Archive for Dezember, 2009
Donnerstag, Dezember 31st, 2009
Anis gehört zu den hilfreichen Heilpflanzen bei Verdauungsschwäche und Katarrhen der Atemwege. Wegen seiner milden Wirkung wird Anis hauptsächlich in der Kinderheilkunde geschätzt. «Es werden dabei ausschließlich die Anisfrüchte genutzt, die im Volksmund auch ‘Samen’ heißen», erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg.
Die Tagesdosis beträgt für Anisfrüchte drei Gramm. Am besten wirken die Früchte als Tee, wenn sie vorher in einem Mörser angestoßen werden, rät der Klostermedizinforscher. Die verdauungsfördernde Wirkung der Heilpflanze komme jedoch auch in Anisschnaps wie Pernod oder Ouzo zum Tragen.
Der wichtigste Wirkstoff im Anis ist das ätherische Öl Anethol, welches auch in den Fenchelfrüchten für die Wirkung mitverantwortlich ist. «Das Öl wirkt schleim- und krampflösend, indem es in den Lungen die Sekretion des Bronchialschleims steigert und die schleimausführenden Härchen in der Bronchien aktiviert», erläutert Mayer. Daneben sei auch eine beachtliche bakterienhemmende Wirkung festgestellt worden.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com
www.klostermedizin.de
Kommentar & Ergänzung:
Im Verdauungstrakt wirkt Anis krampflösend und gegen Blähungen.
Das ätherische Anisöl zeigte in einer experimentellen Studie zudem antivirale Wirkungen gegen Herpes-simplex-Virus Typ 1 ( = HSV-1) und Acyclovir-resistente Viren (nach Schilcher, Leitfaden Phytotherapie, 2007, weitere Infos zu diesem Fachbuch im Buchshop). Gegen Herpes-simplex-Viren (“Fieberbläschen”) wirken aber auch Pfefferminzöl und Melissenöl, wenn sie im Frühstadium angewendet werden. Wobei sich aber der Verlauf von Fieberbläschen kaum wirklich beeinflussen lässt, egal welches Mittel man dagegen einsetzt…….
Anis (Pimpinella anisum) gehört als Pflanzenart zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae).
Ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum beheimatet, wird Anis heute weltweit in Regionen mit gemäßigtem Klima angebaut. Hauptanbaugebiet von Anis ist Südrussland.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch
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Donnerstag, Dezember 31st, 2009
Britischen Wissenschaftler ist es nach eigenem Bekunden gelungen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von den Gefahren der Homöopathie zu überzeugen, die in Entwicklungsländern von dieser aus ihrer Sicht unsinnigen Heilmethode ausgehen.?? Nicht nur in den Industrieländern sind, wie die neueste Umfrage des Allensbach Instituts zeigt, große Teile der Bevölkerung von der Wirksamkeit der Homöopathie überzeugt. Auch in Entwicklungsländern erfreut sich die Heilmethode zunehmender Beliebtheit, was nach Ansicht der britischen Stiftung “Sense about Science” schlimme Folgen haben kann.??
Während hierzulande die Homöopathie vielfach als komplementäre Heilmethode aufgefasst wird, die zwar nicht nutzt, jedoch auch keinen Schaden anrichtet, glauben nach Auskunft der Stiftung in den Entwicklungsländern zahlreiche Menschen, dass die Homöopathie eine wirksame Alternative bei der Therapie von Infektionskrankheiten wie HIV, Tuberkulose, Malaria oder der Diarrhöe ist. Ob diese Aussage stimmt, kann ohne entsprechende Studiendaten nicht beurteilt werden.?? Es ist ”Sense about Science” aber in einem offenen Brief gelungen, die WHO für die möglichen Gefahren zu sensibilisieren.
Mehrere führende WHO-Mitarbeiter warnten vor den Gefahren der Homöopathie. Mario Raviglione, der Leiter der ”Stop TB”-Abteilung, hielt fest, dass die Leitlinien der WHO keinesfalls die Verwendung der Homöopathie empfehlen würden. Mukund Uplekar vom der WHO-Abteilung “TB Strategy and Health Systems” erklärte, dass es in der Behandlung der Tuberkulose keinen Platz für homöopathische Medikamente gebe. ?
Teguest Guerma, der Interim-Leiter der HIV/AIDS-Abteilung bedankte sich bei der britischen Stiftung für die Unterstützung der evidenzbasierten Behandlungsansätze in der Therapie von HIV-Erkrankungen. Sergio Spinaci, der stellvertretende Leiter des “Global Malaria Programme” der WHO, stufte den offenen Brief sogar als bedeutende Enthüllung ein und dankte den Hinweisgebern (Whistleblower). ??Joe Martines teilte der Stiftung im Auftrag von Elizabeth Mason, der Direktorin des “Department of Child and Adolescent Health and Development” der WHO mit, dass es selbstverständlich auch in der Behandlung der in den Entwicklungsländern oft tödlichen Diarrhoe keinen Platz für homöopathische Therapieansätze gebe.
