Archive for September, 2010

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen

Donnerstag, September 30th, 2010

Ein Schnelltest soll indische Geier vor dem Aussterben retten.

Auf dem indischen Subkontinent kam es in den letzten fünfzehn Jahren zu einem katastrophalen Geiersterben. Drei Geier-Arten sind inzwischen beinahe ausgestorben. Im Jahr 2004 erkannten US-amerikanische Wissenschaftler als Ursache den Wirkstoff Diclofenac. Der Einsatz dieses Entzündungshemmers in der Veterinärmedizin wurde inzwischen zwar verboten, doch für eine wirkungsvolle Kontrolle des Verbots fehlte bisher ein einfaches Nachweisverfahren. Diese Lücke schließt nun ein von Forschern der Technischen Universität München (TUM) entwickelter Schnelltest.

Diclofenac wird als Entzündungshemmer in der Humanmedizin seit Jahrzehnten eingesetzt. In den meisten EU-Ländern sind Diclofenac-haltige Medikamente nur für die Behandlung von Menschen erlaubt. In Indien, Pakistan und Nepal jedoch werden sie seit den 90er-Jahren auch in der Tiermedizin eingesetzt, hauptsächlich bei Rindern. Fressen Geier deren Kadaver, so nehmen sie den Wirkstoff Diclofenac auf. Die Populationen von drei Arten dieser Greifvögel – Indischer Geier, Bengalengeier und Schmalschnabelgeier – nahmen in der Folge bis auf drei Prozent ihres ursprünglichen Bestandes ab.

Angesichts dieser Lage verboten die Regierungen der betroffenen Länder 2006 den Einsatz von Diclofenac in der Veterinärmedizin. Zudem wurden Stationen zur Zucht und späteren Auswilderung von Geiern eingerichtet, die von der britischen Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) intensive Unterstützung erhalten. Bis die ersten Geier in die Wildbahn entlassen werden können, dürften allerdings mindestens zehn Jahre vergehen.

Damit die Jungtiere mit Diclofenac-freiem Futter aufgezogen werden können, muss das Fleisch auf mögliche Rückstände der Substanz getestet werden. Dazu sind analytische Nachweismethoden nötig, die auch in den abgelegenen Aufzuchtstationen und von fachlich weitgehend ungeschultem Personal angewendet werden können. Ein solches Verfahren haben Forscher des Lehrstuhls für Analytische Chemie am Institut für Wasserchemie und Chemische Balneologie der TU München nun entwickelt.

Zunächst ging es darum, einen sehr spezifischen Diclofenac-Antikörper zu produzieren, mit dessen Hilfe dann ein hochempfindlicher immunologischer Test zur Bestimmung des Wirkstoffs entwickelt werden konnte. Der Test arbeitet mit miniaturisierten Kunststoff-Mikrotiterplatten und hat den Vorteil, dass er ohne aufwendige Probenbehandlung auskommt, was rasche und kostengünstige Analysen ermöglicht.

Eine Pilotstudie unter Beteiligung der RSPB, der Bombay Natural History Society und des Wildlife Institute of India belegte die Tauglichkeit des Immuntests zur Diclofenac-Bestimmung in tierischem Gewebe. Gegenwärtig wird die Methode in einer indischen Geier-Aufzuchtstation intensiv getestet. Die Methode ist jeoche auch für viele weitere Einsatzfelder geeignet: Das zeigten zum Beispiel Untersuchungen zur Diclofenac-Belastung von Abwässern in Bayern und Österreich. Auch in der Klinik wird der Diclofenac-Antikörper inzwischen zur Erforschung von allergischen Reaktionen auf den Wirkstoff eingesetzt.

„Mit unserem Verfahren vereinfachen wir den Nachweis von Diclofenac in tierischem Gewebe erheblich“, erklärt Professor Dietmar Knopp, dessen Team den Test entwickelt hat. „Das heißt auch, dass mehr Tests gemacht werden können und die Kontrolle besser wird.“ Nun arbeiten die Wissenschaftler mit Unterstützung der RSPB und gemeinsam mit dem Start-up-Unternehmen SENOVA an der weiteren Vereinfachung des Diclofenac-Tests. Ziel ist ein immunologischer Schnelltest für den Einmalgebrauch, der das Vorhandensein des Wirkstoffs innerhalb weniger Minuten anzeigt und keine teuren Auslesegeräte braucht.

Auch in Europa könnte ein solcher diclofenac-Test in naher Zukunft gebraucht werden. Diclofenac, von dem allein in Deutschland jährlich über 80 Tonnen verkauft werden, zählt zu den in Oberflächenwasserproben am häufigsten gefundenen pharmazeutischen Wirkstoffen. „Studien haben nachgewiesen, dass Diclofenac bei Forellen zu Nierenschädigungen führt,“ erklärt Professor Reinhard Niessner, Leiter des Instituts für Wasserchemie der TUM. „Da dieser Stoff nur sehr langsam abgebaut wird, könnte hier Handlungsbedarf entstehen. Wenn zukünftig neue Abwasserbehandlungsverfahren entwickelt und eingesetzt werden, muss es auch einfache Methoden geben, um deren Wirksamkeit zu überwachen“.

Publikation zur immunologischen Detektion von Diclofenac:

Knopp, D., Deng, A., Letzel, M., Himmelbach, M., Zhu, Q.-Z., Peröbner, I., Kudlak, B., Frey, S., Sengl, M., Buchberger, W., Taggart, M., Hutchinson, C., Cunningham, A., Pain, D., Cuthbert, R., Raab, A., Meharg, A., Swan, G., Jhala, Y., Prakash, V., Rahmani, A., Quervedo, M., Niessner, R., “Immunological determination of the pharmaceutical Diclofenac in environmental and biological samples.” In: National Environmental Management of Agrochemicals: Risk Assessment, Monitoring and Remedial Action” ACS Symposium Series, ACS Washington, 2007, Vol. 966, 203-226

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news388208

Weitere Informationen:
http://www.vulturerescue.org Geier-Rettungsprojekt

Kommentar & Ergänzung:

