Archive for Dezember, 2009

Wesen und Signatur der Heilpflanzen – Gänseblümchen….

Montag, Dezember 21st, 2009

Das “Wesen” der Heilpflanze soll für deren Heilwirkung verantwortlich sein. So höre ich es in letzter Zeit ab und zu von wohl eher leichtgläubigen Leuten. Auf Nachfrage konnte mir jedenfalls niemand auch nur einigermassen genauer erklären, was er oder sie denn mit dem “Wesen” meint.
Kürzlich versuchte mir gar eine Heilpraktikerin das “Wesen” des Gänseblümchens zu beschreiben, wie sie es einem Pflanzenbuch entnommen hatte:

Das Wesen des Gänseblümchens sei auf die Bewahrung der kindlichen Unschuld und Reinheit gerichtet. Es versuche sich vor Befleckung durch schuldhaft Verstrickungen, wie sie zum Älterwerden gehören, zu behüten. So scheu und verletzlich es auch sei, könne es dennoch grosse Kräfte freisetzen, um die Folgen von Übergriffen auf seine seelische und körperliche Unversehrtheit zu heilen….

Ich habe ziemlich gestaunt ob dieser angeblichen Wesensbeschreibung. Das “Wesen” ist ein sehr komplexer Begriff. Ob es ein Wesen der Dinge gibt und ob und allenfalls wie es wir Menschen erkennen können, darüber gibt es in der abendländischen Geschichte sehr unterschiedliche Auffassungen. Doch mit solchen Details hat sich meine Berichterstatterin nicht herumgeschlagen. “Das Wesen der Heilpflanzen” – das tönt so tiefsinnig, dass genaueres Nachfragen wohl die positiven Schwingungen stören würde…..aber ich will ja nicht “gifteln”. Mir ist es durchaus ernst mit diesen Fragen und ich möchte nur folgendes zu bedenken geben:
Wenn denn ein Wesen des Gänseblümchens existieren sollte, dann würde es bei diesem Wesen meines Erachtens um das Gänseblümchen gehen, und nicht um uns.

Die Wesensbeschreibung, die meine Berichterstatterin mir übermittelt hat, dreht sich aber voll um den Menschen. Das Wesen des Gänseblümchens sei auf die Bewahrung der kindlichen Unschuld und Reinheit ausgerichtet….
Schuld und Unschuld sind meiner Ansicht nach in der Menschenwelt verortete Phänomene. Mit den Heilpflanzen generell und mit dem Gänseblümchen im Besonderen haben sie meines Erachtens gar nichts zu tun. Und ob es zum Wesen des Gänseblümchens gehört, dass es scheu ist, würde ich sehr bezweifeln. Es gibt scheue Menschen und auch scheue Katzen. Aber wenn Scheuheit zu Wesen des Gänseblümchens gehört, dann sind alle Gänseblümchen von Natur aus scheu….

Hier werden menschliche Phantasien, Interpretationen, Projektionen und Assoziationen dem Gänseblümchen “untergejubelt” und dann einer leichtgläubigen Szene als “Wesen” des Gänseblümchens verkauft.

Bevor man einen solch komplexen Begriff wie das “Wesen” verwendet, sollte man meines Erachtens klären, was man damit meint. Sonst redet man vollkommen aneinander vorbei. Sprechen wir vom “Wesen” im Sinne von “Charakter”, dann bewegen wir uns klar im Bereich von Zuschreibungen bzw. Interpretationen. In diesem Sinne sagt man zum Beispiel von einer bestimmten Pferderasse, sie habe ein gutmütiges Wesen. Das ist eine menschliche Beurteilung, die meines Erachtens mit dem Pferd an sich wenig zu tun hat.
Versucht man den Begriff des “Wesens” eher von seiner philosophischen Tradition her zu fassen, geht es dabei um einen ewig gleichbleibenden Kern, der unabhängig von aller Wahrnehmung, Interpretation, Projektion oder Assoziation existiert.

Das Wesen eines Tisches ist dann das, was der Tisch “an sich” ist, also unabhängig von aller Wahrnehmung und Interpretation. Wenn jemand nun behauptet, in diesem Sinne das “Wesen” einer Heilpflanze zu erkennen, dann ist das eine ziemlich fragwürdige Behauptung. Man sagt damit nämlich, dass man den Wesenskern erfassen kann, unabhängig von der eigenen Wahrnehmung und Perspektive, und unabhängig von eigenen Phantasien etc. Darin steckt meines Erachtens ein sehr fragwürdiger Objektivitätsanspruch und eine ziemlich dogmatische Grundhaltung.

Darum überrascht es mich auch nicht, dass Beschreibungen vom Wesen der Heilpflanzen, von denen ich höre, fast ausnahmslos als absolute Wahrheiten daher kommen. Fragezeichen, Diskussion unterschiedlicher Sichtweisen, kritische Reflektion von Aussagen etc. findet rund um die “Wesensbeschreibungen” meiner Erfahrung nach nicht statt. Genau solche Diskussionen wären aber interessant – anstelle von blinder Gläubigkeit.