Quelle: www.aerzteblatt.de
Kommentar & Ergänzung:
Meiner Ansicht nach greift es zu kurz, wenn Kritiker die Homöopathie grundsätzlich als unwirksam bezeichnen. Dem widersprechen nämlich vielfältige Erfahrungen von Patientinnen und Patienten, welche innerhalb einer homöopathischen Behandlung Besserung ihrer Beschwerden erfahren.
Unklar ist allerdings, womit diese erfahrene Besserung zusammenhängt. Aus den bisher vorliegenden Erkenntnissen lässt sich meines Erachtens jedenfalls nicht plausibel schlussfolgern, dass eine allfällige Wirkung mit den verordneten Globuli, also mit dem homöopathischen Mittel, verbunden ist. Genauso gut könnte es sich dabei um ein Kontextphänomen handeln.
Jede beobachtete Besserung unter einer Therapie muss sich meines Erachtens an den sechs Antworten messen lassen, welche Asmus Finzen auf die Frage “Warum werden unsere Patienten wieder gesund?” gegeben hat.
Siehe dazu:
Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund
Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?
Das gilt natürlich für alle Heilverfahren, für die universitäre Medizin genauso wie für Bachblüten, Homöopathie, Phytotherapie, TCM etc.
Wir neigen wohl generell dazu, Besserungen während einer Therapie vorschnell als Erfolg dieser Therapie zu interpretieren. Mehr Zurückhaltung und Bescheidenheit mit solchen Erfolgszuschreibungen wäre hier wünschenswert.
Was nun die Warnung der WHO betreffend Homöopathie in Entwicklungsländern angeht:
Meinem Eindruck nach überschätzt ein Teil der “Homöopathie-Szene” die eigene Methode masslos und sieht sie als Allheilmittel. Das ist eine von verschiedensten Stellen, an denen Fundamentalismus in der Komplementärmedizin zu beobachten ist. Wenn homöopathische Mittel beispielsweise zur Therapie von HIV, Malaria oder Tuberkulose propagiert werden, fehlen für eine Wirksamkeit tatsächlich bisher auch nur einigermassen überzeugende Belege.
Homöopathie bei solch bedrohlichen Erkrankungen in Entwicklungsländern als ernsthafte Therapieoption zu propagieren – wie es leider tatsächlich geschieht – scheint mir daher mehr als fragwürdig. Die Warnung der WHO halte ich darum an diesem Punkt für sehr berechtigt.
Es sind solche unkritischen Überschätzungen der eigenen Möglichkeiten, welche den Ruf von Verfahren aus den Bereichen Komplementärmedizin bzw. Naturheilkunde immer wieder ramponieren.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, Dezember 30th, 2009
Die Medical Tribune berichtete kürzlich über eine Studie, bei welcher der Einfluss von ätherischen Ölen als Einreibung gegen Schmerzen untersucht wurde.
Hier eine bearbeitete Zusammenfassung:
Am Brüderkrankenhaus St. Josef in Paderborn wurde die Wirkung der Aromatherapie jetzt in einer Studie untersucht. 50 Patienten mit multilokulärem Schmerzsyndrom (Ausdehnung des Schmerzes auf benachbarte Körpergebiete), die ihre Schmerzmitteldosis in der Klinik vermindern sollten, durften sich begleitend mit Öl einreiben lassen. Dieses Angebot war voller Erfolg, denn 75 % der Kranken erreichten so eine Schmerzreduktion. Als speziell erfolgreich zeigte sich die Kombination von Lavendelöl, Eisenhut und Kampfer. Zweimal pro Tag auf die peinigenden Areale aufgetragen, erreichte das aromatische Öl eine mittlere Schmerzverminderung um 4-6 Punkte auf der numerischen Rang-Skala (NRS), während die Mischung von Johanniskrautöl, Cajeputöl, Rosmarinöl, Cineol und Lavendelöl 2-3 Punkte erzielte. Die Patienten standen der Behandlung durchweg positiv gegenüber, berichteten das Team um Eveline Löseke vom Schmerzzentrum der Klinik auf dem Deutschen Schmerzkongress.
Quelle:
http://www.medical-tribune.de
Kommentar & Ergänzung:
In dieser Studie werden natürlich nicht nur Wirkungen von ätherischen Ölen gemessen, sondern auch die Wirkung des Einreiben-lassens. Das mindert nicht den Wert dieser Massnahme. Im Gegenteil: Es ist eine Stärke mancher Heilpflanzen-Anwendungen, dass mit ihnen auch Zuwendung “verabreicht” wird.
Bei den Bestandteilen der verwendeten Einreibemitteln fällt vor allem der Eisenhut aus dem Rahmen. Blauer Eisenhut (Aconitum napellus) gehört zu den stärksten Giftpflanzen Mitteleuropas. Er enthält das Alkaloid Aconitin. Dietrich Frohne schreibt dazu in seinem Heilpflanzenlexikon (2006):
“Auf der Haut appliziert, erzeugt Aconitin vorübergehende Erregung mit Wärme, Brennen und Jucken, dann Lähmungen der sensiblen Nervenendigungen, wirkt also lokalanästhetisch. Die analgetische Wirkung, insbesondere bei Trigeminusneuralgie, ist schon bei niedriger Dosierung gegeben; trotzdem ist wegen geringer therapeutischer Breite die Verwendung von Aconitin nicht mehr zu vertreten.”
