Archive for Mai, 2010

Hausärzteverband kritisiert ökonomisch beherrschte Medizin

Montag, Mai 31st, 2010

Mediziner und Patienten sollten die Entwicklungen im Gesundheitssystem kritischer hinterfragen, denn diese beruhten häufig auf Studien, die eine auf Gewinn ausgerichtete Pharmaindustrie gesponsert hat. So lautete die Botschaft einer Veranstaltung des Österreichischen Hausärzteverbandes mit dem Titel “Medizinische Erkenntnisse – erforscht oder erkauft?” am 11. Mai 2010 in Wien.

Am Beispiel der Schweinegrippe-Impfung, eines Präparates gegen Rheumatoide Arthritis und diverser Onkologika (Krebsmedikamente) zeigte die Expertin Claudia Wild, Direktorin des Ludwig Boltzmann Institutes für Health Technology Assessment, fragwürdige Praktiken im Gesundheitsmarkt auf. Die Pharmaindustrie stelle immer weniger wirklich innovative Produkte her, während gleichzeitig zahlreiche alte Patente auslaufen. Darum würden beispielweise große Anstrengungen unternommen, um Generika zu desavouieren.

Scheinbare Unabhängigkeit

“Während die klassischen Pharmareferenten immer weniger werden, investiert die Industrie in Lobbying und Awareness-Strategien über die Medien”, stellte Wild fest. So würden von Pharmafirmen unter verschiedenen Namen, die wissenschaftliche Unabhängigkeit suggerieren (wie etwa “The European Scientific Working group on Influenza” – ESWI), Initiativen gestartet, die mit Workshops und Konferenzen sowie darauf folgenden Veröffentlichungen Stimmung bei Medien und Politik dafür machen, dass man gewisse Krankheiten dringend mit bestimmten Methoden oder Medikamenten bekämpfen müsse, etwa die drohende Schweinegrippe durch eine entsprechende Impfung.

Claudia Wild wies auf Systemmängel hin: “Wenn jene, die Impfstoffe entwickeln, auch die Forschung über deren Wirksamkeit finanzieren und gar noch in den Gremien über deren Einsatz entscheiden, entsteht ein unakzeptabler Interessenkonflikt.”

Sorge wegen Leitlinien

Die Hausärzte warnen vor einer ökonomisch motivierten “Integrierten Versorgung” mit standardisierten Diagnosestraßen und Behandlungen – dies gehe zu Lasten des individuellen Bemühens um den Patienten. Der Chef des Hausärzteverbandes, Christian Euler, und seine Kollegen lehnen strenge Leitlinien deshalb ab: “Rahmenbedingungen können so eng werden, dass im Rahmen kein Platz mehr ist.” Susanne Rabady von der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin setzte sich für Leitlinien und Standards ein, doch dürften daraus nicht “starre Schemata” werden.

Michael Wendler, Leiter einer Lehrpraxis in Graz, will zurück zu einer Medizin, welche den Patienten als Partner und nicht als Objekt sieht. Der Ärztenachwuchs solle zu mehr Kritikfähigkeit ausgebildet werden. Er müsse häufig Gespräche mit Patienten führen, die ihr medizinisches Wissen aus dem Internet beziehen, erklärte Wendler. Er rate dann meist: “Erst gurgeln, dann googeln.”

Quelle:

http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4109&Alias=wzo&cob=493144

Printausgabe vom Freitag, 14. Mai 2010
Online seit: Donnerstag, 13. Mai 2010

Kommentar & Ergänzung:

Sehr einverstanden bin ich mit der Empfehlung, dass Mediziner und Patienten die Entwicklungen im Gesundheitssystem kritischer hinterfragen sollen. Kann alles in dieser Meldung dreifach unterstreichen.

Zur Ökonomisierung der Medizin schreibt Urs P. Gasche im Tages-Anzeiger (31. 5. 2010):

„Ob jemand besonders viele Medikamente verschrieben bekommt oder eine Knieprothese erhält, ob einer Frau die Gebärmutter entfernt oder einem Mann die Gallenblase operiert  wird, hängt weniger vom Zustand der Patienten ab als davon, ob es in der Gegend viele Spezialärzte gibt. Computertomografien zu diagnostischen Zwecken ordnen Ärzte in der Waadt trotz der enormen Strahlenbelastung fast doppelt so häufig an wie ihre St. Galler Kollegen. Untersuchungen mit Herzkatheter, ebenfalls risikobehaftet, machen Waadtländer Ärzte 80 % häufiger. Trotzdem sterben die Waadtländer nicht weniger oft an Herzleiden. Für solche Überbehandlungen gibt es keine medizinischen Erklärungen. Die Risiken aber tragen stets die Patienten.“

Ich würde die Forderung des Österreichischen Hausärzteverbandes  allerdings nicht einseitig auf die Medizin beschränken. Auch im Bereich von Komplementärmedizin / Alternativmedizin / Naturheilkunde braucht es mehr kritisches Denken.

Bei einem sehr grossen Teil der Naturheilmittel, die in Apotheken und Drogerien verkauft werden, fehlt einfach jeder Hinweis darauf, dass sie – von Placebo-Effekten abgesehen – eine Wirkung haben. Es stellen sich hier Fragen bezüglich Ethik und bezüglich Konsumentenschutz.

Und es gibt auch im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin / Naturheilkunde eine unübersehbare Tendenz zur Medikalisierung: Den Menschen werden Störungen eingeredet, um sie anschliessend zu therapieren.

Während aber in der Medizin immer wieder auch eine kritische Diskussion von Fehlentwicklungen und Auswüchsen stattfindet– die Veranstaltung des Östereichischen Hausärzteverbandes ist dafür ein Beispiel – fehlt eine solche Auseinandersetzung im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin / Naturheilkunde fast vollständig. Hier herrscht meiner Erfahrung nach  über weite Strecken eine naive Gläubigkeit, die ich ziemlich erschreckend finde.

Wenn der Bereich von Komplementärmedizin / Alternativmedizin / Naturheilkunde einen fundierten, seriösen Boden finden soll, braucht es meiner Ansicht nach vielmehr sorgfältige, selbstkritische Prüfung von Aussagen und Versprechungen und sehr viel mehr Auseinandersetzung mit den Grenzen der eigenen Heilmethode.

Die Kategorie „Naturheilkunde-Debatte“ in diesem Pflanzenheilkunde-Blog ist ein Versuch, diese Fragen zu thematisieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Montag, Mai 31st, 2010

Der Problemkeim MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) verursacht immer größer werdende Probleme. Dass hier zu den chemischen Antibiotika wirksame pflanzliche Alternativen existieren, belegte das Team um Dr. Andreas Conrad vom Universitätsklinikum Freiburg schon im Jahr 2006. Mithilfe eines speziellen Gastests konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass Senfölglykoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel gegen 13 Bakterienstämme eine ausgeprägte, keimhemmende Wirkung, sogar gegen MRSA, besitzen (Arzneimittelforschung 56, 2006, 842). Die neueste Untersuchung der Freiburger Forscher belegt nun, dass sich hier keine wesentlichen Wirkungsunterschiede zwischen den multiresistenten und den korrespondierenden nicht-resistenten Phänotypen zeigen (Conrad et. al 2009, Veröffentlichung in Planta Medica in Vorbereitung). Sie ziehen daraus den Schluss, dass die Senfölglykoside auch beim Nachweis von resistenten beziehungsweise multiresistenten Erregern eine wirksame Behandlungsoption darstellen. Zumindest bei unkomplizierten viralen und bakteriellen Infektionen sollten die untersuchten Senfölglykoside den Studienautoren zufolge als Alternative zu den chemischen Antibiotika in Betracht gezogen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=33795

Beitrag erschien in Ausgabe 19/2010

Kommentar & Ergänzung:

Senfölglykoside (Glukosinolate) aus Meerrettich und Kapuzinerkresse (und aus anderen Kreuzblütlern) zeigen tatsächlich interessante Wirkungen gegen diverse Bakterienarten. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass es sich bei den erwähnten Untersuchungen an MRSA-Keimen ganz offensichtlich um Laborexperimente handelt.  Und im Labor sind antibakterielle Effekte einfacher zu erzielen als im lebendigen Organismus eines Infekt-Patienten. Senfölglykoside zeigen auch ausgeprägte Reizwirkungen auf Haut und Schleimhäute. Da fragt sich zum Beispiel, ob es möglich ist, in einem lebenden Organismus eine ausreichend hohe Konzentration zu erzielen. In einem Laborexperiment ist das jedenfalls sehr viel einfacher.

Trotzdem ist aber natürlich diese Forschung im Bereich MRSA interessant und wichtig und Meerrettichwurzel zum Beispiel wird schon seit längerer Zeit empfohlen zur unterstützenden Behandlung bei bakterieller Bronchitis  und bei Blasenentzündung (Zystitis).

