Archive for Januar, 2010

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Samstag, Januar 30th, 2010

Der scharfe Geschmack des Meerrettichs (syn. Armoracia rusticana) ist den meisten aus der Küche bekannt. Die Pfahlwurzel wird sowohl zum Verfeinern von verschiedenen Speisen als auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Der Name Meerrettich bedeutet “über das Meer zu uns gekommener Rettich”, wobei damit die fremdländische Herkunft und nicht das Meer an sich gemeint ist.

Der Meerrettich wächst in fast ganz Europa und zieht dabei feuchte Standorte vor. Die frische, unverletzte Wurzel enthält unter anderem als Inhaltsstoffe die Glucosinolate (Senfölglykoside) Gluconasturtin und Sinigrin. Bei Verletzung kommen die geruchlosen Senfölglykoside in Kontakt mit abbauenden Enzymen (Myrosinasen), wodurch scharf schmeckende Senföle (ca. 90% Allylsenföl) entstehen.
Die Glukosinolate besitzen antimikrobielle, krampflösende, zytotoxische und hautreizende Eigenschaften. Ebenso vielfältig sind die Indikationen:
Äusserlich wird Meerrettich bei Katarrhen der Atemwege, Myalgien und leichten Muskelschmerzen eingesetzt. Bei der innerlichen Anwendung steht die Behandlung von Atemwegserkrankungen im Vordergrund. Bei Harnwegserkrankungen (Blasenentzündung) wird Meerrettich unterstützend angewendet.

In der Volksmedizin wird die Heilpflanze auch bei Gicht, Rheuma und Erkrankungen von Leber und Galle angewendet.
Meerrettich ist Bestandteil von verschiedenen Naturheilmitteln, zum Beispiel Kernosan Meerrettich Elixier, Angocin N (Deutschland)).
Meerrettich-Honig, ein altes Hausmittel, soll bei zähem Bronchialschleim wirksam sein: 1 Teelöffel frisch geraspelte Meerrettichwurzel mit 3 Teelöffeln Honig vermischen und 3- bis 5-mal täglich je 1 Teelöffel voll einnehmen.

Literatur:
_Zeitschrift für Phytotherapie, 6/2008/p299
_Jaenicke et al.; Handbuch Phytotherapie; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2003; p356
_Van Wyk et al.; Handbuch der Arzneipflanzen; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart2004; p52

Quelle:
http://www.pharmavista.net

Kommentar & Ergänzung:

Meerrettich wird in Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde und Phytotherapie zur Behandlung von akuter Bronchitis und akuter Blasenentzündung geschätzt.
Meerrettich wirkt vor allem schleimlösend und antibakteriell bei produktivem Husten.
Für diese Indikationen wird die Meerrettichwurzel eingenommen, was aber Wissen über Dosierungen und Zubereitungsarten erfordert.
Das gilt auch für die äusserliche Anwendung als Meerrettichauflage beispielsweise bei Stirnhöhlenentzündung, Kieferhöhlenentzündung oder Kopfschmerzen. Da Meerrettich stark hautreizend wirkt, braucht die Anwendung Sorgfalt und Know-how.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

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Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Samstag, Januar 30th, 2010

Im Zusammenhang mit der Abstimmung vom 17. Mai 2009 über den Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin wurde im Parlament immer von fünf dazu gehörenden Methoden gesprochen: Homöopathie, Traditionelle chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie.
Diese fünf Methoden wurden als “Päckli” mit dem Etikett Komplementärmedizin bezeichnet.

Dieses “5er-Päckli” ist meines Erachtens ein reines Lobbying-Konstrukt. Fachlich gesehen scheint mir alles dafür zu sprechen, dass Phytotherapie nicht zur Komplementärmedizin gehört:

- Die Phytotherapie hat sich von ihrem Ursprung her aus einem medizinisch-ärztlichen Kontext heraus einwickelt. Der Begriff “Phytotherapie” wurde vom französischen Arzt Henri Leclerc (1870 – 1955) in die medizinische Wissenschaft eingeführt – als naturwissenschaftliche Fortsetzung der bis dahin praktizierten vorwissenschaftlichen “Kräutermedizin”.
Im deutschsprachigen Raum war der Internist Rudolf Fritz Weiss in den Anfängen der Phytotherapie eine zentrale Person.

- Phytotherapie in diesem Sinne strebt schon seit jeher danach, ihre Aussagen wissenschaftlich zu begründen, zu überprüfen und zu dokumentieren.

- Phytotherapie basiert auf Wirkstoffen und bewegt sich damit innerhalb der Regeln der Pharmakologie – bspw. bezüglich Wirkungsmechanismen, Resorption, Verstoffwechselung und Ausscheidung.

- Phytopharmaka müssen, damit sie von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden, ihre Wirksamkeit genauso belegen wie synthetische Medikamente. Das unterscheidet sie fundamental von komplementärmedizinischen Präparaten aus Homöopathie und Anthroposophie, welche vom Wirkungsnachweis befreit sind.

- Alle relevanten Phytotherapie-Fachbücher sehen die Phytotherapie als Teil der Medizin. So beispielsweise Schilcher et. al. im “Leitfaden Phytotherapie” (2007):
“Moderne Phytotherapie ist keine “Alternativ-Medizin”, sondern Teil der heutigen naturwissenschaftlich orientierten Schulmedizin….Die Phytotherapie verfolgt ein naturwissenschaftliches, kausales oder symptomatisches Therapieprinzip und basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.”

- Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik. Sie stützt sich auf medizinische Diagnostik.

