Archive for Oktober, 2009
Sonntag, Oktober 18th, 2009
Sie interessieren sich für eine Naturheilkunde-Ausbildung?
Sie suchen eine für Sie geeignete Naturheilkunde-Ausbildung und merken, wie schwierig eine solche Wahl ist?
Dann helfen Ihnen die folgenden Anregungen und Kriterien vielleicht, sich in diesem Terrain etwas besser zu orientieren.
1. Naturheilkunde – ein unscharfer Begriff
Naturheilkunde ist ein Begriff, der sehr unterschiedlich verwendet wird. Sie können daher unter dieser Bezeichnung sehr verschiedene Methoden versammelt finden. Das gilt auch für den Inhalt von Naturheilkunde-Ausbildungen. Vergleichen Sie daher genau und prüfen Sie, ob die angebotenen Methoden Ihnen entsprechen. Eine Definition des Begriffs Naturheilkunde finden Sie hier:
Naturheilkunde – was ist das?
2. Fehlende Qualitätskontrolle bei Naturheilkunde-Ausbildungen
Es ist m. E. nützlich zu wissen, dass eine auch nur einigermassen fundierte Qualitätskontrolle im Bereich der Naturheilkunde-Ausbildung nicht oder dann nur dem Schein nach besteht. Es gibt zwar Richtlinien darüber – zum Beispiel vom sogenannten EMR – wie viele Ausbildungsstunden in den einzelnen Methoden nötig sind, damit ein Naturheilpraktiker oder eine Naturheilpraktikerin mit Krankenkassen via Zusatzversicherung abrechnen kann.
Das ist eine quantitative Kontrolle. Wie fundiert die Inhalte sind, welche in diesen Stunden vermittelt werden, bleibt völlig im Ermessen der Schulen und der Dozierenden. Das Fehlen einer unabhängigen inhaltlichen Qualitätskontrolle in Naturheilkunde-Ausbildungen ist für die Weiterentwicklung dieses Bereiches eigentlich ein Desaster.
Dem liegt allerdings ein grundsätzliches Problem zugrunde:
Viele Bereiche von Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin entziehen sich schon von den Methoden und Theorien her einer auch nur einigermassen objektiven, unabhängigen Überprüfung. Und wo sie in Teilbereichen wissenschaftlich überprüfbar wären, wird diese Form von Qualitätskontrolle oft abgelehnt.
Dann stellt sich aber die Frage, nach welchen unabhängigen Kriterien eine Qualitätssicherung überhaupt stattfinden könnte. In den medizinischen Grundlagenfächern, die auch Bestandteil der Naturheilkunde-Ausbildungen sind, ist das einfacher, weil es in der Medizin neben strittigen Punkten auch einen grossen Stock an anerkannten Standards gibt.
Auch für die Phytotherapie, sofern und soweit sie sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse bezieht, gibt es solche anerkannten Standards (z. B. die ESCOP-Monografien), die eine qualitative Überprüfung von vermitteltem Wissen möglich machen.
Zwar gibt es keine Garantie, dass solche Standards korrekt sind. Es kommt sogar immer wieder einmal vor, dass sie sich als falsch erweisen.
Aber es sind immerhin Standards, die auf einem breiten Konsens von Fachleuten basieren und mit Hilfe von überprüfbaren, reproduzierbaren Kriterien zustande gekommen sind. Das ist ein gewisser Schutz dagegen, dass irgendein “Furz” einer Einzelperson oder einer Clique plötzlich zum Dogma erhoben wird, wie es im Bereich Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin leider nicht gerade selten vorkommt.
Wer auf der Suche nach einer passenden Naturheilkunde-Ausbildung ist, steht also vor der ziemlich grossen Herausforderung, sich selber ein Urteil zu bilden über die inhaltliche Qualität des Angebotes.
3. Prüfsteine für Naturheilkunde-Ausbildungen
Wie also bildet man sich ein sorgfältiges Urteil über die Qualität einer Naturheilkunde-Ausbildung, wenn unabhängige, reproduzierbare Kriterien zur Einschätzung des fachlichen Inhalts kaum vorhanden sind?
Meiner Erfahrung nach ist es an diesem Punkt vor allem wichtig, verstärkt die Grundhaltung einer Schule und ihrer Lehrkräfte unter die Lupe zu nehmen.
Wie gehen diese Personen um mit dem Wissen, das sie vermitteln und wie bewegen sie sich im Terrain zwischen Krankheit, Gesundheit und Heilen?
Folgende Prüfsteine können als Anregung für diesen Prüf- und Entscheidungsvorgang dienen:
3.1. Schwarz-Weiss-Denken meiden
Es gibt im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin nicht wenige Ausbildungsstätten oder Einzelpersonen, die Sie mit ihren eigenen Feindbildern gegen die “Schulmedizin” abfüllen wollen. Erkennbar ist dies am ausgeprägten Schwarz-Weiss-Denken: Hier die gute, lebens- und menschenfreundliche Naturheilkunde, dort die schädliche, menschenverachtende Medizin. Notwendig wäre dagegen eine kritisch-differenzierte Auseinandersetzung mit Medizin und Naturheilkunde. Wer nur kritisch gegenüber der sogenannten “Schulmedizin” auftritt, in der Naturheilkunde aber blauäugig alles wunderbar findet, ist nicht wirklich kritisch, sondern nur verhaftet in den eigenen Feindbildern. Weil solch einseitige Haltungen aber letztlich den Patientinnen und Patienten schaden, empfiehlt es sich, um solche Schulen einen weiten Bogen zu machen.
3. 2. Werden Misserfolge, unerwünschte Nebenwirkungen und Grenzen thematisiert?
Wer nur von Heilerfolgen redet oder schreibt, nie jedoch von Misserfolgen und Grenzen der eigenen Methoden, der blendet einen wichtigen Bereich der Realität aus. Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass es jemals eine Heilmethode gab oder geben wird, die weder Misserfolge noch Grenzen kennt.
Fragwürdig ist auch, wenn zum Beispiel in einem Heilpflanzenbuch nur von wunderbaren Heilwirkungen, nie aber von unerwünschten Nebenwirkungen die Rede ist. Es spricht viel dafür, dass, was therapeutische Wirkung entfaltet, auch unerwünschte Nebenwirkungen zeigen kann. Das gilt auch für Behandlungen im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin.
Wer sich nicht mit Misserfolgen oder Grenzen der eigenen Methoden auseinandersetzt, lernt kaum etwas und entwickelt sich und seine therapeutischen Werkzeuge nicht weiter. Ich würde empfehlen, solche Ausbildungsinstitute oder solche Dozentinnen und Dozenten zu meiden.
3.3. Naturheilkunde-Ausbildungen sollen nicht zu Überidentifikation führen
Wer die unbegrenzten Möglichkeiten der Naturheilkunde in den schönsten Farben ausmalt, ohne auf die Grenzen hinzuweisen, idealisiert sie. Das passiert vor allem Menschen, die sich sehr stark mit der Naturheilkunde identifizieren. Und wer sich zu stark identifiziert, verliert jede Distanz, die nötig wäre, um zwischendurch auch mal einen kritischen Gedanken zum eigenen Gebiet zu fassen. Darum wäre ich sehr skeptisch, wenn Dozierende in Naturheilkunde-Ausbildungen sich zu 150% mit ihren Methoden identifizieren. Wer seine Identität so vollständig auf der eigenen Rolle als Naturheiler aufbaut, wird sich bei jeder kritischen Bemerkung persönlich angegriffen fühlen. So wird ein differenzierter Umgang mit den Möglichkeiten und Grenzen der Naturheilkunde fast unmöglich. Dozentinnen und Dozenten in Naturheilkunde-Ausbildungen dürfen und sollen durchaus von ihrem Gebiet überzeugt sein, aber zwischendurch auch genug Distanz haben, um Grenzen, offene Fragen und heikle Punkte in ihrem Fachbereich zu erkennen.
3.4. Widersprüche und offene Fragen gehören zu einer sorgfältigen Naturheilkunde-Ausbildung.
Es gibt wohl keinen Wissensbereich in der ganzen Welt, der vollständig geklärt ist. Auch in der Naturheilkunde gibt es zahlreiche offene Fragen und Widersprüche. Mir fällt schon seit langer Zeit auf, dass es viele Naturheilkunde-Ausbildungen gibt, die scheinbar fragloses, absolut sicheres Wissen vermitteln. “So ist es!”, lautet offenbar deren Grundprinzip. Das hat zur Folge, dass Studierende nach der Ausbildung wie Missionare auftreten und dieses “Wissen” genauso unreflektiert predigen, wie sie es vermittelt bekommen haben. Auch dieser Missionarismus schadet meiner Meinung nach den Patientinnen und Patienten und er behindert zudem eine produktive Weiterentwicklung der Naturheilkunde.