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Schlafstörungen ohne Hangover mit Heilpflanzen-Präparaten behandeln

Donnerstag, Mai 27th, 2010

Gute Schlafmittel machen wach, denn Schlafstörungen belasten Betroffene in zweierlei Hinsicht: Nicht einschlafen können oder stundenlanges Wachliegen quält in der Nacht, und am folgenden Tag fühlt man sich unausgeschlafen, müde und unkonzentriert. Das ideale Schlafmittel sollte sowohl Einschlafen als auch Durchschlafen unterstützen, und am folgenden Tag sollte man sich frisch, ausgeruht und leistungsfähig fühlen.

Benzodiazepine, die zu den am häufigsten verwendeten Schlafmitteln zählen, erfüllen nur den ersten Teil dieser Anforderungen. „Hangover“, also unangenehme Nachwirkungen am Tag, sind ihr typisches Problem.

Obwohl Benzodiazepine die Schlafzeit verlängern, berichten Anwender zwei- bis viermal mehr über Tagesmüdigkeit und Benommenheit. Dies ist nicht nur subjektiv belastend, sondern birgt auch Gefahren. Umfangreiche Fall-Kontroll- und Kohortenstudien fanden bei Unfallfahrern 60 Prozent häufiger die Anwendung von Benzodiazepinen, als bei unfallfreien Fahrern. Auch bei Fahrsicherheitsuntersuchungen im realen Straßenverkehr wurden signifikante Beeinträchtigungen festgestellt, so dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis sedierender Schlafmittel in Frage gestellt wurde, vor allem bei älteren Menschen.

Bieten Heilpflanzen-Präparate hier Vorteile?

Seit Jahrtausenden wird in unterschiedlichen Kulturen das Wissen über Schlafmittel aus der Pflanzenheilkunde weitergegeben. Präparate aus fünf Heilpflanzen wurden inzwischen vom Herbal Medicinal Products Committee (HMPC), der europäischen Zulassungsbehörde, als traditionelle pflanzliche Schlafmittel offiziell anerkannt:

Die ausgleichenden und schlaffördernden Wirkungen von Zubereitungen aus Melissenblättern (Melissa officinalis L.) wurden bereits im 1. Jahrhundert von Plinius schriftlich erwähnt. In der traditionellen chinesischen Medizin sind seit alters her die schlaffördernden Wirkungen von Hopfenzapfen (Humulus lupulus L.) bekannt, ab dem 9. Jahrhundert wurde Hopfen in Europa vermehrt angebaut und dieses Wissen fand Eingang in die europäische Kultur. Die Azteken sowie die Indianer Nordamerikas verwendeten traditionell die Passionsblume (Passiflora incarnata L.), welche im  16. Jahrhundert durch die spanischen Eroberer für die westliche Kultur entdeckt wurden; seit dem 18. Jahrhundert wird die Passionsblume als Schlafmittel in der nordamerikanischen Literatur aufgeführt.

Baldrian (Valeriana officinalis L.) oder eine ähnliche Heilpflanze wurden bereits in der Antike medizinisch eingesetzt, die entspannenden und schlaffördernden Eigenschaften wurden aber erst um die Jahrhundertwende erkannt und in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift 1916 von Holste beschrieben.

Haferkraut oder Grünhafer (Avena sativa L.) wurde ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Schlafmittel bekannt.

Diese traditionellen Pflanzen wurden als Einzelsubstanz, oft jedoch auch in Kombination angewendet.

Für solche Kombinationen konnten jüngste wissenschaftliche Studien eine biochemische Begründungen liefern. Zahlreiche Substanzen mit beruhigender und schlafanstoßender Wirkung, z. B. Alkohol, Benzodiazepine oder Barbiturate, beeinflussen den Stoffwechsel und die Wirkweise des Nervenbotenstoffes Gamma-Aminobuttersäure (GABA), welcher das beruhigende Prinzip im Gehirn darstellt. Valerensäure und Valerenol aus Baldrian sowie Extrakte aus der Passionsblume modulieren den GABAA Rezeptor, wodurch GABA über diesen Rezeptor eine stärkere Wirkung entwickelt.  Alkoholischer Baldrianextrakt unterstützt die Synthese von GABA, indem er die Aktivität der Glutaminsäuredecarboxylase erhöht.

Wässriger und alkoholischer Extrakt aus Melisse vermindert den Abbau von GABA über die GABA-Transaminase.

Diese Befunde liefern die biochemische Begründung für eine Kombination speziell aus Baldrian und Melisse, für die in placebokontrollierten Studien sowohl bei schlafgestörten Patienten als auch bei Gesunden eine Besserung der Schlafqualität und des Tagesbefindens belegt werden konnte.

Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit bei Baldrian & Co

Weil Baldrian, Melisse und Passionsblume auf dieselben Stoffwechselwege im Gehirn einwirken, über die auch Benzodiazepine wirksam sind, war es nötig, einen möglichen Einfluss solcher Pflanzenpräparate auf die psychomotorische Leistungsfähigkeit zu untersuchen.

Es liegen die Resultate aus acht placebokontrollierten Studien vor, in denen Extrakte aus Baldrian alleine oder in Kombination mit Hopfen und/oder Melisse placebokontrolliert untersucht und mit Benzodiazepinen und dem Betablocker Propranolol verglichen wurden. Dabei wurden Baldrianextrakte bis zu einer Dosierung von 1800 mg als Einzeldosis, sowie bis zu 640 mg Tagesdosis als Dauertherapie untersucht, Hopfenextrakt bis zu 300 mg als Einzeldosis und Melissenextrakt bis zu 510 mg pro Tag als Dauertherapie.

In keiner der Studien fand sich durch die Heilpflanzen-Präparate eine Einschränkung von Wahrnehmung, Einscheidungsfähigkeit, Konzentration, kognitiver Verarbeitungsgeschwindigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit oder Vigilanz am Tag.

Sedierung, Tagesmüdigkeit oder Benommenheit wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Studien nicht stärker empfunden als unter Placebo. Auch bei einer gleichzeitigen Alkoholzufuhr (0,5 Promille Blutalkoholkonzentration) führte die über zwei bis drei Wochen durchgeführte Einnahme von Baldrian kombiniert mit Melisse oder als Dreierkombination (zusätzlich mit Hopfen) nicht zu einer über die Wirkung des Alkohols hinaus gehenden Einschränkung. Im Gegensatz dazu konnte in diesen Studien der sedierende Hangover durch Benzodiazepine regelmäßig bestätigt werden.

Acht placebokontrollierte Doppelblindstudien zeigten mit unterschiedlichen Methoden, Extrakten, Dosierungen und Behandlungszeiten den stabilen, konsistent wiederholbaren Befund, dass hochwirksame pflanzliche Schlafmittel aus Baldrianextrakt alleine oder in Kombination mit Extrakten aus Melisse und / oder Hopfen keine kognitiven oder psychomotorischen Einschränkungen am Tag nach sich ziehen.

Schlafstörungen lassen sich mit pflanzlichen Schlafmitteln ohne Hangover therapieren. Diese Aussage gilt selbstverständlich nur für die pflanzlichen Arzneimittel (Phytopharmaka) mit in placebokontrollierten Studien nachgewiesener Wirksamkeit.

Quelle:

http://www.phytotherapie-komitee.de/News/pk_21_04_10/Burkart-Statement.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Das ist tatsächlich einer der wichtigen Vorteile von Heilpflanzen-Präparaten zur Schlafförderung, dass bei Hangover befürchtet werden muss. Und für Extrakte aus Baldrian, Hopfen, Passionsblume und Melisse ist die schlafanstossende Wirkung am besten dokumentiert. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die beschriebenen Wirkungen  auf das GABA-System keine Soforteffekte sind, sondern eine gewisse Anlaufszeit brauchen – wie das von Baldrian bekannt ist.

Eine weitere wichtige Schlafpflanze ist der Lavendel, wobei hier in der Regel das ätherische Lavendelöl zur Anwendung kommt.

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Heilpflanzen bei Venenbeschwerden

Mittwoch, Mai 26th, 2010

Über Heilpflanzen zur Behandlung von Venenbeschwerden schreibt Reinhard Länger in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (PHYTO Therapie Austria  2|10).

Hier zusammenfassend die wichtigsten Aussagen zu den zentalen Heilpflanzen im Venenbereich:

„ Üblich hingegen ist der Einsatz von Ödemprotektiva, in dieser Gruppe von Arzneimitteln spielen pflanzliche Zubereitungen die dominierende Rolle. Als Wirkstoffe fungieren Saponine (Rosskastanie, Mäusedornwurzelstock) und Flavonoide (Rotes Weinlaub, Buchweizenkraut), manche Flavonoide werden auch als Reinsubstanzen, Substanzgemische oder in chemisch abgewandelter Form eingesetzt. Der Wirkmechanismus ist für alle genannten Substanzen noch nicht vollständig geklärt, die Hemmung bestimmter Enzyme, die die Gefäßpermeabilität erhöhen können, dürfte aber im Vordergrund stehen.“

Damit sind die wichtigsten Heilpflanzen und Wirkstoffgruppen zusammengefasst.

Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Im nächsten Abschnitt geht der Text detaillierter auf Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) ein:

„Die Samen enthalten 3 bis 10 Prozent Triterpensaponine, das Saponingemisch wird als Aescin (oder Escin) bezeichnet. Aescin in Arzneimitteln ist keine Reinsubstanz, sondern ein Gemisch strukturell sehr ähnlicher Substanzen. Deshalb ist Aescin als pflanzliche Zubereitung anzusehen, Arzneimittel mit Aescin als Wirkstoff werden als Phytopharmaka definiert.“

Das Saponingemisch Aescin gilt eindeutig als zentral für die Wirkung der Rosskastaniensamen zur Linderung der Beschwerden von Venenerkrankungen.

Wäre Aescin ein bestimmtes, genau definiertes Molekül, gälte es nicht als Phytopharmaka, weil die Phytotherapie „Teams“ von Wirkstoffen einsetzt und nicht Einzelsubstanzen. Allerdings ist Aescin ein Grenzfall, weil die verschiedenen Bestandteile dieses Gemisches sich sehr ähnlich sind.

Zur Wirksamkeit und zum Anwendungsbereich von Rosskastaniensamen-Extrakt schreibt Länger:

„Die orale Anwendung von Extrakten aus Rosskastaniensamen, die mit Ethanol-Wasser-Mischungen (Ethanol 40-80 % v/v) hergestellt werden und 16-28 % Aescin enthalten, wurde im Zuge der Erstellung einer EU-Gemeinschaftsmonographie durch das Herbal Committee (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) als klinisch belegt bewertet. Einsatzgebiet ist die chronisch venöse Insuffizienz der Stadien I und II….Ein systematischer Review (Meta-Analyse) von 17 klinischen Studien kommt zum Schluss, dass standardisierter Rosskastaniensamenextrakt verglichen mit Placebo signifikant die Symptome von CVI wie Ödeme, Schmerz, Juckreiz reduziert.“

Bei Venenschwäche Stadien I und II gilt Rosskastanienextrakt als gut dokumentiertes und belegtes Heilpflanzen-Präparat. Es braucht aber eine ausreichende Tagesdosis an Aescin und eine genügend lange Anwendungsdauer:

„Die Bioverfügbarkeit von Aescin liegt bei nur ca. 5 Prozent. Eine Tagesdosis von 100 mg Aescin sollte eingehalten werden, therapeutische Effekte werden unter Umständen erst nach 4 Wochen Behandlung erkennbar.“

Kritisch sieht Reinhard Länger offensichtlich die Anwendung von Rosskastanien-Präparaten via Haut (Venengel oder Venensalbe auf Basis von Aescin, Rosskastanienbad):

„Kontrovers wird hingegen die klinische Datenlage zur kutanen Anwendung derartiger Extrakte interpretiert. Die Resorption der großen, hydrophilen Saponinmoleküle durch die intakte Haut ist sicher gering, weshalb sich nach wie vor die Frage stellt, ob relevante Konzentrationen im Bereich der Venen erreicht werden können. Deshalb bleibt die kutane Anwendung traditionell pflanzlichen Arzneimitteln vorbehalten, die Indikation ist ‚leichte Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen im Zusammenhang mit leichten venösen Durchblutungsstörungen’.“

Das bestätigt mir meine Skepsis an diesem Punkt. Sehr viele Venenkranke schätzen zwar Venengels oder Venensalben. Die Vorstellung, dass die grossen, wasserliebenden (hydrophilen) Aescinmoleküle in relevanten Mengen durch die Haut aufgenommen werden und in den Venen wirksam werden, habe ich schon seit langem in Frage gestellt. Gut durch die Haut gehen in der Regel kleine, lipophile Moleküle (zum Beispiel ätherische Öle). Vielleicht ist es bei der Anwendung von Venensalben mehr der Massageeffekt, welcher Linderung bringt.

Wichtig ist auch der Hinweis, dass Rosskastanien-Extrakte nicht andere Massnahmen wie Bewegung oder Kompressionsstrümpfe ersetzen soll:

„Für die Praxis ist wesentlich, dem Patienten klar zu vermitteln, dass Zubereitungen aus Rosskastaniensamen als zusätzliche Maßnahme zu Stützstrümpfen und Bewegungstherapie zu sehen sind und diese physikalischen Behandlungen nicht abgebrochen werden sollten.“

Rotes Weinlaub (Vitis vinifera)

Noch nicht so lange wie die Rosskastanie ist das Rote Weinlaub als Heilpflanze bei Venenbeschwerden Gegenstand der Phytotherapie-Forschung. Es handelt sich dabei um Arzneimittel mit Extrakten aus den nach der Traubenlese geernteten Laubblättern von rotblättrigen Varietäten der Weinrebe:

„Auch zu diesen Extrakten ist eine Monographie des HMPC in Ausarbeitung. Im publizierten Entwurf wurden Trockenextrakte (Extraktionsmittel Wasser) mit einem definierten Gehalt an Flavonoiden von 3 bis 7 Prozent unter dem Begriff „well-established use“ eingestuft. Dies bedeutet, dass die klinische Wirksamkeit im vorgeschlagenen Indikationsgebiet CVI (Stadien I und II) bei oraler Anwendung durch mindestens eine qualitativ hochwertige kontrollierte klinische Studie belegt ist. Diese Daten fehlen hingegen für den Tee aus Weinlaub, Pflanzenpulver in Kapseln und auch für die äußerliche Anwendung von Extrakten. Diese können in traditionell pflanzlichen Arzneimitteln registriert werden.“

Auch hier bleibt also festzuhalten: Für den Tee aus Rotem Weinlaub und für äusserliche Anwendungen als Salbe / Gel gibt es keine Belege für Wirksamkeit.

Buchweizenkraut (Fagopyrum esculentum)

Buchweizenkraut hat sich in den letzten Jahren zu einem interessanten Venenmittel entwickelt:

„Für die Behandlung von CVI kommen aber nur ausgewählte Sorten in Frage, deren Gehalt an Flavonoiden höher ist und bei denen das Flavonoid Rutin bis zu 90 Prozent des Flavonoidgehalts ausmacht. Signale für eine Wirksamkeit eines Aufgusses aus Buchweizenkraut (Dosierung 3 x täglich 1 Tasse) konnten aus einer klinischen Studie aus dem Jahr 1996 abgeleitet werden. Eine aktuelle Bewertung nach den Kriterien des HMPC ist derzeit nicht vorgesehen.“

Buchweizen hat als gesundes Lebensmittel eine lange Tradition, wobei Buchweizensamen verwendet werden. Als Venenmittel dagegen wird das Buchweizenkraut eingesetzt.

Weitere Venenmittel

Es gibt noch eine ganze Reihe von Heilpflanzen zur Linderung von Venenerkrankungen,  die weniger gebräuchlich sind:

„Obwohl relativ gut untersucht gibt es in Österreich kein zugelassenes Arzneimittel mit einer Zubereitung aus Mäusedornwurzelstock (Ruscus aculeatus). Auch Steinkleekraut, das traditionell eine Komponente von Venentees ist, ist derzeit in keiner Arzneispezialität enthalten. Diosmin, ein Flavonoid, das in der Natur im japanischen Schnurbaum (Sophora japonica), einem bei uns beliebten Parkbaum, vorkommt, ist ein Wirkstoff in Venenmitteln, allerdings wird diese Reinsubstanz partialsynthetisch hergestellt und nicht aus einem Extrakt isoliert. Um die Löslichkeit und damit die Bioverfügbarkeit von Flavonoiden zu verbessern, wurden auch verschiedenste Derivate synthetisiert. In medizinischer Verwendung ist ein Gemisch von Ethern des Flavonoids Rutin mit dem Namen Oxerutin.“

Kommentar & Ergänzung:

Das ist wirklich eine ausgezeichnete Zusammenfassung der aktuellen Phytotherapie bei Venenbeschwerden. Betont werden muss aber noch, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtigen Heilpflanzen anzuwenden. Genauso wichtig ist es, die jeweils geeignetste Form zu wählen, weil es grosse Qualitätsunterschiede gibt bei den Heilpflanzen-Präparaten.

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Bei akuter Otitis externa hilft Essigbehandlung

Mittwoch, Mai 26th, 2010

Bei der akuten Otitis externa („Außenohrentzündung“, bei Tieren auch als „Ohrenzwang“ bezeichnet) landen Mediziner meist bei antibiotikahaltigen Ohrentropfen. Genauso wirksam sollen Spülungen mit verdünntem Essig sein. Darauf wies Dr. Frank Waldfahrer von der HNO-Klinik der Universität Erlangen hin. Er stellte eine koreanische Studie vor, in der 40 Patienten mit Otitis externa topisch Ofloxacin oder Spülungen mit Tafelessig bekamen, welcher eins zu eins mit Wasser verdünnt wurde.

