Archive for März, 2010

ADHS-Infoportal geht online

Dienstag, März 2nd, 2010

Wissenschaftler der Uniklinik Köln entwickeln www.adhs.info für das Bundesministerium für Gesundheit. Hier die Infos dazu und anschliessend Ergänzungen zum Thema Phytotherapie & ADHS.

Heute wurde das neue ADHS Infoportal online geschaltet. Das Portal bietet Informationen, welche auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnitten sind: betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Bezugspersonen und Pädagogen. Die neue Informationsseite wurde durch das “zentrale adhs-netz” unter Federführung von Professor Döpfner aus der Kölner Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgebaut.

Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und / oder Impulsivität sind bei Kindern oft zu erleben. Nur wenn alle drei Auffälligkeiten über längere Zeit stark ausgeprägt zusammen auftreten, kann das als psychische Störung unter dem Begriff der Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, diagnostiziert werden. Rund um ADHS gibt es seit einigen Jahren eine intensive gesellschaftliche Debatte. Nach wie vor fehlen aber Hilfen für Betroffene und ihre Bezugspersonen. Diese Lücke will die neue Informations-Seite http://www.adhs.info schließen.

Als erster von fünf Bereichen ist nun der Bereich für Eltern und Bezugspersonen von betroffenen Kindern und Jugendlichen abrufbar. Schritt für Schritt wird im Laufe des Jahres 2010 die Freischaltung der anderen Bereiche für Pädagogen, betroffene Kinder, betroffene Jugendliche und betroffene Erwachsene erfolgen. Die Aufklärung über alle Aspekte von ADHS ist ein wichtiges Anliegen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und Bestandteil der Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit.

Die Informationen auf der ADHS-Seite orientieren sich streng an empirischer Evidenz. Das bedeutet, sie basieren auf wissenschaftlichen Studien und Leitlinien von Fachgesellschaften und Expertengruppen. Durch eine zielgruppenspezifische Informationsaufbereitung soll damit eine einfach nutzbare, verlässliche und unabhängige Informationsbasis zum Störungsbild der ADHS für Betroffene und ihre Bezugspersonen geboten werden.

Hintergrund-Info zu ADHS:

Fast jedes Kind durchlebt im Laufe seiner Entwicklung Phasen erhöhter Ablenkbarkeit, hoher Aktivität und auch Zeiten heftiger Impulsivität. Erst ab einem bestimmten Grad der Auffälligkeit ist von einer Störung die Rede. In dieser Hinsicht unterscheidet sich ADHS nicht von anderen psychischen Störungen (bspw. Depression) oder körperlichen Erkrankungen (bspw. Bluthochdruck), welche ebenfalls mehr oder weniger stark ausgeprägt sein können. Menschen mit einer starken Ausprägung der Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität, erfahren dadurch bedeutende Einschränkungen in ihrem Alltag.

Die Anzahl der von ADHS betroffenen Kinder und Jugendlichen in Deutschland variiert in Studien zwischen zwei und etwa sechs Prozent. Insgesamt kann man aber repräsentativen Studien zufolge davon ausgehen, dass etwa 500 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland von ADHS betroffen sind. Knaben sind dabei gegenüber Mädchen insgesamt zwei bis viermal häufiger betroffen.

In der Öffentlichkeit wird das Thema ADHS auch heute noch sehr kontrovers diskutiert, was bei Betroffenen, ihren Eltern, Partnern oder anderen Angehörigen und Betreuern oft Verunsicherungen auslöst. Das “zentrale adhs-netz” als bundesweites Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS hat es sich zum Ziel gesetzt, Unterstützung für ein umfassendes Gesundheitsmanagement für Menschen mit ADHS anzubieten.

Die interdisziplinäre Leitungsgruppe des “zentralen adhs-netzes” setzt sich zusammen aus:

- Prof. Dr. Manfred Döpfner, Leiter des Netzes; Diplom-Psychologe, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Psychologischer Psychotherapeut, Uniklinik Köln
- Prof. Dr. Dr. Tobias Banaschewski, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
- Dr. Johanna Krause, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychoanalyse, Fachärztin für Neurologie, Ottobrunn und
- Dr. Klaus Skrodzki, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderkardiologe, Forchheim.

