Phytotherapie: Efeu als Hustenmittel – wie kommt die Wirkung zustande?

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Efeu-Extrakt wirkt als Hustenmittel schleimlösend und krampflösend. Doch wie genau kommt diese Wirkung in den Atemwegen zustande? Zusammengefasst wird der gegenwärtige Stand des Wissens zum Wirkungsmechanismus des Efeu-Extraktes in folgendem Zitat:

„Der Wirkmechanismus eines definierten Efeuextraktes (Prospan®) ist auf molekularer Ebene gut untersucht. Seine expektorierende und bronchospasmolytische Wirkung schreibt man beta-2-adrenergen Effekten zu. Von entscheidender Bedeutung sind dabei das Saponin α-Hederin und sein Prodrug Hederacosid C. α-Hederin greift direkt an den Epithelzellen der Lungenalveolen sowie an den Zellen der Bronchialmuskulatur an. Dort sitzen jeweils β2-adrenerge Rezeptoren. Am Alveolarepithel erhöht das die Bildung von Surfactant. Abhusten und die Belüftung der Alveolen sollen dadurch erleichtert werden. An den glatten Bronchialzellen bewirkt die adrenerge Rezeptorstimulation eine Lösung der Verkrampfung.“

Erklärung: Adrenorezeptoren bzw. adrenerge Rezeptoren, sind Rezeptoren, die von den natürlichen Überträgerstoffe Adrenalin und Noradrenalin aktiviert werden und somit für die durch Adrenalin und Noradrenalin vermittelten Effekte verantwortlich sind.

β-Adrenozeptoren werden insbesondere durch das Hormon Adrenalin aktiviert. In der glatten Muskulatur der Bronchien ist der β2-Subtyp der dominierende Adrenozeptor und führt dort zu Erschlaffung und Erweiterung..

Und was genau passiert nun bei der Einwirkung von Efeu-Extrakt in den Bronchien:

“Sind die Atemwege entzündet, nimmt die Dichte der Rezeptoren ab, indem sich diese vermehrt ins Zellinnere stülpen (Internalisierung). Adrenalin kann dann nur noch teilweise seine Effekte vermitteln. Zähes Sekret sammelt sich, die Bronchialmuskulatur verkrampft. α-Hederin vermag jedoch, diese Internalisierung von β2-Rezeptoren zu hemmen. Insofern bleibt die Rezeptorendichte trotz Entzündung hoch, die Zelle ansprechbar. In der Folge werden Atmung und Abhusten erleichtert. α-Hederin hat die Bezeichnung indirektes Sympathomimetikum bekommen.“

Zur Studienlage und zu Nebenwirkungen von Efeu-Extrakt:

„Die schleim- und krampflösende Wirksamkeit von Efeublätter-Trockenextrakt bei akuten und chronisch-obstruktiven Bronchialerkrankungen ist durch klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen gut belegt. Als Nebenwirkungen treten sehr selten bis gelegentlich gastrointestinale Probleme auf. Was Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln angeht, ist die Datenlage allerdings weniger gut. Sie sind nicht untersucht. Auch Angaben zur Kinetik gibt es nicht. Besonders fällt auf, dass es keine kinetischen Daten über die Resorption nach rektaler Applikation gibt. Dennoch gibt es entsprechende Fertigarzneimittel, die auch schon bei Säuglingen anzuwenden sind.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=35352&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Die Erforschung von Efeu als Hustenmittel hat in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht. Erstens verstehen wir den Wirkungsmechanismus inzwischen besser und zweiten wurde die Wirkung auch in verschiedenen Studien mit Patienten belegt.

Es spricht aber viel dafür, Efeu nur als Efeu-Extrakt einzusetzen (besser dosierbar, Wirksamkeit und Sicherheit besser belegt). Pflanzentinkturen und Kräutertee aus Efeublättern sind beim gegenwärtigen Wissensstand nicht empfehlenswert.

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