Gemessen wurde anschliessend primär der ph-Wert im äußeren Gehörgang. Der ist bei Otitis externa ins den alkalischen Bereich verschoben. Unter der Essigtherapie nahm der pH-Wert in beiden Gruppen gleich ab. Dabei korrelierte die Abnahme mit der klinischen Symptomatik. Der pH-Wert sank also parallel zum Rückgang der Beschwerden “Beide Ansätze scheinen demnach gleich wirksam zu sein”, erklärt Waldfahrer. Apothekenübliche, essigsaure Ohrentropfen hält er für eine gute Alternative zu Antibiotika.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/602250/akuter-otitis-externa-hilft-essigtherapie.html?sh=17&h=542613287

Kommentar & Ergänzung:

Bei Ohrenschmerzen oder sonstigen Ohrenerkrankungen rate ich in der Regel rasch zu ärztlicher Abklärung. Ist die Diagnose Otitis externa klar, dann scheint mir diese Essiganwendung sehr interessant. Offenbar mögen diese Bakterien saures Milieu nicht und wenn ein simples Mittel wie Essig gleich gut wirkt wie Antibiotika-Ohrentropfen, dann liegt es nahe, ersteres vorzuziehen. Das brauchen dann offenbar nicht einmal spezielle Ohrentropfen zu sein, wenn die Studie einfach mit einer Mischung von Essig und Wasser 1 : 1 durchgeführt wurde.

Jedenfalls ist es zu begrüssen, wenn altem, einfache Hausmittel bzw. Naturheilmittel auf ihre Wirkung hin überprüft werden, damit unsinnig Überholtes von Wertvollem unterschieden werden kann.

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Kräutertees lindern Husten

Dienstag, Mai 25th, 2010

Tees aus Heilpflanzen können bei Husten Linderung bringen. Kräutertees sind gut verträglich und haben meist wenig Nebenwirkungen.

Bei Hustenreiz sind Aufgüsse aus Eibischwurzel, Spitzwegerich, Malve oder Isländisch Moos zu empfehlen. Ist im Verlaufe der Erkältung aus dem trockenen Husten ein so genannter produktiver Husten geworden, helfen Kräutertees aus Anis, Fenchel, Primelwurzel oder Süßholzwurzel beim Abhusten. Zugleich hustenstillend 
und hustenlösend wirken Thymian oder Efeu. Ein weiterer Vorteil des Teetrinkens ist die vermehrte Flüssigkeitsaufnahme, wodurch die Schleimhäute befeuchtet werden und der Vermehrung von Krankheitskeimen entgegen gewirkt wird.

Noch wirksamer als Kräutertees sind häufig Extrakte, die entweder als Pastillen, Sirup, Saft oder Tropfen eingenommen werden und verglichen mit dem Kräutertee höher dosiert sind.
Hält sich ein trockener Husten länger als eine Woche oder treten andere Beschwerden wie Fieber oder Halsschmerzen dazu, sollte ein HNO-Arzt konsultiert werden.

Quelle:

http://www.hno-aerzte-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:
Diese Darstellung von Kräutertees bei Husten ist weitgehend überzeugend. Es sind nur wenige Präzisierungen nötig.
Bei trockenem Reizhusten sind schleimreiche Heilpflanzen in Form von Aufgüsse aus Eibischwurzel, Spitzwegerich, Malve oder Isländisch Moos tatsächlich eine gute Wahl.
Eibischwurzel sollte allerdings kalt angesetzt werden. Isländisch Moos ist sehr bitter und wird als Kräutertee wohl nicht gerade Begeisterungsstürme auslösen. Bei Malve müsste präzisiert werden: Gegen Reizhusten die Blüten von Malva silvestris.

Bei produktivem Husten sind Kräutertees aus Anis, Fenchel, Primelwurzel oder Süßholzwurzel wirksam, wobei Anisfrüchte und Fenchelfrüchte sinnvollerweise vor dem Aufgiessen des Kräutertees zerstossen werden.

Bei Thymian und Efeu ist die Angabe „hustenstillend 
und hustenlösend“ etwas irreführend. Präziser und fundierter ist schleimlösend / auswurffördernd und krampflösend auf die Bronchien (bronchospasmolytisch).

Bei Thymian wäre eine inhalative Anwendung in Form von Thymianöl wohl effektiver als der Kräutertee. Bei Efeu ist die Teeanwendung generell eher kritisch zu hinterfragen. Efeu-Präparate sind wegen der genaueren Dosierbarkeit vorzuziehen.

Und übrigens: Nichts gegen HNO-Ärzte, aber bei länger anhaltendem Husten würde ich zuerst mal meinen Hausarzt konsultieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Was sind Schüssler-Salze?

Dienstag, Mai 18th, 2010

Schüssler-Salze erleben im Bereich Alternativmedizin / Komplementärmedizin / Naturheilkunde gerade einen ziemlichen Boom. Gleichzeitig wissen aber die wenigsten Anwenderinnen und Anwender genauer über diese Präparate Bescheid.
Es folgt darum hier eine Zusamenfassung aus Wikipedia und daran anschliessend ein ergänzender Kommentar:

Schüßler-Salze sind Präparate von Mineralsalzen in homöopathischer Dosierung (Potenzierung), die zur Alternativmedizin gezählt werden Die Behandlung mit ihnen basiert auf der Annahme, Krankheiten entstünden allgemein durch Störungen des Mineralhaushalts der Körperzellen und könnten durch homöopathische Gaben von Mineralien geheilt werden. Diese Annahmen und Vorstellungen sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Eine Wirksamkeit der Schüßler-Salze ist weder experimentell noch klinisch nachgewiesen.

Der homöopathische Arzt Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898) publizierte in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung 1873 den Artikel „Eine abgekürzte Homöopathische Therapie“, in dem er eine Therapieform namens „Biochemische Heilweise“ vorstellte. Seine Abkürzung bestand darin, dass er statt der etwa tausend Mittel in der Homöopathie nur zwölf Salze, „Schüßler-Salze“ genannt, zur Behandlung fast aller Krankheiten für ausreichend hielt. Schüßler ging davon aus, dass Krankheiten auf der Basis gestörter biochemischer Vorgänge entstehen. Er ging davon aus, dass Krankheiten zu einem großen Teil auf der Grundlage eines „gestörten Mineralhaushaltes“ entstehen, wobei das Fehlen eines bestimmten Minerals den gesamten Stoffwechsel beeinträchtige. Schüßler betonte, sein Verfahren sei „kein homöopathisches“, weil es nicht auf dem von Samuel Hahnemann propagierten Simile-Prinzip (“Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden”) beruhe, sondern auf physiologisch-chemische Vorgänge im menschlichen Organismus zurückzuführen sei. Aus diesem Grund lehnte Schüssler auch die in der Homöopathie üblichen Arzneimittelprüfungen an gesunden Probanden als „grundfalsch“ ab.

Der Vizepräsident des Biochemischen Bund Deutschlands e. V., Hans-Heinrich Jörgensen, vertritt allerdings die Auffassung, dass sich Schüßler-Salze nicht nur zum Ausgleich von Mangelerscheinungen, sondern auch gemäß dem homöopathischen Ähnlichkeitsprinzip anwenden lassen: „Beides ist möglich und funktioniert auch, denn schließlich sind die Salze ja nach den Regeln der Homöopathie aufbereitet. Aber die Indikationsansprüche, die Zielrichtung, die Erscheinungen, die behandelt werden sollen, sind andere, ob ich mit meiner Arznei schlicht Mineralmängel beseitigen will, oder ob ich entsprechend dem homöopathischen Arzneibild Konstitutionen verändern will.“

Bei den biochemischen Präparaten nach Schüßler handelt es sich um homöopathische Arzneimittel im Sinne des deutschen Arzneimittelgesetzes (AMG), die nach einem vereinfachten Genehmigungsverfahren („Registrierung“) in den Verkehr gebracht werden. Im Gegensatz zur „Zulassung“ von Arzneimitteln (Synthetika, Phytopharmaka) brauchen Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bei der “Registrierung” homöopathischer Arzneimittel nicht nachgewiesen zu werden; im Gegenzug dürfen allerdings auch keine Anwendungsgebiete (Indikationen) aufgeführt werden. Die im Zusammenhang mit der Verabreichung von Schüssler-Salzen manchmal durchgeführte so genannte Antlitzdiagnostik bzw. Antlitzanalyse ist nach wissenschaftlichen Kriterien nicht haltbar.

Schüssler-Salze werden nach homöopathischer Verfahrensweise durch Schütteln, Reiben oder Zerkleinern verdünnt und haben entsprechende Verdünnungsbezeichnungen: D1 bedeutet, dass es sich um eine Verdünnung von 1:10 handelt, Dx allgemein eine Verdünnung von 1:10x. Die Salze sind in der Regel D6 = 1:1.000.000 oder D12 = 1:1.000.000.000.000 verdünnt.

