Archive for März, 2010

Yamswurzel-Gel bei PMS und Wechseljahrbeschwerden?

Freitag, März 26th, 2010

Yamswurzelpräparate werden in der Presse häufig als “natürliche Hormonpräparate” zur Behandlung von menopausalen und prämenstruellen Beschwerden angepriesen. Die Wirkung wird dem Steroidsaponin Diosgenin zugeschrieben, welches industriell zur partialsynthetischen Herstellung von Progesteron genutzt wird. Ob eine enzymatische Umwandlung von Diosgenin zu Progesteron auch im menschlichen Organismus stattfindet, ist nicht erwiesen.

Einer Anwendungsbeobachtunge zufolge soll die lokale Anwendung von Yamswurzelgel insbesondere prämenstruelle Beschwerden lindern:
Die Frauen im Alter zwischen 37 und 53 Jahren litten an prämenstruellen Symptomen (z.B. Brustspannen) oder menopausalen Beschwerden (z.B. Hitzewallungen). Das Yamswurzelgel (10%) wurde ein- bis zweimal täglich auf die Innenseite der Arme, Brust, Bauch oder Oberschenkel aufgetragen.

Alle Frauen mit ausschliesslich prämenstruellen Beschwerden beobachteten eine Verbesserung, d.h. weniger Brustspannen und Wassereinlagerungen, Abschwächung psychischer Symptome.
Die Anwenderinnen mit Wechseljahrsbeschwerden stellten nur vereinzelt einen positiven Effekt fest.
Das Ansprechen auf eine lokale Anwendung von Yamswurzelgel scheint je nach Beschwerden stark zu variieren. Zurzeit fehlen jedoch kontrollierte, klinische Studien, welche die Wirksamkeit von Yamswurzelgel eindeutig belegen.

Quelle:
www.pharmavista.net
Ars Medici, Thema Phytotherapie, 6/2009/p10; Heide Fischer, Yamswurzelgel 10% bei Frauen mit menopausalen und prämenstruellen Beschwerden, Ergebnisse einer Anwendungsbeobachtung

Kommentare & Ergänzungen:

Die Frage, ob Yamsgel bzw. Yamscreme sich zur Linderung von PMS-Beschwerden und Wechseljahrbeschwerden eignet, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Deshalb hier einige weitere Aspekte:

1. Hintergrund-Info zu Yams:
Yams (Dioscorea) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae). Yams ist vor allem in den Tropen verbreitet. Die einzigen in Mitteleuropa heimischen Dioscorea-Arten sind die Schmerwurz (Dioscorea communis) und die Balkan-Schmerwurz (Dioscorea balcanica).

Einige Yams-Arten und deren Ausleseformen sind Nutzpflanzen als bedeutende Nahrungspflanzen und auch als Heilpflanzen. Viele Yams-Arten werden wegen ihrer essbaren Wurzelknollen als Nahrungsmittel kultiviert.
Yamswurzeln ähneln geschmacklich und optisch den Süßkartoffeln, sind jedoch nicht mit ihnen verwandt. In Südamerika, Afrika und der Karibik ist Yams weit verbreitet, in Europa dagegen im Gegensatz zur Süßkartoffel nur selten zu erwerben. Des weiteren ist Yams in den Tropen ein bedeutender Stärke-Lieferant.

In der Naturheilkunde wird wilder Yams zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden, gegen PMS und sowohl zur Empfängnisverhütung als auch bei unerfülltem Kinderwunsch empfohlen. Die Yams-Anwendung ist aber umstritten und heikel. Es kommt offenbar entscheidend darauf an, wie der Yams dosiert wird. Die wilde Yamswurzel enthält bedeutende Mengen Diosgenin, eine Substanz, die dem Gelbkörperhormon ähnlich ist und in verschiedenen Publikationen auch als “natürliches” Progesteron bezeichnet wird. Doch obwohl Diosgenin natürlicher Herkunft ist, unterscheidet es sich stark vom Gelbkörperhormon, welches im Körper der Frau produziert wird.
(Quelle: Wikipedia)

2. Yamswurzel-Gel in der Pflanzenheilkunde
Die Werbung für Yams-Produkte verspricht, dass der Organismus aus der Hormonvorstufe Diosgenin je nach dem, was ihm gerade fehlt, Östrogen oder Progesteron herstellen kann. Das tönt ideal, doch ist ungeklärt, ob diese schöne Vorstellung auch real ist.

3. Die Idee, fehlende Hormone über die Haut zuzuführen, ist bestechend. Die Wirksamkeit von Hormonpflastern zeigt auch, dass dies grundsätzlich möglich ist. Darum scheint es nicht abwegig, dass auch der Hormongrundstoff Diosgenin aus einem Yamsgel via Haut appliziert werden könnte.

4. Genauere Angaben aus der erwähnten Anwendungsbeobachtung mit Yamsgel:
(Quelle: http://www.rosenfluh.ch/rosenfluh/articles/download/912/Yamswurzelgel.pdf)

Die Arbeitshypothese dieser Anwendungsbeobachtung lautete:
“ Yamswurzel-Präparate können über ihren Gehalt an Diosgenin, einem progesteronähnlichen Wirkstoff, die Gelbkörperphase im weiblichen Zyklus unterstützen und entsprechend bei prämenstruellen Beschwerden hilfreich sein. Es wäre denkbar, dass der Körper aus Diosgenin auch Östrogen synthetisieren kann, womit die Yamswurzel auch Wechseljahresbeschwerden lindern könnte. Die Hersteller von Wildyamprodukten bewerben beide Indikationen.”

Ab der Anwendungsbeobachtung nahmen 16 Patientinnen im Alter zwischen 37 und 53 Jahren während zweier Monate
teil.:

“8 Patientinnen litten an Beschwerden des menopausalen Formenkreises wie Hitzewallungen, gelegentlich verstärkte oder unregelmässige Regelblutung, Schlafstörungen, nervöse Unruhe, verminderte Libido, Gewichtszunahme, Haut- und Schleimhauttrockenheit. Ihr Alter lag zwischen 48 und 53 Jahren. Die anderen 8 Frauen klagten über prämenstruelle Beschwerden wie Brustspannen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen,Schmierblutungen und Stimmungsschwankungen. Das Alter dieser Gruppe lag zwischen 37 und 45 Jahren. Bei insgesamt 3 Frauen lagen Myome vor.
Die Anwendungsanweisung lautete: vom 10. bis zum 26. Zyklustag (bei menopausalen Frauen, die bereits keinen regelmässigen Zyklus mehr hatten, vom 10. bis zum 30. Tag eines Kalendermonats) ein- bis zweimal täglich eine kirschkern- bis haselnussgrosse Portion auf die Innenseite der Arme, Brust, Bauch oder die oberen Beine auftragen.”

