Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 5

Seit ich die meiner Ansicht nach haltlosen und zum Teil riskanten Heilungsversprechungen von Wolf-Dieter Storl rund um Karde & Borreliose in mehreren Fachtexten kritisiert habe (siehe hier), bekomme ich immer wieder mal aufschlussreiche Mails.

Die oft anonymen Botschaften lassen sich etwa so zusammenfassen:

„ Was sind Sie doch für ein Dummkopf (oder wahlweise Arschloch, Blödmann…), einen so wunderbaren Heiler wie Wolf-Dieter Storl in den Dreck zu ziehen“.

Charakteristischerweise sind solche Mails völlig frei von Argumenten und beschränken sich auf empörte Beschimpfungen und Diffamierungsversuche. Sie nehmen auch in keinem Fall Bezug auf einen meiner zahlreichen detailliert begründeten Kritikpunkte an den Storl’schen Heilungsversprechungen.

Ich betrachte solche Mails als hoch interessante Studienobjekte zum Thema „Guru-Phänomene“ und als eindrückliche Beispiele dafür, wohin es führt, wenn man blind einem vergötterten Idol nachläuft.

Ich kommentiere nachstehend eines der kürzlich eingetroffenen, anonymen Mails, weil ich überzeugt davon bin, dass solche Auseinandersetzungen in den Bereichen Komplementärmedizin / Alternativmedizin / Naturheilkunde dringend nötig wären.

Sie finden untenstehend kursiv gesetzt zuerst das Mail integral, anschliessend die einzelnen Passagen mit meinen Antworten zuhanden des anonymen Schreibers oder der anonymen Schreiberin.

Von: OMDfilm@t-online.de

Betreff: STORL KRITIKER ist ein DUMMKOPF!!!

Datum: 19. Juni 2010 19:03:29 GMT+02:00

An: Martin Koradi

Kopie: olli d. OMDfilm@t-online.de

Antwort an: OMDfilm@t-online.de

Habe gerade Ihre Storl Kritik gelesen…

‚Storl aber bringt statt Argumente nur schöne Versprechungen und diffuse

Behauptungen…’

Wissen Sie, ganz offen.

Solche wie der, der diese Kritik schrieb, gehen mir auf den Keks und

sind ganz dumme Menschen.

Da gibt es Millionen Menschen, die in der Schulmedizin arbeiten, die fast ausnahmslos faktisch absolut daneben ist, unintelligent und Lebensfeindlich!

Dann haben wir eine weltweit riesige Pharmaindustrie,

die den Menschen nicht wirkende Placebos zu überteuerten Preisen und ohne spirituelle Verbindung verkaufen.

Und in diesem ganzen Schildbürgergewirr tauchen solche wie Storl auf, die wesentlich mehr begriffen haben, als diese vielen Idioten, die mit Ihrem Fehlwissen auch noch viel Geld damit verdienen.

Und dann kommt so ein dämlicher Kritiker,

der offensichtlich von gar nichts eine Ahnung hat

und geht den einfachen billigen Weg mit dem Versuch,

Minderheiten auszuschalten.

Dieser blinde Schreiberling soll sich schämen

und viele Jahre meditieren,

bevor er an so weisen Menschen wie Storl

UNWISSEND rummäkeln!!!

Nun also im Detail:

Anonymus:

„ Habe gerade Ihre Storl Kritik gelesen…

‚Storl aber bringt statt Argumente nur schöne Versprechungen und diffuse

Behauptungen…’“

Koradi:

Haben Sie mehr als diesen einen Satz gelesen? Und haben Sie auch verstanden, was Sie gelesen haben?

Anonymus:

„Wissen Sie, ganz offen.“

Koradi:

Unter „ganz offen“ verstehen wir offensichtlich etwas anderes. Für mich würde dazu auch gehören, dass man mit seinem Namen zu Aussagen steht….

Anonymus:

„Solche wie der, der diese Kritik schrieb, gehen mir auf den Keks und sind ganz dumme Menschen.“

Koradi:

Die Tatsache, dass eine Aussage jemandem „auf den Keks“ geht, sagt noch nichts aus über die Relevanz dieser Aussage.

