Archive for November, 2010

Medizin braucht Vielfalt – aber nicht Beliebigkeit

Dienstag, November 30th, 2010

„Medizin braucht Vielfalt“, forderte kürzlich Professor Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer. Und dazu gehört seiner Ansicht nach auch die Komplementärmedizin. Vertreter der Schulmedizin und Naturheilkunde täten sich nach wie vor damit schwer, “zum Wohle des Patienten zusammenzuarbeiten”, sagte Hoppe.

Medizin braucht Vielfalt. Das tönt fraglos gut und ist es bis zu einem gewissen Grad wohl auch. Vertreter der Schulmedizin und der Naturheilkunde sollten zum Wohle des Patienten zusammenarbeiten. Das kommt einem verbreiteten Bedürfnis vieler Menschen entgegen, wie die Abstimmung vom Mai 2009 gezeigt hat.

Aber wie fast immer, wenn es um die Komplementärmedizin geht, sind die Aussagen zwar wohlklingend, bleiben aber pauschal, vage und nebulös.

Nur schon zu diesen wenigen Satzfragmenten von Prof. Hoppe stellen sich einige Fragen:

1. Was meint der Mann genau mit „Schulmedizin“? Warum verwendet der Präsident der Bundesärztekammer einen diffamierenden Kampfbegriff aus Homöopathie und Nationalsozialsozialismus?

Siehe:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

2. Was meint Hoppe genau, wenn er von Komplementärmedizin spricht? Dieser Begriff ist genau deshalb so positiv besetzt, weil er kaum etwas aussagt. „Komplementär“ heisst „ergänzend“. Das ist ja immer gut, es dient dem Ganz werden und wer will das schon nicht…

Mir fällt einfach auf, dass auch Politikerinnen und Politiker gern mehr Komplementärmedizin fordern. So inhaltsleer aber wohlklingend wie er ist, kommt das immer gut an und bietet keine Angriffsflächen.

Meiner Ansicht nach sollte man anstelle  von Komplementärmedizin von einzelnen konkreten Methoden reden, dann wäre eine ergiebige Diskussion möglich anstelle von populistischen Schlagworten.

Hier eine Auswahl von Methoden der Komplementärmedizin:

Ab- und ausleitende Verfahren, Ableitungsdiät, Ableitungsverfahren,

Aderlass, Akupressur, Akupunktur, Alexander-Technik,

Anthroposophische Medizin, Api-Therapie, Aromatherapie, Asiatische Heilkunde,

Astromedizin, Atemtherapie, Atlaslogie, Augendiagnose, Augentraining, Aura Soma,

Aurikulotherapie, Autogenes Training, Autosuggestion, Ayurveda,

Bachblüten-Therapie, Baunscheidtieren, Bewegungstherapie,

Bio-Chemie (Schüsslersalze), Biodynamische Psychologie, Biofeedback,

Bioresonanz-Therapie, Blutegel, Cantharidenpflaster, Chakra-Therapie,

Chinesische Pulsdiagnose, Clustermedizin, Colon-Hydro-Therapie,

Cranio-Sacral-Therapie, Edelstein-Therapie, Eigenblut-Therapie,

Elektro-Akupunktur-Diagnose, Elektrotherapie, Energetische Medizin,

Eugemed-Therapie, Farbtherapie, Fasten, Feldenkrais, Feng Shui,

Frischzellentherapie, Frühjahrskur, Fumarsäure-Therapie, Fünf Tibeter,

Fussreflexzonen-Massage, Ganzheits-Therapie, Geistiges Heilen,

Haarmineralanalyse, Heilfasten, Homöopathie, Horchschulung, Hypnosetherapie,

Infrarot-Therapie, Inhalationstherapie, Isopathie, Jin Shin Do, Kinesiologie,

Kirlian-Fotografie, Kurzwellentherapie, Laser-Akupunktur, Lasertherapie,

Lymphdrainage, Magnet-Therapie, Meditation, Metamorphose, Mikrowellentherapie

Moxibustion, Nasenreflexzonen-Therapie, Neural-Therapie,

NLP Neuro-Linguistisches Programmieren, Ohr-Akupunktur, Ohrkerzen,

Orgontherapie, Orthomolekulare Medizin, Osteopathie, Ozontherapie, Polarity,

Pranaheilen (Pranic Healing), Qi-Gong, Radiästhesie, Radionik, Rebirthing,

Regenerationstherapie, Reiki, Reinkarnationstherapie, Reizstromtherapie,

Rohkosttherapie, Rolfing, Sauerstoff-Therapie, Schlenzbad-Kur, Schröpfen, Shiatsu,

Tai Chi, Therapeutic Touch (Handauflegen), Touch for Health,

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Ultraschall-Therapie, Unterwassermassage, Urin-Therapie, Visualisieren, Vitalogie, Watsu, Wirbelsäulen-Basis-Ausgleich, Wirbelsäulen-Therapie nach Dorn, Yoga, Zelltherapie, Zero Balancing, Zilgrei, Zungendiagnostik.

Diese Auszählung könnte natürlich noch wesentlich erweitert, oder aber auch gekürzt werden. Denn es ist nirgends festgelegt, was zur Komplementärmedizin gehört.

Doch nur schon in dieser unvollständigen Liste treffen wir auf Methoden von sehr unterschiedlicher Glaubwürdigkeit. Diskutieren wir doch über Inhalte, nicht über populistische Schlagworte! Wenn Politikerinnen und Politiker oder Verbandsfunktionäre von Förderung der Komplementärmedizin reden, dann wäre es meiner Ansicht nach nötig nachzufragen, welche Methoden sie genau meinen.

Zur Problematik des Begriffs Komplementärmedizin siehe:

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

3. Wenn Politikerinnen und Politiker pauschal-populistisch von Förderung der Komplementärmedizin reden, dann müsste man meines Erachtens genau nachfragen, nach welchen Kriterien sie entscheiden wollen, welche von den mehreren hundert Methoden der Komplementärmedizin gefördert werden sollen.

Um die Angabe solcher Kriterien drücken sich diese Politikerinnen und Politiker in der Regel. Dabei könnte meines Erachtens erst auf dem Boden solcher Kriterien eine offene und ehrliche Diskussion anfangen. Vielfalt ja, Beliebigkeit nein.

4. Hoppe redet mal von Komplementärmedizin, mal von Naturheilkunde und es scheint so, als gebrauche er diese beiden Begriffe synonym. Sind sie aber nicht. Naturheilkunde ist ebenfalls kein scharf definierter Begriff, doch versteht man darunter oft die fünf Säulen nach Sebastian Kneipp:

Hydrotherapie,

Pflanzenheilkunde,

Ernährung,

Bewegung, Licht, Luft,

Lebensordnung.

Verfahren der Naturheilkunde sind potenziell kompatibler mit der Medizin verglichen mit Methoden der Komplementärmedizin.

Zum Begriff „Naturheilkunde“ siehe:

Naturheilkunde  -  was ist das?

Zusammengefasst: Wenn es um Komplementärmedizin geht sind inhaltliche Diskussionen über konkrete Methoden nötig. Andernfalls bleibt es bei populistischen Schlagworten. Vielfalt in der Medizin ja, aber nicht Beliebigkeit.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Lycopin im Tomatensaft reduziert Knochenschwund

Dienstag, November 30th, 2010

Kanadische Wissenschaftler haben festgestellt, dass mit zwei Gläsern Tomatensaft pro Tag das Osteoporoserisiko vermindert werden kann. Die Ursache für diesen Effekt: Ein Inhaltsstoff des Tomatensaftes, das Lycopin, kann das Vorkommen freier Radikale reduzieren.

Oxidativer Stress durch freie Radikale verstärkt den Knochenabbau. In einer Studie, an der sich 60 Frauen in der Postmenopause beteiligten, stieg die antioxidative Kapazität um 9 Prozent, und die Marker für den Knochenabbau verminderten sich um 8 Prozent, wenn die Frauen Lycopin bekamen.

(Ostoporos Int 2010, Pub online)

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/skelett_und_weichteilkrankheiten/osteoporose/article/631697/lycopin-tomatensaft-mindert-knochenschwund.html?sh=6&h=1511252959

http://www.springerlink.com/content/004120828267370w/fulltext.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Dass Tomatensaft gesund ist wird wohl kaum jemand in Frage stellen. Und Lycopin ist zweifellos ein interessanter Inhaltsstoff des Tomatensaftes.