Die „Biochemie nach Schüßler“ ist vor allem durch Heilpraktiker als Behandlungsform erhalten geblieben. Sie wird in Fachschulen gelehrt und viele Heilpraktiker arbeiten täglich in der Praxis mit Schüssler-Salzen. Vor der gesetzlichen Festschreibung der Berufsbezeichnung Heilpraktiker (1939) in Deutschland wurde Schüßlers Lehre wesentlich durch Laienbewegungen verbreitet. Einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Schüssler-Methode leistete Kurt Hickethier, welcher zwei Kurhäuser zur Behandlung seiner Patienten errichtete. Der erste „biochemische Verein“ wurde im Jahre 1885 in Oldenburg gegründet. Heute (2004) existieren in Deutschland etwa 70 „biochemische Vereine“ und weitere im Ausland. Die Schüßler-Salze werden von interessierten Menschen bei verschiedensten Krankheitsbildern eingesetzt.

Wirksamkeit der Schüssler-Salze

Schüßler-Salze haben keinerlei wissenschaftlich belegte Wirkung. Die Stiftung Warentest kommt zu dem Schluss: „Biochemie nach Schüßler ist zur Behandlung von Krankheiten nicht geeignet.“ Der Professor für Alternativmedizin Edzard Ernst stellt fest: “Die Behandlungskostenübernahme durch einige deutsche Krankenkassen ändert nichts daran, dass diese ‚Therapie’ als eine nicht wirksam bewertete Behandlung einzustufen ist”.

Die „Biochemie“ nach Schüßler

Wilhelm Heinrich Schüßler distanzierte sich mit seiner Therapiemethode strikt von der Homöopathie. Es gab zu Schüssler’s Lebzeiten viele Auseinandersetzungen mit Homöopathen, die seine Behandlungsmethode schon allein wegen ihrer Einfachheit nicht akzeptierten und verächtlich von Düngemitteln sprachen. In seinem Artikel „Eine abgekürzte Homöopathische Therapie“ schreibt Schüßler selbst: „Die Grundlage meiner Forschung waren Histologie, die darauf bezügliche Chemie, die anorganischen Bestandteile der Gewebe und die physiologischen Wirkungen oder Funktionen dieser Bestandteile.“

Bei seinen Untersuchungen fand er nach eigenen Angaben zwölf verschiedene Verbindungen, die im menschlichen Organismus vorkämen, die sogenannten Schüßler-Salze. Nach Schüßlers Ansicht bewirkt ein pathogener Reiz die Verstärkung der Funktion einer Zelle, weil die Zelle bemüht ist, den Reiz abzustoßen. Wegen dieser Tätigkeit verliere sie einen Teil ihrer mineralischen Funktionsmittel. Schüssler glaubte, diese Zellen seien dann pathogen verändert, was das Wesen einer Krankheit sei.

Durch die Zufuhr dieser nun fehlenden Mineralstoffe könnten die Krankheiten bekämpft werden. Dazu sei die Potenzierung der Salze nötig, um Mängel innerhalb einer Zelle aufzufüllen. Nach Schüssler’s Ansicht gelangen die hoch verdünnten „feinstofflichen“ Mineralstoffe, also die einzelnen Moleküle, direkt in das Zellinnere. Die Mängel außerhalb der Zellen seien durch eine nährstoff- und basenreiche Ernährung aufzufüllen, weil ein gewisses Gleichgewicht zwischen Zellinnerem und Extrazellularraum nötig sei.
Merkmale im Gesicht ließen Schüssler die verschiedenen fehlenden Mineralstoffe feststellen und so eine entsprechende Dosierung der Salze vornehmen.

Kurt Hickethier erweiterte die von Schüßler eingeführte „Antlitzanalyse“ und nannte sie zu seiner Zeit “Sonnerschau”. So ist nach Hickethier zum Beispiel ein Mangel am Schüssler-Salz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum) unter anderem an den inneren Augenwinkeln durch eine dunklere, blauschwarze bis schwarze Färbung zu erkennen. Durch die darauf folgende Einnahme des entsprechenden Mineralstoffs konnte Hickethier nach eigenen Angaben einen Rückgang der antlitzanalytischen Zeichen im Gesicht feststellen.
Praktische Anwendung der Schüssler-Salze
Schüßler-Salze sollen als „homöopathisch aufbereitete“, das heisst potenzierte Mittel in Tablettenform angewendet werden, die man dann im Mund langsam zergehen lässt. Die Mineralstoffe sollen dann über die Mundschleimhaut vom Organismus aufgenommen werden. Für jedes Schüssler-Salz gibt es eine sogenannte Regelpotenz. Für die Schüssler-Salze Nr. 1, 3 und 11 wird in der Regel D12 genommen. Für die übrigen Schüssler-Salze gilt D6 als Regelpotenz.

Zur Anzahl der Tabletten pro Tag existieren verschiedene Ansätze. Ein Teil der Heilpraktiker empfiehlt eine Dosierung von etwa drei bis sechs Stück täglich von nur zwei bis drei verschiedenen Schüßler-Salzen, der andere Teil wiederum empfiehlt auch mehr verschiedene Salze und höhere Dosen bis insgesamt etwa 150 Pastillen pro Tag. Wahrscheinlich sind die Dosierungen darum so unterschiedlich, weil manche Anwender die Aussagen von Schüßler und Hickethier unterschiedlich interpretieren. Manche Heilpraktiker sehen die Heilweise auch als Reizheilweise, während Schüßler selbst sie in seiner „abgekürzten Therapie“ als Substitutionsheilweise bezeichnet.

Durch den Wandel der Zeit und einen möglichen erhöhten Bedarf an Mineralstoffen, durch Stress und falsche Ernährung sind nach der Ansicht einiger heutiger Heilpraktiker größere Gaben von Mineralstoffen nötig.
Die Vorstellung, dass die Verwendung großer Mengen Schüßler-Salze einen Mineralstoffmangel besser beheben könne als die Verabreichung nur weniger Tabletten pro Tag, steht allerdings im Widerspruch zu der Tatsache, dass bei der Potenz D6 selbst 1000 Tabletten immer noch weniger als ein Milligramm des zugrundeliegenden Minerals enthalten.
Kurt Hickethier schreibt, dass er um etwa 1910 bei seinen Patienten meist nur zwei bis drei verschiedene nennenswerte Salzmängel in einem Antlitz feststellen konnte. Manche Mangelanzeichen traten laut seinen Angaben sehr selten auf, weil sie einen überaus starken, langjährigen Mangel eines Mineralstoffes voraussetzen. Heute seien diese von ihm beschriebenen, damals seltenen Anzeichen aber häufig anzutreffen. Auch die Anzahl und Ausprägung der Mängel, welche in einem Gesicht zu erkennen seien, sei viel größer geworden. Hickethier selbst rät: „In schweren Fällen und bei großen Mängeln erscheint es gerechtfertigt, kurze Zeit hindurch alle Minuten eine Gabe der üblichen Verdünnung (laut Schüßler) zu geben.“ Schüßler war in seiner abgekürzten Therapie offen für unterschiedliche Dosierungen seiner Salze und schrieb, dass jeder Arzt nach eigenem Ermessen die Dosis wählen solle.

Einnahmearten der Schüssler-Salze

Die Schüßler-Pastillen werden einzeln, können jedoch auch bis zu etwa fünf Stück gleichzeitig im Mund gelutscht werden. Die Schüssler-Salze sollen dabei über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Weil die Pastillen fast nur aus Milchzucker (Laktose) bestehen, ist bei einer Laktoseintoleranz Vorsicht angezeigt. Die Pastillen können in Leitungswasser aufgelöst werden, wobei nicht umgerührt werden soll, damit der Milchzucker am Boden der Tasse nicht verworfen wird. Diese Lösung wird dann schluckweise getrunken. Hierbei wird nur eine verhältnismäsig geringe Menge von Milchzucker eingenommen. Auch gibt es inzwischen in Alkohol aufgelöste Schüßler-Salze, welche laktosefrei sind.

Sehr bekannt ist die Einnahme des Schüssler-Salzes Nr. 7, Magnesium phosphoricum, als „heiße Sieben“. Bei akuten Schmerzzuständen sollen 10 Tabletten in einer Tasse in kochend heißem Wasser aufgelöst werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Lösung nicht mit einem Metallgegenstand umgerührt wird. Die Milchzuckerlösung wird so warm wie möglich getrunken, wobei jeder Schluck lange im Mund behalten werden soll, um die Aufnahme durch die Mundschleimhäute zu verbessern. Auch die Einnahme der anderen Schüßler-Salze kann sowohl als heiße Lösung wie auch durch Auflösen in einem Glas abgekochtem Wasser geschehen. Eine Anwendung soll auch in Salbenform möglich sein (etwa Ferrum phosphoricum „biochemisch“ für Entzündungen).