Aufgrund dieser Facts scheint mir sonnenklar, dass Phytotherapie nicht zur Komplementärmedizin zu rechnen ist.

Dann stellt sich allerdings die Frage, wo Phytotherapie überhaupt steht.
Phytotherapie ist nämlich auch nicht völlig deckungsgleich mit Medizin und Pharmakologie. Beispielsweise handelt es sich bei Anwendungen der Phytotherapie immer um eine Multi-Target-Therapie. Siehe dazu:
Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

Ausserdem zeichnet sich die Phytotherapie aus durch ihren Naturbezug und durch die vielfältigen kulturhistorischen Bedeutungen der Heilpflanzen.

Am ehesten gehört Phytotherapie zur Naturheilkunde. Sie eignet sich aufgrund dieser Stellung ausgezeichnet zur Verbindung von Naturheilkunde und Medizin.

Dass Phytotherapie ins 5er-Päckli der Komplementärmedizin-Methoden integriert wurde, ist ein geschickter Lobbying-Schachzug, hat aber mit der Realität kaum etwas zu tun.

Diese Irreführung der Stimmberechtigten wurde möglich, weil die Schnürer des Päcklis – allen voran, leider, die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS) und die Grüne Partei der Schweiz (GPS) – dessen Inhalt gar nicht prüf(t)en, sondern Beliebigkeit und Populismus zur Handlungsmaxime machen. Würden die Propagandisten des 5er-Päckli ihre Aufgabe ernst nehmen, müssten sie sich meines Erachtens mit Unterschieden innerhalb dieser Methoden auseinandersetzen. Es würden sich dann Fragen stellen wie:
- Welche Elemente von Komplementärmedizin wollen wir?
- Welche Weltanschauungen stecken hinter den einzelnen Methoden?
- Sind diese Weltanschauungen demokratieverträglich und kompatibel mit einer offenen Gesellschaft?

Siehe auch:
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Bregriff
Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

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Seekiefer-Wirkstoff Pycnogenol lindert Hämorrhoiden-Beschwerden

Samstag, Januar 30th, 2010

Die Seekiefer (Pinus maritima, Pinus pinaster) liefert einen Wirkstoff zur Linderung von akuten Hämorrhoiden-Beschwerden.?
Der Rindenextrakt der Seekiefer hilft rasch bei akuten Hämorrhoiden-Beschwerden. Ein Wissenschaftlerteam hat in einer Vergleichsstudie aufgezeigt, dass sich Blutungen, Schmerzen im Dammbereich, Druckempfindlichkeit und Blutgerinnsel durch den Wirkstoff Pycnogenol der Pinus maritima mildern lassen, die an der französischen Atlantikküste beheimatet ist. Der Rinden-Extrakt soll Entzündungen und die Thrombosenbildung am effektivsten in der kombinierten Anwendung als Salbe und Tablette hemmen.

Pycnogenol ist ein Wasserextrakt aus der Borke der Seekiefer, welche an der Atlantikküste Frankreichs wächst und bis zu 300 Jahre alt werden kann. Seine bisherige Karriere in der Medizin basierte auf der Eigenschaft, Blutgefäße im Gehirn zu schützen, indem es dort mit aggressiven Sauerstoffmolekülen reagiert und diese so neutralisiert. Es passiert dazu als eines der wenigen pflanzlichen Antioxidantien die so genannte Blut-Hirn-Schranke, eine Barriere zwischen Blutkreislauf und Zentralnervensystem, welche das Gehirn vor Krankheitserregern und Giften schützt. In der Wirkungsanalyse stellten die Forscher durch die Anwendung von Tabletten und Salben aus dem Rindenextrakt einen Rückgang bei der Intensität und Dauer von Hämorrhoiden-Schmerzen und Hämorrhoiden-Blutungen fest. Auch die Zahl der Eingriffe und Überweisungen in Krankenhäuser sei zurückgegangen.

An der Universität G. D’Annunzio im italienischen Chieti nahmen 84 Patienten über zwei Wochen an einer Studie teil: Zwei Gruppen erhielten den Wirkstoff in unterschiedlichen Dosen und Zeiträumen verabreicht, eine dritte nur ein Placebo. Durch Pycnogenol verschwanden die Blutungen nach sieben Tagen bei den beiden behandelten Gruppen, die Teilnehmer in der Placebo-Gruppe klagten auch noch nach 14 Tagen über Blutungen. Entsprechend verbesserte sich auch die Lebensqualität der mit Pycnogenol behandelten Studienteilnehmern: Die Forscher registrierten bei ihnen deutliche Verbesserungen, wenn es um Bewegungen, Sitzen und auch die Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten ging. Die Dauer der schlimmsten Schmerzen verminderte sich hauptsächlich durch die kombinierte Anwendung von Salbe und Tabletten – zudem mussten die Patienten in den Folgemonaten weniger Komplikationen durchstehen und die Behandlungskosten reduzierten sich.

Etwa die Hälfte aller Menschen, die über 50 Jahre alt sind, haben Hämorrhoiden. Wer noch nie darunter gelitten habe, könne sich nicht vorstellen, was die Patienten durchmachen. Das Krankheitsbild habe Auswirkungen auf jeden Aspekt des Alltags. Für die Kontrolle der Symptome der Hämorrhoiden seien neben den Medikamenten auch eine Veränderung des Lebensstils und sorgsame Hygiene nötig.

