Archive for Januar, 2010
Mittwoch, Januar 20th, 2010
Im Bereich Hauterkrankungen / Dermatologie werden verschiedenste Heilpflanzen-Präparate empfohlen und angewendet.
Hier als Überblick eine überarbeitete und gekürzte Zusammenstellung aus der Universität Duisburg-Essen mit den wichtigsten Heilpflanzen bei Ekzemen, Wunden, Warzen und Fieberbläschen.
Entzündlich-nässende Dermatosen (Nässende Ekzeme)
Verwendet werden Heilpflanzen mit Gerbstoffen:
- Eichenrinde (Quercus robur, Quercus cortex)
- Hamamelisblätter und Hamamelisrinde (Hamamelis virginiana)
Ekzematöse Dermatosen
Bewährt haben sich Heilpflanzen mit Schleimstoffen oder Saponinen zur äußerlichen Anwendung
- Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor)
- Spitzwegerichkraut (Plantaginis herba, Plantago lanceolata)
- Holzteerpräparate (gewonnen aus Kiefer, Buche, Birke oder Wacholder)
- Mahonia aquifolia (Mahonie, Zierberberitze)
Innerlich kann das Öl aus den Samen der Nachtkerze oder aus Borretschsamen eingesetzt werden (Nachtkerzenöl = Oenotherae oleum, Borretschsamenöl = Boraginis oleum)
Wirksam in Nachtkerzenöl und Borretschöl ist der Gehalt an Gamma-Linolensäure.
Leichte Hautverletzungen, Wundheilungsstörungen
- Ringelblume (Calendula officinalis, Calendulae flos)
- Johanniskrautöl (Hyperici oleum)
Warzen (erfahrungsmedizinisch)
- Schöllkrautsaft (aus Chelidonium majus)
- Zitronensaft
- Zwiebelsaft
- Umckaloabo (Pelargonium sidoides, Kapland-Pelargonie)
- Knoblauchsaft
- Efeublätter (Hedera helix)
Herpes labialis (Fieberbläschen)
- Melissenblätter (Melissa officinalis, Melisae folium)
- Roter Sonnenhut (Echinacea purpurea), zur äußeren Anwendung als Salbe
Verbrennungen I. und II.Grades:
- Johanniskrautöl (Hyperici oleum)
- Ringelblume (Calendula officinalis) als Salbenverband
Kommentar & Ergänzung:
Bei nässenden Ekzemen kommen neben Eichenrinde und Hamamelis (Virginische Zaubernuss) auch andere gerbstoffreiche Heilpflanzen in Frage wie Schwarztee, Tormentill (Blutwurz) oder Walnussblätter.
Im Abschnitt Ekzematöse Dermatosen fehlt die Ballonrebe (Cardiospermum) und bei Mahonia müsste das Anwendungsgebiet präzisiert werden auf Psoriasis (Schuppenflechte) und allenfalls Akne.
Nachtkerzenöl und Borretschöl sind vor allem bei Neurodermitis (Atopische Dermatitis) zu empfehlen.
Bei leichten Hautverletzungen und Wunden wären noch zu erwähnen Chäslichrut (Malva silvestris / Malva neglecta), Hamamelis, Aloe vera und Kamille.
Im Bereich “Warzen” gibt es zahlreiche Hausrezepte, die aber kaum geklärt oder in ihrer Wirksamkeit dokumentiert sind. In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird der Schöllkrautsaft sehr geschätzt (äusserlich aufgetragen).
Bei Fieberbläschen zeigen Salbei-Extrakt und Rhabarberwurzel-Extrakt Wirksamkeit gegen Herpes-Viren, in Salben ähnlich wie Zovirax.
Bei leichten Verbrennungen eignet sich Gel aus Aloe vera.
Ausführliche Informationen zu Heilpflanzen bei Hauterkrankungen und Wunden bekommen Sie in meinem Tagesseminar zu diesem Thema.
Siehe dazu:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php
Abschliessend zu diesem Überblick der Universität Duisburg-Essen soll noch betont werden, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit zu finden. Ebenso wichtig ist es, in welcher Form die Heilpflanze zur Anwendung kommt (z. B. Tee, verschiedene Varianten von Tinktur oder Extrakt).