Die 12 „Funktionsmittel“ der Schüssler-Salze

    Calcium fluoratum D12
    Calcium phosphoricum D6
    Ferrum phosphoricum D12
    Kalium chloratum D6
    Kalium phosphoricum D6
    Kalium sulfuricum D6
    Magnesium phosphoricum D6
    Natrium chloratum D6 (Kochsalz)
    Natrium phosphoricum D6
    Natrium sulfuricum D6
    Silicea D12 (Kieselsäure)
    (Calcium sulfuricum D6)

Diese 12 ursprünglichen Schüßler-Salze reduzierte Schüßler im Jahr 1895 auf elf; er schrieb: „Da der schwefelsaure Kalk nicht in die konstante Zusammensetzung des Organismus eingeht, so muss er von der biochemischen Bildfläche verschwinden. Statt seiner kommt Natrium phosphoricum resp. Silicea in Betracht.“
Später wurden von verschiedenen Autoren zusätzliche Mineralstoffe eingeführt, welche heute unter der Bezeichnung „Ergänzungsmittel“ zusammengefasst werden.

Die 15 „Ergänzungsmittel“ der Schüssler-Salze

    Kalium arsenicosum D6
    Kalium bromatum D6
    Kalium jodatum D6
    Lithium chloratum D6
    Manganum sulfuricum D6
    Calcium sulfuratum D6
    Cuprum arsenicosum D6
    Kalium-Aluminium sulfuricum D6
    Zincum chloratum D6
    Calcium carbonicum D6
    Natrium bicarbonicum D6
    Arsenum jodatum D6
    Aurum Chloratum Natronatum D6
    Selenium D6 (Selen)
    Kalium bichromicum D12

Ergänzende biochemische Mittel nach Joachim Broy

    Natrium fluoratum D6
    Magnesium fluoratum D6
    Calcium chloratum D6
    Ferrum chloratum D6
    Ferrum sulfuricum D3
    Magnesium chloratum D6
    Magnesium sulfuricum D6

Geschichte der „Biochemie nach Schüßler“

Schüßler, welcher bis zu Beginn der 1870er Jahre der „klassischen“ Homöopathie mehr oder weniger treu geblieben war, wurde nach der Erstveröffentlichung seiner „neuen“ Therapie in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung (1873) heftig von Homöopathen kritisiert, welche Verrat an der gemeinsamen Sache witterten. Ein Jahr später publizierte er sein grundlegendes Werk „Eine abgekürzte Therapie gegründet auf Histologie und Cellularpathologie“, welches auf knapp 16 Seiten die Grundzüge seiner Lehre enthielt. Dabei grenzte er sich deutlich von der Homöopathie ab. Im Vorwort zu späteren Auflagen bekannte er sich zu den Einflüssen, welche der Physiologe Jakob M. Moleschott und der Pathologe Rudolf Virchow auf seine Theorie hatten.

Die heftigen Auseinandersetzungen mit führenden Vertretern der Homöopathie brachten Schüßler 1876 zum Austritt aus dem „Centralverein homöopathischer Ärzte“. Der polemische Schlagabtausch ging allerdings über Jahrzehnte weiter. Die naturwissenschaftliche Medizin nahm dagegen kaum Kenntnis vom neuen „biochemischen“ Verfahren. Im deutschen Kaiserreich wurde es zwar von den meisten Gesundheitsbehörden im Rahmen der gesetzlich verankerten Kurierfreiheit toleriert, jedoch nicht gefördert.

Geschichte der biochemischen Verbände

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten drei konkurrierende Verbände: der „Verband biochemischer Vereine für das Deutsche Reich“, der „Schüssler-Bund“ und der „Jade-Verband“. In den 1920er Jahren zählte die biochemische Bewegung mehr als achthundert ehrenamtliche „Krankenbehandler“. Diese wurden von Ärzten, die in ihnen Kurpfuscher sahen, nicht selten wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar Tötung angezeigt. Die meisten Gerichtsverfahren endeten jedoch mit Freispruch.
Durch die Reichsarbeitsgemeinschaft der Volksverbände wurden die biochemischen Vereine 1922 zwangs-zusammengeschlossen zum „Biochemischen Bund Deutschlands“, der 1928 bereits 184.672 Mitglieder zählte und straff organisiert war. 1929 umfasste die Bundesgeschäftsstelle 22 hauptamtliche Mitarbeiter. In einem eigenen Verlag in Potsdam erschienen die „Zeitschrift für Biochemie. Volkstümliches Fachorgan für Mineralstofflehre“ mit einer Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren sowie vielen Informationsschriften.

Zur Zeit des Nationalsozialismus stieg die „Biochemie“ zu einer anerkannten Heilweise auf. Die „Krankenbehandler“, welche bisher am Rande der Legalität praktiziert hatten, bekamen den Status von Heilpraktikern. Außerdem konnten im „Dritten Reich“ erstmals mit staatlicher Billigung und Förderung Untersuchungen durchgeführt werden, in denen die behauptete Wirksamkeit „biochemischer“ Arzneimittel überprüft wurde. Solche Menschen-Versuche fanden auch in den Konzentrationslagern Dachau und Auschwitz statt, unter Leitung des Reichsarztes SS Ernst-Robert Grawitz. Dabei wurden unter anderem künstlich herbeigeführte Fälle von Blutvergiftung und Malaria weitgehend erfolglos „therapiert“. Für die Häftlinge nahmen diese grausamen Experimente in den meisten Fällen einen tödlichen Ausgang.

Der „Biochemische Bund“ steuerte nach 1933 mehr und mehr ins nationalsozialistische Fahrwasser. Eine interne Gleichschaltung führte zum Ausschluss unerwünschter, hauptsächlich “nichtarischer” Mitglieder. Ab 1934 findet man in der Mitgliederzeitschrift die Rubrik „Volk und Rasse“ und an der Spitze der Bundesleitung stehen linientreue Parteigenossen. 1935 wurde der „Biochemische Bund“  zwangsweise in die „Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweise“ eingegliedert. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der „Bund“ aufgelöst, jedoch schon 1946 neu konstituiert. 1949 gab er wieder eine Mitgliederzeitschrift heraus („Gesundes Volk“, später „Weg zur Gesundheit“), konnte jedoch nicht wieder an die frühere Bedeutung anknüpfen. Aus einem verbandseigenen Kurhaus, welches 1936 in Hahnenklee im Harz in Betrieb genommen wurde, ging 1949 ein „Dr. Schüssler-Sanatorium“ hervor. Im Jahr 2004 existierten in Deutschland wieder etwa 70 biochemische Vereine, weitere im Ausland.

Komplex-Biochemie

Die Komplex-Biochemie ist eine seit den 1920er Jahren bestehende Sonderform der Behandlung mit Schüßler-Salzen. Sie wurde entwickelt von dem Berliner Arzt Konrad Grams. Die etwa dreissig Präparate der Komplex-Biochemie werden seither unter dem Namen „JSO Bicomplexe“ produziert und vermarktet, die Zusammensetzung ist nur unwesentlich verändert worden. Konrad Grams entwickelte damit – dem Zeitgeist folgend – aus der Schüßler-Biochemie ein deutlich laienfreundlicheres Selbstbehandlungs-System – die „Komplex-Biochemie“: „Unter Komplex-Biochemie verstehen wir die Vereinigung mehrerer Mineralsalze zu einem Mittel, welches zu den erkrankten Geweben oder dem erkrankten Körperteil in Beziehung steht. Es deckt gewissermaßen alle Krankheitserscheinungen der betreffenden Krankheit.“ Grams selbst hängt in seinen Publikationen auch weiterhin der pseudomaterialistischen Defizit-Hypothese an („Die Komplex-Biochemie ist […] eine Ernährungstherapie.“)

Die Komplex-Biochemie nach Grams umfasst 30 sehr einfache Konzepte, welche die Wahl des Mittels leicht machen (bei Durchfall das „Darmmittel“, bei „Husten“ das „Hustenmittel“ etc.). Auch wenn etliche Heilpraktiker die Behandlung mit komplex-biochemischen Mitteln anbieten, ist das System hauptsächlich zur Selbstmedikation gedacht.
Allerdings ist aufgrund arzneimittelrechtlicher Vorschriften die Angabe einer Indikation nur noch für zugelassene, nicht aber für registrierte homöopathische Arzneimittel erlaubt, so dass Angaben wie “Hustenmittel” auf der Packung der – lediglich registrierten – JSO Bicomplexe nicht mehr zugelassen sind. Die Erteilung einer Zulassung (statt der ebenfalls zulässigen Registrierung) würde aber Wirksamkeitsnachweise für die beanspruchte Indikation voraussetzen, welche die „Schüssler-Salze“ nicht vorweisen können.

Quelle: Wikipedia (Literaturangaben dort)

Kommentar & Ergänzung:

Diese Wikipedia-Informationen rufen nur an wenigen Stellen nach einer Ergänzung oder Präzisierungen. Ich versuche hier, ein paar offene Punkte bzw. Fragen aufzuführen.

– Schüssler-Salze werden von den Arzneimittelbehörden gleich behandelt wie Präparate aus Homöopathie und Anthroposophischer Medizin. Sie sind daher wie diese vom Nachweis einer Wirksamkeit befreit. Dadurch besteht auch keine Notwendigkeit, Wirkungen fundiert zu dokumentieren.
Daher ist es nicht erstaunlich, dass experimentelle oder klinische Belege für eine Wirksamkeit fehlen.