(mehr Infos zum “Heilpflanzenlexikon” von Dietrich Frohne im Buchshop)
Mit “therapeutischer Breite” ist der Abstand zwischen therapeutischer und toxischer Dosis gemeint, der beim Aconitin also klein ist. Therapeutische und toxische Dosis liegen nahe beieinander. Stoffe mit geringer therapeutischer Breite sind daher nicht einfach zu handhaben. Darum wäre es bei diesem Bericht aus der Medical Tribune wichtig zu wissen, in welcher Form und Dosierung Eisenhut zur Anwendung kam. In einer phytotherapeutischen Form würde ich – wie Dietrich Frohne es empfiehlt – von Eisenhut bzw. Aconitin die Finger lassen. Handelt es sich um eine homöopathisch verdünnte Zubereitung, kommt es auf den Grad der Verdünnung an. Bei hohen Verdünnungsgraden wird Aconitin nur noch in Spuren oder gar nicht mehr vorhanden sein, so dass mit stofflichen Wirkungen nicht mehr gerechnet werden muss. In diesen Bereichen ist aber auch die analgetische (= schmerzstillende) Wirkung nicht dokumentiert. Bei tiefen homöopathischen Verdünnungsgraden kann es dagegen zu Aconitin-Wirkungen kommen, was infolge kleiner therapeutischer Breite wiederum nicht unproblematisch ist….
Klarer fassbar sind die verwendeten ätherischen Öle:
Lavendelöl wirkt beruhigend, Rosmarinöl und Kampfer dagegen eher anregend, belebend (= analeptisch). Somit könnte man ein solches Einreibemittel je nach Bedarf eher mit beruhigendem oder eher mit belebend-anregendem Effekt komponieren.
Cineol ist unter anderem Hauptbestandteil von Eukalyptusöl, zudem aber auch in anderen ätherischen Ölen enthalten wie Teebaumöl, Cardamomöl, Campherbaumöl.
Cineol wirkt antiseptisch sowie auswurffördernd und schleimverflüssigend bei Husten. Wegen seiner schwach hautreizenden Wirkung wird es als Bestandteil von Einreibemitteln bei rheumatischen Beschwerden verwendet.
Cajeputöl (von Melaleuca leucadendra, Kajeputbaum) enthält als Hauptkomponente mehr als 50% Cineol und wirkt hyperämisierend (durchblutungsfördernd).
Johannisöl als fettes Öl dürfte in diesem Einreibemittel vor allem als Träger für die ätherischen Öle fungieren. Eigenartigerweise ist für die erste Kombination kein solches Trägeröl erwähnt.
Alles in allem werden für diese Einreibungen durchaus sinnvolle ätherische Öle verwendet. Es scheint mir aber auch klar, dass punkto Zusammensetzung verschiedenste ätherische Öle in Frage kommen und dass dabei innerhalb eines gewissen Rahmens die Wünsche, Vorlieben und Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten berücksichtigt werden können.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, Dezember 28th, 2009
Der Echte Schwarzkümmel (Nigella sativa), häufig nur Schwarzkümmel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Schwarzkümmel ist also nicht mit Kümmel und Kreuzkümmel verwandt.
Heimisch ist der Schwarzkümmel in Südeuropa, Westasien, Indien und Nordafrika.
Als pfefferartiges Gewürz und Medizin wird Schwarzkümmel im Orient bereits seit mehr als 2.000 Jahren verwendet. Punkto Geschmack erinnert Schwarzkümmel leicht an Sesam mit einer leichten Kreuzkümmelnote. Die schwarzen Samen, die im asiatischen Raum auch als “black onion seed” (“schwarzer Zwiebelsamen”) bezeichnet werden, streut man heute noch ähnlich wie Sesam auf Fladenbrot. Die Beliebtheit der Schwarzkümmelsamen als Brotgewürz führte zur Bezeichnung “Brotwurz”. Im Handel ist Schwarzkümmel häufig unter der Panjabi-Bezeichnung Kalonji erhältlich.
In der islamischen Welt kam der Schwarzkümmel zu grosser Popularität. Das soll auf einen Spruch Mohammeds (570 – 632 n. u. Z.) im Hadith (Buchari) zurückgehen: “Schwarzkümmel heilt jede Krankheit – ausser den Tod.”
Schwarzkümmelöl: grosse Versprechungen – viele offene Fragen
Schwarzkümmelöl ist ein fettes Öl, wird durch Pressung gewonnen und enthält daher auch ätherisches Öl. Es enthält neben gesättigten Fettsäuren die ungesättigten Fettsäuren Linolsäure und Ölsäure. Der Gehalt an Gamma-Linolensäure ist im Vergleich zum Nachtkerzenöl und zum Borretschsamenöl verhältnismässig gering.
