Archive for Februar, 2010

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Donnerstag, Februar 25th, 2010

Was ist eigentlich Orangenblütentee? Zeigt Orangenblütentee tatsächlich eine Wirkung als Einschlafmittel? Das sind Fragen, die an Heilpflanzenkursen oder in der Phytotherapie-Ausbildung immer wieder auftauchen. Orangenblütentee wird als Schlaftee und Abendtee oft und gern verwendet, aber Informationen dazu in Phytotherapie-Fachbüchern ist rar. Und selbst wen man den Suchbegriff  ”Orangenblütentee” bei Wikipedia eingibt, bekommt man kein Ergebnis.

Orangenblüten (aurantii flos) sind die getrockneten, zum grössten Teil geschlossenen, ganzen Blüten der Bitterorange (Citrus aurantium L. subsp. aurantium).
Der Bitterorangenbaum ( = Pomeranzenbaum) ist, ähnlich wie der Zitronenbaum, ein bis zu 5 m hoher Baum mit immergrünen Blättern. Die mittelgroßen, weißen bis cremefarbenen Blüten duften stark mit süß-schwerem Geruch. Sie wachsen in ein- oder wenigblütigen, blattachselständigen Trauben. Die rundliche Frucht besitzt einen Durchmesser von 7-8 cm, ist an beiden Enden abgeflacht und hat eine dicke, rauhe, orangefarbene Schale. Das Fruchtfleisch ist von säuerlich-bitterem Geschmack.

Orangenblütentee wird wegen seiner beruhigenden Wirkung bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen angewendet. Er hat sich auch in Pflegeheimen und Spitälern als Abendtee etabliert.
Allerdings existieren in der Phytotherapie-Fachliteratur keinerlei Belege für die empfohlenen Anwendungsbereiche des Orangenblütentees. Studien und genauere Untersuchungen fehlen.

Orangenblüten enthalten 0,2-0,5 % ätherisches Öle mit hauptsächlich Monoterpenen (Linalylacetat, alpha-Pinen, Limonen, Linalool, Nerol, Geraniol), ausserdem Anthranilsäuremethylester und Bitterstoffe.
Die Zusammensetzung des ätherischen Öles zeigt Ähnlichkeit mit dem Lavendelöl (Linalylacetat, Limonen, alpha-Pinen, Linalool, Geraniol). Da für Lavendelöl eine beruhigende Wirkung bei Unruhe und Einschlafstörungen gut belegt ist, scheint eine solche Wirkung für den Orangenblütentee plausibel. Es würde sich dann beim Trinken von Orangenblütentee quasi um eine Aromatherapie via Duftebene handeln. Deshalb wäre wohl die Empfehlung sinnvoll, den Orangenblütentee langsam schluckweise zu trinken, damit das ätherische Öle gut auf die Geruchsrezeptoren einwirken kann.

Von der Bitterorange wird im übrigen auch die Schale verwendet (Bittere Orangenschale, Bitterorangenschale): Die vom weisslich-schwammigen Gewebe des Mesokarps (Albedoschicht) teilweise befreite äussere Schale der Frucht.

Bitterorangenschale enthält neben ätherischem Öl mit der Hauptkomponente Limonen bitter schmeckende Flavonoide (Neohesperidin, Naringin).
Die Bitterstoffe regen reflektorisch die Speichel- und Magensaftsekretion an und wirken daher appetitanregend und verdauungsfördernd. Bittere Orangenschale wird manchmal bei Appetitlosigkeit in der Kinderheilkunde eingesetzt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

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Rotwein und Schokolade – gegen Krebs wirksamer als Chemotherapie?

Dienstag, Februar 23rd, 2010

Die Meldung wurde von den Nachrichtenagenturen AFP und SDA verbreitet und in zahlreichen Medien völlig unkritisch abgedruckt:

Rotwein, Schokolade, Knoblauch, Petersilie, Rote Trauben, Heidelbeeren und Soja wirken gegen Krebs gleich gut oder gar noch besser als Chemotherapie.

Die Meldung wirft zahlreiche Fragen auf und ist meines Erachtens eine totale Verarschung der Leserinnen und Leser. Doch schauen wir uns den Text (kursiv gesetzt) Schritt für Schritt an (Quelle: Tages-Anzeiger online):

Der “Tages-Anzeiger” bringt die Meldung unter dem Titel
“Die tägliche Chemotherapie”.

Das lässt aufhorchen: Rotwein, Schokolade; Heidelbeeren Co ersetzen also eine Chemotherapie?
Die Fortsetzung ist in zahlreichen Online-Medien praktisch identisch publiziert worden:

“Rotwein und Schokolade können neuen Forschungen zufolge Krebszellen regelrecht bekämpfen. Rote Trauben, dunkle Schokolade und Heidelbeeren, Knoblauch und Soja können Krebszellen «aushungern».”

Was bedeutet “neue Forschungen”? Wer hat was genau, wo und wann erforscht? In welcher Fachzeitschrift wurde diese Forschung veröffentlicht (falls überhaupt)?
Komisch auch, dass wir Schweizer als Weltmeister im Schokoladekonsum überhaupt noch an Krebs erkranken. Und die Franzosen mit dem Wein erst, und die Japaner mit ihrem Sojakonsum. Eigenartig, dass es überhaupt noch Krebs gibt auf dieser Welt. Oder wieviel Schokolade muss ich essen, um eine Chemotherapie zu ersetzen?

“‘Wir bewerten Lebensmittel nach ihrer Fähigkeit, Krebs zu bekämpfen‘, sagte der Forscher William Li auf einer Konferenz in Long Beach im US-Bundesstaat Kalifornien. ,Unser Essen ist unsere dreimal tägliche Chemotherapie.‘”

“Forscher” kann sich jeder nennen. Bei tatsächlichen oder angeblichen Experten ist immer zu prüfen, ob sie auch wirklich kompetent sind für die Frage, zu der sie gerade Stellung nehmen.