– Ausser Frage steht, dass viele AnwenderInnen von Schüssler-Salzen von positiven Wirkungen berichten. Dabei kann es sich aber auch um Effekte handeln, welche durch die Erwartungshaltung ausgelöst wurden, oder um Verbesserungen aufgrund des natürlichen Verlaufs der Beschwerden (Selbstheilungskräfte). Vor kurzen erklärte mir eine Bekannte, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen könne, ohne Schüssler-Salze Nr. X, Y und Z ihren Alltag zu bewältigen. Ich halte solche Aussagen für ein Symptom psychischer Abhängigkeit und beobachte ähnliche Phänomene im Umfeld der Schüssler-Salze nicht selten.

– Schüssler-Salze im Sinne einer Substitutionsbehandlung als Mineralstofftherapie zu bezeichnen, halte ich für eine Konsumententäuschung. Bei Verdünnungen von D6 (1: 1 000 000) und D12 (1:1 000 000 000 000) sind von ursprünglich vorhandenen Mineral nur noch äusserst minimale Spuren vorhanden.

– Die mit der Anwendung von Schüssler-Salzen oft verknüpfte „Antlitzanalyse“ (Physiognomik) ist hoch fragwürdig und problematisch. Sie eignet sich bestens als Transportmittel für Vorurteile, Projektionen und Unterstellungen.

– Das Konzept von Schüssler, alle Krankheiten auf Mineralstoffmängel zurückzuführen, ist ausgesprochen einseitig und zudem sehr mechanistisch.

– Die Tiroler Apotheken führten am 7. Mai der „1. Schüssler Tag“ durch. Die Ankündigung dafür ist meines Erachtens ein gutes Beispiel für unseriöse Propaganda.

Beispiel 1:
„ Die Salze, die von dem Arzt Wilhelm Schüßler vor über hundert Jahren erforscht wurden, sollen genau jene Mineralstoffe beinhalten, die Körperzellen brauchen. Kommt es zu einem Mangel einzelner Mineralstoffe im Körper, kann diese „Betriebsstörung“ durch die Einnahme der Schüßler Salze ausgeglichen werden.“ (Quelle: www.tt.com)
Es gibt keinen einzigen Hinweis, dass Schüssler-Salze einen Mangel an Mineralstoffen ausgleichen können. Wie schon weiter oben erwähnt: Als Substitutionstherapie bei Mineralstoffmangel sind Schüsslersalze unsinnig. Allenfalls dienen sie als indirekte Substitutionstherapie bei Mangelzuständen in Apothekerkassen…..

Beispiel 2:
„’Diese alte Form der Alternativmedizin erfährt zurzeit eine Renaissance’, betonte Apothekerkammer-Präsident Martin Hochstöger am Montag bei einer Pressekonferenz. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass es sich um ein natürliches und risikoloses Behandlungsmodell handelt, bestätigte auch Monika Winkler, Pharmazeutin der Stadtapotheke Innsbruck. Bei der Anwendung könne man nichts falsch machen.“ (Quelle: www.tt.com)
Natürlich und risikolos – das kommt immer gut an. Wirksamkeit ist dagegen für die Apotheker kein Thema. Und eine Heilmethode, bei der man nichts falsch machen kann, entspricht ebenfalls dem Zeitgeist. Dann muss man sich ja auch nicht vertiefter damit auseinandersetzen und kann einfach mal rumprobieren. So erlebe ich jedenfalls nicht wenige Anwenderinnen und Anwender von Schüssler-Salzen. Ein Wochenendkurs, und man hat Gesundheit und Krankheit im Griff – bei sich selber und bei Patientinnen und Patienten. Eine ziemliche Fast-Food-Haltung, was mir da oft entgegen kommt. Und eine masslose (Selbst-) Überschätzung.

Beispiel 3:
„Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr breit gestreut. ‚Jetzt im Frühjahr kämpfen viele Tiroler mit Pollenallergien, grippalen Infekten und Erkältungen. Da sind die homöopathisch zubereiteten Mineralstoffe eine wichtige Stütze für den menschlichen Organismus. Schüßler Salze können jedoch auch schon vorbeugend und in jedem Alter zur Gesundheitsvorsorge angewendet werden’, erklärte Susana Niedan-Feichtinger, Geschäftsführerin der Adler Pharma.“ (Quelle: www.tt.com)

Das ist ja schön für Adler Pharma als Markführerin im Bereich Schüssler-Salz in Österreich. Eigentlich heisst das: Schüssler Salze kann man immer einnehmen – ob gesund oder krank, alt oder jung – Schüssler-Salze braucht’s immer. Die perfekte Medikalisierung des Lebens, was ein unerschöpfliches Marktpotenzial mit sich bringt.
Zu einem professionellen Umgang mit Naturheilmitteln gehört wie auch bei anderen Medikamenten eine Einschränkung des Anwendungsbereiches auf Indikationen, bei denen der Nutzen überzeugend dokumentiert ist.
Leider sieht man bei Apotheken und Drogerien zunehmend, dass die fachlich-professionelle Haltung von kommerziellen Interessen völlig überdeckt wird.

„Mehr Wissen über die Salze von Dr. Schüssler“ verspricht die Ankündigung des „1. Schüssler Tages“ im Titel. Nach dem „Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe“ (Meiner Verlag 1998) ist „Wissen“ die auf „subjektiv und objektiv zureichenden Gründen  beruhende Überzeugung vom tatsächlichen Bestehen von Gegenständen, Vorgängen oder Sachverhalten“. Gründe für die gemachten Versprechungen sind in dieser Ankündigung aber nicht ersichtlich. Statt von „Wissen“ wäre es deshalb m. E.  angebrachter, von Behauptungen zu sprechen.

Mag sein, dass meine Kritik gerade ziemlich hart daherkommt. Ich will eigentlich gar keine „Standpauke“ halten.
Ich finde es aber unakzeptabel, wenn Apotheker ihr fachliches Renommee ins Feld führen, um mit derart fadenscheinigen und irreführenden Aussagen auf Kundenfang zu gehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

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Mistel-Wirkstoffe können Tumorwachtum hemmen

Dienstag, Mai 18th, 2010

In der Palliativtherapie und bei der Behandlung bösartiger Tumore kommen oft Mistelpräparate zum Einsatz. Denn die Mistel enthält als bedeutende Wirkstoffe unter anderem sogenannte Lektine.

Die Lektine lösen eine Reaktion des Immunsystems aus, die Krebszellen beseitigt, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin in Würzburg. Durch diese Wirkung könne das Tumorwachstum gehemmt werden. Nicht eingesetzt werden sollten Mistelpräparate allerdings bei einer Eiweißüberempfindlichkeit und chronischen Infektionen wie TBC.
Die Mistel fand laut Johannes Gottfried Mayer zwar bereits im Jahr 400 vor Christus als Heilpflanze bei dem griechischen Arzt Hippokrates Erwähnung. Doch im 19. Jahrhundert sei sie fast vollständig aus der Medizin verschwunden. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam die Mistel als Mittel gegen Krebs und gegen Bluthochdruck wieder ins Gespräch. Eine in Tierversuchen beobachtete Reduzierung des Blutdrucks konnte beim Menschen bislang klinisch nicht belegt werden.

Die botanisch Viscum album genannte Schmarotzerpflanze wächst auf nahezu allen Laubbäumen. Die Mistel kann ihr Wurzelwerk in alle Richtungen entwickeln. An günstigen Standorten bildet die immergrüne Mistel ein kugelförmiges Geäst aus.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com/26/20100511/thl-wirkstoffe-aus-der-mistel-knnen-tumo-b930478.html
www.klostermedizin.de

Kommentar & Ergänzung:
Ich schätze die Arbeit der „Forschergruppe Klostermedizin“ sehr. Hier lehnt sich Johannes Gottfried Mayer mit seinen Aussagen meines Erachtens aber ziemlich weit zum Fenster hinaus.
Mistelextrakte bzw. Lektine haben zwar an Krebszellen im Labor tumorhemmende Eigenschaften gezeigt. Dass aber in Krebspatienten Krebszellen beseitigt und das Tumorwachstum gehemmt wird, das ist alles andere als klar. Je besser die Qualität der Studien, desto weniger lässt sich ein solcher Effekt der Mistelbehandlung feststellen. Ein Überlebensvorteil durch die Misteltherapie liess sich bisher jedenfalls nicht annähernd klar belegen. Es gibt Hinweise auf eine gewisse Verbesserung der Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen mit Mistelbehandlung, wobei unklar bleibt, wodurch dieser Effekt bewirkt wurde.
Mir ist natürlich klar, dass viele Krebspatientinnen und Krebspatienten Hoffnungen in die Misteltherapie setzen. Vielleicht würde ich dies auch tun, wenn ich betroffen wäre.