3.5. Optative statt normative Grundhaltungen
Es geistern im Bereich von Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin viele normative Grundhaltungen herum, das heisst mit anderen Worten fixe Anweisungen, was zu tun und was zu lassen ist. Ich würde eine Naturheilkunde-Ausbildung vorziehen, die eine optative Haltung einnimmt, also Optionen, Wahlmöglichkeiten für die Patientinnen und Patienten aufzeigt. Zu den Optionen gehört jeweils auch der Hinweis auf “schulmedizinische” Möglichkeiten, ohne dass diese Option routinemässig schlecht gemacht oder gar dämonisiert wird (was in der Naturheilkunde leider oft vorkommt). Diese grundsätzliche Offenheit auch für “schulmedizinische” Optionen ist allerdings nicht mit Kritiklosigkeit zu verwechseln.
3.6. Achten Sie auf diffuse, aber wohlklingende Begriffe
In der Naturheilkunde trifft man oft Leute, die mit zwar wohlklingenden, aber bei genauerer Betrachtung ziemlich vagen bis nebulösen Begriffen operieren.
Manche Ausschreibungen oder Inserate für Naturheilkunde-Ausbildungen sind gespickt mit Worten wie Ganzheitlich, Schwingungen, Energie, Wesen der Pflanzen, etc.
Das Problem mit solchen Worthülsen ist, dass sie bei manchen Personen diffuse Bedürfnisse ansprechen und darum sehr verkaufsfördernd sind. Gleichzeitig sind sie aber so nichtssagend oder vage, dass jeder und jede sich darunter etwas ganz anderes vorstellt. Dann kann man sich über lange Zeit bestens darüber unterhalten und gleichzeitig vollkommen aneinander vorbeireden, weil jeder in seinen eigenen Vorstellungen gefangen ist.
So wird beispielsweise in der Pflanzenheilkunde manchmal vom “Wesen der Pflanzen” gesprochen, das erkannt werden müsse, wenn Heilpflanzen erfolgreich angewendet werden sollen. Der bedeutungsschwer tönende Begriff vom “Wesen der Pflanzen” bleibt aber ungeklärt. So kann jeder Mensch seine eigenen Vorstellungen damit verbinden. Werden diese nie thematisiert, reden die beteiligten Personen aneinander vorbei, während sie zugleich vielleicht sogar glauben, sie würden sich gut verstehen. Unter dem Etikett des “Wesens” der Pflanzen werden dann eigene Deutungen als allgemein gültig verkauft. Anstelle eines sorgfältigen “so sehe ich diese Pflanze” gilt dann ein dogmatisierendes “so ist diese Pflanze”.
Achten Sie auf solch diffuse Begriffe in den Prospekten von Naturheilkunde-Ausbildungen, aber auch in Gesprächen mit Schulleitungen und Dozierenden. Falls solche Luftblasen vermehrt auftauchen lohnt es sich genau nachzufragen, was damit gemeint ist. Die Art der Antwort auf solche Nachfragen ist häufig aufschlussreich. Oft bekommen Sie dazu nur wirre Auskünfte, weil die entsprechenden Personen sich selber die Bedeutungen der von ihnen verwendeten Begriffe gar nie klar gemacht haben. Oder die Nachfrage wird gar als Zumutung empfunden. Eine solche Naturheilkunde-Ausbildung würde ich dann ebenfalls meiden….
3.7. Begründungen – nicht nur Behauptungen
Ich würde einen grossen Bogen machen um Naturheilkunde-Ausbildungen, die nur Behauptungen in den Raum stellen ohne sie so gut wie möglich zu begründen.
Wer nur mit Behauptungen abgefüllt wird, kann nur blind glauben oder ebenso blind ablehnen. Und wer bereits Geld für die Ausbildung bezahlt hat wird geneigt sein zu glauben, was ihm da als Gegenleistung angeboten wird. Wer das Angebot blind zurückweist, steht schlussendlich mit leeren Taschen da.
Nur die Alternative zwischen blind glauben und blind ablehnen zu haben ist aber irgendwie unwürdig für mündige Menschen.
Nur wenn auch Begründungen geliefert werden dazu, wie jemand zu einer Aussage kommt, können Sie sich eine eigene Meinung bilden. Aufgrund welcher Beobachtungen, Erfahrungen oder Überlegungen kommt jemand zum Beispiel zur Aussage, dass Heilpflanze XY gegen Krankheit Z. wirkt? Auf welche Quellen beruft er oder sie sich?
Skepsis ist angebracht, wenn Begründungen durch Schlagworte ersetzt werden. Ein oft gehörtes Beispiel dafür ist der Spruch: “Wer heilt hat recht!” – Er fegt scheinbar die Notwendigkeit von plausiblen Begründungen vom Tisch. Ausgeklammert bleibt dabei, ob die Heilung spezifisch mit der Therapie zusammenhängt, oder ob sie auf die Selbstheilungskräfte des Organismus zurück zu führen ist, oder auf den Placebo-Effekt, der bei jeder Behandlung mitbeteiligt ist.
Diese sieben Prüfsteine sind natürlich nicht abschliessend gemeint und sie geben auch keine Sicherheit für die Wahl einer optimalen Naturheilkunde-Ausbildung. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Prüfung solcher Grundhaltungen dabei ein zentraler Punkt ist. Und zwar für die Sicherheit zukünftiger Patientinnen und Patienten, aber auf einer grundsätzlicheren Ebene auch für eine positive Entwicklung der Naturheilkunde.
Ich würde jedenfalls, wenn ich eine Naturheilkunde-Ausbildung wählen müsste, sorgfältig das Schulprogramm und die Prospekte studieren, mit der Schulleitung reden, einen Probe-Unterrichtstag absolvieren, und dabei diese sieben Prüfsteine gut im Auge behalten.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Ausbildungen, EMR, ESCOP, Exkursionen, Gesundheitsberufe, Heilkräuter, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, Klinik, Komplementärmedizin, Krankenkassen, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Kurse, Medizin, Naturheilkunde, Naturheilkunde-Ausbildung, Nebenwirkungen, Palliative Care, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Psychiatrische Klinik, Schmerzen, Schulmedizin, Schweiz, Spital, Spitex, Weiterbildung, Winterthur, Zürich, Zusatzversicherung
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Samstag, Oktober 17th, 2009
In dieser Jahreszeit sieht man Kürbisse wieder in verschiedensten Farben und Formen.
Die Kürbis-Pflanzen stammen ursprünglich aus Amerika. Angebaut werden die domestizierten Arten heute aber weltweit in den warmen Gebieten.
Die verschiedenen Kürbis-Arten wurden großteils unabhängig voneinander für die gleiche Verwendung domestiziert. Die Kürbis-Kultivierung hat eine lange Geschichte.
Neuere Funde von Kürbisamen, die von domestizierten Pflanzen stammen, sind auf 8.000 bis 10.000 v. u. Z. zu datieren. Der Garten-Kürbis wurde in Mexiko und im Süden der USA domestiziert, der Moschus-Kürbis in Zentral-Amerika, der Riesen-Kürbis in Südamerika. Es wird vermutet, dass ursprünglich die nahrhaften Samen genutzt wurden, da diese frei von Bitterstoffen sind, während alle Wildformen bittere Früchte besitzen. Die Auslese nichtbitterer Formen ermöglichte auch die Nutzung als Gemüse. Schon in präkolumbischer Zeit gab es eine große Sortenvielfalt. Bereits früh kamen Kürbissamen auch nach Europa, wo die Kürbisse gerne kultiviert wurden.
Kürbis als Symbol
Als exotisches Gewächs wurde dem Kürbis reichlich Beachtung geschenkt und er kam zu verschiedenen symbolischen Bedeutungen in der abendländischen Kulturgeschichte.
Seit Urzeiten nutzte man Kürbisse als Gefässe für Wasser, Wein oder Salz. Sie dienten auch Wanderern oft als Wasserbehälter. Aus diesem Grund wurde der Kürbis in der Malerei als Attribut für Wallfahrer und heilige Pilger verwendet.
Der Kürbis diente aber auch als Symbol für das Kurze Glück. Cesare Ripa (um 1555 – 1622) ein italienischer Koch, Schriftsteller und Gelehrter, schreibt dazu in seinem Werk “Iconologia”, der Kürbis schiesse rasch in die Höhe, verliere aber ebenso schnell wieder an Kraft und falle zu Boden.
Kürbis-Abbildungen aus der Malerei und weitere Hinweise auf die Kürbissymbole sind zu finden im Buch “Die Natur und ihre Symbole” im Buchshop in Abschnitt zur Kulturgeschichte der Pflanzen.