Quelle: ddp/wissenschaft.de

Originalpublikation:
Peter Rohdewald (Universität Münster) et al.: Phytotherapy Research, doi: 10.1002/ptr.3021

Kommentar & Ergänzung:

Die See-Kiefer (Pinus pinaster, Syn. Pinus maritima) wird auch Bordeaux-Kiefer, Igel-Kiefer, Stern-Kiefer, Meer-Kiefer, Seestrand-Kiefer oder Strand-Kiefer genannt. Sie stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum.
Die Seestrandkiefer führt zu Unrecht ein Mauerblümchen-Dasein in der Phytotherapie. Seestrandkiefer-Extrakte bewähren sich bei der Behandlung von venösen Durchblutungsstörungen, beispielsweise bei Krampfadern und venösen Ödemen. Dem wird nun mit dem Thema Hämorrhoiden-Behandlung ein weiterer interessanter Aspekt beigefügt.

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Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Samstag, Januar 30th, 2010

Der Begriff “Komplementärmedizin” wird seit einiger Zeit ziemlich inflationär und unreflektiert verwendet. Es wäre meines Erachtens jedenfalls an der Zeit, über diesen Ausdruck genauer nachzudenken.
Auf den ersten Blick handelt es sich bei der “Komplementärmedizin” einfach um Methoden, welche die “Schulmedizin” ergänzen sollen. Kratzt man ein bisschen an dieser Oberfläche, wird das Bild sogleich komplexer.

Die kritischen Fragen an den Begriff “Komplementärmedizin” hat meiner Ansicht nach Prof. Malte Bühring bereits 1999 aufgeworfen. In einem Editorial der Zeitschrift “Forschende Komplementärmedizin” schreibt der Inhaber des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Freien Universität Berlin:

“Auch als Mitglied der Schriftleitung habe ich nie verhehlt, dass ich
dem Titel dieser Zeitschrift, nämlich dem Ausdruck «Komple-
mentärmedizin», kritisch gegenüberstehe, ich selbst hätte ihn nicht
gewählt. Komplementär sagt mir auf der einen Seite zu viel – teil-
weise auch etwas Falsches – auf der anderen Seite zu wenig……
Was habe ich gegen «komplementär»? Sehr einfach könnte man es
mit «sich gegenseitig ergänzend» übersetzen, zu einem Ergänzen
bedarf es aber mindestens zweier Akteure. Den einen Part, näm-
lich den, der ein Ergänzen zulässt, müsste ja wohl die sog. Schul-
medizin spielen. Bei dieser ist Komplementärmedizin eine unge-
liebte Braut, hier sollen wir uns und unserem Publikum nichts vor-
machen. Komplementär signalisiert einen Anspruch, der nicht zu
halten ist, an dieser Stelle sagt mir der Ausdruck zu viel.
Tatsächlich hat komplementär in diesem Zusammenhang einen ne-
gativen Bedeutungswandel erfahren. Komplementär bezeichnet
den Aussenseiter, ähnlich wie «alternativ» in der alternativen Me-
dizin. Mit alternativ wird nicht ein zusätzliches, allgemein aner-
kanntes therapeutisches Angebot neben anderen Behandlungsme-
thoden bezeichnet, sondern ebenfalls die Tatsache des Aussensei-
ters. Niemand mag sein Verfahren so bezeichnen.

Vor allem leistet «komplementär» keinen Beitrag zu einer weite-
ren Differenzierung unter den vielen Methoden ausserhalb der
medizinischen «Schule» – hier sagt mir der Ausdruck zu wenig.
Er signalisiert ein Laisser-faire und eine Beliebigkeit, die nieman-
dem nutzt. Extrem fragliche Methoden werden in der Gesell-
schaft anerkannter Verfahren aufgewertet, einigermassen plausi-
ble Konzepte werden in fragwürdiger Gesellschaft selbst fragwür-
dig.
Ähnliches geschieht jetzt in der offiziellen Gesundheitspolitik, hier
werden die klassischen Naturheilverfahren zusammen mit den
«komplementären» bzw. den «alternativen» Methoden unter
«Unkonventionelle Medizinische Richtungen» (UMR) abgehan-
delt. Ich wehre mich dagegen.”

(Forschende Komplementärmedizin 1999;6:125-126)

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat legt meines Erachtens den Finger genau auf die zwei zentralen problematischen Bereiche.

1. Der Begriff “Komplementärmedizin” verspricht zuviel.

Komplementärmedizin ist für die “Schulmedizin” immer noch eine weitgehend ungeliebte Braut. Die Gründe dafür müssten genauer unter die Lupe genommen werden. Meiner Ansicht nach macht es sich ein grosser Teil der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin zu einfach, wenn als Ursache für diese “Verschmähung” ausschliesslich Borniertheit seitens der “Schulmedizin” angenommen wird.

Meiner Überzeugung nach muss die Komplementärmedizin die eigenen blinden Flecken anschauen, wenn sie als Braut attraktiver oder auch nur genehmer werden will. Dazu gehören zum Beispiel Heilslehren, dogmatische Systeme und Gurutum, die in weiten Bereichen der Komplementärmedizin verbreitet sind. Diese Bereiche werden meines Erachtens nie kompatibel sein mit dem medizinischen System. Hier braucht es sehr viel mehr kritische Auseinandersetzung und Klärung innerhalb der Komplementärmedizin.

