Phytotherapie: Infektabwehr aus der Natur

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Während sich Fachleute darüber uneins sind, ob chemisch-synthetische Expektoranzien (= auswurffördernde, schleimlösende Hustenmittel) tatsächlich wirksam sind, ist der Wurzelextrakt der südafrikanischen Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides, Umckaloabo) mit dem höchsten Evidenzgrad geadelt worden. Eine Metaanalyse der renommierten Cochrane Collaboration von 2008 kommt zum Ergebnis, dass der Einsatz des Extraktes bei Patienten mit akuter Bronchitis auf höchster Evidenz gründet. Gemäss dieser Metastudie war der Spezialextrakt (Umckaloabo®) bei Erwachsenen und Kindern signifikant wirksam, was die Linderung krankheitsspezifischer Symptome wie Sputumproduktion und Husten betrifft.

Allerdings ist bisher wenig darüber bekannt, wie die Wirkung sowohl auf zellulärer als auch auf molekularer Ebene überhaupt zustande kommt. Typische Inhaltsstoffe des Umckaloabo-Extraktes sind Cumarine, einfach phenolische Verbindungen wie Gallussäure und ihre Methylester sowie Gerbstoffe vom Typ der Proanthocyanidine. Das Cumarin Umckalin kommt nur in Pelargonium sidoides vor und ermöglicht damit eine sichere Unterscheidung zu Pelargonium reniforme.

Der Pelargonium-Extrakt soll sekretomotorisch (= auswurffördernd), antibakteriell und antiviral wirken können. In-vitro-Prüfmodelle belegen in der Tat eine Frequenzsteigerung der Zilien (= Flimmerhärchen), was den Abtransport von Schleim und Erregern aus den Atemwegen ankurbelt. In-vitro-Modelle zeigen auch, dass der Umckaloabo-Extrakt die bakterielle Erregerlast reduziert; jedoch ist sein bakteriostatischer Effekt bei Weitem nicht so stark wie der von Antibiotika. Die indirekte antibakterielle Wirkung dürfte wichtiger sein: Der Umckaloabo-Extrakt hemmt nämlich nicht nur die Adhäsion (= Anheftung), sondern auch die Internalisierung von Bakterien und verhindert somit zu einem gewissen Grad deren Invasion in die Submukosa. Zudem scheint der Pelargoniumwurzelextrakt immunmodulierende Eigenschaften zu besitzen. Er ist in der Lage, in vitro (= im Reagenzglas, im Labor) die Interferonsynthese zu steigern und die Funktion der Phagozyten zu verbessern. Wichtig: Trotz dieser Effekte auf das Immunsystem besitzt Umckaloabo® keine Zulassung als Immunstimulanz oder zur vorbeugenden Einnahme von grippalen Infekten.

Der Pelargonium-Wurzelextrakt ist in Form von Tropfen und Filmtabletten im Handel. Die Tropfen sind wegen ihrer guten Verträglichkeit schon für Kinder ab einem Jahr zugelassen. Patienten mit verstärkter Blutungsneigung und schweren Leber- und Nierenerkrankungen sollten den Umckaloabo-Extrakt nicht einnehmen. Dabei handelt es sich allerdings um eine reine Vorsichtsmaßnahme, die sich nicht mit den Inhaltsstoffen von Pelargonium sidoides begründen lässt.

Der Extrakt enthält zwar Cumarine und in dieser Stoffklasse gibt es auch Vertreter mit lebertoxischer Wirkung und mit Einfluss auf die Blutgerinnung.

Die Cumarine mit lebertoxischer und auch die mit antikoagulativer (blutgerinnungshemmender) Wirkung unterscheiden sich strukturell von den im Umckaloabo-Spezialextrakt enthaltenen 7-Hydroxycumarinen.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=35352&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Wichtig ist an diesem Punkt als Ergänzung: Im Internet, aber auch in Apotheken und Drogerien, werden sehr oft Umckaloabo-Präparate angeboten, deren Wirksamkeit in keiner Weise geklärt ist. Die Cochrane-Untersuchung bezieht sich nicht auf solche „wilden“ Trittbrettfahrer. Konsumentinnen und Konsumenten von Naturheilmitteln müssten einiges an Wissen mitbringen, damit sie fundierte, seriöse Produkte von „Schrott“ unterscheiden könnten.

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