Archive for Februar, 2010

Tageslicht gegen Winterdepression

Donnerstag, Februar 11th, 2010

Regelmässige Spaziergänge helfen gegen Winterdepressionen. Denn Mangel an Tageslicht ist die wichtigste Ursache der saisonal abhängigen Depression (SAD), erläutert Gunther Carl vom Berufsverband Deutscher Neurologen & Psychiater in Krefeld. Als Alternative dazu kann eine Lichttherapie durchgeführt werden. Dabei setzen sich Patienten dreissig Minuten vor 10.000 Lux helle Lampen. Empfehlenswert sind zehn Sitzungen im Verlaufe von zwei Wochen. Nach etwa einer Woche sollte der Effekt spürbar sein.
Bei einer leichten Winterdepression genügt die Therapie mit Licht laut Gunther Carl. Schwere Fälle müssen dagegen häufig mit Medikamenten behandelt werden. Diese wirken jedoch in der Kombination mit Licht besser. Als Alternative zu Medikamenten können von einer Winterdepression Betroffene hoch dosiertes Johanniskraut einnehmen. Eine SAD unterscheidet sich grundlegend von einer üblichen Depression, hält Gunther Carl fest. SAD-Patienten haben beispielsweise keine Schlafstörungen und statt Appetitlosigkeit häufig Heißhunger auf Süßes.

Quelle: http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:
Für die Variante Spaziergang spricht, dass sie Licht mit Bewegung verbindet. Beides sind übrigens wichtige Elemente der Naturheilkunde.
Siehe dazu:
Naturheilkunde – was ist das?

Einen weiteren Beitrag zum Wert von Bewegung für die Gesundheit:
Bewegung stärkt psychische Gesundheit

Zum Thema Bewegung & (psychische) Gesundheit gibt es übrigens ein schönes Zitat von

Sören Kierkegaard:

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

Sören Kierkegaard, dänischer Philosoph, 1813 – 1855

Unterschreiben kann ich natürlich den Hinweis auf Johanniskraut-Extrakte als Alternative zu synthetischen Antidepressiva bei Winterdepression. Und es braucht dazu wie erwähnt hoch dosierte Johanniskraut-Präparate.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege (IGPP) – neue Dokumentation

Mittwoch, Februar 10th, 2010

Die IGPP setzt sich dafür ein, dass Phytotherapie – die Anwendung von Heilpflanzen – in Pflegeheime, Spitex-Organisationen und Kliniken integriert wird und dort einen professionellen Rahmen findet.
Soeben ist eine Dokumentation fertig gestellt worden mit Statements und Argumenten für Phytotherapie in der Pflege und mit Beispielen von Pflegeinstitutionen, welche Heilpflanzen-Anwendungen integrieren. Sie finden die Dokumentation hier:
http://moodle.heilpflanzen-info.ch/file.php/6/A-4-IGPPV3-web.pdf

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Inulin als Appetithemmer?

Dienstag, Februar 9th, 2010

Die Pressemitteilungen der Forschungsgruppe Klostermedizin der Universität Würzburg zeichnen sich durch Verlässlichkeit aus. Die Mitteilung unter der Schlagzeile “Beim Abnehmen bremst Inulin den Hunger” kommt allerdings etwas reisserisch daher.
Hier eine kurze moderierte Zusammenfassung:

Gegen quälenden Hunger beim Abnehmen könne der Ballaststoff Inulin helfen. Entsprechende Präparate bewirkten ein Sättigungsgefühl und trügen so zur Gewichtssenkung bei, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschungsgruppe Klostermedizin in Würzburg.

“Inulin ist ein nach dem Alant benannter Ballaststoff, der auch Alantstärke genannt wird”, sagt Mayer. Weil es den Blutzuckerspiegel nicht beeinflusse, lasse sich Inulin auch als Stärkeersatz bei Diabetes verwenden.

Genutzt wird Mayer zufolge heute ausschließlich die Wurzel der seit Jahrtausenden bekannten Heilpflanze Alant (Inula helenium), die bis zu 44 Prozent Inulin enthält. Der menschliche Körper könne es nicht aufnehmen, weil ihm das dazu nötige Enzym fehlt. “Dafür dient es den nützlichen Milchsäurebakterien im Darm als Nahrung”, erklärt der Forscher. Weil dadurch eine gesunde Darmflora gefördert wird, haben Krankheitserreger und Entzündungen weniger Chancen. In der modernen Pflanzenheilkunde – der Phytotherapie – finde sich Alantwurzel darüber hinaus in einigen Kombinationspräparaten für Magen-Darm-Beschwerden und in Leber-Galle-Mitteln.

