Phytotherapie: Johanniskraut nur informiert einnehmen

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In der dunklen Jahreszeit ist die Stimmung zahlreicher Menschen gedrückt und sie durchleben ein Stimmungstief. Gegen depressive Verstimmungen können Medikamente mit Johanniskraut-Extrakten helfen. Für die Selbstmedikation sind rezeptfreie Johanniskraut-Produkte in der Apotheke oder auch Drogerien erhältlich. Allerdings sollte bei anhaltenden oder sich verstärkenden Beschwerden unbedingt ein Facharzt aufgesucht werden, damit über eine angemessene Behandlung entschieden werden kann.

Eine Depression ist nicht einfach eine vorübergehende schlechte Laune und auch kein seelischer „Durchhänger“. Es handelt sich vielmehr um eine stark beeinträchtigende Krankheit, die in sämtliche Bereiche des alltäglichen Lebens vordringt und ohne professionelle Hilfe kaum überwindbar ist. Menschen, die länger als zwei Wochen depressive Symptome an sich bemerken, sollten einen Psychiater oder Psychotherapeuten konsultieren oder sich diesbezüglich mit ihrem Hausarzt besprechen.

Johanniskraut ausreichend dosieren!

Mindestens 600 bis 900 Milligramm Johanniskraut-Extrakt sind täglich erforderlich.
Ob ein Johanniskraut-Präparat rezeptfrei oder rezeptpflichtig ist, hängt vom Anwendungsgebiet ab, nicht von der Einzeldosis oder der Packungsgröße. Medikamente gegen leichte Depressionen sind rezeptfrei und in der Selbstmedikation erhältlich. Präparate gegen mittelschwere Depressionen sind hingegen rezeptpflichtig, weil bei dieser Erkrankung eine ärztliche Diagnose erforderlich ist. Die Wirkung des Johanniskraut-Extraktes setzt bei regelmäßiger Einnahme allerdings erst nach etwa ein bis zwei Wochen ein. Johanniskraut-Extrakte können nur richtig wirken, wenn sie hoch genug dosiert sind. Darauf weist die Bundesapothekerkammer in Berlin hin. Wie schon erwähnt, sind mindestens 600 bis 900 Milligramm Tagesdosis nötig. Zahlreiche frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel mit Johanniskraut sind nach Angabe der Kammer unterdosiert. Darüber hinaus müssen Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine verstärkte Lichtempfindlichkeit beachtet werden. Sie kann bei Solariumsbesuchen oder winterlicher Höhensonne problematisch werden.

Wer Johanniskraut (Hypericum perforatum) einnimmt und darüber hinaus weitere Arzneimittel, sollte mit dem Arzt oder Apotheker über Interaktionen (Wechselwirkungen) sprechen. Johanniskraut-Extrakte können die Wirkung anderer Arzneimittel verändern, zum Beispiel bei Gerinnungshemmern oder HIV-Medikamenten.

Quelle:

http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de/npin/npinaktuell/show.php3?id=1343&nodeid=4

Kommentar & Ergänzung:

Für die Schweiz ist festzuhalten: Johanniskraut-Extrakte mit der nötigen Tagesdosis von 600 bis 900 Milligramm sind ausschliesslich in Apotheken erhältlich. Weil Drogerien Johanniskraut-Präparate nicht abgeben dürfen, verkaufen sie als Ersatz nicht selten homöopathische Johanniskraut-Präparate – zum Beispiel Hypericum von Similasan. Das ist meines Erachtens eine eklatante Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten, weil die homöopathischen Johanniskraut-Produkte einen Wirkstoffgehalt = Null haben und nicht ansatzweise äquivalent sind zu den Johanniskraut-Extrakten. Und im Gegensatz zu den Johanniskraut-Extrakten der Phytotherapie sind alle Präparate, die nach Herstellungsvorschriften der Homöopathie produziert werden, von den Arzneimittelbehörden von der Pflicht zum Wirksamkeitsnachweis befreit. Während mehrere Johanniskraut-Extrakte ihre Wirksamkeit durch Patientenstudien belegt haben, fehlt dies bei den homöopathischen Präparaten vollständig. Ganz abgesehen davon, dass ein Produkt wie Hypericum von Similasan zwar als Homöopathie-Präparat zugelassen ist, aber von den Anwendungsbereichen und der Einsatzart den Regeln der Homöopathie komplett widerspricht. Es zeigt sich hier eine erschreckende Beliebigkeit, wie ich sie leider im Umfeld der Komplementärmedizin nicht selten antreffe.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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2 Antworten
  1. depressionenmännchen
    depressionenmännchen says:

    Man sollte vielleicht auch noch darauf hinweisen, dass Johanniskraut mit hormonellen Verhütungsmitteln interagiert und die verhütende Wirkung vermindern oder ganz ausschalten kann.

    Für Frauen, die die Anti-Baby-Pille einnehmen, ein wichtiges Detail – sonst kommt zu den (Winter-)Depressionen nachher noch die wohlmöglich ungewollte Schwangerschaft dazu.
    Ansonsten kann man Johanniskraut aber definitiv empfehlen.

  2. admin
    admin says:

    @depressionsmännchen

    Ja, das Abwägen von allfälligen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wie zum Beispiel der Antibaby-Pille gehört genau zu diesem „informierten einnehmen“.
    Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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