Archive for Juli, 2010

Warnung vor pflanzlichem (?) Potenzmittel Viapro

Samstag, Juli 31st, 2010

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ warnt in ihrer jüngsten Ausgabe (Nr. 3 / 2010) vor dem im Internet als natürlicher Viagra-Ersatz  vertriebenen pflanzlichen Produkt Viapro:

„Bei Viapro handelt es sich um ein Nahrungsergänzungsmittel, welches eine Kombination aus 22 verschiedenen Kräutern enthalten soll und für den Einsatz bei erektiler Dyfunktion beworben wird. Ein solcher Indikationsanspruch würde das Präparat nach deutschem Recht automatisch dem Arzneimittelrecht unterwerfen, ein Vertrieb als Nahrungsergänzungsmittel wäre demnach illegal. In einer Untersuchung stellte die FDA im Juli 2008 die Anwesenheit einer Analogsubstanz des Sildenafils, nämlich Thio-Methisosildenafil in einer Charge des Präparates fest und forderte den Hersteller zum Rückruf auf. Patienten bzw. Kunden müssen über die gefährlichen Auswirkungen nicht deklarierter und nicht standardisierter Wirkstoff-Beimengungen aufgeklärt werden. Das Mittel sollte sofort abgesetzt werden.“

Sildenafil ist der keineswegs pflanzliche Wirkstoff im Viagra. Die Anwesenheit von Thio-Methisosildenafil als Analogsubstanz des Sildenafils gefährde den Verbraucher, „weil der Blutdruck aufgrund einer gravierenden Wechselwirkung mit Medikamenten wie z.B. Trinitroglycerin gefährlich absinken kann. Patienten mit Diabetes, hohem Blutdruck, hohen Cholesterinwerten oder Herzerkrankungen gehören oftmals zu den Betroffenen.“

Nach Herstellerangaben soll das Produkt speziell für die Beeinflussung der männlichen Erektion, also zur Behandlung von Impotenz, entwickelt worden sein.

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ druckt aus einem Verkaufsprospekt Angaben zur Zusammensetzung von Viapro ab (Zitat inkl. Fehler im Verkaufsprospekt):

»Smilax extract (Sarsaparille) – ist dafür bekannt ein Hormongleichgewicht zu halten. Der Saft verbessert die Blutzirkulation und die männliche Potenz.

Avena sativa Extrakt (oat straw) – dient als Aphrodisiakum. Fördert die Libido bei Männer und Frauen.

Zyzphys Jujube (Jujube) – verbessert die Libido beim Mann. Durch den süßlichen Geruch werden Frauen davon angezogen.

Weitere Wirkstoffe sind – Kapsikum annum (Cayenne), Eleutherococcus senticocus (Ginseng), Urtica dioca (stinging nettles), Sernoa repens (saw palmetto), Cucurbita pepo (Kürbiskerne).«

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie 3 / 2010

Kommentar & Ergänzung:

Es ist eine hoch betrügerische Sache, dass immer wieder angeblich rein pflanzliche Naturheilmittel mit undeklarierten synthetischen Zusätzen vermarktet werden. Immer wieder festgestellt wurden solch gefährliche Betrügereien bei asiatischen Heilmitteln, die via Internet bestellt wurden.

Viapro ist nun offenbar ein europäisch-amerikanisches Beispiel.

Aber auch unabhängig von dem 2008 von der FDA gefundenen Sildenafil-Analogon ist die Zusammensetzung von Viapro mehr als fragwürdig.

- Sarsaparilla gehört zu den Stechwindengewächsen. Die China-Stechwinde (Smilax china) kam 1525 durch Vinzenz Gilius von Tristan nach Europa und wurde als Mittel gegen Lustseuche (Syphilis) empfohlen. Eine solche Heilpflanze einem Potenzmittel gleich beizufügen wäre ja zumindestens originell, wenn davon eine Wirkung erwartet werden könnte. Allerdings fehlen Hinweise auf solche Effekte.

- Avena sativa (Hafer) gilt als sehr energiereiches Pferdefutter…kann also in einem Potenzmittel auch nicht schaden. In der traditionellen Pflanzenheilkunde soll Hafertinktur allerdings eher beruhigend wirken – bleibt also zu hoffen, dass „er“ nicht einschläft.

- Die Chinesische Jujube (Ziziphus zizyphus, syn. Ziziphus jujuba), auch Chinesische Dattel oder Rote Dattel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) und stammt aus Nord- und Nordostchina. Die Jujube-Früchte dienen in getrockneter Form als Brusttee bei Erkältungen; aus diesem Grunde ist sie bei Apothekern häufig auch als Brustbeere bekannt. In China stellte sie schon sehr früh eine der wichtigsten Arzneipflanzen dar. Eine Wirkung als Potenzmittel ist nicht plausibel.

- Capsicum annuum (Spanischer Pfeffer, Paprika) hat zwar eine Ruf als unregendes Gewürz – aber in Kapselform?? Ausserdem wird Paprikaextrakt eingesetzt zur Förderung der Durchblutung und Reizempfindlichkeit im Genitalbereich – allerdings als Creme….

- Eleutherococcus senticosus (Taiga-Wurzel, Sibirischer Ginseng), im Prospekt fälschlich einfach als Ginseng (wodurch normalerweise gemeint ist: Panax ginseng) bezeichnet, verbessert als adaptogene Heilpflanze die Fähigkeit des Organismus zur Stressbewältigung. Das zumindestens kann ja in einem Potenzmittel nicht schaden….

- Urtica dioica, die altbekannte Brennessel. Um sie ranken sich zahlreiche Geschichten. Die Brennesselsamen sollen feurig machen in der Liebe – getestet von Pferdehändlern, die vor einem Verkauf damit ihre Tiere behandelt haben sollen, damit sie fitter aussehen. Und Brennesselpeitschungen sollen anregend wirken…na ja, wems gefällt.

Brennesselwurzel dagegen sind tatsächlich in ihrer Wirkung gut erforscht zur Linderung der Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung. Kann also für Männe auch nicht schaden, doch werden die Kapseln kaum die Wurzeln enthalten.

-  Serenoa repens (Zwergpalme, Sägepalme, Sabal serrulata) ist das am besten dokumentierte Heilpflanzen-Mittel gegen gutartige Prostatavergrösserung älterer Männer. Aber potenzsteigernd?

- Cucurbita pepo (Kürbiskerne) sind ebenfalls wirksam gegen Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung. Aber potenzsteigernd?

Eine ziemlich wilde, unsinnige Kräutermischung also, welches da als natürliches Potenzmittel vermarktet wird.

Allerdings wird von einem solchen Produkt schon ein anständiger Placeboeffekt zu erwarten sein. In Situationen, in denen Potenzmittel angewendet werden, spielt die Erwartungshaltung eine grosse und wohl mitunter entscheidende Rolle.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

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Britische Ärzte halten Homöopathie für “Hexenzauber”

Samstag, Juli 31st, 2010

Der größte Ärztebund in Großbritannien verlangt, Homöopathie aus dem staatlichem Gesundheitsdienst auszuschließen.

Homöopathie sei “Hexenzauber” und “nicht wissenschaftlich belegt”, hält eine Resolution fest, die von hunderten Ärzten der British Medical Association (BMA) in London verabschiedet wurde. Damit befindet sich der Ärztebund, welcher die beruflichen Interessen von über 75 000 Medizinern im Königreich vertritt, auf direktem Konfrontationskurs mit dem Verband der Homöopathen. Die Ablehnung der Homöopathie fiel überraschend scharf aus.

Solange es “keine wissenschaftlichen Beweise” gebe, die die Wirksamkeit homöopathischer Heilmethoden belegten, solange solle der staatliche Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) die Kosten dafür nicht bezahlen. Die Resolution der BMA-Ärzte fordert weiter: “In Zeiten wachsender Geldknappheit ist es unverantwortlich, den Gesundheitsetat mit Ausgaben für Quacksalberei zu belasten.”

Der NHS übernimmt derzeit in gewissen Fällen die Kosten für homöopathische Therapien. Nach Auskunft des Gesundheitsministeriums wurden im vergangenen Jahr rund 54 000 NHS-Patienten in den vier staatlichen Homöopathie-Kliniken in London, Glasgow, Bristol und Liverpool behandelt. Das kostete den Steuerzahler etwa vier Millionen Pfund (rund 5,5 Millionen Euro).

Die Ablehnung der Homöopathie durch die britischen Ärzteverbände ist nicht neu. Die BMA hatte in der Vergangenheit mehrfach ihre Zweifel an der Wirksamkeit von Homöopathie und anderer Methoden der Alternativmedizin geäußert. Neu ist, dass die Organisation vom Gesetzgeber den Ausschluss von der Kostenerstattung fordert.

Ein Sprecher der “British Homeopathic Association” (BHA) erklärte in London, Homöopathie sei “bei zehntausenden Patienten beliebt” und Umfragen hätten gezeigt, dass “70 Prozent homöopathisch therapierter Patienten eine Besserung ihrer Leiden” meldeten.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/gesundheitspolitik_international/article/607535/homoeopathie-hexenzauber-britische-aerzte.html?sh=4&h=-573125894

Kommentar & Ergänzung:

Ach, ein Ausdruck wie „Hexenzauber“ ist ziemlich polemisch und deplatziert.

Oder glaubt die BMA tatsächlich an „Hexenzauber“?

Auch ist das Argument der Kosten nicht sehr stark, weil in vielen anderen Bereichen des Gesundheitswesens unvergleichlich grössere Beträge gespart werden könnten, die sinnlos zum Fenster hinaus geworfen werden. Zudem wäre es konstruktiver, wenn Homöopathie-Kritiker nicht so unnötig arrogant auftreten würden wie die BMA und auch anerkennen könnten, dass viele Menschen subjektiv überzeugt davon sind, dass Homöopathie ihnen gut tut, auch wenn sich diese Wirkungen nicht objektivieren lassen. Diese Erfahrung gilt es erst einmal anzuerkennen und ernst zu nehmen. Gegen „Erfahrung“ lässt sich schlecht argumentieren. Die Interpretation der Erfahrung – beispielsweise dass die eingenommenen Globuli für die Besserung verantwortlich sind -  lässt sich aber sehr wohl in Frage stellen.

Dass in solchen subjektiven Interpretationen ein grosses Täuschungspotential liegt, ist ganz offensichtlich. Im Einzelfall kann ich zum Beispiel nie wissen, wie der Verlauf ohne Therapie gewesen wäre. In vielen Fällen werden Menschen ja einfach aufgrund ihrer Selbstheilungskräfte gesund. Das gilt natürlich für alle Therapien.

Während also die Stellungsnahme der BMA etwas gar polemisch daher kommt, fallen die Gegenargumente der “British Homeopathic Association” (BHA) bemerkenswert schwach aus.

Dass Homöopathie „bei zehntausenden Patienten beliebt“ sei, sagt über Wirksamkeit nichts aus. Die Medizingeschichte ist voll von beliebten Methoden, die sich nach Jahren oder Jahrhunderten der Beliebtheit als völlig nutzlos erwiesen haben. Der Aderlass zum Beispiel. Beliebtheit wäre auch ein fragwürdiges Kriterium um zu entscheiden, welche Methoden vom staatlichen Gesundheitsdienst bzw. von Krankenkassen bezahlt werden sollten. Jede und jeder hat dann mit Sicherheit eigene Lieblinge. Ich würde dann nämlich gerne Pilates bezahlt haben wollen, nicht aber Homöopathie oder Anthroposophische Medizin, die mir persönlich nichts sagen. Was also sind die Kriterien, nach denen zu entscheiden wäre, was bezahlt wird und was nicht? Das bessere Lobbying?

Und wenn „70 Prozent homöopathisch therapierter Patienten eine Besserung ihrer Leiden” melden, dann ist das auch nicht sehr erhellend, weil ein mindestens so grosser Anteil der Leiden aufgrund unserer Selbstheilungskräfte auch ohne Behandlung bessert, weil bei chronischen Krankheiten eine schwankender Verlauf mit charakteristischen Aufs und Abs oft Besserungen vorspiegelt und weil bei allen Behandlungsmethoden Erfolge durch Placebo-Effekte zu erwarten sind. Solche Angaben tönen gut, sind aber ohne Substanz. Eine Prise mehr Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung würde hier den Verteidigern der Homöopathie gut anstehen.

Was bleibt eigentlich jenseits von Polemik und Verteidigungsreflex?

Klar scheint mir zweierlei:

1. Wenn man nicht einzelne kleine Studien mit positivem Ergebnis herauszupft, sondern die ganze Studienlage in den Blick nimmt, auch mit den qualitativ guten Untersuchungen, dann gibt es starke Hinweise dafür, dass Globuli rein als solche nicht besser wirken als Placebo.

2. Schaut man sich Homöopathie als ganzes Therapieverfahren an, dann ist ebenso gut dokumentiert, dass nicht wenige Menschen bei verschiedenen Beschwerden  damit Linderung finden. Dabei spielt der Kontext eine wichtige Rolle (Erwartungshaltung von PatientIn und MedizinerIn, mehr Zeit für Erstgespräch mit dem Effekt des Sich-Ernst-genommen-fühlens etc.).

Die Frage ist nun, welche Schlüsse man daraus zieht hinsichtlich einer allfälligen Bezahlung von Homöopathie als Therapie via Krankenkassen (Homöopathika, also die homöopathischen Präparate, werden in der Schweiz von der obligatorischen Krankenversicherung schon seit langem bezahlt und sind vom Wirkungsnachweis befreit).

Wird Homöopathie von der obligatorischen Krankenversicherung bezahlt, dann müsste folgerichtig jede überwiegend kontextbezogen wirkende Therapie bezahlt werden. Dann landen wir beim Kriterium, dass bezahlt wird, was dem Patienten gut tut. Das wäre eine Entscheidung, deren Konsequenzen diskutiert werden müssten. Denn wie gesagt, mir tut beispielsweise Pilates gut. Mit welchem Recht verweigert man mir die Bezahlung, wenn das Kriterium „mir hilfts“ als entscheidend angesehen wird.

Wird Homöopathie von der obligatorischen Krankenversicherung bezahlt, dann wäre meines Erachtens zu prüfen, ob nicht auch den Hausärzten generell mehr Gesprächszeit vergütet werden müsste. Man könnte allen Ärztinnen und Ärzten eine Erstanamnese von 1 ½ Stunden bezahlen. Dann können Behandelnde und Behandelte entscheiden, ob sie diese Zeit für eine homöopathische Anamnese, oder für ein sonstiges anamnestisch-medizinisches Gespräch nutzen wollen. Das fände ich eine faire Lösung.

Die österreichische Zeitung „Die Presse“ hat die aktuelle Debatte um die Wirksamkeit der Homöopathie als „sinnlosen Glaubenskrieg“ bezeichnet. Ich teile diese Ansicht nicht, weil es mir wichtig scheint, dass diese Auseinandersetzung geführt wird. Wenn es dabei allerdings nur bei einem Schlagabtausch zwischen den Positionen „Homöopathie wirkt“ und „Homöopathie ist unwirksam“ bleibt, stagniert die Debatte. Der Rahmen der Auseinandersetzung müsste weiter gefasst werden. Ein erster Schritt dazu wäre die Trennung zwischen der Wirksamkeit von Globuli an sich und der Wirksamkeit von Homöopathie als Therapiesystem. Das sind zwei völlig unterschiedliche Bereiche, die nicht miteinander vermischt werden sollten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

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[Buchtipp] Flora Vegetativa, Ein Bestimmungsbuch für Pflanzen der Schweiz im blütenlosen Zustand — von Stefan Eggenberg, Adrian Möhl

Freitag, Juli 30th, 2010

Verlagsbeschreibung

Wie unterscheidet sich das Blatt des begehrten Bärlauchs von demjenigen des giftigen Maiglöckchens? Beide Arten sind sich nur entfernt verwandt; sie stammen aus verschiedenen Gattungen der Liliengewächse und haben aber, zumindest auf den ersten Blick, sehr ähnliche Blätter. Eine Verwechslung kann fatal sein. Wenn die Blüten unserer einheimischen Pflanzen verblüht oder noch nicht sichtbar sind, ist es oft sehr schwierig herauszufinden, um welche Art es sich handelt. Dieses neuartige Bestimmungsbuch mit über 3000 Zeichnungen hilft, in den langen, blütenlosen Monaten die Gefässpflanzen der Schweiz zu bestimmen. Die kommentierten Zeichnungen von Wuchsformen, Blättern und Spross ermöglichen es auch Laien, die Pflanzen im blütenlosen Zustand rasch zu erkennen. Praktische Übersichtstabellen und vegetative Bestimmungsschlüssel machen das Buch zu einem wichtigen Begleiter auf Exkursionen während des ganzen Jahres. Zum Shop

Kommentar:

Flora Vegetativa

Ein ungewöhnliches Bestimmungsbuch. Die Pflanzenbestimmung orientiert sich in der Regel sehr an den Blüten als den auffälligsten Teilen der Pflanze. Das führt zu Schwierigkeiten in Landwirtschaft und Gartenbau, wenn aufkommende „Konkurrenzpflanzen“ im Frühstadium erkannt werden müssten. Problematisch wird die Fixierung auf die Blüten manchmal auch für Menschen, die Wildgemüse oder Heilpflanzen sammeln. Da werden oft die ganz jungen Blätter oder Knospen im Frühling oder die Früchte im Herbst gesammelt. Und schon steht man ziemlich ratlos da, wenn keine Blüten als Orientierungspunkte vorhanden sind.

Hier bietet Flora Vegetativa mit den über 3000 präzisen Zeichnungen von Wuchsformen, Blättern und Sprossen wertvolle Hilfe.

Für Leute mit botanischen Vorkenntnissen ist dieses Buch eine gute Ergänzung und Vertiefung, weil es die Aufmerksamkeit auf die eher vernachlässigten Pflanzenteile lenkt. Für absolute botanische Laien dürfte das Werk als einziger Zugang zur Pflanzenbestimmung zu schwierig sein. Ergänzt mit einem Bestimmungsbuch nach Blütenfarben wird es aber auch Anfängerinnen und Anfängern in vielen Fällen weiter helfen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, Leiter von Heilpflanzen- und Wildblumenkursen

[Buchtipp] Flora Helvetica, von Konrad Lauber, Gerhart Wagner

Freitag, Juli 30th, 2010

Verlagsbeschreibung

Flora der Schweiz. Flore de la Suisse. Flora della Svizzera. 3773 Farbphotos von 3000 wildwachsenden Blüten- und Farnpflanzen einschliesslich wichtiger Kulturpflanzen. Artbeschreibungen und Bestimmungsschlüssel. Zum Shop

Kommentar:

Flora Helvetica

Wer sich vertieft mit der Schweizer Pflanzenwelt befassen will, kommt um die Flora Helvetica fast nicht herum. Dieses Buch hat gleich mehrere Vorteile:

Es umfasst alle Blütenpflanzen, Farne, Schachtelhalme und Gräser der Schweiz, und zwar vom Flachland bis in die Gipfelregionen mit ihren Alpenpflanzen. Dass ausschliesslich Pflanzen der Schweiz vorgestellt werden, macht die Pflanzenbestimmung einfacher. Eine kleine Karte zeigt für jede Pflanzenart, in welchen Regionen der Schweiz sie vorkommt. Die Pflanzenfotos und die Texte sind von guter Qualität.

Wer von Botanik keine Ahnung hat, wird allerdings mit der Flora Helvetica seine liebe Mühe haben. Das Buch ist streng nach dem botanischen System der Pflanzenfamilien aufgebaut. Um eine Pflanze erfolgreich bestimmen zu können, sollte man daher mit Vorteil eine Idee haben, in welche Familie oder Gattung diese gehören könnte. Denn der mitgelieferte Bestimmungsschlüssel ist ganz ohne botanische Vorkenntnisse auch nicht gerade leicht zu nutzen. Blutige Anfänger sind daher mit einem Bestimmungsbuch nach Blütenfarben besser bedient oder sollten jedenfalls ein solches als Ergänzung zur Flora Helvetica zu Hand haben.

Die Flora Helvetica ist ziemlich schwergewichtig und umfangreich. Sie wird daher von vielen Nutzerinnen und Nutzern als Nachschlagewerk zuhause verwendet und nur sehr motivierte Leute tragen sie auf den Wanderungen in der Natur mit sich herum.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, Leiter von Heilpflanzen- und Wildblumenexkursionen.

[Buchtipp] Parey’s Blumenbuch, Über 2500 Arten – von Richard Fitter, Majorie Blamey

Freitag, Juli 30th, 2010

Verlagsbeschreibung

Pareys Blumenbuch ist seit Jahren das Standardwerk für ambitionierte Pflanzenfreunde. Es besticht durch seine große Artenauswahl und überragende Anzahl an Illustrationen. Überzeugend: über 2500 Arten – vom nördlichen Eismeer bis zu den Alpen – werden berücksichtigt. Beeindruckend: mehr als 3200 farbigen Einzeldarstellungen von 1300 Arten, darunter auch Blüten, Früchte und Blätter. Eindeutig: die Pflanzen werden in systematischer Ordnung nach Familien zusammengefasst. Kompetent: Informationen zu den wichtigsten Bestimmungsmerkmalen sowie Hinweise auf Gift- und Heilpflanzen. Extra: mehrere Bestimmungshilfen erleichtern das Auffinden der Blumenarten. Der langjährige Erfolgstitel von Parey – jetzt bei Kosmos! Zum Shop

Kommentar:

Parey’s Blumenbuch

Dieses Buch ist nach den botanischen Pflanzenfamilien aufgebaut. Das heisst: Man sollte eine Ahnung haben, in welche Familie oder Gattung eine Pflanze gehört, wenn man sie mit diesem Buch bestimmen will. Totale Anfänger arbeiten besser mit einem Bestimmungsbuch, das nach den Blütenfarben geordnet ist. Hat man aber diese Ahnung, zum Beispiel, dass es sich wohl um ein Veilchen handelt, dann findet man in Parey’s Blumenbuch alle Veilchen nebeneinander. Und das mit sehr präzisen Zeichnungen und guten Texten. Alle Pflanzenfamilien und Gattungen werden zudem mit ihren wichtigsten Merkmalen vorgestellt. Ausserdem gibt es gute Bestimmungshilfen, die einem auf die Sprünge helfen können, wenn man mal keine Ahnung hat, in welcher Region des Buches man nun suchen soll.

Sehr empfehlenswert, wenn Sie sich vertieft mit der Pflanzenwelt befassen wollen, und ihnen ein Buch nach „Farbsystem“ nicht mehr genügt. Dann bekommen Sie nämlich mit diesem Buch mit der Zeit einen guten Eindruck dafür, was in der Pflanzenwelt botanisch zusammengehört. Allerdings ist Parey’s Blumenbuch vor allem für’s Flachland geeignet, da es keine Alpenpflanzen enthält.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, Leiter von Heilpflanzen- und Wildblumenexkursionen.

[Buchtipp] Was blüht denn da? Das Original. Sicher nach Farben bestimmen. Extra: Bäume, Stäucher, Gräser, – von Margot Spohn, Dietmar Aichele

Freitag, Juli 30th, 2010

Verlagsbeschreibung

Blühende Pflanzen fallen vor allem durch ihre Farbe auf. “Was blüht denn da?” ist daher nach Blütenfarben eingeteilt. Weitere Bestimmungsmerkmale sind Blütenform, Standort, Blütenzeit und Größe. Die Pflanzen lassen sich so schnell und sicher bestimmen. Über 860 Blumen, Gräser, Bäume und Sträucher werden anhand von naturgetreuen, brillanten Farbzeichnungen dargestellt. Mehrfachabbildung der Pflanzen mit variier er Blütenfarbe. Der Punkt “Verwechslungsart” listet die ähnlichste Art und das entscheid e Unterscheidungsmerkmale auf. Jetzt neu mit vielen zusätzlichen Detailabbildungen und zwei Extrakapitel Bäumen/Sträucher und Gräser. Mit diesem Bestseller ist das Bestimmen ein Vergnügen. Zum Shop

Kommentar:

Was blüht denn da?

Ein Klassiker unter den Pflanzenbestimmungsbüchern. Der Aufbau nach Blütenfarbe und Anzahl der Kronblätter macht die Pflanzenbestimmung einfach auch für Personen ohne Kenntnis der Pflanzenfamilien. Das perfekte Bestimmungsbuch für Anfängerinnen und Anfänger. Es sind allerdings lange nicht alle Pflanzen Mitteleuropas aufgeführt, sondern nur die häufigsten 600. Für den Anfang ist das aber vielleicht sogar ein Vorteil, weil eine allzu grosse Zahl von Pflanzen auch verwirren könnte. Es fehlen in diesem Buch auch die Alpenpflanzen (Bestimmungsbücher für Alpenpflanzen im Abschnitt B.1.2). Die Pflanzen werden in dieser Ausgabe von „Was blüht denn da?“ mittels präzis gezeichneten Farbbildern vorgestellt. Es gibt „Was blüht denn da?“ auch in einer Variante mit Farbfotos. Zu Bestimmungszwecken sind aber in den meisten Fällen gute Zeichnungen ergiebiger.

Zu den meisten aufgeführten Pflanzen gibt es einen kleinen Abschnitt mit interessanten Infos zu ihrer Lebensweise. Es wird erwähnt, wenn es sich um eine Heilpflanze handelt, und allenfalls werden Inhaltsstoffe aufgeführt. Näher auf Heilwirkungen eingegangen wird aber nicht.

Dieses Buch ist ein guter Einstieg in die Pflanzenkunde, wer aber weiter kommen will in diesem Gebiet, sollte sich darüber hinaus ein Bestimmungsbuch zulegen, das nach Pflanzenfamilien aufgebaut ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, Leiter von Heilpflanzen- und Wildblumenkursen

Entzündungshemmende Lebensmittelinhaltsstoffe

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Dass verschiedene Lebensmittel Entzündungen entgegen wirken können, ist seit langem bekannt. Neue Details dazu, auf welche Weise verschiedene antientzündliche Inhaltsstoffe wirken, haben US-amerikanische Forscher vor kurzem publiziert.

Wissenschaftler um Daniel H. Hwang vom Agricultural Research Service der Universität California-Davis untersuchten antientzündlich wirkende Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auf deren Wirkmechanismus. Dabei entdeckten sie sechs Bestandteile, die alle an TBK1 (TANK-binding kinase1) angreifen. Dieses in Entzündungszellen vorkommende Protein wirkt mit an der Aktivierung des NFkappaB-Signalweges und triggert darüber die Entstehung von Entzündungsmediatoren. Bei den an TBK1 angreifenden Inhaltsstoffen handelte es sich um Luteolin, Quercetin, Chrysin, Eriodicytol, Hesperitin und Narenginin. Luteolin kommt unter anderem vor in Sellerie, grünem Pfeffer und Kamillentee. Zu den Quercetin-reichen Lebensmitteln zählen Kapern, Äpfel und Zwiebeln. Chrysin kommt als Inhaltsstoff in den Früchten der blauen Passionsblume vor. Und gute Quellen für Eriodicytol, Hesperitin und Narenginin sind Orangen, Grapefruits und Zitronen. Den stärksten hemmenden Effekt auf TBK1 zeigte in den Untersuchungen Luteolin. Basierend auf diesen Erkenntnissen hoffen die Forschenden weitere antientzündliche Mechanismen von Lebensmittelinhaltsstoffen aufdecken zu können. Ob sich aus diesem Wissen langfristig ein medizinischer Nutzen gewinnen lässt, ist jedoch offen.

Quelle: Pressemitteilung vom USDA/Agricultural Research Service vom 16.7.2010

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Es scheint sich hier um Laborexperimente zu handeln. Natürlich ist es interessant zu wissen, welche Inhaltsstoffe unserer Nahrung gegen Entzündungen wirken können. Ob sich solche Ergebnisse für eine antientzündliche Diät nutzen lassen, ist allerdings noch sehr fraglich. Entscheidende Fragen dafür sind:

- Wie gut werden die untersuchten Substanzen aus dem Verdauungstrakt resorbiert?

- Ist die für eine entzündungshemmende Wirkung nötige Dosis realistischerweise über die Zufuhr von Nahrunsmitteln erreichbar?

Meistens laufen solche Forschungen darauf hinaus, die wirksamen Naturstoffe isoliert als Präparate zur Nahrungsergänzung auf den Markt zu bringen. Diese Strategie könnte allerdings auch ein Irrweg sein. Unser Organismus scheint jedenfalls mit einem vielfältigen Angebot von Inhaltsstoffen oft besser bedient als mit Megadosen einer einzelnen Substanz.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Heilpflanzen. Erlebnis Gesundheit, Sanfte Behandlung von Alltagsbeschwerden, — von Mannfried Pahlow

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Verlagsbeschreibung

Heilpflanzen, auf die Verlass ist! Wer greift schon gleich zur “chemischen Keule”, um gesundheitliche Beschwerden und Missbefindlichkeiten selbst zu behandeln? Der Apotheker Mannfried Pahlow stellt seine besten Rezepte aus 40 Jahren Erfahrung in der Anwendung von Heilpflanzen vor.Kompetent und aus erster Hand:

* in 74 Porträts Hinweise zu Aussehen, Standort, Wirkstoffen, Anwendungen und Geschichte der wichtigsten Heilpflanzen
* Anleitungen für die Behandlung der häufigsten Alltagsbeschwerden
* Hilfe für die speziellen Beschwerden von Kindern und älteren Menschen
* Anleitungen zum Anlegen eines Arzneipflanzengartens. Zum Shop

Kommentar:

Heilpflanzen – sanfte Behandlung von Alltagsbeschwerden

Dieses Buch ist mit dem Erscheinungsjahr 2000 nicht mehr taufrisch. Wesentliche Fehler, die darauf zurückzuführen wären, habe ich aber keine gefunden. Mannfried Pahlow ist Apotheker und ein vertrauenswürdiger Autor. Er hat über mehrere Jahrzehnte allgemeinverständliche und seriöse Heilpflanzen-Bücher publiziert. Die Seriosität zeigt sich zum Beispiel darin, dass Pahlow auch Grenzen der Pflanzenheilkunde aufzeigt und wo sie vorhanden sind auch unerwünschte Nebenwirkungen der Heilpflanzen. Speziell an diesem Buch ist, dass Pahlow in allen Kapiteln auch Rezepte für Teemischungen angibt. Die Wirksamkeit solcher Mischungen ist jeweils schwierig zu beurteilen, doch hat das Teeritual als solches auch einen Wert. Beschrieben werden alle wichtigen Organsysteme mit den Beschwerden, bei denen die Pflanzenheilkunde eingesetzt wird, und die Heilpflanzen alphabetisch von A – Z. Eigene Kapitel gibt es für die Anwendung von Heilpflanzen bei Säuglingen und Kleinkindern, bei Kindern und Jugendlichen und bei Altersbeschwerden. Illustriert ist das Buch mit Heilpflanzen-Fotos.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

[Buchtipp] Quickfinder Pflanzenheilkunde, Der schnellste Weg zur richtigen Behandlung. Einfache Selbstdiagnose mit Diagramm-Tafeln. Sanfte Selbsthilfe bei Beschwerden von Kopf bis Fuss. Mit Hinweisen auf wirksame Präparate — von Jörg Grünwald, Iris Hardewig, Christof Jänicke

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Verlagsbeschreibung

Die Pflanzenheilkunde ist wunderbar geeignet zur Selbstbehandlung von Alltagsbeschwerden, doch oft fällt es schwer, selbst den passenden Tee oder das beste Präparat auszuwählen. Wer einen sicheren und schnellen Weg zum richtigen Behandlung sucht, ist mit dem neuartigen Konzept des Quickfinders optimal bedient. Mit Hilfe von übersichtlichen Diagramm-Tafeln wird die Selbstdiagnose sehr viel einfacher. In der kurzen, prägnanten Einführung erfährt der Leser alles, was er über Pflanzenheilkunde wissen muss. Im umfangreichen Beschwerdenkapitel, das nach Beschwerden von Kopf bis Fuß unterteilt ist, findet er die richtigen Pflanzen und die besten Darreichungsformen. Neben Tees und anderen traditionellen Formen wie Inhalationen oder Bäder spielen hier die pflanzlichen Präparate eine besonders wichtige Rolle, weil sie oft wirksamer und zudem einfacher einzunehmen sind. Im Anhang finden sich genaue Anwendungshinweise sowie Pflanzenporträts. Zum Shop

Kommentar:

Quickfinder Pflanzenheilkunde

Wer kurz, prägnant, übersichtlich, fundiert und kostengünstig Angaben zu den Wirkungen der wichtigsten Heilpflanzen haben will, ist mit dem Quickfinder Pflanzenheilkunde gut bedient. Wer sich als Laie umfangreicheres Wissen im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde anlesen will, greift wohl besser zur „Grünen Apotheke“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

[Buchtipp] Heilpflanzen Kompendium, Godet-Pflanzenführer, Vorkommen, Merkmale, Inhaltsstoffe, Anwendung – von Anwendung, Willi Schaffner, Barbara Häfelfinger, Beat Ernst

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Verlagsbeschreibung

Das Heilpflanzen-Kompendium ist die Frucht einer mehrjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Pharmazeutischen Institut der Universität Basel und dem Botanischen Garten Brüglingen/Basel. Es enthält Angaben über Drogen, Hauptinhaltsstoffe, pharmakologische Wirkungen, Indikationen, Dosierung, Nebenwirkungen und Kontaindikationen sowie botanische Texte und historische Informationen. Das Heilpflanzen Kompendium eignet sich besonders als didaktisches Hilfsmittel für Studierende, für die Arbeit in der Apotheke oder der ärztlichen Praxis, sowie als Hilfe für interessierte Laien, die die Möglichkeiten und Grenzen eines phythotherapeutischen Einsatzes besser abschätzen möchten.  Zum Shop

Kommentar:

Heilpflanzen-Kompendium

Dieses Heilpflanzen-Buch besticht vor allem durch seine hervorragenden Pflanzenfotos, darunter auch aussergewöhlich schöne Detailaufnahmen. Neben der lebenden Pflanze wird auch die getrocknete Heilpflanze abgebildet. Die Texte zu den einzelnen Heilpflanzen sind knapp gehalten, aber fachlich sehr fundiert. Allerdings werden bei der Beschreibung von Wirkungen und Anwendungsbereichen oft medizinische Fachwörter benutzt, so dass Personen ohne medizinische Grundkenntnisse wohl für ein volles Verständnis ein medizinisches Lexikon brauchen. Für Fachleute, die sich vertieft mit Phytotherapie / Pflanzenheilkunde befassen wollen, dürften die Texte wahrscheinlich zu knapp sein. Von den perfekten Heilpflanzen-Fotos her lässt sich das Buch aber für Fachleute und Laien empfehlen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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