Um welche Art von Konferenz handelt es sich da? Eine Pressekonferenz oder eine Konferenz von Wissenschaftlern – das macht schon einen Unterschied punkto Glaubwürdigkeit. Unter welchem Thema stand die Konferenz? Wer hat sie organisiert und gesponsert? Sollte Forscher William Li tatsächlich gesagt haben, dass unser Essen unsere dreimal tägliche Chemotherapie ist, spricht das nicht gerade für seine Seriosität.
Glaubt der Mann wirklich, dass man Chemotherapie gegen Krebs einfach durch Essen ersetzen kann? Wir essen doch alle und viele von uns zudem die aufgeführten Nahrungsmittel gar nicht zu knapp. Warum also gibt es überhaupt noch Krebs?
Auf Tages-Anzeiger online hat ein Leser den Bericht treffend kommentiert:

“ Wer glaubt wird selig. Meine Frau und ich essen und trinken seit Jahrzehnten unbewusst dieser ,Studie‘ genau auch diese Lebensmittel täglich. Wir beide sind seit 2 resp.5 Jahren an Krebs erkrankt. Solche ungesicherte Daten geben nur falsche Hoffnungen .Wer hat die Studie bezahlt ? Wahrscheinlich die Hersteller dieser Ware- wie so oft.”

“Die Angiogenesis Foundation aus Massachusetts habe Lebensmittel ermittelt, die chemische Substanzen enthalten, mit denen die Blutversorgung von Tumoren geradezu abgeschnitten werde. Als Beispiel nannte Li auch eine Studie der Harvard Medical School, wonach Männer, die mehrmals pro Woche gegarte Tomaten essen, 30 bis 50 Prozent weniger unter Prostatakrebs litten.”

Was ist die “Angiogenesis Foundation”?

Als Angiogenese bezeichnet man das Wachstum von kleinen Blutgefäßen (Kapillaren). Tumore sind abhängig von einem mitwachsenden Kapillarnetz, das den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Entsprechend versuchen anti-angiogenetische Therapieansätze (Antiangiogenese), die Gefäßversorgung und damit die Durchblutung eines Tumors zu vermindern oder zu blockieren.

Laut ihrer Website http://www.angio.org/ beschäftigt sich die “Angiogenesis Foundation” mit diesem Thema. Begriffe wie Rotwein, Schokolade, Petersilie, Soja, Heidelbeeren oder Knoblauch finde ich dort allerdings nicht, dafür jedoch zahlreiche Medikamente.

Der Hinweis von William Li auf die Wirkung gegarter Tomaten gegen Prostatakrebs stellt die Situation einseitig dar.
Es gibt zwar eine Untersuchung von Giovannuci, E. et al. (2002), die einen positiven Effekt nahelegten (A Prospective Study of Tomato Products, Lycopene and Prostate Cancer Risk. In: J. Natl. Cancer. Inst. Bd. 94, S. 391-398).

Wikipedia schreibt dazu:

“Es gab Hinweise, dass der Konsum von Lycopin zu einem reduzierten Risiko führt, an Herz-Kreislauf-Erkrankung, Krebs (vor allem Prostatakrebs), Diabetes mellitus, Osteoporose und Unfruchtbarkeit zu leiden.”

Wikipedia fährt aber fort:
“Eine neuere, große Studie mit ca. 28.000 Probanden lässt jedoch vermuten, dass kein Zusammenhang zwischen Lycopin und Krebsrisiko besteht. Vielmehr zeigte sich, dass das verwandte Antioxidant ?-Carotin das Risiko für Prostatakrebs erhöht.”
(American Association for Cancer Research. No Magic Tomato? Study Breaks Link between Lycopene and Prostate Cancer Prevention , Science Daily, May 17, 2007.

http://www.sciencedaily.com/releases/2007/05/070517063011.htm)

Davon sagt William Li offenbar nichts.

“‘Überall geschieht eine medizinische Revolution‘, sagte Li. ,Wenn wir recht haben, dann wird das Auswirkungen auf Konsumentenfortbildung, Lebensmittelherstellung, die Volksgesundheit und sogar auf die Versicherungen haben.‘”

Da scheinen Heilsvorstellungen herumzugeistern. Mein Eindruck – auch von der Website der “Angiogenesis Foundation”: Da wird sehr viel aufgehängt am Thema “Angiogenese”. Wenn für so viele Probleme eine einzige Lösung propagiert wird – wie hier das Thema “Angiogenese” – ist Skepsis immer angebracht.

“Besser als Medikamente”

Dieser Titel des “Tages-Anzeigers” ist ziemlich gewagt.

“In Test verglichen Forscher der Foundation die Wirkung zugelassener Medikamente mit der von Petersilie, Weintrauben, Beeren und anderen Lebensmitteln. Dabei stellten sie fest, dass die Lebensmittel genauso gut oder besser gegen Krebszellen wirkten.”

Da fragt sich erstens, mit welchen Medikamenten denn verglichen wurde. Chemotherapeutika?
Da wurde offenbar etwas im Labor untersucht, aber man kann ja nicht einfach Petersilie und Krebszellen vermanschen und dann schauen, ob Krebszellen zugrunde gehen und das schlussendlich auf Krebspatienten übertragen. Völlig wirr.

Auch ist “und andere Lebensmittel” keine sehr präzise Angabe. Wenn so viele Lebensmittel besser gegen Krebszellen wirken wie Krebsmedikamente, warum brauchen wir dann eigentlich noch Chemotherapien und Onkologie-Abteilungen an Spitälern. Alles überflüssig?

“‘Für viele Menschen kann die ernährungsmässige Behandlung von Krebs die einzige Lösung sein, denn nicht jeder kann sich Krebsmedikamente leisten.‘”

Na super, essen müssen wir ja sowieso. Billiger kann eine Behandlung wirklich nicht sein. Endlich die Lösung für die explodierenden Gesundheitskosten. Krebstherapien nur noch für Privatpatienten! Die Allgemeinversicherten und auch Patienten in Afrika oder so sollen sich doch mit Rotwein und Schokolade heilen. Letzteres gibt für die Schweiz unerwartete Exportmöglichkeiten in alle Welt. Schokolade auf Rezept und auf Kosten der Krankenkasse! Ich fasse es kaum.