Sehr problematisch scheint es mir, wenn auf der Basis solch willkürlicher Interpretationen, Assoziationen und Phantasien angebliche Heilwirkungen von Pflanzen festgelegt werden. Hier kommen meines Erachtens ethische Fragen ist Spiel, weil möglicherweise Patientinnen und Patienten getäuscht werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Aromatherapie: Duft-Öle können für Kinder riskant werden

Sonntag, Dezember 20th, 2009

In der Weihnachtszeit beliebte Duft-Öle können für Kinder lebensgefährlich werden, warnte das nordrhein-westfälische Verbraucherschutz-Ministerium in Düsseldorf.
Verschlucken Kinder kleinste Mengen Petroleum, flüssiges Paraffin oder Duft-Öl, könne dies rasch in die Lunge gelangen. Fieber, Übelkeit, Atembeschwerden oder schwere Lungenschäden könnten dadurch ausgelöst werden. Eltern sollten deshalb ihre Kinder vor jenen Ölen warnen, die in Lebensmittel-Verpackungen wie etwa Marmeladengläsern verkauft werden.
Sehr giftig sind nach Angaben des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) Kampher, Eukalyptusöl (Cineol) und Menthol. Weniger giftig seien Terpentinöl, Orangenöl, Zitronenschalenöl sowie Teebaumöl und Nelkenöl. Auch bei so genannten Chinaölen, wärmenden Einreibungen oder Balsamen, durchblutungsfördernden Sportsalben, speziellen Badeölen oder Erkältungsbädern sei Vorsicht nötig.

Quelle: http://www.kinderaerzte-im-netz.de
Kommentar & Ergänzung:
Im Bereich der Aromatherapie werden viele ätherische Öle eingesetzt, die oft auch wertvolle Wirkungen zeigen. Denjenigen Menschen, welche Naturheilmittel pauschal für sanft und nebenwirkungsfrei halten, muss man aber ab und zu sagen, dass ätherische Öle auch heikle Effekte haben können, wenn man sie nicht mit der nötigen Sorgfalt einsetzt. Es geht dabei nicht um Dramatisierung, aber die Empfehlung, dass man ätherische Öle vor Kindern verschlossen aufbewahren soll, ist sehr berechtigt. Solche Aspekte gehen manchmal in Vergessenheit, weil Naturheilmittel bei vielen Menschen pauschal ein “softes” Image haben.

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Heilkräuter-Exkursionen zu Blumen, Gräsern, Schmetterlingen….

Samstag, Dezember 19th, 2009

Von Friedrich Nietzsche gibt es ein schönes Zitat, das meines Erachtens gut ausdrückt, worum es bei Heilkräuter-Exkursionen (auch) gehen könnte:

“KLEIN SEIN KÖNNEN. – Man muss den Blumen, Gräsern und Schmetterlingen auch noch so nahe sein wie ein Kind, das nicht viel über sie hinwegreicht. Wir Aelteren dagegen sind über sie hinausgewachsen und müssen uns zu ihnen herablassen (….) – Wer an a l l e m Guten Theil haben will, muss auch zu Stunden klein zu sein verstehen.”
(Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, II, 2 /575f.)

Bei Heilkräuter-Exkursionen steht das Kennenlernen der Pflanzen im Zentrum. Darüber hinaus geht es um ihre Heilwirkungen, um ihre Bedeutung im Volks- und Aberglauben und um Interessantes zu ihrer Lebensweise.
Wichtig scheint mir aber auch, was Friedrich Nietzsche empfielt: Wir müssen uns zu den Blumen, Gräsern und Schmetterlingen herablassen. Das heisst, wir müssen sie aus der Nähe betrachten, sie anfassen, an ihnen riechen. Es geht um Kontakt zu den Pflanzen.
Wer interessiert ist an Heilkräuter-Exkursionen, findet jetzt das neue Jahresprogramm auf
www.phytotherapie-seminare.ch via “Kurskalender”.

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Lavendel belebt in der dunklen Jahreszeit

Donnerstag, Dezember 17th, 2009

Unter dieser Schlagzeile berichtete das Portal www.nachrichten.at kürzlich über Heilkräuter, die in der dunklen Jahreszeit helfen können, die Stimmung aufzuhellen.
In der dunklen Jahreszeit kämpfen viele Menschen mit einer trüben Gemütslage. Heilkräuter können dann helfen, die Stimmung aufzuhellen. Heilpraktikerin Anke Herrmann vom Naturheilkundeverein NHV Theophrastus mit Sitz in München gab im Gespräch mit dem dpa-Themendienst Tipps für verschiedene Anwendungen.

Der Text ist meiner Ansicht nach ein Beispiel für fragwürdige und ziemlich willkürliche Ratschläge im Internet und er verdeutlicht die fehlende Qualitätssicherung im Bereich Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde / Komplementärmedizin. Ich schildere den Text hier und stelle meine Einwände dazu. Es geht mir dabei aber nicht nur um diesen konkreten Text. Es fehlt meiner Ansicht nach fundamental an kritischer Auseinandersetzung mit solchen Themen. Abgesehen von ein paar juristischen Einschränkungen (z. B. Ehrverletzung, Rassismus, Genozid-Leugnung) darf im Internet ja jeder Mensch schreiben, was ihm oder ihr in den Sinn kommt.

Das ist auf dem Boden der Meinungsäusserungsfreiheit auch richtig so. Nur stellt sich dann die Frage: Wenn tausende von Aussagen nebeneinander stehen, wie soll sich der Konsument oder die Konsumentin, die oft kein entsprechendes Fachwissen haben, eine eigene Meinung bilden? Dazu braucht es meiner Überzeugung nach kritische Auseinandersetzung. Wer Heilwirkungen behauptet, soll plausible Begründungen liefern. Leere Behauptungen reichen nicht, weil man sie nur blind glauben oder blind ablehnen kann. Nur im Austausch von Argumenten und Gegenargumenten können meiner Ansicht nach mündige Menschen zu eigenen Schlüssen kommen.