Zwei Anmerkungen:

- Wenn tatsächlich die antioxidativen Eigenschaften von Lycopin für die Wirkung gegen Knochenschwund (Osteoporose) verantwortlich sind, dann ist festzuhalten, dass es neben Lycopin noch eine ganze Reihe anderer potenter Antioxidantien gibt.  Reich an Antioxidantien sind beispielsweise Äpfel, Paprika, Früchte mit blauen Farbstoffen (Anthocyane) wie Heidelbeeren, Holunderbeeren, schwarze Johannisbeeren (Cassis), Grüntee (EGCG)……

Es dürfte sinnvoller sein, eine breite Palette von verschiedenen Antioxidantien einzunehmen, statt ausschliesslich auf eine Substanz wie Lycopin zu setzen.

- Die Studie misst den Effekt der Tomatensaft-Einnahme anhand von zwei Laborwerten.

Das gemessene N-telopeptid gilt als guter Biomarker für den Knochenabbau. Allerdings ist die Veränderung solcher Messwerte bei postmenopausalen Frauen nach ein paar Wochen oder Monaten noch nicht gleichbedeutend mit einem real verminderten Osteoporoserisiko zwanzig oder dreissig Jahre später. Insofern ist die Aussage, dass Lycopin und Tomatensaft das Osteoporoserisiko vermindern, noch etwas gewagt.

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Polyphenole aus Rooibos-Tee schützen vor Arteriosklerose

Montag, November 29th, 2010

Nur 6 Tassen Rooibos-Tee pro Tag schützen vorbeugend gegen Arteriosklerose und damit vor Folgeschäden wie beispielsweise Herzinfarkt oder Schlaganfall. Zu diesen neuen Resultaten kommt eine aktuelle wissenschaftliche Studie an der Technischen Universität Cape Peninsula in Belleville / Südafrika unter der Leitung von Professor Jeanine L. Marnewick.

In der Studie tranken 40 Teilnehmer 6 Wochen lang jeden Tag jeweils 6 Tassen Rooibos-Tee. Im Blut der Probanden wurde ein deutlicher Anstieg der antioxidativ wirkenden Polyphenole festgestellt, die als Hauptinhaltsstoffe von Rooibos gelten. Diese sekundären Pflanzeninhaltstoffe aktivieren im menschlichen Körper wichtige entzündungshemmende und gefäßschützende Vorgänge. „Die Parameter für Blutlipide und oxidativen Stress, letzterer beeinflusst maßgeblich die Lipid-Peroxidation und den Thiol-Redox-Status, sind durch den Genuss von Rooibos-Tee deutlich gesunken. Diese Parameter werden für die Entwicklung von Herz-Kreislauferkrankungen mit verantwortlich gemacht“, erklärt Professor Jeanine L. Marnewick.

Basierend auf diesen Ergebnissen ziehen die Forscher folgende Rückschlüsse: Der nachgewiesene Anstieg der Polyphenole geht mit einer verminderten Menge an oxidierten Blutfetten einher. Vor allem LDL, das wichtigste Transportportvehikel von Cholesterin zu den Körperzellen, und seine oxidierte Form sind als wichtige Risikofaktoren für die Entstehung von Arteriosklerose bekannt.

Die Probanden der Rooibos-Studie zeigten zudem auch ein besseres Verhältnis zwischen dem als ungünstig betrachteten LDL-Cholesterin und dem als schützend angesehenen HDL-Cholesterin. Dr. Mathias Schmidt, Wissenschaftler und Geschäftsführer von Herbresearch Deutschland zieht daraus den Schluss, regelmäßiger Genuss von Rooibos-Tee langfristig vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Nach Professor Marnewick tragen die Ergebnisse dieser Studie zum Verständnis der gesundheitsfördernden Vorzüge von Rooibos bei. Deshalb plant ihre Arbeitsgruppe weitere Studien. Rooibos ist also nicht nur ein wohlschmeckendes koffeinfreies Teegetränk für alle Altersgruppen, sondern besitzt auch eindeutig nachgewiesene günstige Effekte für die menschliche Gesundheit.

J. L. Marnewick, F. Rautenbach, I. Venter, H. Neethling, D.M. Blackhurst, P. Wolmarans und M. Macharia: Effects of rooibos (Aspalathus linearis) on oxidative stress and biochemical parameters in adults at risk for cardiovascular disease. Magazin: J. Ethnopharmacology (2010 im Druck) doi: 10.1016/j.jep.2010.08.061

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=32212

Kommentar & Ergänzung:

Rooibos (Rotbusch) ist ein Teegetränk, das zugleich geschmacklich angenehm und gesund ist. Rooibos enthält kein Koffein und wenig Gerbstoffe.

Das „Handbuch der Arzneipflanzen“ empfiehlt Rooibos für eine interessante Indikation:

„Medizinisch wird Rooibostee vorwiegend Säuglingen gegeben, die unter Koliken leiden.“

Möglicherweise hängt diese ungewöhnliche Indikation damit zusammen, dass ein Autor des „Handbuchs der Arzneipflanzen“ – Ben-Erik van Wyk – aus Johannesburg stammt.

Hier einige Hintergrundinformationen über Rooibos aus Wikipedia:

„Rooibos (Aspalathus linearis) ist eine Pflanzenart aus Südafrika, die zu den Hülsenfrüchtlern (Fabaceae) gehört. Seit Anfang der 1990er Jahre ist Rooibos in Deutschland für Aufgussgetränke als koffeinfreie Alternative zu Tee populär geworden. Rooibos wächst nur in den Zederbergen im Südwesten der Republik Südafrika. In Südafrika ist er nicht nur Alltagsgetränk, sondern wird auch zum Kochen und Backen verwendet, sowie zur Herstellung von Kosmetik oder zur Färbung der Haare.

In Südafrika gilt der Tee als Nationalgetränk und wird meist als rooibostee bezeichnet (Afrikaans rooi ‚rot‘ und bos ‚Busch‘ – in Deutschland hat sich „bosch“ als falsche Aussprache von bos verbreitet). Andere Bezeichnungen sind Rotbusch-Tee, Redbush-Tea. In Europa gibt es oft verwirrende Bezeichnungen wie Rotbuschsie-, Redbos- und Koopmans-Tee (Afrikaans Koopman ‚Kaufmann‘), oder gar Massaitee, obwohl Rotbusch keinerlei Bezug zu diesem Volksstamm hat. Die Bezeichnung Buschmanntee hat allerdings einen historischen Hintergrund, da die Nutzung von Rooibos zunächst durch die Khoisan erfolgt sein soll.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Sonntag, November 28th, 2010

„Wer heilt hat Recht!“ – Dieses Schlagwort beendet oft jede Diskussion, wenn es um Methoden der Komplementärmedizin geht. Der Satz wird als ultimatives Killerargument eingesetzt, welches jede weitere Auseinandersetzung zu erübrigen scheint. Der Satz ist perfid, weil er auf den ersten Blick und als Ganzes betrachtet kaum zu widerlegen ist. Natürlich spricht viel dafür, dass wer heilt auch Recht hat. Fragwürdig ist allerdings der erste Teil des Satzes – „wer heilt“. Hier wird nämlich von den Verwendern dieses Satzes in aller Regel sehr vorschnell festgelegt, wer oder was heilt.

Ähnliches geschieht bei den häufig zu hörenden anekdotischen Heilungsberichten, wenn beispielsweise jemand sagt, dass ein bestimmtes Heilverfahren “bei mir wirklich wirkt”. Diese Personen verstehen nicht, dass sie keinen Grund haben zu behaupten, dass es “wirkt”. Alles was sie sagen können ist, dass sie nach der Behandlung eine Besserung festgestellt haben. Das kann eine echte Wirkung anzeigen. Genauso gut kann es sich aber auch eine ungenaue Beobachtung handeln. Oder um einen “post hoc ergo propter hoc” Fehler, die falsche Annahme, dass zeitliche Nähe einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang bedingt.

Wir sehen einen Patienten, dem es nach der Behandlung besser geht – und wir interpretieren, dass die Behandlung die Besserung verursacht hat. Diese Interpretation kann richtig sein kann, doch sehr oft wird es sich dabei um eine Fehlinterpretation handeln, um eine falsche Zuordnung.

