Archive for November, 2009
Montag, November 16th, 2009
Der Würzburger Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde hat den Efeu zur Arzneipflanze des Jahres 2010 bestimmt. Efeublätter-Extrakt wird bei Entzündungen der Atemwege angewendet.
Je nach Entwicklungsstadium zeigt Efeu (Hedera helix) zwei verschiedene Blattformen. In der Phytotherapie werden die gelappten Blätter von jungen, noch nicht blühenden Pflanzen verwendet. Sie werden im Frühjahr und Frühsommer geerntet.
Als wirkungsbestimmenden Inhaltsstoffe gelten die Triterpensaponine (2,5 bis 6%) mit der Hauptkomponente Hederasaponin C. In experimentellen Studien wurde sowohl eine breite antimikrobielle Wirkung des Efeu-Extraktes als auch eine krampflösende Wirkung einzelner Triterpensaponine nachgewiesen. Die Wirksamkeit der Extrakte bei akuten Katarrhen der Atemwege und bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen konnte in klinischen Studien belegt werden.
Efeu ist in geringem Maße giftig: Die frischen Blätter können allergische Kontaktdermatitiden auslösen und der Genuss der Beeren kann Übelkeit, Durchfall und Erbrechen verursachen.
Efeu ist der einzige einheimische Vertreter der Efeugewächse (Araliaceae), zu denen auch der Ginseng zählt und eine der wenigen immergrünen Pflanzen Mitteleuropas. Efeu galt als Symbol der Treue und des ewigen Lebens. In diesem Sinne wurde er gern auf Grabmälern dargestellt.
Eine ältere Schreibweise für Efeu ist “Epheu”, das als “Epp-heu” ausgesprochen wurde. Wie die Blätter anderer Gehölze sammelte und trocknete man früher Efeublätter im Sommer, um sie im Winter als Laubheu ans Vieh zu verfüttern. Der Artname “helix” leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet “Windung”, wie im Zeitalter der Gentechnologie allgemein bekannt ist. Allerdings klettert der Efeu nicht hoch, indem er sich um seine natürlichen oder künstlichen Stützen herumwindet. Er verschafft sich mit Haftwurzeln Halt.
Quelle:
http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de
Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin Würzburg
Kommentar & Ergänzung:
Efeu hat sich als Heilpflanze geben verschiedene Arten von Husten bewährt und “verdient” daher die Ernennung zur Arzneipflanze des Jahres 2010.
Festgehalten werden soll noch:
Efeu nicht in Form von Tee oder Tinktur verwenden, sondern Efeu-Extrakte, die präzis dosiert werden können.
Efeu ist entgegen von verbreiteten “Vorurteilen” weder ein Schmarotzer noch ein Halbschmarotzer. Efeu ernährt sich vollständig selbst. Efeu ist für viele Insekten wie Bienen, Wespen oder Schwebefliegen eine wichtige Nahrungsquelle im Herbst.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Donnerstag, November 12th, 2009
Wenn ein Husten mehr als drei bis vier Wochen dauert, sollten Betroffene sich ärztlich untersuchen lassen. Das empfehlen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung e.V. (DLS) in Hannover. Üblicherweise sorgt der Hustenstoß für die Entfernung von Schadstoffen, zähem Schleim und Fremdkörpern aus den Atemwegen. Wenn Husten jedoch chronisch wird und länger als vier Wochen anhält, ist er ein ernstzunehmendes Symptom, dem unbedingt nachgegangen werden muss, betont Prof. Harald Morr, Vorsitzender der DLS.
Als weitere Alarmsignale gelten roter oder gelblich-grüner, abgehusteter Schleim, hohes Fieber, Atemnot oder Schmerzen in der Brust. Und wenn zusätzlich zum Husten Symptome wie Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Nachtschweiß und Heiserkeit auftreten, sollte man nach den Ursachen suchen. In solchen Fällen kann nämlich der Husten möglicherweise auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen, wie beispielsweise Lungenkrebs, Lungenentzündung, Tuberkulose, Lungenembolie oder Pneumothorax (Lungenriss). Nur durch die Klärung der Ursache des Hustens hat man dann die Chance, dem Fortschreiten einer schweren Krankheit rechtzeitig entgegenzuwirken.
Bei Erkältung hilft Malventee
Husten als Symptom darf nicht medikamentös behandelt bzw. unterdrückt werden, solange die zugrunde liegende Krankheit nicht erkannt ist. Wenn Husten jedoch als offensichtlicher Begleiter einer banalen Erkältung auftritt, können Betroffene sich auch selbst helfen, indem sie bewährte Hausmitteln anwenden.
Ein trockener Reizhusten lässt sich beispielsweise gut mit Eibischtee bzw. Malventee behandeln, erläutert Morr. Der Eibisch (Althaea officinalis L.) zählt zu den Malvengewächsen und wird auch Malve oder Weiße Pappel genannt. Die in den Blüten, Blättern und Wurzeln enthaltenen Schleimstoffe – so genannte Polysaccharide – wirken lindernd bei Reizungen und schützen die Schleimhäute in Mund- und Rachenraum sowie im Magen.
Bei der Anwendung als Tee soll grundsätzlich folgendes beachtet werden: Sowohl die Blätter und Blüten als auch die Wurzel müssen in kaltem Wasser angesetzt werden. Für die Einnahme werden sie dann auf angenehme Trinktemperatur erwärmt – zu starkes Erhitzen würde die Schleimstoffe allerdings zerstören. Außerdem sollte der Tee möglichst langsam in kleinen Schlucken getrunken werden, um die Flüssigkeit möglichst lange im Mund zu behalten, damit sie ihren heilenden Effekt entfalten kann. Bei Hustenmedikamenten aus der Apotheke ist grundsätzlich zu berücksichtigen, dass Hustenblocker und Hustenlöser nicht parallel eingenommen werden dürfen, weil es sonst zu einem Sekretstau kommen kann, der sich dann zwangsläufig kontraproduktiv auf die Genesung auswirkt.
Quelle:
www.lungenaerzte-im-netz.de
Kommentar & Ergänzung:
Freut mich, dass die Lungenstiftung Eibischtee bei trockenem Reizhusten empfiehlt. Die Behandlung von Reizhusten mit Kräutertee aus schleimhaltigen Heilpflanzen entspricht auch dem Stand des Wissens in der Phytotherapie. Allerdings haben sich in der Meldung ein paar Unklarheiten eingeschlichen.
