Ginkgo biloba vorbeugend gegen arterielle Verschlusskrankheit?

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Die Einnahme von Ginkgo-biloba-Extrakten schützte ältere Personen in einer randomisierten klinischen Studie nicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Publikation in Cardiovascular Quality and Outcomes (2009; doi: 10.1161/CIRCOUTCOMES.109.871640) schließt jedoch eine vorbeugende Wirkung gegen die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) nicht aus.
Die Hauptresultate der Ginkgo Evaluation of Memory Study waren schon im letzten Jahr im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 20008; 300: 2253-2262) publiziert worden. Die Hoffnungen des deutschen Herstellers des Ginkgo-Extraktes erfüllten sich damals allerdings nicht. ??Unter den 1.545 Teilnehmer, die zweimal pro Tag den Ginkgo-Extrakt EGb 761 eingenommen hatten, kam es nach 6,1 jährigen Studiendauer nicht seltener zu Alzheimer-Demenzen als unter den 1.524 Teilnehmern, welche Placebos bekommen hatten. Auch in einer Untergruppe von Patienten mit der möglichen Alzheimervorstufe MCI (mild cognitive impairment) gab es keinen vorbeugenden Schutzeffekt. ??Zu den sekundären Endpunkten der Studie gehörten die Auswirkungen auf kardiovaskuläre Ereignisse, die bei den im Durchschnitt 79 Jahren alten Teilnehmern häufig waren: Während der Studie starben 385 Teilnehmer, 164 mussten wegen Herzinfarkten hospitalisiert werden, 151 erlitten einen Schlaganfall, 73 eine transitorische ischämische Attacke, bei 207 kam es zur Angina pectoris. ?

Doch keines dieser Ereignisse trat bei den Studienteilnehmern, die regelmäßig Ginkgo-Extrakte einnahmen, seltener auf – mit einer Ausnahme: Unter der Ginkgo-Behandlung kam es nur bei 12 Patienten (0,8 Prozent) zu einer pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit). Im Placebo-Arm dagegen wurden 23 Patienten (1,5 Prozent) wegen einer pAVK behandelt, also fast doppelt so viele. ??Die Differenz war signifikant. Angesichts der geringen Fallzahl könne jedoch keine Empfehlung aus der Studie abgeleitet werden, erklärt der Erstautor Lewis Kuller, ein Epidemiologe der Universität Pittsburgh. Da es derzeit jedoch wenige Optionen zur Vorbeugung der Verschlusskrankheit gebe, sollte die mögliche präventive Wirkung in weiteren Studien untersucht werden.
Quelle: www.aerzteblatt.de

Kommentar & Ergänzung:
Ginkgo biloba ist eine der am intensivsten erforschten Heilpflanzen. Dabei ergaben sich in den letzten Jahren allerdings auch widersprüchliche Studienergebnisse, sowohl im Anwendungsbereich Demenz als auch bei der Behandlung arterieller Durchblutungsstörungen. Dadurch wurde das Anwendungsgebiet für Ginkgo-biloba-Extrakten teilweise eingeschränkt, aber auch präzisiert.

Weitere Infos zu Ginkgo biloba finden Sie im Bereich “Infodienst Forschende Phytotherapie”:
moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php

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