Kürbissamen in der Phytotherapie bei Prostatabeschwerden
Neben Sabal (Sägepalme) und Brennesselwurzel gehören die Kürbissamen zu den zentralen Heilpflanzen zur Behandlung von Prostatabeschwerden aufgrund gutartiger Prostatavergrösserung. Auch bei Reizblase werden sie eingenommen. Entscheidend bei diesen Anwendungen von Kürbissamen im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde eine ausreichende Dosierung und eine lange Anwendungsdauer. Das gilt für alle Heilpflanzen-Präparate zur Linderung von Prostatabeschwerden.
Kürbis als Gemüse
Als Gemüse ist der Kürbis mit gerade mal 27 Kalorien auf 100 Gramm Fruchtfleisch ein wirklich gesunder Sattmacher. Kürbisfleisch besteht nämlich zu 93 % aus Wasser. Es liefert aber auch verschiedene wertvolle Vitamine wie Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A)., ausserdem wichtige Mineralstoffe wie beispielsweise Kalium, Kalzium und Phosphor Weiter enthält der Kürbis Nahrungsfasern, die sich als unverdauliche Inhaltsstoffe günstig auf die Verdauung auswirken und ein gutes Sättigungsgefühl bewirken.
Der Kürbis hat also eine ausgesprochen interessante Kulturgeschichte, er gilt zu Recht als eine der wirksamen Heilpflanzen und wird als wertvolles Nahrungsmittel genutzt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Donnerstag, Oktober 15th, 2009
Naturheilkunde findet erfreulicherweise zunehmend Interesse. Dadurch werden wir jedoch auch überschwemmt mit Ratschlägen, Versprechungen und Behauptungen zu diesem Thema. Sich in dieser Vielfalt zu orientieren ist keine leichte Aufgabe.
Im Gebiet der Naturheilkunde fehlt es nämlich weit gehend an Qualitätskontrolle – bei Therapeutinnen und Therapeuten, im Bereich der Ausbildungsinstitute, aber auch bei Apotheken und Drogerien. Papier ist sowieso geduldig. Gedruckt wird praktisch alles, was sich verkaufen lässt. Und im Internet findet sich neben hochwertiger Information auch jede Menge Schrott. Konsumentinnen und Konsumenten sind darum zum grossen Teil auf sich allein gestellt, wenn sie sich in diesem Dschungel eine eigene Meinung bilden wollen. Sie finden hier 14 Prüfsteine, die zur Orientierung und Klärung beitragen können – und das nicht nur in der Naturheilkunde.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 1.:
Quellenangaben verlangen
Wenn Sie Ratschläge, Versprechungen oder Behauptungen auf Glaubwürdigkeit prüfen wollen, verlangen Sie konsequent Quellenangaben: Wer hat was, wann und wo gesagt oder geschrieben?
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 2:
Begründungen verlangen
Akzeptieren Sie keine reinen Behauptungen. Verlangen Sie Begründungen. Auf Grund welcher Erfahrungen, Beobachtungen oder Überlegungen kommt jemand zu einer Aussage?
Wenn Sie Quelle und Begründungen kennen, lässt sich die Glaubwürdigkeit einer Behauptung eher einschätzen.
Skepsis ist angebracht, wenn Begründungen durch Schlagworte ersetzt werden. Ein oft gehörtes Beispiel dafür ist der Spruch: “Wer heilt hat recht!” – Er fegt scheinbar die Notwendigkeit von plausiblen Begründungen vom Tisch. Ausgeklammert bleibt dabei, ob die Heilung spezifisch mit der Therapie zusammenhängt, oder ob sie auf die Selbstheilungskräfte des Organismus zurück zu führen ist, oder auf den Placebo-Effekt, der bei jeder Behandlung mitbeteiligt ist.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 3:
Verständlichkeit verlangen
Verlangen Sie verständliche Begründungen. Erstarren Sie nicht vor Ehrfurcht, wenn Sie eine Erklärung nicht verstehen. Unverständlichkeit wird manchmal als Folge besonders tief greifender oder gar höherer Erkenntnis aufgefasst. Genauso gut kann sie aber ein Ergebnis wirrer Gedankengänge sein.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 4:
Bestätigung durch Fachwelt
Steht die zu prüfende Behauptung isoliert da oder wird sie von anderen Fachleuten oder Büchern geteilt? Zwar wird eine Meinung nicht unbedingt wahr dadurch, dass Sie von zahlreichen Personen geteilt wird – auch viele können sich irren. Von einer isoliert dastehenden Behauptung müssen jedoch besonders plausible Gründe verlangt werden. Die Glaubwürdigkeit einer Aussage steigt dagegen, wenn sie die kritische Diskussion in der Fachwelt “überlebt” hat.
Schwierig an diesem Punkt ist allerdings, dass im Bereich Naturheilkunde gar nicht so eindeutig auf der Hand liegt, wer oder was nun zur “Fachwelt” zählt und was nicht. Kriterien dazu fehlen. Die anderen Naturheilkunde-Prüfsteine können aber diesbezüglich Hinweise geben.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 5:
Suspekte Heilungsgarantien
Vorsicht bei absoluten Heilungsversprechen, die zum beispielsweise mit “immer” oder “nie mehr” daher kommen. Menschliche Gesundheit und Krankheit sind viel zu komplex, als dass Garantien abgegeben werden könnten. Wer dies trotzdem tut, gehört wohl zu den “terrible simplificateurs”, den “schrecklichen Vereinfachern”.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 6:
Feindbilder meiden!
Wie in anderen Bereichen der Komplementärmedizin auch, gibt es in der Naturheilkunde nicht wenige Leute, die Sie mit ihren eigenen Feindbildern gegen die “Schulmedizin” abfüllen wollen. Man erkennt solche Personen an ihrem Schwarz-Weiss-Denken: Hier die gute, lebens- und menschenfreundliche Naturheilkunde, dort die schädliche, menschenverachtende Medizin. Notwendig wäre dagegen eine kritisch-differenzierte Auseinandersetzung mit Medizin und Naturheilkunde. Wer nur kritisch gegenüber der sogenannten “Schulmedizin” auftritt, in der Naturheilkunde aber blauäugig alles wunderbar findet, ist nicht wirklich kritisch, sondern nur verhaftet in den eigenen Feindbildern.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 7:
Werden Misserfolge, unerwünschte Nebenwirkungen und Grenzen thematisiert?
Wer nur von Heilerfolgen redet oder schreibt, nie jedoch von Misserfolgen und Grenzen der eigenen Methoden, der blendet einen wichtigen Bereich der Realität aus. Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass es jemals eine Heilmethode gab oder geben wird, die weder Misserfolge noch Grenzen kennt.
Fragwürdig ist auch, wenn zum Beispiel in einem Heilpflanzenbuch nur von wunderbaren Heilwirkungen, nie aber von unerwünschten Nebenwirkungen die Rede ist. Es spricht viel dafür, dass, was therapeutische Wirkung entfaltet, auch unerwünschte Nebenwirkungen zeigen kann. Das gilt auch für Behandlungen mit Heilpflanzen.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 8:
Arbeitsteiliges Wissen bevorzugen
Vorsicht ist angebracht, wenn ein einzelner Mensch ein scheinbar geniales, aber durch andere unüberprüfbares Heilsystem aus dem Hut zaubert. Daraus entsteht oft die Grundlage für ein Guru-System. Solche Angaben kann man nur glauben oder nicht. Arbeitsteilig in kleinen Schritten gewonnene Erkenntnisse dagegen sind zwar viel weniger spektakulär, stehen dafür aber auf sichererem Fundament. Ein einzelner Mensch ist anfälliger für Irrtum und (Selbst-)Täuschung. Narzissmus und Selbstüberschätzung können beispielsweise dazu verführen, eigene Deutungen zum Beispiel von Heilpflanzen für allgemeingültig zu erklären, statt klar zu stellen, dass es sich um Interpretationen handelt.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 9:
Vorsicht bei grossen Versprechungen
Je grösser die Versprechungen, desto mehr Belege sind zu fordern! Achten Sie auf Leute mit Grössenphantasien. Charakteristisch für solche Personen ist, dass sie sich und ihren Methoden grundsätzlich alles zutrauen. Das äussert sich zum Beispiel in Sprüchen wie: “Gegen jede Krankheit ist ein Kräutchen gewachsen” oder “Die Schulmedizin behandelt nur Symptome, wir dagegen behandeln die Ursachen”. Letzteres trieft vor Arroganz, ist doch das Finden der letztendlichen Ursachen einer Krankheit ein äusserst schwieriges, wenn nicht gar unmögliches Unterfangen.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 10:
Diffuse Begriffe in Frage stellen!