Die Resultate bei menopausalen Beschwerden:

“Bei den menopausalen Beschwerden wurden nur bei 2 Frauen die typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen positiv beeinflusst. 2 Frauen berichteten über eine Gewichtsabnahme, 2 über eine Verbesserung ihrer sexuellen Lust.
Das Beschwerdebild überlappte sich zum Teil mit den prämenstruellen Symptomen. Frauen, die davon betroffen waren, verspürten alle eine Linderung bis hin zum völligen Verschwinden der prämenstruellen Beschwerden wie zum Beispiel Brustspannen und so weiter. Ein Myomwachstum konnte nicht festgestellt werden.”

Die Resultate bei prämenstruellen Beschwerden (PMS):

“Alle Frauen mit ausschliesslich prämenstruellen Beschwerden erfuhren eine deutliche Verbesserung: Brustspannen und Wassereinlagerungen verringerten sich, Schmierblutungen verschwanden. Eine Verbesserung wurde auch bei seelischen Symptomen wie Unruhe und Stimmungsschwankungen festgestellt, ebenso wie bei Kältegefühl.”

Die Autorin fasst zusammen:

“ Eine Verbesserung der Wechseljahresbeschwerden unter transdermaler Anwendung von 10-prozentigem Yamswurzelgel, hergestellt aus einem Fluidextrakt der Trockendroge, gelang nur teilweise, während Frauen mit prämenstruellen Beschwerden unter dieser Therapie einhellig eine Linderung erfuhren.”

Anzufügen ist hier:

16 teilnehmende Frauen, wovon 8 mit PMS und 8 mit Wechseljahrsbeschwerden, das sind sehr kleine Zahlen.
Auch fehlt natürlich hier ein Vergleich mit Placebo. Bereits die Teilnahme an einer Studie hat oft eine günstige Wirkung. Und das Einreiben eines Gels oder einer Salbe tut schon unabhängig von allfälligen Yams-Wirkungen gut.
Insofern ist die Aussagekraft dieser Anwendungsbeobachtung sehr begrenzt.
Interessant ist aber schon, dass Effekte bei PMS festgestellt wurden, kaum dagegen bei Wechseljahrbeschwerden. Das scheint mir eher auf eine Umwandlung von Diosgenin zu Progesteron hinzuweisen und weniger auf eine Umwandlung in Richtung Östrogen – falls überhaupt eine solche Umwandlung stattfindet.

Ergänzt werden müsste noch, dass es in der Schweiz und in Deutschland keine als Arzneimittel zugelassenen Yamsprodukte auf dem Markt gibt. Yams-Gel oder Yams-Creme wird nur als kosmetisches Produkt verkauft. Dadurch ist es schwierig, die Qualität solcher Angebote zu beurteilen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/

Eibisch-Extrakt lindert Reizhusten

Sonntag, März 21st, 2010

Zu den besonders bewährten pflanzlichen Hustenstillern zählen Extrakte
aus Eibischwurzeln. Die Schleimstoffe aus dem Eibisch (Althaea
officinalis) enthalten einen speziell hohen Anteil an so genannten
Polysacchariden. Diese Wirkstoffe lindern den Hustenreiz auf gleich
zweifacher Art. Dies zeigte vor kurzem eine neue Studie an der Universität
Münster.

Die meisten Erkältungen fangen mit dem typischen, trockenen
Reizhusten ohne Auswurf an, der die Schleimhäute irritiert, im Hals kratzt
und den Schlaf stört. Pflanzliche Schleimstoff-Präparate, wie ein Eibisch-
Sirup lindern den quälenden Hustenreiz, indem sie über die gereizte oder entzündete Schleimhaut einen feinen Schutzfilm legen. Dieser passive Schutzvorgang ist schon längere Zeit bekannt.

Das Forschungsteam von Prof. Dr. Andreas Hensel am Institut für Phytochemie und Pharmazeutische Biologie an der Universität Münster fand nun einen weiteren Wirkungsmechanismus der im Eibisch-Extrakt enthaltenen
Polysaccharide.

Die Forscher untersuchten die physiologischen Wirkungen eines
Eibischwurzel-Extraktes und eines isolierten Rohpolysaccharids
an menschlichen und tierischen Schleimhautzellen. Dabei konnten sie
belegen, dass die pflanzlichen Wirkstoffe in die Schleimhautzellen von
Mund und Nase aufgenommen werden und dort die Zellteilungsrate und
die Stoffwechselaktivität signifikant steigern.

Das führt zu einer erhöhten Regenerationsfähigkeit der Schleimhaut
und übt gleichzeitig eine lindernde Wirkung auf den Hustenreiz und die
Entzündungen der Mundschleimhaut (Stomatitis) aus.
Klinische Untersuchungen zeigten, dass sich Eibisch-Sirup auch gut für die Anwendung im Kindesalter eignet.

Quelle:
www.phytotherapie-komitee.de

Kommentar & Ergänzung:

Eibisch wird von allen schleimhaltigen Heilpflanzen zur Zeit am intensivsten wissenschaftlich untersucht
Die Eibischwurzel kann auch als Tee angewendet werden (Kaltauszug). Eine weitere wichtige Schleimpflanze ist die Wilde Malve (Malva silvestris). Malvenblütentee ist ebenfalls ein bewährter Hustentee bei trockenem Reizhusten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/

Ständerat: Komplementärmedizin soll ins Medizinstudium

Sonntag, März 21st, 2010

Ärzte, Zahnärzte, Chiropraktiker und Apotheker sollen angemessene Kenntnisse der Komplementärmedizin verfügen. Der Ständerat überwies eine entsprechende Motion. Der Bundesrat beabsichtigt, die Frage im revidierten Medizinalberufegesetz zu regeln.

Die Universitäten sollen Kurse anbieten, welche Grundkenntnisse in der Komplementärmedizin vermitteln, erläuterte Kommissionssprecher Felix Gutzwiller (FDP / ZH). Und er ergänzt, dass dabei schon einiges geschehen sei. Nur die Hochschule in Genf verfüge noch nicht über ein entsprechendes Angebot.

Die Angebote müssten indessen flächendeckend sein, sagte Ständerat Felix Gutzwiller zur Motion der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK). Diese Motion sei Folge einer gleichlautenden parlamentarischen Initiative und soll zur Beschleunigung des Anliegens beitragen.