Es ist nämlich eine ganze Anzahl von Heilpflanzen-Präparaten im Handel, von denen ausgesprochen fragwürdig ist, ob sie überhaupt eine Wirkung haben – neben fundierten Produkten, die es natürlich auch gibt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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Tags: Akne, Atopische Dermatitis Chäslichrut Dermatologie, Ballonrebe, Birke, Blutwurz, Boraginis oleum, Borretschöl, Borretschsamen, Borretschsamenöl, Buche, Calendula officinalis, Calendulae flos, Cardiospermum, Chelidonium majus, Dermatosen, Echinacea purpurea, Efeublätter, Eichenrinde, Ekzeme, Fieberbläschen, Gamma-Linolensäure, Gerbstoffe, Gesundheitsberufe, Hamamelis, Hamamelis virginiana, Hamamelisblätter, Hamamelisrinde, Hauterkrankungen, Hautverletzungen, Hedera helix, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen-Seminar, Herpes labialis, Holzteer, Hyperici oleum, Johanniskrautöl, Kapland-Pelargonie, Kiefer, Klinik, Knoblauchsaft, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Mahonia, Mahonia aquifolia, Mahonie, Malva, Melissa officinalis, Melissae folium, Melissenblätter, Nachtkerze, Nachtkerzenöl, Naturheilkunde, neglectaAloe, Neurodermitis, Oenotherae oleum, Palliative Care, Pelargonium sidoides, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie-Ausbildung, Plantaginis herba, Plantago lanceolata, Psoriasis, Psychiatrische Klinik, Quercus cortex, Quercus robur, Ringelblume, Roter Sonnenhut, Saponine, Schleimstoffe, Schmerzen, Schöllkrautsaft, Schuppenflechte, Schwarztee, Schweiz, silvestrisMalva, Spital, Spitex, Spitzwegerichkraut, Stiefmütterchen, Tormentill, Umckaloabo, Verbrennungen, Viola tricolor, Virginische Zaubernuss, Wacholder, Walnussblätter, Warzen, Weiterbildung, Wildes Stiefmütterchen, Winterthur, Wunden, Wundheilungsstörungen, Zaubernuss, Zierberberitze, Zitronensaft, Zürich, Zwiebelsaft
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Montag, Januar 18th, 2010
In Deutschland steht ab dem 1. Februar 2010 ein neues Heilpflanzen-Präparat zur Behandlung von Unruhezuständen bei ängstlicher Verstimmung zur Verfügung.
Das Phyto-Anxiolytikum enthält einen hochkonzentrierten, standardisierten Lavendelölextrakt und ist zugelassen für die Selbstmedikation im Erwachsenenalter.
(Anxiolytikum = angstlösendes Mittel)
Das Phytopharmakon enthält nach Angaben des Herstellers ein qualitativ hochwertiges, standardisiertes Lavendelöl, in dem die wirksamkeitsrelevanten Inhaltsstoffe Linalool und Linalylacetat angereichert sind. Studien und Experimente zum Wirkmechanismus lassen vermuten, dass die präsynaptischen spannungsabhängigen Calciumkanäle gehemmt werden und dass darüber zumindest ein Teil der angstlösenden Wirkung entfaltet wird.
In einer Untersuchung wurde Lavendelöl-Extrakt bei über 200 Patienten mit nicht näher bezeichneter Angststörung über einen Zeitraum von zehn Wochen getestet. Schon nach zwei Wochen kam es unter dem hochkonzentrierten Lavendelöl-Extrakt (80 mg/Tag) zu einer statistisch signifikanten Verbesserung auf der Hamilton-Angstskala im Vergleich zu Placebo. Diese Differenz wurde von Woche zu Woche immer deutlicher und blieb immer statistisch signifikant. Nach sechs Wochen verbesserte sich auch die Schlafqualität deutlich – ein sekundärer Effekt als Folge der Anxiolyse.
Vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ist das Phytopharmakon nun zugelassen für die Therapie von Unruhezuständen bei ängstlicher Verstimmung im Erwachsenenalter. Für die Anwendung bei Personen unter 18 Jahren ist es nicht vorgesehen, weil für diese Altersgruppe keine ausreichenden Erfahrungen existieren. Die Einnahmedauer ist für den Lavendelöl-Extrakt nicht limitiert. Wenn die Symptome nach 14-tägiger Einnahme noch unverändert andauern oder sich verschlimmert haben, sollte ein Arzt konsultiert werden. Die Weichkapseln werden unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit möglichst im Stehen oder Sitzen eingenommen.
Bei den empfohlenen Dosis von 80 mg Lavendelöl täglich traten kaum unerwünschte Nebenwirkungen auf: Beobachtet werden unter Lavendelöl-Extrakt hauptsächlich Aufstoßen und Atemgeruch sowie Dyspepsie. Sedierende Effekte zeigten sich dagegen nicht.
Quelle:
http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de
Kommentare & Ergänzungen:
Seit dem die Kava-Kava-Produkte aus dem Markt genommen wurden, sucht die Phytotherapie nach überzeugenden Heilpflanzen-Präparaten, die als Anxiolytikum gegen Unruhe und Angst eine überzeugende Wirkung zeigen.
Lavendelöl wurde in diesem Zusammenhang immer wieder thematisiert.
Üblicherweise steht dabei aber die inhalative Anwendung des Lavendelöls im Zentrum oder die Applikation über die Haut.
Es existiert jedoch in der Phytotherapie auch schon seit einiger Zeit die Empfehlung, zur Behandlung von Angstzuständen Lavendelöl auf einem Würfelzucker einzunehmen, und zwar 1 – 4 Tropfen = ca. 20 – 80 mg (Schulz / Hänsel, Rationale Phytotherapie, Springer 2004).
Vier Tropfen entsprechen also den empfohlenen 80 mg Lavendelöl pro Tag, wobei das neue Weichkapselpräparat ein angereichertes Lavendelöl enthalten soll.
Allerdings ist die Einnahme von 4 Tropfen Lavendelöl auf einem Würfelzucker nicht gerade angenehm.
Meine eigenen Empfehlungen für die perorale Anwendung von Lavendelöl orientieren sich daher am unteren Rand des Dosisbereichs, also in der Regel 1 – 2 Tropfen.
Die Weichkapselform wird die Einnahme erleichtern und angenehmer machen.
Bin gespannt, ob und wann diese Lavendelöl-Kapseln in der Schweiz auf den Markt kommen.
In Deutschland kommt das Lavendelöl-Produkt unter dem Namen Lasea® auf den Markt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
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Sonntag, Januar 17th, 2010
Bis zu 70 Prozent aller Deutschen leiden zwei- bis dreimal im Monat unter Spannungskopfschmerz, meldet die Zeitung “Die Welt” und fragt, was man dagegen tun könne.
Neben Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Paracetamol, Ibuprofen und Ketoprofen finden dabei zwei Naturheilmittel Erwähnung:
“ Auch Pfefferminzöl oder Tigerbalsam, vorsichtig auf die Schläfen gestrichen, können Linderung bringen.”
Für vorübergehende Spannungskopfschmerzen sei eine kurzfristige, kontrollierte Selbstbehandlung völlig in Ordnung.
Problematisch werde es, wenn der Spannungskopfschmerz chronisch wird. Dies sei der Fall, wenn die Schmerzen mindestens drei Monate lang hintereinander mehr als 15 Tage im Monat auftreten.
Kommentar & Ergänzung:
Die Wirksamkeit von Pfefferminzöl ist in der Phytotherapie gut etabliert und dokumentiert. Menthol als Hauptbestandteil des Pfefferminzöls erregt die Kälterezeptoren in der Haut. Offenbar wird durch die “Kältemeldung” die “Schmerzmeldung” in den Hintergrund gedrängt.
