Mistel-Wirkstoffe können Tumorwachtum hemmen

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In der Palliativtherapie und bei der Behandlung bösartiger Tumore kommen oft Mistelpräparate zum Einsatz. Denn die Mistel enthält als bedeutende Wirkstoffe unter anderem sogenannte Lektine.

Die Lektine lösen eine Reaktion des Immunsystems aus, die Krebszellen beseitigt, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin in Würzburg. Durch diese Wirkung könne das Tumorwachstum gehemmt werden. Nicht eingesetzt werden sollten Mistelpräparate allerdings bei einer Eiweißüberempfindlichkeit und chronischen Infektionen wie TBC.
Die Mistel fand laut Johannes Gottfried Mayer zwar bereits im Jahr 400 vor Christus als Heilpflanze bei dem griechischen Arzt Hippokrates Erwähnung. Doch im 19. Jahrhundert sei sie fast vollständig aus der Medizin verschwunden. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam die Mistel als Mittel gegen Krebs und gegen Bluthochdruck wieder ins Gespräch. Eine in Tierversuchen beobachtete Reduzierung des Blutdrucks konnte beim Menschen bislang klinisch nicht belegt werden.

Die botanisch Viscum album genannte Schmarotzerpflanze wächst auf nahezu allen Laubbäumen. Die Mistel kann ihr Wurzelwerk in alle Richtungen entwickeln. An günstigen Standorten bildet die immergrüne Mistel ein kugelförmiges Geäst aus.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com/26/20100511/thl-wirkstoffe-aus-der-mistel-knnen-tumo-b930478.html
www.klostermedizin.de

Kommentar & Ergänzung:
Ich schätze die Arbeit der „Forschergruppe Klostermedizin“ sehr. Hier lehnt sich Johannes Gottfried Mayer mit seinen Aussagen meines Erachtens aber ziemlich weit zum Fenster hinaus.
Mistelextrakte bzw. Lektine haben zwar an Krebszellen im Labor tumorhemmende Eigenschaften gezeigt. Dass aber in Krebspatienten Krebszellen beseitigt und das Tumorwachstum gehemmt wird, das ist alles andere als klar. Je besser die Qualität der Studien, desto weniger lässt sich ein solcher Effekt der Mistelbehandlung feststellen. Ein Überlebensvorteil durch die Misteltherapie liess sich bisher jedenfalls nicht annähernd klar belegen. Es gibt Hinweise auf eine gewisse Verbesserung der Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen mit Mistelbehandlung, wobei unklar bleibt, wodurch dieser Effekt bewirkt wurde.
Mir ist natürlich klar, dass viele Krebspatientinnen und Krebspatienten Hoffnungen in die Misteltherapie setzen. Vielleicht würde ich dies auch tun, wenn ich betroffen wäre.

Wenn Tumorpatientinnen und Tumorpatienten berichten, dass ihnen die Mistelbehandlung gut tut, dann ist diese Erfahrung ernst zu nehmen. Für die Interpretation einer solchen Erfahrung ist aber viel Sorgfalt nötig. Eine Besserung des Befindens – so wertvoll sie für Betroffene sein mag – ist noch keine Tumorheilung. Und eine Besserung des Befindens muss nicht unbedingt direkt mit dem Mistelextrakt oder den Lektinen zusammenhängen. Eine Misteltherapie kann möglicherweise auch als Ritual die Ohnmacht lindern, die eine Krebserkrankung bei Betroffenen und Angehörigen oft auslöst.  Und auch das kann wertvoll sein. Es entbindet aber nicht von einer differenzierten Interpretation allfälliger Wirkungen des Mistelextraktes bzw. der Lektine.

Mistelextrakte zeigen eine Wirkung auf das Immunsystem, aber dass Lektine Krebszellen beseitigen, ist ein Laboreffekt, der sich nicht einfach auf Krebspatienten übertragen lässt. Der Schluss auf eine tumorhemmende Wirkung im Organismus von Krebspatienten wäre daher ziemlich gewagt. Es ist sehr wichtig, zwischen Laborexperimenten und einer allfälligen Wirkung im lebendigen Organismus zu unterscheiden.

Ergänzt werden sollte noch, dass Misteltherapien bei Krebserkrankungen als Injektion vorgenommen werden. Lektine werden im Verdauungstrakt nicht unverändert aufgenommen, so dass bei Anwendungen in Form von Misteltee, Misteltinktur oder sonstigen peroralen Präparaten eine Wirksamkeit auf Tumorerkrankungen zum vorneherein ausgeschlossen ist.
Für die Botanik ist die Mistel übrigens nur ein Halbschmarotzer. Sie nimmt von ihrem Wirtsbaum, was dieser über die Wurzeln aus dem Boden holt (Wasser, Mineralstoffe). Die Mistel ist aber grün, enthät daher Chlorophyll (Blattgrün) und kann daher selber mit Hilfe des Sonnenlichts Glukose produzieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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