“Die krebsbekämpfenden Eigenschaften der Lebensmittel könnten auch dazu dienen, Körperfett schmelzen zu lassen, fügte Li hinzu. Denn auch Fett sei auf den Blutstrom angewiesen, den die Bestandteile dieser Lebensmittel beeinflussen.”

Das fehlt gerade noch. Besser kann es gar nicht mehr kommen! Auch gegen Übergewicht wirksam! Körperfett lässt sich mit Schokolade oder Rotwein wegschmelzen! Ganz einfach durch Hemmung der Angiogenese! Super!

Dringende Anfrage: Wieviel Schokolade muss ich essen oder wieviel Rotwein trinken, um meine Fettpölsterchen wegzuschmelzen? Und wie finde ich eine Schokolade, die intelligent genug ist, damit sie weiss, welche Partien meines Körpers sie aushungern soll? Wenn da nur nichts schief läuft und die falschen Regionen weggeschmolzen werden! Vielleicht sicherheitshalber mal bei Lindt Sprüngli nachfragen…..

Und der Satz: “Die krebsbekämpfenden Eigenschaften der Lebensmittel könnten auch dazu dienen, Körperfett schmelzen zu lassen”, ist ein Unding.
Oder liegt der Grund für diesen von A bis Z verunglückten Text einfach in einer miserablen Übersetzung?

Ich verwende nur selten solch harte Ausdrücke, aber dass Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, Blick, Thurgauer Zeitung, 20 Minuten, Schweizerbauer und Berner Zeitung solchen Bullshit veröffentlichen, ist ausgesprochen peinlich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Schwächen Antioxidantien die Muskelfunktion?

Sonntag, Februar 21st, 2010

Antioxidantien wie beispielsweise Vitamin C und E wird oft die Eigenschaft zugeschrieben, dem Alterungsvorgang entgegenzuwirken oder sogar Krankheiten zu verhindern. Neue Forschungsresultate zeigen aber, dass Antioxidantien Botenstoffe inaktivieren können, welche für eine Weitung der Blutgefäße sorgen. Damit könnte ein Übermaß von Vitamin C und Vitamin E zum Beispiel die Funktion von Muskeln schwächen. Eine ausgewogene Ernährung mit genügend Obst und Gemüse sorgt sowieso für eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen C und E. Die zusätzliche Einnahme dieser antioxidativ wirksamen Vitamine durch künstlich angereicherte Lebensmittel oder Vitaminpräparate macht daher in den meisten Fällen keinen Sinn oder könnte sogar kontraproduktiv sein, erklärt Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). Er bezieht sich bei dieser Aussage auf Forschungsarbeiten von David Poole und Timothy Musch von der Kansas State University. Die Untersuchungen wurden unter anderem im Fachmagazin Journal of Applied Physiology publiziert. Zwar haben Antioxidantien das Potential, körperliche Veränderungen während des Alterungsvorganges umzukehren. Gleichzeitig haben die US-amerikanischen Wissenschaftler im Tierversuch aber gezeigt, dass einige Oxidantien, die ja von den Antioxidantien reduziert werden, im Körper wichtige Aufgaben erfüllen. So zeigen die Studien zum Beispiel, dass Wasserstoffperoxid dazu dient, die Gefäße zu weiten und damit den Blutfluss zu erleichtern, erläutert Dr. Wesiack. Werden nun durch die Aufnahme von größeren Mengen Antioxidantien Wasserstoffperoxid und andere natürliche, gefäßweitende Substanzen neutralisiert, schwächt dies möglicherweise den Transport von Sauerstoff zu den Muskeln.

Bei Antioxidantien wie Vitamin C und E geht man gemeinhin davon aus, dass sie bei zusätzlicher Zufuhr die Gesundheit optimieren. Bei einer ausgewogenen Ernährung bekommt der Organismus aber ausreichend Vitamin C und E. Zahlreiche industriell hergestellte Produkte wie Fruchtsäfte, Frühstückscerealien und sogar Süßigkeiten werden damit beworben, besonders viel Vitamine zu enthalten. Meist sind diese Produkte allerdings sehr kalorienreich, so dass es besser ist, darauf zu achten natürliche Vitaminspender in den Speiseplan zu integrieren, als auf diese künstlich mit Vitaminen anreicherten, ansonsten jedoch oft nicht sehr hochwertigen Fertigprodukte zurückzugreifen, rät der BDI-Experte. Reich an Vitamin C sind zum Beispiel Hagebutte, Sanddorn, Grünkohl, Paprika und Brokkoli, während Vitamin E in großen Mengen in pflanzlichen Ölen wie Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl und Olivenöl sowie in vielen Nüssen enthalten ist.”

Quelle:
www.internisten-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Der ganze Antioxidantien-Boom scheint mir sehr fragwürdig. Er basiert aus einem ausgeprägten Schwarz-Weiss-Denken: Hier die guten Antioxidantien, dort die bösen freien Radikale. Die Hinweise mehren sich schon seit Jahren, dass die Sache nicht so simpel ist. So können offenbar Antioxidantien in hohen Dosierungen auch prooxidativ wirken, also umgekehrt wie erwartet. Und bei den freien Radikalen entdeckt man plötzlich auch nützliche oder sogar ausgesprochen wichtige Fähigkeiten, wie das Dr. Wesiack mit dem Wasserstoffperoxid erläutert hat.
Im übrigen gibt es zahlreiche Heilpflanzen mit antioxidativen Eigenschaften, zum Beispiel Ginkgo, Grüntee, Mariendistel , Artischocke, Karkade, Curcuma und viele andere mehr.

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Komplementärmedizin – Naturheilkunde – Pflanzenheilkunde: Nachfragen statt blind glauben!

Sonntag, Februar 21st, 2010

Mich erstaunt immer wieder, wie verbreitet in den Bereichen Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde eine blinde Gläubigkeit ist. Je absurder eine Behauptung, desto glaubwürdiger scheint sie offenbar manchen zu sein. Es fehlt weitgehend eine Kultur der Wahl und der sorgfältigen Prüfung. Das ist nicht zuletzt auch aus politischen Gründen bedenklich. Wo kommen wir hin, wenn viele Menschen verlernt haben, Behauptungen und Versprechungen mit kritischem Nachfragen zu prüfen?