Versuchen Sie doch zu formulieren, mit welcher meiner Aussagen Sie aus welchen Gründen nicht einverstanden sind. So käme eine Diskussion in Gang. Der Begriff „Keks“ ist frei von jedem argumentativen Gehalt. Damit kann ich nichts anfangen.

Ich nehme zur Kenntnis, dass Sie mich zu den ganz dummen Menschen zählen und möchte nur höflich darauf hinweisen, dass Ihr Mail nicht gerade vor  Intelligenz strotzt. Es enthält keinerlei Argumente, nur billige Diffamierungsversuche und Pauschalisierungen.

Und wenn Sie die Diffamierungen nicht lassen können: Versuchen Sie doch mindestens, von „dummen Texten“ zu reden.

Den Verfasser generell als dumm und dämlich zu bezeichnen ist wirklich sehr pauschal. Dazu müssten wir uns doch ein bisschen mehr kennen……

Anonymus:

„Da gibt es Millionen Menschen, die in der Schulmedizin arbeiten, die fast ausnahmslos faktisch absolut daneben ist, unintelligent und Lebensfeindlich!“

Koradi:

Das riecht sehr stark nach Feindbildhaltung und Schwarz-Weiss-Denken.

Interessanter und geistig anregender wäre präzise, fassbare Kritik mit Argumenten:

Wo genau finden Sie die Schulmedizin „faktisch absolut daneben“?

Wo finden Sie sie unintelligent, wo lebensfeindlich?

Solche Kritik könnte ja durchaus berechtigt sein. Aber dazu müsste man differenzieren und nachdenken, bevor man in die Tasten greift. Ihr eigenes Mail enthält etwa so viel wie Intelligenz wie ein Kniereflex. Sie verteidigen meines Erachtens reflexartig – ohne vorheriges Nachdenken – Ihr Idol.

Dass die Medizin bei aller Kritikwürdigkeit an manchen Punkten auch zahlreiche Erfolge hat, scheinen Sie vollkommen auszublenden. Oder vertreten Sie ernsthaft die Ansicht, eine Tuberkulose, eine Arthrose, ein Brustkrebs vor 300 Jahren sei besser therapiert worden?

Anonymus:

„ Dann haben wir eine weltweit riesige Pharmaindustrie,

die den Menschen nicht wirkende Placebos zu überteuerten Preisen

und ohne spirituelle Verbindung verkaufen.“

Koradi:

Auch hier wieder diese undifferenzierte, pauschale Feindbildhaltung. Sehr bequem – so kann man sich jedes Nachdenken ersparen und weiss immer genau, wo Gut und Böse ist.

Was meinen Sie denn genau mit „Pharmaindustrie“? Die Naturheilmittel-Hersteller sind längst Teil der „Pharmaindustrie“ und integriert in deren Branchenverbände.

Tatsächlich gibt es Produkte der Pharmaindustrie, die nicht besser wirken als Placebo. Es gibt aber in der Medizin (und in der Phytotherapie) auch das Bestreben, durch klinische Studien im Vergleich mit Placebos herauszufinden, ob ein Heilmittel mehr bewirkt als solche Scheinmedikamente.

Es sind doch gerade Hersteller von Präparaten im Bereich der Komplementärmedizin, die sich vor einem solchen Vergleich oft drücken und eine Bevorzugung durch gesetzliche Sonderregelungen beanspruchen.

Zum Beispiel wenn Produkte aus den Bereichen „Homöopathie“ und „Anthroposophische Medizin“ davon befreit sind, ihre Wirksamkeit belegen zu müssen. Sie dürfen ohne jeden Wirksamkeitsbeleg in Apotheken und Drogerien verkauft werden und werden sogar von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt.

Ich finde Sie verwechseln hier einiges.