In den letzten Jahren haben sich die Hinweise verdichtet, dass Diclofenac in der Umwelt problematisch werden könnte, da das Molekül sehr langsam abgebaut wird.
Im Gegensatz zu Indien, das ein dramatisches Geier-Sterben erlebt hat, ist die Lage in Mitteleuropa zwar noch nicht dramatisch. Doch sollten wir meines Erachtens die Ereignisse in Indien durchaus als Warnsignal auffassen.
Diclofenac ist in vielen Situationen ein wirksames und wertvolles Medikament gegen Schmerzen und Entzündungen (z. B. bei Rheuma, Arthrose etc.)
Wikipedia listet die wichtigsten Monopräparate auf der Basis von Diclofenac auf:

“Agilomed (A), Algefit (A), Allvoran (D), Arthrex (D), Dedolor (A), Deflamat (A), Deflamm (A), Diclabeta (D), Diclac (D, CH), Difene (A), Difen-Stulln (D, CH), Dolgit-Diclo (D), Dolostrip (A), Dolpasse (A), Ecofenac (CH), Effekton (D), Effigel (CH), Fenisole (CH), Flam-X (CH), Flector (D, CH), Fortenac (CH), Inflamac (CH), Jutafenac (D), Monoflam (D), Olfen (CH), Pennsaid (A), Primofenac (CH), Relowa (CH), Rewodina (D), Sandoz Schmerzgel (D), Solaraze (D, A), Tonopan (CH), Tratul (A), Vifenac (CH), Voltaren (D, A, CH), Voltfast (CH), zahlreiche Generika (D, A, CH).”

Diclofenac undifferenziert zu verteufeln scheint mir Ausdruck von Schwarz-Weiss-Denken. Wo sinnvoll, soll meiner Ansicht nach Diclofenac eingesetzt werden.
Wo Diclofenac aber durch gleichwirksame, nebenwirkungsärmere und umweltverträglichere Alternativen ersetzt werden könnte, scheint mir dies sehr prüfenswert. Hier kommt bei der äusserlichen Anwendung von Diclofenac (z. B. Salbe oder Gel) von den Heilpflanzen vor allem der Beinwell (Wallwurz, Symphytum officinale) ins Spiel.
Eine Beinwell-Salbe hat sich in einer Studie einem Diclofenac-Gel als mindestens ebenbürtig oder gar überlegen gezeigt.
Siehe dazu:
Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Da Beinwell-Salbe ausschliesslich von der Natur „konstruierte“ Wirkstoffe enthält, liegt ihre Umweltfreundlichkeit auf der Hand. Die Natur kann mit Naturstoffen verhältnismässig gut umgehen.

Weitere Argumente für Beinwell-Salbe:

Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Und noch ein Beitrag zum Geier-Sterben in Indien:
Natur als Medikamenten-Deponie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

[Buchtipp] Phytotherapie in der Kinderheilkunde, Ein Handbuch für Ärzte und Apotheker. 110 Original-Monographien d. Kommission E beim BfAM u. 52 Monographien der European Cooperative on Phytotherapy von Heinz Schilcher,Walter Dorsch,

Donnerstag, September 30th, 2010

Verlagsbeschreibung

Aufgrund des guten Nutzen-Risikoverhältnisses und weiterer guter Argumente eignet sich die Phytotherapie in besonderem Maße zur Anwendung in der Kinderheilkunde. Da nur ein Teil der zahlreichen Säuglings- und Kinderkrankheiten mit Phytopharmaka erfolgreich therapiert werden kann, versteht sich das Buch nicht als eine Alternative, sondern als eine Ergänzung der üblichen chemotherapeutischen Behandlungsmaßnahmen. In sorgfältiger Abwägung der Möglichkeiten und Grenzen und unter Berücksichtigung der Erfahrung einiger Pädiater werden 15 Anwendungsgebiete zur äußeren Applikation und 30 Indikationen zur inneren Anwendung besprochen. Der Arzt findet dabei nicht nur viele kassen- bzw. erstattungsfähige Rezepturvorschläge, sondern am Ende jedes Kapitels eine Auswahl bewährter Fertigarzneimittel. Ein besonderer Wert wird auch auf Hinweise zur pharmazeutischen Qualität der Arzneipflanzenzubereitungen gelegt.
Eine arzneimittelrechtliche und zugleich wissenschaftliche Rückendeckung erhält das Buch durch seine Bezugnahme der Vorschläge auf die Drogenmonographien der Sachverständigen-Kommision E beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Berlin (BfArM). Im Anhang werden 110 Original-Monographien abgedruckt. Diese Monographien liefern nicht nur wertvolle Detailinformationen, sondern sie machen das Buch zu einem über die Kinderheilkunde hinausgehenden Handbuch der Phytotherapie mit der zusätzlichen Besprechung zahlreicher Anwendungsgebiete für Erwachsene. Zum Shop

Kommentar:

Phytotherapie in der Kinderheilkunde

Für ein fundiertes Buch über Phytotherapie in der Kinderheilkunde bietet dieses Autorenteam beste Voraussetzungen: Prof. Heinz Schilcher ist bekannt als langjähriger Fachbuchautor im Bereich Phytotherapie. Prof. Walter Dorsch bringt als Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin die pädiatrische Erfahrung mit. Das Buch beschreibt, welche Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) sich für Kinder besonders eignen und welches die jeweils richtige, altersgerechte Dosierung ist.

Bei den äusseren Anwendungen von Heilpflanzen-Präparaten geht es zum Beispiel um Windeldermatitis, Milchschorf, Gneis, Neurodermitis, um Wundbehandlung Verbrennungen, Prellungen, Quetschungen, Verstauchungen, Herpes-Erkrankungen Augenerkrankungen, Candidose der Mundschleimhaut, Ohrenentzündungen.

Im Bereich der innerlichen Heilpflanzen-Anwendungen werden u. a. beschrieben:

- Erkrankungen der Atemorgane wie Katarrhe der oberen Luftwege, Trockener Husten, Husten mit zähflüssigem Schleim, Keuchhusten Schnupfen, Stirnhöhlenentzündung, Erkältungskrankheiten, Immunstimulation.

- Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes wie Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden, Dyspepsien, Flatulenz, Meteorismus, „Dreimonatskoliken“, Durchfall, Verstopfung, Reiseübelkeit,.

- Erkrankungen von Nieren & Blase wie Harnwegsinfekte Reizblase.

- Psychosomatische Störungen: Nervenberuhigungsmittel bei Unruhe, Angstzuständen, Schlafstörungen).

- Schmerzbekämpfung: Spannungskopfschmerz, Wundschmerz, Zahnschmerzen und Zahnungshilfe, Gliederschmerzen, psychisch bedingte Kopfschmerzen, Migräne-Anfälle.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] “Niemand kann seinem Schicksal entgehen..” Kritik an Weltbild und Methode des Bert Hellinger. Hrsg. v. Student. Sprecherrat d. Univ. München

Donnerstag, September 30th, 2010

Verlagsbeschreibung

Bert Hellinger gilt mit seiner besonderen Form der “systemischen Familienaufstellung” als absoluter “Superstar” der Therapieszene – jedenfalls sofern die Anzahl seiner Veröffentlichungen sowie die Zahl der nach seiner Methode arbeitenden “TherapeutInnen” zugrunde gelegt wird. Für die PatientInnen birgt die Behandlung “nach Hellinger” jedoch unwägbare Risiken: der ehemalige Missionar hat (ebenso wie die meisten seiner praktizierenden Anhänger) keine solide therapeutische Ausbildung und verstößt gegen einfachste Regeln der Psychotherapie. Stattdessen propagiert er ein erzreaktionäres Familienbild, in dem die Frau dem Mann untergeordnet ist, Konflikte nicht ausgesprochen werden dürfen und die eigene Situation als Schicksal “angenommen” werden muß. Selbst sexueller Mißbrauch und Vergewaltigung werden auf diese Weise als “Schicksalsereignis” dargestellt, für das der Täter letztlich nicht selbst verantwortlich sei. Seine “Erkenntnisse”, zu denen er nicht aufgrund wissenschaftlichen Studiums gelangt, sondern durch “höhere Eingebungen”, wendet Hellinger nicht nur auf zwischenmenschliche Beziehungen an. Auch die Geschichte interpretiert er nach diesem Strickmuster neu. Insbesondere dienen seine “Erkenntnisse” zur Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus.

Der Band stellt die zentralen Kritikpunkte an Hellingers Menschen- und Geschichtsbild kompakt dar, unterzieht seine Vorstellung von systemischer Therapie einer kritischen Betrachtung und wirft einen Blick auf das Netzwerk seiner Anhänger.

Die dritte, um drei Beiträge erweiterte und stark überarbeitete Auflage stellt die aktuelle Entwicklung bis November 2004 dar: den Prozeß Ruppert/Weber et al., Hellingers vorübergehenden Aufenthalt in Hitlers “Kleiner Reichskanzlei”, die zunehmende Distanzierung bekannter Aufsteller aus dem akademischen Bereich von Bert Hellinger usw. Mit Beiträgen von Claudia Barth, Colin Goldner, Ingo Heinemann, Heiner Keupp, Sabine Pankofer, Wolfram Pfreundschuh, Klaus Weber u.a. Zum Shop

Kommentar:

Niemand kann seinem Schicksal entgehen

In den letzten Jahren hat sich die „Familienaufstellung“ nach Hellinger rasant verbreitet, auch in der Naturheilkunde-Szene. So gibt es zum Beispiel Homöopathinnen und Homöopathen, die mittels Aufstellungen das passende Mittel für ihre Patientinnen und Patienten herausfinden wollen.

Das hinter dieser Methode steckende Weltbild des Bert Hellingen wird in diesen Kreisen kaum in Frage gestellt. Dabei gibt es hier eine ganze Menge von Fragwürdigkeiten.

Hellinger vertritt ein erzkonservativ-patriarchalisches Familienbild, in dem der Mann wieder an der Spitze steht. Und er weiss, wie es richtig zu und her gehen muss in der Familie. Das nimmt vielen verunsicherten Menschen Verantwortung ab. Doch der ehemalige katholische Missionar rechtfertigt in seinen Schriften auch Hitler. Die von den Nazis wegen ihres Widerstandes hingerichteten Geschwister Scholl stellt er moralisch auf die gleiche Stufe wie Hitler. Dass seine AnhängerInnen solche Ungeheuerlichkeiten fraglos schlucken, ist erschütternd und lässt tief blicken. Dass Hellinger mit seinem dogmatischen Anspruch alle Grundregeln einer partnerschaftlichen und dialogischen Psychotherapie verletzt, scheint nicht gross zu stören. Dass weiblichen Opfern von Inzest eine Heilung versprochen wird wenn sie einem Stellvertreter ihres Vaters sagen: „Papi, für dich habe ich es gern getan“, scheint mit zutiefst verantwortungslos. Deshalb ist fundierte Kritik am System Hellinger meines Erachtens sehr nötig.

Das kleine Buch aus dem Alibri-Verlag vereinigt kritische Stellungnahmen verschiedener Autorinnen und Autoren. Passend ist dazu noch, dass es ausgerechnet vom Studentischen Sprecherrat der Geschwister-Scholl-Universität in München herausgegeben wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ausbildungen in Gestaltpsychotherapie, Beziehungstherapie und Gruppendynamik

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[Buchtipp] Philosophie der Lebenskunst, Eine Grundlegung — von Wilhelm Schmid

Donnerstag, September 30th, 2010

Verlagsbeschreibung

Nach Lebenskunst fragen diejenigen, für die sich das Leben nicht mehr von selbst versteht. Der Autor versucht vor allem die grundlegenden Aspekte der Lebenskunst herauszuarbeiten. Die Lebenskunst soll nicht inhaltlich festgelegt, sondern ihre Grundbestandteile thematisiert werden, die im jeweiligen historischen und kulturellen Kontext die Bedingungen ihrer Möglichkeit darstellen und deren konkrete Ausgestaltung den Individuen überlassen bleiben muss.