Kursiv gesetzt folgen nun die Zitate aus dem Text und anschliessend meine Fragen und Einwände:

“ÄTHERISCHE ÖLE: Viele Heilpflanzen enthalten ätherische Öle, die sich positiv auf die Seele auswirken. An erster Stelle steht für Herrmann der Lavendel – sein Öl regt den Kreislauf an. ,Er impliziert das Gefühl von Urlaub, Provence und Wärme und lässt sich daher ganz gezielt in der dunklen Jahreszeit einsetzen‘, sagt die in Großschirma (Sachsen) tätige Heilpraktikerin.”

Dass Lavendelöl manchen Menschen wohltut, würde ich durchaus anerkennen. Wir reagieren in vielen Bereichen unterschiedlich auf ätherische Öle. Die Frage ist aber, ob es darüber hinaus Wirkungen gibt, die verallgemeinerbar sind und einer grossen Zahl von Lesenden empfohlen werden können. Für Lavendelöl ist als verallgemeinerbare Wirkung vor allem ein beruhigender, entspannender Effekt dokumentiert. Für kreislaufanregende und stimmungsaufhellende Wirkungen scheint mir das nicht annähernd der Fall zu sein. Was ist hier zudem mit kreislaufanregend gemeint? Herzstärkend? Blutdrucksteigernd? Durchblutungsfördernd?

“Rosmarin klärt den Geist und vermittelt ebenfalls Wärme. Generell stimmungsaufhellend wirkt Geranium. Melisse empfiehlt Herrmann als ausgleichende Pflanze: ,Sie wirkt anregend für diejenigen, die zu wenig Power haben, und beruhigend auf hibbelige Menschen.‘ Vor allem für Tee bietet sich Melisse an.”

Rosmarinöl klärt den Geist – das tönt schön, aber was ist genau damit gemeint. Wovon wird der Geist geklärt und wie? Dokumentiert ist bei Rosmarinöl eine anregende, belebende Wirkung. Das kann wohl bei “trüber Stimmung” durchaus nützlich sein.
Dass Geranium “generell stimmungsaufhellend wirkt”, scheint mit eine gewagte Behauptung. Gemeint ist wohl das ätherische Öl aus Pelargonium graveolens (Rosengeranie, Duftpelargonie, Duftgeranie). Im führenden Aromatherapie-Fachbuch von Wabner & Baier (2009) ist zwar eine antidepressive Wirkung der Geranie erwähnt, allerdings bei hormonell bedingter Depression, also nicht bei trüber Gemütslage in der dunklen Jahreszeit. Und selbst die stimmungsaufhellende Wirkung bei hormonell bedingter Depression ist nicht dokumentiert.

Melisse als ausgleichende Pflanze in Teeform, je nach Bedarf anregend oder beruhigend, das tönt sehr ideal. Die Melisse macht also immer genau das, was man gerade nötig hat. Dokumentiert ist zwar nur die beruhigende Wirkung, doch würde ich nicht ausschliessen, dass es auch Menschen gibt, bei denen Melisse anregende Effekte zeigt. Nur verallgemeinern würde ich dies nicht.

“BITTERSTOFFE: Etliche Heilpflanzen enthalten Bitterstoffe, die stimmungsaufhellend und klärend wirken. ,Sie regen die Leber an‘, erläutert die Heilpraktikerin. Denn bei vielen Verstimmungen sei die Leber betroffen, die als Organ der Lebenskraft gilt. Besonders viele Bitterstoffen stecken in Wermut und Tausendgüldenkraut.”

Dass Bitterstoffe stimmungsaufhellend und klärend wirken sollen, ist eine Behauptung, die völlig in der Luft schwebt und genauer begründet werden müsste. Bitterstoffe sind nur definiert durch ihren bitteren Geschmack. Chemisch gesehen kann es sich um sehr unterschiedliche Substanzen handeln, denen nur gemeinsam ist, dass sie unsere Bitterrezeptoren erregen. Der behauptete stimmungsaufhellende und klärende Effekt müsste daher nur schon durch die Wahrnehmung der Geschmacksqualität “bitter” zustande kommen. Ob das möglich ist und so stattfindet, ist total ungeklärt.

Ziemlich fragwürdig scheint mir auch die Behauptung, dass bei vielen Verstimmungen die Leber “betroffen” ist. Wie genau betroffen? Was läuft genau schief in der Leber bei Verstimmungen? Diese vagen, nebulösen, schwammigen Ausdrücke sind problematisch. So kann man eigentlich immer behaupten was man will.

Und die Leber gilt “als Organ der Lebenskraft”. Tönt schön, sagt aber kaum etwas. Auf Nachfrage hat mir jedenfalls noch niemand auch nur eingermassen plausibel erklären können, was er / sie unter Lebenskraft konkret versteht.
Emil du Bois-Reymond hat bereits 1848 die “Lebenskraft” als eine “Dienstmagd für alles” verspottet. Man kann mit ihr jedenfalls fast alles und auch das Gegenteil von fast allem begründen.

Bitterstoffe “regen die Leber an”. Auch dies eine ausgesprochen vage und pauschale Ausdrucksweise. Die Leber hat doch sehr zahlreiche, unterschiedliche Aufgaben. Was also wird genau angeregt? Die Entgiftungsfunktionen der Leber zum Beispiel? Dann würden auch viele lebenswichtige Medikamente rascher abgebaut. Könnte bei gewissen Patienten tödlich enden. Ernsthafte Warnungen vor der Einnahme von Bitterstoffen gleichzeitig mit wichtigen Medikamenten wären unumgänglich.
Oder ist das alles gar nicht so ernst gemeint und nur so daher geplaudert? Die Phytotherapie-Fachliteratur ist sich mehr oder weniger einig, dass Bitterstoffe die Produktion von Galle fördern können (vielleicht wird auch nur die Entleerung der Gallenblase angeregt). Geht es wirklich um eine Steigerung der Galleproduktion in der Leber, dann könnte eine Anregung der Leber die Fettverdauung verbessern. Das mag zwar in manchen Fällen nützlich sein, hat aber noch nichts zu tun mit einer angeblichen Stimmungsaufhellung und Klärung durch Bitterstoffe.