Statt dessen versucht die Komplementärmedizin die Anerkennung als “Braut” auf politischem Weg zu erzwingen. Kern dieses Versuches war die Volksabstimmung vom 17. Mai 2009 und ist jetzt die politische Umsetzung des Ergebnisses. Meiner Ansicht nach spricht sehr viel dafür, dass dieses Bestreben scheitern wird. Naturheilkunde und insbesondere die Homöopathie wurden schon einmal massiv politisch gefördert – im Nationalsozialismus. Ziel war damals die Vereinigung von Naturheilkunde und Schulmedizin zur Neuen Deutschen Heilkunde. Es wurden zahlreiche homöopathischen Krankenhäuser aufgebaut und grosse Summen aufgewendet insbesondere für die Erforschung der Homöopathie, aber auch der “Schüssler Salze” (Menschenversuche im Konzentrationslager Dachau). Dieses Projekt erlitt vollkommenen Schiffbruch.
Wer an ausführlicheren Informationen über die unheilsame Verbindung von Naturheilkunde & Nationalsozialismus interessiert ist, dem bzw. der empfehle ich mein Tagesseminar:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php.

2. Der Begriff “Komplementärmedizin” sagt zuwenig aus. Sehr zu recht kritisiert Prof. Malte Bühring meines Erachtens die Beliebigkeit und die mangelnde Differenzierung, die mit dem Begriff “Komplementärmedizin” einher geht. Im “Päckli” Komplementärmedizin sind ausserordentlich unterschiedliche Theorien und Weltbilder enthalten. Nötig wäre hier eine sorgfältige Differenzierung und eine offene Auseinandersetzung darüber, welche Art von Komplementärmedizin wir denn eigentlich wollen. Ich halte es hier gerne mit einer Aussage von Bruno Kesseli, dem Chefredaktor der Schweizerischen Ärztezeitung. Er schrieb in der Ausgabe 2006;87: 3):

“Komplementärmedizin… als Gesamtpaket zu befürworten oder zu verdammen ergibt…….etwa soviel Sinn, wie Pilze generell für geniessbar oder giftig zu erklären. Genau diese Haltung scheint aber einigermassen verbreitet zu sein.”

Die Komplementärmedizin-Lobby hat rund um die Abstimmung vom 17. Mai ein Päckli mit den fünf Methoden Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie geschürt, ohne dass die politischen Parteien sich mit dem Inhalt differenziert auseinandergesetzt haben.
Auf dieses Päckli trifft meines Erachtens genau die folgende Aussage von Prof. Malte Bühring zu:

“Extrem fragliche Methoden werden in der Gesell-
schaft anerkannter Verfahren aufgewertet, einigermassen plausi-
ble Konzepte werden in fragwürdiger Gesellschaft selbst fragwür-
dig.”

Meiner Ansicht nach wäre es die Pflicht der Politikerinnen und Politiker, dieses 5er-Päckli aufzuschnüren und differenziert zu betrachten.

Fachlich gesehen ist es schon einmal sehr fraglich, ob Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen ist.
Siehe dazu:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/01/30/gehoert-phytotherapie-zur-komplementaermedizin.html

Ausserdem wäre m. E. eine offene Diskussion über weltanschaulichen Aspekte nötig. Anthroposophische Medizin beispielsweise basiert auf der Vorstellung, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in einem früheren Leben ausgelöst werden. Meines Erachtens gehört es zu den “Würden der Moderne”, dass Krankheit und Behinderung nicht mehr mit Schuld verbunden sind. Der Anthroposophischen Medizin aber geht es um eine Remoralisierung von Krankheit und Behinderung. Details siehe:
Kritische Fragen zur Förderung der Anthroposophischen Medizin:
Abstimmung Komplementärmedizin: Kritische Fragen an Simonetta Sommaruga zur Förderung der Anthroposophischen Medizin

Wenn nun Anthroposophische Medizin ins Medizinstudium eingebaut und via Grundversicherung bezahlt werden soll, braucht es meines Erachtens eine offene Diskussion darüber, ob wir eine solche Remoralisierung wollen.
Auf der politischen Ebene sind es (leider!) ausgerechnet die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS) und die Grüne Partei der Schweiz (GPS), welche am undifferenziertesten mit dem Thema Komplementärmedizin umgehen. SPS und GPS zeigen in diesem Bereich eine gehörige Portion an Beliebigkeit und Populismus. Ich würde von diesen Parteien eine differenziertere Betrachtung erwarten entsprechend dem Zitat von Bruno Kesseli. SPS und GPS treten nämlich bisher so auf, als ob alle (Komplementärmedizin-) Pilze essbar wären. Das scheint mir sehr naiv.

Siehe auch:
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck
Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Grossbritannien: Kampagne gegen Homöopathie

Samstag, Januar 30th, 2010

Die “Campaign 10:23” in Großbritannien will am kommenden Samstag, dem 30. Januar ab 10.23 Uhr im ganzen Land gegen die Homöopathie demonstrieren. Die Demonstranten haben vor, sich in den Filialen der Apothekenkette Alliance Boots zu treffen, welche seit letztem Jahr Homöopathika verkauft.

Der Name der Kampagne verweist auf die Avogadrosche Zahl oder Loschmidtsche Konstante, welche besagt, dass in einem Mol ca. 6 x 10²³ Moleküle oder Atome vorhanden sind. Das heisst, dass in einem homöopathischen Mittel der Potenz D 23 kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr vorhanden ist, oder wie die Briten sagen: “Homeopathy: There‘s nothing in it”. Solche Mittel können also keine Wirkung entfalten, es sei denn, die Wirkung beruht auf einem nicht stofflichen Prinzip.