Quelle:

http://www.geomix.at

Kommentar & Ergänzung:

Inulin als Schlankheitsmittel, als Appetithemmer?
Was genau ist Inulin?
Inulin ist ein Gemisch von Polysacchariden aus Fruchtzucker-Molekülen (Fructose) mit einer Kettenlänge bis zu 100 Molekülen, und einem endständigen Glucoserest, und zählt zu den Fructanen. Inulin wird in zahlreichen Pflanzen als Reservestoff eingelagert, vor allem in Arten der Korbblütler: etwa Topinambur, Zichorien, Dahlie, Artischocke, Gewöhnlicher Löwenzahn, Schwarzwurzeln, aber auch in Doldenblütlern, beispielsweise in der Pastinake. Inulin wurde 1804 im Alant (Inula helenium L.) entdeckt.
Inulin kann in der Behandlung der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) als Stärke-Ersatz eingesetzt werden, denn es beeinflusst den Blutzucker-Spiegel nicht. Inulin wird im Dünndarm nicht resorbiert, weil dem menschlichen Organismus das abbauende Enzym (Inulinase) fehlt. Stattdessen wird es im Enddarm durch Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut. Die bei diesem mikrobiellen Abbau produzierten Gase können bei empfindlichen Menschen zu Flatulenzen führen (Flatulenz (von lat. flatus “Wind, Blähung”, Blähungen) – der einzigen bekannten Nebenwirkung beim Verzehr inulinhaltiger Pflanzenteile. Inulin dient hauptsächlich den nützlichen Darmbakterien (Milchsäurebakterien) als Nahrung. Dabei schafft der Abbau solcher Präbiotika ein saures Milieu, welches dem Überleben krankheitserregender Bakterien entgegenwirkt und Darminfektionen vorbeugt. Regelmäßiger Verzehr geeigneter Mengen führt zur Verbesserung der Darmflora.
Inulin wird heutzutage häufig als Zutat in der Lebensmittelherstellung verwendet (Joghurt), beispielsweise als Fettersatz und um den Geschmack, die Textur und das Mundgefühl zu verbessern. Auch wird Inulin Wurstwaren zur Steigerung ihres Ballaststoff-Anteils zugegeben. Inulin dient weiterhin als Grundstoff zur Produktion von Fructose. Wird Inulin regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen, senkt das die Blutfettwerte und fördert die Anwesenheit von Bifidus.
(Zusammengefasst aus Wikipedia)

Inulin ist vor allem ein Füllmittel in Lebensmitteln. Es gibt der Nahrung Volumen und kann daher möglicherweise ein Sättigungsgefühl bewirken – und es hat gleichzeitig nur wenig Kalorien. Aber ob das wirklich reicht, um Inulin als Appetithemmer oder gar Schlankmacher zu propagieren?
Oft als “Appetitzügler” vermarktet wird im übrigen Helianthus tuberosus (Topinambur). Helianthus-Tropfen werden vor allem im Internet und in Drogerien angeboten.
Topinambur ist bei Diabetikern beliebt (“Diabetiker-Kartoffel”) da er zu rund 16 % aus Kohlenhydraten in Form des Mehrfachzuckers Inulin besteht. Die Anpreisung von Helianthus-Tropfen als “Appetitzügler” ist sehr fragwürdig, ein Ballaststoff-Effekt kann von solchen Naturheilmitteln auf Tinkturbasis jedenfalls nicht erwartet werden. Auch nur einigermassen plausible Belege oder Begründungen für eine solche Wirkung habe ich jedenfalls bisher nicht gefunden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schnupfen: Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Latschenkiefernöl

Dienstag, Februar 9th, 2010

Es muss nicht immer Nasenspray sein. Auf www.bild.de empfiehlt Prof. Volker Schulz, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Phytotherapie: “Ätherische Öle wie Eukalyptus, Latschenkiefer oder Pfefferminze schaffen Durchzug.” Wer eine “Laufnase” habe, solle viel trinken. Schulz: “Gut geeignet sind warme Tees, etwa mit Kamille oder Thymian:”

Quelle:

http://www.bild.de

Kommentar & Ergänzung:
- Vor allem Pfefferminzöl und Eukalyptusöl stimulieren die Kälterezeptoren in der Nasenschleimhaut, wodurch der Luftstrom in der Nase intensiver wahrgenommen wird. Dadurch entsteht einer Empfindung von “freier Nase”, ohne dass dazu wirklich mehr Luft durch die Nase zieht.
- Ätherische Öle bei Säuglingen und Kleinkindern nie konzentriert in der Nähe von Atemöffnungen anwenden.
- Die Latschenkiefer (Pinus mugo subsp. Mugo, Latsche, Legföhre, Krüppelkiefer) ist eine Unterart der Bergkiefer (Pinus mugo). Sie wächst meist strauchartig und erreicht Wuchshöhen zwischen 1 und 3 m. Die Latschenkiefer ist gekennzeichnet durch ihren krummen Wuchs mit niederliegenden bis bogig aufsteigenden Stämmen und Ästen, diese bilden häufig ein undurchdringliches Gewirr (Latschenfilz oder Latschenfeld). Der Stamm der Latsche ist lang, liegt jedoch am Boden und ist kaum erkennbar.
Die Hauptvorkommen der Latschenkiefer liegen in den Pyrenäen, Alpen, dem Erzgebirge, den Karpaten, sowie dem nördlichen Apennin bis zum Balkan in Höhenlagen von 1000 m bis 2700 m (Quelle: Wikipedia)
Aus frischen Nadeln, Zweigspitzen und Ästen gewinnt man Latschenkiefernöl.
Es dient zur äußerlichen sowie innerlichen Anwendung bei Katarrhen der oberen und unteren Atemwegen (Husten, Schnupfen). In medizinischen Bädern wird es zur unterstützenden Behandlung bei Rheuma-Erkrankungen im nicht akuten Stadium eingesetzt.
Latschenkiefernöl verströmt einen sehr angenehmen, balsamisch-süssen, würzig-holzigen anhaltenden Duft.
In den Gebirgsregionen wird Latschenkiefernöl traditionell als Bestandteil von Franzbranntwein gegen Rheuma-Beschwerden eingesetzt. Franzbranntwein (spiritus vini gallici) ist eine alkoholische Lösung, vor allem bestehend aus reinem Alkohol, Kampfer, Menthol und verschiedenen ätherischen Ölen wie Fichtennadelöl oder Latschenkiefernöl.

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Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Montag, Februar 8th, 2010

Ingwer hilft gegen Verdauungsbeschwerden und lindert Symptome von Reisekrankheit (Kinetosen) wie Übelkeit und Erbrechen. Darüber hinaus wird Ingwer (Zingiber officinale) auch bei Erkältungskrankheiten eingesetzt. Im Bayerischen Rundfunk empfahl der Allgemeinmediziner Dr. Fritz Friedl aus Rosenheim Ingwer-Inhalationen. Dazu wird der Ingwer in kleinen Scheiben in heisses Wasser geworfen und sein aromatischer Duft eingeatmet. Die heissen Dämpfe “beugen Schnupfen vor, riechen gut und schmecken auch köstlich”, erklärte Friedl.

Quelle:

http://www.br-online.de

Kommentar & Ergänzung:

Im Labor zeigten sich Sesquiterpene aus Ingwer als wirksam gegen Rhinoviren. Schnupfen wird durch Rhinoviren verursacht. Ob dieser antivirale Effekt auch bei einer Ingwer-Inhalation erzielt werden kann, ist zwar nicht geklärt.
Doch scheint mir die Idee von Ingwer-Inhalationen interessant, und zwar nicht nur zur Vorbeugung, sondern auch zur Behandlung von Schnupfen.

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Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Freitag, Februar 5th, 2010

Das Konsumentenmagazin Saldo titelt in der Ausgabe 2 / 2010: “Voltaren-Salbe kann die Leber schädigen”. Voltaren-Salbe sei zwar beliebt, aber nicht harmlos: “Fachleute raten: Wer Schmerzen regelmässig damit behandelt, sollte seine Leberwerte kontrollieren lassen.”
Voltaren-Salbe und Voltaren-Gel enthalten den Wirkstoff Diclofenac. Eingesetzt werden sie bei Verstauchungen, Prellungen, Zerrungen, aber auch gegen rheumatische Entzündungen an den Gelenken.

Saldo schreibt:
“Doch jetzt warnt die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA: Regelmässiges Einreiben der Salbe kann die Leber schwer schädigen. In den USA muss die Salbe von Novartis deswegen von nun an einen Warnhinweis tragen.”
Die FDA sei überzeugt, dass der Körper den Wirkstoff Diclofenac auch über die Haut in Mengen aufnimmt, die die Leber schädigen:
“In mehreren Studien hatten Forscher festgestellt, dass nach wenigen Wochen mehr als jeder Zehnte auffällige Leberwerte hatte. Die FDA empfiehlt deshalb den Ärzten, zwischen der vierten und achten Woche nach dem Beginn der Therapie die Leberwerte zu kontrollieren.”

Der Zürcher Hausarzt Thomas Walser stellt im “Saldo” fest:
“Diclofenac gehört zu einer Gruppe von Wirkstoffen, die nicht nur als Tablette, sondern auch als Gel gefährlich sind.”
Das Medikament könne nicht nur der Leber schaden, sondern auch der Niere, der Magenschleimhaut und den Knochen. Eine Studie zeige, dass der Wirkstoff selbst dem Herz zusetzt: Bei Patienten erhöhte sich das Risiko um 40 Prozent, einen Herzinfarkt zu bekommen (das bezieht sich aber wohl auf Diclofenac-Tabletten, M.K.). Thomas Walser findet, dass die Ärzte die Nebenwirkungen der Voltaren-Salbe noch zu wenig kennen. Er rät deshalb seinen Patienten, die Salbe nicht zu lange einzusetzen und sie vor allem nicht mit anderen Schmerzmitteln wie zum Beispiel Ibuprofen zu kombinieren.