Reines Schwarzkümmelöl wird in der Naturheilkunde als Heilmittel vor allem zur Linderung von Allergien (z. B. Heuschnupfen), Neurodermitis (Atopische Dermatitis), Psoriasis (Schuppenflechte), zur Regulierung des Immunsystems, gegen Asthma, in Begleitung von Chemotherapien zur Linderung der Nebenwirkungen, bei Verdauungsproblemen, Bluthochdruck sowie in der Tiermedizin empfohlen. In der indischen Heilkunde gilt Schwarzkümmelöl als bevorzugtes Mittel zu Linderung von Schwangerschaftsbeschwerden. Schwarzkümmelöl wird in Flaschen abgefüllt oder verkapselt. Die Kapseln können besser dosiert werden und sind länger haltbar. Schwarzkümmelöl ist in Apotheken, Drogerien und Reformhäusern erhältlich.
Die beste Qualität soll das kaltgepresste Öl aus ägyptischen Schwarzkümmelsamen besitzen, welche im trocken-heißen Klima Oberägyptens auf sandigen Böden gereift sind (Al-Baraka-Qualität); und auch in Österreich, speziell im Marchfeld (Wittau, Niederösterreich), wird Schwarzkümmel erfolgreich angebaut, geerntet und daraus kaltgepresstes Schwarzkümmelöl produziert.
Wichtig zu wissen ist: Schwarzkümmelöl ist als Nahrungsergänzungsmittel im Handel und nicht als Heilmittel zugelassen. Die Heilungsversprechungen, mit denen Schwarzkümmelöl zum Teil propagiert werden, sind daher nicht behördlich überprüft.
Bisher gibt es im wesentlichen tierexperimentelle Untersuchungen und Laborexperimente (in-vitro), in welchen antimikrobielle, antitumorale und immunmodulierende Effekte beschreiben wurden. Ob sich solche Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt dabei offen, weil valide klinische Studien mit Patienten bisher fehlen.
Bezüglich der Wirksamkeit von Schwarzkümmelöl bleiben also viele Fragen offen.
Nicht sehr überzeugend erscheint mir jedenfalls ein Ersatz von Nachtkerzenöl oder Borretschsamenöl durch Schwarzkümmelöl, wenn es um die Behandlung von atopischer Dermatitis (Neurodermitis) geht, weil zu diesem Zweck die Gamma-Linolensäure wesentlich ist. Der Gehalt an Gamma-Linolensäure ist jedenfalls im Nachtkerzenöl und im Borretschsamenöl wesentlich höher als im Schwarzkümmelöl.
Quellen:
Wikipedia;
Heilpflanzenlexikon von Dietrich Frohne (siehe Buchshop)
Biogene Nahrungsergänzungsmittel von Hans-Peter Hannssen, Angelika Koch, Rita Richter (siehe Buchshop)
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Sonntag, Dezember 27th, 2009
Wie zahlreiche andere weihnachtliche Gewürze ist auch Zimt eine alte Heilpflanze, die bei Erkältungskrankheiten und Verdauungsbeschwerden wirksam ist. Das seien genau jene Beschwerden, welche in der Winterzeit besonders oft auftreten.
Das erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg. Und er ergänzt: «Vielleicht ist es ein Zeichen der Weisheit unserer Vorfahren, genau diese Kräuter und Gewürze in der Zeit der Jahreswende vermehrt einzusetzen.»
Früher seien die Gewürze in den Lebensmitteln allerdings erheblich höher dosiert gewesen, sagt der Experte.
Zimt wird gewonnen aus der Rinde verschiedener Lauraceen (Lorbeerbaumgewächse). Zu den wichtigsten Wirkstoffen des Zimts zählt das ätherische Öl mit den Hauptkomponenten Zimtaldehyd, Eugenol und Thymol, erklärt der Forscher. Daneben spielten auch Cumarin sowie Gerbstoffe und Schleimstoffe eine Rolle.
Verschiedene Anwendungsbereiche von Zimtrinde sind wissenschaftlich anerkannt. Zum Einsatz kommt Zimt als Heilpflanze unter anderem gegen Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Völlegefühl, Darmträgheit und Aufstoßen. Zimt und das daraus gewonnene ätherische Zimtöl regen die Muskeltätigkeit im Magen-Darm-Bereich an und können wahrscheinlich die Magensaftproduktion erhöhen. Sie hemmen zudem das Wachstum und die Sporenbildung von Pilzen.
Die Dosis sollte zwei bis fünf Gramm pro Tag nicht überschreiten. Bei Magengeschwüren und Darmgeschwüren sowie in der Schwangerschaft sollte Zimt nicht als Arzneimittel verwendet werden.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/
Kommentar & Ergänzung:
Grundsätzliches zu Infos über Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
Die Pressemitteilungen der “Forschergruppe Klostermedizin” freuen mich immer wieder aufs Neue.
In ihnen zeigt sich Interesse an der Tradition der Pflanzenheilkunde und Respekt vor dieser Tradition.
Gleichzeitig sind sie aber auch auf dem Stand des Wissens aus der Sicht moderner Phytotherapie. Sie schwadronieren also nicht mit wilden Behauptungen und Versprechungen herum, wie das in Publikationen zu solchen Themen leider oft geschieht.
Damit unterscheiden sie sich wohltuend von vielen Veröffentlichungen aus den Bereichen Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde. Im Internet, aber auch in Büchern und Zeitschriften findet man nämlich immer wieder eine blinde Gläubigkeit gegenüber tatsächlichen oder angeblichen Traditionen, ohne Verständnis für den historischen Kontext.