Portraits Wilhelm Schmid:

Wilhelm Schmid, freier Philosoph, außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt und Gastdozent an der Staatlichen Universität Tiflis (Georgien). Lebt seit 1980 in Berlin. Geboren 1953 in Billenhausen (Bayerisch-Schwaben). Studium von Philosophie und Geschichte in Berlin (FU), Paris (Sorbonne) und Tübingen. Regelmäßige Tätigkeit als “philosophischer Seelsorger” am Spital Affoltern am Albis bei Zürich. Wöchentliche Kolumne “Lebenskunst” in der Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag. Monatliche Kolumne “Lebenskunst” im Filosofie Magazine, Amsterdam
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Kommentar:

Philosophie der Lebenskunst

Dieses Buch von Wilhelm Schmid hat mich sehr angesprochen. Schmid schreibt gut und es ist nicht abgehobene Philosophie, die er ausbreitet. Schmid hat uns heutigen Menschen etwas zu sagen. Das Buch ist dicht geschrieben und ohne BlaBla. Für philosophieferne Menschen ist es vielleicht nicht in allen Passagen leicht verständlich, aber die Lektüre lohnt sich trotzdem. Schwerer verständliche Passagen kann man auch überspringen und von anderen Stellen wieder profitieren. Am einfachsten zu lesen und zu nutzen ist meines Erachtens das Kapitel „Asketik: Übungen und Techniken der Lebenskunst“. Hier geht es zum Beispiel um Themen wie: Das Netz der Gewohnheiten knüpfen. Die Lüste geniessen. Vom Sinn der Schmerzen. Vom Leben mit dem Tod. Die Zeit gebrauchen. Auf den Versuch hin leben. Kunst des Zorns. Kunst der Ironie. Negativ denken. Melancholie. Gelassenheit.

Ein weiteres spannendes Kapitel stellt „Die Frage der Wahl“ ins Zentrum. Es geht um Themen wie:

Haben wir eine Wahl? Vorbereitung der Wahl. Heranreifen der Wahl. Die verschiedenen Arten der Wahl.

Mir persönlich erscheint dieses frühe Buch von Wilhelm Schmid ergiebiger als seine später publizierten Werke. Und wenn Sie mich fragen würden, was ein solches Buch mit dem Thema „Heilpflanzen“ zu tun hat, dann würde ich antworten: Es gibt sehr viele unterschiedliche Aussagen, Ansichten und Behauptungen über Heilpflanzen. Philosophie hilft dabei, sie einzuordnen und zu bewerten, sich eine fundierte Meinung zu bilden, seine eigene Position und Interpretation zu reflektieren, um nicht blind und naiv im grossen Strom mitzuschwimmen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kinderheilkunde: Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten

Mittwoch, September 29th, 2010

Eltern verlangen heute vermehrt nach natürlichen Alternativen in der Behandlung ihrer Kinder. Heilpflanzen-Präparate kommen diesem Bedürfnis entgegen. Prof. Karin Kraft hat sich in der Zeitschrift „ Kinderärztliche Praxis“ zur Anwendung von Heilpflanzen-Präparaten aus der Phytotherapie bei Atemwegserkrankungen bzw. Erkältungskrankheiten geäussert. Hier eine kleine  Zusammenfassung:

Zum Therma „Fieberhafte Infekte“ schreibt Karin Kraft:

„Pflanzliche Medikamente sind für die symptomatische Therapie von akuten fieberhaften Infekten im Kindesalter hervorragend geeignet. Bei frühzeitigem Beginn und Beachtung der Anwendungsbeschränkungen lassen sich Komplikationen eines akuten grippalen Infektes bei gleichzeitig sehr guter Verträglichkeit verhindern. Die Linderung der Beschwerden steht bei der Therapie im Vordergrund. Bei den ersten Infektzeichen kann eine Schwitzkur durchgeführt werden. Dazu gehören ein heißes Bad mit langsam steigender Temperatur und eine Nachruhe, bei der heiße Tees getrunken werden und das Kind in warme Decken eingehüllt wird. Holunderblüten und Lindenblüten sind die wichtigsten schweißtreibenden Drogen. Sie werden als heiße Tees beim banalen Infekt eingesetzt. Als Badeextrakte und für ansteigende Fuß- und Armbäder eignen sich ätherische Öle wie Thymianöl, Eukalyptusöl oder Nadelholzöle.“

Anmerkung: Die Bezeichnung „Drogen“ meint im Bereich der Phytotherapie „getrocknete Heilpflanzen“ und hat nichts mit der verbreiteten Bedeutung  im Sinne von Rauschmittel zu tun.

„Für Infekte der oberen Atemwege eignet sich besonders die Inhalation von ätherischen Ölen, für die unteren Hustentropfen oder -sirup.

Phytotherapeutika wirken bei Atemwegserkrankungen in erster Linie symptomatisch…“

In diesem symptomatischen Bereich empfiehlt Karin Kraft:

- schleimhautabdeckend und indirekt antitussiv (hustenreizstillend): Schleimdrogen wie zum Beispiel Eibischwurzel, Malvenblüten, Isländisch Moos.

- sekretolytisch, sekretomotorisch (auswurffördernd): Saponindorgen wie zum Beispiel Efeublätter, Primelwurzel, Schüsselblumenblüten.

- entzündungswidrig: zum Beispiel Eukalyptusöl, Kamillenblüten, Myrtol.

- bronchospasmolytisch (krampflösend auf die Bronchien): zum Beispiel Eukalyptusöl, Myrtol.

„…einige Pflanzen haben zudem spezifische kausale Wirkungen“.

Kraft nennt dazu folgende Beispiele:

- virustatisch: zum Beispiel Thymianöl.

- antibakteriell: zum Beispiel Anisöl, Kamillenöl, Pfefferminzöl, Thymianöl.

- immunmodulierend: zum Beispiel Kamillenöl, Kraut des roten Sonnenhutes.