Quelle:

http://idw-online.de

Kommentar & Ergänzung:

In der Öffentlichkeit am umstrittensten beim Thema ADHS ist die Therapie mit Ritalin. Dieser Punkt polarisiert sehr stark. In diesem wie auch in vielen anderen Bereichen scheint es mir wichtig, fundamentalistische Positionen zu vermeiden. Es kann nicht sinnvoll sein, Ritalin “grossflächig” einzusetzen. Genauso fragwürdig ist aber auch die Verteufelung von Ritalin mit der Forderung “Ritalin nie!”.

Anstelle von einseitigem Schwarz-Weiss-Denken geht es meines Erachtens darum, für jede Situation die bestmögliche Option zu finden. Das kann in manchen Fällen auch Ritalin sein, doch muss der Sinn und Zweck einer solchen Behandlung sehr sorgfältig geklärt werden.
Aus den Bereichen Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin gibt es zur ADHS-Behandlung zwar viele Ideen, aber leider kaum Belege für eine überzeugende Wirkung.
Hier ein paar Stichworte zum Thema Phytotherapie / Pflanzenheilkunde & ADHS:

- Hopfen und ADHS

Die Zeitschrift für Phytotherapie (4/2009) berichtet von einer Einzelfallbeobachtung:
“Psychostimulantien und Clonidin sowie – als zweite Wahl – Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer und SSRI sind effektiv in der Behandlung der ADHS. Aber auch Phytotherapeutika wie Kamille, Hopfen, Baldrian oder gar Ginkgo scheinen in der Behandlung dieser Störung wirksam zu sein. Aus diesem Grund wurde der Effekt von Hopfen bei ADHS untersucht.”

Zur Methode:

“Wir verabreichten dem 14-jährigen Patienten nach einer Auswaschphase für 4 Wochen pulverisierte Hopfenzapfen als Kapseln in der Dosierung von 2 × 150 mg (Fertigpräparat; BioNaturis, Schweiz) und nach einer 4-wöchigen Pause für weitere 4 Wochen Placebo. Der Patient und die Beurteiler waren nicht über die Verum/Placebo-Phase informiert. Der Patient…litt seit 11 Jahren an ADHS. Methylphenidat, das er über 14 Monate eingenommen hatte, brachte eine deutliche Besserung. Diese Medikation wurde 4 Wochen vor der Beobachtungsphase abgesetzt.”

Die Evaluation der Symptome wurde mittels klinischem Interview und einer Rating Scala durchgeführt.

Zu den Resultaten:

“Bezüglich Unaufmerksamkeit konnten wir eine Verbesserung von 24 auf 13 Punkte, bezüglich Hyperaktivität eine von 21 auf 16, und zusammen eine von 45 auf 29 beobachten. In der darauffolgenden 4-wöchigenmedikationsfreien Zeit stiegen der Hyperaktivitätswert wieder auf 22, der Aufmerksamkeitsstörungswert auf 20 und der Summenscore auf 42 an. Das anschließend für ebenfalls 4 Wochen verabreichte Placebo brachte Werte von 21/20/41.”

Der Autor kommt zum Schluss:

“Obwohl die Generalisierung einer Einzelfallbeobachtung nicht möglich ist, so legt das Ergebnis unserer Beobachtung doch eine zumindest supportive Wirkung von Hopfen nahe….. Die Symptomreduktion ist deutlich geringer als die 50-60%ige mittels Psychostimulantien erreichbare, ähnelt aber der von Nicht-Psychostimulantien, wie z.B. Desipramin, einem trizyklischen Antidepressivum.”
Tatsächlich lassen sich aus einer Einzelbeobachtung keine fundierten Schlüsse ziehen. Es scheint mir auch nahe liegend, dass während der ersten vier Wochen (Verum-Phase) der Placebo-Effekt stärker vorhanden war als in der später folgenden Placebo-Phase. Allein schon die Tatsache der Intervention erzeigt eine Erwartungshaltung, doch dürfte sich dieser Effekt beim zweiten Mal (Placebo-Phase) abschwächen.

