Kinderheilkunde: Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten

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Eltern verlangen heute vermehrt nach natürlichen Alternativen in der Behandlung ihrer Kinder. Heilpflanzen-Präparate kommen diesem Bedürfnis entgegen. Prof. Karin Kraft hat sich in der Zeitschrift „ Kinderärztliche Praxis“ zur Anwendung von Heilpflanzen-Präparaten aus der Phytotherapie bei Atemwegserkrankungen bzw. Erkältungskrankheiten geäussert. Hier eine kleine  Zusammenfassung:

Zum Therma „Fieberhafte Infekte“ schreibt Karin Kraft:

„Pflanzliche Medikamente sind für die symptomatische Therapie von akuten fieberhaften Infekten im Kindesalter hervorragend geeignet. Bei frühzeitigem Beginn und Beachtung der Anwendungsbeschränkungen lassen sich Komplikationen eines akuten grippalen Infektes bei gleichzeitig sehr guter Verträglichkeit verhindern. Die Linderung der Beschwerden steht bei der Therapie im Vordergrund. Bei den ersten Infektzeichen kann eine Schwitzkur durchgeführt werden. Dazu gehören ein heißes Bad mit langsam steigender Temperatur und eine Nachruhe, bei der heiße Tees getrunken werden und das Kind in warme Decken eingehüllt wird. Holunderblüten und Lindenblüten sind die wichtigsten schweißtreibenden Drogen. Sie werden als heiße Tees beim banalen Infekt eingesetzt. Als Badeextrakte und für ansteigende Fuß- und Armbäder eignen sich ätherische Öle wie Thymianöl, Eukalyptusöl oder Nadelholzöle.“

Anmerkung: Die Bezeichnung „Drogen“ meint im Bereich der Phytotherapie „getrocknete Heilpflanzen“ und hat nichts mit der verbreiteten Bedeutung  im Sinne von Rauschmittel zu tun.

„Für Infekte der oberen Atemwege eignet sich besonders die Inhalation von ätherischen Ölen, für die unteren Hustentropfen oder -sirup.

Phytotherapeutika wirken bei Atemwegserkrankungen in erster Linie symptomatisch…“

In diesem symptomatischen Bereich empfiehlt Karin Kraft:

– schleimhautabdeckend und indirekt antitussiv (hustenreizstillend): Schleimdrogen wie zum Beispiel Eibischwurzel, Malvenblüten, Isländisch Moos.

– sekretolytisch, sekretomotorisch (auswurffördernd): Saponindorgen wie zum Beispiel Efeublätter, Primelwurzel, Schüsselblumenblüten.

– entzündungswidrig: zum Beispiel Eukalyptusöl, Kamillenblüten, Myrtol.

– bronchospasmolytisch (krampflösend auf die Bronchien): zum Beispiel Eukalyptusöl, Myrtol.

„…einige Pflanzen haben zudem spezifische kausale Wirkungen“.

Kraft nennt dazu folgende Beispiele:

– virustatisch: zum Beispiel Thymianöl.

– antibakteriell: zum Beispiel Anisöl, Kamillenöl, Pfefferminzöl, Thymianöl.

– immunmodulierend: zum Beispiel Kamillenöl, Kraut des roten Sonnenhutes.

Ausserdem empfiehlt sie eine ganze Anzahl von Heilpflanzen mit ätherischen Ölen:

„Anisfrüchte, Eukalyptusblätter, Fenchelfrüchte, Fichtennadeln, Kamillenblüten, Kiefernnadeln, Pfefferminzblätter und -öl, Salbeiblätter und Thymiankraut. Auch das Myrtol, eine Mischung aus ätherischen Ölen, ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Ätherische Öle wirken je nach ihrer Zusammensetzung antiphlogistisch, antibakteriell, antimykotisch, bronchospasmolytisch, expektorierend und sedativ. Sie haben eine reflektorische Wirkung direkt über den N. trigeminus und wirken über eine Reizung von afferenten Magennerven nach oraler Aufnahme indirekt expektorierend. Indikationen sind banale Infekte, Husten, Bronchitis, Sinusitis (Kamillenblüten) und virale Tonsillitis (Salbeiblätter).“

Karin Kraft beschreibt hier den sogenannten „gastropulmonalen Reflex“, der zu auswurffördernden, schleimlösenden Effekten führen soll.