Ständerat Rolf Büttiker (FDP / SO) erinnerte an das deutliche Ja zur Initiative für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin am 17. Mai 2009. Die Motion verlange nur die Vermittlung von Basiswissen über Methoden, welche die Mehrheit der Bevölkerung wünsche. Denkbar sei eine obligatorische Basisausbildung von 30 bis 60 Stunden in einem Studium, präzisierte Rolf Büttiker.

Eugen David (CVP / SG) bemängelte, dass unter den Begriff Komplementärmedizin die verschiedensten Methoden fallen. An Universitäten sollten jedoch nur wissenschaftlich fundierte Methoden gelehrt werden.

Gesundheitsminister Didier Burkhalter erklärte sich zur Annahme der Motion bereit. Der Einwand Davids mache jedoch klar, dass das Thema komplex sei und seriöse Gesetzgebung brauche. Die Frage der Kenntnisse in Komplementärmedizin fliesse in die Revision des Medizinalberufegesetzes ein. Bis Ende 2010 sollte die Vernehmlassung zu dieser Revision beginnen, sagte Bundesrat Didier Burkhalter. Die Motion wurde vom Ständerat gut geheissen und geht nun an den Nationalrat.

Quelle:
http://www.bielertagblatt.ch/News/Schweiz/169235

Kommentar & Ergänzung:

Ein “Blumenstrauss” an Ständerat Eugen David (CVP, SG). Es scheint also tatsächlich Politiker zu geben, denen klar geworden ist, dass man nicht einfach pauschal und undifferenziert die verschiedenen Methoden der “Komplementärmedizin” in einen Topf schmeissen kann. Das ist erfreulich, herrscht doch bisher überwiegend die totale Pauschalisierung vor, wonach Komplementärmedizin einfach generell etwas Wunderbares ist. Wobei sehr bedauerlicherweise ausgerechnet die Sozialdemokratische Partei (SPS) und die Grüne Partei (GPS) sich meiner Erfahrung nach im Bereich Komplementärmedizin durch einen besonders hohen Naivitäts-Pegel auszeichnen.

Zur Komplexität des Begriffs Komplementärmedizin siehe:
Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/01/30/komplementaermedizin-ein-fragwuerdiger-begriff.html

Der Teufel steckt auch hier im Detail.

Ständerat Eugen David fordert, dass an Universitäten nur wissenschaftlich fundierte Methoden gelehrt werden sollten.
Das schliesst aber tendenziell Methoden der Komplementärmedizin schon aus. Die fünf zur Diskussion stehenden Methoden Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie sind jedenfalls bei weitem nicht durchgängig als wissenschaftlich fundiert zu bezeichnen. Dies in deutlichem Gegensatz zu den fragwürdigen und auf Binnenkonsens beruhenden Schlussfolgerungen der sogenannten PEK-Studie, welche die Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit dieser fünf Methoden belegt haben will.

Zur Kritik an der PEK-Studie siehe:
Komplementärmedizin: Fragwürdige PEK-Studie zur Wirksamkeit
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/06/24/komplementaermedizin-fragwuerdige-pek-studie-zur-wirksamkeit.html

Die Stimmberechtigten wurden meines Erachtens diesbezüglich im Vorfeld der Abstimmung vom 17. Mai durch sehr einseitige, realitätsferne bzw. zum Teil auch schlicht unwahre Aussagen bezüglich der wissenschaftlichen Fundiertheit der Komplementärmedizin getäuscht.

Siehe beispielsweise Statements von Ständerätin Simonetta Sommaruga (SP, BE) und Ständerat Rolf Büttiker (FDP, SO):

Komplementärmedizin-Abstimmung: Fragen an Ständerat Büttiker
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/04/14/komplementaermedizin-abstimmung-fragen-an-staenderat-buettiker.html

Falschaussage von Simonetta Sommaruga zur Komplementärmedizin-Abstimmung
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/04/15/falschaussage-von-simonetta-sommaruga-zur-komplementaermedizin-abstimmung.html

Der Kernpunkt scheint mir hier zu sein, dass eine Methode, die wissenschaftlich fundiert ist, gar nicht mehr zur Komplementärmedizin gezählt wird, sondern zur “Schulmedizin” gehört.
Zur Problematik des Begriffs “Schulmedizin” siehe:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/01/03/schulmedizin-ein-fragwuerdiger-ausdruck.html

Fordert man wie offenbar Eugen David, dass von den fünf zur Diskussion stehenden Methoden der Komplementärmedizin (Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie) nur diejenigen an der Universität gelehrt werden, welche wissenschaftlich fundiert sind, dann steht die Phytotherapie zweifellos in der Pool-Position. Denn dass die Phytotherapie von den fünf mit Abstand am besten wissenschaftlich fundiert ist, wird wohl kaum von irgend jemandem ernstlich bestritten.

Aber auch hier wird die Situation komplex, sobald man genauer hinschaut:

Meiner Ansicht nach gibt es kein auch nur einigermassen überzeugendes Argument, weshalb Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen wäre. Dass Phytotherapie in diesem Fünfer-Päckli als Komplementärmethode verkauft wird, hat mehr mit politischer Strategie und politischem Lobbying zu tun, kaum aber mit realen fachlichen Gründen.
Siehe dazu:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/01/30/gehoert-phytotherapie-zur-komplementaermedizin.html

Es sprechen viel mehr Argumente dafür, Phytotherapie als Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde zu sehen – eine Position, welche beispielsweise die “Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege” (IGPP) einnimmt (www.ig-pp.ch).
Die IGPP setzt sich für die Integration von fundierten Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex-Organisationen, Pflegeheime und Kliniken ein. Sie arbeitet damit schon vor und erst recht nach der Abstimmung vom 17. Mai unspektakulär an der oft geforderten und selten realisierten Verbindung von Medizin und Naturheilkunde. Voraussetzung für ein Gelingen dieser Zusammenarbeit ist neben phytotherapeutischer Professionalität vor allem auch eine kooperative Grundhaltung zum medizinischen System.

Eine Dokumentation zum Thema “Phytotherapie in der Pflege” finden Sie hier:
moodle.heilpflanzen-info.ch/mod/resource/view.php

P.S.:
Bei der Frage, ob und welche Art von Komplementärmedizin an der Universität gelehrt werden soll, müsste meines Erachtens die wissenschaftliche Fundiertheit nicht das einzige Kriterium sein. Zu fordern wäre darüber hinaus eine offene Diskussion über weltanschauliche und ethische Aspekte. Anthroposophische Medizin beispielsweise basiert auf der Vorstellung, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in einem früheren Leben ausgelöst werden. Meines Erachtens gehört es zu den “Würden der Moderne”, dass Krankheit und Behinderung nicht mehr mit Schuld verbunden sind. Der Anthroposophischen Medizin aber geht es um eine Remoralisierung von Krankheit und Behinderung.
Details siehe:

Kritische Fragen zur Förderung der Anthroposophischen Medizin:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/05/01/abstimmung-komplementaermedizin-kritische-fragen-an-simonetta-sommaruga-zur-foerderung-der-anthroposophischen-medizin.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/

Natur entdecken: Pflanzen, Tiere, Lebensräume in Trin / Flims

Samstag, März 20th, 2010

Lust auf Natur?