In der Naturheilkunde gibt es eine “Szene”, die mit äusserst vagen Begriffen operiert und damit viele Leute einnebelt. So wird zum Beispiel gern vom “Wesen der Pflanzen” gesprochen, das erkannt werden müsse, wenn Heilpflanzen erfolgreich angewendet werden sollen. Der bedeutungsschwer tönende Begriff vom “Wesen der Pflanzen” bleibt aber weitestgehend ungeklärt. So kann jeder Mensch seine eigenen Vorstellungen damit verbinden. Werden diese nie thematisiert, reden die beteiligten Personen vollkommen aneinander vorbei, während sie zugleich glauben, sie würden sich gut verstehen. Unter dem Etikett des “Wesens” der Pflanzen werden dann eigene Deutungen als allgemein gültig verkauft. Anstelle eines sorgfältigen “so sehe ich diese Pflanze” gilt dann ein dogmatisierendes “so ist diese Pflanze”.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 11:
Transparenz verlangen!
Akzeptieren Sie es nicht, wenn Ihnen die Zusammensetzung eines Heilmittels, einer Teemischung oder eines anderen Präparates, verschwiegen wird. Mündige und aufgeklärte Patientinnen und Patienten wissen, was sie einnehmen.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 12:
Popularität ist nicht unbedingt gleichzusetzen mit Qualität
Lassen Sie sich nicht täuschen von hohen Buchauflagen und grosser Bekanntheit. Beides entsteht hauptsächlich, wenn ein Buch oder ein Mensch Bedürfnisse weiter Kreise bedient. Daraus folgt nicht zwangsläufig, dass die vertretenen Ansichten richtig und die Behandlung wirksam sein muss. Oder halten Sie McDonalds qualitativ für das beste Restaurant? Cola für das wertvollste Getränk?
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 13:
Vorsicht bei Heilungsgeschichten
Bleiben Sie skeptisch bei überschwänglichen Heilungsgeschichten. Dabei werden oft Placebo-Effekte und Selbstheilungsvorgänge ausgeblendet.
Naturheilkunde-Prüfstein Nr. 14:
“Erfahrung” reicht nicht als Begründung
Oft werden Ratschläge und Heilungsversprechungen nur begründet mit Aussagen wie: “Es wirkt doch, ich habe es selbst erlebt”. Dieser simple Rückgriff auf “Erfahrung” ist naiv, weil es keine reine Erfahrung geben kann, die uns unmittelbar etwas sagt. Wir kommen nur mit bereits (durch uns) wahrgenommener und interpretierter Erfahrung in Kontakt. Und jede Erfahrung ist bereits durch unsere vorgängigen Theorien und Überzeugungen beeinflusst. Erfahrung allein zählt zudem nicht, man muss auch aus ihr gelernt haben. Dazu braucht es Auseinandersetzung mit den eigenen Erfahrungen, Vergleiche mit den Erfahrungen anderer Leute in ähnlichen Situationen etc.
Diese 14 Naturheilkunde-Prüfsteine garantieren nicht, dass Sie sicher die Spreu vom Weizen trennen können. Sie schärfen aber die Wahrnehmung für Qualitätsunterschiede. Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen! Prüfen Sie Behauptungen, Meinungen und Versprechungen.
Zum Thema Naturheilkunde-Ausbildung siehe auch:
Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus
Und was ist eigentlich Naturheilkunde genau?
Siehe dazu:
Naturheilkunde – was ist das?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Mittwoch, Oktober 14th, 2009
Amarogentin gilt als bitterste natürliche Substanz der Welt und kommt im Enzian vor. Mit welchen Geschmackssensoren Menschen Amarogentin wahrnehmen, hat nun ein deutsch-italienisches Wissenschaftlerteam entdeckt. Vier Sensoren seien beteiligt, teilte das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam mit.
Das hätten DIfE-Wissenschaftler zusammen mit Kollegen von der Universität Piemont in Italien herausgefunden. Amarogentin sei immer noch zu schmecken, wenn ein Schnapsglas davon in einer Wassermenge verdünnt werde, die 5800 Badewannenfüllungen entspreche, schreibt das DIfE in einer Mitteilung.
Menschen nehmen Bitterstoffe mit Rezeptoren wahr, welche wie “Antennen” auf den Geschmackszellen sitzen. Dockt eine Substanz an einen oder mehrere der Rezeptoren an, wird ein Signal ans Gehirn gesendet: Das da schmeckt bitter. Wichtig ist diese Meldung, weil vor allem giftige Stoffe häufig bitter sind. Die 25 menschlichen Bitterrezeptor-Gene seien seit Jahren bekannt, schreibt das DIfE. Es sei jedoch bisher noch nicht gelungen, für jeden Bitterstoff die dazugehörigen Rezeptoren zu identifizieren.
In ihrer Studie untersuchten die Forscher um Maik Behrens und Wolfgang Meyerhof vom DIfE acht Rezeptortypen auf Wechselwirkungen mit verschiedenen Bitterstoffen. Sie konnten dabei zeigen, dass Amarogentin vier dieser acht Sensoren aktiviert (J. Agric. Food Chem., online vorab, Oktober 2009).
Das Wissen über die Geschmackswahrnehmung sei wichtig, um zu verstehen, wie Nahrungspräferenzen entstehen, wird Meyerhof in der Mitteilung des DIfE zitiert. Ebenso sei es denkbar, die Studienresultate zu nutzen, um spezielle “Bitterblocker” zu entwickeln, die den schlechten Geschmack von Medikamenten verringern.
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de
Originalpublikation:
http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/jf9014334
Kommentar & Ergänzung:
Beim erwähnten “Enzian” dürfte es sich um den “Gelben Enzian” (Gentiana lutea) handeln, der auch zur Produktion von Enzianschnaps verwendet wird und der in seiner Wurzel den Bitterstoff “Amarogentin” enthält.
Die Gattung “Enzian” (Gentiana) umfasst weltweit 300 bis 400 Arten, vorwiegend in den Gebirgen der nördlich gemäßigten Zonen, aber auch in den Anden. Enziane fehlen dagegen in Afrika. In Europa wachsen etwa 35 Arten hauptsächlich in den Alpen.
Während Enziane in der populären Vorstellung blau sind (Heino!), ist es eben gerade der Gelbe Enzian, der vewendet wird in der Schnapsbrennerei und als Heilpflanze.
Die Enzianwurzel ist als Bitterstoffpflanze Bestandteil vieler Heilkräuter-Präparate zur Verdauungsförderung.
Weitere Bitterstoffpflanzen mit Bedeutung in der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde sind beispielsweise:
- Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea)
- Fieberklee (Bitterklee, Menyanthes trifoliata)
- Kardobenediktenkraut (Cnicus benedictus)
- Löwenzahn (Taraxacum officinale)
- Artischocke (Cynara scolymus, als Artischockenblatt)
- Wermut (Artemisia absinthium), Wermut gehört zu dem Amara aromatica, das sind Heilpflanzen, die neben Bitterstoffen noch ätherisches Öl enthalten.
- Schafgarbe (Achillea millefolium), Amarum aromaticum
- Engelwurz (Angelica archangelica), Amarum aromaticum
Diese bitteren Heilpflanzen findet man häufig in Teemischungen oder Tinkturen zu Verdauungsförderung, gegen Völlegefühl etc., zum Teil auch in Aperitiven und Kräuterschnäpsen.
Darüber hinaus gibt es noch einige Heilpflanzen, die ebenfall stark bitteren Geschmack zeigen, aber wegen zusätzlichen anderweitigen Effekten ausserhalb des Verdauungstraktes genutzt werden, beispielsweise:
- Hopfen (Humulus lupulus) als Beruhigungsmittel und gegen Schlafstörungen;
- Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) bei Rheuma, Arthrose;
- Isländisch Moos (Cetraria islandica), ein Amarum mucilaginosum = Bitterstoffe und Schleimstoffe enthaltend, gegen trockenen Reizhusten.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
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Sonntag, Oktober 11th, 2009
Capsaicin-Pflaster und Botulinumtoxin-Injektionen reduzieren neuropathische Schmerzen der Haut langanhaltend. Erkenntnisse zu diesem Thema erläuterte Professor Dr. Ralf Baron, Präsident des Deutschen Schmerzkongresses in Berlin, an einer Pressekonferenz. Capsaicin stammt aus Chili-Schoten und bewirkt normalerweise ein schmerzhaftes Brennen der Haut, indem es dort TRPV1-Rezeptoren (Transient Receptor Potential Vanilloid 1), eine Untereinheit der Schmerzrezeptoren, stimuliert. Aber hochdosiert löst es eine Übererregung der TRPV1-Rezeptoren aus und macht damit die Nervenenden unempfindlich für Schmerzreize. Dieser Vorgang liegt dem Pflaster QutenzaTM (NGX-4010) des US-amerikanischen Unternehmens NeurogesX zugrunde. Es enthält 8 Prozent Capsaicin, wird auf die nötige Größe und Form zugeschnitten und anschliessend für 30 bis 60 Minuten auf die schmerzenden Hautbereiche aufgeklebt. So bewirkt es für drei Monate eine Schmerzstillung. Die Therapie läst sich regelmäßig wiederholen. Das Capsaicin-Präparat wurde in vier klinischen Studien an insgesamt 1619 Erwachsenen mit neuropathischen Schmerzen infolge einer Gürtelrose oder HIV-Infektion getestet. Die Teilnehmer bekamen entweder das Testpräparat oder ein Kontrollpflaster (0,04 Prozent Capsaicin) und mussten zu bestimmten Zeitpunkten ihre Schmerzen auf einer Skala bewerten. Demnach vermochte NGX-4010 den Schmerz zwar nicht gänzlich zu dämpfen. Es zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede zu den Vergleichsgruppen. Am 15. Mai 2009 erteilte die Europäische Kommission die Genehmigung, das Capsaicin-Präparat in der EU zur Therapie peripherer neuropathischer Schmerzen bei erwachsenen Nichtdiabetikern in Verkehr zu bringen. «Bald dürfte die Markteinführung erfolgen», erklärte Prof. Baron.