Der amerikanische Paläontologe, Geologe und Evolutionsforscher Stephen Jay Gould (1941 – 2002) stellte dazu fest:

“Wenn es den Menschen an Urteilsvermögen mangelt und sie lediglich ihren Hoffnungen folgen, ist der politischen Manipulation Tür und Tor geöffnet.”

Zu diesem Thema hat auch Ludwig Marcuse (1894 – 1971) immer wieder wertvolle Gedanken formuliert. So schrieb der deutsch-amerikanische Philosoph und Schriftsteller beispielsweise:

“ Die Unlust, die das Denken zu begleiten pflegt, ist von derselben Art, wie die Unlust, die ursprünglich das Gehen oder das Schreiben oder das Klavier-Spielen zu begleiten pflegt. Das Gehen wird in frühen Jahren zwangsweise eingeübt, bis es nicht mehr schmerzt. Das Denken wird nie so hart trainiert; Lernen ist meist das Gegenteil von Denken-lernen. Die Erziehung geht mehr auf das Einrammen von angeblich Fraglosem als auf das In-Frage-stellen. Die Unoriginalität des Einzelnen ist nicht eine Gabe der Natur. Schopenhauer hatte schon recht, dass der Mensch, den er fand, Fabrik-Ware ist. Aber nicht die Natur pflegt Fabrik-Ware herzustellen; dieser Ruhm bleibt der menschlichen Gesellschaft. Der Mensch hat es nicht nötig, die Vernunft zu entwickeln. Ja, er hat gar keine Gelegenheit, die Vernunft zu entwickeln. Ja noch mehr, es ist lebensgefährlich, die Vernunft zu entwickeln. Ist es ein Wunder, dass er dankbar ist für jede Philosophie, die vom Denken dispensiert?”
(aus: Ludwig Marcuse, Das Märchen von der Sicherheit, Diogenes 1981)

Was heisst das nun bezüglich Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde?

“Lernen ist meist das Gegenteil von Denken-lernen. Die Erziehung geht mehr auf das Einrammen von angeblich Fraglosem als auf das In-Frage-stellen.” – Diese Aussage von Ludwig Marcuse scheint mir ein wichtiger Prüfstein zu sein für Ausbildungen und Kurse im Bereich von Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Pflanzenheilkunde.

Mir ist jedenfalls im Verlaufe von mehr als 25 Jahren Tätigkeit als Dozent im diesen Bereichen immer wieder aufgefallen, dass in vielen Ausbildungen ein ziemlich missionarischer Stil gepflegt wird. Es wird vor allem Überzeugung vermittelt und viel blinder Glaube an die eigenen Methoden. Das bewirkt bei Lernenden oft eine Überidentifikation, welche kaum mehr kritische Distanz zu diesen Methoden ermöglicht. Auf der Strecke bleibt das selbstkritische Denken, das In-Frage-stellen und die Fähigkeit zur sorgfältigen Prüfung von Behauptungen und Versprechungen. Das läuft dann auf eine Dispensation vom Denken hinaus, von der Marcuse spricht.
Kurse und Ausbildungen sollten aber nicht vom Denken dispensieren, sondern im Gegenteil Fähigkeiten vermitteln für das sorgfältige Prüfen von Behauptungen und für kritisches In-Frage-Stellen von Versprechungen. Die sorgfältige Schulung des Urteilsvermögens ist gefragt – auch im Bereich von Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde / Komplementärmedizin.
Kritisches In-Frage-stellen von Behauptungen und Versprechungen steht dabei der Freude an den Heilpflanzen und einer wachen Beziehung zur Natur überhaupt nicht im Wege.

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Granatapfel-Extrakt als natürlicher Wehenförderer?

Samstag, Februar 20th, 2010

Ein Extrakt aus Granatäpfeln soll die Gebärmutter von Schwangeren dazu bringen, sich zusammenzuziehen. Verantwortlich dafür sei ein Inhaltsstoff namens Beta-Sitosterin, der die Muskelzellen im weiblichen Fortpflanzungsorgan beeinflusst. Zu diesem Resultat sei Professor Sue Wray von der Universität im britischen Liverpool im Tierversuch gekommen.
Diese Nachricht wurde auf dem Newsportal von Yahoo verbreitet.
Hier eine Zusammenfassung der Meldung und anschliessend ein Kommentar dazu:

Zieht sich während der Wehen die Gebärmutter einer Schwangeren nicht genügend zusammen, können Ärzte das Hormon Oxytozin anwenden, um die Muskelkontraktionen herbeizuführen. Allerdings wirkt Oxytozin nicht bei allen Frauen, so dass häufig ein Kaiserschnitt nötig wird. Nun hoffen die britischen Forscher, aus dem Granatapfel-Extrakt, der aus den Kernen gewonnen wird, in Zukunft möglicherweise wirksame Medikamente herstellen zu können.
In der Vergangenheit haben sich viele Wissenschaftler intensiv mit dem Granatapfel und der medizinischen Bedeutung seiner Inhaltsstoffe beschäftigt. Diverse Untersuchungen haben bestätigt, dass Granatapfel-Extrakte bei Erkrankungen wie Zum Beispiel Krebs oder Arthritis eine günstige Wirkung auf die Gesundheit der Patienten haben können.

Quelle:

http://de.news.yahoo.com

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldung scheint sensationeller als sie ist. Beta-Sitosterol ( = Beta-Sitosterin) kommt in der Pflanzenwelt ziemlich verbreitet vor und ist keineswegs ein spezifischer Inhaltsstoff in Granatapfel-Kernen (Punica granatum).

Beta-Sitosterin, ( = Beta-Sitosterol) gehört zur Gruppe der Phytosterine, deren chemische Strukturen Ähnlichkeit mit der von Cholesterin aufweisen.
Sitosterin wurde erstmals 1897 aus Weizenkeimöl isoliert.