Denn wir täuschen uns oft. Die Medizingeschichte ist voll von Fehlinterpretationen, die sich über Jahrhunderte gehalten haben, wie zum Beispiel der Aderlass. Mag schon sein, dass wir heute mehr wissen, doch unsere gegenwärtigen Fehlinterpretationen sind einfach noch nicht bekannt.

Wie können sich Menschen so irren? Sie? Ich? Generationen von Ärzten und HeilerInnen aller Art? Wie konnten sie glauben, dass etwas heilt,  wenn es ihnen in Wirklichkeit vielleicht sogar mehr schadet als nützt?

Es gibt zahlreiche Gründe, die uns zu Fehlinterpretationen verleiten und an Behandlungen glauben lassen, die eigentlich unwirksam sind.

1. Natürlicher Krankheitsverlauf.

Zahlreiche Krankheiten sind selbst-limitierend; Die körpereigenen Selbstheilungskräfte stellen nach einer gewissen Zeit die Gesundheit wieder her. Ein Schnupfen verschwindet nach einer Woche von alleine. Um beurteilen zu können, ob eine Schnupfenmedizin wirkt, muss man Erfolge und Fehlschläge bei einer großen Zahl von Patienten aufzeichnen, um herauszufinden ob sie mit dem Mittel schneller wieder gesund werden als ohne.

2. Viele Krankheiten verlaufen zyklisch.

Die Symptome jeder Krankheit verändern sich mit der Zeit. Uns allen ist wohl bekannt, dass Menschen mit Arthritis gute und schlechte Tage erleben. Die Schmerzen verschlimmern sich eine Zeit lan, dann werden sie wieder besser. Wenn Sie ein Heilmittel einnehmen, wenn die Schmerzen stark sind, wären sie vermutlich sowieso bald besser geworden. Doch wir neigen in solchen Fällen dazu, die Besserung dem Heilmittel zuzuschreiben, obwohl es damit nichts zu tun hat.
3. Alle Menschen sind beeinflussbar.

Sagt man jemandem, etwas tut weh, dann tut es vermutlich auch weh. Sagt man jemandem, etwas macht es besser, dann wird es das wohl auch tun. Das wissen wir und deshalb pusten wir die Schrammen und blauen Flecke unserer Kinder. Alles was uns von unseren Symptomen ablenkt wird uns vermutlich helfen. In wissenschaftlichen Studien, die eine echte Therapie mit einem Placebo vergleichen, sagen im Schnitt 35% der Leute, dass es ihnen nach dem Placebo besser geht. Die echte Therapie muss mehr leisten, wenn wir sie für wirksam erachten sollen.

4. Möglicherweise gab es zwei Behandlungen, und der falschen wurde das Verdienst der Heilung zugeschrieben.

Wer eine Pille einnimmt und zugleich ein Hausmittel anwendet, schreibt nicht selten das Verdienst dem Hausmittel zu. Oder vielleicht ändert sich sonst irgendwas im Leben des Patienten und diese Veränderung ist der wahre Grund der Besserung, die dem Medikament gut geschrieben wird.

5. Die ursprüngliche Diagnose war möglicherweise falsch.

Zahlreiche Menschen sind angeblich von Krebs geheilt worden, die daran nie erkrankt waren. Mediziner,  die einem Patienten noch sechs Monate geben, schätzen das nur und können sich irren. Bestenfalls können sie voraussagen, dass der durchschnittliche Patient in diesem Zustand noch sechs Monate lebt – ein Durchschnittswert bedeutet aber auch, dass ein Teil der Patienten länger lebt.

6. Vorübergehende Stimmungsschwankungen werden manchmal mit Heilung verwechselt.

Wenn ein Arzt oder eine neue Heilmethode Optimismus vermittelt  und Hoffnung gibt, denkt eine kranker Mensch vielleicht seine Krankheit habe sich gebessert wenn sie in Wirklichkeit unverändert ist.

7. Psychische Bedürfnisse beeinflussen unser Verhalten und unsere Wahrnehmung.

Wenn jemand unbedingt daran glauben will, kann er sich selbst überreden, ihm wäre geholfen worden. Zum Beispiel wenn man für eine Behandlung viel Geld ausgegeben hat.

Manche Menschen leugnen ganz offensichtliche Fakten. Sie weigern sich anzuerkennen, dass der Tumor weiter wächst, weil diese Erkenntnis zu bedrohlich wäre.  Wir sehen in hohem Masse, was wir sehen wollen; Wir erinnern uns häufig so, wie wir wünschen es wäre geschehen. Wenn ein Arzt oder eine Ärztin sich aufrichtig bemüht, jemandem zu helfen, dann fühlt derjenige sich verpflichtet, sich auch besser zu fühlen.

8. Verwechslung zeitlicher Abfolge mit der Ursache.

Nur weil eine Wirkung auf eine Handlung folgt, heisst das nicht, dass die Handlung die Wirkung ausgelöst hat. Wenn der Hahn kräht und die Sonne geht auf, ist uns klar, dass es nicht das Krähen war, welches die Sonne aufgehen lässt. Aber wenn wir ein Medikament nehmen und wir fühlen uns danach besser, dann schliessen wir fast automatisch daraus, dass die Besserung von diesem Medikament kommt. Wir denken nicht daran, dass es einen andere Gründe für die Besserung geben könnte – zum Beispiel unsere Selbstheilungskräfte. Wir ziehen überstürzte Schlussfolgerungen wie der Mann, der Flöhe abrichtet zu tanzen, wenn sie Musik hören und ihnen dann die Beine eins nach dem anderen abzwickt bis sie nicht mehr tanzen können und daraus schliesst, dass die Hörorgane der Flöhe in ihren Beinen sitzen.

Es gibt also zahlreiche Wege, wie wir etwas falsch verstehen können. Wissenschaftliche Untersuchungen dienen dem Versuch, solche Fehlinterpretationen zu erkennen und auszuschliessen. Es handelt sich um eine Sammlung von Methoden, mit denen Aussagen getestet werden können. Um ein Medikament zu prüfen kann man eine große Gruppe von Patienten in zwei gleiche Gruppen aufteilen und einer Gruppe den zu überprüfenden Wirkstoff geben und der anderen ein Placebo, also beispielsweise eine Zuckerpille. Wenn es der Gruppe mit dem echten Medikament deutlich besser geht, dann wirkt die Behandlung vermutlich.

Allerdings ergibt einen einzige Studie kaum je ein endgültiges Ergebnis und es gibt auch widersprüchliche Resultate von Studien zum gleichen Medikament. Die Studien müssen daher immer auch interpretiert und  verbessert werden, damit die Resultate der Wahrheit näher kommen.

Das nächste Mal wenn Ihnen ein Freund begeistert von einer neuen Therapie erzählt, dann halten Sie doch einen Moment inne und denken Sie daran, dass er sich auch täuschen könnte. Täuschungen sind bei solchen Anekdoten möglicherweise eher die Regel als die Ausnahmen. Manchmal verstehen wir etwas falsch.

Quelle:

http://blog.esowatch.com/?p=271&cpage=1#comment-11271

Der Originalbeitrag stammt von Harriet Hall

Kommentar & Ergänzung:

Dieser von mir stark gekürzte und leicht modifizierte Beitrag aus dem Esowatch-Blog fasst die häufigsten Selbsttäuschungsvarianten gut zusammen. Es scheint mir sehr wichtig, dass wir uns bewusst darüber sind, wie gross das menschliche Täuschungspotential ist. Das ist auch der Grund, weshalb Heilungsanekdoten nicht einfach so verlässlich sind. „Wer heilt hat Recht!“ – dieses Schlagwort übersieht meistens die beschriebenen Täuschungsmöglichkeiten.

Vor allem der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ unterläuft uns fast ständig. Gerade im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde,  wo zu vielen Fragestellungen Studien fehlen, braucht es ein waches Bewusstsein für diese bedeutsame Fehlerquelle.