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/
Kommentar & Ergänzung:
Capsaicin aus Paprika / Chili gilt in der Phytotherapie schon seit Jahren als ausgesprochen interessanter Wirkstoff gegen verschiedene Schmerzen.
Auffallend an dem beschriebenen Capsaicin-Pflaster ist die vergleichsweise hohe Capsaicin-Konzentration von 8% und die lange Wirkungsdauer von drei Monaten. Auf die Markteinführung dieses Produktes kann man gespannt sein.
Hier noch ergänzende Infos zu Paprika / Chili / Capsaicin:
Capsaicin stammt aus Pflanzen der Gattung Capsicum (Paprika, gehört zur Familie der Nachtschattengewächse Solanaceae). Es handelt sich um ein Alkaloid, das nur bei Säugetieren durch Wirkung auf spezifische Rezeptoren einen Hitze- oder Schärfereiz etwa beim Verzehr von Paprika- oder Chilischoten hervorruft.
Capsaicin, das durch Verwendung scharfer Chilifrüchte in relativ hohen Konzentrationen traditionell in der mexikanischen, indischen, indonesischen und thailändischen Küche vorkommt, hat aufgrund seines Einflusses auf den serotonergen und dopaminergen Haushalt des Nucleus accumbens eine nach dem Abklingen der Schärfeempfindung schmerzlindernde Wirkung.
Schon die amerikanischen Ureinwohner nutzten Paprika als Heilmittel, unter anderem gegen Zahnschmerzen oder Arthrose. Teile dieser Behandlungsechniken wurden nach der Entdeckung Amerikas auch von Europäern in die Volksmedizin übernommen. Der heute bekannteste Einsatz von Paprika in der Medizin sind Capsaicin-Pflaster, die bei rheumatischen Schmerzen eingesetzt werden.
Auch gegen andere Beschwerden, wie Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, diabetische Neuropathie oder postherpetische und trigeminale Neuralgie, werden Capsaicin-haltige Präparate eingesetzt.
Weitere Möglichkeiten zur medizinischen Anwendung von Capsaicin werden regelmäßig bekannt. 2006 wurde zum Beispiel festgestellt, dass eine hohe Dosis Capsaicin Prostatakrebszellen in Mäusen abtötet. Solche Laborexperimente sagen allerdings noch sehr wenig aus über allfällige Wirkung bei Menschen mit Prostatakrebs.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Alkaloid, Arthrose, Ausbildungen, Botulinumtoxin, Capsaicin, Chili, Chili-Pflaster, diabethische Neuropathie, Exkursionen, gegen, Gesundheitsberufe, Gürtelrose, Heilkräuter, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, Hexenschuss, HIV-Infektion, Klinik, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Kurse, Migräne, Nachtschattengewächse, Naturheilkunde, Nervenschmerzen, Palliative Care, Paprika, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Prostatakrebs, Psychiatrische Klinik, Qutenza, Schmerzen, Schmerzrezeptoren, Schweiz, Solanaceae, Spital, Spitex, trigeminale Neuralgie, Weiterbildung, Winterthur, Zahnschmerzen, Zürich
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Sonntag, Oktober 11th, 2009
Schlaf ist für die körperliche und geistige Erholung unentbehrlich. Neben dem Einsatz von Heilpflanzen-Präparaten und synthetischen Arzneimitteln gibt es auch nicht medikamentöse Therapiemöglichkeiten. Im Zentrum stehen dabei Verhaltensänderungen zur Verminderung der Schlafstörungen bzw. Schlaflosigkeit.
Hier die wichtigsten Fakten zum Thema Schlafhygiene, die auf www.pharmavista.net veröffentlicht wurden:
Allgemeines zum Phänomen Schlaf:
-Das Schlafbedürfnis ist sehr individuell. Es existiert keinen Normwert (durchschnittliche Schlafdauer: 7 Stunden).
-Auch bei guter Schlafqualität kommt es in der Nacht zu mehreren Wachphasen.
-Mit steigendem Alter wird der Schlaf unruhiger und oberflächlicher. Die Wachphasen treten regelmässiger auf und verlängern sich.
-Die Schlafqualität wird vorwiegend anhand des Erholungseffekts bewertet (Wohlbefinden während des Tages).
-Längeres Liegenbleiben im Bett verschlechtert die Qualität des Schlafes, anstatt sie zu verbessern.
-Ärger über die schlechte Schlafqualität beeinträchtigt das Schlafvermögen.
-Die körperliche Verfassung hat einen starken Einfluss auf den Schlaf und kann die Ursache für Schlafstörungen sein.
Schlafhygiene-Regeln:
-Schlafrestriktion: später zu Bett gehen und früher aufstehen
-Morgens immer zur selben Zeit aufstehen, unabhängig von der Schlafdauer, auch am Wochenende (Wecker stellen)
-Keine Nickerchen im Verlaufe des Tages (Mittagsschlaf, Dösen vor dem Fernseher)
-Nur zu Bett gehen bei ausgeprägter Müdigkeit.
-Äussere Reize wie Fernsehen, Lektüre usw. ausschalten. Bett nur zum Schlafen benutzen (erlaubt sind aber sexuelle Aktivitäten).
-Tritt der Schlaf nach 15-20 Minuten nicht ein, aufstehen und sich beschäftigen bis die Müdigkeit sich einstellt (bei Bedarf mehrmals pro Nacht wiederholen).
-Abends auf Koffein, Alkohol und Nikotin verzichten. Gegen Ende des Tages schwere Speisen meiden.
-Tagsüber regelmässig körperliche Betätigung (spätestens 3-4 Stunden vor dem Schlafen keine sportlichen Aktivitäten mehr).
-Vor dem zu Bett gehen anstrengende geistige und körperliche Aktivitäten meiden.
-Ein persönliches Schlafritual ausarbeiten (Entspannungsphase vor dem Einschlafen usw.).
Quelle:
www.pharmavista.net
Kommentar & Ergänzung:
Jeder Mensch erlebt wohl gelegentlich eine Nacht mit ungenügendem oder fehlendem Schlaf. Grund zur Beunruhigung ist das in der Regel nicht. Dieses Defizit gleicht der Organismus in den folgenden Nächten wieder aus.
Sehr viel schwieriger wird der Umgang mit chronischen Schafstörungen. In solchen Situationen können synthetische Schlafmittel wie Dalmadorm ®, Dormicum ®, Halcion ®, Loramet ®, Mogadon ®, Noctamid ®, Normison ®, Rohypnol ®, Somnium ® oder Stilnox ® , zwar kurzfristige Erleichterung bringen, sie verschärfen und vermehren aber auf längere Sicht oft die Probleme.
Nichtmedikamentöse Massnahmen sind daher sehr wichtig, und sie werden in ihrer Bedeutung oft unterschätzt (auch in anderen Bereichen). Sie kosten in der Regel kaum etwas, weshalb auch niemand grosses Interesse daran hat, sie aktiv zu propagandieren.
Die oben zusammengefassten nichtmedikamentösen Massnahmen bei Schlafstörungen wurde man in der klassischen Naturheilkunde zum Bereich “Lebensordnung” zählen.
Eine weitere Möglichkeit neben den nichtmedikamentösen Massnahmen und den synthetischen Schlafmitteln bieten Heilpflanzen-Präparate auf der Basis von Baldrian, Melisse, Passionsblume und Hopfen, sowie ätherische Öle (Lavendelöl, Melissenöl).
Viele Menschen schätzen auch als Abendgetränk einen Orangenblütentee oder Goldmelissentee.