Vom Eibisch wird vor allem die Wurzel verwendet. Eibischwurzel (Althaeae radix) ist eine ausgezeichnete Schleimpflanze. Den Volksnamen “Weisse Pappel” trägt der Eibisch zwar, doch kann damit auch “Populus alba” gemeint sein, die Silberpappel. Eibischwurzeltee soll tatsächlich kalt angesetzt werden, aber nicht weil durch Hitze die Schleimstoffe zerstört würden, sondern weil dann durch verkleisternde Stärke die Freisetzung von Schleim behindert wird.
Eibisch gehört zwar zu den Malvengewächsen, doch bezeichnet man mit Malventee in der Regel andere Heilpflanzen. In Deutschland hört man diese Bezeichnung manchmal für Karkade (Hibiscus sabdariffa). Das ist ein angenehm säuerlicher, intensiv rot gefärbter Genusstee, der möglicherweise auch interessante Heilwirkungen hat.
Siehe dazu:
Hibiskus / Karkade gegen erhöhtes Cholesterin
Karkadetee senkt systolischen Blutdruck um 13mmhg
In der Regel stammt Malventee aber von den Blüten der Wald-Malve bzw. Wilden Malve (Malva silvestris, Grosses Chäslichrut). Malvenblütentee eignet sich genauso wie Eibischtee ausgezeichnet für die Behandlung von trockenem Reizhusten.
Malvenblütentee kann man mit kochendem Wasser übergiessen. Die Schleimstoffe sind nach Angaben von Reinhard Länger gegen Hitze stabil. Reinhard Länger war Professor am Institut für Pharmakognosie an der Universität Wien und ist einer der besten wissenschaftlichen Heilpflanzenkenner im deutschsprachigen Raum.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Mittwoch, November 11th, 2009
Bei chronischem Juckreiz können Cremes mit Capsaicinoiden lindernd wirken. Diese Naturstoffe sind in Cayennepfeffer und anderen Paprika-Arten enthalten. Derzeit existieren keine industriell produzierten Arzneimittel, aber Apotheker können entsprechende Rezepturen herstellen. «Wer unter chronischem Juckreiz leidet, sollte nicht allein herum probieren, sondern sich an seinen Arzt wenden», empfielt Dr. Andreas Kiefer.
Er ist Vorsitzender der Kommission Neues Rezeptur Formularium (NRF), die für Apotheker einen entsprechenden Rezepturhinweis publiziert hat. «Gerade bei Hautkrankheiten ist nicht nur der Inhaltsstoff wichtig, denn auch die Hilfsstoffe und die Zubereitung spielen eine große Rolle. Hautärzte und Apotheker arbeiten deshalb eng zusammen. Die Therapie mit einer solchen Capsaicin-Creme funktioniert nur, wenn der Patient informiert und von der Behandlung überzeugt ist. Die Beratung in der Apotheke ist deshalb unerlässlich», erklärt Kiefer.
Wichtig ist das langsame Einschleichen der Behandlung, weil in den ersten Tagen als Nebenwirkungen Brennen oder Jucken auftreten können. Die Wirkung hingegen zeigt sich erst verzögert nach einigen Tagen. Darum werden diese Arzneimittel in der Regel mindestens sechs Wochen lang angewendet. Die Cremes sollten über den Tag verteilt mehrmals aufgetragen werden. Sie können auch gegen Schmerzen, etwa nach einer Herpesinfektion oder bei Rheuma-Erkrankungen, angewendet werden.
NRF-Rezepturhinweise für die Apotheke zur Capsaicin-Creme gibt es hier:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2264
(Capsaicin ins Suchfeld eingeben, dann auf “Capsaicin zur Anwendung auf der Haut” klicken)
Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de
Kommentar & Ergänzung:
Capsaicin ist auch interessant gegen Schmerzen, zum Beispiel bei Rheuma, aber auch bei Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, diabetischer Neuropathie oder postherpetischer Neuralgie und trigeminaler Neuralgie.
Weitere Info dazu:
Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen
Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch
Zum Thema Juckreiz & Capsaicin:
Capsaicinhaltige Zubereitungen haben meistens eine Konzentration von 0,025 – 0,075%.
Augustin / Hoch führen in ihrem Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” im Abschnitt “Juckreiz” (Pruritus) für Capsaicin-Anwendungen folgende Indikationen auf:
Prurigo simplex subacuta
HAES-induzierter Pruritus
Urämischer Pruritus
Pruritus bei Dialyse
Pruritus bei PUVA
Auch sie empfehlen vorsichtiges und einschleichendes Dosieren, bei empfindlicher Haut z. B. 0,001%, gesteigert bis auf ca. 0,025% und bei guter Verträglichkeit bis auf max. 0,1%.
Bei grossflächigem Juckreiz empfehlen die Autoren zur besseren Anwendbarkeit die Rezeptur als Creme oder Creme-Lotio statt Salbe.
Das empfehlenswerte Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” finden Sie im Buchshop.
Interessantes darüber hinaus zum Capsaicin:
Der Wirkstoff Capsaicin kommt auch im “Pfefferspray” als Selbstverteidigungsmittel zur Anwendung. Der irreführende Namensbestandteil “Pfeffer” kam über die englische Bezeichnung “pepper spray” ins Deutsche, wobei aber “pepper” (auch chili pepper, red pepper usw.) für Chilischoten steht. Zudem lässt sich die Bezeichnung auf eine Ähnlichkeit in der Schärfe der beiden nicht mit einander verwandten Pflanzen zurückführen.
Der Pfefferspray enthält Oleoresin Capsicum, das aus dem Fruchtfleisch tropischer und subtropischer Chilipflanzen gewonnen wird, farblos und nicht ätzend ist und Capsaicin sowie verwandte Substanzen enthält.