Hier zum Abschluss noch eine detailliertere Erklärung dieses interessanten Phänomens:

„Bei post hoc Argumenten (oder korrekt bei post-hoc-ergo-propter-hoc (“Danach und daher deshalb“-Argumente)) wird aus einer zeitlichen Aufeinanderfolge (oder auch Gleichzeitigkeit) unzulässigerweise auf eine kausale Beziehung zwischen zwei Ereignissen oder Fakten geschlossen. Dabei wird außer Acht gelassen, dass Ereignisse aus unterschiedlichen Gründen nacheinander oder gleichzeitig auftreten können (auch aus Zufall) und dass speziell in der Wissenschaft Ursache-Wirkungsbeziehungen meist im Rahmen eines theoretischen Ansatzes formuliert werden müssen, der einen derartigen Trugschluss eigentlich vermeiden sollte. Post-hoc Argumente treten deshalb häufig bei der vorschnellen und theoretisch zu wenig reflektierten Interpretation eigener Daten auf, die im Rahmen explorativer Fallstudien erhoben wurden.

Ein bei Statistikern beliebtes Beispiel für einen solchen Fehlschluss ist das zeitliche Zusammenfallen des Eintreffens der Störche mit einer erhöhten Geburtenrate im Frühjahr in vielen Gegenden Österreichs. Naive Gemüter könnten daraus den Schluss ziehen, dass diese Korrelation tatsächlich ein empirisches Argument dafür sei, dass Störche die kleinen Kinder bringen. Tatsächlich führt die erhöhte sexuelle Aktivität vieler Paare im Sommerurlaub zu einer erhöhten Geburtenrate im darauf folgenden Frühjahr. Damit zeigt dieses Beispiel auch, dass post-hoc Fehlschlüsse oft auch dann auftreten, wenn intervenierende Faktoren (Variable), die von den Untersuchenden nicht oder nicht ausreichend in Betracht gezogen werden, einen Einfluss auf Ereignisse haben.“

Quelle: http://www.univie.ac.at/linguistics/schreibprojekt/Grundlagen/6_4.htm

Zusammengefasst nochmals für die Heilkunde: Wenn wir krank sind, ein Medikament einnehmen und danach eine Besserung verspüren, ziehen wir daraus oft vorschnell den Schluss, dass es das Medikament war, welches die Besserung bewirkte. Dabei werden andere mögliche Faktoren (z. B. Selbstheilungskräfte, natürliche Schwankungen im Krankheitsverlauf, Placebo-Effekt, Änderung der Lebensumstände) übersehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Passionsblume – Studien mit unterschiedlicher Qualität

Freitag, November 26th, 2010

Zur Arzneipflanze des Jahres 2011 haben Würzburger Wissenschaftler die Passionsblume gekürt.
Siehe dazu:

Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Die „Badische Zeitung “(BZ) interviewte Roman Huber, den Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg zum Thema „Passionsblume“. Darin gibt es einige interessante Passagen:

BZ: Herr Huber, Arzneipflanze des Jahres darf sich jetzt die Passionsblume nennen. Was hat diese Pflanze, was andere Pflanzen nicht haben?

Huber: Zum einen ist sie sicherlich besonders schön und allein von daher schon eine gute Wahl. Aber für den Naturheilkundler kommt noch dazu, dass sie sich als zwar mildes, aber sehr gut beruhigend und angstlösend wirkendes Mittel eignet.

BZ: Die Begeisterung ihrer iranischen Kollegen geht sogar noch weiter, die wollen sie gleich auch noch gegen Epilepsie, Unruhe und zur Operationsvorbereitung einsetzen und haben diese Eignung auch in Studien nachgewiesen.

Huber: Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen. Für uns in Freiburg kommt die Passionsblume vor allem bei Menschen, die auch motorisch unruhig sind, als unterstützendes Beruhigungsmittel infrage – überaktive Kinder zum Beispiel, aber auch verwirrte Senioren.“

Quelle:

http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/panorama/schoen-mild-und-sehr-beruhigend–38073981.html

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist hier die Aussage, dass aus Iran und China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen kommen. Das kann natürlich verschiedene Gründe haben. Jedenfalls spricht Huber hier ein wichtiges Thema an.
Studien können von ganz unterschiedlicher Qualität sein. Rein quantitative Aussagen wie „Zwanzig Studien beweisen……“ sagen noch nicht viel aus. Auf die Qualität der Studien kommt es nämlich an. Ein paar wenige qualitativ gute Studien können eine grosse Anzahl schlechter Studien aufwiegen.
Dass aus China und Iran nur Studien mit positiven Ergebnissen kommen, könnte auch daran liegen, dass nur positive Ergebnisse veröffentlich werden, negative aber in einer Schublade verschwinden. Das ist allerdings ein problematisches Phänomen, das bei Arzneimittelstudien immer wieder zu beobachten ist. Man spricht hier von „publication bias“.
Was ist genau ein „publication bias“?

„ Der Publikationsbias ist die statistisch verzerrte (engl. bias [ˈbaɪəs]) Darstellung der Datenlage in wissenschaftlichen Zeitschriften infolge einer bevorzugten Veröffentlichung von Studien mit „positiven“ bzw. signifikanten Ergebnissen. Positive Befunde sind leichter zu publizieren als solche mit „negativen“, also nicht-signifikanten Ergebnissen und sind zudem häufiger in Fachzeitschriften mit hohem Impact Factor veröffentlicht. Deshalb wird dieses Problem auch als File-Drawer-Problem (übersetzt: Aktenschubfach-Problem) bezeichnet. In der medizinischen Arzneimittelforschung ist eine weitere Ursache für den Publikationsbias die Vorselektion negativer Ergebnisse durch Pharmafirmen, von denen die meisten Studien gesponsert werden.
Aufgrund der erhöhten Häufigkeit positiver Ergebnisse kann in der Medizin etwa die Wirksamkeit von Therapien überschätzt werden, da Studien mit nachgewiesener Wirksamkeit leichter zu publizieren sind als solche, die die Wirksamkeit nicht nachweisen können. Dies ist besonders relevant, wenn aufgrund der bereits publizierten Datenlage anhand einer Metaanalyse Therapieempfehlungen generiert werden sollen………..
Aus den genannten Gründen verlangen mittlerweile einige der renommierten medizinischen Fachzeitschriften, dass alle durchgeführten Studien vorher bekannt gemacht werden müssen. Nur solche im Voraus publik gemachten Studien werden zur Publikation angenommen. Dies soll neben anderen Aspekten einen Überblick über die zum Thema durchgeführten Studien ermöglichen, um den Publikationsbias zumindest abschätzen zu können.
Darüber hinaus gibt es bereits Fachzeitschriften (vorrangig im Internet), die gezielt Studien mit „negativem“, d.h. im Sinne der Fragestellung nicht signifikanten Ergebnissen publizieren. Auch die Cochrane Collaboration ist an solchen Ergebnissen sehr interessiert, um sie in ihre Analysen zu den Standards in der Medizin verwenden zu können.“
Quelle: Wikipedia

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Schüsslersalze – Mineralwasser wirksamer, günstiger, zahnschonender?

Freitag, November 26th, 2010

In der Österreichischen Apothekerzeitung ist eine Diskussion entbrannt um die Schüsslersalze. Einerseits machen Apotheken erkleckliche Umsätze mit Schüsslersalzen. Andererseits ist deren Wirksamkeit nicht belegt und das zugrundeliegende Konzept fragwürdig.
Immerhin besteht weitgehend Übereinstimmung, dass Schüsslersalze gesundheitlich unbedenklich sind.
Die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, hat die Unbedeklichkeit dieser Präparate nun allerdings mit Argumenten zu belegen versucht, die spezielle Aufmerksamkeit verdienen:

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre: Wenn in einer Mineralwasserflasche 115 mg/l Kalzium (beispielsweise Vöslauer mild) angegeben sind, dann müsste man, wenn man die in Calcium phosphoricum D6 enthaltenen reinen Kalziumionen auf das im Mineralswasser enthaltene Kalzium umrechnet, 388 kg an Schüßler Salz Nr. 2 in D6 (1.552.000 Tabletten!)
täglich einnehmen, um auf die gleiche Menge wie in 1 Liter Mineralwasser zu kommen. Bei einem Gehalt von 39,4 mg Magnesium pro Liter Mineralwasser (beispielsweise Vöslauer mild) fällt der Vergleich auch interessant aus: Berechnet auf die Menge Mg im Mg HPO4 geht es hier um 772.550 Tabletten oder 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 nach Dr. Schüßler in der D6. Ich frage mich, als wie gefährlich aus diesem Gesichtspunkt heraus Mineralwässer eingestuft werden müssten?“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-24.pdf

Österreichische Apotheker-Zeitung Nr. 24 /2010, S. 1419,

Kommentar & Ergänzung:
Tatsächlich, da stellt sich die drängende Frage, ob unsere Mineralwasser verglichen mit Schüsslersalzen nicht gefährlich überdosiert sind……..?  -  Oder vielleicht umgekehrt?

