Cranberrysaft verhindert Harnwegsinfekte

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Der tägliche Konsum von Cranberrysaft kann Rezidive (Rückfälle) von Harnwegsinfekten (HWI) bei Kindern deutlich vermindern, melden Ärzte in Rom. An einer Studie nahmen 84 Mädchen im Alter zwischen 3 und 14 Jahren mit wiederkehrenden HWI teil.

Innerhalb von 6 Monaten hatten 34 von ihnen ein HWI-Rezidiv: Von den Mädchen, die täglich 50 ml einer Cranberry-Zubereitung getrunken hatten, erkrankten 18,5 Prozent (5/27), von den Mädchen, welche regelmäßig eine probiotische Zubereitung auf Lactobacillus-Basis zu sich nahmen, 42 Prozent (11/ 26) und in der Kontrollgruppe 67 Prozent (18/27).

Quelle:

www.aerztezeitung.de

http://www.informaworld.com/smpp/content~db=all~content=a917221376~frm=titlelink

Kommentar & Ergänzung:

Cranberrysaft stammt von der Großfrüchtigen Moosbeere (Vaccinium macrocarpon), auch niederdeutsch Kraanbeere oder Kranbeere (von kraan, Kranich, ggf. auch Kranichbeere). Davon abgeleitet ist englisch cranberry. Es handelt sich um eine Beerenstrauchart in der Gattung der Heidelbeeren (Vaccinium) aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae).

Die englische Bezeichnung Cranberry leitete sich aus „crane berries“ („Kranichbeere“) ab, weil die Staubfäden der Blüten einen Schnabel bilden, der die ersten Siedler in Amerika an einen Kranichschnabel erinnerte. Moosbeeren sind in Europa, Asien und Nordamerika heimisch. Die Amerikanische Kranbeere Vaccinium macrocarpum ist robuster und weniger rund als die eurasisch-nordamerikanische Gewöhnliche Moosbeere Vaccinium oxycoccus. Die Früchte der Amerikanischen Kranbeere werden in den USA, vor hauptsächlich in Neuengland, großflächig angebaut und vermarktet. Unter anderem gelten sie als zentraler Bestandteil des Thanksgiving-Menüs. In Deutschland befindet sich die Kranbeere oft unter dem irreführenden Namen „Kulturpreiselbeere“ im Handel, schmeckt jedoch deutlich anders als die bei uns heimische Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) mit ihrem sehr herbsauren Geschmack.

An der oben beschriebenen Studie ist vor allem interessant, dass sie eine günstige Wirkung von Cranberrysaft  bei Kindern zeigt, wobei die Zahl der Teilnehmerinnen allerdings klein ist, was die Aussagekraft etwas einschränkt. Es gibt allerdings inzwischen einige Studien, welche eine günstige Wirkung von Cranberrysaft zur Vorbeugung von Rückfällen nach Blasenentzündung nahelegen.

Zu Wirkung und Wirkungsweise von Cranberryssaft gibt Wikipedia eine gute Zusammenfassung (Literatur dort):

„ Kranbeeren enthalten starke Antioxidantien. Die in verschiedenen Studien nachgewiesene Wirksamkeit von Kranbeerensaft zur Vorbeugung von Mund-, Magen- und Harnwegsinfektionen beruht nicht auf einer bakteriostatischen Wirkung, sondern auf der Eigenschaft bestimmter Inhaltsstoffe, Bakterien an der Bildung eines Biofilms zu hindern. Kranbeerensaft verhindert so die Anhaftung von Bakterien an das Epithel der Harnwege. Die Erreger finden keinen Halt und können so mit dem Harn ausgeschwemmt werden. Im menschlichen Urin konnte bei 15 von 22 Personen bereits nach 1 bis 3 Stunden nach der Einnahme von Cranberrysaft eine signifikante antiadhäsive Wirkung festgestellt werden. Darüber hinaus scheiden Personen, die den Saft trinken, vermehrt Salicylsäure aus, welche entzündungshemmend wirkt.

Inzwischen ist in klinischen Studien nachgewiesen, dass Kranbeeren und ihr Saft wirksam zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen u. a. mit Escherichia coli sind. Eine Studie, bei der Kosten und Effektivität von verschiedenen Kranbeerenprodukten untersucht wurden, ergab, dass die Anzahl der Harnwegsinfekte bei 150 sexuell aktiven Frauen mit Saft und Trockenextrakt signifikant gesenkt werden konnte.

Laut den aktuellen Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin wird die Studienlage bezüglich Harnwegsinfektionen bemängelt und keine Therapieempfehlung für Cranberryprodukte ausgesprochen. In einer Leitlinie der europäischen Gesellschaft für Urologie werden Cranberryprodukte als Maßnahme zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten erwähnt. Sie werden aber als der Antibiotikagabe unterlegen bewertet.

Als wirksamer Bestandteil kommen sowohl Proanthocyanidine als auch 1-O-Methylgalactose, Prunin und Phlorizin in Frage. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass für die Wirkung auf p-Fimbrien tragende E. coli höhermolekulare Inhaltsstoffe aus der Substanzklasse der Proanthocyanidine (PAC) verantwortlich sind. Diese Proanthocyanidine gehören zur polyphenolischen Gruppe der Flavanole. Speziell handelt es sich in Kranbeeren hauptsächlich um Oligomere des Catechins und Epicatechins, die wegen ihrer eiweißdenaturierenden Eigenschaften auch als kondensierte Tannine bezeichnet werden. Es wurde gezeigt, dass die A-förmigen Kranbeeren-Proanthocyanidine für die Anti-Adhäsions-Wirkungen verantwortlich sind, während B-förmige Proanthocyanidine in anderen Nahrungsmitteln nur geringfügig oder keine Aktivität aufzeigen.

Diese A-förmigen PAC unterscheiden sich strukturell von den PAC in Grüntee oder Schokolade, denen keine Anti-Adhäsions-Effekte zugesprochen werden konnten. Auch bei vielen anderen auf diese Eigenschaft hin untersuchten Früchten konnten Inhaltsstoffe mit vergleichbarer anti-adhäsiver Wirkung nicht nachgewiesen werden.

Laut der Fachzeitschrift Caries Research können Kranbeeren die Bildung von Zahnbelag reduzieren. Die Wirksamkeit bei Mundinfektionen mit Streptococcus mutans beruht auf einer Hemmung der Biofilm-Produktion. Kranbeeren sind nicht wirksam gegen Besiedlung mit Bakterien in den Stirnhöhlen oder im Darm.“

Die oben beschriebene Hemmung der Anheftung von Bakterien an die Schleimhäute der Harnwege durch Proanthocyanidine gilt schon seit einiger Zeit als wesentlicher Wirkungsmechanismus von Cranberrysaft. Darüber hinaus interessant ist der Hinweis auf die vermehrte Ausscheidung von Salicylsäure und die damit möglicherweise verbundene entzündungshemmende Wirkung.

Cranberrysaft kann bei Langzeitanwendung die Bildung von Calciumoxalatsteinen fördern, was bei entsprechender Neigung berücksichtigt werden sollte.

In der Schweiz wir anstelle von Cranberrysaft oft Preiselbeersaft von der einheimischen Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) verwendet.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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www.phytotherapie-seminare.ch

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