Am Auge führt Oleoresin capsicum zu einem heftigen brennenden Schmerz und über eine Schwellung der Augenlider zu einem sofortigen, krampfartigen Verschliessen derselben für 5 – 10 Minuten, was einen Angreifer orientierungslos macht.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Mittwoch, November 11th, 2009
Von allen politischen Parteien zeigt meines Erachtens die SPS im Umgang mit dem Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin – leider – die undifferenzierteste Position und das ausgeprägteste Schwarz-Weiss-Denken. Das zeigt sich auch in den Forderungen der Sozialdemokratischen Partei nach verstärkter wissenschaftlicher Forschung im Bereich Komplementärmedizin. Fragwürdig ist allerdings nicht diese Forderung an sich, sondern die Art und Weise, in der sie gestellt wird. Da verlangt zum Beispiel SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga im SP Pressedienst vom 31. März. 2009: “Und es muss zwingend mehr wissenschaftliche Forschung an den Universitäten und Fachhochschulen betrieben werden können, damit die Wirksamkeit besser belegt werden kann.” Die selbe Simonetta Sommaruga sagt einige Tage später, in der Tagesschau vom 9. April 2009, 19.30 Uhr: “Wenn Bundesrat Couchepin aber die Zulassungsverfahren korrekt anwendet und umsetzt und unvoreingenommen prüft, dann gehe ich heute davon aus, dass die fünf Methoden wieder in die Grundversicherung zugelassen werden, weil sie nämlich wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind, das haben alle wissenschaftlichen Studien gezeigt.” Das ist ja wahnsinnig schnell gegangen mit dem wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit…. Wenn alle wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit der fünf zu Diskussion stehenden Komplementärmedizin-Methoden zeigen, wozu braucht es dann noch “zwingend” mehr wissenschaftliche Forschung, damit die Wirksamkeit besser belegt werden kann? Nun, dieser Widerspruch lässt sich leicht auflösen: Die Aussage von SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga, dass alle wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit der fünf Komplementärmedizin-Methoden zeigen, ist schlicht und einfach nicht wahr. Siehe dazu auch: Falschaussage von Simonetta Sommaruga zur Komplementärmedizin-Abstimmung Vor allem dass “alle” wissenschaftlichen Studien die Wirksamkeit (und Zweckmässigkeit) zeigen, scheint mir eine krasse Verzerrung. Aber schauen wir uns doch einmal die andere Aussage von Simonetta Sommaruga genauer an: “Und es muss zwingend mehr wissenschaftliche Forschung an den Universitäten und Fachhochschulen betrieben werden können, damit die Wirksamkeit besser belegt werden kann.” Wissenschaftliche Forschung sollte ergebnisoffen sein. Der Wissenschaft quasi einen Auftrag zu erteilen, der das Ergebnis schon vorspurt, ist ein sehr fragwürdiges Unterfangen. Wenn die Politik von der Wissenschaft Ergebnisse verlangt, um die eigenen Positionen zu untermauern, kommt das nicht gut heraus. Und diese Tendenz steckt meiner Ansicht nach in der Aussage von Simonetta Sommaruga. Zudem scheint mir, dass Simonetta Sommaruga die bisherige Forschung gar nicht zur Kenntnis nimmt. Wie sonst könnte sie behaupten, dass alle Studien die Wirksamkeit der Komplementärmedizin zeigen. Für einen ausgesprochen selektive Umgang mit der Forschungssituation spricht auch, dass SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga als Beleg für die Wirksamkeit der Komplementärmedizin die Studie von Heiner Frei heranzieht, welche der Homöopathie eine Wirksamkeit in der Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (ADHS) zuschrieb (SF Sendung Arena vom 24. 4. 2009). Im ähnlichen Sinn sagte SP-Nationalrätin Bea Heim (SO) bereits am 19. Sept. 2007 im Nationalrat: “Der Wirksamkeitsnachweis der Homöopathie ist erbracht: Nehmen Sie die Studie der Universität Bern über den Ein- satz von Homöopathie bei Kindern mit Aufmerksamkeitsdefi- zitsyndrom, eine Studie nach den Prinzipien der «evidence- based medicine».” Selektive Studiengläubigkeit Solche Aussagen zeigen meinem Eindruck nach eine sehr fragwürdige Studiengläubigkeit. Offenbar blind geglaubt wird genau jener Studie, welche die eigene Überzeugung stützt. Wir scheinen es hier also mit einer selektiven Studiengläubigkeit bzw. einer selektiven Wissenschaftsgläubigkeit zu tun zu haben. Eine Studie zeigt aber nicht einfach die Wahrheit. Sie kann nicht einfach die Wirksamkeit der Homöopathie beweisen. Studien sagen nicht direkt, wie es ist. Sie müssen interpretiert und bewertet werden. Es gibt immer auch falsch-positive und falsch-negative Studien, zum Beispiel wegen statistischer Ausreisser, vor allem bei Studien mit wenig Teilnehmenden (wie bei der Studie Frei). Studien sind fehleranfällig, sonst gäbe es keine widersprüchlichen Ergebnisse. In der Studie von H. Frei zeigte sich bei Kindern mit ADHS offenbar nach ziemlich langer Behandlungdauer ein (schwacher) Vorteil der homöopathischen Behandlung gegenüber Placebo. Die Studie entspricht wissenschaftlichen Kriterien (randomisiert-doppelblind) und der homöopathischen Forderung nach Individualisierung. Sie ist daher ernst zu nehmen. Ein sorgfältiger Umgang mit Studien, der diese nicht einfach für die eigene Position instrumentalisiert, würde sich aber auch mit der Kritik auseinandersetzen, die gegen sie vorgebracht wird. Zum Beispiel bei der “Frei-Studie” die Einwände von Prof. Dr. med. Götz-Erik Trott – FA f. Kinder- u. Jugendpsychiatrie u.f. Psychosomatische Medizin und Psychotherapie: “Open-label-Phase unbegrenzter Dauer; im Schnitt 5,1 Monate (1-18 Monate!), Nur Responder wurden in die Studie aufgenommen (50% Besserung im CGI unter Homöopatika), Komorbiditäten wurden nicht erfasst, keine Untersuchung durch einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die Eltern wussten, dass es sich um eine homöopathische Behandlung handelt, Carry-Over-Effekte