Frühlingskurs: 7. -9. Mai 2010
Erwachende Natur: Heilpflanzen – Orchideen – Schmetterlinge
Vorgesehen ist eine blumenreiche Tageswanderung durch die faszinierende Rheinschlucht und Streifzüge durch den grossen, blühenden Hochstamm-Obstgarten zwischen Trin und Digg. Wir lernen Heilkräuter und ihre Wirkungen kennen, achten darauf, wer im Vogelkonzert mitsingt und welche Gäste die unzähligen Blüten besuchen. Kurze, gut verständliche Hinweise erläutern die spannende Geologie der Umgebung des Flimser Bergsturzes und der daraus entstandenen Rheinschlucht.
Weitere Infos:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/

ZDF-Doku: Was ist Phytotherapie?

Donnerstag, März 18th, 2010

Phytotherapie wird von vielen Leuten immer noch verwechselt und in einen Topf geschmissen mit Homöopathie, Bachblüten, Spagyrik oder ähnlichen Methoden.

Dabei unterscheiden sich die theoretischen Grundlagen, die Weltbilder und der Forschungsstand dieser Verfahren fundamental. Längst nicht alle Naturheilmittel aus Heilpflanzen zählen zur Phytotherapie.
Nur wer differenzieren kann ist auch in der Lage, eine fundierte Wahl zu treffen.

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) brachte am 20. September 2009 unter “Doku Gesundheitsthemen” einen Bericht über die moderne Phytotherapie.
Als Expertin Auskunft gibt Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde in Rostock, eine ausgewiesene Kennerin der Phytotherapie.

Die Sendung ist in sechs Teilen auf youtube veröffentlicht worden.
Hier die Links und eine kurze Beschreibung des Inhalts.

Moderne Phytotherapie Teil 1:
www.youtube.com/watch

Beinwell (Wallwurz) bei Verstauchungen, Knochenbrüchen, Gelenkerkrankungen,
Prellungen, Zerrungen.
Johanniskraut als wirksames Antidepressivum.
Heilpflanzen-Anbau (Johanniskraut, Brennessel).
Herstellung von Heilpflanzen-Präparaten.

Moderne Phytotherapie Teil 2:
www.youtube.com/watch

Anbau von Sonnenhut (Echinacea).
Weissdorn bei Herzbeschwerden und Herzschwäche.
Weissdorn-Versuchsplantage.

Moderne Phytotherapie Teil 3:
www.youtube.com/watch

Weissdorn-Versuchsplantage.
Weissdorn bei leichten Formen der Herzinsuffizienz und leichten Formen von Herzrhythmusstörungen.
Interview mit Dr. Axel Bolland, Arzt für Balneologie und Naturheilkunde.
Wert des Sammelns von Heilpflanzen.
Wiesengeissbart (Mädesüss), Holunder.

Moderne Phytotherapie Teil 4:
www.youtube.com/watch

Holunder gegen Erkältungskrankheiten und Fieber.
Kamille zur Wundheilung, gegen Magen-Darm-Beschwerden.
Brombeerblätter gegen leichte Durchfälle, Entzündungen im Mund.
Zitate aus den Schriften Hildegard von Bingen‘s.
Johanniskraut-Analyse.

Moderne Phytotherapie Teil 5:
www.youtube.com/watch

Johanniskraut-Analyse.
Johanniskraut bei schwerer bis mittelschwerer Depression gut belegt nach Aussage von Prof. Karin Kraft.
Kamillenblüten (Anbau).
Ginkgo-Anbau, Heilpflanzen-Forschung.
Löwenzahn.

Moderne Phytotherapie 6
www.youtube.com/watch

Heilpflanzen-Forschung, Lavendelöl, Heilpflanzen-Sammeln,
Kamillen-Dampfinhalation,
Baldrian, Melisse, Hopfen für Beruhigungsbad.
Zwiebel bei Insektenstichen.
Pflanzenmedizin fördert Verlangsamung, Zuwendung, Achtsamkeit.

Kommentar & Ergänzung:

Für Phytotherapie-Fachleute bietet die Sendung wohl kaum neue Erkenntnisse.

Für Laien gibt sie aber einen guten Einblick in die verschiedensten Bereiche der Phytotherapie. Der Heilpflanzen-Anbau, die Heilpflanzen-Forschung, die Produktion von Arzneimitteln aus Heilpflanzen und verschiedene Anwendungsbereiche werden vorgestellt.

Darüber hinaus zeigt der Film aber auch, dass die Auseinandersetzung mit der Pflanzenheilkunde die Beziehung zur Natur stärken und die Eigenkompetenz der Menschen fördern kann. Diese wichtigen Vorzüge sollten meiner Ansicht nach erhalten und gepflegt werden. Falls Sie Heilpflanzen auf Exkursionen kennenlernen oder ihr Wissen über die Heilkräfte der Pflanzen vertiefen wollen, dann schauen Sie doch einmal in meinen Kurskalender:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/

Teebaumöl als Naturheilmittel…..

Mittwoch, März 17th, 2010

Unter dem Titel “Teebaumöl – eines der wirksamsten Mittel der Natur” empfiehlt die “Medical Tribune” in ihrem Gesundheits-Tipp die Anwendung von Teebaumöl.
Medical Tribune schreibt:

“Von den weltweit über 200 existierenden Teebaum-Arten sind 30 in Australien beheimatet – aber nur eine verfügt über die besonders gesunden Eigenschaften.”

Dieser Baum sei sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten und werde selbst bei extremen Bedingungen nicht von Pilzen befallen.
Dann folgen praktische Tipps zur Anwendung von Teebaumöl:
“- Bei kleinen Wunden unverdünnt auftragen.

-Gegen Halsschmerzen, Raucherhusten und Mundgeruch in ein Glas warmes Wasser fünf bis zehn Tropfen Teebaumöl geben und gurgeln.

- Bei Schuppen fünf Tropfen des Öls einem milden Shampoo beifügen, in die Kopfhaut einmassieren und gut ausspülen.