Und wenn Sie der „Pharmaindustrie“ pauschal vorwerfen, sie verkaufe unwirksame Placebos, wieso sehen Sie völlig darüber hinweg, dass nirgends auch nur ansatzweise geprüft bzw. dokumentiert wurde, ob die von Wolf-Dieter Storl propagierte Karde gegen Borreliose wirksamer ist als ein Placebo. Sie messen hier ganz offensichtlich mit zwei verschiedenen Ellen.

Interessant ist auch Ihr Vorwurf betreffend der fehlenden spirituellen Verbindung von Pharmaprodukten. Das müssten Sie mir genauer erklären. Fordern Sie die Verknüpfung von Arzneimitteln mit religiös-spirituellen Überzeugungen? Und nach welchen Kriterien würden Sie entscheiden, mit welchen spirituellen Lehren  Arzneimittel zu verknüpfen sind? Würde Weihwasser Ihre Kriterien erfüllen?

Es steht Ihnen doch frei, „spirituell“ mit Krankheiten umzugehen. Aber warum soll die Pharmaindustrie Medikamente spirituell verknüpfen? Was machen Sie mit Menschen, die Ihre spirituelle Verknüpfungen ablehnen?

Anonymus:

„Und dann kommt so ein dämlicher Kritiker,

der offensichtlich von gar nichts eine Ahnung hat

und geht den einfachen billigen Weg mit dem Versuch,

Minderheiten auszuschalten.“

Koradi:

Hoppla. Unterstellen Sie mir im Ernst, ich wolle Minderheiten ausschalten? Das tönt ja ziemlich totalitär. Nationalsozialismus und Stalinismus haben Minderheiten ausgeschaltet.

Sie verdrehen meines Erachtens hier den Sachverhalt komplett: Mir geht es um einen kritischen Diskurs auf der Basis von Argumenten. Das ist die Basis jeder demokratischen Kultur.

Sie scheinen dagegen offenbar eine solche offene Auseinandersetzung tabuisieren bzw. diffamieren zu wollen – in meines Erachtens blinder Identifizierung mit Ihrem Idol Wolf-Dieter Storl, der es im übrigen genau gleich macht und statt Argumente nur Diffamierungsversuche zustande bringt. Siehe:

Diese Tendenz zeigt sich im übrigen immer wieder in „Esokreisen“. Schon Rudolf Steiner hat zu seiner Zeit auf die Kritik des Philosophen Hans Leisegang mit peinlich plumpen persönlichen Diffamierungen reagiert.

Ihre Unterstellung, ich wolle Minderheiten ausschalten, folgt aber noch einem weiteren verbreiteten Muster: Sie stilisieren Wolf Dieter Storl damit zum Opfer. Auch das ist höchst einseitig. Wer wie Storl mit fahrlässigen Heilungsversprechungen Menschen Gesundheitsrisiken aussetzt, ist wohl eher ein (Schreibtisch-)Täter.

Wie sollen sich im Übrigen die Leute eine eigene Meinung bilden, wenn nur und ausschliesslich die Heilungsversprechungen herumposaunt werden, aber unter keinen Umständen Kritik daran geübt wird?

Oder haben Sie gar kein Interesse daran, dass die Leute sich eine eigene Meinung bilden, weil sie genauso blind an Ihr Idol glauben sollen wie Sie selbst?

Anonymus:

„Dieser blinde Schreiberling soll sich schämen

und viele Jahre meditieren,

bevor er an so weisen Menschen wie Storl

UNWISSEND rummäkeln!!!“

Koradi:

Nun ja, wer ein so Feindbild-triefendes und simpel gestricktes Mail schreibt, braucht wohl selber noch einige Runden Meditation…….

Auch müssten wir uns genauer über den Begriff „Weisheit“ unterhalten.

Finden Sie die Reaktion von Wolf-Dieter Storl auf fachliche Kritik tatsächlich weise:

Nicht wahrhaben wollen, den Kopf in den Sand stecken, diffamieren, verdrehen, pauschalisieren – nur ja nicht konkret auf Argumente eingehen.