wurden nicht berücksichtigt, auch unter Placebo fanden sich signifikante Effekte (p=0,04).” (Quelle: http://www.uniklinik-ulm.de/fileadmin/Kliniken/Kinder_Jugendpsychiatrie/Praesentationen/Trott_Psypharm_0908.pdf) Kritisiert wurde auch, dass nur die Eltern, die von der Homöopathie überzeugt sind, befragt wurden, nicht aber im Verlauf die betroffenen Kinder und Lehrer (Coulter MK, Dean ME, The Cochran library 2007, Issue 4, Wiley&Sons). Wenn man nur schon zur Kenntnis nehmen würde, dass es fachlich ernsthafte Kritik gibt an dieser Studie, würde man kaum derart plump gerade und einzig mit dieser Studie winken, welche die Wirksamkeit der Homöopathie beweisen soll. Ein sorgfältiger Umgang mit dieser Studie würde auch bedeuten, die Übersichtsstudie zur Kenntnis zu nehmen, welche nach Auswertung von vier Studien zu ADHS-Behandlung mit Homöopathie (incl. Studie von H. Frei) den Schluss zog, dass daraus keine signifikanter Effekt auf die Kernsymptomatik der ADHS sowie auf begleitende Störungen wie Angststörungen etc. festzustellen sei. Siehe: http://www.sfg-adhs.ch/downloads/adhsaktuell15.pdf Man muss meines Erachtens diese Kritik nicht teilen, aber sie mindestens zur Kenntnis zu nehmen wäre angemessen. Zur Kenntnis nehmen müsste man meiner Ansicht nach auch, dass es eine grosse Anzahl von Studien gibt, die wie die Studie Frei wissenschaftlichen und homöopathischen Kriterien entsprechen und keinen über Placebo hinausgehenden Effekt der Homöopathie zeigen konnten. Es scheint mir einfach eine Frage der Redlichkeit, kritische Einwände und gegensätzliche Resultate auch ernst zu nehmen und nicht nur selektiv jene Ergebnisse, welche die eigene Überzeugung stützen. Gerade bei der Forschung zur Homöopathie und zur Anthroposophischen Medizin ist die Lage gar nicht so klar und eindeutig, wie die SPS das darstellt. Im Gegenteil – es gibt Fragezeichen noch und noch. Warum blendet die SPS diese Seite komplet aus? Die total einseitige Rezeption und Darstellung der Forschung durch die SPS macht mir einen ziemlich fundamentalistischen Eindruck. Und dass nun “zwingend” die Wirksamkeit der Komplementärmedizin nachgewiesen werden soll, verstärkt diesen Eindruck noch. Was soll dann nach Ansicht der SPS geschehen mit negativen Ergebnissen? Weiterhin ausblenden und noch mehr Forschung verlangen? – Nur schon die Vorstellung, man könne pauschal die Wirksamkeit der Komplementärmedizin beweisen, scheint mir sehr realitätsfremd. In der Phytotherapie jedenfalls, in der ich mich auskenne, gibt es regelmässig positive und negative Forschungsergebnisse für einzelne Heilpflanzen. Ich kann mir schlecht vorstellen, auf welche Art pauschal die Wirksamkeit der Phytotherapie belegt werden soll. Aber die SPS verspricht so etwas – sie behauptet sogar, dass dies bereits geschehen sei. Und die Anthroposophische Medizin zum Beispiel basiert auf der Überzeugung, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in früheren Leben bedingt sind. Daraus folgen auf der therapeutischen Ebene Bemühungen um eine Verbesserung dieser Karma-Probleme. Es würde mich sehr interessieren, wie die SPS sich das genau vorstellt, wenn “zwingend” mehr Forschung stattfinden soll zum Nachweis der Wirksamkeit dieser “Karmaoptimierung”. Mehr dazu: Abstimmung Komplementärmedizin: Kritische Fragen an Simonetta Sommaruga zur Förderung der Anthroposophischen Medizin Komplementärmedizin-Abstimmung: Kritische Anmerkungen zur Anthroposophischen Medizin Aber wahrscheinlich wird dieser religiöse Kern der Anthroposophischen Medizin schon zum Vorneherein ausgeklammert, wenn es um Forschung geht, und man versucht Belege zu finden in Randgebieten, die solcher Forschung zugänglicher sind. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn die Forschungslage differenziert und transparent dargestellt würde. Wenn man aber wie die SPS vollmundig und pauschal verkündet, dass alle Studien die Wirksamkeit generell zeigen, und damit implizit auch eine Aussage über die Karmatheorie macht, scheint mir das eine massive Verzerrung. Obwohl ich mich der Naturheilkunde zugehörig fühle, verzichte ich gerne auf diese Art politischer Unterstützung, die auf Falschaussagen, hoch selektiver Darstellung von Sachverhalten und fundamentalistischen Tendenzen basiert. Diese Art der Unterstützung wirkt sich meines Erachtens negativ aus auf die Entwicklung von Komplementärmedizin und Naturheilkunde. Ein weiterer Widerspruch soll hier noch angefügt werden: Die Sozialdemokratische Partei fordert einerseits “zwingend” mehr Forschung, damit die Wirksamkeit der Komplementärmedizin bewiesen werden kann. Andererseits setzt sich die SPS dafür ein, dass bestimmte Gruppen von komplementärmedizinischen Heilmitteln bevorzugt werden, indem sie von jeglichem Nachweis ihrer Wirksamkeit befreit sein sollen (bzw. bleiben sollen). Siehe dazu auch: Sozialdemokratische Partei & Komplementärmedizin: Heimatschutz auch für unseriöse Naturheilmittel? Der Widerspruch liegt hier darin, dass Hersteller komplementärmedizinischer Produkte, die keine Wirksamkeit dokumentieren müssen, auch kein grosses Interesse an Forschung haben werden. Wozu forschen, wenn doch die Zulassung auch ohne diesen Aufwand erhältlich ist. Dann steckt eine Unternehmungsleitung das Geld sinnvoller in die Werbung. Prof. Rudolf Bauer vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz, einer der profiliertesten Arzneipflanzenforscher, schreibt unter dem Titel “Arzneipflanzenforschung – quo vadis?” zu dieser Problematik: “Für jedes zugelassene Arzneimittel muss der Nachweis von Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit erbracht werden. Dies gilt auch für pflanzliche Arzneimittel, auch wenn teilweise wegen der langen Erfahrung diese hohen Hürden als nicht nötig erachtet wurden. Rückblickend betrachtet, haben diese gesetzlichen Anforderungen die Arzneipflanzenforschung sicherlich stimuliert… Die Entwicklung, dass auf europäischer Ebene vor allem die Zulassung ,traditioneller‘ Arzneimittel mit ,weichen‘ Indikationen vorangetrieben wird, und die zunehmende Tendenz, dass pflanzliche Präparate als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt gebracht werden, lassen die Befürchtung aufkommen, dass durch den Wegfall des gesetzlichen Drucks in Zukunft weniger in die Forschung investiert wird.” Quelle: http://www.infektionsnetz.ch/frame.php?frame=http%3A//www.infektionsnetz.ch/stage/networkcenter.php%3Fnw%3D13%26cat%3D0%26table%3Darticle%26view%3Darticle%26id%3D10307 Auf universimed / Phytoforum, 27. 