Heilpflanzen-Präparate als Schlafhilfen haben den grossen Vorteil, dass sie nicht abhängig machen. Im Gegensatz zu vielen synthetischen Schlafmitteln fördern sie zudem nicht die Sturzgefahr bei älteren Menschen. Aus diesen Gründen empfehlen auch viele Medizinerinnen und Mediziner, wenn immer möglich Heilpflanzen-Präparate den synthetischen Schlafmitteln vorzuziehen.
Einen Text zur Kulturgeschichte des Schlafes habe ich in der Zeitschrift “Reflexe” veröffentlicht.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Samstag, Oktober 10th, 2009
Akute Atemwegsinfektionen zählen zu den häufigsten Erkrankungen
des Menschen. Es kann dabei zum Befall der oberen Atemwege kommen (Schnupfen, Stirnhöhlenentzündung, Rachenentzündung, Mandelentzündung), oft sind aber auch die unteren Atemwege beteiligt (Bronchitis, Lungenentzündung).
Die Verteilung der Atemwegsinfektionen in der Bevölkerung ist nicht
einheitlich: Neugeborene und ältere Patienten sind
zwei- bis dreimal stärker betroffen als jüngere Erwachsene.
Bei weniger als einem Prozent aller Atemwegsinfektionen werden heute
Untersuchungen zum Nachweis der ursächlichen Krankheitserreger durchgeführt.
Trotzdem werden in etwa 60 Prozent aller Fälle zur Therapie dieser
Gruppe von Erkrankungen Antibiotika verschrieben. Und das, obwohl der
grössere Teil dieser Infektionen durch Viren verursacht ist, die durch Antibiotika nicht bekämpft werden können.
Lungenentzündungen bedürfen der Leitlinien-gerechten ärztlichen Diagnostik und
Erreger-angepassten Behandlung. Bei schwereren
Verläufen ist eine stationäre Therapie im Spital angezeigt.
Bei der Behandlung entzündlicher Erkrankungen im Bereich der oberen
Atemwege konzentrieren sich die therapeutischen Maßnahmen sowohl auf die von den betroffenen Patienten als unangenehm empfundenen
Befindlichkeitsstörungen wie verstopfte Nase und Entzündungsgefühl,
als auch auf die Verhinderung möglicher langfristiger Folgen wie
Erkrankungen im Bereich der Nebenhöhlen, des Mittelohrs und der
unteren Luftwege.
Virale und bakterielle Infektionen des Nasen-Rachen-Raumes sowie die
dadurch ausgelösten Entzündungsprozesse führen durch erweiterte
Arteriolen, Ödembildung und Sekretstau zu einer Schwellung der
Schleimhäute, wodurch die Nasenatmung behindert wird. Damit
verbunden sind oft weitere Einschränkungen des Allgemeinbefindens
wie Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Auf
pathophysiologischer Ebene besteht eine Verminderung der mukoziliären
Clearance (Flimmerhärchen-Aktivität) mit dem Risiko sekundärer Infektionen, verstärkt durch Beeinträchtigung der unspezifischen körpereigenen Abwehr und eines Sekretstaues.
Die Risiken einer ungezielten Antibiotika-Behandlung bestehen hauptsächlich in
möglichen allergischen Reaktionen und in Störungen der physiologischen
Bakterienflora – und zwar nicht nur des Darmes, sondern auch des
Nasen-Rachen-Raumes. Bedingt durch eine wiederholte Anwendung von
Antibiotika kann es zu Resistenzentwicklungen und zu Verschiebungen
der normalen Flora zugunsten pathogener Keime kommen, mit der Folge,
dass die Rückfallneigung durch die antibiotische Behandlung selbst
gesteigert wird.
Ein angemessenes Therapiekonzept bei akuten unkomplizierten
Atemwegsinfektionen sollte in der Lage sein
- die Intensität und Dauer der Symptomatik positiv zu beeinflussen,
- die immunologische Abwehr zu stärken und
- einer Keimbesiedlung der Schleimhäute in den Atemwegen
entgegenzuwirken und damit die bakterielle Superinfektion und die
Rückfallneigung zu verringern.
Verschiedene Heilpflanzen-Extrakte wirken – wie in vitro Untersuchungen zeigen
konnten – ursächlich gegen die Erreger von Atemwegsinfektionen.
- Virostatische Effekte sind zum Beispiel für Thymiankraut und
Cineol dokumentiert.
- Antibakterielle Effekte konnten unter anderem bei Ampferkraut,
Pelargoniumwurzel oder Meerrettichwurzel gezeigt werden.
Besonders interessant ist dabei die verhältnismässig breite Wirksamkeit einzelner
Heilpflanzen-Extrakte gegen verschiedene sowohl Gram-positive, als auch Gram-
negative Erreger. Sogar die gegen Antibiotika speziell resistenten
Bakterien (u.a. Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, MRSA),
reagieren gut auf die pflanzlichen Substanzen.
Zusätzlich kann die für die Etablierung und Ausbreitung einer Infektion
wesentliche Anheftungs-Fähigkeit von Mikroorganismen an Epithelzellen effektiv durch pflanzliche Oligosaccharide (beispielsweise enthalten in Zubereitungen aus
Karotten oder Eibischwurzel) blockiert werden.
Ebenfalls als ursächlich wirksam sind Effekte einzustufen, die durch die
pflanzlichen Inhaltsstoffe aus Echinacea, Eibischwurzel, Kamillenblüten
oder Eisenkraut im Bereich der Infektabwehr stattfinden. Dazu zählt die
Stimulation von Zellen des Immunsystems zur Herstellung von
- Botenstoffen wie Zytokinen,
- von körpereigenen Abwehrmechanismen wie dem sogenannten
“oxidativen bursts”, oder
- der Produktion von Defensinen.
Die häufig von betroffenen Patientinnen und Patienten berichtete sehr rasche initiale
Besserung der klinischen Symptomatik dürfte allerdings vor allem
- auf entzündungswidrige Effekte (bei Kamillenblüten, Primelextrakten,
Scharfgarbenkraut),
- auf bronchienerweiternde Effekte (Thymiankraut, Efeublätter) und
- auf sekretolytische Wirkungen (viele ätherische Öle, Enzianwurzel,
Thymiankraut, Primel)
zurückzuführen sein.
Auch wenn viele klinische und tierexperimentelle Untersuchungen die
Wirksamkeit von Heilpflanzen-Extrakten bei Patienten Atemwegsinfektionen
belegen, sind die zu Grunde liegenden exakten molekularen
Mechanismen, sowie die dafür verantwortlichen Einzelsubstanzen oder
Substanzmischungen oft noch nicht bekannt. Zum Teil sind sie ein
Gegenstand gegenwärtiger Arzneipflanzen-Forschung.
Quelle:
http://www.phytotherapie-komitee.de,
Statement von Prof. André Gessner, Universitätsklinikum Erlangen
Kommentar & Ergänzung:
Diese Informationen stammen aus einer Stellungnahme, die das “Komitee Forschende Naturmedizin” publiziert hat. Die Angaben zu den Wirkungen einzelner Heilpflanzen sind zum aller grössten Teil korrekt. Das Problem dabei ist nur, dass es eine ganze Menge an Hintergrundwissen brauchen würde, um daraus korrekte Schlussfolgerungen zu ziehen und die Heilpflanzen-Präparate dementsprechend sinnvoll anzuwenden.
Beispiele:
In vitro – also im Reagenzglas, im Labor – lassen sich die beschriebenen virostatischen (= virushemmenden) Effekte einfach und eindrücklich zeigen, zum Beispiel für Thymianöl oder für Cineol als Hauptbestandteil von Eukalyptusöl. Eine ganz andere Frage ist, ob Thymianöl oder Eukalyptusöl diese Effekte auch bei der Anwendung gegen Husten oder Schnupfen am kranken Menschen zeigt.
Dazu gibt es kaum Dokumentationen und viele offene Fragen. Inhaliert man Thymianöl oder Eukalyptusöl, scheint eine virusstatische Wirkung vorstellbar, weil das ätherische Öl via Inhalation direkt in die Atemwege belangen kann. Trinkt man einen Thymiankrauttee, ist aber sehr fraglich, ob das ätherische Öl in ausreichender Dosierung in den ganzen Organismus gelangt, um dort systemisch eine virustatische Wirkung zu entfalten. Solche Differenzierungen sind aber nötig, wenn Heilpflanzen-Präparate fundiert und sorgfältig eingesetzt werden sollen.
Ähnliches gilt für die antibakteriellen Effekte von Ampferkraut, Pelargoniumwurzel (Umckaloabo) und Meerrettichwurzel. Das heisst aber nicht, dass diese Heilpflanzen bei Erkältungkrankheiten keine nützlichen Effekte bewirken können, nur sind vielleicht andere Erklärungsmodelle dafür nötig. Ein direkter antibakterieller Effekt bei Einnahme scheint mir am ehesten bei der Meerrettichwurzel vorhanden zu sein (auch bei Blasenentzündung).