- Johanniskraut & ADHS

Die Zeitschrift für Phytotherapie (6/2008) berichtete von einer randomisierten Doppelblindstudie mit Johanniskraut-Extrakt bei ADHS, allerdings mit negativem Ergebnis:

“Weder bei der ADHD-RS-IV-Skala noch bei der CGI ergaben sich signifikante Gruppenunterschiede zwischen Verum und Placebo innerhalb der 8-wöchigen Behandlungsperiode.”
I
m Kommentar weißt Prof. Dr. Volker Schulz allerdings auf problematische Aspekte der Studie hin:

“Die Autoren weisen bei der Diskussion ihrer Ergebnisse selbst darauf hin, das die Wahl des Prüfpräparates möglicherweise limitierend für die Studie gewesen sein könnte. Offenbar erfolgte erst nachträglich eine chemische Analyse. Diese ergab, dass der verwendete Johanniskraut-Extrakt zum Zeitpunkt der Beendigung der Studie nicht die vom Hersteller deklarierten 0,3%, sondern nur noch 0,13% Hypericin enthielt. Der gleichzeitig gemessene Gehalt an Hyperforin betrug nur 0,14% und damit weniger als ein Zehntel dessen, was bei der Mehrzahl derjenigen Extrakte enthalten war, die in kontrollierten Studien zur antidepressiven Wirksamkeit verwendet worden waren.”

Und er fügt eine grundsätzliche Anmerkung bei:

“Ungeachtet dieses Mangels bei der Extrakt-Wahl stellt sich die Frage, ob – gemessen an den klinische Erfahrungen bei der antidepressiven Therapie – das ADHS besonders geeignet für eine Therapiestudie mit Johanniskraut-Extrakt als Monotherapie war. Der mutmaßliche Wirkmechanismus im Sinne einer Steigerung der Dopaminkonzentration im Bereich zentraler Synapsen beruht auch bei Antidepressiva nur auf vorklinischen Untersuchungen, mehrheitlich solchen in vitro. Nach klinischen Erfahrungen werden jedoch die Johanniskraut-Extrakte eher den »aktivierenden« und nicht den (beim ADHS sicherlich günstigeren) sedierenden Antidepressiva zugeordnet. Vor diesem Hintergrund wäre das Ergebnis der Studie selbst bei besserer Wahl des Extrakts weniger überraschend gewesen. Für zukünftige Studien mit Phytopharmaka beim ADHS sollten vielleicht besser Zubereitungen mit beruhigenden Drogen wie Lavendel oder Baldrian, ggf. in Kombination mit Johanniskraut, verwendet werden.”

- Ginkgo biloba und ADHS

Wikipedia dazu:

“Bei ADHS scheint Ginkgo biloba jedoch dann eine Wirkung zu besitzen, wenn es mit Ginseng kombiniert wird.
Kinder im Alter von 3-17 Jahren, die an Aufmerksamkeits-Defizit-und-Hyperaktivititäts-Syndrom (ADHS) litten, wurden in der Pilotstudie von Lyon et al. nach vierwöchiger Behandlungsdauer durchaus erfolgreich behandelt. Sie hatten amerikanischen Ginseng (Panax quinquefolium) in einer Dosierung von 200 mg pro Kapsel + 50 mg Gingko biloba zweimal täglich auf nüchternen Magen eingenommen. Fünf der 36 Kinder zeigten leichte Nebenwirkungen, wobei zwei Fälle direkt auf die Ginsengmedikation zurückgeführt werden konnten.
Ein analoges Produkt war bereits ein Jahr früher von Wesnes et al. in einem randomisierten Doppelblindversuch an 256 gesunden Freiwilligen ausprobiert worden. Anhand eines Beurteilungsschemas (Index of Memory Quality) stellte sich eine Verbesserung der Gedächtnisleistung nach 12wöchiger Einnahme heraus.”