6. 2005 Es ist genau diese für die Forschung sehr fragwürdige Entwicklung, welche die Sozialdemokratische Partei voran treiben will. Ihre Forderung, es müsse mehr geforscht werden im Bereich Komplementärmedizin, sabotiert die SPS also gleich selber, indem sie die Hersteller vom Forschungsaufwand befreit. Oder stellt sich die SPS vor, dass der ganze Forschungsaufwand zu Lasten des Staates geht? Wenn die Forschung dadurch firmenunabhängiger wird, wäre das ja gar nicht so schlecht, braucht aber sehr viel Geld. Allerdings könnte dieser “Schuss” auch hinten hinaus gehen. In den USA pumpte der Staat seit 1999 über das National Center of Complementary and Alternative Medicine (NCCAM) rund 2,5 Milliarden Dollar in die Forschung im Bereich Komplementärmedizin. Laut dem Portal www.news.de räumte NCCAM-Leiterin Josephine Briggs ein, dass der Erkenntnisgewinn ihrer Behörde im ersten Jahrzehnt äußerst dürftig war. Trotz grosser finanzieller Ressourcen sind die bestätigenden Durchbrüche für die Komplementärmedizin ausgeblieben. Im Gegenteil: Manche Ergebnisse dieser grossen, unabhängigen Studien stellen Überzeugungen der Komplementärmedizin sehr in Frage. Aber der SPS geht es ja darum, dass “zwingend” mehr geforscht werden soll, um die Wirksamkeit zu beweisen. Da werden doch wohl keine negativen Ergebnisse auftauchen……. Falls die SPS fordert, dass der Staat viel Geld in die Hand nehmen soll für die “zwingend” zu erbringende Forschung zum Nachweis der Wirksamkeit der Komplementärmedizin, hätte ich allerdings schon noch die Frage, ob es nicht dringendere Forschungsbereiche gäbe, die näher bei den sozialdemokratischen Kernthemen liegen. Beispielsweise die Erforschung von schweren, aber seltenen Krankheiten, die kaum erforscht werden, weil sich hier kein attraktiver Markt auftut. Ich bin nicht gegen Forschung im Bereich Komplementärmedizin. Voraussetzung dafür wäre aber schon, dass man positive und negative Ergebnisse zur Kenntnis nimmt und nicht so einseitig-fundamentalistisch daherredet, wie die Sozialdemokratische Partei (SPS) dies meiner Ansicht nach im Bereich Komplementärmedizin tut. Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Sonntag, November 8th, 2009
In den Diskussionen rund um Vorbeugung und Therapie der Schweinegrippe taucht immer wieder die Frage nach Heilpflanzen auf, die ähnlich wie der Neuraminidase-Hemmer Tamiflu® wirken könnten. Tatsächlich wurden zahlreiche Heilkräuter, die in der traditionellen Pflanzenheilkunde gegen Erkältungskrankheiten und Grippe eingesetzt wurden oder werden, auf allfällige Wirkungen als Neuraminidase-Hemmer untersucht. Aus diesen Untersuchungen lassen sich allerdings keine fundierten Empfehlungen betreffend einer wirksamen Vorbeugung oder Behandlung der Schweinegrippe ableiten. Trotzdem scheinen mir diese Ergebnisse interessant und der Kenntnisnahme wert.
Hier also eine kurze Erklärung zu den Neuraminidase-Hemmern generell, gefolgt von einer Zusammenstellung der Forschungsresultate bezüglich Heilpflanzen mit Hemmeffekt auf die Neuraminidase.
Neuraminidase und Neuraminidase-Hemmer
Neuraminidase-Hemmer bzw. Hemmstoffe der Neuraminidase sind virustatisch wirkende Arzneimittel, welche jenes Oberflächenprotein hemmen, das die Antigenität verschiedener Bakterien und Viren mitbestimmt. Das Influenzavirus (Grippevirus) bindet über virales Hämagglutinin an die Oberfläche der Wirtszelle, dringt in die Zelle ein und vermehrt sich im Zellinneren. Die neugebildeten Viren knospen an der Zelloberfläche aus, bleiben aber über Rezeptoren an die Zelle gebunden. Mit Hilfe der viralen Neuraminidase wird die Bindung gespalten. Die Viren werden freigesetzt und können weitere Zellen infizieren. Neuraminidasehemmer blockieren die Neuraminidase, so dass sich die Viren nicht von der Wirtszelle lösen können und sich nicht weiter im Körper ausbreiten.
Der bekannteste Neuraminidase-Hemmer ist Oseltamivir, vertrieben als Tamiflu® von Roche.
Heilpflanzen als Neuraminidase-Hemmer
Die “Zeitschrift für Phytotherapie” (2008; 29: 65-70) veröffentlichte eine Studie zur “Wirkung von Pflanzenextrakten auf die Neuraminidase-Aktivität”.
Danach zeigten folgende Heilpflanzen-Extrakte starke Hemmwirkung:
Die wässrigen Extrakte von Achillea millefolium (Gemeine Schafgarbe), Camellia sinensis (Teepflanze), Cistus incanus (Zistrose), Eucalyptus globulus (Eukalyptus), Geranium sanguineum (Blutroter Storchenschnabel), Ginkgo biloba, Melissa officinalis (Zitronenmelisse), Rubus idaeus (Himbeere), Salvia officinalis (Garten-Salbei), Sanicula europaea (Sanikel), Scutellaria baicalensis (Baikal-Helmkraut) und Thymus vulgaris (Garten-Thymian).
Außerdem zählten die methanolischen Extrakte von Achillea millefolium, Chelidonium majus (Schöllkraut), Melissa officinalis, Phytolacca americana (Amerikanische Kermesbeere), Rubus idaeus, Salvia officinalis, Sanicula europaea, Scutellaria baicalensis und Thymus vulgaris zu dieser Gruppe.
Die methanolischen Extrakte von Geranium sanguineum, Eucalyptus globulus, Ginkgo biloba und der ethanolische Extrakt von Bergenia ligulata (Kaschmir-Bergenie) zeigten eine besonders starke Hemmaktivität. Darüber hinaus wies auch der frische Milchsaft von Chelidonium majus (Schöllkraut) eine starke Hemmaktivität auf.