Ernsthaft:
388 kg Schüssler Salz Nr. 2 (1.552.000 Tabletten) entsprechen im Kalziumgehalt einem Liter Trinkwasser. Bei anderen Mineralstoffen ist das Verhältnis offensichtlich ähnlich absurd. Aber auf der Packung steht Calcium phosphoricum, das verglichen mit Mineralwasser nur noch in Mini-Mikro-Spuren vorhanden ist.

Und abgesehen von diesen eigentlich inexistenten Mineralstoffen bestehen die Tabletten aus Laktose, also Milchzucker. Weshalb trinke ich dann nicht gleich Mineralwasser? Und bei der guten Qualität unseres Trinkwasser, das Mineralwässer oft sogar überlegen ist – warum trinke ich nicht Trinkwasser. Es enthält alle Schüsslersalze in wesentlich ergiebigerer Dosierung.

Ah sorry, ich habe natürlich etwas Fundamentales vergessen. Schüsslersalze werden nicht nur verdünnt, sondern auch intensiv mit Milchzucker verrieben – bei Calcium phosphoricum D6 in sechs Schritten.
Aber Mineralwasser wird doch auch geschüttelt? Und die Verschüttelung ist in der Homöopathie bei Flüssigkeiten eine ebenbürtige Potenzierungsmethode.
Valserwasser zum Beispiel wird per Lastwagen von Vals nach Ilanz gefahren. Ziemlich kurvenreiche Strasse. Spätestens in Illanz müsste eigentlich eine Top-Verschüttelung erreicht sein. Und dann erst auf der Rhätischen Bahn (RhB) durch die Rheinschlucht! Ein „Kraftort“!!

Auch mein Trinkwasser wird verschüttelt. Spätestens wenn es aus dem Hahn ins Glas strömt. Oder gilt das nicht? Zu grosse Fallhöhe?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:
„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten. Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Dass die Empfehlungen sehr unterschiedlich ausfallen, sieht man auch bei Testkäufen in der Schweiz. Es zeigt sich hier eine hochgradige Beliebigkeit. Das ist aber nicht weiter schlimm. Da wir alle täglich Mineralwasser oder Trinkwasser zu uns nehmen, gleicht sich ja jede verpasste Einnahme sogleich aus.
Allerdings haben verschiedene Untersuchungen gezeigt, dass ein teures Placebo besser wirkt als ein billiges Placebo.

Überraschender Placeboerfolg bei Schmerztherapie
Vielleicht sind Trinkwasser und Mineralwasser einfach zu billig, und man sollte den Preis demjenigen der Schüsslersalze angleichen, damit auch die Wirkungen äquivalent sein können.

Es kommt aber noch besser:

„In drei Apotheken wurden die Salze ohne Nachfrage ausgehändigt. Ein Apotheker verwies die Testperson an einen erfahrenen Homöopathen. In drei Apotheken wurde in Verbindung mit der Schüssler-Methode zu einer Antlitzanalyse geraten. Dabei soll das Betrachten des Gesichtes Aufschluss über die dem Patienten fehlenden Mineralien geben. In zwei Apotheken wurde diese Antlitzanalyse auch durchgeführt, wobei sich zeigte, dass in Verbindung mit einer derartigen Analyse deutlich mehr Präparate empfohlen werden. Im extremsten Fall wurde dann zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten -  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“
(Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test)

Die Antlitzanalyse, ein höchst obskures Verfahren, dient also der zusätzlichen Umsatzsteigerung. Und 140 Laktose-Tabletten sind bezüglich Kalorienzufuhr, osmotische Abführwirkung und Kariesförderung vielleicht doch nicht so unbedenklich…..
Hier scheint sich eine neue Empfehlung für die Gesundheitsförderung zu etablieren, die da lautet:
„Fresst Tabletten, und wenn es schon keine ‚Chemie’ mehr sein soll, dann fresst wenigstens Laktose-Tabletten!“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Lebensstil ändern senkt Bluthochdruck ohne Medikamente

Freitag, November 26th, 2010

Ein zu hoher Blutdruck kann schwerwiegende Folgen haben: Herzinfarkt oder Schlaganfall sind charakteristische spätere Folgeerkrankungen. Rechtzeitig erkannt, lässt sich das Problem jedoch auch ohne Medikamente in den Griff bekommen. Der wichtigste Schritt dabei ist eine Lebensstil-Änderung. Auch Knoblauch kann mithelfen.

Bluthochdruck ist eine der häufigsten Volkskrankheiten und gilt nicht umsonst als «stiller Killer». Auf Dauer können chronisch hohe Blutdruckwerte (Hypertonie) zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Blutdrucksenkende Medikamente helfen Betroffenen – sind aber nicht immer nötig. Mit einer veränderten Lebensweise lässt sich der Blutdruck häufig auch ohne Pillen reduzieren.

«Jeder sollte in regelmäßigen Abständen seinen Blutdruck kontrollieren lassen», rät Prof. Wolfram Delius von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. «Denn manchmal bemerken Betroffene selbst bei hohen Werten keinerlei Zeichen von Beschwerden.» Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge liegt Hypertonie vor, wenn der systolische Blutdruck über 140 mmHg und der diastolischer Blutdruck über 90 mmHg liegt.

Sind diese Werte überschritten, gilt es, möglichst frühzeitig zu handeln. «Bei einem sehr hohen Blutdruck ist der Einsatz von Medikamenten nicht immer zu vermeiden», erklärt Ramon Martinez, Buchautor und Internist in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen). «Bei niedrigeren Werten können die Betroffenen hingegen selbst aktiv werden.»

«Die Hauptursache für Bluthochdruck ist Übergewicht», sagt Ursula Hildebrandt, Ärztin am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. Rund 30 Prozent aller von Bluthochdruck betroffenen Personen bringe zu viel Gewicht auf die Waage. Jedes Kilo weniger reduziere den systolischen Wert um 2 mmHg und den diastolischen Wert um 1 mmHg. Eine Gewichtsreduktion um zehn Kilo könne den Bluthochdruck also schon um bis zu 20 mmHg senken, rechnet Hildebrandt vor.

Abgespeckt werde dabei am besten durch eine grundsätzliche Ernährungsumstellung: wenig tierische Fette, mehr Fisch statt Fleisch, pflanzliche Öle und Vollkornprodukte anstelle von Weißmehl. Dazu rät Martinez zu fünf Portionen mit frischem Obst und Gemüse pro Tag. Das steigere auch den Kaliumwert im Körper, ein natürlicher Blutdrucksenker.

Kochsalz gilt als weiterer kritischer Faktor. Delius weist darauf hin, dass wir heute alle viel mehr Salz essen, als unser Körper überhaupt braucht. Bei salzempfindlichen Menschen steigert Kochsalz den Blutdruck. Delius rät, möglichst oft auf Fertiglebensmittel zu verzichten und nicht nachzusalzen. Stattdessen soll besser frisch mit verschiedenen Gewürzen gekocht werden. Nach einiger Zeit gewöhne man sich auch an den salzarmen Geschmack. Wer es schafft dauerhaft den Salzkonsum auf etwa fünf bis sechs Gramm Kochsalz täglich zu reduzieren, könne auch den Blutdruck um bis zu 7 mmHg senken. Der Unterschied zeige sich nach drei bis vier Wochen.

Auch Sport kann sich positiv auswirken: Hildebrandt empfiehlt mäßigen Ausdauersport wie Walken, Radfahren oder Schwimmen. Drei- bis viermal wöchentlich jeweils 30 Minuten müssten Hypertoniker absolvieren, um langfristige Effekte zu erreichen. Dabei müsse das Programm nicht zwingend am Stück durchgehalten werden. Auch zweimal 15 Minuten pro Tag seien in Ordnung, erklärt Martinez. Um bis zu 10 mmHg kann der Blutdruck auf diese Weise reduziert werden.

Der Griff zur Zigarette ist bei Hpertonie ein absolutes Tabu.

Auch der Alkoholkonsum muss eingeschränkt werden. Nach Hildebrandt entstehen rund 15 Prozent aller Hypertonien aufgrund erhöhten Alkoholgenusses.