Ausserdem empfiehlt sie eine ganze Anzahl von Heilpflanzen mit ätherischen Ölen:

„Anisfrüchte, Eukalyptusblätter, Fenchelfrüchte, Fichtennadeln, Kamillenblüten, Kiefernnadeln, Pfefferminzblätter und -öl, Salbeiblätter und Thymiankraut. Auch das Myrtol, eine Mischung aus ätherischen Ölen, ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Ätherische Öle wirken je nach ihrer Zusammensetzung antiphlogistisch, antibakteriell, antimykotisch, bronchospasmolytisch, expektorierend und sedativ. Sie haben eine reflektorische Wirkung direkt über den N. trigeminus und wirken über eine Reizung von afferenten Magennerven nach oraler Aufnahme indirekt expektorierend. Indikationen sind banale Infekte, Husten, Bronchitis, Sinusitis (Kamillenblüten) und virale Tonsillitis (Salbeiblätter).“

Karin Kraft beschreibt hier den sogenannten „gastropulmonalen Reflex“, der zu auswurffördernden, schleimlösenden Effekten führen soll.

(expektorierend= auswurffördernd; antimykotisch = pilzhemmend; antiphlogistisch = entzündungswidrig; Sinusitis = Nasennebenhöhlenentzündung; Tonsillitis = Mandelentzündung)

Ausserdem beschreibt Prof. Kraft die Wirkungsweise der verschiedenen Inhaltsstoffe:
- „Saponindrogen senken die Oberflächenspannung des Sputums und stimulieren die Flimmerzellen. Sie wirken sekretolytisch, sekretomotorisch, antiphlogistisch, bakteriostatisch und antimykotisch. Sie werden v. a. bei Husten und Bronchitis eingesetzt. Als pflanzliche Drogen werden unter anderem Efeublätter, Primelwurzel, Schlüsselblumenblüten und Süßholzwurzel verwendet.“

- „Schleimstoffdrogen enthalten Polysaccharide aus Monosaccharinen, Glukuron- und Galakturonsäuren und Arabinogalaktanen. Sie bilden bei Kontakt mit Wasser durch Aufquellen abdeckende, kolloidale Lösungen. Sie wirken schleimhautprotektiv, reizlindernd und antiphlogistisch. Indikationen sind trockener Husten, Bronchitis und Tonsillitis. Verwendete pflanzliche Drogen sind u. a.   Eibischblätter und –wurzel, Huflattichblätter, Isländisches Moos, Malvenblätter und –blüten und Spitzwegerichkraut. Sie werden in der Regel als Teegetränk, Extrakt, Sirup, Pastillen und Presssaft verabreicht.“

Ebenfalls erwähnt wird der Umckaloabo-Extrakt:

„Der Extrakt aus den Wurzeln von Pelargonium sidoides weist antimikrobielle und immunmodulierende Wirkungen auf und wird erfolgreich bei verschiedenen akuten und chronischen Infektionen des Hals-Nasen-Ohrenbereiches und der oberen Atemwege eingesetzt. Für Kinder unter 12 Jahren mit akuter oder akut exazerbierter Sinusitis liegt neuerdings auch eine multizentrische prospektive offene Studie vor, die bei nicht antibiotikapflichtigen Fällen eine gute Wirkung zeigte.“

Und abschliessend zum Thema Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung):

„Für die akute und chronische Sinusitis ist die Wirksamkeit einer Kombination aus Enzianwurzel, Primelwurzel, Sauerampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut seit langem in klinischen Studien belegt. Die Kombination wirkt sekretolytisch, antiphlogistisch und abschwellend auf die Schleimhäute und zudem antiviral.“

(antiphlogistisch = entzündungswidrig; sekretolytisch = schleimlösend, sekretlösend)

Quelle:

http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=phytotherapie&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=-1&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=14413&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinderärztliche%20Praxis

Kinderärztliche Praxis, Heft 05, 2008 Jahrgang 79

Rubrik: Fortbildung

Seite: 282-289

Autor: Prof. Dr. med. Karin Kraft

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein guter Überblick der wichtigsten Heilpflanzen-Anwendungen im Bereich Erkältungskrankheiten.

Prof. Dr. med. Karin Kraft ist Inhaberin des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Rostock und eine wichtige Vertreterin der universitären Phytotherapie im deutschsprachigen Raum. Sie veröffentlicht immer wieder fundierte Texte zu Themen aus dem Bereich der Phytotherapie, was sehr zu begrüssen ist, da die Qualität vieler Medienberichte über Heilpflanzen und ihre Wirkungen sehr zu wünschen übrig lässt.

Ergänzend: Efeublätter nicht als Tee, nur als Fertigpräparat (Efeu-Extrakt); Huflattichblätter wegen dem Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden nicht länger als 6 Wochen im Jahr, nicht während Schwangerschaft und Stillzeit, meine Empfehlung: Huflattich generell ersetzen durch Malvenblüten.

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Cannabis: Psychose-Risiko nicht unterschätzen

Mittwoch, September 29th, 2010

Vor psychischen Erkrankungen durch die Anwendung von Cannabis-Medikamenten hat der Psychiater Ekkehard Englert gewarnt. «Zwar kann Cannabis entspannend wirken, Übelkeit reduzieren und den Appetit anregen», erklärte der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Erfurter Helios-Klinikum im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Es bestehe jedoch das Risiko, dabei an Schizophrenie zu erkranken. Mehrere Untersuchungen belegten, dass Cannabiskonsumenten ein zwei- bis dreifach grösseres Risiko haben, eine Psychose zu erleiden.

Gefährdet seien hauptsächlich junge Menschen, weil sich das zentrale Nervensystem bis ins Erwachsenenalter entwickle und deshalb besonders anfällig für die chemische Wirkung berauschender Substanzen sei. Cannabis allein sei allerdings nicht die Ursache für eine Psychose: «Die genetische Veranlagung muss gegeben sein, der Drogenkonsum kann da nur ein Auslöser sein.» Welche Effekte einzelne Substanzen haben, sei bei den meisten Suchtkranken schwer zu messen, weil sie neben Cannabis oft auch andere Stoffe zu sich nähmen.

Schizophrenie ist allerdings keine seltene psychische Erkrankung: Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet daran. Das Alter, in dem die Menschen erstmals an Schizophrenie erkranken, in den vergangenen Jahren gesunken. «Die meisten Menschen erkranken erstmals mit Mitte 20», erklärte Englert. In Deutschland waren im Jahr 2008 137 000 Patienten wegen einer schizophrenen Psychose in Therapie.