Es ist jedoch sehr fragwürdig, wenn zum Beispiel ein Zitat der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) quasi mit der “Word”-Funktion “ausschneiden” aus dem Kontext gerissen und mit “einfügen” ins Jahr 2009 transplantiert wird.
Die Forschergruppe Klostermedizin dagegen hat das nötige historische Wissen, um traditionelle Rezepturen der Pflanzenheilkunde in ihrem geschichtlichen Kontext zu verstehen.
Ergänzendes zum Zimt:
– Im Gewürzhandel wird unterschieden zwischen dem in Sri Lanka heimischen Ceylon-Zimt (Cinnamomum verum J. S. Presl) und dem etwas schärfer würzenden, aus China stammenden Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia).
Vor allem im billigeren Cassia-Zimt ist das als gesundheitsschädlich geltende Cumarin enthalten. In Fertigprodukten wird oft dieser aus China, Indonesien oder Vietnam stammende Cassia-Zimt verarbeitet. Der Cumarin-Anteil beider Zimtsorten unterscheidet sich stark: Während er bei dem Cassia-Zimt bei ca. 2 g Cumarin pro kg liegt, sind in der gleichen Menge Ceylon-Zimt nur ca. 0,02 g Cumarin enthalten. Wird Zimt als Heilpflanze eingesetzt, empfiehlt sich daher die Verwendung von Ceylon-Zimt.
– Eine mögliche blutzuckersenkende Wirkung von Zimt in frühen Stadien des Diabetes mellitus Typ II wird seit einiger Zeit kontrovers diskutiert und in der Laienpresse beworben.
In Laboruntersuchungen zeigte ein Inhaltsstoff der Zimtrinde (Methylhydroxychalcon-Polymer, MHCP) eine insulinmimetische Wirkung.
In einer ersten Pilotstudie wurde die Wirksamkeit größerer Dosen Zimt (1-6 Gramm) auf Blutzucker- und Blutfettwerte untersucht, wobei eine mögliche Senkung des Nüchternblutzuckers, der Triglyceride, des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins beobachtet werden konnte. In einer weiteren Studie an 79 Patienten konnte eine Senkung des Blutzuckerspiegels, nicht jedoch des als “Langzeitblutzuckerspiegel” geltenden HbA1c-Werts und der Blutfettwerte beobachtet werden. Ein Wirksamkeitsnachweis der Anwendung von Zimt bei Diabetes mellitus nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin ist aber noch nicht erbracht. Dazu wären weitere Studien mit positivem Effekt nötig.
(Quellen: Wikipedia, Heilpflanzenlexikon von Dietrich Frohne, Deutscher Apotheker Verlag 2006)
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Dienstag, Dezember 22nd, 2009
Eine geplante Hausgeburt war in einer prospektiven Kohortenstudie im Canadian Medical Association Journal (CMAJ 2009; doi: 10.1503/cmaj.081869) nicht mit einer erhöhten perinatalen Mortalität verbunden. Die Rate geburtshilflicher Interventionen war sogar deutlich tiefer.?? Die Hausgeburt ist immer wieder umstritten. Die Fachverbände in den USA, Australien und Neuseeland lehnen sie entschieden ab, während die britische Royal College of Obstetrics and Gynecology sie eher unterstützt.
Viele Gynäkologen halten eine Entbindung außerhalb der Reichweite eines ärztlichen Geburtshelfers im Fall einer Komplikation für gefährlich, während die Hebammenverbände dagegen betonen, dass kritische Situationen durch eine Vorauswahl der Schwangeren vermieden werden könnten. ??Eine wissenschaftliche Antwort in Form einer randomisierten Studie wird es wohl kaum geben, denn welche Schwangere würde sich per Losverfahren vorschreiben lassen, ob sie ihr Kind zu Hause oder in der Klinik zur Welt bringt. ?
Alle anderen Studien sind jedoch anfällig für Verzerrungen, die sich aus der gezielten Auswahl von Schwangeren mit günstigen Risiken für die Hausgeburt ergeben können. Um diesen Bias zu vermeiden, verglich Patricia Janssen von der Universität von British Columbia in Vancouver für ihre Studie die Hausgeburten nur mit Klinikgeburten bei Schwangeren, welche die Kriterien für eine Hausgeburt erfüllt hatten. Bei den Klinikgeburten wurde differenziert zwischen geplanten Klinikgeburten, die von einer Hebamme und solche, die von einem Arzt durchgeführt wurden. Die Kriterien für eine Hausgeburt umfassten:
Abwesenheit von Krankheiten der Mutter (Herz, Niere, Typ-I-Diabetes mellitus) und die Abwesenheit von Schwangerschaftsrisiken (Gestose, Blutungen, insulinpflichtiger Gestationsdiabetes, Herpes, Plazentastörungen). Zudem musste eine Einzelschwangerschaft in Kopflage vorliegen mit einem Gestationsalter von 36 bis 41 Wochen beim Einsetzen von spontanen Wehen. Als weitere Voraussetzung galt maximal ein früherer Kaiserschnitt.?? Primärer Endpunkt der Studie war die perinatale Mortalität. Sie betrug in allen drei Gruppen weniger als 1 Promille.