(Siehe Interview)

Wenn ich den fundierten Weisheitsbegriff von François Jullien zugrunde lege (in: „Der Weise hängt an keiner Idee“, Wilhelm Fink Verlag 2001), finde ich Weisheit weder in diesem Interview noch im Borreliose-Buch von Storl. Mich würde aber durchaus interessieren wo genau Sie hier Weisheit sehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

5 Kommentare to “Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 5”

  1. Ursula Kiener sagt:

    Lieber Martin, bin schockiert! Wusste nicht, dass es so diffamierende Schreiberlinge gibt, wie jener der dieses Mail geschrieben hat. Manche Leute lesen wohl, was du schreibst, aber verstehen den Inhalt nicht.(Ist das jetzt eine Diffamierung meinerseits?)
    Ich bin jedenfalls dankbar für deine öffentlichen, kritischen Auseinandersetzungen zu Themen rund um die Naturheilkunde; was in der Tat selten anzutreffen ist unter Menschen, die in diesem Bereich arbeiten.
    Liebe Grüsse Ursula

  2. Dr. Fröhlich sagt:

    Sehr geehrter Herr Koradi,
    ich möchte zu Ihrer Diskussion Folgendes anregen. Wäre es möglich den Pflanzenextrakt der Karde mit Leberhomogenisat oder ähnliche Fraktionen wie S9 zu behandeln. Es wäre doch durchaus denkbar, dass nicht direkt der Extrakt sondern die Metabolite eine Wirkung zeigen. In ähnlicher Weise verfährt man beim Ames-Test bei der Untersuchung potentiell carcinogener Stoffe ja auch, und das beschriebene in vitro System ähnelt dann eher den in vivo Bedingungen

  3. admin sagt:

    @ Dr. Fröhlich

    Na ja, es gibt bisher keinen einzigen vollständig dokumentierten und publizierten Fallbericht, der auf eine Wirksamkeit der Karde hinweist. Nur Anekdoten und grossartige Versprechungen. Und das bei einer Krankheit, die in vielen Fällen ausgesprochen schwierig zu diagnostizieren ist. Dazu gibt es nicht den Hauch einer plausiblen Erklärung, wie denn die Wirkung der Karde gegen Borreliose zustande kommen könnte. Das ist einfach ziemlich wenig. Und die bisherigen Laborergebnisse zeigten auch keine Effekte. Ich werde aber gerne jedes zukünftige Laborresultat anschauen und meine Meinung ändern, sollte es für eine Wirksamkeit der Kardentinktur sprechen. Es liegt allerdings in der Verantwortung der “Kardenpropagandisten”, ihre Heilungsversprechungen plausibel zu belegen.
    Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

  4. Stein sagt:

    Die “Besprechung”, welche ich hier zufällig verfolgen durfte, finde ich eigentlich in ihrer Gänze eher traurig und unglücklich im Ablauf.
    Es macht den Anschein, als gehe es nur darum, den jeweils anderen von der eigenen Meinung (die natürlich einzig richtig ist) zu überzeugen. War das Forum ursprünglich dazu gedacht, Meinungen zu verbreiten oder sich auszutauschen und auch andere Meinungen gewähren zu lassen?

    Kurz zum Thema -ich will mich gar nicht zu sehr verstricken.
    So wie ich Herrn Dr. Storl kennen gelernt habe, gibt er einfach erprobtes und studiertes Wissen weiter. Er betont immer wieder, dass er eben kein Heiler ist und er würde auch niemals ein Heilversprechen abgeben. Ich weiss nicht genau, wie sich diese Meinung bilden konnte, ausser aus der projektiven Art, mit anderen Meinungen umzugehen. Aber weitere Behauptungen und Vermutungen darüber stehen mir nicht zu.
    Was das Thema Borreliose angeht, so hat sich Dr. Storl seinerzeit selbst in der von ihm (!) beschriebenen Art und Weise davon geheilt, davon erzählte er dann in seinem Werk darüber, was ist dabei?
    Abschliessend ist mir noch aufgefallen, dass Herr Dr. Storl niemals seine akademischen Titel oder Abschlüsse so sehr überbetont, wie es hier der ein und andere macht, mit seinem nicht-akademischen Titel (die ja sicherlich auch ganz wunderbar vorzeigbar sind). Es scheint, als wäre das das einzige Mittel, dem gesagten nochmals Nachdruck zu verleihen, nach dem Motto “sehen sie alle, ich habe daher recht”. Das hat wohl mehr mit dem persönlichen Ego, als mit fachlicher Diskussion zu tun, nach meiner Einschätzung, freilich!