Ausserdem gibt es eine Studie von H. Frei (Phytotherapie 1/2002), in welcher Ginkgo an 50 ADHS-Kindern geprüft wurde. 28 der 50 Kinder (56%) sprachen gut auf Ginkgo biloba an. Dabei war die Resonderrate allerdings ungünstiger als bei Ritalin und die Wirkung insgesamt schwächer, insbesondere bezüglich Unruhe und Konzentration. Es fehlt hier der Vergleich mit einer Placebo-Gruppe.

Vor kurzem wurde ich an einem Vortrag gefragt, warum ich die Wirkung von Phytotherapie bzw. Naturheilkunde bei ADHS so kritisch einschätze.
Ganz einfach: Ich sehe meine Aufgabe nicht in der “Heilkräuter-Propaganda”. Ich bin kein “Kräuterpfarrer” mit missionarischen Ambitionen, der in allen Fällen immer Heilpflanzen “verkaufen” will. Wer sich nämlich so stark mit einem Bereich überidentifiziert, verliert tatsächlich jede kritische Distanz.

Meine Aufgabe sehe ich eher in der fundierten, differenzierten Beratung. Dazu gehört selbstverständlich auch die Berücksichtigung von Grenzen und Schwächen der Heilpflanzenkunde sowie die Darstellung anderer Optionen. Die Stärken der Heilpflanzenkunde kommen dabei nicht zu kurz und auch nicht die Freude an den Heilpflanzen in der Natur.

Wer einen unkritisch-naiven Heilkräuter-Propagandisten sucht, ist bei mir aber wahrscheinlich an der falschen Adresse.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Tipps zur Alltagsbewältigung bei Neurodermitis

Dienstag, März 2nd, 2010

Neurodermitis (Atopische Dermatitis) ist eine chronische Hautkrankheit, die sehr zermürbend sein kann. Als belastend wird dabei oft der begleitende Juckreiz erlebt.
Die Neurodermitis-Behandlung ist nicht einfach, doch können Medikamente und Naturheilmittel die Beschwerden oft lindern.
Zur Linderung können aber auch nichtmedikamentöse Massnahmen beitragen.
Auf www.stern.de ist eine Sammlung von Tipps veröffentlicht worden, welche die Alltagsbewältigung von Neurodermitis-Betroffenen erleichtern sollen:

- Die Fingernägel kurz halten, weil so die Haut weniger verletzt wird.

- Sich regelmäßig am ganzen Körper eincremen – am besten einmal am Tag, mindestens jedoch dreimal pro Woche. Hautcremes nutzen, die auf Ihr Neurodermitis-Stadium abgestimmt sind. Bei trockener Haut braucht sie Fett. Ist sie jedoch entzündet oder nässt sie sogar, sind fette Cremes schädlich: Weil die Entzündung unter dem Fettfilm eingeschlossen wird, kann sie sich intensivieren. Die Faustregel für Cremes lautet deshalb: nass auf nass, fett auf trocken. Den tiefsten Fettgehalt haben Lotionen, in Cremes ist er höher, Salben haben den höchsten Fettgehalt. Leider stehen nicht immer die richtigen Bezeichnungen auf der Verpackung, darum sollten Sie die Konsistenz vor dem Kauf testen oder sich beraten lassen. Hautöle sind nicht empfehlenswert, weil sie die Haut austrocknen.

- Juckende Hautstellen reiben, zwicken oder beklopfen, anstatt sie zu kratzen. Das ist schonender für die Haut.

- Nachts dünne Baumwollhandschuhe tragen. Im Schlaf merkt man häufig nicht, wenn man die Haut malträtiert.

- Kühlende Umschläge oder Eisbeutel auf juckende Hautstellen legen.