Tigerbalsam dürfte wohl ähnlich wirken. Ausserdem hat er eine interessante Geschichte. Tigerbalsam (Engl. Tiger balm) wurde in den 1870ern von dem Drogisten Aw Chu Kin in Rangun entwickelt und nach dem Tod des Erfinders vom Pharmaunternehmen Haw Par Healthcare mit Sitz in Singapur industriell produziert, das seine Söhne Aw Boon Haw und Aw Boon Par gründeten und dessen bekanntestes Produkt Tiger Balm ist.
Dabei muss immer wieder einmal klargestellt werden, dass keines der Produkte Inhaltsstoffe enthält, die von Tigern stammen. Tiger Balm ist nach dem chinesischen Heilkundigen benannt, der vor 100 Jahren anfing, die Salbe serienmäßig herzustellen. Sein Vorname “Haw” bedeutet übersetzt “Tiger”.
(Quelle: Wikipedia)
Tiger-Balsam weiss (mild) enthält Menthol, Kampfer, Minzöl, Nelkenöl, Cajeputöl.
Tiger-Balsam rot (stark) enthält dazu noch Cassiaöl (durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und jungen Zweigen von Cinnamomum cassia Blume (= Cinnamumum aromaticum Nees, = Zimtkassie) gewonnen). Cassiaöl (Synomym: Kassiaöl, Kassiazimtöl).
Cassiaöl kann Hautreizungen bewirken, vor der Anwendung ist ein Allergie- und Reiztest am Innenarm empfehlenswert. Cassiaöl nicht anwenden bei Babys und Kleinkinder.
Wegen dem Menthol und dem Kampfer sind aber sowieso beide Tigerbalsam-Varianten ungeeignet für Babys und Kleinkinder.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, Januar 15th, 2010
Die Häufigkeit des Stuhlgangs liegt bei den meisten Menschen zwischen dreimal pro Tag bis zu zweimal wöchentlich. Eine Obstipation (Verstopfung) liegt dann vor, wenn jemand weniger als zweimal wöchentlich Stuhlgang hat und dabei stark pressen muss. In zahlreichen Fällen wird eine Verstopfung durch die Lebensweise der Betroffenen ausgelöst, wie beispielweise durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr, ballaststoffarme Ernährung, zu wenig Bewegung und wiederholter Unterdrückung des Stuhlgangreizes. “Daher reichen oftmals einfache Maßnahmen, wie eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Vollkornprodukten und reichlich frischem Obst und Gemüse sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Litern, um die Darmträgheit in den Griff zu bekommen”, rät Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).
Abführmittel sollten keinesfalls über einen längeren Zeitraum genommen werden, ohne dass ein Arzt die Ursachen einer Verstopfung abgeklärt hat, empfiehlt der Experte. Regelmäßige Bewegung kann die Darmtätigkeit unterstützen. Zudem sollte dem Stuhldrang immer nachgegeben werden, man sollte ihn nicht aus Zeitgründen unterdrücken, rät Prof. Raedsch. Einige Minuten Bauchmassage entlang des Dickdarms vor dem Aufstehen oder ein Glas Wasser oder Fruchtsaft in nüchternem Zustand können den Stuhldrang verstärken. Falls diese Maßnahmen keine Verbesserung bewirken, kann die Verdauung durch Quellmittel wie Leinsamen, Flohsamen und Kleie angeregt werden. Solche Ballaststoffe wirken nur, wenn genügend Flüssigkeit zum Quellen vorhanden ist. Daher muss man bei der Einnahme immer reichlich trinken, möglichst 2-3 Tassen oder Gläser à 200 ml”, empfiehlt der BDI-Experte.
Osmotisch wirksame Abführmittel wie Milchzucker oder Macrogol steigern den Wassergehalt im Stuhl, indem sie dem Organismus die Flüssigkeit entziehen. Dies sind sanfte Wirkstoffe, welche gut helfen und auch längerfristig eingenommen werden können, erläutert Prof. Raedsch.