(expektorierend= auswurffördernd; antimykotisch = pilzhemmend; antiphlogistisch = entzündungswidrig; Sinusitis = Nasennebenhöhlenentzündung; Tonsillitis = Mandelentzündung)

Ausserdem beschreibt Prof. Kraft die Wirkungsweise der verschiedenen Inhaltsstoffe:
– „Saponindrogen senken die Oberflächenspannung des Sputums und stimulieren die Flimmerzellen. Sie wirken sekretolytisch, sekretomotorisch, antiphlogistisch, bakteriostatisch und antimykotisch. Sie werden v. a. bei Husten und Bronchitis eingesetzt. Als pflanzliche Drogen werden unter anderem Efeublätter, Primelwurzel, Schlüsselblumenblüten und Süßholzwurzel verwendet.“

– „Schleimstoffdrogen enthalten Polysaccharide aus Monosaccharinen, Glukuron- und Galakturonsäuren und Arabinogalaktanen. Sie bilden bei Kontakt mit Wasser durch Aufquellen abdeckende, kolloidale Lösungen. Sie wirken schleimhautprotektiv, reizlindernd und antiphlogistisch. Indikationen sind trockener Husten, Bronchitis und Tonsillitis. Verwendete pflanzliche Drogen sind u. a.   Eibischblätter und –wurzel, Huflattichblätter, Isländisches Moos, Malvenblätter und –blüten und Spitzwegerichkraut. Sie werden in der Regel als Teegetränk, Extrakt, Sirup, Pastillen und Presssaft verabreicht.“

Ebenfalls erwähnt wird der Umckaloabo-Extrakt:

„Der Extrakt aus den Wurzeln von Pelargonium sidoides weist antimikrobielle und immunmodulierende Wirkungen auf und wird erfolgreich bei verschiedenen akuten und chronischen Infektionen des Hals-Nasen-Ohrenbereiches und der oberen Atemwege eingesetzt. Für Kinder unter 12 Jahren mit akuter oder akut exazerbierter Sinusitis liegt neuerdings auch eine multizentrische prospektive offene Studie vor, die bei nicht antibiotikapflichtigen Fällen eine gute Wirkung zeigte.“

Und abschliessend zum Thema Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung):

„Für die akute und chronische Sinusitis ist die Wirksamkeit einer Kombination aus Enzianwurzel, Primelwurzel, Sauerampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut seit langem in klinischen Studien belegt. Die Kombination wirkt sekretolytisch, antiphlogistisch und abschwellend auf die Schleimhäute und zudem antiviral.“

(antiphlogistisch = entzündungswidrig; sekretolytisch = schleimlösend, sekretlösend)

Quelle:

http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=phytotherapie&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=-1&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=14413&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinderärztliche%20Praxis

Kinderärztliche Praxis, Heft 05, 2008 Jahrgang 79

Rubrik: Fortbildung

Seite: 282-289

Autor: Prof. Dr. med. Karin Kraft

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein guter Überblick der wichtigsten Heilpflanzen-Anwendungen im Bereich Erkältungskrankheiten.

Prof. Dr. med. Karin Kraft ist Inhaberin des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Rostock und eine wichtige Vertreterin der universitären Phytotherapie im deutschsprachigen Raum. Sie veröffentlicht immer wieder fundierte Texte zu Themen aus dem Bereich der Phytotherapie, was sehr zu begrüssen ist, da die Qualität vieler Medienberichte über Heilpflanzen und ihre Wirkungen sehr zu wünschen übrig lässt.

Ergänzend: Efeublätter nicht als Tee, nur als Fertigpräparat (Efeu-Extrakt); Huflattichblätter wegen dem Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden nicht länger als 6 Wochen im Jahr, nicht während Schwangerschaft und Stillzeit, meine Empfehlung: Huflattich generell ersetzen durch Malvenblüten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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