Mittlere Hemmaktivität zeigten folgende Heilpflanzen-Extrakte:
Wässrige Extrakte von Chelidonium majus, Datura stramonium (Gemeiner Stechapfel), Phytolacca americana, Sambucus nigra (Schwarzer Holunder) und Sutherlandia frutescens (Ballonerbse).
Auch die methanolischen Extrakte von Datura stramonium, Sambucus nigra und Sutherlandia frutescens sowie der wässrige und methanolische Extrakt des Milchsaftes von Chelidonium majus (Schöllkraut).
Schwache Hemmaktivität zeigen folgende Heilpflanzen-Extrakte:
Die wässrigen Extrakte von Allium sativum (Knoblauch), Echinacea angustifolia (Schmalblättriger Sonnenhut), Eleuterococcus senticosus (Taigawurzel), Eupatorium cannabinum (Gewöhnlicher Wasserdost) und Zingiber officinale (Ingwer) sowie die methanolischen Extrakte von Allium sativum (Knoblauch), Echinacea angustifolia, Eleuterococcus senticosus, Eupatorium cannabinum (Gewöhnlicher Wasserdost) und Zingiber officinale (Ingwer).
Ebenfalls schwach wirkten die untersuchten ätherischen Öle.
Die Autoren des Artikels in der “Zeitschrift für Phytotherapie”, Sverre Morten Schwerdtfeger und Matthias F. Melzig, schreiben zu diesen Ergebnissen:
“Alle getesteten ätherischen Öle zeigten nur schwache Hemmaktivität auf die Neuraminidase. Mögliche antivirale Wirkungen müssen daher auf anderen Mechanismen als der Inhibierung dieses Enzyms beruhen. Eine Antiinfluenza-Eigenschaft jener pflanzlichen Extrakte mit schwacher Hemmaktivität lässt sich weiterhin nicht ausschließen, liegt jedoch nicht in der Neuraminidase-Inhibierung begründet. Auch eine allgemeine Stimulierung des Immunsystems kommt für die Nutzung in der Volksmedizin bei Grippe oder grippalen Infekten in Betracht.”
Die Autoren gehen dann speziell noch auf Heilpflanzen-Extrakte ein, die in dieser Untersuchung die stärksten Effekte als Neuraminidase-Hemmer zeigten. Es sind dies:
- Bergenia ligulata
- Eukalyptus globulus
Eukalyptusöl war aber nicht wirksam, die Autoren vermuten Flavonoide als potenteste Substanzen
- Geranium sanguineum
Allerdings konnte die in vitro (im Reagenzglas) beobachtete starke antivirale Wirkung nicht in dem gleichen Umfang in vivo (im lebenden Organismus = Tier) nachgewiesen werden.
- Ginkgo biloba
- Scutellaria baicalensis
Im Ausblick schreiben die Autoren:
“Da die Influenzaviren über Aerosole zuerst mit den Schleimhäuten der Mund- und Nasenhöhlen sowie des Epi- und Mesopharynx in Kontakt treten, bietet sich hier eine erste antivirale Therapie an, da eine Neuraminidase-Inhibierung innerhalb der ersten 48 Stunden nach Infektion erfolgen muss, um eine effektive Grippebehandlung zu bewirken. Gurgellösungen, Lutschpastillen, Nasentropfen oder Sprays können einen Schutzfilm über dem Epithel bilden, treten folglich als Erstes mit den Viren in Kontakt und nützten damit effektiv das schmale Zeitfenster einer erfolgreichen Therapie bei einfacher Applikation. Zugleich kommen dadurch auch hochmolekulare Substanzen zum Einsatz, die das Lungenepithel nicht erreichen bzw. vom Darmepithel nur schlecht oder gar nicht resorbiert werden, wie es bei Geranium sanguineum der Fall zu sein scheint.”
Kommentar & Ergänzung:
Das sind interessante Ergebnisse, doch muss festgehalten werden, dass es sich um Laborresultate handelt. Die Autoren haben die kritischen Punkte bereits angesprochen. Sind die wichtigsten Inhaltsstoffe aus dem Verdauungstrakt überhaupt in relevanter Menge resorbierbar? Lässt sich damit überhaupt eine wirksame Konzentration im Organismus erreichen?
Im Reagenzglas ist es nämlich immer ziemlich einfach, irgendwelche Ergebnisse zu erzielen. Ob sich ein Resultat aber auch positiv am kranken Menschen zeigt, ist eine ganz andere Sache. Das hat sich offenbar beim Blutroten Storchenschnabel gezeigt, der zwar im Labor einen starken Hemmeffekt entfaltete, dessen Wirkstoffe aber offenbar kaum resorbiert werden.
So bleibt dann noch die von den Autoren aufgeworfene Idee mit Gurgelungen und Spülungen im Mund-Rachenraum oder von Lutschpastillen und Nasensprays.
Als einfachste Variante wären dann Spülungen / Gurgelungen zum Beispiel mit Grüntee / Schwarztee denkbar, weil Camellia sinensis als wässriger Effekt starke Hemmwirkung zeigte. Dabei müsste man den Tee dann wohl 8 – 10 Minuten ziehen lassen, um eine hohe Konzentration an Polyphenolen zu erreichen.
Und die Anwendung müsste wahrscheinlich vorbeugend geschehen, weil eine Neuraminidase-Hemmung nur in den ersten Phasen der Infektion Sinn macht. Die Nase als Eintrittspforte bleibt dabei unberücksichtigt. Nasenspülungen mit starkem Schwarztee / Grünttee kann ich mir nicht so recht vorstellen. Spülungen mit Kochsalzlösung wären hier aber ziemlich sicher nützlich
Siehe dazu:
Schweinegrippe – was bieten die Heilpflanzen?
(mit Infos zur Kochsalzlösung)
Eine komplexe und ungesicherte Sache also, diese Neuraminidase-Hemmung mit Heilpflanzen, wenn man sie konkret unter die Lupe nimmt. Spekulation auf der Basis von experimentellen Ergebnissen halt, aber immerhin eine preisgünstige und aller Voraussicht nach unschädliche Spekulation.
Eine Impfung – sollte sie nochwendig sein – lässt sich meines Erachtens damit allerdings nicht ersetzen.