Stimulierende Abführmittel steigern die Darmbewegung so, dass der Speisebrei rascher transportiert wird und steigern den Einstrom von Flüssigkeit und Mineralien in den Darm. Zu diesen Arzneimitteln zählen die synthetische Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat. Pflanzliche Präparate aus Sennesblättern sollten nur kurzzeitig eingenommen werden, empfiehlt Prof. Raedsch. Der Organismus verliert sonst grosse Mengen Wasser und Mineralstoffe, der Darm gewöhnt sich an die Stimulation und wird noch träger.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/
www.internisten-im-netz.de
Kommentar & Ergänzung:
Der Hinweis, Heilpflanzen-Präparate mit Sennesblättern nur kurzfristig einzusetzen, stimmt mit den Empfehlungen der Phytotherapie überein. Allerdings würde ich auch synthetische Abführmittel wie Bisacodyl (Dulcolax) und Natriumpicosulfat nur für kurzfristigen Gebrauch einsetzen.
Leinsamen, Flohsamen und Kleie eignen sich dagegen für die Langzeitanwendung. Von diesen drei Möglichkeiten würde ich Flohsamen vorziehen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Sonntag, Januar 10th, 2010
Hagebuttenpulver wird seit einigen Jahren gegen Rheuma und insbesondere bei Arthrose angewendet. Inzwischen existieren mehrere Studien zur Wirksamkeit, doch bleiben auch noch viele offene Fragen.
Die “Zeitschrift für Phytotherapie” (Nr. 5/2009) publizierte eine Übersicht zum Stand des Wissens. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
- Zum antientzündlichen Wirkungsmechanismus der Hagebutte
Das antientzündliche Wirkspektrum der Hagebutte ist vergleichbar mit demjenigen der synthetischen Schmerzmittel. Wässrige Extrakte aus der Hagebuttenscheinfrucht und der Schale waren in den In-vitro-Tests (also im Labor, im Reagenzglas) unwirksam. Im Gegensatz dazu waren lipophile Extrakte aus den Schalen der Hagebutte im COX-1- und COX-2-Assay wirksamer als Extrakte aus den Scheinfrüchten und hemmten darüber hinaus auch die LOX (Lipoxygenase).
Kommentar Koradi: Es geht hier um die Hemmung von Entzündungsstoffen (Prostaglandine, Leukotriene).
Bei Patienten mit entzündlichem Rheuma reduzierte sich der krankhaft erhöhte Wert des Entzündungsparameters CRP signifikant unter der Einnahme von Hagebuttenpulver, stieg jedoch nach Beendigung der Einnahme wieder auf die Ausgangswerte an.
In Hagebuttenpulver wurden als wirksamkeitsmitbestimmende Inhaltsstoffe neben Polyphenolen und Vitamin C auch ein Galaktolipid und verschiedene ungesättigte Fettsäuren identifiziert.
- Zur Wirksamkeit von Hagebuttenpulver
Zum Hagebuttenpulver existieren 5 Studien: 3 Doppelblindstudien bei Arthrosebeschwerden, eine Anwendungsbeobachtung bei akuten Exazerbationen chronischer Rückenschmerzen und eine Doppelblindstudie bei Patienten mit rheumatoider Arthritis.
Kommentar Koradi: Exazerbation = Verschlechterung im Krankheitsverlauf einer chronischen Erkrankung.
Ein 2006 publiziertes systematisches Review analysierte 4 Veröffentlichungen zur Wirksamkeit eines Hagebuttenpulver-Präparates bei Patienten mit Arthrosebeschwerden. Beim Auflisten der Qualitätsmerkmale dieser Studien vermuteten die Autoren, dass es sich bei den 2 Kongressbeiträgen um Subgruppenanalysen der bereits veröffentlichten Originalarbeit handelte. Ein anschließend publiziertes Review schloss sich dieser Vermutung an. Eine Meta-Analyse schloss aber die beiden Subgruppenanalysen (insgesamt 126 Patienten) als separate Studien in die Berechnung ein, sodass die Wirkgröße des Hagebuttenpulver-Präparates überschätzt wurde. Die später veröffentlichte Originalarbeit stützte sich auf 3 Originalarbeiten.
Eine Nachforschung zeigte, dass die von Rein und Mitarbeitern bei einem Kongress im Jahr 2004 präsentierten Daten nach Auskunft eines der Autoren doch eine separate Studie gewesen sein soll. Bei der Ethikkommission wurde aber nur ein Studienprotokoll ohne Amendment (Änderung, M.K.) eingereicht, obwohl die Studienpopulation und die Messinstrumente in den beiden Studien sich unterschieden. Auch sind die Kollegen des zweiten medizinischen Zentrums, das zur Studie beigetragen hatte, im Manuskript nicht erwähnt.