Die Hausgeburt gefährdete also gemäss dieser Studie das Leben des neugeborenen Kindes nicht. Auch die mütterliche Morbidität war nicht höher. ??Im Gegenteil: Postpartale Blutungen (minus 38 Prozent), Infektionen (minus 61 Prozent) und eine Pyrexie (minus 55 Prozent) traten bei den Frauen, die zuhause entbunden wurden, sogar seltener auf als bei einer durch eine Hebamme geleitete Klinikgeburt. Wenn die Geburt von einem Arzt geleitet wurde, war der Unterschied sogar noch deutlicher (minus 43 Prozent, minus 74 Prozent und minus 73 Prozent). ??Ob dies nicht doch ein Hinweis auf eine Selektion der schlechteren Risiken für eine Klinikentbindung ist, lässt sich, wie erwähnt, nicht völlig ausschließen, auch wenn ein Vergleich der Patienteneigenschaften keine Hinweise dafür liefern.??
Mütter, welche zuhause gebaren, waren deutlich seltener geburtshilflichen Interventionen ausgesetzt wie dem elektrischen fetalen Monitoring (minus 68 Prozent) oder einer assistierten vaginalen Entbindung (minus 59 Prozent). Bei diesen Frauen kam es auch seltener zu Verletzungen: Perineale Risse dritten oder vierten Grades traten zu 59 Prozent seltener auf.??Auch für die Kinder könnte die Hausgeburt möglicherweise weniger traumatisch gewesen sein: Sie mussten zu 77 Prozent seltener wiederbelebt werden und bekamen zu 63 Prozent seltener Sauerstoff in den ersten 24 Stunden. Offen beleibt dabei, ob dies Folge einer schwereren Geburt in der Klinik war oder eine durch die leichte Verfügbarkeit induzierte Übertherapie.
Quelle:
www.aerzteblatt.de
Kommentar & Ergänzung:
Diese Studie und die sorgfältige Darstellung im “Ärzteblatt” erleichtert meines Erachtens eine differenzierte Betrachtung der Frage “Hausgeburt oder Klinikgeburt”. Die Diskussion rund um diese Frage scheint mir manchmal allzu fundamentalistisch, was die Positionen unnötig verhärtet. Dann gibt es nur noch Entweder-oder:
“Hausgeburt – auf jeden Fall” versus “Nur die Klinikgeburt ist sicher”.
Dabei wäre eine optionale Haltung wünschenswert, die auf die konkrete Situation Rücksicht nimmt, auf die Wünsche und Befürchtungen der Frau und auf die medizinische Einschätzung allfälliger Risiken der jeweiligen Schwangerschaft.
Optionale Haltungen wären sowieso in vielen Bereichen wünschenswert, auch im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin. Ich höre noch viel zu oft fundamentalistische Aussagen wie “Niemals Cortison” oder “Auf keinen Fall Antibiotika”. Damit werden gewisse Optionen von vorneherein ausgeschlossen, die in bestimmten Fällen notwendig und sinnvoll sein können. Eine optionale Haltung hält sich dagegen möglichst viele Wahlmöglichkeiten offen und entscheidet sich für jene, die der jeweiligen Situation am angemessensten ist. Das kann in einer bestimmten Situation auch Cortison sein, aber nur solange es unumgänglich ist, und in einer anderen Situation eine Heilpflanzen-Anwendung. Aber mit einer solchen Aussage wird man in gewissen Kreisen ja schon zum Cortison-Propagandisten abgestempelt………darum sei schon mal prophylaktisch festgehalten: Ich bin vollkommen Pharma-Aktien-frei!
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Dienstag, Dezember 22nd, 2009
Viele Menschen leiden unter Problemen am Anus, darüber sprechen will kaum jemand. Juckreiz tritt dabei als sehr häufiges und quälendes Symptom auf.
Die Medical Tribune veröffentlichte dazu kürzlich nützliche Informationen, wobei auch Empfehlungen aus der Phytotherapie zu Zuge kamen.
Hier eine bearbeitete Zusammenfassung:
Beim Perianalekzem handelt es sich in der Regel um ein irritativ-toxisches Geschehen, das man durch lokale Maßnahmen in den Griff bekommen kann. Differenzialdiagnostisch kommen das atopische Ekzem (Neurodermitis), ein Kontaktekzem oder die Psoriasis (Schuppenflechte) in Frage. In diesen selteneren Fällen steht die Behandlung der Grundkrankheit im Vordergrund, sagte Dr. Frederik M. Mader, niedergelassener Allgemeinarzt aus Nittendorf, auf dem 34. Internationalen Kongress für Allgemeinmedizin “practica”.
Drei Blatt Toilettenpapier – nicht mehr!?
Erstes Symptom des irritativ-toxischen Ekzems ist oft der Juckreiz. Der Untersucher bemerkt neben Rötung, Schuppung und Rhagaden auch Kratzspuren. Bei unvollständiger Kontinenz ( = Fähigkeit, Stuhl und / oder Urin über eine gewisse Zeit zurückzuhalten) und/oder starker Behaarung liegt der Grund für die Hautschäden an dieser feuchtwarmen Stelle auf der Hand.