- Bei sehr trockener Haut lindern Hautpflegemittel mit Harnstoff. Sie geben Feuchtigkeit. Tragen Sie diese jedoch nicht auf entzündete Stellen auf, da sie ein brennendes Gefühl auslösen können.
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- Hautpflegeprodukte bevorzugen, die in Aluminiumtuben verpackt sind. In Salbentöpfe können leicht Keime eindringen. Plastiktuben saugen die Creme – und damit Keime – zurück, sobald der Benutzer sie loslässt.

- Eine warme Dusche trocknet die Haut nicht so stark aus und ist daher besser als ein heißes Bad.

- Anschließend unbedingt eine fettende Creme auftragen, weil das Wasser der Haut viel Feuchtigkeit entzogen hat.

- Wer auf ein Vollbad nicht verzichten will, verwendet am besten Ölbäder – entweder ein Spezialbad für Neurodermitiker aus der Apotheke oder eine selbst gemischte Emulsion aus Milch und Olivenöl mit dem klangvollen Namen “Cleopatra-Bad”. Dazu mischt man 40 Milliliter Olivenöl mit 20 Milliliter Milch, schütteln es kräftig, bis eine Emulsion entsteht, und setzt diese nach 5 Minuten dem Badewasser zu. Auf der Haut bildet sich dadurch ein dünner Ölfilm, welcher rückfettend wirkt.

- Zu Ölbädern keine weiteren Badezusätze verwenden, sonst geht die fettende Wirkung verloren. Die Haut anschließend an der Luft trocknen lassen, sonst landet der Ölfilm im Handtuch, und die Wirkung geht verloren. Auf die Inhaltsliste achten: Manche Ölbäder enthalten Auszüge aus Soja, Erdnüssen oder Paraffin. Sie können allergische Reaktionen verursachen.

- Das stark propagierte “Tote-Meer-Badesalz” bringt für den Hausgebrauch kaum Nutzen. Um Entzündungen zu lindern, müsste ein Bad die gleiche Salzkonzentration wie im Toten Meer aufweisen – pro Wanne wären das 30 Kilogramm.

- Die Haut zum Trocknen mit dem Handtuch abtupfen, statt sie zu reiben. Möglichst weiche Handtücher verwenden.

- Wenn Sie keinen Weichspüler verwenden wollen, nehmen Sie Reisehandtücher aus dem Outdoorgeschäft. Sie bestehen aus schnell trocknenden Mikrofasern, sind jedoch gewöhnungsbedürftig, denn zunächst fühlt man sich nicht richtig trocken. Kleine Reisehandtücher eignen sich auch für unterwegs – als Ersatz für kratzige Papiertücher in öffentlichen Toiletten.

- Sich möglichst nur mit tensidfreier Waschlotion waschen. Der optimale pH-Wert sollte zwischen 5 und 6,5 liegen.

- Für unterwegs tensidfreie Waschlotion in kleine Fläschchen abfüllen. Seifen in öffentlichen Gebäuden enthalten oft Hautdesinfektionsmittel, welche Neurodermitis-Betroffene nur in Ausnahmefällen verwenden sollten.

- Parfüms vor Gebrauch auf Verträglichkeit testen oder darauf verzichten.

- Sich so kleiden, dass wenig Schweiß auf der Haut bleibt, denn Schwitzen fördert den Juckreiz. Grundsätzlich verdunstet Schweiß bei weiten und luftigen Textilien leichter als bei eng anliegenden. Weiche Textilien aus Baumwolle, Seide oder Mikrofasern sind gut geeignet. Mikrofaserstoffe können Feuchtigkeit nach außen transportieren.

- Sich das Zwiebelsystem zunutze machen und mehrere Kleidungsstücke übereinander tragen, die nach Bedarf abgelegt werden können.

- Silberhaltige Stoffe vermindern die Zahl der Bakterien auf erkrankter Haut – bei Neurodermitis-Patienten ist deren Konzentration 100- bis 1000-fach erhöht. Silbertextilien werden unter anderem in Sanitätshäusern verkauft und manche Krankenkassen bezahlen die Spezialkleidung, wenn ein ärztliches Attest vorliegt.