FARBE: Die sonnige Farbe Gelb gilt als Stimmungsaufheller schlechthin. So hilft es laut Herrmann im Winter manchmal schon, eine Postkarte mit gelb-orangen Ringelblumen aufzustellen und sich an deren Anblick zu erfreuen. Auch als Tinktur oder Öl zum Einreiben lässt sich die Heilpflanze des Jahres 2009 nutzen.
Stimmungsaufhellend wirken Ringelblumen außerdem als Tee. ‘Allerdings sollte man sie nicht allein verwenden, sondern als Zugabe zum Melissentee’, rät die Heilpraktikerin.

Kann durchaus sein, dass gelb-orange bei manchen Menschen die Stimmung positiv beeinflusst. Mir gefällt die Ringelblume ja auch. Aber das Rezept mit der Postkarte scheint mir doch etwas gar einfach.

Und ja, Ringelblume lässt sich auch als Tinktur oder Öl verwenden, nur geht es dann in der Phytotherapie meistens um Wundheilung oder Entzündungshemmung. Für eine stimmungsaufhellende Wirkung der Ringelblume finde ich in der gesamten deutschsprachigen Phytotherapie-Fachliteratur keinen einzigen Hinweis. Zwar könnte es durchaus Wirkungen von Heilpflanzen geben, die der Fachliteratur und der Diskussion in der “Fachszene” entgangen sind. Aber wenn man eine so ausgefallene Behauptung aufstellt, wie der angebliche stimmungsaufhellende Effekt der Ringelblume, dann müssten Argumente und Begründungen auf den Tisch (z. B.: Wie ist diese Überzeugung zustande gekommen? Auf Grund welcher Erfahrungen, Theorien, Beobachtungen, Experimenten, Studien?). Nur auf der Basis dieser Hintergrundinformationen kann man sich eine eigene Meinung bilden.

Bei der Melisse sind beruhigende, entspannende Effekte gut dokumentiert. Für eine stimmungsaufhellende Wirkung gibt es nur spärliche Hinweise. Aus der Geschichte der Pflanzenheilkunde beispielsweise wird der Äbtissin Hildegard von Bingen die Aussage zugeschrieben: “Man lacht gern, wenn man sie isst, da sie das Herz freudig stimmt, weshalb die Melisse auch Herztrost heisst. Darüber hinaus deuten Tierversuche mit Rosmarinsäure, die unter anderem in Melisse enthalten ist, auf eine antidepressive Wirkung hin. Ob sich solche Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt offen.

“Viel Sonne gespeichert sei außerdem in Holunderbeeren oder Hagebutten – beide sind reich an Vitamin C.”

Ja, alle grünen Pflanzen speichern Sonnenenergie in Form von Traubenzucker. Nichts gegen Holunderbeeren und Hagebutten, aber weshalb diese zwei Früchte besonders viel Sonne speichern sollen, ist mir ein Rätsel, und ebenso unklar bleibt, was das nun mit Vitamin C zu tun hat.

“WÄRME: ‘Ingwer macht einfach warm, ebenso wie Chili oder Nelke’, sagt Herrmann. Wie viele andere weihnachtliche Gewürze auch vermittele der wärmende Ingwer ein Gefühl von Gemütlichkeit. Er lässt sich als Gewürz am Essen nutzen oder für Tee. Dazu wird ein Viertelliter kochendes Wasser über zwei Scheiben frisch geschälte Ingwerwurzel gegossen. Nach dem Ziehen kann mit Honig oder Kandis gesüßt werden.”

Dass Ingwer vor allem im Winter von vielen Menschen als angenehm empfunden wird, kann ich nachvollziehen. Geht mir selber auch so.

Schliesslich stellt sich noch die Frage, weshalb in diesem Text keine Rede ist vom Johanniskraut (Hypericum perforatum). Johanniskraut-Extrakte sind mit einer ganzen Reihe von Patientenstudien als Mittel gegen leichte und mittelschwere Depressionen sehr gut dokumentiert. Johanniskraut ist von allen Heilpflanzen die einzige, für die eine solch fundierte Dokumentation zur Wirksamkeit gegen Depressionen vorliegt. Johanniskraut bewährt sich auch bei Winterdepressionen.
Johanniskraut ist die Heilpflanze gegen Depressionen.

Warum also werden zahlreiche nebulöse, vage, fragwürdige Empfehlungen gemacht, während die einzige gut dokumentierte Heilpflanze gegen Depressionen gar nicht erwähnt wird?

Wenn die Naturheilkunde bzw. Pflanzenheilkunde sich weiter entwickeln will, müsste meines Erachtens genau an diesem Punkt angesetzt werden: Es braucht präzise, gut dokumentierte Angaben. Und es braucht deutlich mehr kritisches In-Frage-stellen von nebulösen, willkürlichen Behauptungen.