- Bei Erkältung fünf Tropfen ins Badewasser geben.

- Bei Fußgeruch für ein Fußbad zehn Tropfen ins warme Wasser geben.”

Quelle: www.medical-tribune.de

Kommentar & Ergänzung:

Teebaumöl wird aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) durch Wasserdampfdestillation gewonnen.

Teebaumöl wird wegen seiner antiseptischen, bakteriziden und fungiziden Wirkung angewendet in der Dermatologie (zum Beispiel in der Behandlung von Akne, Schuppen und Schuppenflechte, Pilzerkrankungen, Dellwarzen) sowie bei Muskelschmerzen, offenen Wunden, Rheuma, Raucherhusten und Krampfadern.

Teebaumöl wird auch in zahlreichen dermatologischen Präparaten verwendet: in Shampoos, Hand- und Körpercremes (speziell bei unreiner Haut, wie Akne), in Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasta, Mundwässern. Bei Pilz- und Bakterienbefall der Haut (z.B. bei Akne, Fußpilz) werden zumeist Präparate mit 5 bis 10% Teebaumöl verwendet. Für den Einsatz im Mundraum muss Teebaumöl sehr stark verdünnt werden.

Auch im Bereich der Tierpflege sind äußere Anwendungen von Teebaumöl bekannt, wobei wie beim Menschen Überdosierungen oder sehr häufige Behandlungen vermieden werden sollten. Will man Teebaumöl an Tieren anwenden, ist unbedingt der Tierarzt oder eine Tierärztin zu Rate zu ziehen. Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen ist das Teebaumöl genau wie andere ätherischen Öle beispielsweise für Katzen toxisch. Die Anwendung kann tödlich enden für das Tier. Charakteristische Symptome der “Teebaumöl-Vergiftungen” sind Zittern, Taumeln, Unruhe und allgemeine Schwäche.
(Quelle: Wikipedia)

Teebaumöl ist ein sehr interessantes und wirksames ätherisches Öl, doch wird es etwas gar zu stark als Mittel gegen fast alles propagiert. Die Aufgabe in der Phytotherapie besteht hier darin, die zentralen Wirkungen und Anwendungsbereiche herauszuschälen.

Kein Zweifel besteht zum Beispiel an der bakterienhemmenden und pilzhemmenden Wirkung von Teebaumöl. Allerdings zeigen zahlreiche ätherische Öle solche Wirkungen, und sie sind zugleich oft sogar besser verträglich (wie bspw. Lavendelöl). Darum sollte man sich meiner Ansicht nach nicht so auf Teebaumöl fixieren, wie das seit einiger Zeit immer wieder zu beobachten ist. Teebaumöl hat diese Stellung wohl vor allem einem geschickten Marketing zu verdanken.

Wenn die Medical Tribune schreibt, dass von den 200 Arten aus der Gattung Teebaum (Melaleuca) nur eine, nämlich Melaleuca alternifolia über die besonders gesunden Eigenschaften verfügt, dann ist das zum Beispiel ziemlich falsch. Es gibt eine ganze Anzahl von ätherischen Ölen aus verwandten Pflanzen mit ähnlichen Wirkungen. Ebenso scheint es mir recht reisserisch zu schreiben, Teebaumöl sei eines der wirksamsten Mittel der Natur. Das sind undifferenzierte Übertreibungen, die der Medical Tribune meines Erachtens nicht unterlaufen sollten, auch wenn es natürlich erfreulich ist, dass in dieser Publikation immer wieder mal Erkenntnisse über die Wirkungen von Heilpflanzen einfliessen.

Zum Tipp der Medical Tribune, bei Erkältungen fünf Tropfen Teebaumöl ins Badewasser zu geben, wäre noch aus praktischer Sicht zu ergänzen:
Ätherische Öle lösen sich schlecht in Wasser und schwimmen in der Badewanne obenauf. Emulgiert man die ätherischen Öle vor dem Beifügen mit Kaffeerahm oder Vollmilch, so verteilt sich das ätherische Öl besser im Badewasser. Das verbessert die Verträglichkeit auf der Haut.
Ich selber würde im übrigen bei Erkältungen (Husten, Schnupfen) eher Thymianöl oder Eukalyptusöl vorziehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/

Kontaktallergien durch Propolis

Mittwoch, März 10th, 2010

Propolis, das für Naturkosmetika gern genutzte Kittharz der Bienen, kann zu Kontaktallergien führen. Ausserdem sind Kreuzreaktionen mit Perubalsam und Kolophonium verbreitet. Zu diesem Resultat kommt eine britische Studie, für die Wissenschaftler aus Aberdeen bei knapp 3000 Patienten Epikutantests machten. Zwei Prozent der untersuchten Personen hatten eine Propolisallergie.

Quelle: http://www.aerztezeitung.de

Originalpublikation: Contact Dermatitis 61, 2009, 287

Kommentar & Ergänzung:

Wozu dient Propolis im Bienenstock?

In einem Bienenstock leben die Insekten auf engstem Raum bei etwa 35 °C und hoher Luftfeuchtigkeit zusammenleben. Das sind ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Krankheiten. Darum dient das zum Abdichten von kleinen Öffnungen, Spalten und Ritzen verwendete Material Propolis dazu, Bakterien, Pilze und andere Mikroorganismen, die in den Stock eingeschleppt werden oder dort vorhanden sind, in ihrer Entwicklung zu hemmen oder sogar abzutöten. Hierzu werden Oberflächen, zum Beispiel auch das Innere der Wabenzellen für die Brut, mit einem hauchdünnen Propolisfilm überzogen. Auch im Bienenstock vorhandene, von den Bienen nicht entfernbare Fremdkörper oder Unrat werden auf diese Art eingekapselt.

Wie entsteht Popolis?

Der Grundstoff für Propolis wird von Honigbienen als harzige Substanz an Knospen und zum Teil auch an Wunden verschiedener Bäume (vor allem Birken, Buchen, Erlen, Fichten, Pappeln, Rosskastanien und Ulmen) gesammelt (etwa 55 % Naturharz und Pollenbalsam). Dieses Ausgangsmaterial wird von den Bienen weiterverarbeitet und mit etwa 30 % Wachs, etwa 5 % Pollenanteilen, etwa 10 % ätherischen Ölen aus den Blütenknospen und Speichelsekret (Fermenten) angereichert. Beim Endprodukt Propolis handelt es sich um ein bei Stocktemperatur klebriges Baumaterial, das häufig noch mit Bienenteilen und kleinsten Holzstücken verunreinigt ist.