- Waschmittel gut aus den Kleidern spülen, denn die Chemikalien führen manchmal zu Hautirritationen.

- Wasch- und Putzmittel mit Triclosan meiden. Auf den Packungen unter Inhaltsstoffe sind sie auch als Irgasan DP300, Trichlorhydroxydiphenylether, Cloxifenol oder 5-Chlor-2-(2,4-dichlorphenoxy)phenol vermerkt. Triclosan wird zwar auch zur Behandlung keimbesiedelter Ekzeme eingesetzt, ein zu häufiger Kontakt kann jedoch die Hautflora schädigen und möglicherweise sogar zu einer Resistenz gegen Antibiotika führen.

- Es existiert keine wirksame Spezialdiät für Neurodermitiker, welche die Krankheit lindern kann – auch wenn viele Ernährungsratgeber hauptsächlich im Internet dies suggerieren. Nur jene Neurodermitis-Betroffenen, die allergisch auf gewisse Nahrungsmittel reagieren, müssen diese meiden.

- Weitgehend auf Alkohol verzichten.

- Je nach Hauttyp Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor 8 bis 20 verwenden, jedoch nur in Ausnahmefällen UV-Blocker. Denn UV-Strahlen wirken antientzündlich und verschaffen den meisten Neurodermitis-Patienten Linderung.

- Achten Sie darauf, wie die Sonne auf Ihre Haut wirkt – bei manchen Neurodermitis-Patienten verschlimmert sie die Krankheit. Vergessen Sie nicht, dass zu viel UV-Strahlung das Risiko für Hautkrebs steigert.

- Auf Nikotin verzichten. Auch als Passivraucher sollten Sie sich möglichst nicht dem Tabakrauch aussetzen – die enthaltenen Schadstoffe können das Leiden nicht nur auslösen, sondern auch bereits entzündete Haut noch mehr reizen.

- Höhen- oder Meeresluft wirken häufig günstig, denn dieses Klima ist speziell arm an Schadstoffen und Allergenen. Die hohe Luftfeuchte in diesen Regionen ist besonders gut verträglich.

- Finden Sie heraus, was Sie besonders stresst, und vermeiden Sie solche Situationen so konsequent wie möglich. Sorgen Sie speziell abends für Entspannung, damit sich Psyche und Haut beruhigen können: Unterstützend wirken können dabei Entspannungstechniken wie Yoga, Qi Gong, Meditation, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Autogenes Training.

Quelle: www.stern.de

Kommentar & Ergänzung:

Zur Linderung von Neurodermitis ( = Atopische Dermatitis) werden auch einige bewährte Heilpflanzen verwendet, beispielsweise Hamamelis, Eichenrinde, Cardiospermum (Ballonrebe), Nachtkerzenöl, Borretschsamenöl.
Es kommt aber nicht nur darauf an, eine geeignete Heilpflanze zu finden.
Beim Einsatz von Heilpflanzen auf der vom Ekzem betroffenen Haut muss auch beachtet werden, dass die Anwendungsform (wässrig bzw. fetthaltig) dem Neurodermitis-Stadium angepasst ist.

Weitere Info:
Neurodermitis: Bleichmittel lindert Ekzeme
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/05/08/neurodermitis-bleichmittel-lindert-ekzeme.html

Infos zum Tagesseminar “Heilpflanzen bei Hauterkrankungen und Wunden” finden Sie hier:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Anthroposophische Medizin ins Medizinstudium – offene Fragen (1)

Montag, März 1st, 2010

SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher (TG) fordert mit einer parlamentarischen Initiative im Nationalrat die Integration der Komplementärmedizin ins Medizinstudium (Mitunterzeichnende siehe Anhang), wobei es auch um die Anthroposophische Medizin geht. Dieses Anliegen ist auf den ersten Blick sympathisch.

Ein zweiter Blick zeigt aber viele Fragwürdigkeiten.