Quelle:

http://www.nachrichten.at/ratgeber/gesundheit/wellness/Gesundheit-Wellness;art54,299330

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Dienstag, Dezember 15th, 2009

Zubereitungen aus Ingwer verminderten in einer amerikanischen Untersuchung die Übelkeit bei Krebs-Patienten, die als häufige Begleiterscheinung bei einer Chemotherapie auftritt. Die Resultate der Studie teilte die University of Rochester in einer Pressemeldung mit. Übelkeit und Erbrechen entstehen bei Krebs-Patienten durch die Auswirkungen der Chemotherapeutika (Zytostatika) auf die Zellen der Darmschleimhaut.
An der Studie am James P. Wilmot Cancer Centre in Rochester im US-Staat New York beteiligten sich 644 Krebspatienten, die im Rahmen ihrer Krebsbehandlung mindestens drei Zytostatika erhalten sollten. Die Studienteilnehmer erhielten je drei Tage vor und drei Tage nach den Behandlungen Ingwer (0,5, 1 oder 1,5 Gramm) und parallel ein gängiges Medikament gegen Übelkeit und Erbrechen. Um die Auswirkung erfassen zu können, wurde eine Vergleichsgruppe betrachtet, die neben dem Standardmedikament ein Placebo bekam.
Die Versuchspersonen beschreiben, dass sie mehrmals am Tag an unterschiedlich starker Übelkeit gelitten hatten. Bei denjenigen, die Ingwer zu sich genommen hatten, waren die Beschwerden um 40% geringer. Die Forscher vermuten, dass die entzündungshemmende Wirkung des Ingwers einen günstigen Effekt auf die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes hat. Die Substanzen der Heilpflanze konnten vom Organismus noch im Vorfeld der giftigen Wirkung der Medikamente aufgenommen werden.
Ingwer ist schon seit längerem für die Behandlung von Bauchschmerzen im Gespräch. Auch Segler nutzen zuweilen Ingwer gegen Seekrankheit.
Quelle: www.frauenaerzte-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Die Bestätigungen für eine günstige Wirkung von Ingwer (Zingiber officinale) gegenl Übelkeit während einer Chemotherapie häufen sich.
Schon seit längerem ist Ingwer in der Phytotherapie die wichtigste Heilpflanze gegen Seekrankheit und andere Formen der Reisekrankheit (Kinetosen). Auch für diesen Anwendungsbereich gibt es Belege aus Studien.
Experimentelle Ergebnisse deuten auf eine entzündungswidrige Wirkung von Ingwer.
Ausserdem wird in der traditionellen Pflanzenheilkunde vieler Länder Ingwer zum Beispiel als verdauungsförderndes Gewürz oder gegen Erkältungskrankheiten genutzt. Für die äusserliche Anwendung kennt die Naturheilkunde durchblutungsfördernden wärmende Ingwerwickel / Ingwerkompressen, zum Beispiel bei Muskelverspannungen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen. Ingwer gehört jedenfallsl zu den interessantesten Heilpflanzen.

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Ginkgo biloba vorbeugend gegen arterielle Verschlusskrankheit?

Montag, Dezember 14th, 2009

Die Einnahme von Ginkgo-biloba-Extrakten schützte ältere Personen in einer randomisierten klinischen Studie nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Publikation in Cardiovascular Quality and Outcomes (2009; doi: 10.1161/CIRCOUTCOMES.109.871640) schließt jedoch eine vorbeugende Wirkung gegen die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) nicht aus.
Die Hauptresultate der Ginkgo Evaluation of Memory Study waren schon im letzten Jahr im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 20008; 300: 2253-2262) publiziert worden. Die Hoffnungen des deutschen Herstellers des Ginkgo-Extraktes erfüllten sich damals allerdings nicht. ??Unter den 1.545 Teilnehmer, die zweimal pro Tag den Ginkgo-Extrakt EGb 761 eingenommen hatten, kam es nach 6,1 jährigen Studiendauer nicht seltener zu Alzheimer-Demenzen als unter den 1.524 Teilnehmern, welche Placebos bekommen hatten. Auch in einer Untergruppe von Patienten mit der möglichen Alzheimervorstufe MCI (mild cognitive impairment) gab es keinen vorbeugenden Schutzeffekt. ??Zu den sekundären Endpunkten der Studie gehörten die Auswirkungen auf kardiovaskuläre Ereignisse, die bei den im Durchschnitt 79 Jahren alten Teilnehmern häufig waren: Während der Studie starben 385 Teilnehmer, 164 mussten wegen Herzinfarkten hospitalisiert werden, 151 erlitten einen Schlaganfall, 73 eine transitorische ischämische Attacke, bei 207 kam es zur Angina pectoris. ?

Doch keines dieser Ereignisse trat bei den Studienteilnehmern, die regelmäßig Ginkgo-Extrakte einnahmen, seltener auf – mit einer Ausnahme: Unter der Ginkgo-Behandlung kam es nur bei 12 Patienten (0,8 Prozent) zu einer pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit). Im Placebo-Arm dagegen wurden 23 Patienten (1,5 Prozent) wegen einer pAVK behandelt, also fast doppelt so viele. ??Die Differenz war signifikant. Angesichts der geringen Fallzahl könne jedoch keine Empfehlung aus der Studie abgeleitet werden, erklärt der Erstautor Lewis Kuller, ein Epidemiologe der Universität Pittsburgh. Da es derzeit jedoch wenige Optionen zur Vorbeugung der Verschlusskrankheit gebe, sollte die mögliche präventive Wirkung in weiteren Studien untersucht werden.
Quelle: www.aerzteblatt.de

Kommentar & Ergänzung:
Ginkgo biloba ist eine der am intensivsten erforschten Heilpflanzen. Dabei ergaben sich in den letzten Jahren allerdings auch widersprüchliche Studienergebnisse, sowohl im Anwendungsbereich Demenz als auch bei der Behandlung arterieller Durchblutungsstörungen. Dadurch wurde das Anwendungsgebiet für Ginkgo-biloba-Extrakten teilweise eingeschränkt, aber auch präzisiert.

Weitere Infos zu Ginkgo biloba finden Sie im Bereich “Infodienst Forschende Phytotherapie”:
moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php

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Naturheilkunde – moralisch überlegen?