  5. @ Stein

    Ich gehe gerne schrittweise auf Ihre Zeilen ein.

    Sie schreiben:

    „Die ‚Besprechung’, welche ich hier zufällig verfolgen durfte, finde ich eigentlich in ihrer Gänze eher traurig und unglücklich im Ablauf.
 Es macht den Anschein, als gehe es nur darum, den jeweils anderen von der eigenen Meinung (die natürlich einzig richtig ist) zu überzeugen. War das Forum ursprünglich dazu gedacht, Meinungen zu verbreiten oder sich auszutauschen und auch andere Meinungen gewähren zu lassen?“

    Antwort M.K.:
    Na ja, eine solche ‚Besprechung’ kann nicht sehr ergiebig sein, wenn anstelle von Argumenten nur persönliche Beleidigungen kommen……
    Aber ansonsten kommt es darauf an, was Sie unter ‚Meinungen gewähren lassen’ verstehen. Ich verstehe darunter, dass verschiedene Meinungen geäussert werden dürfen. Wenn ‚Meinungen gewähren lassen’ für Sie ausserdem heisst, dass man gegenseitig Meinungen nicht in Frage stellen soll, dann bin ich anderer Ansicht.
    Meinungen dürfen und sollen mit Argumenten in Frage gestellt werden. Das ist die beste Voraussetzung dafür, dass wir gemeinsame Lernprozesse und Entwicklungsschritte machen können. Eine eigene Meinung mit Argumenten engagiert zu vertreten heisst noch nicht, die eigene Meinung für die einzig richtige zu halten.

    Sie schreiben:
    „.So wie ich Herrn Dr. Storl kennen gelernt habe, gibt er einfach erprobtes und studiertes Wissen weiter. Er betont immer wieder, dass er eben kein Heiler ist und er würde auch niemals ein Heilversprechen abgeben. Ich weiss nicht genau, wie sich diese Meinung bilden konnte, ausser aus der projektiven Art, mit anderen Meinungen umzugehen.“

    Antwort M.K.:
    Das sehe ich vollkommen anders.
    Was Wolf-Dieter Storl irgendwo gesagt haben soll, ist für mich nicht relevant.
    Ich kritisiere Aussagen von Wolf-Dieter Storl in seinem Buch „Borreliose natürlich heilen“ (2007). Nur schon dieser Titel ist eine sehr eindeutige Heilungsversprechung (oder würden Sie das bezweifeln?). Meines Erachtens eine grandiose und fahrlässige Heilungsversprechung. Das Buch ist voll mit Behauptungen über Heilwirkungen von Plfanzen gegen Borreliose, die allesamt hoch spekulativ und fachlich nicht begründet sind. Wer schreibt, dass Karde gegen Borreliose wirksam ist, macht eine Heilungsversprechung. Und wer Heilungsversprechungen macht, ist meines Erachtens verpflichtet, seine Aussagen so genau und fundiert wie möglich zu begründen.

    Sie schreiben:
    „Was das Thema Borreliose angeht, so hat sich Dr. Storl seinerzeit selbst in der von ihm (!) beschriebenen Art und Weise davon geheilt, davon erzählte er dann in seinem Werk darüber, was ist dabei?“