Das fängt schon damit an, dass es sehr problematisch ist, pauschal von “Komplementärmedizin” zu sprechen. Differenzierung wäre gefragt. Unter dem Etikett “Komplementärmedizin” finden sich sehr unterschiedliche Theorien und Überzeugungssysteme. Eine offene Diskussion darüber fehlt und ist meiner Ansicht nach überfällig.
Siehe dazu auch:
Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/01/30/komplementaermedizin-ein-fragwuerdiger-begriff.html

Zu fragen wäre etwa, welche Grundhaltungen und Werte angehende Mediziner und Medizinerinnen im Studium lernen sollen? Welche “komplementären” Ansätze wollen wir? Diese inhaltliche Auseinandersetzung vermeiden meinem Eindruck nach die Unterzeichner dieser parlamentarischen Initiative. Komplementärmedizin undifferenziert und pauschal gut zu finden scheint mir ziemlich naiv und zudem ein bisschen fundamentalistisch angehaucht.

Keine Remoralisierung von Krankheit und Behinderung!

Anthroposophische Medizin zum Beispiel basiert auf der Kernüberzeugung, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in einem früheren Leben verursacht wird (Karma).
Siehe dazu:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/05/01/abstimmung-komplementaermedizin-kritische-fragen-an-simonetta-sommaruga-zur-foerderung-der-anthroposophischen-medizin.html

Meiner Ansicht nach ist es eine der bedeutendsten Errungenschaften der Moderne, dass Krankheit und Behinderung nicht mehr mit Schuld und moralischem Versagen verknüpft sind. Wenn nun eine staatliche Förderung für die Anthroposophische Medizin verlangt wird, ist damit auch ein Schritt in Richtung einer Remoralisierung von Krankheit und Behinderung verbunden.

Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit sind ebenfalls wichtige Errungenschaften der Moderne. Jeder Mensch darf daher im Sinne der Anthroposophie glauben, dass beispielsweise Lügenhaftigkeit im nächsten Leben eine Behinderung auslöst.

Es fragt sich nur, ob unsere Medizinstudentinnen und -studenten im Studium solch fragwürdige Überzeugungen lernen sollen (dringender wäre ja vielleicht mehr Training von Patientengesprächen).

Erstaunlich ist für mich vor allem, dass ausgerechnet die Sozialdemokratische Partei (SPS) und die Grünen (GPS), die sich beide so behindertenfreundlich geben, ausgesprochen undifferenziert und unreflektiert für diese Remoralisierung von Krankheit und Behinderung eintreten.

Mich würde sehr interessieren, was genau inhaltlich nach Ansicht von SPS und GPS in den Vorlesungen über Anthroposophische Medizin vermittelt werden soll. Da sich die Anthroposophische Medizin praktisch ausschliesslich an ihrer Führerfigur Rudolf Steiner orientiert, gehören dessen Aussagen zu Gesundheit und Krankheit zweifellos in eine solche Vorlesung, auf dass zukünftige MedizinerInnen damit vertraut werden.

Mein Vorschlag für den Bereich Embryologie:

“Sehen Sie, wenn heute eine schwangere Frau gerade fragen würde, was man ihr zu lesen geben will – es gibt ja nichts! Man kann auch eigentlich schon zu gar nichts raten! Neulich bin ich in Basel in eine Buchhandlung gekommen, da fand ich das neueste Programm dessen, was gedruckt wird: ein Negerroman, wie überhaupt jetzt die Neger allmählich in die Zivilisation von Europa hereinkommen! Es werden überall Negertänze aufgeführt, Negertänze gehüpft. Aber wir haben ja sogar schon diesen Negerroman. Er ist urlangweilig, greulich langweilig, aber die Leute verschlingen ihn. Ja, ich bin meinerseits davon überzeugt, wenn wir noch eine Anzahl Negerromane kriegen, und wir geben diese Negerromane schwangeren Frauen zu lesen, in der ersten Zeit der Schwangerschaft namentlich, wo sie heute ja gerade solche Gelüste manchmal entwickeln können – wir geben diese Negerromane den schwangeren Frauen zu lesen, da braucht gar nicht dafür gesorgt zu werden, dass Neger nach Europa kommen, damit Mulatten entstehen; da entsteht durch rein geistiges Lesen von Negerromanen eine ganze Anzahl von Kindern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben werden, die mulattenähnlich aussehen werden!

