsetzen, werden nicht Laborexperimente sein. Überzeugend sind letztendlich nur erfolgreiche Doppelblind-Studien mit Grippepatienten – und diese stehen meines Wissens noch aus.

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Ginseng: Wirksamkeit auf kognitive Fähigkeiten bleibt ungewiss

Donnerstag, Dezember 16th, 2010

Ob Ginseng die kognitiven Fähigkeiten verbessern kann, bleibt weiterhin zweifelhaft. Chinesische Wissenschaftler haben in einem Cochrane-Review die derzeitige Studienlage zusammengefasst. Sie fanden neun randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien, von denen allerdings nur fünf den Ansprüchen der Auswertung genügten. Diese fünf Studien wurden an gesunden Testpersonen durchgeführt, die entweder einen Ginseng-Extrakt oder den Inhaltsstoff HT008-1 bekamen. Infolge unterschiedlicher Dosierungen, Studienlängen und Endpunkten ließen sich die Daten schlecht bewerten. Die Resultate deuteten auf einen positiven Effekt für die kognitive Funktion, das Verhalten und die Lebensqualität. Nebenwirkungen wurden in diesen Studien nicht beobachtet.

Für die Cochrane-Autoren genügen diese Hinweise jedoch nicht , um die Anwendung der asiatischen Heilpflanze (Panax Ginseng) zu empfehlen. Größere, gut durchgeführte Studien, auch mit Demenz-Patienten, liegen nicht vor. Ginseng wird seit Jahrtausenden gegen altersbedingte Krankheiten angewendet. Gemäss Cochrane-Review ist Ginseng die am häufigsten eingesetzte Heilpflanze der Welt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=36232&Nachricht_Title=Nachrichten_Ginseng%3A+Wirksamkeit+bleibt+ungewiss&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Ginseng ist tatsächlich als Heilpflanze nicht einfach zu fassen.  Sein pharmakologisches Wirkprofil ist sehr komplex.

Den Schwerpunkt der Ginsengwirkung nach westlichem Verständnis sieht die Phytotherapie-Fachliteratur eher in einem adaptogenen Effekt – vor allem im Sinne einer verbesserten Stressbewältigung – und kaum im Bereich Demenz. Auch gibt es aus der Forschung einige Hinweise auf immunstimulierende Eigenschaften, wobei allerdings hieb- und stichfeste Belege für den konkreten Nutzen bei Infektionen fehlen.

Es gibt grosse Qualitätsunterschiede bei Ginseng-Präparaten, so dass Ergebnisse von Studien nur für die jeweils untersuchten Produkte aussagekräftig sind.  Das erklärt einen Teil der Schwierigkeiten, allgemein gültige Schlussfolgerungen aus der Ginseng-Forschung zu ziehen.

Immerhin sehen die Autoren des Cochrane-Reviews Hinweise auf “einen positiven Effekt für die kognitive Funktion, das Verhalten und die Lebensqualität”.

Die Hoffnung auf den ultimativen Neuro-Booster, der ein durchschnittlich gesundes und leistungsfähiges Gehirn entscheidend perfektioniert, ist wohl sowieso ziemlich fragwürdig.

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FIFA-Chef Sepp Blatter scherzt über Verfolgung Homosexueller

Mittwoch, Dezember 15th, 2010

„FIFA-Chef Sepp Blatter hat sich ein verbales Eigentor geschossen. Auf die Frage einer Journalistin, ob sich homosexuelle Fußballfans bei der WM in Katar Sorgen machen müssten antwortete er scherzhaft: “Ich denke, dann sollten sie jegliche sexuelle Aktivität unterlassen.” In Katar ist gleichgeschlechtlicher Sex gesetzlich verboten und wird brutal verfolgt. Das Strafmaß reicht von 90 Peitschenhieben bis zu fünf Jahren Haft. Blatter ruderte nach seinem misslungenen Scherz zurück und sagte: „Wir sind offen für alles und jeden, ob rechts, links oder was auch immer. Sicherlich werden Homosexuelle, die 2022 dort ein Spiel schauen wollen, rein gelassen.“ Zahlreiche Homosexuellen-Verbände fordern als Konsequenz der Äußerung den Rücktritt des Weltverband-Chefs.“

(Quelle: http://wissen.dradio.de/)

Kommentar & Ergänzung:

Als ob die Korruptionsskandale der FIFA nicht schon abstossend genug wären. Nun nähert sich Sepp Blatter auch punkto Witzniveau rasant dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Passen immer besser zusammen, die beiden.

Was die Verfolgung Homosexueller in Katar und an anderen Orten der Welt angeht, sollte man Sepp Blatter vielleicht zu einer Nachhilfestunde bei Amnesty International verdonnern:

Antreten bei http://www.queeramnesty.ch/

Homosexualität als Grund für Verfolgung, Diskriminierung und Folter ist ein Thema von Amnesty International.

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Komplementärmedizin – grenzenlose Heilungsphantasien keine Seltenheit

Mittwoch, Dezember 15th, 2010

Machbarkeitswahn und Allmachtsphantasien – diese Vorwürfe hört man nicht selten an die Adresse der heutigen Medizin. Wohl nicht ganz ohne Grund ist die Rede von den „Göttern in Weiss“. Fraglos gibt es Exemplare der ärztlichen Zunft, denen die Möglichkeiten der modernen Medizin in den Kopf gestiegen sind. Allen Ärztinnen und Ärzten eine solche Haltung zu unterstellen, wäre allerdings Ausdruck von simpel gestricktem Schwarz-Weiss-Denken. Mir selber sind bei der Inanspruchnahme medizinischer Dienste durchwegs Menschen begegnet, die sich der Grenzen ihrer Kunst bewusst waren – vor allem im Bereich der Hausarzt-Medizin. Aber Wachsamkeit gegenüber grenzenlosen Heilungsphantasien scheint mir sinnvoll. Das gilt allerdings auch für den sehr heterogenen Bereich der Komplementärmedizin.

Machbarkeitswahn und Allmachtsphantasien sind auf den ersten Blick Auswüchse, die allen Grundsätzen einer „Naturmedizin“ zu widersprechen scheinen. Wer aber nur schon ein bisschen genauer hinschaut, findet solch ungesunde Phänomene weit über isolierte Einzelfälle hinaus. Beispiele dafür beschreibe ich im Artikel „Allmächtig“, welcher in der Zeitschrift „Natürlich leben“ erschienen ist. Den vollständigen Text finden Sie im Presse-Echo:

Komplementärmedizin & Allmachtsphantasien

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch