Archive for Mai, 2010
Donnerstag, Mai 13th, 2010
Finanziert ein Pharmakonzern medizinische Studien zu einem seiner Wirkstoffe, fällt das Resultat für ihn vielfach günstiger aus als bei Studien mit anderer Geldquelle. Diese nicht völlig überraschende Erkenntnis wurde nun durch deutsche Forscher wissenschaftlich bestätigt. Ein Grund dafür sei, dass die Firmen die Studienprotokolle gezielt zu ihren Gunsten beeinflussten, schreiben die Wissenschaftler im «Deutschen Ärzteblatt» (Bd. 107, S. 279).
An der Analyse waren Experten der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in Berlin, Professor Wolf-Dieter Ludwig vom Helios-Klinikum in Berlin und Professor Klaus Lieb von der Universitätsmedizin in Mainz beteiligt. Sie werteten insgesamt 57 Publikationen zu dem Thema aus, die zwischen November 2002 und Dezember 2009 publiziert worden waren. Es handele sich vor allem um Untersuchungen, deren «ausdrückliches Ziel» es war, von Pharmafirmen finanzierte Studien mit unabhängig finanzierten zu vergleichen.
Quelle:
www.pharmazeutische-Zeitung.de
Kommentar & Ergänzung:
Welche Schlüsse folgen aus diesem Erkenntnissen?
Klar scheint mir, dass Hersteller-finanzierte Studien besonders kritisch unter die Lupe genommen werden müssen. Das gilt natürlich auch für Studien aus den Bereichen Komplementärmedizin oder Phytotherapie.
Keine Lösung wäre eine generelle Ablehnung von Studien als Mittel der Erkenntnisgewinnung.
Ohne qualitativ gute Studien lässt sich nämlich die Wirksamkeit von Heilmitteln nicht annähernd sicher beurteilen. Kommt es nach der Einnahme eines Heilmittels zu einer Besserung, so bleibt im Einzelfall unklar, worauf diese zurückzuführen ist: Placebo-Effekt? Spontane Besserung durch den normalen Verlauf der Krankheit? Wirkung des Heilmittels?
Die starke Abhängigkeit der Universitäten von Forschungsgeldern der Hersteller ist daher sehr problematisch (aber wohl politisch so gewollt).
Für die Phytotherapie ist dies ein wichtiges Thema. Während nämlich Heilmittel der Homöopathie und der Anthroposophischen Medizin von den Arzneimittelbehörden aus politischen Gründen (gutes Lobbying) von jeglichem Wirksamkeitsnachweis befreit sind, müssen Phytopharmaka ihre Wirksamkeit in gleicher Weise mit Studien belegen wie synthetische Medikamente.
Die Phytotherapie ist daher auf qualitativ gute Studien angewiesen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Dienstag, Mai 4th, 2010
Wenn Menschen nach dem Konsum von Fruchtsaft oder Obst Bauchschmerzen und Durchfall und übel riechende Blähungen bekommen, so leiden sie möglicherweise unter einer Fruktose-Unverträglichkeit. „Auch andere Getränke, gesüßte Milchprodukte, viele Fertiggerichte und in Marinaden eingelegte Lebensmittel enthalten sehr häufig Fruchtzucker und können bei Personen mit einer Fruktose-Unverträglichkeit Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit und sogar Depressionen verursachen.
Tauchen diese Symptome im Zusammenhang mit dem Verzehr von Fruchtsäure enthaltenden Lebensmittel auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Fruktose-Unverträglichkeit vorliegt”, empfiehlt Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Mit Hilfe eines Wasserstoffatemtests und einer Messung des Fruktose-Spiegels im Blut kann die Fruchtzucker-Unverträglichkeit gut festgestellt werden.
Einer Fruktose-Unverträglichkeit (Fructose-Intoleranz) liegt eine Störung der Fruktoseaufnahme im Dünndarm zugrunde, eine so genannte Fruktose-Malabsorption. Dadurch steigert sich die Fruktose-Konzentration im gesamten Darm. Der Fruchtzucker im Darm zieht Wasser aus umgebenden Regionen an, so dass es zu Durchfall kommt. Im Darm wird die Fruktose von Mikroorganismen verarbeitet, wobei sich Gase entwickeln, die zu Blähungen führen. „Der Zuckeraustauschstoff Sorbit, der häufig in Süßigkeiten wie zum Beispiel Kaugummi zu finden ist, sowie Laktose aus Milchprodukten hemmen die Aufnahme von Fruktose, so dass es zu einer Verstärkung der Symptome kommt”, erklärt Prof. Raedsch.
Mit der Zeit können sich die Bakterien, welche den Fruchtzucker vergären, stark vermehren und auch den Dünndarm besiedeln. „Die Symptome werden dann oftmals immer schlimmer, obwohl sich der Betroffene mit reichlich Obst und Gemüse eigentlich gesund ernährt”, erläutert Prof. Raedsch. Eine mangelhafte Verdauung von Fruchtzucker geht auch mit einer reduzierten Aufnahme von Tryptophan einher. Diese Substanz braucht der Organismus, um den Neurotransmitter Serotonin zu produzieren. Die Folgen eines Serotonin-Mangels können depressive Verstimmungen und ständiger Hunger auf Süßes sein.
Die Beschwerden gehen meist zurück, wenn man stark Fruktose-haltige Lebensmittel meidet. „In welchem Umfang dies geschehen sollte, ist von der Ausprägung der Fruktose-Malabsorption abhängig, und sollte daher in enger Absprache mit dem Arzt geklärt werden”, rät der BDI-Experte. Meist hilft es, weniger Säfte zu trinken und vorzugsweise fruktosearmes Obst wie zum Beispiel Aprikosen, Bananen und Orangen zu verzehren. Gemüsesorten, die wenig Fruktose enthalten, sind Zum Beispiel Mangold, Spinat, Feldsalat, Endivie. „Häufig sind beträchtliche Mengen an Fruktose in Diät-Produkten zu finden, die mit dem Argument propagiert werden, ‚ohne Haushaltszucker’ oder ‚nur mit Fruchtzucker’ hergestellt zu sein. Auch auf diese Lebensmittel sollte man bei einer fruktosearmen Ernährung nur in geringen Mengen zurückgreifen”, empfiehlt Prof. Raedsch.
Rund 30% der Bevölkerung in Mitteleuropa haben eine beeinträchtigte Fruktoseaufnahme. Etwa die Hälfte dieser Menschen zeigen auch Symptome.
Quelle:
http://www.internisten-im-netz.de
Kommentar & Ergänzung:
Die Fruktose-Unverträglichkeit ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, länger anhaltende Verdauungsbeschwerden diagnostisch genau abzuklären.
Das ist auch ein wichtiger Punkt auch für den Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin.
Meiner Erfahrung nach wird nicht selten zu lange ohne sorgfältige diagnostische Abklärung herumtherapiert. Das ist manchmal einfach unsinnig und in gewissen Fällen gefährlich.
Die heiklen Punkte im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin liegen mehr im Bereich mangelhafter oder gar fehlender Diagnostik als im Bereich der Therapie.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Dienstag, Mai 4th, 2010
Für Schlafmittel aus Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume oder Haferkraut sprechen mehrfache Vorteile.
Schlafmittel mit hoch konzentrierten Heilpflanzen-Extrakten aus Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume oder Haferkraut erleichtern nicht nur das Ein- und Durchschlafen, sie fördern auch eine physiologische Schlafarchitektur, bewirken keinen Hangover und machen die Patienten wach und fit für den nächsten Tag.
Dagegen seien zahlreiche Menschen, die mit Benzodiazepinen als gebräuchlichste synthetische Schlafmittel meist schnell in den Schlaf finden, damit dennoch nicht zufrieden. Darauf hat Dr. Martin Burkart vom Phytopharmaka-Hersteller Dr. Willmar Schwabe bei einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN) in München hingewiesen. Denn zusätzlich zu ihrem Abhängigkeitspotenzial, welches die Einnahme von Benzodiazepinen limitiert, veränderten diese Mittel nachweislich die Schlafqualität und ihre sedierende Wirkung überdauert häufig die Nachtruhe. Dies führe dazu, dass man sich mit solchen Schlafmitteln trotz schnellen Ein- und guten Durchschlafens am nächsten Morgen oft unausgeruht und leistungsschwach fühle.
Pflanzliche Schlafmittel mit hoch konzentrierten Heilpflanzen-Extrakten aus Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume oder Haferkraut sowie verschiedenen Kombinationen daraus hätten sich in klinischen Studien als wirksame Ein- und Durchschlafhilfen ohne negative Begleiterscheinungen der Behandlung erwiesen.
Viele pflanzliche Schlafmittel beruhigten und entspannten, ermüdeten jedoch nicht aktiv. Dies sei in Experimenten mit Gesunden bestätigt worden, wonach tagsüber eingenommene pflanzliche Schlafmittel in üblichen Dosierungen im Gegensatz zu vergleichsweise niedrig dosierten Benzodiazepinen weder ein Müdigkeitsgefühl hervorriefen noch zu signifikanten Einschränkungen in Kognitions-, Vigilanz- und Psychomotoriktests führten, erklärte Burkart.
Während die veränderten nächtlichen Wellenmuster im EEG bei Schlafgestörten durch die Einnahme klinisch geprüfter pflanzlicher Schlafmittel in eine physiologische Richtung korrigiert werden, verstärkten Benzodiazepine auffällige Abweichungen eher, so Professor Wilfried Dimpfel aus Gießen. Er begründete diese Aussage mit eigenen Daten, die er dazu erhoben hat.
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/
Kommentar & Ergänzung:
Die Vorteile pflanzlicher Schlafmittel werden in diesem Beitrag gut dargestellt. Insbesondere bei älteren Menschen können synthetische Schlafmittel die Sturzgefahr erhöhen, was bei Heilpflanzen-Präparaten nicht der Fall ist.
Ergänzt werden müsste noch, dass die erwähnten Heilpflanzen – Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Melisse, Haferkraut - in ihrer Wirkung sehr unterschiedlich gut dokumentiert sind.
Während beispielsweise die Wirkung von Baldrian gut untersucht und belegt ist, fehlen für die Wirksamkeit von Haferkraut fundierte Hinweise.
Nicht erwähnt wird im Beitrag der Lavendel (Lavandula angustifolia). Lavendelblüten enthalten das ätherische Lavendelöl, welches beruhigende Wirkung hat.
Im übrigen ist es wichtig festzuhalten, dass es grosse Qualitätsunterschiede gibt bei den schlaffördernden Naturheilmitteln. In Apotheken, Drogerien oder im Internet werden auch Naturheilmittel verkauft, deren Wirksamkeit höchst fraglich ist.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, Mai 3rd, 2010
Das Pharmaunternehmen Dr. Willmar Schwabe verzichtet in Zukunft auf fünf von sieben Patenten zur Produktion des pflanzlichen Erkältungsmittels Umckaloabo®. Die Zulassung und Marktverfügbarkeit des Heilpflanzen-Präparats bleibt davon unberührt, teilte die Firma auf einer Pressekonferenz in Berlin mit. Damit will Schwabe sich aus dem «Spannungsfeld zwischen internationalem Patentrecht und dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen» lösen, sowie sich von Vorwürfen der Biopiraterie distanzieren.
Hintergrund dieser Entscheidung ist eine Klage einer südafrikanischen Gemeinde und mehrerer Hilfsorganisationen vor dem Europäischen Patentamt. Diese hatten kritisiert, dass ein Patent der Schwabe-Unternehmensgruppe für die Produktion eines Extrakts aus der Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides) gegen die guten Sitten verstoße. Dieser Argumentation stimmte das europäische Patentamt im Januar nicht zu, fand in dem Patent aber keine wesentliche erfinderische Leistung, wie es vergangene Woche schriftlich darlegte.
Schwabe hat sich nun entschlossen, keinen Widerspruch einzulegen und verzichtet auf vier weitere bestehende oder beantragte Patente. «Wir nehmen die Diskussion um unser Produkt sehr ernst», betont Dr. Traugott Ullrich, Geschäftsführer des Schwabe-Tochterunternehmens Spitzner. «In Zukunft werden wir uns noch mehr an der Biodiversitätskonvention orientieren.» Diese sieht unter anderem die Beteiligung der lokalen Gemeinden Südafrikas vor, auf deren traditionellem Wissen die Nutzung der Pelargonie gründet. Schwabe als Hersteller von Umckaloabo® will sich neben sogenannten Benefit-Sharing-Abkommen in Zukunft noch mehr sozial engagieren, und zwar in Form einer neu gegründeten Stiftung.
Gleichzeitig betonten die Firmenvertreter, dass der Patentverzicht die Verkehrsfähigkeit von Umckaloabo in keiner Weise tangiert. «Wir erwarten keine Umsatzrückgänge», erklärte Ullrich. «Die Kunden honorieren unser verantwortungsbewusstes Handeln.» Das Heilpflanzen-Präparat sei in dieser Form seit 30 Jahren auf dem deutschen Markt etabliert und die Wirkung durch zahlreiche Studien belegt. Eine Hürde für Nachahmer-Produkte sei die Zulassung als Arzneimittel.
Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.de
26.04.2010 l PZ
Kommentar & Ergänzung:
Die Feststellung des Europäischen Patentamtes, dass mit dem Produkt „Umkaloabo®“ keine wesentliche erfinderische Leistung verbunden ist, kann ich gut nachvollziehen. Es scheint sich einfach um einen alkoholischen Auszug zu handeln, wie er in zahlreichen Heilpflanzen-Präparaten zum Einsatz kommt.
Immerhin muss man der Herstellerfirma Willmar Schwabe zugute halten, dass sie stark in die wissenschaftliche Erforschung der Kapland-Pelargonie investiert hat, auch in klinische Studien mit Patientinnen und Patienten.
Im Gegensatz dazu machen es sich zahlreiche Trittbrettfahrer sehr einfach, indem sie ihre Umckaloabo-Auszüge als Hausspezialitäten über Apotheken und Drogerien verkaufen, ohne dass deren Wirksamkeit in irgendeiner Form dokumentiert werden muss.
Es ist auch fraglich, wenn nun bezüglich „Biopiraterie“ einzig Schwabe am Pranger steht. Während nämlich Schwabe offenbar zumindestens ein Entwicklungsprojekt im Herkunftsland der Kapland-Pelargonie am laufen hat, foutieren sich die Trittbrettfahrer vollständig um solche Kompensationen.
Das Thema „Biopiraterie“ muss aber selbstverständlich aufmerksam im Auge behalten werden.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, Mai 3rd, 2010
Eine Heilpflanzen-Salbe mit Beinwellwurzel-Extrakt hat sich in einer Studie als effektiv und schnell wirksam bei Rückenschmerzen erwiesen. 120 Patienten mit akuten Schmerzen im oberen Rückenbereich wurden über 4 bis 6 Tage dreimal täglich mit 4 Gramm einer Beinwellsalbe oder mit Placebo behandelt. Über den Behandlungszeitraum reduzierte sich die Schmerzintensität in der Beinwell-Gruppe um 95,2 Prozent, in der Placebogruppe um 37,8 Prozent. Schon innerhalb einer Stunde nach der ersten Applikation verminderten sich Ruhe- und Bewegungsschmerzen signifikant. Die Verträglichkeit der Salbe war sehr gut. Die Studie ist im »British Journal of Sports Medicine« publiziert worden (doi: 10.1136/bjsm.2009.058677).
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=32865
Kommentar & Ergänzung:
Beinwell ( = Wallwurz, Symphytum officinale) wird seit einigen Jahren intensiv erforscht und zeigt gute Wirkungen bei Gelenkschmerzen, Sportverletzungen, Verstauchungen, Quetschungen, Prellungen, Sehnenscheidenentzündungen, Knochenhautentzündungen und ähnlichem.
Es gibt allerdings bei den Beinwell-Präparaten (wie auch bei anderen Naturheilmitteln) grosse Qualitätsunterschiede, so dass die Forschungsergebnisse nicht auf alle Beinwellsalben übertragen werden können.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Sonntag, Mai 2nd, 2010
Unter diesem Titel veröffentlichte die Zeitschrift der „Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie“ einen Beitrag von Dr. Roman Huber zum gegenwärtigen Wissensstand in der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen durch Heilpflanzen-Präparate.
Der Autor schreibt:
„Die Phytotherapie befindet sich in fortlaufender wissenschaftlicher Entwicklung. Weltweit werden ständig neue wie auch alt bekannte Pflanzen präklinisch und klinisch untersucht und hierbei werden neue Wirkprinzipien
und Indikationen entdeckt. So zeigen neuere Studien beispielsweise deutliche Hinweise für die Wirksamkeit von Curcumin bzw. Sojalecithin bei aktiver Colitis ulcerosa und von Wermutkraut bei Morbus Crohn. Das therapeutische Potenzial der Phytotherapie ist also bei weitem noch nicht ausgeschöpft.“
Quelle:
http://www.phytotherapie.co.at/PHYTO%20Therapie_6-09.pdf
Kommentar & Ergänzung:
Die Anwendung von Heilpflanzen bei Beschwerden und Erkrankungen im Verdauungstrakt hat eine lange Tradition. Dabei sind die alten Überlieferungen allerdings oft sehr vage.
Die Phytotherapie-Forschung versucht hier seit einigen Jahren mehr Klarheit ins Wirkungsprofil der Heilpflanzen zu bringen.
Interessante Studien sind beispielsweise gemacht worden zum Thema Reizdarm (Flohsamen, Pfefferminzöl-Kapseln) und auch wie oben erwähnt zu Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Der grossen Zahl von Heilpflanzen-Präparaten gegen Verstopfung steht die Phytotherapie-Fachwelt dagegen eher skeptisch gegenüber, sofern es sich um „Drastika“ wie Sennesblätter handelt. Milde Abführmittel wie Flohsamen oder Leinsamen sind dagegen gut etabliert.
Von der traditionellen Pflanzenheilkunde und von der Phytotherapie-Forschung werden zudem eine ganze Reihe von bitteren Heilpflanzen empfohlen gegen Völlegefühl, zum Beispiel Artischockenblätter, Schafgarbenkraut, Engelwurz, Wermut, Tausendgüldenkraut, Enzianwurzel, Löwenzahn.
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Sonntag, Mai 2nd, 2010
Wenn sich Krampfadern, so genannte Varizen, bilden, empfinden viele Menschen dies zunächst als optisches Problem und nicht als eine Erkrankung. Um ein Fortschreiten der Krampfadern zu vermeiden und Komplikationen vorzubeugen, sollte jedoch frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden, empfielt Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). In einem frühen Stadium kann häufig durch einfache Maßnahmen einer Verschlimmerung des Krampfader-Leidens entgegengewirkt werden. Häufiges Sitzen und Stehen wirken sich ungünstig auf die Venen aus. Durch einfaches Fußwippen zwischendurch kann man jedoch die Wadenmuskulatur bereits sehr gut anregen und den Rückfluss des Blutes fördern. Außerdem sollte man beim Sitzen so oft wie möglich die Beine hochlegen, rät Dr. Wesiack.
Mit Pflanzenextrakten aus der Rosskastanie oder dem Weinlaub kann der Rückfluss des Blutes aus den Venen zusätzlich gefördert werden. Regelmäßige Bewegung trägt zur Gesundheit der Venen bei. Vor allem Menschen mit stehenden oder sitzenden Berufen sollten sich in der Freizeit unbedingt einen Ausgleich etwa durch Ausdauersport wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking verschaffen. Sportarten mit abrupten Stopp-Bewegungen wie Tennis oder Badminton sowie Kraftsport belasten das Venensystem allerdings, erläutert Dr. Wesiack. Wechselduschen und Kaltwasseranwendungen können die Blutzirkulation verbessern. Menschen, die zu Krampfadern neigen, sollten zudem beengende Kleidung vermeiden. Socken und Strümpfe sollten die Beine nicht einschnüren, Hosen im Schritt- und Leistenbereich nicht zu eng geschnitten sein, empfiehlt der BDI-Experte. Auch hohe Absätze beeinträchtigen die Arbeit der Venen. Deshalb sollte man lieber flache bequeme Schuhe tragen. Am besten für die Muskulatur und damit für die Venen sei es, barfuß zu laufen.
Meist sind Krampfadern bereits längere Zeit sichtbar, bevor die ersten Beschwerden auftreten. Die ersten Symptome sind ein Schwere-, Müdigkeits- oder Spannungsgefühl in den Beinen, das sich beim Hochlegen der Beine oder bei Bewegung bessert. Bei warmem Wetter sind die Beeinträchtigungen stärker. Das gleiche gilt bei Frauen vor Beginn der Menstruation, hält Dr. Wesiack fest. Im Frühstadium der Erkrankung kommt es oft zu nächtlichen Fuß- oder Wadenkrämpfen.
In 90% der Fälle sind Kampfadern an den Beinen zu finden, grundsätzlich können sich jedoch in nahezu allen Körperregionen Varizen entwickeln. Bei der großen Mehrheit der Betroffenen liegt die Ursache für die Entstehung von Krampfadern in einer angeborenen oder altersbedingten Schwäche der Venenwände oder Venenklappen. Es kommt zu Stauung des Blutes in den Venen, wodurch diese dauerhaft gedehnt werden.
Krampfader-Leiden zählen zu den häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Rund 25 -50% der Bevölkerung sind von einer leichten Form betroffen, bei 5 bis 15% ist die Erkrankung bereits fortgeschritten. Bei Frauen treten Krampfadern 3-mal häufiger auf als bei Männern.
Quelle:
www.internisten-im-netz.de
Kommentar & Ergänzung:
Schön, dass der Bundesverband Deutscher Internisten Extrakte aus Rosskastanien oder Weinlaub empfiehlt. Das sind zwei Heilpflanzen mit gut dokumentierter Wirkung gegen venöse Stauungen.
Aber auch Bewegung und Wasseranwendungen sind bewährte Elemente aus der Naturheilkunde.
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Sonntag, Mai 2nd, 2010
Die „Augsburger Allgemeine“ veröffentlichte vor kurzem einen sehr beachtenswerten Text von Prof. Dr. Heinz Schilcher, der am 21. Februar 2010 seinen 80. Geburtstag feierte und im Fachbereich Phytotherapie einer der führenden Experten ist.
Schilcher äussert sich zuerst positiv zur Renaissance der „Kräuteranwendungen“:
“Aus meiner Sicht – ich beschäftige mich seit 1950 praktisch und wissenschaftlich mit der Anwendung von Heilpflanzen – ist gegen die Renaissance der ‘Kräuteranwendungen’ nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil: Ich begrüße es, dass die alten Bauerngärten, in denen sich neben Gemüse und Gewürzpflanzen auch Arzneipflanzen zum Zweck der Selbstmedikation befinden, in Erinnerung gebracht werden.“
Prof. Schilcher weißt aber auch sehr zu Recht auf kritische Punkte dieser Renaissance hin:
„Bei den Therapieversprechungen sollte man allerdings zurückhaltender sein und sich nicht ausschließlich auf die Überlieferung der traditionellen und teilweise krass überzogenen Anwendungsgebiete stützen, sondern auch jüngere Forschungsergebnisse mit berücksichtigen und vor allem die Therapieempfehlungen von drei Sachverständigen-Kommissionen (eine nationale, eine europäische und eine WHO-Kommission) kennen und respektieren.“
Tatsächlich gibt es im Bereich der Pflanzenheilkunde leider ziemlich verbreitet überzogene Heilungsversprechungen nach dem Motto: „Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen.“
Schön wäre das ja, aber es ist einfach nicht wahr. Heilpflanzen haben vielfältige und interessante Wirkungen, aber auch Grenzen in ihren Möglichkeiten.
Und man kann sich auch nicht einfach nur auf die Tradition der überlieferten Pflanzenheilkunde berufen. Tradition hat sich auch schon oft über Jahrhunderte geirrt.
Also geht es darum, die traditionellen Überlieferungen mit Interesse aufzunehmen, jedoch zugleich auch kritisch zu überprüfen. Intensive wissenschaftliche Forschung hat im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde zahlreiche neue Erkenntnisse über Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen gebracht, aber auch manchen Irrtum aufgedeckt oder die alten Empfehlungen präzisiert.
Die von Schilcher erwähnten Kommissionen sind wichtige Elemente der Qualitätssicherung in der Phytotherapie (Kommission E, ESCOP, WHO).
Professor Schilcher weißt auch auf den Umgang mit allfälligen Nebenwirkungen der Heilkräuter hin:
„Systematische Untersuchungen zu unerwünschten Neben- und Wechselwirkungen existieren in den Berichten zur Anwendung von Heilkräutern in der traditionellen Medizin nicht, und sie wurden mehr oder weniger erst durch systematische naturwissenschaftliche Untersuchungen in den letzten 30 Jahren sowie durch die erst seit 1978 vorgeschriebenen Nebenwirkungsmeldungen an das Bundesgesundheitsamt und die Ärzte- und Apothekerkammern entdeckt.“
Die traditionelle Pflanzenheilkunde hat Nebenwirkungen und Wechselwirkungen (Interaktionen) der Heilkräuter nicht systematisch erfasst, während dies in den letzten Jahrzehnten zunehmend geschehen ist.
Es ist eines der Qualitätsmerkmale von Heilpflanzen-Büchern und Heilpflanzen-Kursen, wenn nicht nur Wirkungen, sondern auch allfällige Nebenwirkungen und Interaktionen thematisiert werden.
Allerdings stört dies bei manchen Leuten das idealisierte Bild von der immer sanft und nebenwirkungsfrei wirkenden Heilpflanze, so dass mögliche Nebenwirkungen und Interaktionen ausgeblendet werden. Das ist nicht ohne Risiko für Patientinnen und Patienten.
Quelle:
http://www.augsburger-allgemeine.de/
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Samstag, Mai 1st, 2010
Zimt wird seit einiger Zeit als Heilmittel gegen Diabetes („Zuckerkrankheit“) empfohlen, gleichzeitig aber auch sehr kontrovers beurteilt. Dabei fällt auf, dass sowohl Befürworter als auch Skeptiker der Zimt-Anwendung ziemlich undifferenziert Stellung nehmen.
Im Internet und in Kreisen der Komplementärmedizin wird Zimt zum Teil ohne jede Einschränkung als Diabetes-Heilmittel propagiert. Absurderweise wird sogar Einlagesohlen mit Zimt eine Wirksamkeit gegen Diabetes zugeschrieben.
Andererseits ist auch die Kritik an der Verwendung von Zimt gegen Diabetes meist ziemlich undifferenziert.
In der „Welt“ (online 28. April 2010) kommt Prof. Rüdiger Landgraf von der Deutschen Diabetes-Stiftung in Düsseldorf zu Wort.
„In Online-Foren wird heiß diskutiert, welche Wundermittel gegen Diabetes die Natur bereithält. Ob Zimt, Grüner Tee oder spezielle japanische Heilpilze: ‚Es gibt bis heute noch keine Studien, die die positiven Wirkungen belegen’, sagt Landgraf. Er warnt besonders vor der Dauereinnahme von Zimt: ‚Es gibt keine Dosierungsempfehlung. Außerdem kann Zimt auf Dauer die Leber schädigen und sogar das Krebsrisiko erhöhen.’“
Zu präzisieren wäre da: Es gibt durchaus positive Zimt-Studien, doch ist die Wirksamkeit gegen Diabetes nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin tatsächlich nicht belegt.
Eine gute Zusammenfassung findet sich bei Wikipedia im Artikel über ZImt (Literaturangaben dort):
„Eine mögliche blutzuckersenkende Wirkung von Zimt in frühen Stadien des Diabetes mellitus wird in der modernen Medizin kontrovers diskutiert. In einer ersten Pilotstudie wurde die Wirksamkeit größerer Dosen Zimt (1–6 Gramm) auf Blutzucker- und Blutfettwerte untersucht. Hier konnte eine mögliche Senkung des Nüchternblutzuckers, der Triglyceride, des Gesamt- und des LDL-Cholesterins beobachtet werden. In einer weiteren Studie an 79 Patienten konnte eine Senkung des Blutzuckerspiegels, aber nicht des als “Langzeitblutzuckerspiegel” geltenden HbA1c-Werts und der Blutfettwerte beobachtet werden. Ein Wirksamkeitsnachweis der Anwendung von Zimt bei Diabetes mellitus nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin steht noch aus.“
Es gibt experimentelle und klinische Hinweise auf eine Wirksamkeit von Zimt, aber keine eindeutigen Belege.
Zur Diskussion steht aufgrund des gegenwärtigen Wissensstand nur der Diabetes-Typ-2, nicht der Diabetes-Typ1.
Die Warnung vor Langzeiteinnahme müsste differenziert werden. Heikel ist aufgrund des hohen Cumaringehalts der chinesische Zimt. Wikipedia dazu:
„In Zimt – vor allem im billigeren Cassia-Zimt (auch: chinesischer Zimt) – ist das als gesundheitsschädlich geltende Cumarin enthalten. In Fertigprodukten wird fast ausschließlich dieser aus China, Indonesien oder Vietnam stammende Cassia-Zimt verarbeitet. Der Cumarin-Anteil beider Zimtsorten unterscheidet sich erheblich: Während er bei dem Cassia-Zimt bei ca. 2 g Cumarin pro kg liegt, finden sich in der gleichen Menge Ceylon-Zimt nur ca. 0,02 g Cumarin.
Cumarin kann bei Einnahme in den Blutkreislauf Kopfschmerzen, Leberschäden, Leberentzündungen und, wie in wahrscheinlich nur bedingt auf den Menschen übertragbaren Tierversuchen mit Ratten festgestellt wurde, in sehr hohen Dosierungen sogar Krebs verursachen.“
Im „Leitfaden Phytotherapie“ (2007) schreiben Heinz Schilcher / Susanne Kammerer / Tankred Wegener:
„Der Ceylonzimt besitzt gegenüber dem chinesischen Zimt ein runderes Aroma, enthält keine oder nur in Spuren Cumarine und ist daher auch die verwendete Arzneibuchzimtrinde. Mit Ceylonzimt werden die erlaubten 0,1 mg Cumarin / kgKG nicht überschritten. Als Nahrungsergänzungsmittel zur begleiteten Diät bei Diabetes mellitus sollten nur wässrige Extrakte des Ceylonzimts verwendet werden.“
Im „Leitfaden Phytotherapie“ gibt es eine vorsichtige Empfehlung von Zimt zur unterstützenden Behandlung bei Diabetes.
Andere Phytotherapie-Fachautoren sind aber skeptischer, zum Beispiel Karl Hiller & Dieter Löw (in Max Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka, 2009):
„Eine blutzuckersenkende Wirkung von wasserlöslichen Inhaltsstoffen der Zimtrinde ist zwar wahrscheinlich, doch reichen die bisherigen Befunde nicht aus, die Anwendung als Antidiabetikum zu empfehlen, hierzu bedarf es noch wesentlich umfangreicherer klinischer Studien, sowohl bezüglich der Patientenzahlen als auch der untersuchten Parameter.“
Es gibt also noch viele offene Fragen zur Anwendung von Zimt bei Diabetes. Unkritische Zimt-Propaganda scheint mir daher genauso wenig angebracht wie fundamental-undifferenzierte Verdammung.
Sehr wichtig im Beitrag auf www.welt.de scheint mir folgender Hinweis:
„Statt auf die Rettung durch Nahrungsergänzungsmittel zu hoffen, sollten Diabetiker regelmäßig in die Sportschuhe schlüpfen. Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen.“
Die Hoffnung auf irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel aus Zimt, Grüntee oder anderem kann die notwendigen Umstellungen im Lebensstil nicht ersetzen.
Professor Thomas Haak vom Diabetes Zentrum Mergentheim erklärt dazu: „Bewegung ist neben der Ernährung die wichtigste Säule der Therapie.“
Je nach Konstitution und Gewicht solle unter ärztlicher Anleitung ein Trainingsplan erstellt werden. „Stark übergewichtige Menschen müssen natürlich langsam anfangen.“
Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/medizin/article7373687/Diabetes-auch-ohne-Medikamente-behandelbar.html
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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