Alliance Boots hatte letztes Jahr die Homöopathika in ihr Sortiment aufgenommen, weil viele Kunden an ihre Wirksamkeit glauben. Die Firma selbst vertritt allerdings nicht diese Position. Dass Alliance Boots also wider besseres Wissen aus Gewinnstreben unwirksame Arzneimittel verkauft, empört viele Briten. Um die Unwirksamkeit von Homöopathika zu zeigen, wollen die Demonstranten am 30. Januar in den Boots-Filialen öffentlich den Inhalt einer ganzen Packung Globuli auf einmal schlucken, “a mass homeopathic overdose”. Nach dem Prinzip “keine Wirkung ohne Nebenwirkung” müsste die Überdosis eine Vergiftung bewirken. Treten jedoch keine Vergiftungserscheinungen auf, beweist dies nach Meinung der Demonstranten die Unwirksamkeit der Globuli.

Den Akteuren der Kampagne geht es nicht bloss ums Prinzip, sondern um praktische Gesundheitspolitik. Alljährlich zahlt der staatliche Gesundheitsdienst NHS etwa 4 Millionen Pfund für Homöopathika. Dieses Geld könnte nach Ansicht der Akteure besser für andere Zwecke eingesetzt werden; zum Beispiel könnten damit die Löhne von nahezu 200 Krankenschwestern bezahlt werden.
Auch außerhalb Großbritanniens, vor allem in Australien finden Aktionen der “Campaign 10:23” statt.

www.1023.org.uk

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/

Kommentar & Ergänzung:

Die Argumente dieses Protestes scheinen mir ziemlich langweilig. Es bestreitet doch gar niemand, dass bei Homöopathika ab einer Verdünnung von D 23 kein Molekül Wirkstoff mehr vorhanden ist.
Meines Erachtens würden sich viel interessantere Fragen stellen.
Als Erklärung, weshalb ein Mittel wirken könne, das keinen Wirkstoff mehr enthält, hört man aus der Homöopathie heutzutage oft den Hinweis auf ein “Wassergedächtnis”. Wasser soll also eine Art von Gedächtnis haben, welches die Information des ursprünglich vorhandenen Mittels aufbewahrt, auch wenn das Mittel selbst längst “herausverdünnt” wurde.

Hier beginnen die interessanten Fragen:

Nimmt man den gegenwärtigen Wissensstand der Physik zum Massstab, dann besitzt Wasser zwar eine Art von “Ordnungsgefüge”, doch ist dieses sehr viel kurzlebiger als ein Augenblick. Sollte Wasser tatsächlich ein über längere Zeiträume stabiles Ordnungsgefüge besitzen, das als eine Form von Gedächtnis dienen könnte, dann wären wichtige Teile der Physik falsch. Weil das als Flüssigkeit produzierte Homöopathika in der Regel auf ein Milchzucker-Globuli aufgesprüht wird, müsste dann auch der Milchzucker ein Gedächtnis haben. Davon ist aber in der Homöopathie meines Wissens nicht die Rede und es ist auch kaum vorstellbar. Wo also bleibt das “Wassergedächtnis”, wenn die Flüssigkeit auf das Globuli aufgesprüht wird und anschliessend verdunstet?

Und warum ist das “Wassergedächtnis” so selektiv, dass es nur die erwünschte Heilkraft der entsprechenden Substanz erinnert? Wasser “erlebt” doch sehr viel und kommt mit unzähligen Substanzen in Kontakt? Bei höheren Verdünnungsstufen enthält das Lösungsmittel als Verunreinigungen zudem unzählige Substanzen in Konzentrationen, die um ein vielfaches höher sind als die Konzentration der Ausgangssubstanz. Wie “weiss” das “Wassergedächnis”, welche Information es speichern und weitergeben muss? Kann es tatsächlich selektiv nur das Erwünschte erinnern?

Interessant wäre auch die Frage, weshalb ein Teil der Patientinnen und Patienten durch Homöopathie eine Besserung ihrer Beschwerden erlebt, obwohl es deutliche Hinweise darauf gibt, dass die Globuli als solche keine Wirkung entfalten. An diesem Punkt könnte man wohl sehr viel lernen über Wert und Wirksamkeit der therapeutischen Beziehung und auch über die Heilkraft von Ritualen. Leider klammern meinem Eindruck nach viele Homöopathinnen und Homöopathen diese Aspekte ihrer therapeutischen Arbeit aus und versteifen sich auf die Vorstellung, dass es unbedingt und nur das Globuli sein muss, das in der Homöopathie wirkt.
Da kommt mir manchmal eine groteske Pillengläubigkeit entgegen.
Werden die erwähnten Beziehungsaspekte im therapeutischen Prozess ausgeblendet oder in ihrer Bedeutung verkleinert, dann verpasst man meines Erachtens oft die Chance, mit dieser wichtigen Ebene bewusst umzugehen.

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Moderater Weinkonsum soll die Gefässe bei Diabetes gesund erhalten

Samstag, Januar 30th, 2010

Wie Wein die Beschaffenheit und Funktion der Blutgefäße von Typ-2-Diabetikern beeinflusst, wurde in einer seit 2007 laufenden Studie des Universitätsklinikums Köln, einer Diabetes-Praxis in Bad Neuenahr-Ahrweiler und dem Marienkrankenhaus in Soest untersucht. Die nun vorliegenden Endresultate bestätigen, dass Weinkonsum die Gefäße schützen kann.
Die Ergebnisse wurden bei einem Herzkongress in Barcelona vorgestellt. 22 männliche übergewichtige Diabetiker konsumierten über sechs Wochen jeweils zur Mahlzeit 3dl Rotwein oder Weißwein. Resultat: Beide Weinarten bewirkten eine signifikante Erhöhung der Endothelialen Progenitorzellen und der Gefäßfunktion.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Wein war schon in manchen früheren Zeiten ein wichtiges Heilmittel.
Im antiken Rom war die Schule der Methodiker unter anderen deshalb so beliebt, weil diese Ärzte als Therapie vor allem Bäder, Wein und Wasserkuren verschrieben. Naturheilkunde pur also…..