Der Experte sieht noch ein weiteres Problem, wenn Cannabis für medizinische Zwecke eingesetzt werden sollte: «Wenn man den Stoff legalisiert, setzt man damit das staatliche Siegel der Ungefährlichkeit drauf – und daran kann kein ernsthaftes Interesse bestehen.» Denn Cannabis sei die Einstiegsdroge Nummer eins, warnte der Experte. Und wer damit positive Erfahrungen mache, werde auch andere Stoffe ausprobieren.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=35207&Nachricht_Title=Nachrichten_Cannabis%3A+Psychose-Risiko+nicht+untersch%E4tzen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema Cannabis polarisiert. Wenn es um Cannabis als Heilmittel geht, sollte meines Erachtens weder dramatisiert noch verharmlost werden.

In bestimmten Bereichen ist Cannabis eine gut dokumentierte, wirksame Heilpflanze, zum Beispiel zur Linderung von Muskelspastik bei Multipler Sklerose. In solchen Fällen steht für mirch ausser Frage, dass Patienten die Möglichkeit haben müssten, Cannabis legal zur Verbesserung ihrer Lebensqualität anzuwenden. Andererseits sollten aber auch die Warnungen bezüglich erhöhtem Psychose-Risiko ernst genommen werden. Und zwar – der Bericht in der Pharmazeutischen Zeitung weißt darauf hin – speziell auch bei Konsumenten im Jugendalter, die offenbar stärker gefährdet sind.

Ich glaube allerdings nicht, dass die Legalisierung von Cannabis als Medikament, diesem ein “Siegel der Ungefährlichkeit” geben würde. Wir leben schon lange mit zahlreichen zugelassenen Medikamenten, bei denen die Bevölkerung sich durchaus darüber im klaren ist, dass sie mit Risiken verbunden sind.

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Wichtiger Unterschied zwischen der Wirkung und dem Nutzen eines Medikaments

Dienstag, September 28th, 2010

Die Wirkung eines Medikaments und sein Nutzen werden immer wieder verwechselt oder gleich gesetzt. Dabei ist dieser Unterschied  sehr bedeutsam.

Markus Bill hat ihn auf Spiegel Online prägnant auf den Punkt gebracht:

“Wenn ein neues Medikament auf den Markt kommt, unterscheiden Mediziner zwischen Wirksamkeit und Nutzen. Ein Cholesterinsenker zum Beispiel ist dann wirksam, wenn er die Blutfettwerte senkt und seine Nebenwirkungen sich in Grenzen halten.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird das neue Medikament zugelassen. Der Nutzen dagegen zeigt sich oft erst später: Er tritt dann zutage, wenn Patienten tatsächlich weniger Herzinfarkte oder Schlaganfälle bekommen als ohne das Präparat – oder wenn sie schlicht länger leben.

Doch der Zusammenhang zwischen Wirksamkeit und Nutzen existiert häufig gar nicht. Manchmal verbessern sich zwar Cholesterinwerte, Blutdruck oder das Wachstums eines Tumors wird gebremst – den Patienten geht es aber trotzdem nicht besser. Sie leben nicht länger, sie bekommen genauso häufig Herzinfarkte oder Schlaganfälle wie ohne das Präparat. Es haben sich also nur die messbaren Werte geändert – sonst nichts. Solche Präparate verfügen über keinen “patientenrelevanten Nutzen”, wie die Fachleute sagen.

Pharmakonzerne stellen dagegen gern die Wirksamkeit ihrer Pillen in den Vordergrund, die Nutzendebatte mögen sie nicht besonders. Hintergrund: Unabhängige Wissenschaftler entdecken häufig, dass viele angebliche Neuheiten zwar im Körper wirken, aber keinen Vorteil gegenüber bisherigen Präparaten haben. Es handelt sich also um ‚Scheininnovationen’.”

Quelle:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,719507,00.html

Kommentar & Ergänzung:

Und solche Scheininnovationen sind oft sehr viel teurer als die bisher verwendeten Produkte…….

Ich pflege kein „Feindbild Pharmaindustrie“, wie es im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde nicht selten vorkommt. Solche Feindbilder sind dumm und führen zu  sehr einseitigen Wahrnehmungen  und Interpretationen.

Das simple Feindbild Pharmaindustrie abzulehnen heisst aber nicht Kritiklosigkeit. Es gibt immer wieder Punkt, an denen konkrete Kritik bezüglich der Vorgänge in dieser Branche notwendig ist. Der Artikel von Spiegel Online schildert im Weiteren den problematischen Einfluss der Pharma-Lobby auf die Gesetzgebung in Deutschland.

Die Diskussion um Wirksamkeit und Nutzen eines Medikamentes  ist im Übrigen natürlich auch nötig für Produkte aus dem Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Phytotherapie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde hilft bei akuter Bronchitis

Montag, September 27th, 2010

Nicht alles, was gegen Erkältungen empfohlen wird, nutzt auch wirklich. Manche traditionellen Hausmittel halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Doch einige Heilpflanzen-Präparate wirken nachweislich, etwa Extrakte aus Pelargonium sidoides (Umckaloabo).

Die Inhalation von Wasserdampf beispielsweise fiel in einer Analyse von 6 Studien durch. Zwar wurde der Wasserdampf in einigen der Untersuchungen als symptomatisch hilfreich eingestuft. Doch insgesamt besteht zuwenig Klarheit, um diese schon von Großmutter angewandte Behandlung zu empfehlen.

Beim Skifahren schützt Vitamin C die Nase – möglicherweise…

Das vielfach propagierte Vitamin C schnitt bei der Prävention oder Heilung von Erkältungen zwar ein bisschen, aber nicht viel besser ab. Eine Arbeitsgruppe erfasste in einer Metaanalyse Studien, in denen die Teilnehmenden täglich mindestens 0,2 g Ascorbinsäure einnahmen. Der reguläre Vitamin-C-Konsum verkürzte demnach zwar ein wenig die Dauer von Erkältungen. Klinisch bewerten die Forscher diesen Effekt jedoch als „zweifelhaft“. Die Anzahl der Neuerkrankungen an grippalen Infekten wurde bei „normalen“ Teilnehmern nicht reduziert. Bei Personen allerdings, die kurzzeitig extremer Kälte und/oder physischer Belastung ausgesetzt waren, beispielsweise bei Ski- oder Marathonläufern, halbierte die Vitamin-Einnahme das Erkältungsrisiko.