Wenn fäkulente Absonderungen, beispielsweise Stuhlschmieren bei Hämorrhoiden, oder Fisteln beteiligt sind, sollten die proktologischen Grundkrankheiten nach Möglichkeit beseitigt werden. Auch mechanische Reize können ein Ekzem auslösen oder aufrechterhalten.
“Fragen Sie, wie viele Blatt Toilettenpapier der Patient zum Abwischen braucht”, empfahl Dr. Mader. Häufig hat der Patient weichen Stuhl, der schon bei minimaler Inkontinenz ständig die perianale Haut reizt. Diese Kranken benutzen viel Toilettenpapier und schädigen durch das intensive Abwischen die empfindliche Haut noch mechanisch.
Hier hat Dr. Mader einige praktische Tipps für seine Patienten, wie sie eine bessere Analhygiene betreiben können. Zur Grobreinigung sollen nicht mehr als drei Blatt Toilettenpapier verwendet werden. Mader empfiehlt einfaches weißes Papier, weil hier höchstwahrscheinlich keine allergisierenden Substanzen enthalten sind. Anschliessend wird der Po mit klarem Wasser abgewaschen. Wenn kein Bidet zur Verfügung steht, zeigt der Mediziner seinen Patienten, wie sie sich seitlich auf den Badewannenrand setzen und mit der Handbrause den Analbereich ausduschen sollen. Es reiche jedoch nicht, nur den Wasserstrahl auf den Allerwertesten zu richten. Vielmehr sollen die Patienten die Gegend um den Anus herum mit dem Finger reinigen.
Warnung vor Feuchttüchern?
Durch die einfache Maßnahme der veränderten Analhygiene fühlen sich die Patienten schnell wesentlich besser. Für Personen, die viel unterwegs sind, empfiehlt Mader sein “Bauarbeiter- und Fernfahrer-Set” . In einer verschließbaren Plastikdose nimmt sich der Betroffene einen feuchten Waschlappen mit, den er auf der fremden Toilette benutzt und dann unauffällig wieder mit hinaus nimmt. Er kann jedoch auch Einmalhandschuhe benutzen, und für Personen, die mehr Komfort wünschen, gibt es sogar portable Bidets mit Wassertank und Spritzvorrichtung, schmunzelte der Referent.
Vor der Verwendung von Feuchttüchern warnte Mader ausdrücklich. Die zahlreichen Zusatzstoffe, welche diese Tücher wochenlang geschmeidig halten, schaden der Haut mehr, als sie nützen.
Bei stark ausgeprägtem Ekzems reiche Wasser allein allerdings nicht. Hier gibt der Mediziner ganz pragmatisch zunächst auch einmal Kortikoidsalben. Dazu habe sich in seiner Praxis eine Schüttelmixtur mit Triamcinolon plus Zinkoxid bewährt. Allerdings darf der Patient diese nur kurzfristig einsetzen, um Dauerschäden an der Analhaut zu vermeiden.
Häufig reiche auch eine weiche Zinkpaste ohne Kortikoid, die der Mediziner in der Apotheke anmischen lässt. Das sei kostengünstig und Reizungen durch Zusätze in Fertigarzneimitteln werden dadurch verhindert.
Eichenrinden-Sitzbäder
Eine sehr effektive Maßnahme sieht Mader auch in Eichenrindensitzbäder – mit anschließendem Trockenföhnen. Diese verursachen jedoch viel Aufwand, und der Patient muss Verfärbungen sowohl der Haut als auch der Wanne in Kauf nehmen. “Die kann man hinterher wegwerfen”, stellte der Referent zu diesem Verfahren fest.
Gemahlene Heidelbeeren gegen schmierigen Stuhl?
Zusätzlich könne das Eindicken des Stuhls sinnvoll sein, empfahl der Experte Denn fast immer haben Patienten mit analem Juckreiz weichen, eher sauren Stuhl. Harter Stuhl ist dagegen meist basisch, bringt weniger fäkulentes Sekret im Analbereich mit sich und schont so die Haut. Dr. Mader rät seinen Patienten, 1 bis 2 Teelöffel getrocknete, gemahlene Heidelbeeren täglich zu sich zu nehmen.
Indischer Flohsamen als Stuhlregulans
Auch Indischer Flohsamen kann mit wenig Flüssigkeit eingenommen durch seinen stuhlregulierenden Effekt weichen Stuhl eindicken. Daneben seien Off-Label-Anwendungen von Loperamid oder Ethacridinlactat möglich.
Quelle:
www.medical-tribune.at
Kommentar & Ergänzungen:
Die Heilpflanzen-Anwendungen am Schluss des Textes sind beste Phytotherapie:
Eichenrinden-Sitzbäder sind bewährt bei Analekzem und auch bei entzündeten Hämorrhoiden. Auch der Hinweis mit der Verfärbung der Badewanne ist relevant. Email ist für Eichenrinden-Anwendungen nicht geeignet. Darum Plastic-Becken nehmen für Sitzbad oder irgend ein altes Gefäss, bei dem‘s nicht darauf ankommt.