Hausarzt Thomas Walser empfiehlt, bei längeren Behandlungen natürliche Salben zu verwenden: “Wallwurz und Wickel zeigen oft eine ähnliche Heilwirkung wie die Voltaren-Salbe.”

Kommentar & Ergänzung:

Gute Empfehlung. Es gibt einige Gründe zugunsten von Beinwell-Salbe…..
Beinwell = Wallwurz = Symphytum officinale

Zu den Gründen für Beinwell-Salbe siehe auch:

Sprunggelenksverletzung – Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac
Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac
Beinwell-Salbe zeigte sich in einer Studie einem Diclovenac-Präparat überlegen.

Natur als Medikamentendeponie – Diclofenac tötete Greifvögel
Natur als Medikamenten-Deponie

Spricht doch alles dafür, bei Langzeitanwendungen auf Beinwell-Salbe zu setzen.

Was im “Saldo”-Artikel nicht erwähnt ist:

Die Arzneimittelbehörden haben für Beinwell-Salben eine Anwendungsbeschränkung von maximal 4 – 6 Wochen pro Jahr festgelegt.
Der Grund dafür: Beinwell enthält in geringen Mengen lebertoxische, mutagene und kanzerogene Pyrrolizidinalkaloide. Allerdings gelangen diese bei der Anwendung auf der intakten Haut nicht in den Blutkreislauf, jedenfalls nach Heinz Schilcher, Leitfaden Phytotherapie, 2007. Ausserdem gibt es Beinwell-Salben aus Spezialextrakten mit stark reduziertem Pyrrolizidin-Gehalt.
Schäden durch die Pyrrolizidinalkaloide sind bei Anwendung auf der Haut bisher keine beschrieben worden. Das ist auch nach Einschätzung der Phytotherapie-Fachliteratur äusserst unwahrscheinlich. Die innerliche Anwendung von Heilpflanzen mit Pyrrolizidinalkaloiden (Huflattich, Pestwurz, Beinwell, Borretsch) ist viel heikler und bei Beinwell jedenfalls klar abzulehnen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, dass die Arzneimittelbehörde Swissmedic für die Voltaren-Salbe im Vergleich zur Beinwell-Salbe weniger restriktive Einschränkungen verfügt hat. In der Packungsbeilage der Voltaren-Salbe steht nur geschrieben: “Darf nicht auf offene Hautwunden oder auf geschädigte Haut gebracht werden. Soll nicht über längere Zeit grossflächig angewendet werden, es sei denn auf ärztliche Verschreibung.”
Und weil Voltaren ja gerne auf ärztliche Verschreibung angewendet wird, ist die Langzeitanwendung gerade auch in Pflegeheimen nicht selten.

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Heilpflanzen-Extrakt für funktionelle Magen-Darm-Beschwerden überzeugt im Labor

Mittwoch, Februar 3rd, 2010

Ein bei funktionellen Magen-Darm-Beschwerden bewährtes pflanzliches Vielstoffgemisch zeigt auch in Laborexperimenten mehrere günstige Effekte. Das spricht für das breite klinische Wirkspektrum.
Das untersuchte Heilpflanzen-Präparat enthält traditionell bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzte Extrakte aus bitterer Schleifenblume, Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchten und Mariendistelfrüchten, Melissenblättern, Schöllkraut, Süßholzwurzel und Pfefferminzblättern. In klinischen Studien zur Behandlung von Patienten mit funktionellen Magen-Darm-Beschwerden, besonders bei Reizmagen und Reizdarm, hat das Phytotherapeutikum bereits überzeugt.
Auch konnten inzwischen mehrere schmerzlindernde, motilitätsfördernde, reflux- und entzündungshemmende Wirkmechanismen in Laborexperimenten belegt werden. So wurde beispielsweise in Versuchsanordnungen mit vitalen Muskelpräparaten aus mehreren Regionen des Meerschweinchenmagens gezeigt: Auf Muskelstreifen aus dem Fundus wirkt das Heilpflanzen-Präparat entspannend. In vivo (im Organismus) erleichtert dies die Volumenadaptation des Magens bei der Nahrungsaufnahme und vermindert so das Völlegefühl. Muskelstreifen aus dem Antrum kontrahieren dagegen unter der Einwirkung des Phytotherapeutikums. Klinisch heisst dies, dass die Pumpfunktion des Magens verstärkt und so einer gestörten Magenentleerung entgegengewirkt wird. Ein durch das Heilpflanzen-Präparat gesteigerter Tonus von Muskelstreifen aus dem Bereich des Ösophagussphinkters macht wiederum die Antirefluxeigenschaften des Vielstoffgemisches plausibel.
Im Rattenmagen konnten nach Applikation des standardisierten Vielstoffgemischs eine signifikante Zunahme von Prostaglandin E2 in der Magenwand, ein Anstieg der Mucinsekretion und eine Verminderung der Säuresekretion nachgewiesen werden. Dies untermauert das mukosaprotektive Potenzial des Heilpflanzen-Präparates. Für die klinische Wirksamkeit gegen die bei Reizmagen und Reizdarm oft bedeutsame gastrointestinale Hypersensitivität (Überempfindlichkeit im Magen-Darm-Bereich) sprechen Tierversuche, die eine verminderte Aktivität afferenter Nerven auf experimentelle Darmdehnungsreize belegen.
An vitalen humanen Dünndarmpräparaten wurde unter Einfluss des Heilpflanzen-Präparates über eine Aktivierung mehrerer Chloridkanäle die Sekretion erhöht und gleichzeitig eine Entspannung der Darmmuskulatur erreicht. Mit diesem dualen Effekt ahmt das Phytopharmakon bekannte Eigenschaften mehrerer natürlich im Darm vorkommender Neurotransmitter nach.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Laborexperimente an isolierten Organen oder tierexperimentelle Ergebnisse lassen sich nicht so einfach auf kranke Menschen übertragen. Sie geben allenfalls Ideen dazu, wie eine Wirkung zustande kommen könnte. Entscheidend für die Beurteilung der Wirksamkeit sind daher die direkten Studien mit Patientinnen und Patienten.