Knoblauchgeruch als Virenschreck?

Auch Knoblauch taugt offenbar nicht als zuverlässige Geheimwaffe gegen „common cold“. Ein australisches Team fand nur eine einzige Knoblauch-Studie mit 146 Teilnehmern, die den Einschlusskriterien für eine Metaanalyse entsprach. Zwar berichteten die Teilnehmenden in 12 Wochen seltener über Erkältungen als Probanden der Placebogruppe. Auch dauerten Husten, Schnupfen und Heiserkeit ein wenig kürzer. Aber insgesamt erscheint die Beweisbarkeit den Forschenden zu dürftig, um daraus eine Empfehlung für regelmäßigen Knoblauchkonsum ableiten zu können. Auch weil die knollentypischen olfaktorischen Nebenwirkungen (Geruch) nicht ausblieben.

Zubereitungen aus anderen Pflanzen allerdings haben nachweislich einen großen Stellenwert in der Behandlung von Atemweginfekten. Das gilt ganz speziell bei erkälteten Kindern, erklärte der Pädiater Privatdozent Dr. Wolfgang Kamin vom Evangelischen Krankenhaus Hamm auf dem Phytotherapie-Kongress in Berlin. Im Gegensatz zu vielen anderen Medikamenten, gibt es mit einigen der bei Erkältung indizierten Naturheilmittel jahrhundertelange Erfahrung, stellte Wolfgang Kamin fest. Und diese Erfahrung lässt sich heute vielfach durch kontrollierte Studien bestätigen.

Umckaloabo wirkt auch bei Kindern

Dr. Kamin nannte als Beispiel drei Studien, in denen der Effekt des Pelargonium-sidoides-Extraktes bei akut an Bronchitis erkrankten Kindern erforscht wurde. In zwei Studien mit insgesamt 420 Patienten wurde das Präparat in Form von Tropfen eingesetzt, in der dritten Studie mit 399 Kindern in Tabletten-Form. Alle drei Untersuchungen brachten gemessen am Symptomenscore im Vergleich zu Placebo deutlich positive Resultate für den Pelargonien-Auszug, erklärte der Pädiater. Wenn bei Kindern keine zwingende Indikation für ein Antibiotikum bestehe, sei der Pelargonium-Extrakt daher eine wirksame und außerdem auch gut verträgliche Alternative zur Behandlung einer akuten Bronchitis.

Wie bei Kindern wurde auch bei erwachsenen Patienten mit akuter Bronchitis in verschiedenen kontrollierten Studien ein Nutzen des Heilpflanzen-Präparates nachgewiesen.

Quellen:

http://www.medical-tribune.de/patienten/magazin/25710/ MTD, Ausgabe 5 / 2010 S.14,

Meenu Singh, Cochrane Database Syst Rev 2006, 3: CD001728,

Harri Hemilä et al., Cochrane Database Syst Rev 2007, 3: CD000980;

Elizabeth Lissiman et al., Cochrane Database Syst Rev 2009, 3: CD0062206;

Antje Timmer et al., Cochrane Database Syst Rev 2008, 3: CD006323

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Text scheint mir ein bisschen „Umckaloabo-lastig“. Jedenfalls tönt er wie ein PR-Text eines Herstellers von Umckaloabo-Präparaten. Umckaloabo gehört zweifellos zu den interessanten Heilpflanzen.

Bei Bronchitis gibt es aber eine ganze Anzahl von wirksamen Heilpflanzen wie zum Beispiel Efeu-Extrakt, Thymian bzw. Thymianöl, Eukalyptus bzw. Eukalyptusöl, Meerrettich…..

P.S.: Das Tagesseminar „Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten & grippalen Infekten“ bietet einen fundierten Überblick über die Wirkungen der Heilpflanzen bei Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Fieber, Heiserkeit etc., – und über die Möglichkeiten aber auch Grenzen pflanzlicher Immunstimulation.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schüssler-Salze wirksam?

Montag, September 27th, 2010

Bei Erkrankungen liegt ein Mangel an Mineralsalzen vor. Dies behauptete im 19. Jahrhundert der Oldenburger Mediziner und Homöopath Wilhelm Heinrich Schüßler. Die noch heute nach ihm benannten Salze sollen das Mineralstoffgleichgewicht wiederherstellen.

Seine Annahme leitete der Arzt laut dem Portal “Onmeda” aus der Beobachtung ab, dass verbrannte menschliche Körperteile zwölf Mineralsalze hinterlassen. Diese Mineralsalze nannte er “Lebenssalze”. Schüßler war überzeugt davon, dass je nach Todesursache in der Asche der Verstorbenen ein bestimmtes Lebenssalz fehle beziehungsweise in einer von der Norm abweichenden Zusammensetzung vorliege. Die Zufuhr dieses Salzes könne das Ungleichgewicht beheben und dadurch das Leid von Kranken heilen.

Die Theorie der Schüßler-Salze lässt sich allerdings laut dem Portal schulmedizinisch nicht nachvollziehen. Für ihre Wirksamkeit gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege. Experten der Stiftung Warentest stuften die Schüssler-Salze beispielsweise als nicht zur Behandlung von Krankheiten geeignet ein. Sie können jedoch durchaus zusätzlich zu einer nötigen Schulmedizin-Therapie eingenommen werden. Am besten geschieht dies in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin, auch wenn die Schüssler-Salze praktisch nebenwirkungsfrei sind. Für Personen, die an einer Milchzucker-Unverträglichkeit leiden, sind sie allerdings ungeeignet: Da die Salze vor allem aus Milchzucker bestehen, können die Betroffenen Darmbeschwerden entwickeln, wenn sie größere Mengen Schüßler-Salze einnehmen.