In den folgenden Jahren wurde Beta-Sitosterin dann auch in zahlreichem anderen Pflanzenölen gefunden (z. B. in Maiskeimöl, Roggenkeimöl, Baumwollsamenöl, Avocadoöl, Olivenöl, Kürbissamenöl, Sojaöl). Es kommt aber auch vor in Tallöl, Calabarbohnen, Cinchonawachs und Cinchonarinde, in Pekannüssen, der Sägepalme (Serenoa repens), in Avocado (Persea americana), Kürbissamen (Curcurbita pepo), Prunus africana (Pygeum africanum), Cashewnüssen, Reiskleie, Sanddorn und Bocksdornfrüchten bzw. Gojifrüchten.

Im Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie spielt Beta-Sitosterol eine Rolle als Inhaltsstoff von Heilpflanzen gegen die Beschwerden bei gutartiger Prostatavergösserung (Benigne Prostatahyperplasie). Im Vordergrund stehen dabei Brennesselwurzel, Sägepalmenfrüchte, Hypoxis-rooperi-Rhizom, Pygeum afrikanum.
Wikipedia führt eine Liste der Pflanzenteile mit den höchsten Konzentrationen an Beta-Sitosterol (Angabe in parts per million):
Cherimoya-Samen (Annona cherimola MILL.): 10000-14000 ppm
Zweigriffliger Weißdorn-Blüten und Weissdorn-Blätter (Crataegus laevigata (POIR.) DC): 6500-7800 ppm in den Blüten; 5100-6200 ppm in den Blättern
Echter Schwarzkümmel-Samen (Nigella sativa L.): 3218 ppm
Gemeine Nachtkerzen-Samen (Oenothera biennis L.): 1186-2528 ppm
Salbei-Blätter (Salvia officinalis L.): 5-2450 ppm
Weiße Maulbeere (Morus alba L.): 2000 ppm in den Blättern
Senna obtusifolia (L.) H.IRWIN & BARNEBY: 1000-2000 ppm in den Samen
Buchweizen-Samen (Fagopyrum esculentum MOENCH.): 1880 ppm
Basilikum-Blätter (Ocimum basilicum L.): 896-1705 ppm
Mais (Zea mays L.): 1300 ppm in Maisgriffel, in Narbe/Stylus (Maisgriffel)
Salbei-Stiel (Salvia officinalis L.): 1214 ppm
Basilikum-Blüte (Ocimum basilicum L.): 1051 ppm
Sanddorn-Samen (Hippophae rhamnoides L.): 550-970 ppm
Sojabohne (Glycine max (L.) MERR.): 900 ppm in den Samen
Süßholz-Wurzel (Glycyrrhiza glabra L.): 500 ppm in Radix Liquiritiae
Basilikum-Wurzel (Ocimum basilicum L.): 408 ppm
Duftveilchen (Viola odorata L.): 330 ppm in der Pflanze
Basilikum-Sprossen (Ocimum basilicum L.): 230 ppm im Stiel des Keimlings
Ashwaganda-Wurzel, Schlafbeeren-Wurzel (Withania somnifera (L.) DUNAL): 200 ppm
Sägepalme-Früchte, Sabalpalme (Serenoa repens (W. BARTRAM) SMALL): 189 ppm

Zur pharmakologieschen Wirkung von Beta-Sitosterol

Die normale Aufnahme von Beta-Sitosterin durch die Nahrung beträgt etwa 250-300 mg pro täglich. Dabei werden im Magen-Darmtrakt etwa 5 % des aufgenommenen Beta-Sitosterins resorbiert.
Allein oder in Kombination mit ähnlichen Phytosterinen vermag Beta-Sitosterin in höheren Dosen (1-3 g pro Tag) den Cholesterinspiegel des Blutes zu reduzieren und wird daher manchmal als Mittel gegen Hypercholesterinämie eingesetzt, da es die Cholesterinaufnahme bremst.
Beta-Sitosterin wird in der Pflanzenheilkunde in niedrigeren Dosierungen (mg-Bereich) zur symptomatischen Behandlung einer beginnenden Benignen Prostatahyperplasie (BPH) eingesetzt.
Auch zur unterstützenden Behandlung von Prostatakarzinom und Brustkrebs wird es verwendet. Die Wirkprinzipien sind noch weitgehend unbekannt. Solide Studien fehlen. Diskutiert werden hormonartige Effekte (estrogenartig) und die Hemmung der Prostaglandinsynthese.

Auf welchem Weg Beta-Sitosterol wehenfördernd wirken soll, bleibt unklar. Eine Hemmung der Prostaglandinsynthese würde sich wohl eher negativ auswirken, da Prostaglandin E2 eine wichtige Rolle bei den Wehen spielt.
Den Artikel auf Yahoo-News kann man meines Erachtens zusammenfassen mit: Viel Wind, aber wenig Substanz.
Aber wer weiss, vielleicht zeigen ja zukünftige Forschungen, dass……..
Weitere Infos über Granatapfel:
Ellagsäure aus Granatapfel hemmt Brustkrebs im Labor
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/02/13/ellagsaeure-aus-granatapfel-hemmt-brustkrebs-im-labor.html

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Silibinin aus Mariendistel unterstützt Standardtherapie bei chronischer Hepatitis C

Freitag, Februar 19th, 2010

Wenn Patienten mit chronischer Hepatitis C nicht auf die Standardtherapie ansprechen, könnte ein Versuch mit Silibinin aus den Früchten der Mariendistel doch noch Erfolg bringen.
Patienteninnen und Patienten mit chronischer Hepatitis C, die auf eine Standardtherapie mit pegyliertem Interferon alfa plus Ribavirin nicht oder nur ungenügend ansprechen, kann womöglich mit einem Inhaltsstoff der Mariendistel (Silybum marianum) zum Durchbruch verholfen werden.

Angeregt durch hoffnungsvolle Behandlungsversuche einer Arbeitsgruppe um Professor Peter Ferenci aus Wien hat inzwischen auch eine Arbeitsgruppe um Dr. Michael Biermer von der medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie und Hepatologie der Charité Berlin diese neue Strategie mit dem alten Naturheilmittel unter die Lupe genommen.