Die Beweislage für die Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers Litozin® bei Arthrosebeschwerden ist auf der Grundlage von 2 oder 3 explorativen Studien »mäßig« und muss bei entzündlichem Rheuma bzw. bei Rückenschmerzen wegen der Existenz von nur je einer explorativen Studie als »schlecht« eingestuft werden. Wörtlich schreiben die Autorinnen und der Autor dann: “Dennoch besteht an der Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers in Anbetracht der nachgewiesenen antioxidativen und antientzündlichen Wirkung kein Zweifel.”
Einen indirekten Hinweis auf Wirksamkeit sehen sie auch aus dem Vergleich der Responder in den Jahresstudien mit dem Hagebuttenpulver Litozin® und dem wässrigen Teufelskrallenwurzelextrakt Doloteffin® . In diesen Studien wurde dasselbe Studienprotokoll verwendet und das Konsens-Kriterium der amerikanischen Orthopädiegesellschaften OMERACT und OARSI eingesetzt. Dieses Kriterium soll zum Einsatz kommen, damit die Wirkgrößen von Arzneimitteln besser verglichen werden können. Der Prozentsatz an OMERACT-OARSI-Respondern unterschied sich zwischen den Studien nicht, sodass Litozin® Hagebuttenpulver bei Unverträglichkeit von Doloteffin® oder als Ersatz bei der Langzeitbehandlung rheumatischer Beschwerden verwendet werden könnte.
Die Autorinnen und der Autor halten jedoch fest: “Dennoch muss betont werden, dass zunächst dringend die Durchführung konfirmativer Studien erforderlich ist, um die klinische Bedeutung der beobachteten Wirkung einschätzen zu können, auch unter dem Aspekt, ob dem Hagebuttenpulver ein Platz in den von Leitlinien empfohlenen Behandlungsstrategien zusteht.”
(konfirmativ = Bekräftigend, befestigend, M.K.)
- Allgemeine Hinweise zum Hagebuttenpulver
Der Artikel schliesst mit allgemeinen Hinweisen zum Hagebuttenpulver:
Als unerwünschtes Ereignis könne während der Einnahme von Hagebuttenpulver gelegentlich eine Allergie auftreten. Eine allergische Reaktion mit einem generalisierten Hautausschlag und gastrointestinalen Beschwerden habe sich auch nach Trinken eines Hagebuttentees gezeigt.
Die ansonsten aufgetretenen gastrointestinalen Beschwerden seien teilweise durch eine nicht angepasste Flüssigkeitszufuhr bedingt. Bei Reizdarm mit Verstopfung sollen 300-500 ml Flüssigkeit bei Einnahme des Hagebuttenpulvers getrunken werden, weil die Pflanzenfasern in der Flüssigkeit quellen, wodurch das Stuhlvolumen steige und der Darmtransport im Sinne einer abführenden Wirkung angeregt werde. Bei Reizdarm mit Durchfall würden die Pflanzenfasern bei geringer Flüssigkeitszufuhr den flüssigen Darminhalt aufsaugen und linderten dadurch die Beschwerden.
Wie für alle Präparate aus pflanzlichen Fasern gelte auch für die Einnahme von Hagebuttenpulver, dass ein Abstand von 2 Stunden zwischen der Einnahme des Pulvers und der Zufuhr anderer Medikamente eingehalten werden solle, um einer verzögerten Aufnahme von Medikamenten vorzubeugen.