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GEM-Studie: Ginkgo biloba ohne kognitiven Effekt – und nun?

Dienstag, Februar 2nd, 2010

Die Einnahme von Ginkgo-biloba-Extrakten kann den kognitiven Abbau im Alter nicht anhalten. Zu diesem Resultat kommt eine randomisierte placebokontrollierte Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (2009; 302: 2663-2670).

Ich stelle hier diese Studie anhand einer Meldung aus dem Deutschen Ärzteblatt vor. Anschliessend finden Sie unter “Kommentar & Ergänzung” kritische Einwände zu dieser Studie, einen Versuch der Bewertung auf dem Hintergrund von bisherigen positiven Ginkgo-Studien und ein paar Schlussfolgerungen für den Einsatz von Ginkgo-biloba-Extrakten in der Phytotherapie.

Die GEM-Studie

Die Ginkgo Evaluation of Memory oder GEM-Studie ist die bisher größte Studie zu den Wirkungen von Extrakten, welche aus den Blättern des Ginkgobaumes hergestellt werden. Sie erfreuen sich in Europa und hauptsächlich in Deutschland großer Beliebtheit. Das US-National Center for Complementary and Alternative Medicine wählte das marktführende Präparat eines deutschen Produzenten (Schwabe) für die GEM-Studie aus, in welcher 3.069 Senioren im Alter von 72 bis 96 Jahren auf die zweimal tägliche Einnahme des Ginkgo-biloba-Extraktes oder eines Placebo von identischem Aussehen randomisiert ( = nach dem Zufallsprinzip verteilt) wurden. Durchgeführt wurde die Ginkgo-Studie in den Jahren 2000 und 2008 an sechs akademischen US-Zentren. Die Resultate zum primären Endpunkt, der Vermeidung einer Alzheimerdemenz, wurden im letzten Jahr veröffentlicht (JAMA 2008; 300: 2253-2262).?

Das Ginkgo-Extrakt war nach einer mittleren Beobachtungszeit von 6,1 Jahren nicht in der Lage, verglichen mit Placebo die Zahl der Neuerkrankungen zu reduzieren – weder in der Gesamtgruppe noch in einer Untergruppe von Teilnehmern, die schon unter einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI) litten, einer möglichen Vorstufe der Alzheimerdemenz.

Jetzt liegen die Resultate zum Rückgang der kognitiven Leistungen unterhalb der Schwelle zur Alzheimerdemenz vor. Dies war ein vor Beginn der Studie festgelegter sekundärer Endpunkt der GEM-Studie. ??Wie Beth Snitz von der Universität Pittsburgh und Mitarbeiter mitteilen, konnten hier ebenfalls keine positiven Effekte des Extraktes gefunden werden – weder in den globalen Tests, noch in spezifischen Untersuchungen zur Gedächtnisleistung, zu den visuellem räumlichen Fähigkeiten, zu Sprache, Aufmerksamkeit und zur psychomotorischen Geschwindigkeit oder in den ”exekutiven Funktionen” (Verstandsleistung). ??Auch die Auswertung nach Alter, Geschlecht, ethnischer Herkunft, Ausbildungsniveau, APOE*E4-Status oder kognitiver Leistung am Anfang der Studie zeigten keine Hinweise auf eine Untergruppe, in der Ginkgo-biloba-Extrakte einen (weiteren) Rückgang der kognitiven Leistungen verhindern könnte. ??Die Resultate stimmen mit der bisherigen Einschätzung der Cochrane Collaboration überein, die Ginkgo-biloba-Extrakten keine gesicherte Antidemenzwirkung bescheinigen konnte (Cochrane Database Syst Rev. 2009 Jan 21;(1):CD003120).