Wenn Tumorpatientinnen und Tumorpatienten berichten, dass ihnen die Mistelbehandlung gut tut, dann ist diese Erfahrung ernst zu nehmen. Für die Interpretation einer solchen Erfahrung ist aber viel Sorgfalt nötig. Eine Besserung des Befindens – so wertvoll sie für Betroffene sein mag – ist noch keine Tumorheilung. Und eine Besserung des Befindens muss nicht unbedingt direkt mit dem Mistelextrakt oder den Lektinen zusammenhängen. Eine Misteltherapie kann möglicherweise auch als Ritual die Ohnmacht lindern, die eine Krebserkrankung bei Betroffenen und Angehörigen oft auslöst.  Und auch das kann wertvoll sein. Es entbindet aber nicht von einer differenzierten Interpretation allfälliger Wirkungen des Mistelextraktes bzw. der Lektine.

Mistelextrakte zeigen eine Wirkung auf das Immunsystem, aber dass Lektine Krebszellen beseitigen, ist ein Laboreffekt, der sich nicht einfach auf Krebspatienten übertragen lässt. Der Schluss auf eine tumorhemmende Wirkung im Organismus von Krebspatienten wäre daher ziemlich gewagt. Es ist sehr wichtig, zwischen Laborexperimenten und einer allfälligen Wirkung im lebendigen Organismus zu unterscheiden.

Ergänzt werden sollte noch, dass Misteltherapien bei Krebserkrankungen als Injektion vorgenommen werden. Lektine werden im Verdauungstrakt nicht unverändert aufgenommen, so dass bei Anwendungen in Form von Misteltee, Misteltinktur oder sonstigen peroralen Präparaten eine Wirksamkeit auf Tumorerkrankungen zum vorneherein ausgeschlossen ist.
Für die Botanik ist die Mistel übrigens nur ein Halbschmarotzer. Sie nimmt von ihrem Wirtsbaum, was dieser über die Wurzeln aus dem Boden holt (Wasser, Mineralstoffe). Die Mistel ist aber grün, enthät daher Chlorophyll (Blattgrün) und kann daher selber mit Hilfe des Sonnenlichts Glukose produzieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Was ist Verveine-Tee?

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Verveine ( = Zitronenstrauch, Aloysia citrodora, auch Zitronenduftstrauch oder Zitronenverbene genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae).
   
Verveine wächst als laubabwerfender Strauch mit Wuchshöhen von 2 bis 6 Meter. Die meisten Pflanzenteile duften stark nach Zitrone.

Synonyme für Aloysia citrodora sind:
Aloysia triphylla, Lippia citrodora, Lippia triphylla, Verbena triphylla, Zappania citrodora

Verveine – Herkunft und Geschichte

Der Zitronenstrauch / Verveine stammt ursprünglich aus Südamerika (Uruguay, Argentinien (Catamarca, Jujuy, La Rioja, Salta, Tucuman) Chile, Peru). Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt und ist heute bei Feinschmeckern und Kräuterliebhabern ein Begriff.

Duft- und Inhaltsstoffe

Die Verveine-Blätter können ähnlich wie Spinat gekocht werden. Wesentlich öfters werden die Blätter als Gewürz für süße oder herzhafte Salate verwendet. Aus den frischen und getrockeneten Blätter kann man einen sehr aromatischen Tee brühen.
Medizinische Wirkungen wurden untersucht. Das ätherische Öl wird vielfältig verwendet, beispielsweise als Parfümbestandteil oder als Insektenrepellent
Zitronenverbenen enthalten ein feines, frisch nach Zitrone duftendes ätherisches Öl. Die Intensität ist deutlich stärker als bei den meisten anderen nach Zitrone riechenden Pflanzen. Schon beim leichten Verreiben der Vervein-Blätter entstehen Duftwolken an Citrusaromen. Die ätherischen Öle (unter 1 %) enthalten als Hauptbestandteile die Aldehyde Citral, Neral und Geranial sowie weitere Monoterpene bzw. Monoterpenabkömmlinge (Limonen, Carvon, Dipenten, Linalool, Nerol, Geraniol).

Die Verwendung von Verveine

Bevorzugt werden die frischen Blätter verwendet, jedoch sind auch die getrockneten Blätter sind sehr beliebt, weil das Zitronenaroma im getrockneten Zustand der Blätter lange erhalten bleibt.

Verveine zur Verfeinerung von Speisen

Feinschmecker und Gourmets verarbeiten die Verveine gerne in der Küche. Verwendet werden die Verveine-Blätter für Salate, Schweinefleisch- und Pilzgerichte, aber auch zum Würzen von Süßspeisen wie Obstsalat, Pudding und zur Zubereitung von Speiseeis. Zudem kann man feingeschnittene Verveine-Blätter in den Zuckerguss für Zitronenkuchen einarbeiten.

Verveine-Getränke

Die Verveine wird auch für die Zubereitung von Getränken genutzt. Legt man frisch gepflückte Verveine-Blätter für eine halbe Stunde in heißes Wasser, so bekommt man einen angenehm erfrischenden Tee. Das zitronige Aroma der Pflanze ist in Frankreich als anregend-beruhigender Guten-Abend-Tee sehr beliebt und dort auch bekannt als Verveine. Auch im Getränk Inca Kola aus Peru kommt das Aroma dieser Pflanze (sie wird lokal Cedrón genannt) zum Einsatz. Unter Eisenkrauttee wird in der Regel Verveine bzw. Zitronenverbena oder bezeichnenderweise wohlriechende Verbena verstanden. Echtes Eisenkraut (Verbena officinalis) schmeckt demgegenüber recht bitter.

Verveine in der Kosmetik

Verveine wird nicht nur als Badezusatz verwendet, der eine erfrischende Wirkung entfaltet, sondern auch zur Parfümierung beziehungsweise Verfeinerung von Seifen.

Verveine im Haushalt

Säckchen oder Bündel von Verveine bringen einen frischen Duft ins Haus oder in den Kleiderschrank.

Gesundheitliche Wirkung des Verveine-Tees

Da Verveine appetitanregend sowie verdauungsfördernd wirkt, helfen sie gegen Verdauungsbeschwerden beziehungsweise Verstopfungen. Ausserdem wirken sie leicht beruhigend bei Nervosität, Schlaflosigkeit und Erkältungskrankheiten.

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Verveine ist also in Mitteleuropa keine einheimische Pflanze, sondern wird in Gärten angebaut. Nicht selten wird daher tatsächlich das einheimische Echte Eisenkraut (Verbena officinalis), das bei uns an Wegrändern nicht selten anzutreffen ist, mit der Verveine verwechselt.
Im deutsche Sprachraum kennen wir die Verveine fast nur als Genusstee. Deshalb wird sie in deutschsprachigen Phytotherapie-Fachbüchern meist nur am Rande oder gar nicht erwähnt. In Frankreich dagegen gehört Verveine auch zu den Heilpflanzen.
Dort werden die Blätter nicht nur gerne zum ebenso anregenden wie entspannenden Abendtee aufgegossen. Sie dienen sondern auch – etwa der »Distillerie Verveine du Velay« – dazu, (hochprozentige!) Liköre zu destillieren, die sich vorzüglich als Digestif eignen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Gewürznelken sind effiziente natürliche Antioxidantien

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Gewürznelken sollen unter den Kräutern und Gewürzen der mediterranen Küche die besten natürlichen Antioxidantien sein. Das haben nun spanische Wissenschaftler in einer Studie nachgewiesen. Die Forscher der Miguel Hernández Universität haben neben den Gewürznelken auch Oregano, Thymian und Rosmarin untersucht. Laut ihrem Bericht im “Flavour and Fragrance Journal” schnitten die Nelken in den fünf untersuchten Punkten am besten ab. Das Gewürz soll unter anderem am besten Wasserstoff abgeben.
Als Antioxidantien werden Substanzen bezeichnet, die im Organismus dafür sorgen, dass empfindliche Moleküle nicht mit Sauerstoff reagieren (Oxidation). Hierbei wirken sie in der Regel als Fänger sogenannter freier Radikale. Das sind Atome oder Moleküle, welche sehr reaktionsfreudig sind und so im Organismus schädliche Stoffe erzeugen können.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com/12/20100319/thl-gewuerznelken-sind-beste-natuerliche-d343981.html

Kommentar & Ergänzung:
Gewürznelken enthalten  bis zu 20 % ätherisches Nelkenöl, das bis zu 95 % aus Eugenol besteht. Nelkenöl und Eugenol werden / wurden in der Zahnheilkunde als antiseptisches, leicht ätzendes und schmerzstillendes Mittel angewendet.
Nelkenöl ist nicht nur ein gutes Antioxidans, es hat auch starke enzündungshemmende und antimikrobielle Wirkungen.
Allerdings kann Nelkenöl auch Allergien und Hautreizungen auslösen. In dieser Hinsicht gehört  Nelkenöl zu den heikleren ätherischen Ölen. Im Umgang mit Nelkenöl ist daher Vorsicht geboten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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