Quelle:
Zeitschrift für Phytotherapie 2009;
30: 227-231
DOI: 10.1055/s-0029-1242924
Sigrun Chrubasik, Cosima Chrubasik, Elena Neumann, Ulf Müller-Ladner;
Zur antientzündlichen Wirksamkeit von Pulver aus der Hagebutte
Kommentar & Ergänzung:
Dass Hagebutten plötzlich eine Bedeutung bekommen in der Behandlung von Rheuma bzw. Arthrose – wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht. Erfreulich ist zudem, dass es wissenschaftliche Bestrebungen gibt, um die Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers fundiert zu belegen. Allerdings sind die Verkaufsaktivitäten losgaloppiert, bevor auch nur im Ansatz die wichtigsten Fragen geklärt wurden. Auch sind die Hagebutten-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, nicht aber als Heilmittel angemeldet. Eine Wirksamkeit ist daher gegenüber von Heilmittelbehörden nicht dokumentiert worden.
Auch die im Artikel beschriebenen Ungereimtheiten in der Hagebutten-Forschung legen eine vorsichtige Einschätzung der Hagebutten-Wirkung nahe.
Die Autorinnen und der Autor schreiben ja:
“Dennoch besteht an der Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers in Anbetracht der nachgewiesenen antioxidativen und antientzündlichen Wirkung kein Zweifel.”
Ich vermute aufgrund der vorliegenden Daten ebenfalls, dass Hagebuttenpulver eine günstige Wirkung hat im Bereich Rheuma bzw. Arthrose. Dass aber kein Zweifel mehr besteht, scheint mir doch etwas stark ausgedrückt. Laborexperimente mit antioxidativen und antientzündlichen Effekten sagen noch wenig über tatsächliche Wirkungen an Rheumapatienten aus.
Das als wichtiger Wirkstoff der Hagebutte herausgehobene Galaktolipid soll übrigens fettliebend (lipophil) sein. Das spricht gegen eine gute Wirksamkeit von Hagebuttentee, weil sich das Galaktolipid im wässrigen Milieu wohl schlecht lösen wird.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, Januar 8th, 2010
“Die Geburt ist nicht ein augenblickliches Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang. Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden, und seine Tragödie, dass die meisten von uns sterben, bevor sie ganz geboren sind. Zu leben bedeutet, jede Minute geboren zu werden. Der Tod tritt ein, wenn die Geburt aufhört.”
Das Zitat stammt aus:
Erich Fromm, Zen-Buddhismus und Psychoanalyse, Suhrkamp Taschenbuch 1971
Nachbemerkung:
Erich Fromm (1900 – 1980) hat mich mit seinem vielfältigen, anregenden Werk schon früh fasziniert. Der deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe war ein einflussreicher Denker des 20. Jahrhunderts. In seinem Werk treffen und verbinden sich Elemente aus Judentum, Marxismus und Psychoanalyse. Er vermittelt eine Wissen darum, dass Gesundheit und Krankheit auch etwas mit dem gesellschaftlichen Umfeld zu tun haben und nicht nur eine individuelle Veranstaltung sind. Das ist ein wichtiger Aspekt, der auch in der Naturheilkunde immer wieder mal in Vergessenheit gerät.
Die Gebürtlichkeit des Menschen ist im übrigen auch ein wichtiges Thema im Werk von Hannah Arendt (1906 – 1975).
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Donnerstag, Januar 7th, 2010
Eine wahrscheinlich häufige Ursache von Depressionen sei der Bewegungsmangel, so die Wiener Psychiaterin Liane Saxer-Novotny im pressetext-Interview: “Bedingt durch das Internet und das Fernsehen und die dadurch hervorgerufene Sprachlosigkeit und damit Kritiklosigkeit in den Familien, kommt es zu Inaktivität und Isolation.” Das treffe hauptsächlich bei Jugendlichen zu.
“Von einer Depression spricht man, wenn ein Leidensdruck besteht, der länger als 14 Tage anhält. Die Menschen leiden unter einer Lust-, Freud- und Interessenlosigkeit, meist gepaart mit Antriebsmangel bis hin zur schweren Bewegungsarmut”, erläutert die Fachärztin. Zudem komme es oft auch zu Angstzuständen und einem Vermeidungsverhalten mit innerpsychischer Zurückgezogenheit.