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de

Kommentar & Ergänzung:

Das ist nicht wie von vielen Medien gemeldet, eine neue Ginkgo-biloba-Studie. Das “Ärzteblatt” beschreibt korrekt:
“Die Resultate zum primären Endpunkt, der Vermeidung einer Alzheimerdemenz, wurden bereits im letzten Jahr veröffentlicht….Der untersuchte Ginkgo-Extrakt war nach einer mittleren Beobachtungszeit von 6,1 Jahren nicht in der Lage, verglichen mit Placebo die Zahl der Neuerkrankungen an Alzheimer-Demenz zu reduzieren.”

Nun geht es um die Resultate zu einen vor Beginn der Studie festgelegten sekundären Endpunkt derselben Studie: Zum Rückgang der kognitiven Leistungen unterhalb der Schwelle zur Alzheimerdemenz.
Auch hier konnte der Ginkgo-biloba-Extrakt die kognitive Leistungsfähigkeit nicht beeinflussen.
Das Ginkgo-Präparat verbesserte weder das geistige Allgemeinbefinden der Probanden noch wirkte es sich positiv auf einzelne kognitive Funktionen des Gehirns aus.

Totaler Absturz für Ginkgo?
Oder was bleibt?
Halten wir ein paar Facetten fest:

- Kritische Einwände
Der Hersteller des untersuchten Ginkgo-Extraktes (Wilmar Schwabe, Karlsruhe) hat die Studie mit folgenden Argumenten kritisiert:

Der Nutzen des von Schwabe produzierten, apothekenpflichtigen Ginkgo-Präparates auf die Gehirnleistung sei durch eine Reihe aktueller Studien wissenschaftlich belegt. Die Aussagekraft der aktuellen Studie sei nur gering. Die Untersuchung habe methodische Schwächen: Ein kognitiver Abbau sei selbst in der Placebogruppe kaum zu erkennen.

Schwabe schreibt weiter: “Die Studienteilnehmer zeigten trotz des hohen durchschnittlichen Alters von rund 80 Jahren im Laufe der Studie außergewöhnlich geringe kognitive Verschlechterungen, die fast siebenmal langsamer erfolgten, als in der Planungsgrundlage der Autoren. Diese räumen hierzu selbst ein ,Die von uns beobachteten Veränderungen im 3MSE waren gering und klinisch nicht signifikant.‘”
Ein Nutzen des Schwabe-Präparates könne jedoch nur dann gezeigt werden, wenn auch erste kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrationsstörungen oder Vergesslichkeit auftreten würden.

“Die Studie hätte noch mindestens 10 Jahre länger dauern müssen, bevor ein relevanter geistiger Abbau sichtbar geworden wäre”, sagte Günter Ment, der Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung der Karlsruher Firma.
Weitere Kritikpunkte sind nach Schwabe: “ Zudem wurde die kognitive Leistungsfähigkeit über ca. 4 von durchschnittlich 6 Behandlungsjahren nur mit groben Demenz-Screeningverfahren erhoben, die ausführlichen Testungen erfolgten erst, als bereits über 500 Teilnehmer die Studie verlassen hatten. Am Ende der Studie fehlten sogar Daten von über einem Drittel der Probanden.
Von den in der Studie Verbliebenen nahmen nur noch gut die Hälfte (60%) ihr Medikament auch wirklich ein. Ein Ginkgopräparat kann das Nachlassen der geistigen Leistung aber nur verhindern, wenn es auch regelmäßig eingenommen wird, wie Forscher der Universität von Oregon unlängst nachwiesen (Dodge et al. 2008).”

- Ginkgo-Extrakt zeigt Nutzen im Frühstadium der Demenz
Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kam in einer Analyse vom Jahr 2008 zu dem Schluss, dass ein Nutzen von Gingko-Präparaten gegeben sei:

“ Für das Therapieziel ‘Aktivitäten des täglichen Lebens’ gibt es einen Beleg für einen Nutzen
von Ginkgo biloba, Extrakt EGb 761, bei Verwendung einer hohen Dosis von 240 mg täglich.
Für die Therapieziele ‘kognitive Fähigkeiten’ und ‘allgemeine psychopathologische
Symptome’ sowie für das angehörigenrelevante Therapieziel ‘Lebensqualität der
(betreuenden) Angehörigen’ (gemessen anhand des emotionalen Stresses der Angehörigen)
gibt es bei einer Dosis von 240 mg täglich einen Hinweis auf einen Nutzen.”