Kaufen kann man die zwölf Salze in Apotheken. Der Patient nimmt normalerweise nur ein Schüßler-Salz ein, um seinen Mineralstoffhaushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Braucht es für eine Behandlung mehrere Mittel, werden diese im Wechsel an verschiedenen Tagen eingesetzt. Meist genügt es, dreimal täglich eine Tablette einzunehmen. Dazu werden die Tabletten nicht geschluckt, der Anwender lässt sie stattdessen langsam im Mund zergehen. Manche Salze sind zudem auch als Salbe im Handel. Einige Therapeuten raten dazu, während der Behandlung auf Koffein, Alkohol, Nikotin und scharfe Gewürze zu verzichten. Über welchen Zeitraum die Schüssler-Salze angewendet werden, ist von der Art und Schwere der Krankheit abhängig.

Bei ernsten Erkrankungen sollten Betroffene allerdings auf alle Fälle einen Arzt aufsuchen, damit schulmedizinische Maßnahmen nicht zu lang hinausgezögert oder sogar versäumt werden.

Quelle:

http://de.news.yahoo.com/12/20100815/thl-schuessler-salze-gegen-krankheiten-d343981.html

Kommentar & Ergänzung:

Schüssler-Salze boomen. Für die sehr weitreichenden Heilungsversprechungen gibt es jedoch keinen einzigen auch nur einigermassen tragfähigen Beleg. Und die Theorie von Wilhelm Heinrich Schüssler mit den Mineralstoffmessungen in Leichen scheint mir sehr abstrus. Hier wird wieder einmal eine sehr grosse Anzahl von Beschwerden und Krankheiten sehr reduktionistisch an einem einzigen Punkt – den Mineralstoffen – aufgehängt. Gibt es noch andere Ursachen von Krankheiten? – Wohl schon.

Ich bin mir natürlich bewusst, dass viele Schüssler-Konsumenten die Erfahrung machen, dass es ihnen nach Einnahme ihrer Tabletten besser geht. Nur: Den meisten Menschen geht es  besser, wenn sie ein Heilmittel einnehmen. Egal, um was es sich genau handelt. Unsere Erwartungshaltung ist ein mächtige Kraft.

Ausserdem verändern sich viele Beschwerden auch naturgemäss in ihrem Verlauf oder verschwinden wieder, weil unsere Selbstheilungskräfte ihren „Job“ machen. Heilungserfolge von Therapien sind daher nicht so einfach an eigenen Erfahrungen abzulesen. Zahlreiche Konsumentinnen und Konsumenten von Naturheilmitteln sind meiner Erfahrung nach viel zu gutgläubig. Dabei wäre genaueres Hinschauen und kritisches Nachfragen sehr nötig. Viele Apotheken und Drogerien sind dazu kaum in der Lage, weil sie mit den Schüssler-Salzen sehr gute Geschäfte machen.

Getäuscht werden Schüssler-AnwenderInnen meines Erachtens, wenn diese Präparate als Mineralstoff-Therapie verkauft werden. Die Inhaltssstoffe sind in den Schüssler-Salzen so stark verdünnt, dass Mineralsalze nur noch in sehr geringen Spuren vorhanden sind. Einen manifesten Mineralstoffmangel mit Schüsslersalzen zu kurieren, ist Humbug. Doch auch hier wird es Leute geben, die von grossartigen Erfolgen berichten – aber völlig undokumentiert und ohne präzise Angaben. Viele Leute wollen halt Erfolge sehen.

Eine Kursteilnehmerin, die tägliche mehrere Schüssler-Salze konsumiert, sagte mir einmal, sie könne sich ein Leben ohne diese Präparate nicht mehr vorstellen. Ich habe dies als hochgradige psychische Abhängigkeit interpretiert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ätherische Öle für Kleinkinder häufig gefährlich

Samstag, September 25th, 2010

Einige rezeptfreie Erkältungsmedikamente und Erkältungsbäder mit ätherischen Ölen sind ungeeignet für Kleinkinder. Die ätherischen Öle können für sie giftig sein, warnt die Bundesapothekerkammer.

Eltern sollten deshalb nur Produkte verwenden, die speziell für den Einsatz bei Kindern gedacht sind. Besonders empfindlich reagierten Kinder unter drei Jahren auf Kampfer, Eukalyptusöl, Thymianöl und Pfefferminzöl. Als Anzeichen für eine Vergiftung können Atemnot, Krämpfe oder Bewusstseinsveränderungen auftreten.

Unverdünnte ätherische Öle sind für Säuglinge und Kleinkinder grundsätzlich ungeeignet. Selbst kleinste Mengen können lebensgefährlich werden. Wurde ätherisches Öl aus Versehen verschluckt, rät die Apothekerkammer, als erstes Tee, Wasser oder Saft zu trinken, um das ätherische Öl zu verdünnen.

http://de.news.yahoo.com/26/20100923/thl-therische-le-fr-kleinkinder-oft-gefh-b930478_1.html

Kommentar & Ergänzung:

Meines Erachtens sollte man das Thema „ätherische Öle & Kinder“ weder verharmlosen noch dramatisieren.

Klar ist: Aetherische Oele müssen vor Kindern weggeschlossen werden wie Medikamente. Ihre Einnahme kann für Kinder gefährlich werden. Ätherische Oele sollen bei Kleinkindern und Säuglingen niemals konzentriert in der Nähe der Atemöffnungen aufgetragen werden.

Ein unvorsichtiger Umgang mit ätherischen Ölen gründet meist in der irrigen Überzeugung, dass ist sich um sanfte Naturheilmittel handelt, die niemals Schaden können. Das ist eine naive Idealisierung von „Natur“.

Andererseits gibt es aber durchaus sinnvolle Anwendungsgebiete für ätherische Öle auch in der Kinderheilkunde, wenn Sorgfalt und Fachwissen vorhanden sind.

Grundlagenwissen über ätherische Öle finden Sie in der Broschüre „Ätherische Öle in der Pflege“, in der ausserdem die Wirkung von Lavendelöl beschrieben ist.

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