Das ist eine sehr kleine Studie mit entsprechend beschränkter Aussagekraft, doch ist das Resultat interessant genug, um darüber nachzudenken. Offen bleibt nach diesem Bericht die Frage, welche Inhaltsstoffe des Weines denn diese Schutzwirkung bei Diabetes entfalten könnten – falls eine solche tatsächlich vorhanden ist. Alkohol? Polyphenole? Das wäre interessant nicht zuletzt im Hinblick auf die Frage, ob roter Traubensaft und / oder weisser Traubensaft ähnliche Effekte besitzt.

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Phytotherapie: Mutterkraut gegen Migräne

Freitag, Januar 29th, 2010

Mutterkraut, Feverfew, Falsche Kamille: Die volkstümlichen Bezeichnungen lassen schon das Aussehen und die verschiedenen Anwendungsbereiche des Mutterkrauts erahnen. In der Tat wird Tanacetum parthenium L. (= Chrysanthemum parthenium) von Laien wegen der Ähnlichkeit der Blüten und des campherartigen Geruchs oft mit der Echten Kamille (Matricaria recutita) verwechselt.
Tanacetum parthenium L. zählt zur Familie der Asteraceae (Korbblütler), stammt ursprünglich aus Südosteuropa und ist in ganz Europa, Australien und Nordamerika verbreitet. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl mit L-Campher als Hauptbestandteil und Sesquiterpenlactone wie Parthenolid. Für Heilzwecke genutzt werden die getrockneten, ganzen oder geschnittenen oberirdischen Pflanzenteile. Die Europäische Pharmakopöe schreibt einen Mindestgehalt von 0.2% Parthenolid bezogen auf die getrocknete Heilpflanze vor.
Mutterkrautextrakte wirken unter anderem entzündnungswidrig und antibakteriell. Parthenolid und Mutterkraut-Extrakte reduzieren die Thrombozytenaggregation, die Prostaglandinsynthese, die Histaminfreisetzung aus Mastzellen und die Kontraktiliät der glatten Gefässmuskulatur.
Hauptanwendungsbereiche sind Migräne, Arthritis und rheumatische Erkrankungen. Seit dem Altertum wird Mutterkraut auch bei Frauenleiden eingesetzt (unter anderem gegen Menstruationsbeschwerden).
Im Brennpunkt des Interesses steht gegenwärtig die Verwendung zur Migräneprophylaxe. Diese Wirkung wird dem Parthenolid zugeschrieben, wobei der Wirkmechanismus noch nicht vollständig bekannt ist. Die Indikation Migräneprophylaxe ist in der ESCOP-Monografie aufgeführt (European Scientific Cooperative On Phytotherapy). In der Schweiz ist ein entsprechendes Präparat erhältlich.
Parthenolid und die anderen Sesquiterpenlactone sind allerdings potente Allergene. Hautkontakt mit Mutterkraut löst nicht selten eine Kontaktdermatitis aus. Personen mit einer Kontaktallergie gegen Asteraceae (Korbblütler) ist von der Anwendung von Mutterkraut abzuraten. Schwangerschaft und Stillzeit sind ebenfalls Kontraindikationen für Mutterkraut.
Literatur:
_PTA-Forum 12/2009/p34
_M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; 5. Auflage 2009; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p650
_D. Frohne; Heilpflanzenlexikon; 8. Auflage 2006; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p483
_Jänicke et al.; Handbuch Phytotherapie; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p375

Quelle:

http://www.pharmavista.net

Kommentar & Ergänzung:

Mutterkraut wurde schon von Dioskurides im 1. Jahrhundert als Heilpflanze beschrieben. Im Mittelalter wurde es gegen Fieber und Kopfschmerzen verwendet. Der Name kommt von seiner früheren Verwendung bei Erkrankungen der Mutter (Gebärmutter). Mutterkraut soll Schwangerschaftsbeschwerden lindern, die Menstruation auslösen und die Ablösung der Plazenta bewirken.
Diese gynäkologischen Indikationen sind aber nicht belegt, während es für die Anwendung zur Migräneprophylaxe einige wissenschaftliche Studien gibt.

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Umckaloabo: Europäisches Patentamt widerruft Patent

Dienstag, Januar 26th, 2010

Das Europäische Patentamt (EPA) widerruft ein Patent des Karlsruher Pharmaunternehmens Schwabe für das Erkältungsmittel Umckaloabo. Das Verfahren zur Extraktion der Wirkstoffe aus südafrikanischen Umckaloabo-Pflanzen (Pelargonium sidoides, Kapland-Pelargonie) sei patentrechtlich keine Erfindung, erklärte ein EPA-Sprecher in München. Die Technik sei schon «ausreichend vorbekannt» gewesen. Nach Angaben des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) ist das Verfahren auch bereits in einschlägigen Handbüchern beschrieben. Der EED bezeichnete die Entscheidung als «großen Erfolg im Kampf gegen Biopiraterie».

Die Firma Wilmar Schwabe kann Beschwerde gegen die Entscheidung einlegen. Sollte der Widerruf des Patents rechtskräftig werden, können sich auch andere Produzenten der Methode der Extraktion aus den Pelargonium-Pflanzen bedienen. Das Umckaloabo-Präparat wird in Deutschland von Spitzner Arzneimittel in Ettlingen vertrieben, einem Tochterunternehmen von Schwabe.