Quelle: http://www.iqwig.de/download/A05-19B_Abschlussbericht_Ginkgohaltige_Praeparate_bei_Alzheimer_Demenz.pdf

- Ginkgo-Diskussion an Phytotherapie-Kongress
Im September dieses Jahres fand der Berliner Phytotherapie-Kongress statt, bei dem Mediziner auch über die Behandlungsmöglichkeiten mit Ginkgo-Präparaten diskutiert hatten – eine der Diskussionen wurde von “Medical Tribune Online” als Video veröffentlicht. Sie finden den Link zu diesem Video im Bereich “Infodienst Forschende Phytotherapie” im Abschnitt “Ginkgo biloba”, siehe:

moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php

- Positive Ginkgo-Studien
Die “Ärztezeitung” berichtet ebenfalls detailliert über das negative Resultat der GEM-Studie. Allerdings stellt sie dem eine positive Meta-Analyse entgegen, die ebenfalls erst kürzlich erschienen ist:

“ Hinweise auf einen …..Nutzen gibt immerhin eine vor kurzem publizierte Analyse von 29 Placebo-kontrollierten Studien mit Extrakten aus Ginkgo biloba, an denen insgesamt über 2400 Personen teilgenommen hatten. Das Spektrum der ausgewerteten Untersuchungen reichte von Studien mit ausschließlich Alzheimer-Patienten über Studien mit Patienten, die nur leichte Gedächtnisstörungen hatten, bishin zu Studien, an denen ausschließlich kognitiv gesunde ältere Menschen teilnahmen. In mehr als zwei Drittel der Studien wurde der Extrakt EGb 761® verwendet (in Deutschland vom Unternehmen Dr. Wilmar Schwabe….angeboten). Das Besondere an der Analyse: Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Ginkgo-Extrakte die Kognition allgemein verbessern, oder ob die Effekte spezifisch bestimmte kognitive Funktionen betreffen. Daher wurden nur Studien berücksichtigt, die mithilfe neuropsychologischer Tests solche kognitive Funktionen separat erfassten. Dazu gehörten etwa Tests auf verbales und visuelles Kurz- und Langzeitgedächtnis. Bei der Aufmerksamkeit wurden Vigilanz, Informationsverarbeitung und Fokussierung auf Informationen berücksichtigt, zudem wurden Studien mit Intelligenztests und Exekutivfunktionen wie Planung oder Flexibilität bewertet. Insgesamt erfolgten mit solchen Tests in den 29 Studien insgesamt 209 Ginkgo-Placebo-Vergleiche.
Die Ergebnisse der Analyse hat jetzt Privatdozent Reiner Kaschel von der Universität Osnabrück in der Zeitschrift ‘Human Psychopharmacology’ (24, 2009, 345) veröffentlicht. So zeigten 23 Prozent der Tests zum verbalen Kurzzeitgedächtnis einen signifikanten Vorteil für Ginkgo, knapp 27 Prozent waren es beim verbalen Langzeitgedächtnis, zwischen 33 und 46 Prozent bei Aufmerksamkeitstests. Auch bei Exekutivfunktionen wie Flexibilität (Hin- und Herschalten zwischen unterschiedlichen Aufgaben) und fluider Intelligenz (Bewältigung neuer Herausforderungen) war der Anteil von Tests mit signifikanten Effekten zugunsten von Ginkgo mit 23 und 38 Prozent relativ hoch. Bei den genannten Tests war damit die Rate signifikanter Ergebnisse um den Faktor fünf bis acht höher als bei einer reinen Zufallsverteilung. Ginkgo-Extrakte scheinen zumindest nach diesen Daten eine Vielzahl von kognitiven Funktionen günstig zu beeinflussen.” (www.aerztezeitung.de)

- Differenzierte Stellungnahme des Präsidenten der Österreichischen Alzheimergesellschaft
Auf http://kurier.at nimmt Univ.-Prof. Reinhold Schmidt, Neurologe an der MedUni Graz und Präsident der Österreichischen Alzheimergesellschaft, zur aktuellen Situation um Ginkgo Stellung:

“Bei älteren Menschen mit einer normalen Gedächtnisleistung oder leichten Beeinträchtigungen bringt ein vorbeugender Einsatz von Ginkgo nichts. Dies gilt aber auch für jene Arzneien, die bei bereits bestehendem Alzheimer eingesetzt werden.”

Anders sei die Situation bei Patienten, die schon an Alzheimer-Demenz leiden: In diesem Fall könne man sehr wohl Ginkgo-Präparate als Mittel der zweiten oder dritten Wahl einnehmen, wenn herkömmliche Medikamente (Acetylcholinesterase-Hemmer, Memantin) nicht wirken oder nicht vertragen werden. Doch auch für diesen Einsatzbereich sei die wissenschaftliche Datenlage widersprüchlich, erklärt der Mediziner.??