Vor allem Bluthochdruck-Patienten mit Stresspersönlichkeit wird empfohlen, für mehr Entspannung in ihrem Leben zu sorgen – beispielsweise mit Autogenem Training, Yoga oder Chi-Gong. «Machen Sie Dinge, die Ihnen gut tun und die Nerven stärken», rät Delius.

Hoher Blutdruck triti in bestimmten Familien gehäuft auf. Wenn der Vater oder die Mutter bereits unter Hypertonie leiden, gehöre das Kind zur Risikogruppe, erklärt Delius und rät zur Vorbeugung.
Bei genetischer Belastung sei frühzeitige Vorbeugung zu empfehlen – durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung und regelmäßigen Sport.

Nahrungsergänzungsmittel bringen nichts, Knoblauch aber schon

Nahrungsergänzungsmittel bringen den Fachleuten zufolge nichts. Sie können sogar riskant sein und den Bluthochdruck zusätzlich steigern. Anstelle von dubiosen Pillen sollten Hypertoniker besser zu frischem Knoblauch greifen: Eine amerikanische Studie habe gezeigt, dass 2,7 Gramm pro Tag den Blutdruck senken, erklärt Ursula Hildebrandt von der Deutschen Sporthochschule Köln. Auch dunkler Schokolade mit hohem Kakaogehalt wird ein blutdrucksenkender Effekt nachgesagt. Mehr als ein Riegel täglich sollte es jedoch nicht sein.

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_1013_anders-leben-dann-sinkt-der-bluthochdruck-ohne-medikamente.html

Kommentar & Ergänzung:

Bluthochdruck ist kein einfaches Thema für die Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde.

Sehr zu Recht legt die Meldung das Hauptgewicht auf die Beeinflussung des Lebensstils. Heilpflanzen können hier nur ergänzend zum Einsatz kommen. Immerhin wird Knoblauch positiv erwähnt.

Siehe dazu auch:

Phytotherapie: Knoblauch kann zur Blutdrucksenkung beitragen

Hinweise auf eine günstige Wirkung bei Bluthochdruck gibt es auch bei der Karkade.

Siehe dazu:

Karkade-Tee senkt systolischen Blutdruck

Karkadentee ist angenehm zu trinken und frei von den „sozialen Nebenwirkungen“, die mit der hochdosierten Einnahme von Knoblauch verbunden sein können.

Zur dunklen Schokolade: Es muss Schokolade mit wirklich hohem Kakaoanteil sein. Meines Wissens mindestens 70%. Die meisten dunklen Schokoladen liegen tiefer.

Zum Kochsalz: Offenbar spielt Kochsalz nicht bei allen Menschen mit Hypertonie eine gleich wichtige Rolle. Es lohnt sich aber, über mindestens vier Wochen zu testen, ob der Blutdruck durch eine Kochsalzreduktion sinkt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Mittwoch, November 24th, 2010

Extrakte aus der Passionsblume sind wirksam bei nervöser Unruhe, leichten Einschlafstörungen und nervös bedingten Magen-Darm-Beschwerden. Auf diese günstigen Wirkungen der Passionsblume weist nun der Studienkreis «Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen» an der Universität Würzburg hin.

Der Studienkreis hat die Passionsblume darum jetzt zur Arzneipflanze des Jahres 2011 gewählt. Untersuchungen am Menschen hätten außerdem gezeigt, dass Extrakte der Pflanze ‘Passiflora incarnata’ gut angstlösend wirken. Anders als bei zahlreichen Psychopharmaka komme es dabei nicht zugleich zu muskelentspannenden Effekten. Deshalb sei die Passionsblume ein alltagstaugliches Beruhigungsmittel, das sich speziell tagsüber gut einsetzen lassen.

Zugleich habe sie die wohl schönste Blüte der Welt, erklärt der Studienkreis, dem Experten aus Medizingeschichte, Medizin, Pharmazie und Biologie angehören.

Am wirksamsten sind den Fachleuten zufolge Extrakte aus den Blättern. Welche Inhaltsstoffe für die Wirkung verantwortlich sind, sei bislang unklar. Vermutet werde jedoch, dass die Hauptwirkung auf großen in der Heilpflanze enthaltenen Molekülketten, den sogenannten Flavonoiden, beruht. Zu den beruhigenden und angstlösenden Wirkungen komme es, weil im Nervensystem bestimmte Botenstoffe gehemmt werden.

Ursprünglich stammt die Passionsblume aus den tropischen Regenwäldern Mittel- und Südamerikas. Bekannt sind mehr als 400 Passionsblumen-Arten, viele davon haben essbare Früchte. Im Handel spielt den Angaben zufolge jedoch nur die Maracuja der ‘Passiflora edulis’ eine Rolle. Der Studienkreis an der Universität Würzburg wählt seit 1999 eine Arzneipflanze des Jahres, die eine «interessante Kultur- und Medizingeschichte aufweisen» soll. Ihre Wirkung muss durch wissenschaftliche Studien belegt sein. Die Arzneipflanze des Jahres 2010 ist Efeu (Hedera helix).

http://de.news.yahoo.com/26/20101123/thl-passionsblume-beruhigt-und-lst-ngste-b930478.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Passionsblume scheint mir eine gute Wahl. Sie gehört in der Phytotherapie zu den wichtigen Heilpflanzen für die Linderung von Schlafstörungen, Unruhe und Ängstlichkeit. Allerdings wird Passionsblume eher selten für sich allein eingesetzt – als Monopräparat, sondern in Kombinationspräparaten zum Beispiel zusammen mit Baldrian (Valeriana officinalis), Hopfen (Humulus lupulus), Melisse (Melissa officinalis) oder Pestwurz (Petasites hybridus). Bei solchen Kombinationspräparaten lässt sich nicht feststellen, welchen Anteil an der Wirkung eine Einzelkomponente wie Passionsblumen-Extrakt hat.

Weitere Infos zur Wirkung von Passionsblume:

Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

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Mistel-Therapie gegen Krebs – wirksam?

Mittwoch, November 24th, 2010

Die Krebsbehandlung mit Mistelpräparaten ist beliebt. Fachleute sind allerdings skeptisch: Die Wirksamkeit der Misteltherapie ist nicht belegt.

Den Anstoß zur Therapie von Krebserkrankungen mit Mistelpräparaten gab der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, im Jahr 1916.

1917 entwickelte die Ärztin Ita Wegman das erste Mistelpräparat – seitdem hat sich die Mistelbehandlung zur häufigsten alternativen Krebsbehandlungsmethode im deutschsprachigen Raum entwickelt.

In der Schweiz liegen dem Bundesamt für Gesundheit zurzeit Gesuche von fünf Methoden der Komplementärmedizin vor, in denen es um deren Aufnahme in die Grundversicherung der Krankenkassen geht.

Laut Krankenversicherungsgesetz müssen die Methoden wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein, um in die Grundversicherung aufgenommen zu werden (WZW-Kritierien).

Für die Anthroposophische Medizin ist dabei die Misteltherapie zentral, weil zu dieser viele Studien vorliegen, die nach Ansicht der Anthroposophen die Wirksamkeit belegen. Die Vertreterinnen und Vertreter der Anthroposophischen Medizin sind jedenfalls überzeugt, dass ihr Gesuch die  WZW-Kriterien belegt. So schreibt zum Beispiel Danielle Lemann, Fachärztin FMH für Allgemeine und Anthroposophische Medizin, in einem Leserbrief im Tages-Anzeiger vom 13. 10. 2010:

„Der neue Antrag ans Bundesamt für Gesundheit (BAG) enthält einen fundierten Wirksamkeitsnachweis, selbst der von den Schulmedizinern geforderte Doppelblindversuch ist gebührlich berücksichtigt.“

Das scheint mir Wunschdenken zu sein. Bezüglich der Misteltherapie jedenfalls fällt die Bewertung durch Fachleute nicht so eindeutig aus.

Aus Studien lassen sich Hinweise darauf finden, wonach Misteltherapie das Immunsystem stärken und die Lebensqualität verbessern kann.

„In der Regel wird dem Patienten während oder nach einer konventionellen Krebstherapie täglich ein Mistelpräparat unter die Haut gespritzt. Dabei finden Mistelpräparate unterschiedlicher Wirtsbäume Verwendung“(1), erklärt Gunver Kienle, Ärztin am Institut für angewandte Erkenntnistheorie und medizinische Methodologie (IFAEMM) in Freiburg.