Propolis wird vor allem im Herbst von den Bienen in den Bienenstock eingebracht. Dies ist vom lokalen Harzangebot des Baumbestandes abhängig. Ein Bienenvolk kann zwischen 50 und 500 g Propolis pro Jahr herstellen.
Propolis hemmt Bakterien und Pilze, wirkt gegen Entzündungen und fördert die Wundheilung.
Propolis ist daher Bestandteil von Naturheilmitteln zur Behandlung von Hautverletzungen und Schleimhautentzündungen.
(Quelle: Wikipedia)

Dass Propolis bei einem kleinen Prozentsatz der Verwender Allergien auslösen kann, ist schon seit längerer Zeit bekannt.
Propolis hat interessante Wirkungen, doch wenn die Propaganda das Naturheilmittel manchmal als hoch wirksames Antibiotikum aus der Natur darstellt, dann dürfte das schon ziemlich übertrieben sein. Vor allem bei innerlicher Anwendung ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Wirkstoffe aus dem Bienenkittharz eine Konzentration im Organismus erreichen, die für eine systemische antibakterielle Wirkung ausreicht.

Weiter Info zu Propolis:
Naturheilkunde: Was ist Propolis?
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/05/06/naturheilkunde-was-ist-propolis.html

Bienenprodukte als Naturheilmittel
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/04/07/bienenprodukte-als-naturheilmittel.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/

Ackerschachtelhalm bei Harnwegsentzündungen

Dienstag, März 9th, 2010

Der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) zählt zu den Heilpflanzen, deren medizinische Wirkung hauptsächlich auf ihrem hohen Mineraliengehalt beruht. Das erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg.

Die größten Anteile an den Mineralien im Schachtelhalm haben Kieselsäure und Kaliumsalz. Innerlich als Tee angewendet, dient die Heilpflanze zum Durchspülen bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Auch bei Nierengrieß, Gichtattacken und Ödemen kommt Schachtelhalm als Tee zur Anwendung. Äußerlich wird der Ackerschachtelhalm eingesetzt, um schlecht heilende Wunden zu behandeln – er beeinflusst die Gewebeversorgung günstig, erklärt Mayer.

Der Schachtelhalm gehört als naher Verwandter der Farne zu den ältesten noch lebenden Pflanzenarten. Optisch gleicht er entfernt einer Flaschenbürste. Für Heilzwecke genutzt werden seine oberirdischen Teile, das «Kraut».

Quelle:
http://de.news.yahoo.com

Kommentar & Ergänzung:

– Schachtelhalm ist auch bekannt unter den Namen Zinnkraut oder Katzenschwanz.

– Ackerschachtelhalm kann auch selbst gesammelt werden. Allerdings sollte man ihn so gut kennen, dass Verwechslungen mit dem potenziell giftigen Sumpfschachtelhalm (Equisetum palustre) ausgeschlossen sind. Vom Sumpfschachtelhalm liegen Berichte von Tiervergiftungen vor. Er enthält Thiaminase, welche Thiamin (Vitamin B1) abbaut. Vergiftungserscheinungen stimmen daher weitgehend mit denjenigen eines Vitamin-B1-Mangels überein.
Die Unterscheidungsmerkmale von Ackerschachtelhalm und Sumpfschachtelhalm (sowie weiterer Schachtelhalmarten) lernt man am besten direkt in der Natur kennen. Wer diese und andere Heilpflanzen sicher erkennen will, kann dies in meinen Heilkräuter-Exkursionen. Infos im
Kurskalender: www.phytotherapie-seminare.ch/index.php).

– Für die leicht harntreibende Wirkung könnten Flavonoide verantwortlich sein.

– Die Schachtelhalme existierten bereits im Karbon und erreichten damals offenbar eine Höhe von 30 m und bis zu einem Meter Stammdurchmesser.

– Die Angabe von “Oedemen” als Indikation für Heilpflanzen ist meines Erachtens immer zu unpräzis und daher fragwürdig. Es gibt Oedeme mit ganz unterschiedlichem Hintergrund. Bei Oedemen, die durch Erkrankungen der Venen, des Herzens, der Nieren oder der Leber ausgelöst werden, ist ein Nutzen von Schachtelhalmtee nicht erkennbar. Empfohlen wird Schachtelhalm auch in der Phytotherapie-Fachliteratur manchmal bei posttraumatischen Ödemen, doch fehlen selbst hier überzeugende Belege. Ich würde diese vage und eher irreführende Indikation weglassen.

– Für eine Durchspülungstee-Kur bei Harnwegsinfekten wie zum Beispiel einer Blasenentzündung scheinen mir Goldrute (Solidago virgaurea) oder Birkenblätter geeigneter. Und zudem müssten bei einer Blasenentzündung nicht nur Durchspülungspflanzen (Aquaretika) angewendet, sondern auch antimikrobielle Heilpflanzen eingesetzt werden. Beispielsweise Bärentraubenblätter, Preiselbeersaft, Meerrettich. Solche Empfehlungen aus dem Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie sind nur bei leichteren Harnwegsentzündungen ausreichen wirksam. Bei Blasenentzündung sind Antibiotika oft eine sinnvolle und manchmal sogar eine notwendige Medikation, auch wenn das “Heilkräuter-Fundis” vielleicht nicht gerne hören.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/

Phytotherapie: Eukalyptusöl schützt bei chronischer Bronchitis

Freitag, März 5th, 2010

Menschen mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (chronische Raucherbronchitis bzw. COPD) sollten sich in der Winterzeit gegen eine Verschlechterung ihrer Krankheit wappnen, indem sie zusätzlich zur gewohnten medikamentösen Behandlung ein Präparat mit Cineol einnehmen, dem Hauptinhaltsstoff von Eukalyptusöl.

Das raten die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne unter Berufung auf eine aktuelle Untersuchung, die mit COPD-Patienten am Klinikum Fürth durchgeführt wurde. “Die im Winterhalbjahr häufig auftretenden Atemwegsinfekte stellen für COPD-Patienten ein besonderes Risiko dar, da bereits eine gewöhnliche Erkältung eine zusätzliche Entzündungsreaktion in ihren ohnehin schon chronisch entzündeten Bronchien bewirkt und damit eine gravierende Verschlechterung der Krankheit herbeiführen kann”, erklärt Prof. Dr. Heinrich Worth, Studienleiter und Chefarzt der Med. Klinik I am Klinikum Fürth..

“Solche Exazerbationen beschleunigen den chronisch fortschreitenden Lungenfunktionsverlust der Patienten, was mit einer Zunahme ihrer Krankheitsbeschwerden (Atemnot, Husten und Auswurf) verbunden ist. Da COPD außerdem nicht nur auf die Lunge beschränkt sondern auch eine systemische Erkrankung ist, die insbesondere das Herz schädigt, können Exazerbationen besonders rasch zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen, die eine Behandlung im Krankenhaus oder gar auf der Intensivstation erforderlich machen.”