Die Expertin kritisiert, dass es in der Bevölkerung immer noch zahlreiche falsche Vorurteile gegen den Besuch eines Psychiaters gibt. “Dabei wäre das rasche Aufsuchen des Experten von großem Vorteil, denn je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto eher ist eine Heilung zu erwarten”, betont Saxer-Novotny. “Viele Betroffene scheuen sich vor dem Arztbesuch, weil sie Depressionen mit Verrücktsein assoziieren.” Die Psychiaterin hält dies für eine völlige Missdeutung, denn bei der Depression handle es sich um eine psychiatrische Erkrankung, die mit einer Stoffwechselstörung von Neurotransmittern im Sinne eines Mangels derselben gleichzusetzen ist.
“Der Psychiater klärt zunächst in einem ausführlichen Gespräch die Situation ab und erstellt einen psychiatrischen Status.” Mit der Diagnose wird dann die Behandlung entweder medikamentös und oder auch psychotherapeutisch eingeleitet. “Der Psychiater spielt bei der Behandlung die Rolle des Arztes und führt Regie”, erläutert Saxer-Novotny.
Vielfach gebe es auch den Irrglauben, dass eine Depression einer Ursache zugeordnet werden kann, was aber nicht immer zutreffend sei, erklärt Saxer-Novotny. Statements wie “Du bist doch nicht verrückt” zählen leider immer noch zum Alltag. “Dabei ist es ist wichtig, dass man sich nicht vor der Meinung der Familie, der Freunde und Arbeitskollegen fürchtet und mit Familie und Freunden über alltägliche Probleme spricht”, erklärt die Psychiaterin.
Kontraproduktiv sei auch die Flucht in verschiedene Süchte wie Essen, Alkohol, Nikotin oder Drogen, gefährlich aber auch die Flucht in die Arbeit. Die Psychiaterin rät dazu, unwichtige Stressfaktoren aus dem Leben zu streichen und mehr darauf zu achten, die eigenen Bedürfnisse besser kennenzulernen. “Ein völliger Irrglaube ist auch, dass man über das Internet geheilt werden kann”, hält Saxer fest. Eine Depression sei eine Erkrankung, die fachkundige Behandlung erforderlich mache, erklärt die Expertin, und es sei absolut wichtig, nicht zu lange zu warten, um diese in Anspruch zu nehmen.
Die oft gehörte Meinung, man lasse sich nicht mit Medikamenten vollstopfen, könne man heute vernachlässigen, erklärt Saxer. “Moderne Therapeutika haben wenig Chemie, wirken schnell, haben kaum Nebenwirkungen und erzeugen keine Sucht. Es obliegt dem Können des Experten, den Patienten so einzustellen, dass er optimal versorgt wird.”
Die Psychiaterin empfiehlt neben der regelmäßigen körperlichen Betätigung auch einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus einzuhalten, äußere Einflüsse wie TV-Konsum und soziale Aktivitäten zu fokussieren und je nach Erfordernis zu reduzieren oder zu forcieren sowie auf eine gepflegte Sprachkultur zu achten. “Wichtig ist auch die Frage, wie man mit Aggressionen umgeht und welches Selbstwertgefühl man empfindet.”
Die heutige Gesellschaft mit ihrer Schnelllebigkeit und dem hohen Maß der Perfektionierung stelle für viele eine große psychische Belastung dar, sagt die Medizinerin. “Daher ist es wichtig, nicht nur auf die physischen, sondern auch auf die psychische Gesundheit zu achten und die Dienste von Fachexperten in Anspruch zu nehmen, wenn dies notwendig ist”, hält Saxer-Novotny abschließend fest.
Quelle:
http://www.journalmed.de/
Kommentar & Ergänzung:
1. Bewegung, die hier als Vorbeugung gegen Depressionen empfohlen wird, ist eine der klassischen fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp. Die gesundheitliche Bedeutung regelmässiger Bewegung wird inzwischen durch viele Studien bestätigt.
Ein schönes Zitat zur antidepressiven Wirkung von Bewegung gibt es von Søren Kierkegaard (1813 – 1855):
“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”
2. Aus Sicht der Phytotherapie könnte man noch ergänzen, dass bei leichten und mittelschweren Depressionen Heilpflanzen-Präparate aus Johanniskraut-Extrakt eine Option sind.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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