Echinacea-Extrakt gegen Erkältungen & grippale Infekte -antivirale Wirkung?

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Unter dem Titel „Echinacea – neuste Studien zeigen Dreifachwirkung“ berichtet das Gesundheitsmagazin Vista (Nr. 6 / 2010) über die Wirkung von Sonnenhut (Echinacea).

Von allen Heilpflanzen der Phytotherapie ist Echinacea diejenige, welche am besten untersucht wurde bezüglich einer immunstimulierenden Wirkung. Nun gibt es offenbar Forschungsergebnisse, welche auf eine direkte Wirkung gegen Viren, Bakterien und Entzündungen hinweisen. Vista schreibt dazu:

„Neuste Studien zeigen: Standardisierte Extrakte aus Echinacea purpurea wirken gegen Viren, gegen Bakterien und gegen Entzündungen. Diese 3-fache Wirkung ist ideal, um Erkältungen vorzubeugen und sie zu behandeln.“

Echinacea-Extrakt soll also auf drei verschiedenen Ebenen zugleich wirken:

„Antivirale Wirkung: Die Präparate hemmten in den Versuchen das Wachstum von diversen Erkältungsviren – vor allem von jenen, die Hüllen besitzen. Besonders wirksam waren die Extrakte, wenn direkter Kontakt mit den Erregern bestand. Dies ist im Alltag dann der Fall, wenn die Extrakte vorbeugend oder zu Beginn einer Erkältung eingenommen werden: So angewendet können sie ihre Wirkung optimal entfalten und die Übertragung von einer infizierten Person auf andere Personen verhindern.

Antibakterielle Aktivität: Ebenso vermochte der standardisierte Extrakt das Wachstum von jenen Bakterien zu hemmen, die für die Folgeinfektionen verantwortlich sind; die normale Bakterienflora wurde dabei geschont.

Antientzündliche Aktivität: Der Echinaceaextrakt blockierte ausserdem in den Versuchen mit virusinfizierten Zellkulturen diverse Entzündungsbotenstoffe. Diese Wirkung zeigte sich bei sämtlichen getesteten Virenarten – auch bei jenen, die keine Hülle aufwiesen.“

Der Autor des Artikels kommt zum Schluss, dass Forschungsresultate mit dem standardisierten Echinacea-Extrakt die Annahme stützen, dass dieser dreifache Wirkmechanismus die Grundlage für die bekannte Wirkung von Echinacea sei:

„Der Extrakt zeigt nicht nur eine gute Wirkung bei der Behandlung von Erkältungskrankheiten, sondern eignet sich auch ideal zu deren Vorbeugung. „

Quelle:

Schapowal A. Dreifache Wirkung des pflanzlichen Arzneimittels Echinaforce® in der Therapie von Erkältungen und grippalen Infekten 2010.

Manuscript submitted.

Vista Nr. 6, November 2010

Kommentar & Ergänzung:

Echinacea gilt in der Phytotherapie als Immunstimulanz. Die hier beschriebenen Forschungen bezüglich antiviraler Wirkung zielen in einen ganz anderen Bereich. Die Idee dahinter: Echinacea als pflanzliche Alternative zu Medikamenten wie Tamiflu etablieren. Das ist zwar interessant – der Text wirft aber einige Fragen auf. Er sagt zwar nicht die Unwahrheit, aber er bleibt in einem wesentlichen Aspekt undeutlich und stellt die Forschung bezüglich Echinacea dadurch verzerrt und täuschend dar.

Die beschriebenen Echinacea-Forschungen beschränken sich offensichtlich auf Laborexperimente. Ob die dort gefundenen antiviralen Effekte sich auch im menschlichen Organismus zeigen,  ist damit noch nicht annähernd klar. Im Labor können viel höhere Konzentrationen auf Viren einwirken als im lebenden Menschen. Wird dieser Unterschied nicht klar benannt, entsteht ein falscher Eindruck. Es sieht dann so aus, als sei die Wirkung auch am Menschen bereits geklärt. Eine systemische Wirkung bei Erkältungskrankheiten ist aber eine ganz andere Sache als antivirale Effekte im Labor.

Die antivirale Wirkung trat offenbar vor allem bei Viren mit Hülle auf.

Rhinoviren, die sehr häufig für Erkältungen verantwortlich sind, haben keine Hüllen. Daher wird der beschriebene antivirale Effekt hier kaum auftreten.

Fast jede fünfte Erkältung geht auf Coronaviren zurückt, die eine Hülle besitzen und damit im Gegensatz zu Rhinoviren empfindlich sein sollten.

Auch Influenzaviren (Grippeviren) sind umhüllte Viren. Also wären sie potentiell auch empfindlich gegenüber Echinacea.

Aber wie gesagt: Ob diese im Labor gefundenen Effekte auch in einem kranken Organismus auftreten, wenn Echinacea wie üblich peroral zugeführt wird, ist ungeklärt. Denkbar – aber ebenso ungeklärt – sind lokale Effekte durch Anwendung im Mund-Rachenraum, oder zum Beispiel bei Fieberbläschen (Herpesviren besitzen auch eine Hülle).

Die Resultate der Echinacea-Forschung, von denen „Vista“ berichtet, sind offenbar nicht oder noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht worden, weil eine entsprechende Angabe fehlt. Damit ist die Glaubwürdigkeit der Ergebnisse nicht zu überprüfen.

Fazit: Die Echinacea-Forschung hinsichtlich allfälliger antiviraler Wirkungen ist beachtenswert.  Die Berichterstattung darüber sollte aber nicht unter den Tisch wischen, dass es sich dabei um Laborergebnisse handelt, sonst erweckt sie den irreführenden Eindruck, dass solche Effekte schon beim Menschen bestätigt sind.

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