- Vergleichsstudie Ginkgo-biloba-Extrakt versus Donepezil
Prof. Volker Schulz stellt in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 6 / 2009) eine Pilotstudie mit Ginkgo-blioba-Extrakt vor und fasst das Resultat folgendermassen zusammen:

“Ginkgo-Spezialextrakt bei Alzheimer-Demenz gleich wirksam aber verträglicher als Donepezil”

Den Hintergrund zu dieser Studie erläutert Prof. Schulz folgendermassen:

“ Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat im Zeitraum von 2005 bis 2008 eine Bewertung zum Nutzen der therapeutischen Anwendung von Antidementiva, darunter Ginkgo-biloba-Extrakte (GBE) und Cholinesterasehemmer (ChEH), bei Patienten mit Demenz erarbeitet. Für die Beurteilung wurden vor allem praxisrelevante Therapieziele herangezogen, darunter Aktivitäten des täglichen Lebens, kognitive Leistungsfähigkeit, gesundheitsbezogene Lebensqualität, spezielle mit der Krankheit verbundene Symptome und therapieassoziierte unerwünschte Ereignisse. Das Urteil fiel für GBE insgesamt ähnlich positiv aus wie für ChEH. Der Nutzen in Relation zu anderen Antidementiva ist aber laut IQWiG derzeit nicht abschließend einschätzbar. Daher wurden u.a. direkte Vergleichsstudien zwischen GBE und ChEH empfohlen. Aus der Gruppe der ChEH wurde bisher der Wirkstoff Donepezil am gründlichsten geprüft. Das IQWiG erkennt bei Donepezil für alle in den Studien eingesetzten Dosierungen einen Nutzen bezüglich des Therapieziels der kognitiven Leistungsfähigkeit für Patienten mit einer Alzheimer-Demenz leichten bis mittleren Grades an. Es lag daher nahe, die Wirksamkeit und Verträglichkeit von GBE gegenüber diesem synthetischen Antidementivum als Vergleichsstandard zu prüfen. Mangels dafür notwendiger Vorergebnisse wurde der Planung konfirmatorischer Untersuchungen eine explorative Studie vorangeschaltet.”

Verglichen mit dem Standard-Antidementivum Donepezil ergaben sich in den eingesetzten Testverfahren und Beurteilungsskalen nach Prof. Schulz keine signifikanten Unterschiede zum Ginkgo-Extrakt.
Schulz kommentiert:

“Die Studie zielt konsequent auf das, was in der Praxis ebenso wie beim IQWiG besonders gefragt ist, nämlich den direkten Vergleich der Wirksamkeit und Verträglichkeit etablierter und zugleich konkurrierender Therapien. Die Ergebnisse sind aufgrund der kleinen Stichprobe und des explorativen Ansatzes nicht beweisend, jedoch vielversprechend für GBE. Eine konfirmatorische Studie zum statistischen Beweis der äquivalenten Wirksamkeit oder der Nichtunterlegenheit von GBE sollte baldmöglichst folgen.”

Schlussfolgerungen

Und was lässt sich nun aus all diesen Facetten für die Anwendung von Ginkgo-biloba-Extrakten schliessen?

1. Diese zweite Meldung zur GEM-Studie aus dem US-amerikanischen Ärzteblatt wurde von vielen Medien mit Schlagzeilen wie: Ginkgo – die wirkungslose Wunderwaffe” (Zeitschrift “Focus”) publiziert. Das scheint mir undifferenziert und auch ziemlich unwissenschaftlich, weil es der komplexen Forschungslage rund um Ginkgo biloba nicht annähernd gerecht wird. Es müsste in diesem Fall vielmehr darum gehen, genauer zu fassen, in welchen Situationen eine Anwendung von Ginkgo Sinn macht und in welchen nicht.

2. Die Wirkung von Medikamenten gegen Demenz ist sehr begrenzt. Das gilt für synthetische wie für pflanzliche Medikamente. Wenn aber Ginkgo-biloba-Extrakte im Frühstadium von Demenz bei besserer Verträglichkeit tatsächlich den Synthetika ebenbürtig sein sollten, spricht sehr viel für Ginkgo biloba.

3. Zur Langzeit-Prophylaxe gegen Alzheimer-Demenz scheint mir die Einnahme von Ginkgo-biloba-Präparaten sowieso nicht sinnvoll – und das schon vor der Veröffentlichung dieser Studienresultate. Wenn Schwabe fordert, dass die Studie mindestens 10 Jahre länger hätte dauern müssen, dann läuft dies auf eine Dauermedikation in der zweiten Lebenshälfte hinaus. Älter werden allein ist aber kein behandlungsbedürftiger Vorgang. Die zweite Lebenshälfte wird meines Erachtens schon viel zu stark medikalisiert. Zur Vorbeugung gegen Demenz – soweit dies möglich ist – scheint es zweifellos sinnvoller, geistig und körperlich so gut wie möglich in Bewegung zu bleiben.

4. Ob Ginkgo-Präparate bei Gesunden im Sinne von “Hirndoping” sinnvoll sind, scheint mir eine sehr offene Frage. Einerseits deutet die oben erwähnte Publikation von Reiner Kaschel darauf hin, dass Ginkgo-Extrakte über gewisse Phasen verstärkter geistiger Beanspruchung günstige Effekte auf die kognitiven Funktionen haben könnten. Andererseits ist aber das ganze Gerede von “Hirndoping” ziemlich fragwürdig und die bisher erreichbaren Wirkungen werden wohl sehr überschätzt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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