Karotten enthalten tatsächlich ein Oligogalakturonid, das nach Untersuchungen an der Universität Wien bereits in einer Konzentration von 0,005% die Anheftung von schädlichen Bakterien an die Darmschleimhaut hemmt. Dieser Effekt wird offenbar in der traditionellen Karottensuppe gegen Durchfall bei Kleinkindern genutzt. Im Anwendungsbereich von Erkältungskrankheiten ist die Karottensuppe als Behandlungsmethode sehr unüblich. Eibischwurzel dagegen wird gerne eingesetzt. Siehe dazu auch:
Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelien
Die Angaben zur Infektabwehr sind ebenfalls wenig griffig. Konkrete und verhältnismässig ausführliche Untersuchungen zur Wirkung auf das menschliche Immunsystem bei Menschen mit Erkältungskrankheiten gibt es für Echinacea – für Kamillenblüten, Eisenkraut und Eibischwurzel sind die Unterlagen dazu dürftig.
Entzündungswidrige Effekte von Kamillenblüten (und in geringerem Mass von Schafgarbenkraut) sind zu erwarten bei äusserlicher Anwendung auf der Haut und bei Spülungen zum Beispiel im Mund-Rachenraum, sowie bei Kamillendämpfen (Inhalation). Sehr unwahrscheinlich ist eine systemische Wirkung im ganzen Organismus nach Einnahme als Kamillentee. Primelextrakt (gemeint ist Schüsselblumenwurzel) wirkt schleimlösend bei Husten, während die erwähnte entzündungswidrige Wirkung sehr fraglich ist.
Bronchienerweiternd wirken Thymianblätter und Efeublätter grundsätzlich schon. Thymian aber hauptsächlich als Thymianöl (Inhalation), kaum jedoch oral als Thymiantee. Und Efeublätter sollten gar nicht als Tee angewendet werden, sondern nur in Form eines standardisierten Trockenextraktes.
Sekretolytisch ( = auswurffördernd, schleimlösend) wirken tatsächlich viele ätherische Öle (Thymianöl Anisöl, Eukalyptusöl), bei Thymiankraut und bei Primelwurzel (Tee, Extrakt) ist die Wirkung ebenfalls wahrscheinlich, Enzianwurzel ist als Bitterstoffpflanze für diesen Bereich etwas “exotisch” und nur tierexperimentell belegt.
Dieser Text des “Komitees Forschende Naturmedizin” gibt also einerseits zweifellos interessante Tipps, enthält aber auch viele Ungenauigkeiten und bleibt da und dort ziemlich schwammig. Ausserdem, das merkt aber nur wer sich in diesem Metier auskennt, ist er stark auf die Produkte eines bestimmten Phytopharmaka-Herstellers zugeschnitten.
Heilpflanzen sinnvoll und wirksam anzuwenden setzt daher voraus, dass wir gelernt haben, genau hinzuschauen und immer wieder zu differenzieren. Es genügt nicht zu sagen: Thymian wirkt gegen Husten. Die Frage ist auch, gegen welche Art von Husten und in welcher Anwendungsform. Diese Präzisierungen sind die Basis einer fundierten Phytotherapie / Pflanzenheilkunde.
Wer sich dieses Wissen aneignen möchte, kann dies im Lehrgang für Integrative Phytotherapie oder im Heilpflanzen-Seminar. Info auf www.phytotherapie-seminare.ch
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Mittwoch, Oktober 7th, 2009
Auf www.internisten-im-netz.de veröffentlicht der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) Tipps zur Stärkung des Immunsystems zur Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten. Schaut man sich die Tipps genauer an, handelt es sich um ein ziemlich umfassendes Konzept auf der Basis einer Naturheilkunde, wie sie beispielsweise Sebastian Kneipp schon vertreten hat.
Das zeigt, dass Naturheilkunde und Medizin kompatibel sind, was bei Komplementärmedizin und Medizin oft nicht der Fall ist.
Hier die Empfehlungen des BDI (Text von mir leicht modifiziert bei gleichbleibenden Aussagen):
Zwar können tiefere Temperaturen, wie sie im herannahenden Herbst bevorstehen, das Immunsystem schwächen und damit Schnupfen und andere Infekte begünstigen. “Jedoch sollte man sich nicht zu warm anziehen und nicht nur heiß duschen, da dies den Körper noch empfindlicher gegenüber niedrigen Temperaturen macht. Stattdessen können regelmäßige kalte Güsse und kalte Waschungen des Oberkörpers zum Beispiel 2- bis 3-mal in der Woche bereits im Spätsommer die Immunabwehr für den Herbst stärken”, empfielt Dr. Wolfgang Wesiack, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). “Saunabesuche einmal in der Woche oder regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft haben einen ähnlichen Trainingseffekt.”
Menschen, die zu wenig Schlaf bekommen, sind anfälliger für Infektionen durch Bakterien und Viren. “Es ist zwar individuell verschieden, wie viel Schlaf man benötigt, wichtig ist es jedoch, alle Tiefschlafphasen zu durchlaufen um einen Erholungseffekt zu erreichen. Am besten sind für die meisten Menschen 7 bis 8 Stunden Schlaf”, rät Dr. Wesiack. “Nach einer kurzen Nacht sollte man zur Regeneration ein paar ruhigere Tage einplanen.”
Auch die Psyche wirkt stark auf das Immunsystem. “So kann positiver Stress, wie etwa beim Sport, dem Ausüben eines Hobbys oder des Erlernen neuer Fähigkeiten das Immunsystem stimulieren. Lang anhaltende seelische Belastung hingegen schwächt die Abwehrkräfte”, erläutert der BDI-Vorsitzende. Ein Gefühl der Geborgenheit in der Umwelt sowie ein ausgeglichenes Gefühlleben wirken stabilisierend auf das Immunsystem. “So können Meditation, autogenes Training und Yoga die Zahl der Antikörper erheblich steigern.”
Eine ausgewogene und vielseitige Ernährung stellt dem Immunsystem die Bausteine zur Verfügung, um eine wirkungsvolle Abwehr aufbauen zu können. “Viel Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Fisch versorgen den Organismus am besten mit gesunden Nährstoffen. Bei Obst und Gemüse sollte man darauf achten, den Speiseplan möglichst bunt zu gestalten, da die in grünen, orangegelben und blauen Früchten enthaltenen Farbstoffe verschiedene positive Effekte auf die Gesundheit haben”, erklärt Dr. Wesiack.
Nicht zuletzt kann Sport die Immunabwehr aktivieren. “Durch regelmäßige Bewegung wird beispielsweise gewährleistet, dass Fremdstoffe über die Lymphe in die Lymphknoten transportiert werden, wo sich die Abwehrzellen auf einen möglichen Erreger einstellen können. Um das Immunsystem zu unterstützen, sind insbesondere Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Radfahren oder Schwimmen geeignet. Drei Trainingseinheiten von 30 Minuten haben bereits einen deutlichen positiven Effekt”, rät der BDI-Experte. “Übertreiben sollte man es allerdings als Sportanfänger nicht, denn völlige Verausgabung bewirkt eine Schwächung des Immunsystems.”
Quelle:
http://www.internisten-im-netz.de/
Kommentar & Ergänzung:
Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) vertrat ein Fünf-Säulen-Prinzip der Naturheilkunde:
- Lebensordnung
- Wasseranwendungen ?(Hydrotherapie)
- Bewegung?
- Ernährung?
- Heilkräuter
Den Begriff der Lebensordnung könnte man heute im Sinne einer Psychosomatik oder einer Salutogenese übersetzen.
Zur Salutogenese siehe die Buchbesprechung zu “Wie Gesundheit entsteht” im unserem Buchshop.
Der BDI-Text geht auf die Säulen Lebensordnung, Wasseranwendungen (Güsse, Waschungen), Bewegung und Ernährung ein.
Einzig die Heilkräuter kommen im Naturheilkunde-Konzept des BDI nicht vor.
Zu den Heilpflanzen, die zur Stärkung des Immunsystems empfohlen werden, gehören vor allem Echinacea (Sonnenhut) und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie). Das sind aber nur die beiden Heilpflanzen mit den meisten klinischen Studien. Im Labor zeigen zahlreiche andere Heilpflanzen immunstimulierende Eigenschaften, zum Beispiel Ringelblume oder Eibischwurzel. Allerdings ist unklar, ob sich solche Laborbefunde auf den Menschen übertragen lassen.
Allzuviel darf man sich von pflanzlichen Immunstimulanzien nicht erhoffen. Würden sie nämlich das Immunsystem wirklich stark aktivieren, wäre dies allenfalls sogar riskant.