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Kürzlich kam in einem Gespräch die Rede auf das Thema “Philosophie”.
Darauf hin erklärte eine anwesende Naturheilpraktikerin, dass sie sich schon seit einiger Zeit vorgenommen habe, sich mit Ethik in der Medizin zu befassen. Ich sagte daraufhin: “Wie wär‘s denn mit Ethik in der Naturheilkunde? Oder mit Ethik in der Komplementärmedizin” – Die Antwort kam sehr rasch und sehr fraglos: “Aber in der Naturheilkunde ist das selbstverständlich!”

Dieser ziemlich einseitigen Vorstellung begegne ich nicht selten in Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin:

Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin ist gut, lebensfreundlich, menschenfreundlich etc – und zwar grundsätzlich.

Im Unterschied zur menschenfeindlichen, lebensfeindlichen “Schulmedizin”.

Wie schön, wenn man so gewiss weiss, dass man auf der richtigen Seite steht.

So einfach ist die Sache meiner Erfahrung nach allerdings nicht.

In Verlaufe von bisher mehr als 25 Jahren Tätigkeit als Ausbildner im Bereich Naturheilkunde ist mir beispielsweise ein gerütteltes Mass an Allmachtsvorstellungen begegnet. Viele (aber nicht alle) Naturheilkundige sehen ihre eigenen Grenzen und die Grenzen ihrer Methoden nicht. Das gefährdet Patientinnen und Patienten und ist darum sehr wohl ein ethisches Thema.

Zudem gibt es im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin weit verbreitet Heilslehren, Gurutum, Fundamentalismus und blinde Gläubigkeit.

Viele (aber nicht alle) Naturheilkundige weichen der Anstrengung aus, sich ein fundiertes und auch kritisches Urteil zu bilden betreffend den Möglichkeiten und Grenzen ihrer eigenen Methoden. Das führt zu Willkür in Behandlungen, gefährdet Patientinnen und Patienten und ist darum sehr wohl ein ethisches Thema.

Meiner Ansicht nach brauchen Naturheilkunde & Komplementärmedizin sehr viel mehr kritische Auseinandersetzung an diesen Punkten, wenn sie sich weiter entwickeln wollen.

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Gewürze bekämpfen Brustkrebs

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Unter diesem Titel verbreitet das Yahoo-Nachrichtenportal eine scheinbar hoch erfreuliche Neuigkeit. Bei genauerem Hinsehen ist die Meldung aber auch ein Beispiel für fragwürdige Gesundheitsinformationen im Internet. Dass die Krebsforschung sich mit antitumoralen Inhaltsstoffen von Heilpflanzen befasst, ist eine unterstützungswürdige Entwicklung. Leider gehen in den Medien bei solchen News aber oft die nötigen Differenzierungen verloren

Hier eine bearbeitete Zusammenfassung der Meldung mit anschliessendem Kommentar:

Der Medizin sind zahlreiche von Gewürzen ausgehende Heilwirkungen bekannt. Eine weitere haben jetzt US-Wissenschaftler entdeckt: Substanzen aus Kurkuma und Pfeffer können offenbar im Kampf gegen Brustkrebs unterstützend wirken.
Aus dem leuchtend gelb gefärbten Gewürz Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, lässt sich eine Substanz namens Curcumin gewinnen. Schwarzer Pfeffer enthält den Stoff Piperin. Diese beiden Substanzen haben Wissenschaftler der University of Michigan in Zellkulturen eingebracht. Dabei zeigte sich, dass Curcumin und Piperin gezielt die Krebsstammzellen schädigen, welche für das Tumorwachstum entscheidend sind, gesunde Zellen jedoch nicht angreifen. Indem die Anzahl der Stammzellen vermindert wird, könnte sich die Entstehung von Brustkrebs in Zukunft beeinflussen lassen, glauben die Forscher.
Bereits jetzt stehen Risikopatientinnen Medikamente zur Verfügung, mit welchen sich die Entstehung des Tumors verhindern lassen soll. Sie sind jedoch mit Nebenwirkungen behaftet, weil sie giftig sind. Darum halten die Wissenschaftler den neuen, ungiftigen Behandlungsansatz für vielversprechend. In weiteren Studien soll nun das Potenzial der Substanzen untersucht werden. Obwohl die bisherigen Forschungsresultate vielversprechend klingen, reicht es als Krebsvorsorge nicht aus, die Mahlzeiten kräftig mit Pfeffer und Kurkuma zu würzen. Die wirksamen Stoffe müssen dem Organismus in konzentrierter und isolierter Form mit Hilfe von Medikamenten zugefügt werden.

Quelle: http://de.news.yahoo.com/12/20091209/thl-gewuerze-bekaempfen-brustkrebs-d343981.html

Kommentar & Ergänzung:

Es stellen sich einige Fragen:

1. Die Meldung kommt wie eine Neuentdeckung daher. Zumindestens Curcumin ist aber schon seit vielen Jahren ein Thema in der Krebsforschung. Aber Neuentdeckungen verkaufen sich offenbar besser auf dem Nachrichtenmarkt. Korrekt wäre eine Aussage wie: “ein weiteres Puzzlestück in der Curcumaforschung”.

2. Die Schlagzeile “Gewürze bekämpfen Brustkrebs” ist reisserisch und falsch. Der Artikel sagt ja am Schluss selber, dass es nicht reicht, Kurkuma oder Schwarzer Pfeffer als Gewürze zu essen.