Interessant ist an den geschilderten Ergebnissen auch, dass die gegen Schweinegrippe stark propagierte Zistrose (Cistus incanus) bezüglich Neuraminidase-Hemmung zwar gut abgeschnitten hat, aber gar nicht so allein auf weiter Flur dasteht, wie das die Werbung darstellt.
Zu Cistus incanus siehe auch:
Cistus incanus – Grippemittel mit vielen offenen Fragen
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Freitag, November 6th, 2009
Wer regelmäßig Knoblauch oder Knoblauchpräparate einnimmt, schützt sich damit möglicherweise gegen Erkältungen.
Ein australisches Wissenschaftlerteam hat die Literatur nach Daten zu Präventions- und Therapieeffekten des Knoblauchs gegen banale Erkältungen untersucht. Von fünf Studien, welche infrage kamen, erfüllte nur eine die strengen Bedingungen der Forscher. 145 Freiwillige hatten über drei Monate täglich entweder eine Knoblauchpille mit 180 mg Allicin oder ein Scheinmedikament zu sich genommen. In der Knoblauchgruppe erkrankten in dieser Zeit 24 Personen an einer Erkältung, unter Placebo waren es dagegen 65. ??Aus dieser einen Studie Schlüsse auf die allgemeine Effektivität des Knoblauchs zur Erkältungsprophylaxe zu ziehen, halten die Autoren in der Cochrane-Publikation allerdings für gewagt. Es müssten weitere Untersuchungen her, um diese ersten Daten zu untermauern. ??
Quelle:
http://www.medical-tribune.de/patienten/news/24695/
Originalpublikation:
Elizabeth Lissiman et al., The Cochrane Library 2009; online first
Kommentar & Ergänzung:
Der Knoblauch ist wohl eine der ältesten Heilpflanzen.
Allicin gilt als einer der Hauptwirkstoffe des Knoblauchs. In Laborstudien zeigte Knoblauch antibakterielle und antivirale Effekte. Er wird in der traditionellen Pflanzenheilkunde seit Jahrhunderten zur Abwehr von Infektionskrankheiten eingesetzt, zum Beispiel gegen Grippe, aber auch gegen Pest und Cholera. Über eine allfällige Wirksamkeit lässt sich im Nachhinein nichts Fundiertes aussagen. Darum ist es interessant, wenn der Nutzen von Knoblauch nun unter kontrollierten Bedingungen untersucht wird. Nicht ganz einfach dürfte es allerdings sein, solche Knoblauch-Studien zu verblinden, das heisst sicherzustellen, dass die Versuchsperson nicht weiss, ob sie ein Placebo einnimmt oder ein Knoblauch-Präparat. Der Knoblauchduft ist in solchen Situationen ziemlich verräterisch….
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Donnerstag, November 5th, 2009
Wer sich mit Pflanzenheilkunde bzw. Phytotherapie befasst, sollte dies meiner Ansicht nach nicht nur mit Büchern oder vor dem Computer tun. Es braucht zwar diese Art des Wissens, doch genauso wichtig scheint mir das Kennenlernen der Heilpflanzen in der Natur, in ihren Lebensräumen. Dabei kann die Beziehung zu Heilpflanzen und Wildblumen aber sehr unterschiedliche und zum Teil auch fragwürdige Formen annehmen.
Dazu gibt es eine interessante und anregende Geschichte bei Arthur Schopenhauer:
“Ich fand eine Feldblume, bewunderte ihre Schönheit, ihre Vollendung in allen Teilen und rief aus: “Aber alles dieses, in ihr und Tausenden ihresgleichen, prangt und verblüht, von niemandem beachtet, ja oft von keinem Auge nur gesehn.” Sie aber antwortete: “Du Tor! Meinst du, ich blühe, um gesehen zu werden? Meiner und nicht der anderen wegen blühe ich, blühe, weil‘s mir gefällt: darin, daß ich blühe und bin, besteht meine Freude und Lust.”
Arthur Schopenhauer (1788 – 1860, Philosoph, aus: Parerga und Paralipomena: Kleine philosophische Schriften,
veröffentlicht 1851
Kommentar & Ergänzung:
Ein feiner und vielschichtiger Text. Allerdings spricht einiges dafür, dass Blumen durchaus gesehen werden wollen – nur nicht von uns, sondern von ihren Bestäubern, den Insekten. Das war zu Zeiten Schopenhauers vielleicht noch gar nicht so klar. Blumen sind dazu da, um uns Menschen zu erfreuen, zum Lobpreis des Schöpfers oder als Nahrungsquelle für Bienen. So lauteten über lange Zeiträume die Erklärungen. Erst 1793 veröffentlichte Christian Konrad Sprengel sein Buch: “Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen”. Er hatte unter anderem am Schmalblättrigen Weidenröschen entdeckt, dass die Insekten für Bestäubung und Vermehrung vieler Pflanzen notwendig sind.
Mit dieser Idee hatte er allerdings keinen Erfolg. Erst Charles Darwin verschaffte ihm 1859 die verdiente Anerkennung. Schopenhauer dürfte daher 1851 wohl noch nichts davon gewusst haben, dass die Blumen auf eine bestimmte Weise gesehen werden wollen – wenn auch nicht von uns. Wobei “wollen” in diesem Zusammenhang in die Irre führt.
Wir Menschen unterstellen der Natur gerne Absichten, weil uns das vertraut ist von unserem eigenen Verhalten. Die Natur “will” aber nichts. Sagen kann man jedoch, dass Blumen an ein Gegenüber gerichtet sind, und dass wahrgenommen werden für sie wichtig ist. Das ist vielleicht ein Grund dafür, dass uns Blumen so ansprechen, obwohl wir nicht gemeint sind.
Wesentlicher scheint mir aber ein anderer Aspekt in dieser “Feldblumen-Geschichte”: Schopenhauer‘s Text drückt vielleicht auch aus, dass sich der Mensch in seinem Verhältnis zu den Pflanzen nicht zu wichtig nehmen soll.
Wir Menschen sind den Pflanzen wohl ziemlich egal. Pflanzen brauchen unsere Bewunderung nicht. Sie sind nicht auf uns gerichtet. Wir sind nicht das Zentrum der Veranstaltung, die man Natur nennt. Das scheint mir wichtig festzuhalten auch bezüglich Pflanzenheilkunde & Phytotherapie.