    Antwort M.K.:
    Moment. Wolf-Dieter Storl behauptet, dass er sich selbst von 
Borreliose geheilt hat.
    Gründe die diese Behauptung glaubhaft machen hat er bis jetzt – auch nach vielen Jahren – noch keine geliefert. Der erste Schritt dazu wäre die Veröffentlichung eines vollständig dokumentierten Krankheitsverlaufs. Mit allen Diagnosen, Untersuchungsergebnissen, Haupt- und Begleittherapien etc. Wer Menschen überzeugen will, würde diese Angaben liefern, wer sich ausschliesslich an gläubige Anhängerinnen und Anhänger wendet, hat das nicht nötig.
    Wolf-Dieter Storl unterschlägt zudem in seinem Buch einen wesentlichen Punkt. Beim überwiegenden Teil der Menschen, die sich mit Borrelien infizieren, kommt die Krankheit offenbar auch ohne Behandlung zum Stillstand. Die Chance ist überaus gross, dass Wolf-Dieter Storl zu dieser glücklichen Mehrheit gehört. Daher ist es absolut fahrlässig Geschichten zu erzählen im Stil von: Ich hatte eine Wanderröte, die ich mit Karde behandelt habe, nun bin ich dank Karde geheilt.
    Bei einem offenbar kleinerer Teil der Borreliose-Infizierten geht die Krankheit ohne Antibiotika-Behandlung im Frühstadium in eine chronische Form über, die dann nur noch schwer behandelbar ist. Wer wie Wolf-Dieter Storl (2007) den Antibiotika pauschal eine Wirkung gegen Borrelien abspricht und zugleich behauptet, dass Kardentinktur die Borreliose heilt, setzt Borreliose-Infizierte im Frühstadium einem erheblichen Risiko aus.

    Sie schreiben:
    „Abschliessend ist mir noch aufgefallen, dass Herr Dr. Storl niemals seine akademischen Titel oder Abschlüsse so sehr überbetont, wie es hier der ein und andere macht, mit seinem nicht-akademischen Titel“

    Antwort M.K.:
    Ich jedenfalls habe Storl nicht unterstellt, dass er seinen Doktor-Titel ungebührlich in den Vordergrund stellt. Mir fällt nur auf, dass manche seiner Anhängerinnen und Anhänger erstaunlicherweise mit diesem Titel argumentieren, obwohl sie selber ansonsten ziemlich wissenschaftsfeindlich sind und obwohl Storl in seinen Büchern keinerlei wissenschaftliche Ansätze zeigt.
    Was meinen Sie mit ‚nicht-akademische Titel’? Meine Bezeichnung „Dozent für Phytotherapie“? Das ist nicht einmal ein Titel, sondern allenfalls eine Tätigkeitsbeschreibung.

    Sei schreiben:
    „Das hat wohl mehr mit dem persönlichen Ego, als mit fachlicher Diskussion zu tun“.

    Antwort M.K.:
    Wenn Sie eine fachliche Diskussion vorziehen, dann bitte ich Sie darum, auf meine fachlichen Argumente einzugehen und diese so genau wie möglich zu kritisieren.
    Hier finden Sie die entsprechenden Fachartikel:

    Fachtexte mit der detaillierten Kritik am Buch “Borreliose natürlich heilen” (2007):

    Karde gegen Borreliose: Immer noch wirre Behauptungen statt fundierte Begründungen!
    http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/132919_Karde-Kraut-Borreliose-wirre.pdf



    Karde – kein Kraut gegen Borreliose!

    http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/110646_Karde-Kraut-Borreliose.pdf

    Dieses Buch kann Ihre Gesundheit gefährden: “Borreliose natürlich heilen” von Wolf-Dieter Storl,
AT-Verlag 2007
    http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125713_Borreliose-Storl-Karde-1.pdf



    Karde gegen Borreliose – Heilungsversprechungen der fragwürdigsten Art

    http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125527_Storl-Karde-Borreliose.pdf

    Fahrlässig-riskante Überhitzungstherapie bei Borreliose
    http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/10/01/fahrlaessig-riskante-ueberhitzungstherapie-bei-borreliose.html


    Und hier noch ein kommentiertes Interview mit Wolf-Dieter Storl:

    http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/02/25/karde-borreliose-therapie-nach-storl-beitraege-zur-debatte-4.html

    Freundliche Grüsse
    Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie

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