3. Es wird wieder einmal vorschnell von Experimenten mit isolierten Zellen auf eine Wirkung am lebenden Menschen geschlossen. Das ist nicht zulässig. Es ist unklar, ob die im Zellversuch meist zur Anwendung kommenden hohen Konzentrationen in lebendem Krebsgewebe erreicht werden können. Nur schon bei Curcumin ist schon lange bekannt, dass es ausgesprochen schlecht aus dem Verdauungstrakt resorbiert wird. Solche Einschränkungen fallen gerne unter den Tisch bei diesen vorschnellen Erfolgsmeldungen

4. Irgendwie sind wir halt wohl immer froh um beruhigende News bezüglich des beunruhigenden Themas der Krebserkrankungen. Daher gibt es eine grosse Nachfrage nach solchen Meldungen. Aber die Genauigkeit und eine differenzierte Darstellung sollten dabei nicht auf der Strecke bleiben.

5. Zur Beurteilung einer solchen Meldung wäre es wichtig zu erfahren, ob diese Studie aus Michigan in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurde (und in welcher). Dies gäbe eine gewisse Qualitätskontrolle. Auch die Autoren oder Autorinnen bzw. die Namen der Forschenden sollten genannt werden. “Wissenschaftler der University of Michigan” reicht nicht als Angabe.

6. Es ist fraglos positiv, wenn Curcumin und Piperin bezüglich Antitumorwirkungen weiter erforscht werden.

7. Es spricht viel dafür, dass Kurkuma (Gelbwurz, Curcuma) und Schwarzer Pfeffer gesunde Gewürze sind. Zwischen Heilpflanzen und Gewürzen gibt es an zahlreichen Punkten fliessende Übergänge.

8. Ich zähle diese Punkte hier auf, weil es mir wichtig erscheint, dass auch Laien etwas über die Fragen wissen, mit denen man solche Texte unter die Lupe nehmen kann. Wir werden überflutet mit solchen Meldungen und es wird immer anspruchsvoller, sich in diesem “Dschungel” zu orientieren.

Lernen können Sie dies im übrigen in meinen Heilpflanzenkursen und in meiner Phytotherapie-Ausbildung. Dabei geht es nämlich nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern auch darum, wie man mit Wissen, mit Informationen, mit Behauptungen und Versprechungen umgehen kann: Sorgfältig Prüfen und sich eine fundierte Meinung bilden, das ist in unserer gegenwärtigen Informationsflut wohl notwendiger denn je.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Phytotherapie: Rosmarin zur Behandlung von Magenbeschwerden

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Zur Behandlung von Appetitlosigkeit, Völlegefühl oder Blähungen helfen Rosmarinblätter oder Rosmarinöl. Auch gegen leichte Magenkrämpfe, Darmkrämpfe oder Gallenstörungen lässt sich Rosmarin anwenden.
Das erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg. Täglich sollten gegen solche Beschwerden vier bis sechs Gramm Rosmarinblätter als Tee oder 10 bis 20 Tropfen Rosmarinöl eingenommen werden.
«Der Rosmarinstrauch ist eine sehr mild wirkende Arzneipflanze mit einem bemerkenswert großen Anwendungsspektrum», erläutert der Wissenschaftler. Rosmarinblätter enthalten ätherisches Öl und entfalten eine schwach bakterien- und virenhemmende Wirkung sowie einen krampflösenden Effekt. Die enthaltenen Bitterstoffe steigern den Appetit und die Magensaftsekretion, zudem werde ein leichter Einfluss auf die Bildung des Gallensaftes angenommen. «Das Öl hat zusätzlich eine anregende Wirkung auf das zentrale Nervensystem und besitzt eine leicht durchblutungsfördernde Wirkung», ergänzt Johannes Gottfried Mayer.
Äußerlich wird Rosmarin eingesetzt, um Muskelrheuma und Gelenkrheuma sowie Kreislaufbeschwerden bei niedrigem Blutdruck unterstützend zu behandeln. Dafür empfiehlt Mayer ein 20- bis 30-minütiges Rosmarinbad: Dafür werden 10 bis 15 Tropfen Rosmarinöl mit einem Becher Sahne gemischt und dem 38 Grad warmen Wasser zugeben. Auch bei Erschöpfungszuständen und zur unterstützenden Behandlung von Zerrungen, Prellungen und Verstauchungen habe sich die Heilpflanze bewährt. Und bei schlecht heilenden Wunden und Ekzemen kann sie als Umschlag angewendet werden.

Quelle:

http://de.news.yahoo.com

www.klostermedizin.de

Kommentar & Ergänzung:

Im Internet und in den Medien gibt es nur sehr wenige Informationsquellen aus dem Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde, die mit einer fachlichen Qualitätskontrolle verbunden sind. Jede und jeder darf publizieren, was ihm oder ihr zu diesen Themen einfällt. Diese Meinungs- und Publikationsfreiheit ist als ein Grundpfeiler unserer Demokratie unverzichtbar. Als Folge davon wird aber auch sehr viel Fragwürdiges veröffentlicht. Die Beiträge aus der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg zeichnen sich durch fachliche Qualität aus und gehören damit zu den begrüssenswerten Ausnahmen.