So dass man sagen kann: Man beachtet eben heute gar nicht dasjenige, was in der geistigen Kultur enthalten ist. Es ist eben so, dass eine gesunde Erziehung auch allmählich in alles hineingehen wird, was wir lesen oder was wir uns erzählen lassen. Und da werden zum Beispiel einmal vielleicht, wenn man das beachtet, was Anthroposophie sagt, Romane entstehen für Schwangere. Wenn die Schwangeren diese lesen werden, werden sie schöne Menschen wieder vor sich haben, und die schönen Menschen werden aber auch geboren werden zu starken und schönen Menschen. Denn während der Schwangerschaft ist das Weib zugleich durch das, was sie im Kopfe tut, die Veranlassung zu der Tätigkeit, die in ihrem Unterleib vor sich geht. Sie macht die Formen des Kindes aus dem, was sie sich vorstellt, was sie empfindet, was sie will.
Und da, meine Herren, wird Geisteswissenschaft überhaupt handgreiflich. Da wird es so, dass man nicht mehr sagen kann: Das Geistige hat keinen Einfluss auf den Menschen.”

(Rudolf Steiner, Über Gesundheit und Krankheit, GA Band 348, S. 185, Vortrag vom 30. 12. 1922)

Wie viele hässliche oder gar behinderte Menschen könnten verhindert werden, wenn Gynäkologinnen und Gynäkologen über solch anthroposophische Grundsätze informiert wären und den werdenden Müttern passende (anthroposophische) Literatur verordnen könnten….
Und Frauen, die hässliche oder missgestaltete Kinder gebären, hatten während der Schwangerschaft wohl einfach das Falsche im Kopf….

Solche Erkenntnisse aus höheren Welten gehören unbedingt ins Medizinstudium….meinen offenbar die Sozialdemokratische Partei (SPS) und die Grüne Partei (GPS), welche leider an diesem Punkt ziemlich blind agieren.
Nein, so etwas natürlich nicht – werden SPS und GPS bestimmt sagen.
Aber was dann stattdessen, liebe SPS und GPS? Ich bin gespannt auf konkrete Vorschläge, und werde meinerseits gerne weitere liefern.

P.S. Beim “Negerroman”, den Rudolf Steiner so grässlich fand, soll es sich um den Roman “Batouala” von René Maran handeln, welcher inzwischen in der Reihe “Manesse Bibliothek der Weltliteratur” neu veröffentlicht worden ist.
Besprechung: http://www.afrikaroman.de/buch/rezensionen/autor_maran.php

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Anhang:

Mitunterzeichnende der parlamentarischen Initiative von Nationalrätin Edith Graf-Litscher (TG):
Ruedi Aeschbacher, Evi Allemann, Josiane Aubert, Martin Bäumle, Didier Berberat, Daniel Brélaz, Marina Carobbio Guscetti, Max Chopard-Acklin, André Daguet, Walter Donzé, Hildegard Fässler-Osterwalder, Jacqueline Fehr, Hans-Jürg Fehr, Mario Fehr, Oskar Freysinger, Bastien Girod, Alice Glauser-Zufferey, Bea Heim, Francine John-Calame, Marianne Kleiner, Christian Levrat, Ricardo Lumengo, Ada Marra, Fabio Pedrina, Katharina Prelicz-Huber, Jean-Claude Rennwald, Stéphane Rossini, Maria Roth-Bernasconi, Silvia Schenker, Carlo Sommaruga, Jean-François Steiert, Hans Stöckli, Doris Stump, Adèle Thorens Goumaz, Andy Tschümperlin, Christian van Singer, Alec von Graffenried, Eric Voruz, Hansjörg Walter, Marie-Thérèse Weber-Gobet, Reto Wehrli, Thomas Weibel, Hans Widmer, Brigit Wyss, Josef Zisyadis.