„Die Behandlung kann über einige Wochen, aber auch über Jahre erfolgen – häufig mit dem Ziel, den Organismus und das Immunsystem zu stärken und möglicherweise auch das Tumorwachstum zu reduzieren.“(1)

Paradoxerweise gehört die Mistelbehandlung zwar zu den am besten erforschten Behandlungsansätzen der Komplementärmedizin, eine eindeutige Aussage über ihre Wirksamkeit lässt sich aber bis heute nicht treffen. „Nach streng wissenschaftlichen Kriterien, die man auch bei der Überprüfung neuer Medikamente anlegen würde, lässt sich bisher keine verlässliche Wirkung auf das Tumorwachstum oder die Überlebenszeit bei Krebspatienten nachweisen“(1), stellt Markus Horneber fest, Leiter der Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie am Klinikum Nürnberg.

Gemeinsam mit Forschern aus Berlin, Freiburg und München hat der Mediziner im Jahr 2008 Studien zur Misteltherapie aus den letzten 30 Jahren analysiert. Gerade einmal 21 zuverlässige Untersuchungen spürten die Wissenschaftler auf. Sie deuten allerdings auf eine Verbesserung der Lebensqualität und eine generell gute Verträglichkeit der Mistelbehandlung hin.

„Insgesamt ist es schwierig, eine Gesamtaussage über die Wirksamkeit von Mistelextrakten zu treffen, denn die Studien zu diesem Thema unterscheiden sich stark in ihrer Methodik, den verwendeten Mistelextrakten und der Art der Anwendung“(1), erläutert Horneber. „Allerdings zeigen vielfache ärztliche Erfahrungen, dass Mistelextrakte durchaus Wirkungen haben, zum Beispiel auf das Immunsystem.“(1)

Dies zeigten auch die Untersuchungen von Gunver Kienle, die sich seit 1994 wissenschaftlich mit der Mistelbehandlung beschäftigt. „Aus tierexperimentellen Studien wissen wir, dass Mistelextrakte Immunprozesse stimulieren, was eine Relevanz für die Tumorabwehr hat“, berichtet Kienle. „Weiterhin wurde auch ein direkter hemmender Einfluss auf das Wachstum von Krebszellen dokumentiert.“(1)

Für eine längere Überlebenszeit von Krebspatienten oder eine Rückbildung von Tumoren hat aber auch Kienle keine definitiven Belege gefunden. „Allerdings zeigt sich in vielen Studien, dass die Therapie die Lebensqualität der Patienten verbessern kann: Sie fühlen sich kräftiger und weniger müde, haben weniger Infekte und berichten über weniger Übelkeit, Angst und niedergeschlagene Stimmung”(1), sagt die Forscherin.

In einigen Studien haben Wissenschaftler die Mistelextrakte auch direkt in oder um den Tumor gespritzt und dabei offenbar eine Verkleinerung beobachtet. „Allerdings sind Mistelpräparate für diese Applikation nicht zugelassen, so dass sie nur in sorgfältig kontrollierten Untersuchungen eingesetzt werden sollten“, erklärt Kienle. „Um die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Anwendung zu überprüfen, sind wesentlich mehr Untersuchungen notwendig.“(1)

In einem Interview äusserte sich kürzlich auch Dr. med. Jutta Hübner zur Misteltherapie. Sie leitet die Palliativmedizin, die komplementäre und supportive Onkologie am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main. Auf die Frage, was sie von der umstrittenen Misteltherapie halte, antwortet die Expertin:

„Ich empfehle sie nicht, weil mir die im Moment vorhandenen Daten nicht ausreichen. Möchte eine Patientin gerne Mistel nehmen, kann ich sie über die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse informieren. In einigen Fällen, wie zum Beispiel bei Leukämien und Lymphomen, sollte eine Misteltherapie nicht angewendet werden. Bei Patientinnen, die nach einer Chemotherapie dann einen Versuch mit einer Misteltherapie machen möchten, um ihre Lebensqualität zu verbessern, spricht meist nichts dagegen.“ (2)

In der Zeitschrift „Der Hausarzt“ schreibt Dr. med. Berthold Musselmann,

Facharzt für Allgemeinmedizn mit Ausbildung in Naturheilverfahren:

„ Der subkutane, seltener der intravenöse Einsatz bei Krebs als komplementäre und palliative Therapie wirkt leistungssteigernd, stimmungsverbessernd und immunstimulierend.  Eine Lebensverlängerung bei Krebserkrankungen durch Mistel konnte in Studien allerdings nicht nachgewiesen werden.“ (3)

Die Cochrane Collaboration erstellt systematische Übersichtsarbeiten (systematic reviews) zur Bewertung von medizinischen Therapien.

Zur Misteltherapie existiert ein Cochrane Database of Systematic Reviews 2008:

„Studien zeigen verbesserte Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen während der Chemotherapie durch standardisierte Mistelextrakttherapie. Diese Daten müssen bestätigt werden!” (4)

Selbst die Verbesserung der Lebensqualität ist also noch ungenügend gesichert.

Und hier die Zusammenfassung einer neueren Cochrane Übersichtsstudie von 2010 aus der Österreichischen Apothekerzeitung:

„Ein Cochrane Review (Horneber M, 2010) analysierte Studien zu Wirksamkeit, Verträglichkeit und Sicherheit von Mistelpräparaten bei Krebspatienten. Die betrachteten Endpunkte der eingeschlossenen Studien (21; 3484 Patienten) waren u.a. Gesamtüberleben, Tumoransprechen, Lebensqualität und diverse psychologische Outcome-Parameter. Die Autoren schlussfolgern, dass die vorliegende Evidenz schwach ist, um die Annahme zu unterstützen, dass Mistelextrakte einen Einfluss auf die Gesamtüberlebenszeit haben, die Fähigkeit, den Krebs zu bekämpfen, erhöhen und die Verträglichkeit konventioneller Krebstherapien verbessern. Es gibt Evidenz zu einem positiven Einfluss standardisierter Mistelpräparate auf die Lebensqualität von Patientinnen mit Mammakarzinom und Chemotherapie. Die meisten Studien hatten jedoch methodische Schwachstellen, die laut amerikanischem National Cancer Institute (NCI), Zweifel an der Richtigkeit und Verallgemeinerbarkeit aufkommen lassen: geringe Patientenzahlen, hohe Therapieabbruch-Raten, inadäquate Kontrollgruppen und Randomisierung, Unklarheiten zur Dosierung und Anwendungsart sowie häufige Subgruppenanalysen. Aufgrund der vorliegenden Evidenz empfiehlt das NCI die Anwendung von Mistelpräparaten nur im Rahmen kontrollierter klinischer Studien (NCI PDQ Mistletoe extracts).“ (5)

Quellenangaben:

(1) http://www.welt.de/gesundheit/article10529435/Misteln-gegen-Krebs-Humbug-oder-Heilsbringer.html

(2) http://www.apotheken-umschau.de/Brustkrebs/Brustkrebs-Was-kann-ich-selbst-tun-77401.html

(3) Der Hausarzt, 2010/14:  31-36, http://www.springermedizin.de/abc-der-klassischen-phytotherapie/275054.html

(4) Quelle: http://www.tumorzentrum.uk-erlangen.de/e1846/e3928/e4113/inhalt4749/Sinnvolletherapiebegleitende_20100707.pdf

(5) Quelle: http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-25.pdf,  Österreichische Apothekerzeitung 25 / 2010,   Autor:   Mag. pharm. Gunar Stemer

Kommentar & Ergänzung:

Rudolf Steiner prophezeite, dass die Mistel das Messer des Chirurgen einst ersetzen würde. Schaut man sich die Bewertungen der Studienlage durch die zitierten Fachleute an, scheint dieser Anspruch doch sehr überzogen. Und es handelt sich dabei nicht um Experten, die der Komplementärmedizin feindlich gesinnt sind. Das IFAEMM in Freiburg, an dem Gunver Kienle arbeitet, ist gar ein anthroposophisches Institut.

Für den Entscheid, ob man als Tumorpatientin oder Tumorpatient eine Misteltherapie nutzen will oder nicht, scheint mir die Kenntnis dieser Bewertungen wichtig.