Die Berliner Arbeitsgruppe verabreichte elf Patienten mit chronischer Hepatitis C, bei denen eine Standardbehandlung mit pegyliertem Interferon alfa und Ribavirin innerhalb von 24 Wochen zu keiner befriedigenden Verminderung der Viruslast geführt hatte, an zwei aufeinander folgenden Tagen Infusionen mit täglich 1400 mg Silibinin (Legalon® SIL). Im Verlauf der nächsten Woche fiel unter fortgesetzter Standardbehandlung die Virusmenge bei acht Patienten unter die Nachweisgrenze. Das erklärte Dr. Michael Biermer auf einer Pressekonferenz des Komitees Forschende Naturmedizin (KFN) in München.

Bei zwei weiteren Patienten kam es immerhin zu einer deutlichen Reduktion der Viruskonzentration im Serum. Möglicherweise wären diese beiden Patienten bei einer drei- oder viertägigen adjuvanten Silibinin-Infusion ebenfalls negativ geworden, meinte Biermer. Damit verwies der Hepatologe darauf, dass die optimale Dosierung und Anwendungsdauer des Mariendistelinhaltsstoffes für das neue Einsatzgebiet noch zu finden ist.

Von den acht Patienten, bei denen im Anschluss an die Silibinintherapie keine Hepatitis-C-Viren (HCV) im Serum nachweisbar waren, blieben mit der fortgesetzten Standardtherapie sechs Patienten im bisherigen Beobachtungszeitraum von acht bis 40 Wochen weiterhin negativ. Ob bei ihnen wirklich eine Ausheilung der chronischen Hepatitis C stattgefunden hat, wird erst ein HCV-RNA-Test sechs Monate nach Abschluss der Standardbehandlung zeigen können.

Weitere auf größeren Patientenzahlen basierende Studienresultate zur Anwendung von Silibinin bei Hepatitis C seien dringend erforderlich, so Biermer. Silibinin ist bisher bei Lebervergiftungen durch Knollenblätterpilze sowie als Adjuvans (Mittel zur Unterstützung einer Standardtherapie) bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose zugelassen.

Wirkungsweise von Silibinin

Silibinin ist ein Hauptbestandteil des in Früchten der Mariendistel (Silybum marianum) vorkommenden Flavonoidgemischs Silymarin. Silibinin soll sich in experimentellen Untersuchungen als signifikanter Hemmer der Hepatitis-C-Virus-spezifischen Polymerase erwiesen haben. Das erklärte der Hepatologe Dr. Michael Biermer zum Wirkmechanismus des Mariendistel-Inhaltsstoffes. Ob sich die viel versprechenden vorläufigen klinischen Resultate allein damit erklären lassen, ist noch unklar.

Die Arbeitsgruppe von Dr. Biermer hat Silibinin auch schon gegen andere Viren wie etwa das Hepatitis-B-Virus oder HIV untersucht und dabei keine Hinweise auf einen potenziellen Nutzen gefunden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Von allen Heilpflanzen, die bei Lebererkrankungen eingesetzt werden, ist keine so gut wissenschaftlich untersucht wie die Mariendistel. Der Arbeitsgruppe von Dr. Biermer scheint nun ein weiterer Schritt zur Klärung der Mariendistel-Wirkung geglückt zu sein.

Für die praktische Anwendung der Mariendistel in der Phytotherapie ist allerdings zu beachten, dass es zahlreiche Mariendistel-Präparate im Handel gibt, die stark unterdosiert sind und deren Wirksamkeit daher sehr fraglich bleibt.
Auch ist Mariendisteltee keine gute Option. Silymarin löst sich nämlich nur schlecht im Wasser.

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Heilpflanzen kennenlernen – ein faszinierendes Erlebnis

Freitag, Februar 19th, 2010

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) schreibt in den “Wahlverwandtschaften”:

“Mit den Bäumen, die um uns blühen, mit jeder Staude, an der wir vorbeigehen, mit jedem Grashalm, über den wir hinwandeln, haben wir ein wahres Verhältnis, sie sind unsere echten Kompatrioten.”

Und Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) hat uns geraten, wieder “gute Nachbarn der nächsten Dinge” zu werden.
Eine gute Gelegenheit zur Pflege eines solchen Naturkontaktes finden Sie in meinen Exkursionen zu Heilkräutern, Wildblumen und Alpenpflanzen.
Infos im Kurskalender:
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Rundblättriger Sonnentau – eine faszinierende Heilpflanze

Freitag, Februar 19th, 2010

Der fleischfressende Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) ist eine Art aus der Familie der
Sonnentaugewächse (Droseraceae).
Im Jahre 1860 stieß Charles Darwin auf einer Heide in Sussex auf Vorkommen des Rundblättrigen Sonnentaus. Er staunte über die große Anzahl der gefangenen Insekten. Darwin begann daraufhin, den Sonnentau in Hinsicht auf eine mögliche Karnivorie näher zu untersuchen. Karnivoren sind fleischfressende Pflanzen.

Darwin führte über Jahre ausgiebige Versuchsreihen am Sonnentau durch. Zwar war die Idee der Karnivorie von Pflanzen nicht neu, wurde jedoch von den Botanikern jener Zeit einhellig abgelehnt.

Mit dem 1875 in englisch und schon im folgenden Jahr in deutsch vorliegenden Werk “Insectivorous Plants” (“Insectenfressende Pflanzen”) bewies er die Existenz der Karnivorie für den Rundblättrigen Sonnentau und zugleich für zahlreiche weitere Gattungen und Arten. So widerlegte er das von Carl von Linné aufgestellte Dogma, dass die Karnivorie “wider die gottgewollte Ordnung der Natur” sei.

Wir verdanken es also der Beobachtungsgabe und der Ausdauer von Charles Darwin, dass das bis dahin Undenkbare (Pflanzen hatten den Tieren als Nahrung zu dienen und nicht umgekehrt!) dokumentiert und 1875 veröffentlicht wurde.

Die dokumentierte Anwendung des Sonnentaus als Hustenmittel geht bis in das Mittelalter zurück. Vor der Entdeckung von Antibiotika und der Entwicklung von
Schutzimpfungen war Sonnentaukraut ein bedeutendes Mittel bei Keuchhusten.