Gegen das im Jahr 2007 der Firma Dr. Willmar Schwabe GmbH aus Karlsruhe erteilte Patent hatte ein internationales Aktionsbündnis aus einer lokalen südafrikanischen Gemeinschaft, Wettbewerbern und mehreren Nichtregierungsorganisationen (NGO) Einspruch eingelegt. Während die Schwabe-Konkurrenten technische Patentierungskriterien nicht erfüllt sahen, begründeten die NGOs ihren Einspruch mit ethischen Gründen. Nach Angaben des Evangelischen Entwicklungsdienstes stellen Bewohner von Lesotho und des südafrikanischen Ortes Alice traditionell aus den Wurzeln der dort wachsenden Kapland-Pelargonie Tinkturen gegen Entzündungen der Atemwege und Tuberkulose her. Gründend auf diesem Wissen habe die Karlsruher Firma Schwabe das Mittel Umckaloabo entwickelt und verkaufe es zur Behandlung von Bronchitis, Husten, Erkältung und anderen Leiden der Atemwege. Damit verdiene die Firma am traditionellen Wissen der Afrikaner, ohne diese angemessen am Gewinn zu beteiligen.

Nach früheren Informationen des Pharmaunternehmens Schwabe unterscheidet sich der patentierte Extraktionsprozess bei Umckaloabo dagegen völlig von der traditionellen Herstellung der Tinktur. Dadurch liessen sich bestimmte Wirkstoffe gewinnen und andere herausfiltern, wodurch die Wirksamkeit und Verträglichkeit erhöht werden könne.

Eine Reaktion der Firma Schwabe auf die Entscheidung des Europäischen Patentamtes war zunächst nicht zu bekommen. Der EED forderte als Konsequenz aus der Entscheidung, im Rahmen der Welthandelsorganisation oder der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) eine Rechtsgrundlage zu schaffen, die ähnliche Patente verhindere. Die Interessen der Menschen in den Entwicklungsländern müssten gestärkt werden, erklärte EED-Sprecher Michael Frein.

Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.de / dpa, 26. 01. 2010

Kommentar & Ergänzung:

1. Das Thema Biopiraterie verdient meines Erachtens grosse Aufmerksamkeit. Es darf nicht sein, dass Pharmafirmen traditionelles Wissen ausbeuten, darauf basierende Präparate patentieren und den damit erzielten Gewinn vollständig für sich behalten. Das gilt selbstverständlich auch für Hersteller von Phytopharmaka, weshalb wir auch im Bereich von Phytotherapie / Pflanzenheilkunde in dieser Hinsicht wachsam sein sollten.

2. Ich kann nicht beurteilen, ob das Verfahren von Schwabe zur Herstellung des Umckaloabo-Extraktes gegenüber der traditionellen Herstellung ausreichend innovativ ist, um eine Patentierung zu rechtfertigen. Das Schwabe-Produkt basiert auf einem Fluidextrakt, was nicht identisch ist mit einer Tinktur.

3. Neuentwickelte synthetische Arzneistoffe lassen sich verhältnismässig einfach patentieren. Bei Heilpflanzen-Präparaten ist das schwieriger. Sie enthalten häufig unzählige Inhaltsstoffe, die zudem aus der Natur stammen und daher nicht von einem Pharma-Hersteller erfunden worden sind.
Produzenten von Phytopharmaka versuchen deshalb oft, ihr spezifisches Extraktionsverfahren zu patentieren.
Wenn sich die Herstellungsverfahren verschiedener Hersteller unterscheiden, entstehen auch unterschiedliche Heilpflanzen-Präparate, auch wenn es sich um dieselbe Heilpflanze handelt.
Wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkungen eines bestimmten Extraktes lassen sich daher nicht auf Extrakte der Konkurrenten übertragen.
Für die Hersteller von Phytopharmaka ist es daher sehr wichtig, dass sie die von ihnen entwickelten Extrakte patentieren können. Nur so lässt sich sicherstellen, dass Forschungsaufwendungen hauptsächlich dem eigenen Produkt zugute kommen und nicht auch der Konkurrenz.
Es ist daher kein Zufall, dass die Umckaloabo-Forschung weitgehend von der Firma Wilmar Schwabe finanziert wurde, welche das einzige Patent für Umckaloabo-Extrakt inne hatte.
Wird der Firma Schwabe das Umckaloabo-Patent abgesprochen ist zu befürchten, dass die Umckaloabo-Forschung einschläft.

4. Zu mindestens in der Schweiz gibt es zahlreiche Hausspezialitäten von Apotheken und Drogerien auf der Basis von Umckaloabo-Tinktur, also unabhängig von Schwabe.
Bei diesen Produkten sehe ich keine Hinweise auf Entschädigungen an die Inhaber des traditionellen Umckaloabo-Wissens in Südafrika.
Meines Erachtens spricht auch auf dem Hintergrund der neuesten Entwicklung viel dafür, Umckaloabo von Schwabe vorzuziehen, wenn man Umckaloabo einsetzen will.
Dies weil Schwabe die Umckaloabo-Forschung trägt und sein Produkt dadurch mit Abstand am besten bezüglich Wirksamkeit dokumentiert ist, und weil Schwabe in Südafrika zu mindestens ein Entwicklungsprojekt zugunsten der Bevölkerung laufen hat. (www.umckaloabo.de).