Hier hört oder liest man zum Beispiel immer wieder die Ansicht – auch in Ausbildungen – dass wir genau diejenigen Heilpflanzen benötigen, die zu uns in den Garten kommen. Ich halte dies für eine sehr fragwürdige Idee, die aber zweifellos ihre Vorteile hat. Erstens braucht man mit dieser Einstellung nichts zu denken und nichts zu lernen. Man muss nur abwarten, wer kommt, und hat dann Gewissheit, dass dies nun richtig sei. Etwas hart ausgedrückt: Eine perfekte Lösung für denkfaule Leute.
Und zweitens ist die Vorstellung natürlich wohltuend, dass da jemand – eine Heilpflanze – zu mir kommt und sich um mich kümmert. Ohne Ansprüche zu stellen. Das ist im Grunde genommen eine Haltung, wie sie ein Kleinkind gegenüber den Eltern hat, keine reife Beziehung. Wenn Pflanzen sich so um uns Menschen sorgen, dass sie uns aufsuchen, wenn wir sie nötig haben, dann stehen wir wirklich im Zentrum der Veranstaltung. Viel angemessener und bescheidener scheint mir, wenn wir davon ausgehen, dass Pflanzen in unseren Garten kommen, weil sie dort Bedingungen finden, die für sie günstig sind.
Eine ähnliche Selbstüberschätzung liegt in der Vorstellung, dass Pflanzen uns durch eine Signatur, durch Farben und Formen mitteilen, wofür sie für uns Menschen gut sind. Auch in dieser Signaturenlehre steht der Mensch im Mittelpunkt. Im Mittelalter und in der Renaissance, als die Signaturenlehre ihren Höhepunkt erreicht hatte, verstand sich der Mensch tatsächlich als Krone der Schöpfung und Pflanzen und Tiere galten als auf ihn hin erschaffen. Wer sich historisch fundiert mit der faszinierenden Signaturenlehre befassen will, kann dies in meinem Kurs über die “Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit
(Info: www.phytotherapie-seminare.ch/index.php).
Heute scheint es mir allerdings, dass wir uns nicht so wichtig nehmen sollten. Formen und Farben der Blüten entwickeln die Pflanzen nicht als Zeichen für uns, sondern weil sie genau so richtig sind für sie in ihrem Lebensumfeld.
Schopenhauers Text drückt diese Bescheidenheit der Natur gegenüber aus. Und er zeigt, dass man die Feldblumen auch mit dieser Grundhaltung lieben und sich an ihnen freuen kann.
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Dienstag, November 3rd, 2009
Das Buch “Aromatherapie” von Dietrich Wabner und Christiane Beier (Hrsg.) – soviel gleich vorneweg – ist von allen mir bekannten Aromatherapie-Büchern am Fundiertesten.
Das Buch enthält unter anderem:
- Eine Einführung in die Grundlagen der Aromatherapie, zum Beispiel: Herstellung von ätherischen Ölen, Qualitätsrichtlinien, Standards und Reinheit. Chemische Stoffklassen, Toxikologie und Nebenwirkungen von ätherischen Ölen, Wirkungen und Wirkprinzipien, Riechen und Geruchssinn. Anwendungsformen der ätherischen Öle (Innerlich, nasal, über die Haut). Handhabung, Aufbewahrung und Haltbarkeit von ätherischen Ölen.
- Auf 148 Seiten werden anschliessend die wichtigen ätherischen Öle, Hydrolate und fetten Öle detailliert vorgestellt mit ihren Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten.
- Ausführlich behandelt werden dann die wichtigen Indikationen und Anwendungsgebiete von ätherischen Ölen wie:
Erkrankungen des Verdauungstraktes
HNO-Erkrankungen und Erkrankungen der Atemwege
Herz-Kreislauf- und Gefässerkrankungen
Erkrankungen der Harnblase und Harnwege
Orthopädie und Rheumatologie
Gynäkologie
Hauterkrankungen
Schmerzen
Psychosomatische Störungen und psychische Erkrankungen
In allen Bereichen werden die relevanten ätherischen Öle genannt und zahlreiche Mischungen vorgestellt.
- Es folgt die Anwendung von Aromatherapie in verschiedenen speziellen Terrains:
Aromatherapie in der Pädiatrie
Aromatherapie in der Geriatrie und bei schwerkranken Patienten
Aromatherapie im Hospiz und in der Palliativmedizin
Aromatherapie in der Onkologie
Aromatherapie im Krankenhaus und in der Hebammenarbeit
Das Buch bietet eine Fülle von guten, nützlichen und fundierten Informationen, hat aber auch ein paar Schwächen:
- An einigen Stellen werden Wirkungen, die von Heilpflanzen-Präparaten wie Kräutertee oder Extrakten her bekannt sind, unbesehen auf die entsprechenden ätherischen Öle übertragen. Das geht so nicht, weil in einer Heilpflanze meistens neben den ätherischen Ölen noch weitere Wirkstoffe vorhanden sind wie Flavonoide, Gerbstoffe oder Bitterstoffe.
- Immer wieder findet man sehr vage Ausdrücke wie “stärkend”, “stabilisierend”, “leberwirksam”. Das ist unbefriedigend. Eine stabilisierende Wirkung, wer kann das nicht schon brauchen? Leberwirksam, das sagt nichts konkretes aus.
- Die angegebenen Wirkeigenschaften sind nur zum Teil durch Studien gestützt und zum Teil schlicht unglaubwürdig, so zum Beispiel die Angabe “lipolytisch” (“fettlösend”) bei Grapefruitöl und die daraus abgeleitete Indikation Zellulite.
- Die Quellenangaben sind oft nicht aufgeführt, was es schwieriger macht, die Angaben auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen.
Alle drei Schwach-Punkte findet man allerdings regelmässig bei den meisten Aromatherapie-Büchern.
Das Buch verspricht auf dem rückseitigen Klappentext “fundierte und studiengestützte Informationen”. Diesen Anspruch erfüllt es nur zum Teil.
Aber wie schon am Anfang erwähnt: Alles in allem das fundierteste mir bekannte Aromatherapie-Fachbuch – gut geeignet für Aromapflege und für die Phytotherapie, in der auch ätherische Öle eingesetzt werden.
Sie können dieses Aromatherapie-Buch anschauen und auch bestellen im Phytotherapie-Buchshop.
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