Zu diesem Rosmarin-Beitrag würde ich ergänzend noch anfügen:
- Die angegebenen 10 – 20 Tropfen Rosmarinöl pro Tag entsprechen den Empfehlungen in der Phytotherapie-Fachliteratur. 20 Tropfen Rosmarinöl scheint mir aber sehr hoch dosiert, unangenehm einzunehmen und wohl auch in den meisten Fällen nicht nötig . Ich würde mich daher an die untere Grenze halten, zum Beispiel mit 3 – 5mal täglich 2 Tropfen Rosmarinöl auf einem Würfelzucker oder auf einem Stück Brot.
- Rosmarinöl innerlich nicht in der Schwangerschaft einnehmen und Rosmarintee jedenfalls nicht in höheren Dosen. Die Verwendung von Rosmarin als Gewürz, wie es zum Beispiel in der französischen und italienischen Küche beliebt ist, sollte aber nach menschlichem Ermessen kein Problem sein.
- Rosmarinöl und Rosmarinblätter (z. B. als Tee oder Gewürz) sind nicht identisch in ihrer Wirkung. Rosmarinblätter enthalten zum Beispiel neben ätherischem Rosmarinöl auch noch Rosmarinsäure (Lamiaceen-Gerbstoff) und Diterpen-Bitterstoffe (z. B. Carnosolsäure), woraus antimikrobielle und antioxidative Effekte zu erwarten sind.
- Beliebt als Kreislauftonikum nach Sebastian Kneipp war früher der Rosmarinwein (20g Rosmarinblätter mit 1 Liter Wein fünf Tage ausziehen lassen).
- Gegen schlecht heilende Wunden und Ekzeme gibt es besser dokumentierte Heilpflanzen als den Rosmarin. Zu diesem Thema empfehle ich das Tagesseminar “Heilpflanzen bei Hauterkrankungen und Wunden”: www.phytotherapie-seminare.ch/index.php

und / oder das Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” im Buchshop

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Erkältung: Heilpflanzen sind wirksam

Samstag, Dezember 5th, 2009

Bei Erkältungen sind Hausmittel oder Heilpflanzen-Anwendungen oft ausreichend, um die Symptome zu lindern.
Auf Bayern 1 erklärte die Biologin Martina kürzlich die unterschiedlichen Wirkungen von Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten.

Es wird im Internet und generell in den Medien sehr viel Unsinn und sehr viel Fragwürdiges geschrieben in den Bereichen Naturheilkunde bzw. Pflanzenheilkunde.
Der Text auf Bayern 1 ist hier eine löbliche Ausnahme, weil er dem Stand des Wissens in der Phytotherapie entspricht……..und hier darum eine kurze, modifizierte Zusammenfassung:

“Es gibt Studien, die zeigen, dass pflanzliche Mittel wirksam sind. Sie lindern die Symptome und helfen bei der Heilung”, sagt Martina Rüffer, Biologin am Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie an der Münchner Universität.

Immunstimulation

Die meisten Erkältungskrankheiten kündigen sich durch unangenehmes Halskratzen an. Dagegen wirkt Echinacea, auch bekannt als Sonnenhut. “Die Echinacea wirkt als Immunstimulanz. So werden die Abwehrkräfte gestärkt.” Ebenfalls günstig für die Abwehrkräfte: ein heißes Bad mit Kiefernnadelöl oder Eukalyptusöl. Das Bad wirkt erweiternd auf die Poren. Dadurch können die ätherischen Öle besser aufgenommen werden.

Husten

Bei Husten lassen sich zwei Arten unterscheiden: Es gibt trockenen Reizhusten und den sogenannten produktiven Husten, bei welchem Schleim abgehustet wird. Gegen trockenen Reizhusten helfen Heilpflanzen, die Schleim enthalten, wie Eibisch, Wollblumen (Königskerze), Malvenblüten, Huflattichblätter oder Spitzwegerichkraut. “Man nimmt an, dass ihre Schleime die trockenen Schleimhäute überziehen und so den Hustenreiz lindern”, erläutert die Biologin.
Hustentees mit Anis, Thymian oder Fenchel eignen sich für produktiven Husten. Sie vermehren die Sekretproduktion, dadurch löst sich der Schleim besser und das Abhusten wird erleichtert.

Schnupfen

Trockene, angeschwollene Schleimhäute zu bekämpfen ist das Ziel bei der Anwendung von Nasensprays. Allerdings tritt hier rasch ein Gewöhnungseffekt ein. Die Schleimhäute lassen sich auch auf natürliche Art befeuchten – durch Inhalieren.
Dazu werden Kamillenblüten mit kochendem Wasser übergossen. Zum Inhalieren der Kamillendämpfe beugt man sich über die Schüssel und legt sich ein Handtuch über den Kopf. Geeignet für Inhalationen sind auch Eukalyptusöl oder Kampferöl sowie Menthol. “Auch wenn Sie die Erkältung damit nicht verkürzen können, werden die Symptome gelindert”, empfiehlt die Expertin. “Gerade der Kamille sind heilende und entzündungshemmende Effekte bescheinigt.”

Quelle:

http://www.br-online.de

Kommentar & Ergänzung:

Trotz der guten Qualität des Bayern-1-Textes hier noch ein paar Ergänzungen:

- Bei Bädern mit ätherischen Ölen, hier empfohlen Eukalyptusöl oder Kiefernnadelöl, unbedingt das ätherische Öl mit Kafferahm oder Vollmilch emulgieren. Andernfalls schwimmt eine konzentrierte Schicht der ätherischen Öle in der Badewanne auf der Wasseroberfläche und kann Hautreizungen verursachen.

- Mit Huflattichblättern wäre ich vorsichtig, weil sie Pyrrolizidinalkaloide enthalten können , welche u. a. die Leber schädigen. Huflattichtee darum nicht länger als 6 Wochen pro Jahr einnehmen und während Schwangerschaft und Stillzeit ganz meiden. Am besten ersetzen durch Malvenblütentee oder Eibischwurzeltee.

- Eibischwurzeltee kalt ansetzen, also nicht erhitzen.

- Inhalationen mit Eukalyptusöl, Kampferöl oder Menthol nicht für Kleinkinder.

- Als altes Hausmittel bei Schnupfen bewährt sich immer wieder die Zwiebel (aufschneiden und im Raum aufstellen), bei Husten Zwiebelsirup oder Zwiebelwickel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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