Auch Heidelbeeren und Indischer Flohsamen machen aus Sicht der Phytotherapie Sinn.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, Dezember 21st, 2009
Es gibt nicht nur eine blinde Gläubigkeit gegenüber der Medizin. Es gibt meiner Erfahrung nach eine nicht minder grosse, zum Teil sogar erschreckende blinde Gläubigkeit bezüglich Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin.
Es braucht daher mehr kritische Auseinandersetzung innerhalb von Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin.
Es scheint mir sehr wichtig, dass Patientinnen und Patienten kritische Fragen stellen, Aussagen und Heilungsversprechungen prüfen und nicht einfach alles glauben, was ihnen präsentiert wird. Auch Lernende in Naturheilkunde-Ausbildungen sollten meines Erachtens das vermittelte Wissen sehr viel kritischer unter die Lupe nehmen, als dies im allgemeinen geschieht. Ein grundlegendes Problem in den Bereichen Naturheilkunde / Komplementärmedizin ist nämlich die weitgehend fehlende fachliche Qualitätssicherung.
Patientinnen und Patienten, aber auch Studierende, sind daher stark auf sich selber angewiesen, wenn es um die Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Aussagen geht.
Die sorgfältige Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Aussagen ist aber eine Fähigkeit, welche wir nicht einfach so vermittelt bekommen haben.
Ludwig Marcuse (1894 – 1971) schreibt dazu ziemlich prägnant:
“Die Unlust, die das Denken zu begleiten pflegt, ist von derselben Art, wie die Unlust, die ursprünglich das Gehen oder das Schreiben oder das Klavier-Spielen zu begleiten pflegt. Das Gehen wird in frühen Jahren zwangsweise eingeübt, bis es nicht mehr schmerzt. Das Denken wird nie so hart trainiert; Lernen ist meist das Gegenteil von Denken-lernen. Die Erziehung geht mehr auf das Einrammen von angeblich Fraglosem als auf das In-Frage-stellen. Die Unoriginalität des Einzelnen ist nicht eine Gabe der Natur. Schopenhauer hatte schon recht, dass der Mensch, den er fand, Fabrik-Ware ist. Aber nicht die Natur pflegt Fabrik-Ware herzustellen; dieser Ruhm bleibt der menschlichen Gesellschaft. Der Mensch hat es nicht nötig, die Vernunft zu entwickeln. Ja noch mehr, es ist lebensgefährlich, die Vernunft zu entwickeln. Ist es ein Wunder, dass er dankbar ist für jede Philosophie, die vom Denken dispensiert?”
(aus: Ludwig Marcuse; Das Märchen von der Sicherheit, Diogenes 1981)
Lernen scheint mir tatsächlich oft hauptsächlich auf das Einprägen von angeblich Fraglosem angelegt zu sein. Dabei bleibt aber die Fähigkeit unentwickelt, Aussagen zu prüfen und sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden.
Falls Sie an Wissen im Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie interessiert sind, finden Sie auf www.phytotherapie-seminare.ch Kurse und Ausbildungen, in denen neben dem aktuellen Stand des Wissens auch die sorgfältige, kritische Auseinandersetzung mit dem Thema vermittelt wird.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, Dezember 21st, 2009
Dass Berge als schön empfunden werden, ist ein neuzeitliches Phänomen.
Einer der ersten begeisterten Erforscher der Berge war Conrad Gesner (1516 – 1565). Er schrieb 1555 nach der Besteigung des Pilatus:
“ Welch herrlicher Genuss, was für eine Wonne ist es, die unermesslichen Bergmassen bewundernd zu betrachten. Nur Menschen mit träger Seele bewundern nichts, bleiben in dumpfer Gefühlslosigkeit zuhause, liegen gleich Murmeltieren in einem Winkel begraben.”
Conrad Gesner gilt als einer der berühmtesten und wichtigsten Naturforscher und Gelehrten der Schweiz.
1554 wurde er Oberstadtarzt von Zürich und gründete dort den ersten Botanischen Garten. Er starb an der Pest.
Dass das Pflanzenstudium am Berg “jede Bergtour zu einem Hochgenuss für unsere Sinne” macht, wussten schon die “Väter der Alpenbotanik”, allen voran eben Conrad Gesner, dem wir die ersten Aufzeichnungen über Alpenpflanzen verdanken. Auf seiner Bergtour auf den Pilatus (2132 m ü. M.) fand und notierte er rund 40 Pflanzen, darunter vier Enzian-Arten, mehrere Steinbrechgewächse und Doldenblütler, Germer, Silberdistel, Gemswurz, Fettkraut u. a.
Wer Lust hat auf Bergerlebnisse und Entdeckungsreisen in die Alpenflora finden jetzt die neuen Kursausschreibungen mit Exkursionen zu Heilpflanzen und Alpenblumen in Lenk, Mürren, Feldis, Vals, Trin / Flims und Jeizinen.
Fotos von den Kräuterwanderkursen und von Alpenblumen und Heilpflanzen finden Sie in der Bildergalerie auf: www.phytotherapie-seminare.ch/index.php.
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