Auch heute noch zählt Sonnentau zu den Heilpflanzen, die bei Husten zum Einsatz kommen.
Sonnentau wächst vor allem im Hochmoor und steht unter Naturschutz – nicht selber sammeln!
Falls Sie den Sonnentau in der Natur kennen lernen möchten, können Sie dies an meiner Heilpflanzen-Exkursion in Vals.
Infos zum Kurs Heilpflanzen & Alpenblumen im Valsertal:
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Sonnentau-Fotos in der Bildergalerie:
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Bier – eine gute Quelle für Kieselsäure

Samstag, Februar 13th, 2010

Forscher haben festgestellt, dass Bier gut für die Knochen ist. Denn Bier liefert Silizium in Form der Orthokieselsäure – die der Körper für den Knochenaufbau braucht. Weil der Siliziumgehalt von der Braumethode und den Rohstoffen abhängig ist, sind einige Biersorten in dieser Hinsicht jedoch besser als andere.

Die Orthokieselsäure aus dem Bier ist zu immerhin 50 Prozent vom Körper nutzbar und hat damit eine hohe Bioverfügbarkeit. Bisher ist jedoch noch nie untersucht worden, welche Faktoren den Kieselsäuregehalt des Biers beeinflussen und welche Biersorten mehr oder weniger davon enthalten. Das haben nun Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Davis nachgeholt. Die Forscher um Charles Bamforth untersuchten für ihre Studie Proben von verschiedenen Bierrohstoffen, darunter Gerste und Hopfen sowie Brauhilfsstoffe wie Silikagel als Stabilisator und Kieselerde als Filtermittel.

“Die Faktoren beim Brauen, welche die Silikatgehalte beeinflussen sind bisher nie intensiv untersucht worden”, erläutert Bamforth. “Wir haben eine breite Palette von Biersorten daraufhin analysiert und auch den Einfluss der Rohstoffe und des Brauprozesses auf die Silikatmengen im Bier.”
Das Resultat: Die Schwankungsbreite im Orthokieselsäuregehalt war in den 100 getesteten kommerziellen Biersorten sehr groß, Die Konzentrationen schwankten zwischen 6,4 und 56,5 Milligramm pro Liter. Ursache für diese Unterschiede, so stellten die Wissenschaftler fest, sind zum einen das Rösten des Malzes und zum anderen der Hopfengehalt.

Helle Biere enthalten mehr Kieselsäure

Gerste ist der wichtigste Rohstoff bei der Bierproduktion und auch der wichtigste Siliziumlieferant. Das Silizium befindet sich bei der Gerste in der Schale. Hellere Biere werden mit nur leicht geröstetem Gerstenmalz hergestellt, darum wurden die Siliziumverbindungen weniger Hitzestress ausgesetzt und bleiben besser erhalten. Dunklere Biere dagegen entstehen aus stark geröstetem Malz und enthalten sehr viel weniger Silizium.

Viel Hopfen, viel Silizium
Auch der Hopfen ist eine wichtige Kieselsäurequelle für das Bier, er enthält sogar vier Mal mehr Silicium als die Gerste. Stark hopfenhaltige Biere sind deshalb auch reicher an Orthokieselsäure. “Biere mit hohen Konzentrationen von gemälzter Gerste und Hopfen sind am silikatreichsten”, stellt Bamforth fest. “Weizen enthält weniger Silizium als Gerste, weil dieses vor allem in der Hülle sitzt. Obwohl das meiste Silizium beim Mälzen in der Schale bleibt, werden doch signifikante Anteile davon als Würze extrahiert und verbleiben damit im Bier.”

Quelle:

http://www.g-o.de

Kommentar & Ergänzung:

Dass Bier eine gute Quelle für Kieselsäure ist, scheint als Erkenntnis offenbar neu zu sein. Aber was kann ich nun mit dieser Information anfangen? Bier saufen gegen Osteoporose?
Im Ernst:
Es ist seit Jahren eine höchst erfolgreiche Marketingstrategie der Nahrungsmittel-Industrie, ihre Produkte in die Nähe von Heilmitteln zu stellen.
Das kommt auch in der “Naturheilkunde-Szene” gut an, wird doch in diesen Kreisen oft der Spruch des griechischen Arztes Hippokrates (um 400 v.u.Z) zitiert:
““Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein”.
Ernährung ist ja auch eine der fünf Säulen in der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp
(Hydrotherapie, Ernährung, Pflanzenheilkunde, Bewegung, Lebensordnung). Und dass die Ernährung Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat, bezweifelt wohl auch niemand ernsthaft.
So ist es bei Meldungen über den gesundheitlichen Wert von Nahrungsmitteln oft nicht einfach zu unterscheiden, ob es sich dabei um relevante Informationen oder reine Propaganda handelt.

Zu dieser Meldung betreffend Bier als Kieselsäure-Quelle wäre noch zu ergänzen:
Der Lehrstuhl von Prof. Charles Bamforth wird von der Großbrauerei Anheuser Busch finanziert (nach www.scienceblogs.de).
Die Meldung wurde in verschiedenen Medien mit Schlagzeilen wie “Bier gegen Osteoporose” oder “Bier macht starke Knochen” überschreiben. Das sind sehr gewagte Aussagen. Vom Kieselsäure-Gehalt im Bier lässt sich nicht direkt auf eine Wirkung gegen Osteoporose schliessen.
Über die Wirkungen von Kieselsäure auf Knochen und Bindegewebe wird zwar viel geschrieben. Es fehlen dazu aber bisher auch nur annähernd überzeugende Belege. Ob also Kieselsäure sich zur Osteoporose-Prophylaxe eignet, ist völlig offen.

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Ellagsäure aus Granatapfel hemmt Brustkrebs im Labor

Samstag, Februar 13th, 2010

Die im Granatapfel enthaltene Ellagsäure hemmt das Wachstum von Brustkrebszellen. Diese Wirkung beruht auf dem Stoffwechselprodukt Urolithin B, funktioniert im Labor und bisher allerdings nur theoretisch auch im menschlichen Organismus.