Mit einem allzu aggressiven Immunsystem jedenfalls ist der Organismus auch nicht gut bedient.
Die vier anderen im BDI-Text erwähnten Bereiche – Lebensordnung, Wasseranwendungen, Bewegung, Ernährung – sind für ein gesundes, wirksames Immunsystem wohl deutlich zentraler.
Die fünf Säulen nach Kneipp eignen sich ausgezeichnet als Brücke zwischen Naturheilkunde und Medizin, weil sie schon von ihren Grundlagen her mit medizinischem Denken kompatibel sind. Es ist sehr schade, dass sie in den gegenwärtigen politischen Bestrebungen zur Aufwertung der Komplementärmedizin kaum eine Rolle spielen – abgesehen von der Säule “Heilkräuter”, die in neuzeitlicher Form als Phytotherapie im Gespräch ist.
Fundierte Informationen im Tagesseminar:
Erkältungskrankheiten und grippale Infekte – Prophylaxe und Therapie mit Heilpflanzen
Details hier:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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www.phytotherapie-seminare.ch
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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Mittwoch, Oktober 7th, 2009
Der häufige Konsum von Lakritze in der Schwangerschaft könnte der Hirnentwicklung des Feten schaden. Eine Spätfolge ist möglicherweise eine gestörte kognitive Entwicklung, die in einer Studie im American Journal of Epidemiology (2009; doi: 10.1093/aje/kwp272) beobachtet wurde.??
Die Gruppe um Katri Räikkönen von der Universität Helsinki hat 321 Kinder untersucht, deren Mütter während der Schwangerschaft teilweise größere Mengen Lakritze konsumiert hatten. Lakritze ist in Finnland bei jüngeren Menschen sehr beliebt.??
Es ist schon länger bekannt, dass die in der Lakritze enthaltene Glycyrrhizinsäure die Placentabarriere für Steroide schädigt. Die Feten sind dadurch stärker den Stresshormonen der Mutter ausgesetzt, was die schädlichen Einflüsse erklären könnte, die Räikkönen jetzt festgestellt hat.
Kinder, welche pränatal mit mehr als 500 mg Glycyrrhizinsäure (entsprechend rund 100 Gramm Lakritze) ausgesetzt waren, schnitten im Alter von acht Jahren gleich in mehreren Tests zur kognitiven Entwicklung schlechter ab. ?
Sie zeigten einen kleineren Wortschatz, ein schlechteres erzählerisches Gedächtnis und ein eingeschränktes räumliches Vorstellungsvermögen. Die Konzentrationsfähigkeit war reduziert, die Neigung zum Übertreten von Regeln und zum aggressiven Verhalten erhöht.??Diese Auswirkungen waren dosisabhängig, was für eine Kausalität des entdeckten Zusammenhanges spricht. Auch wenn die Studie letztlich nicht beweisend ist, sollten Schwangeren besser auf Lakritze während der Schwangerschaft verzichten, empfehlen die Autoren.
Quelle:
www.aerzteblatt.de
Kommentar & Ergänzung:
Lakritze wird gewonnen aus Süssholz (Glycyrrhiza glabra), einer Pflanzenart aus der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Diese Art ist in der Mittelmeerregion und in Westasien beheimatet. Süssholz enthält unter anderem Glycyrrhizin, ein Gemisch aus K- und Ca-Salzen der Glycyrrhizinsäure. Dieses Glykosid, das der Lakritze ihren Geschmack verleiht, besitzt etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker.
Zur Wirkung von Süssholz
Süßholzwurzel wirkt aufgrund der enthaltenen Saponine, hauptsächlich der Glycyrrhizinsäure, auswurffördernd, sekretolytisch und sekretomotorisch (schleimlösend). Bei Süßholzextrakten wurde eine antibakterielle und antimykotische (pilzhemmende) Wirkung nachgewiesen. Charakteristische Anwendungsgebiete sind Husten, Bronchialkatarrh und andere Erkrankungen der oberen Atemwege.
Bei Gastritis und Magengeschwüren wird die Süßholzwurzel ebenfalls angewendet. Die experimentell und klinisch belegte entzündungswidrige und krampflösende Wirkung ist noch nicht vollständig geklärt. Der nachgewiesene entzündungshemmende Effekt der Glycyrrhizinsäure soll jedoch nicht durch eine Hemmung der Prostaglandinbiosynthese, sondern durch Einfluss auf die Wanderung der Leukozyten zum Entzündungsort entstehen.
Herstellung der Lakritze
Bei der Herstellung der Lakritze werden die Inhaltsstoffe aus den Wurzeln extrahiert und eingedickt. Vermischt mit Gelatine, Stärke, Agar, Anis, Fenchelöl, Pektin und Zuckersirup und teilweise Salmiak werden die üblichen Lakritzformen produziert.
Die schwarze Farbe, die Lakritze in der Regel hat, ist künstlich erzeugt.
In den Niederlanden und Skandinavien ist Lakritze (nl. drop, dän. lakrids) stark verbreitet und wird in den verschiedensten Geschmacksrichtungen und Formen als Süßigkeit angeboten. Vor allem wird zwischen süßem (nl. zoet, dän. sød) und salzigem (nl. zout, dän. salted) unterschieden. Hauptsächlich in Skandinavien wird der Lakritze Salmiak beigemischt, welches sehr intensiv im Geschmack ist. Auch in Norddeutschland sind Salmis (Salmiakpastillen) sehr beliebt. In den meisten europäischen Ländern dagegen kennt man ausschliesslich süße Lakritze. Im süddeutschen Sprachraum, in der Schweiz sowie in Österreich wird die süße Lakritze mundartlich häufig auch Bärendreck genannt, weil der Ulmer (später Nürnberger) Süßwarenfabrikant Karl Bär auf viele Lakritzarten teilweise europaweite Patente innehatte.
Lakritze in der Schwangerschaft
Die Studie postuliert einen schädigenden Einfluss von Lakritze in der Schwangerschaft, den es meines Erachtens ernst zu nehmen gilt. Es ist gut belegt, dass Lakritze in hohen Dosen den Umgang des Organismus mit Steroiden beeinflussen kann.
Das Problem stellt sich allerdings deutlich stärker in Skandinavien als in Mitteleuropa, sind doch die im Norden konsumierten Lakritzemengen um ein vielfaches höher.
Es gibt aber auch Leute in Mitteleuropa, die quasi auf einen “Lakritzetrip” kommen und dann diese Süssigkeit täglich in exorbitanten Mengen konsumieren.
Davon würde ich nach dieser Studie mit Nachdruck abraten.
Das ist aber auch nicht empfehlenswert für “Unschwangere”, weil Lakritze in hohen Dosen den Elektrolythaushalt des Körpers beeinflussen und dadurch zu Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Ödemen führen kann.
Es gibt jedoch keine Hinweise dafür, dass gelegentlicher Konsum von Lakritze in moderaten Mengen schaden könnte. Das gilt auch für gelegentliches Kauen eines “Süssholzstengels” oder für den Konsum von Süssholzwurzel als Bestandteil einer Hustentee-Mischung.
Die zugeführte Menge an Glycyrrhizinsäure dürfte hier tiefer liegen.
In der Schwangerschaft sieht die Sache jedenfalls für den Lakritze-Konsum aber schon etwas anders aus. Beim ersten Überfliegen des Berichtes im “Aerzteblatt” habe ich gemeint, die angegebene Dosierung von 100g Lakritze sei pro Tag gemeint. So hohe Dosierungen dürften in Mitteleuropa Ausnahmen sein.
Beim genaueren Lesen realisierte ich aber, dass da gar nichts steht von “pro Tag”. Wenn die Dosierung von 100g aber gemeint wäre pro Schwangerschaft, dann bräuchte es sehr wenig für eine mögliche Schädigung.
Klärung bringt hier die Originalpublikation im American Journal of Epidemiology:
“In comparison to the group with zero-low glycyrrhiza exposure (0-249 mg/week), those with high exposure (500 mg/week) had significant decrements in verbal and visuospatial abilities and in narrative memory…. and significant increases in externalizing symptoms and in attention, rule-breaking, and aggression problems…The effects on cognitive performance appeared dose related.”
(Quelle: http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/kwp272v1)
Negative Einflüsse fand die Studie also in der Gruppe mit mehr als 500mg Glycyrrhizinsäure pro Woche, entsprechend etwa 100g Lakritze wöchentlich.
Das ist nicht so dramatisch wie wenn es schon bei 100g auf die ganze Schwangerschaft gerechnet zu solchen Problemen kommen könnte (was die wörtlich Formulierung im Aerzteblatt nahelegt).
Aber 100 g / Woche ist eine Menge, die eine durchschnittliche Lakritzeliebhaberin durchaus verzehren kann.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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