Berücksichtigt man alle erwähnten Aspekte, so ist diese Auseinandersetzung sehr komplex und nicht einfach zu beurteilen. Bleiben wir dran.

Nachtrag am 27. 1. 2010:

Die “Ärztezeitung” berichtet ergänzend noch über Aussagen der Schwabe-Tochter Spitzner:

“Für das Unternehmen habe der vorläufige Widerruf des Patents allerdings keine schwer wiegenden Folgen, sagte Dr. Traugott Ullrich von Spitzner zur “Ärzte Zeitung”. Denn das Medikament sei bereits 20 Jahre vor Erteilung des Patents erfolgreich auf dem Markt gewesen und besitze eine Zulassung als Arzneimittel. Und eben diese Zulassung sei im Schutz vor Wettbewerbern weitaus wichtiger als das Patent. Dennoch werde man mit großer Wahrscheinlichkeit ins Beschwerdeverfahren gehen.
Ullrich weist aber vor allem darauf hin, dass eben nicht – wie vom Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) behauptet – ein Fall von Biopiraterie vorliege. Das EPA habe eindeutig klargestellt, dass sich das Unternehmen in allen Punkten im gesetzlich vorgegeben Rahmen bewege und kein traditionelles Wissen gestohlen habe.”
(Quelle: www.aerztezeitung.de)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Apfel-Pektine fördern Verdauung

Samstag, Januar 23rd, 2010

Eine Untersuchung an Ratten veranlasst Forscher zu der Annahme, dass der Genuss von Äpfeln auch das Verdauungssystem von Menschen stärken kann.

Der regelmäßige Konsum von Äpfeln stärkt das Verdauungssystem und damit die Gesundheit von Ratten – und wahrscheinlich auch von Menschen. Zu diesem Resultat sind Mikrobiologen um Tine Rask Licht vom Lebensmittel-Forschungsinstitut der Technischen Universität Kopenhagen gekommen, nachdem sie ihren Versuchstieren eine systematische Apfel-Diät in jeder nur erdenklichen Form verabreicht hatten: Die Ratten frassen über einen längeren Zeitraum ganze Äpfel, Apfelsaft, Apfelmus und auch Pressrückstände von Apfelsaft.
Pektine fördern nützliche Bakterien
Die Wissenschaftler sehen die in Äpfeln und anderen Früchten enthaltenen Pektine als mögliche Ursache. Pektine sind für den Menschen unverdauliche Ballaststoffe, können jedoch von manchen Bakterien genutzt werden. Die pektinreiche Ernährung habe die Menge nützlicher Bakterien im Verdauungstrakt der Nager erhöht, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal “BMC Microbiology”. Diese Bakterien stellten zum einen bestimmte Buttersäure-Ester her, welche den Zellen der Darmwand als Treibstoff dienen. Wenn Äpfel über längere Zeiträume gegessen würden, schienen die Bakterien zudem die Herstellung kurzkettiger Fettsäuren zu fördern, was eine günstige Balance von Mikroorganismen im Darm sicherstelle.
Es brauche allerdings noch weitere Forschungsarbeiten, um zu klären ob auch das Verdauungssystem von Menschen in ähnlicher Weise reagiere wie dasjenige der Nagetiere. Die bisherigen Resultate legten jedoch bereits nahe, dass “Europas beliebteste Obstsorte einen wohlverdienten Platz in unserer Fünf-pro-Tag-Strategie einnimmt”. “Fünf-pro-Tag” ist der Name der internationalen Kampagne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit der Aufforderung, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu verzehren.
Quelle:
http://www.n-tv.de / dpa

Kommentar & Ergänzung:
Für Äpfel als Gesundheitsprodukt wird wenig Propaganda gemacht. So gerät der Spruch “An apple a day keeps the doctor away” etwas in Vergessenheit.
Damit will ich den Apfel nicht als Universalheilmittel darstellen. Aber angesichts der unaufhörlichen Propagandawelle für Nahrungsergänzungsmittel scheint mir ein gelegentlicher Hinweis auf den Wert von ganz gewöhnlichen Lebensmitteln nützlich. Neben Pektin bietet ein Apfel auch Vitamine und Flavonoide wie beispielsweise Quercetin, das zu den Antioxidantien zählt und als Radikalfänger wirkt.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde und auch in Phytotherapie und Naturheilkunde werden Apfel-Pektine bei akutem Durchfall (Diarrhoe) eingesetzt:
“Pektin wird gegen akute Diarrhoe eingesetzt. Die einfachste Form, dem Organismus Pektine zuzuführen, ist die Moro-Apfeldiät: 1 – 1,5 kg rohe, geriebene Äpfel über den Tag verteilt essen. Zur Verhütung der Bräunung kann Zitronensaft zugesetzt werden.” (Theodor Dingermann / Rudolf Hänsel / Ilse Zündorf; Pharmazeutische Biologie, Springer Verlag 2002).

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Pflanzenheilkunde: Zwiebelsirup löst Schleim bei Husten

Donnerstag, Januar 21st, 2010

Gegen Husten kommt in der traditionellen Pflanzenheilkunde unter anderem der Zwiebelsirup erfolgreich zum Einsatz. Überraschenderweise schmeckt ein Zwiebelsirup Kindern selbst in einer rohen Variante oft relativ gut. Als sekretlösendes Mittel wird eine gewürfelte Zwiebel mit zwei Esslöffeln Zucker bestreut und zwei Stunden in einem Glas stehen gelassen, bis sich ein süsser Sirup bildet. Die Dosis von ein bis zwei Esslöffeln Zwiebelsirup mehrmals täglich soll das Abhusten fördern.

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