Inhaltsstoffe im Granatapfel bremsen das Wachstum von Östrogen-positivem Brustkrebs. Dafür verantwortlich sind offenbar die sogenannten Ellagitannine, zu denen auch die Ellagsäure zählt, wie US-Wissenschaftler in Laborversuchen mit Zellkulturen zeigen konnten. Diese Polyphenole reduzieren das Enzym Aromatase, das männliche Sexualhormone zu Östrogen umwandelt und bei der Entstehung von Brustkrebs eine Schlüsselrolle spielt.

Die Wirkung der Ellagitannine gründet offenbar auf dem Stoffwechselprodukt Urolithin B, wie die Zellbiologen aus dem kalifornischen Duarte im Fachblatt “Cancer Prevention Research” schreiben. Allerdings benötigten die Wissenschaftler in ihren Laboruntersuchung große Mengen der Substanzen, um das Wachstum der Krebszellen zu vermindern. Menschen können solche Werte nicht erreichen, weil Ellagitannine aus dem Verdauungstrakt nur schlecht ins Blut aufgenommen werden.

Quelle:

http://diepresse.com

Originalpublikation:
”Cancer Prevention Research”, Vol. 3, S. 108-113

Kommentar & Ergänzung:

Dem Granatapfel (Grenadine, Punica granatum) werden wundersame Wirkungen zugeschrieben. So soll er Prostatakrebs und Brustkrebs hemmen, Herz-Kreislauf-Beschwerden lindern, den Blutdruck senken und gegen Entzündungen wirken, zum Beispiel gegen Gelenkbeschwerden bei Arthritis. Es gibt eine Reihe von Studien und experimentellen Untersuchungen zum Granatapfel.

Der Text im Fachblatt Cancer Prevention Research zeigt aber auch eine Tücke vieler dieser Studien: Zeigt sich eine krebshemmende Wirkung im Labor, kann daraus noch lange nicht auf eine entsprechende Wirkung bei Krebskranken geschlossen werden. Oft sind die im Labor verwendeten Dosen im lebenden menschlichen Organismus einfach nicht erreichbar, zum Beispiel wegen geringer Resorbierbarkeit aus dem Verdauungstrakt. Wenn aus dieser Studie der Schluss gezogen wird, dass Inhaltsstoffe aus Granatapfel das Wachstum von Östrogen-positivem Brustkrebs bremsen, dann stimmt das nicht. Gehemmt wurde das Wachstum von Brustkrebszellen im Labor.

Dr. med. Jutta Hübner ist Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft und Autorin des Buches “Aloe. Ginkgo & Co”, in dem sie pflanzliche Wirkstoffe auf ihre Eignung für die unterstützende Krebsbehandlung bewertet. Zum Thema Granatapfel schreibt sie:
“In verschiedenen Laborexperimenten konnten Extrakt und Öl des Granatapfels das Wachstum von Tumorzellen vermindern. Dies wurde auch in einem Tierversuch bestätigt. Eine erste Untersuchung an Patienten mit Prostatakarzinom zeigte bei fortgeschrittenen Tumoren einen verlangsamten Anstieg des Tumormarkers PSA.”

Entscheidend für Patienten mit Prostatakrebs ist aber nicht der verlangsamte Anstieg eines Laborwertes – entscheidend wäre eine Verlängerung der Überlebenszeit oder allenfalls eine Verbesserung der Lebensqualität. Dazu gibt es mit Granatapfel keine Studien. Also stellt sich die Frage nach der Aussagekraft eines verlangsamten Anstiegs des PSA-Wertes. Das Portal www.medizinauskunft.de schreibt zum PSA und zum Granatapfel:
“ Prostatakrebs-Patienten können offenbar ihren PSA-Wert wesentlich länger stabil halten, wenn sie täglich ein Glas Granatapfelsaft trinken. In einer US-Studie verlängerte das Getränk den Zeitraum, in dem sich der Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) verdoppelte, um 39 Monate auf die vierfache Zeit.
Der PSA-Wert gilt als der wichtigste Verlaufsindikator bei Prostatakrebs. Je langsamer der PSA-Wert steigt, desto besser die Prognose und Lebenserwartung. Alle Patienten der Studie hatten trotz vorheriger Operation oder Bestrahlung wieder steigende PSA-Werte, was ein Fortschreiten der Krankheit bedeutet. Während vor dem Verzehr des Granatapfelsaftes die durchschnittliche Verdoppelungszeit des PSA-Wertes bei etwa 15 Monaten lag, verlängerte der tägliche Konsum von einem Glas Granatapfelsaft die Spanne auf 54 Monate, berichtete im Juli 2006 das Team um Allan Pantuck von der University of California in Los Angeles im Journal ,Clinical Cancer Research‘.”

Das tönt ermutigend, wobei die Aussagekraft des PSA-Wertes in letzter Zeit auch in Frage gestellt worden ist (meines Wissens allerdings im Frühstadium der Erkrankung).
Zum Thema “Granatapfel und Brustkrebs” schreibt Jutta Hübner:
“Aufgrund des Phytoöstrogengehaltes ist der Einsatz von Granatapfelextrakten bei Patientinnen mit hormonsensitiven Tumoren nicht unproblematisch, da es zu einer Stimulation von Tumorzellen kommen könnte. Diese Vermutung wurde erst in einem Laborexperiment überprüft, das kein vermehrtes Wachstum von Tumoren zeigte. Trotzdem brauchen wir bei dieser wichtigen Frage erst weitere Untersuchungen, bevor wir die Einnahme von Extrakten als sicher einstufen können. Der gelegentliche Genuss eines Granatapfels ist sicherlich ungefährlich.”

Abschliessend hält Jutta Hübner fest:
“Zusammenfassend kann Granatapfel ein positiver Teil der gesunden Ernährung sein. Für die Einnahme eines Extraktes gibt es keine ausreichende Begründung. Bei Brustkrebs sind sogar negative Folgen nicht auszuschliessen; aber Granatapfelextrakt könnte günstig für eine Therapie bei Prostatakarzinom sein.”

Das Buch “Aloe, Ginkgo & Co” von Jutta Hübner können Sie im Buchshop anschauen und auch kaufen.

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