Anti-entzündlicher und schützender Effekt von Cineol

Cineol ist ein Hauptinhaltsstoff von Eukalyptusöl und ein Vorläufer pflanzlicher Steroide, welche entzündungshemmend wirken. Bei der Behandlung von Stirnhöhlenentzündungen (Sinusitis) oder akuter Bronchitis hat sich Eukalyptusöl bzw. Cineol längst bewährt. “Jetzt wurde in einer aktuellen Studie belegt, dass auch COPD-Patienten von Cineol profitieren”, erläutert Prof. Worth. “Denn dieser Wirkstoff schützt auch vor einer Schädigung durch so genannte Sauerstoffradikale, die im Organismus zum Beispiel durch Zigarettenrauch entstehen, der ja bei den meisten COPD-Patienten die Hauptursache für die dauerhafte Entzündung ihrer Bronchialschleimhaut ist.”

Sauerstoffradikale bilden sich außerdem auch in aktivierten Entzündungszellen, welche bei COPD zu einer für die Krankheit charakteristischen, verstärkten Schleim- und Auswurfbildung sorgen. Cineol wirkt nachweislich antioxidativ, das bedeutet: es fängt die Sauerstoffradikale ab und kann so im Fall einer Atemwegsinfektion zusätzliche Entzündungsreaktionen und eine Steigerung der Schleimbildung bei COPD-Patienten vermindern. So konnte in der erwähnten Studie durch eine sechsmonatige Einnahme von Cineol zusätzlich zur gewohnten medikamentösen Behandlung die Häufigkeit, Dauer und Schwere von Exazerbationen (Verschlimmerung, Steigerung) deutlich reduziert werden. Gleichzeitig verbesserten sich die gesundheitlichen Beschwerden der COPD-Patienten – sie hatten deutlich weniger unter Atemnot, Husten und Auswurf zu leiden. Insgesamt lassen sich wegen der synergistischen (antientzündlichen plus antioxidativen) Wirkung von Cineol die Effekte der gewohnten medikamentösen Behandlung verstärken, so dass Prof. Worth COPD-Patienten die zusätzliche Einnahme eines Cineol-Präparats empfiehlt.

Quelle: www.lungenaerzte-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

– Es geht bei dieser Empfehlung also nicht um Inhalation mit Eukalyptusöl, sondern um die Einnahme, und zwar in Form von dünndarmlöslichen Kapseln. Das ist nötig für eine genaue Dosierung und zur besseren Verträglichkeit. Information über geeignete Präparate erhalten Sie in der Apotheke, oder – falls Sie eine verkaufunabhängige Beratung vorziehen, in einem von meinen Heilpflanzenkursen oder Phytotherapie-Lehrgängen
Info dazu im Kurskalender: www.phytotherapie-seminare.ch/index.php:

– Eukalyptusöl wirkt auch antimikrobiell, schleimlösend und krampflösend auf die Bronchien. Interessant an dieser Meldung der DGP ist vor allem, dass dabei der Schwerpunkt auf entzündungshemmende und antioxidative Effekte gelegt wird.

– Eukalyptusöl zeigt antimikrobielle Aktivität gegen Bakterien wie E. coli, Staphylococcus aureus, Streptococcus faecalis, Mycobacterium avium. Es wirkt fungizid (pilztötend) gegen Candida tropicalis, Candida albicans, Aspergillus niger, Aspergillus aegypticus und andere.

– Hauptanbaugebiet von Eukalyptusöl ist China (3000-4000 Tonnen Eukalyptusöl / Jahr), früher waren es Spanien, Portugal, Brasilien, Argentinien. Nach der Fällung wachsen die Eukalyptusbäume wieder nach. Durch Wasserdampfdestillation des Holzes wird ein Rohöl mit einem Anteil von 60% 1,8- Cineol und verschiedenen hustenreizenden Aldehyden gewonnen. Durch Behandlung mit Lauge (Kalk oder Natronlauge) und Rektifikation – wobei die hustenreizenden Monoterpene abgetrennt werden – gewinnt man das Eukalyptusöl (1,8- Cineolgehalt bis zu 90%).

– Der Eukalyptusbaum ist die einzige Futterpflanze des Koala-Bärs (welcher daher wohl nie an COPS erkranken wird……)

– Es fehlt bei diesem Bericht der DGP die Angabe, in welcher Fachzeitschrift die erwähnte Studie erschienen ist. Diese Information wäre wichtig, wenn man die Qualität der Studie prüfen will.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch

Komplementärmedizin & Onkologie: Deutsche Krebsgesellschaft erarbeitet Leitlinie

Mittwoch, März 3rd, 2010

Vier von fünf Krebspatienten wenden Therapieverfahren aus dem Bereich Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin an, oft ohne dass ihr behandelnder Arzt darüber informiert ist. Komplementärmedizin ist deshalb mittlerweile auch ein Thema bei Krebskongressen. Viele Onkologen meinen heute, dass Komplementärmedizin zur wissenschaftlichen Medizin gehören sollte.

Bisher taten viele Mediziner die meist nicht auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüften Verfahren der Komplementärmedizin als Unfug ab. Doch gegenwärtig findet offenbar ein Umdenken statt: Beim 29. Deutschen Krebskongress in Berlin waren bei einer TED-Abstimmung jedenfalls 73 Prozent der Medizinerinnen und Mediziner im voll besetzten Kongresssaal der Ansicht, dass Komplementärverfahren zur wissenschaftlichen Medizin gehören sollten. 61 Prozent wenden sie in ihrer Praxis auch an, hauptsächlich Verfahren aus Naturheilkunde, Phytotherapie und Ernährungsmedizin. Das Resultat dieser Befragung beim Kongress gibt zumindest einen Einblick in die derzeitige Stimmung unter den Onkologen in Deutschland.

