Wirkungsmechanismus von Johanniskraut untersucht

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Auf „Journalmed“ ist ein Artikel erschienen, in welchem beschrieben wird, wie die Wirkung von Johanniskraut gegen Depressionen zustande kommen könnte.

Der Text ist nicht leicht verständlich, weil er Vorwissen voraussetzt. Doch gibt er Einblick in die Johanniskraut-Forschung.

Zur Untersuchungsmethode:

„Mittels Fluoreszenz-Korrelations-Spektroskopie (FCS), eine Methode, mit der molekulare Interaktionen an der lebenden Zelle quantifiziert werden können, konnte an C6-Glioblastomzellen gezeigt werden, warum Johanniskraut gegen Depressionen wirksam ist, so Prof. Dr. Hanns Häberlein vom Institut für Biochemie und Molekularbiologie in Bonn.“

Wo setzt Johanniskraut an?

„Die Johanniskrautwirkstoffe Hyperforin und Hyperosid greifen direkt an der Postsynapse an und führen dort zu einer effektiven Downregulation des humanen β1-adrenergen Rezeptors, ohne dass es einer präsynaptischen Reizung bedarf. Bemerkenswert ist, dass die Rezeptor-Downregulation unabhängig von einer Erhöhung der Konzentration von Signalmolekülen eintrat. ‚Für uns war das schon eine kleine Sensation, dass Johanniskraut im Gegensatz zu den modernen synthetischen Antidepressiva ohne diesen Stimulus auskommt’, so Häberlein. Im rein postsynaptischen Geschehen werden die Rezeptoren von der Biomembran der Zelle entfernt und internalisiert, so dass es zu einer wirksamen Absenkung der bei depressiven Patienten zum Teil stark erhöhten Rezeptorendichte auf Normalniveau kommt. Dieser Mechanismus – Downregulation ohne zwingende Beteiligung der Präsynapse – war bislang für die Johanniskraut-Inhaltsstoffe Hyperforin und Hyperosid unbekannt. Es handelt sich also um eine hochspezifische Wirkqualität, die als sehr exakt definierte Komponente den bisher für Johanniskraut bekannten Wirkmechanismus in einem wichtigen Punkt ergänzt.“

Keine Sofortwirkung bei Johanniskraut-Anwendung gegen Depressionen:

„Bis die Downregulation der β1-adrenergen Rezeptoren abgeschlossen ist und damit eine Besserung der depressiven Symptomatik erreicht wird, kann es durchaus zwei bis drei Wochen dauern, so Häberlein. Dies gilt ebenso für synthetische Antidepressiva, die ebenfalls eine Anflutung benötigen. ‚Wichtig ist also, dem Patienten eine anderslautende Erwartungshaltung zu nehmen, indem man ihm erklärt, dass es eine gewisse Zeit braucht, bis die Wirkung spürbar wird.’“

Referenzen:

1) Linde et al. 2008, Cochrane Review „Meta-Analyse zum Wirksamkeitsnachweis von Johanniskrautextrakt bestehend aus 29 Studien mit knapp 5500 Patienten, Indikation Major Depression“, http://www.cochrane.org/reviews/en/ab000448.html

2) STW 3-VI vs. Citalopram vs. Placebo, Phase-III-Studie zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Hypericum-Extrakt STW 3-VI (Laif 900)

Quelle: Pressekonferenz „Aufbruch in eine neue Zeit: Laif® 900 – wie aus Mythen Fakten wurden“, 12.10.09, Wartburg; Steigerwald

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=27554

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirkung der Johanniskraut-Wirkstoffe in den Synapsen wird schon seit längerem intensiv erforscht.  Dabei ist von grossem Interesse, an welchen Punkten der Wirkungsmechanismus mit synthetischen Antidepressiva übereinstimmt und an welchen er sich unterscheidet. Daraus kann man Schlüsse ziehen über allfällige Unterschiede zwischen Johanniskraut-Extrakt und synthetischen Antidepressiva bezüglich therapeutischer Wirkung , aber auch bezüglich Nebenwirkungen oder Interaktionen.

Bekannt  und auch hier wieder bestätigt ist der Zeitraum von zwei bis drei Wochen bis zum Wirkungseintritt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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