Kennen sollte man mögliche Stärken bezüglich Verbesserung der Lebensqualität, aber auch die deutliche Schwäche wenn es um den Nachweis einer  Verlängerung der Lebenszeit geht. Informiert werden sollten Krebspatienten auch über die von Jutta Hübner, erwähnte Einschränkung, dass Mistelpräparate bei einigen Tumorarten wie zum Beispiel Leukämien und Lymphomen nicht angewendet werden sollten.

Wichtig zu wissen ist auch: Wenn Gunver Kienle von einem dokumentierten, direkten hemmenden Einfluss der Mistel auf das Wachstum von Krebszellen spricht, dann handelt es sich dabei um Laborexperimente an isoliertem Gewebe. Ob ein solcher Effekt auch im krebskranken Menschen stattfindet, ist damit keineswegs klar. Im Labor lassen sich sehr oft Wirkungen beobachten, die im lebenden Organismus nicht zu erzielen sind.

Dass Krebspatienten jede mögliche Therapieoption prüfen, ist sehr gut verständlich. Eine Stärke der Misteltherapie scheint mir darin zu liegen, dass sie ein Gefühl der Unterstützung vermittelt. Chemotherapien sind sehr einschneidend, aggressiv und von vielfältigen Nebenwirkungen begleitet. Sie als positive, hilfreiche Heilmittel zu erleben, dürfte dadurch vielen Betroffenen nicht leicht fallen. Die Misteltherapie bietet hier ein ganz anderes Konzept. Hier wird ein Mittel angeboten, das als gut verträglicher, unterstützender Helfer erlebt werden kann. Dass dieser zusätzliche positive Support wertvoll für Krebspatienten sein kann, scheint mir auf der Hand zu liegen.

Die Misteltherapie wird von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt, auch wenn dafür eine gesetzliche Grundlage nicht ersichtlich ist und der Wirksamkeitsnachweis nie erbracht wurde. Präparate der Anthroposophischen Medizin sind genauso wie Präparate der Homöopathie vom Wirksamkeitsnachweis pauschal befreit.

Ob Heilmittel der Komplementärmedizin aus der Grundversicherung bezahlt werden oder nicht, ist ein Entscheid, der unabhängig bleibt vom jetzt bevorstehenden BAG-Entscheid, welche Komplementärmedizin-Methoden von der Grundversicherung bezahlt werden sollen.

Hoch problematisch ist meines Erachtens, dass die Anthroposophische Medizin regelmäßig “Präkanzerosen” (= Vorstadium eines Krebses) als Ergebnis eines “Blutkristallisationstests” diagnostiziert, von dem völlig ungeklärt ist, ob er überhaupt etwas relevantes aussagt. Konkret besteht hier ein Risiko, dass nicht existierende Krebskrankheiten „entdeckt“ werden. Als Folge dieser angsterzeugenden Diagnose wird den Patienten in der Regel und rein vorsorglich zu Mistelinjektionen geraten. Mit den dabei meisteingesetzten Mistel-Präparaten “Iscador” (Weleda) und “Iscucin” (Wala), werden Millionenumsätze erzielt. Es besteht hier die Gefahr, dass Menschen durch die Anthroposophische Medizin medikalisiert werden: Es wird ihnen ein (real nicht vorliegender) Krankheitsbefund unterschoben, der anschliessend therapiert wird.

Wer sich für eine Misteltherapie interessiert, sollte meines Erachtens auch wissen, dass die Anthroposophische Medizin Krebserkrankungen mit Deutungen belegt, die durchaus fragwürdig sind.

Rudolf Steiner sprach nach Aussagen von Johannes Hoffmann, dem früheren ärztlichen Leiter der „Lukas Klinik zur Behandlung Geschwulstkranker auf anthroposophischer Erkenntnisbasis“, in den späteren Jahren vom Krebs immer als von einer ahrimanischen Erkrankung. Und die Mistel „mit ihrer Fähigkeit, Entzündungen hervorzurufen, hat mindestens ebenso viele luziferische wie ahrimanische Anteile, wenn man das überhaupt so formulieren will.“

(Quelle: http://www.windstosser.ch/museum/manuskript/allgem_u_historisch/6_1.pdf).

Ahriman (6) und Luzifer sind zwei anthroposophische Widersachermächte.

Rudolf Steiner in einem Vortrag zum Thema Ahriman und Karzinombildung:

“Denn nehmen Sie einmal an, es gelingt den ahrimanischen Mächten, im menschlichen

physischen Körper einen Sieg zu erringen über die luziferischen Mächte, über diejenigen Mächte, die den Menschen ganz durchsetzen wollen mit dem, was nur an der Oberfläche in den Sinnen sein soll, dann verfällt der Mensch durch diesen Sieg der ahrimanischen Mächte in solche Erkrankungen, wie Geschwulstbildungen, Karzinombildungen oder Stoffwechselkrankheiten, wie Diabetes, Zuckerkrankheit.

Wenn irgendwo in einer physichen Menschennatur diese Krankheiten auftreten, dann hat Ahriman gegen Luzifer einen Sieg errungen, der aber damit verknüpft ist, dass die physische Natur des Menschen zeitweilig ruiniert ist. Dann taugt diese physische Natur dem Ahriman nicht dazu, die Instinkte, Triebe herauszureissen und sein eigenes Geschlecht daraus zu bilden. Daraus bekommen Sie eine vielleicht paradoxe, aber richtige Ansicht von der Krankheit. Sie ist in vielen Fällen das einzige Mittel der guten Mächte, den Menschen vor den Fängen von Ahriman zu retten.”

(GA 218, Vortrag 16. 11. 1922))

Es steht jedem Menschen frei, solche Geistergeschichten zu glauben, doch wäre es meines Erachtens aus Gründen der Transparenz wünschenswert, wenn die Anthroposophische Medizin die Voraussetzungen, von denen aus sie operiert, offen legen würde. Das gilt auch für einen zweiten zentralen Glaubenssatz der Anthroposophischen Medizin, der Überzeugung, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in einem früheren Leben verursacht werden. Diese Aspekte der Anthroposophischen Medizin müssten in der Öffentlichkeit diskutiert werden, wenn es um die Frage geht, ob dieser Ansatz von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden soll.

Weiter Info:

Abstimmung Komplementärmedizin – kritische Fragen an Simonetta Sommaruga zur Förderung der Anthroposophischen Medizin

Komplementärmedizin-Abstimmung: Kritische Fragen zur anthroposophischen Medizin

Anthroposophische Pflege – offene Fragen

(6) Die Anthroposophie sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen Luzifer bildet. Der Mensch müsse in sich mit Christi Hilfe die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten.

Ahriman sei ein Geist, begabt mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten Intelligenz, die er jedoch begierig in sich verschließe. Im Gegensatz zu Luzifer erscheine er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewusstsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Einführungskurs Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Mittwoch, November 24th, 2010

Die wichtigsten Heilpflanzen im Überblick

Weiterbildung am 15. Februar 2011 in Winterthur

Leitung: Martin Koradi

Dieses Tagesseminar bietet eine Einführung in die Wirkungen und Anwendungsbereiche der wichtigsten Heilpflanzen. Vorgestellt werden Heilpflanzen aus den Bereichen Herz-Kreislauf, Verdauungstrakt, Niere-Blase-Prostata, Schlaf und Psyche, Rheuma und Frauenheilkunde. Kommentiert und vorgestellt werden zudem fundierte Heilpflanzen-Bücher.

Teilnehmende

Als Zielgruppe sprechen wir mit den Tagesseminaren Phytotherapie vor allem Berufsleute aus der Krankenpflege an – aus Spitex, Pflegeheim und Klinik. Die Seminare sind aber gut verständlich, so dass Personen ohne medizinische Vorkenntnisse genauso daraus Nutzen ziehen. Ebenso willkommen sind Teilnehmende aus Naturheilkunde und Medizin.

Kurszeiten

10.00 – 12.30 Uhr und 13.40 -17.10 Uhr, die Kurszeiten sind abgestimmt auf die Zugverbindungen.

Kursort

Kulturzentrum “Alte Kaserne” in Winterthur. Die “Alte Kaserne” liegt 15 Fussminunten vom HB Winterthur.

Verschiedenes:

Kosten Fr. 120.-

Weitere Informationen zum Phytotherapie-Tagesseminar

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