Diese Entwicklung registriert auch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG). Sie erarbeitet gegenwärtig die “Leitlinie Komplementärmedizin”, wie Professor Matthias Beckmann von der DKG erläuterte. Als Direktor der Universitätsfrauenklinik Erlangen habe er täglich hauptsächlich mit Brustkrebspatientinnen zu tun, die über die Schulmedizin hinaus etwas für ihre Heilung tun wollen. Welche Methoden empfohlen werden können, sei jedoch noch unklar; Mistelextrakte beispielsweise oder Vitaminkuren seien in ihrer Wirkung nicht ausreichend geprüft, so Professor Beckmann.
Viele Phytotherapeutika und Antioxidantien sind stoffwechselaktiv und verstärken oder mindern die Wirkung tumorwirksamer Medikamente. “Wir wissen zum Beispiel nicht, wie die ,small molecules’ in Kombination mit Immunstimulanzien reagieren. Deshalb raten wir unseren Patientinnen dringend davon ab, Mistelextrakte begleitend etwa auch zu Trastuzumab einzunehmen”, so Beckmann. Er wies zudem darauf hin, dass auch nach einer Brustimplantation auf immunanregende Wirkstoffe verzichtet werden solle, weil diese Abstoßungsreaktionen auslösen könnten. Und die Einnahme von Vitaminen begleitend zu einer Chemotherapie verschlechtere häufig die Prognose von Patientinnen mit Brustkrebs.

Auf dem Krebskongress sprach sich auch Dr. Jutta Hübner vom Universitären Tumorcentrum in Frankfurt/Main für ein “kritisches Herangehen” an Komplementärmedizin aus. “Sie unterliegt wie Schulmedizin den Kriterien der Evidenz-basierten Medizin.” Wirksamkeitsnachweise stünden jedoch häufig noch aus. Aus Sicht der Patienten könne sie die Hinwendung zu begleitenden Therapieverfahren jedoch nachvollziehen, erklärte Jutta Hübner. “Da ist der Wunsch nach Heilung, nach weniger Nebenwirkungen, nach Stärkung der körpereigenen Kräfte und ganz einfach der Wunsch, selbst etwas zu tun.” Solche Wünsche müsse man respektieren und Patienten auf ihrem Weg begleiten und beraten, hielt die Spezialistin für komplementäre Onkologie fest.

Ähnliche Argumente äusserte Professor Walter Jungi aus Wittenbach in der Schweiz, : “Es geht nicht um Alternativen, sondern um Ergänzungen zur Schulmedizin. Patienten erhoffen sich dadurch eine bessere Lebensqualität und ein längeres Überleben.”
Das sei völlig legitim, sagte Professor Jungi. Häufig würden aber unerfüllbare Hoffnungen geweckt und dadurch auch Chancen, die die Schulmedizin bietet, nicht genutzt. Auch Jutta Hübner warnte davor, auf Heilsversprechen einzugehen, welche suggerieren, dass beispielsweise eine Operation oder eine Chemotherapie unnötig seien, wenn stattdessen alternative Methoden angewendet werden: “Das ist Scharlatanerie.”

Schaut man auf die Kosten, sind Komplementärverfahren längst Bestandteil der allgemeinen Gesundheitsversorgung. Nach Angaben von Professor Beckmann haben die gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland 2008 über 600 Millionen Euro für alternative Medikamente und 1,4 Milliarden Euro für entsprechende Behandlungsmethoden erstattet, deren Evidenz nicht belegt ist. Das sei kaum nachvollziehbar angesichts der Tatsache, “dass ich mich mit den Kassen über die Kosten streiten muss, wenn ich eine operierte Brustkrebspatientin einen Tag länger stationär versorgen will”, hielt Beckmann fest.

Quelle:
http://www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Der Bericht in der Ärztezeitung online weckt meines Erachtens (wohl unabsichtlich) falsche Vorstellungen. Es scheint nämlich so, als sei das Thema Komplementärmedizin & Krebs ein zentrales Thema beim Deutschen Krebskongress gewesen. Der Originalbeitrag steht denn auch unter dem Titel: “Komplementärmedizin bei Krebs – Onkologen denken jetzt um”.

Real sieht es aber so aus: Der Deutsche Krebskongress 2010 dauerte vier Tage und umfasste 322 Veranstaltungen zu allen möglichen Bereichen der Onkologie (siehe: www.dkk2010.de). Eine dieser Veranstaltungen von rund einer Stunde Dauer stand unter dem Thema “Komplementärmedizin in der Onkologie”. Dabei stand ein Pro-Referat von Jutta Hübner (“Komplementärmedizin ist Teil der wissenschaftlichen Medizin”) einem Contra-Referat von Prof. Beckmann gegenüber (“Komplementärmedizin in der Grauzone”).

Irreführend ist die Berichterstattung über die TED-Abstimmung. Sie zeigt die Problematik solcher Erhebungen.
73 % der Mediziner am Onkologie-Kongress sehen Komplementärverfahren als Teil der wissenschaftlichen Medizin und 61 % wenden solche Methoden in ihrer Praxis an?
Das gibt “ Einblick in die derzeitige Stimmung unter den Onkologen in Deutschland”?
In einem anderen Beitrag schreibt die Ärztezeitung online noch deutlicher: “73 Prozent der Onkologen befürworten komplementäre Heilverfahren, begleitend zur Schulmedizin.”

Mein erster Eindruck war: Hier wurden alle Kongressteilnehmenden befragt. Das stimmt aber nicht. Die TED-Abstimmung wurde in der Veranstaltung “Komplementärmedizin in der Onkologie” erhoben. Wer sich unter 322 Veranstaltungen für dieses Thema anmeldet, ist aber mit grosser Gewissheit überdurchschnittlich an der Komplementärmedizin interessiert. Befragt wurde also eine sehr selektierte Gruppe, während die Darstellung des Ergebnisses nahelegt, dass die Abstimmung unter den Kongressteilnehmenden durchgeführt wurde.

Ein gutes Beispiel für Manipulation via “Abstimmungen”, ohne dass ich damit jemandem böse Absichten unterstellen will (unsorgfältige Formulierung aber schon). Diese Art verzerrter Darstellung ist in den Medien permanent festzustellen, auch bei anderen Themen selbstverständlich.

Abgesehen davon ist es natürlich zu begrüssen, wenn die Onkologinnen und Onkologen sich sorgfältig mit Komplementärmedizin in der Krebstherapie befassen. Keine Frage ist für mich dabei aber auch, dass dies kritisch geschehen muss. Es gibt in kaum einem anderen Bereich so grosse Heilsversprechungen aus dem Bereich der Komplementärmedizin wie bei der Behandlung oder Vorbeugung von Krebs. Nötig ist eine klare Qualitätsprüfung bei solchen Versprechungen, damit nicht mit Hoffnungen von Patientinnen und Patienten gespielt wird.

Jutta Hübner hat ein Buch publiziert mit dem Titel:
“Aloe, Ginkgo & Co – Ergänzende Wirkstoffe in der Krebsbehandlung”
Mehr dazu im Buchshop.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
Besuchen Sie auch unseren “Info-Treff Pflanzenheilkunde” für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/