Archive for Oktober, 2009
Samstag, Oktober 31st, 2009
“Fitness ohne Training durch ,Phytodoping‘?”, fragt die “Ärztezeitung” und fügt bei: “Ganz ohne Trainingsanstrengung die körperliche Fitness verbessern – diese ,bequeme‘ Leistungssteigerung scheint mit dem Wirkstoff Quercetin möglich zu sein. Ein neuer Fall für die Dopingkontrolleure?”
Quercetin gehört zu den Polyphenolen – sein Name verweist auf eine Beziehung zur Eiche (lateinisch Quercus) – und kommt in höherer Konzentration etwa in Zwiebeln, Äpfeln oder Brokkoli vor. Dem Pflanzenfarbstoff werden starke antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben.
Ein US-Wissenschaftlerteam um Dr. J. Mark Davis an der Universität in Columbia hat seit einiger Zeit eine weitere potenzielle Wirkung im Auge. Tierexperimentell fand die Gruppe Anhaltspunkte dafür, dass Quercetin auch die Biogenese der Mitochondrien, die als biochemische “Kraftwerke” der Zellen gelten, verbessern kann. In der Studie war die Verbesserung der mitochondrialen Biogenese mit einer erhöhten Ausdauerkraft verbunden.
Kann man also mit dem Polyphenol Quercetin auch bei Menschen die Fitness ohne die Mühsal eines schweißtreibenden Ausdauertrainings verbessern? Die Antwort brachte kürzlich eine kleine Studie bei zwölf gesunden, aber sportlich untrainierten Versuchsteilnehmern. Diese bekamen jeweils sieben Tage lang entweder zweimal täglich ein Präparat mit 500 mg reinem Quercetin oder Placebo. Am Anfang und am Schluss der einwöchigen Behandlungsperiode stand jeweils ein Belastungstest auf dem Fahrradergometer.
Die Einnahme von Quercetin war mit einer moderaten Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2) um 3,9 Prozent verbunden, schreiben die Forscher im “International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism”. Deutlicher war die Verbesserung beim Parameter Zeit bis zur Erschöpfung (time to fatigue), welche um 13,2 Prozent verlängert wurde. Die Autoren ziehen den Schluss: Quercetin verbesserte bei Untrainierten die Ausdauerleistung in einem Maße, wie es sonst nur durch konsequentes Training erreichbar ist.
Ob das neue Möglichkeiten nicht nur zum Doping, sondern auch zur Krankheitsverhütung eröffnet, bleibt abzuwarten.
Die Ärztezeitung schreibt: “Äpfel essen als Phytodoping? Da müssten es schon knapp 100 Stück täglich sein.”
Quelle: www.aerztezeitung.de
Kommentar & Ergänzung:
“Und wie viele Zwiebeln?”, würde ich da weiterfragen…..
Im Ernst: Quercetin ist ein interessanter Inhaltsstoff und auch in vielen Heilpflanzen enthalten.
Quercetin ist ein gelber Naturfarbstoff, der in vielen Pflanzen vorkommt, zum Beispiel inm der Färbereiche oder im Apfel. Ebenso ist Quecetin im Wein enthalten. Da Quercetin vor allem in der Traubenschale vorkommt, sind die Gehalte in Rotweinen höher als im Weißwein. Daneben trägt auch eine Holzfasslagerung zum Quercetingehalt bei, weil die Substanz während der Lagerung langsam vom Holz in den Wein übergeht.
Das Polyphenol Quercetin ist ein Flavonoid. Es ist weit verbreitet im Pflanzenreich und somit auch in der Nahrung. Große Quercetin-Mengen können in Zwiebeln, Äpfeln, Brokkoli oder grünen Bohnen gefunden werden, die je nach Art der Zubereitung aber teilweise zerstört werden. Auch das Schälen von Obst und Gemüse reduziert den Flavonoid-Anteil drastisch, denn speziell in den farbigen Schalen (Flavonoide sind Pflanzenfarbstoffe) ist der Flavonoidgehalt hoch. Quercetin werden weitreichende, physiologisch günstige Effekte zugesprochen. Hervorzuheben wird dabei eine krebshemmende Wirkung, welche hauptsächlich auf das antioxidative Potenzial zurückzuführen sein soll. Quercetin wirkt wie die Vitamine A, C und E als Radikalfänger.
Die tägliche Aufnahme von Quecetin mit der Nahrung soll in westlichen Ländern geschätzte 25 mg betragen. Obwohl der Stoff also verbreitet in der Nahrung vorkommt, können auf diesem Weg die in der Studie verabreichten 1000mg Quercetin pro Tag nicht zugeführt werden. Es stellt sich aber sowieso die Frage, ob derart hohe, unphysiologische Quercetin-Mengen nicht auch negative Effekte auslösen könnten. Grundsätzlich sind Flavonoide gut verträgliche Wirkstoffe, die auch leicht wieder ausgeschieden werden. Das spricht für gute Verträglichkeit. Allerdings gibt es inzwischen einige Studien, in denen unnatürlich hohe Gaben von Antioxidantien negative Folgen zeigten. Ein breites Angebot an verschiedenen Radikalfängern, wie es eine abwechslungsreiche Ernährung am besten sicherstellt, ist wohl sinnvoller als die Einnahme eines einzigen Stoffes in sehr hoher Dosis.
Im übrigen wird die Schlagzeile “Fitness ohne Training durch Phytodoping” ziemlich relativiert durch eine Meldung im “Ärzteblatt”, die ich hier modifiziert anfüge:
Energiedrinks mit Quercetin anderen Getränken nicht überlegen
Energydrinks mit Quercetin als Inhaltstoff sind nicht wirksamer andere Getränke dieser Gattung. Zu diesem Resultat kommt eine Studie von Forschern der University of Georgia. Das Journal of Applied Physiology publizierte die Untersuchung (2009; 107: 1095-1104).??Das Polyphenol Quercetin erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Es wird vermarktet als leistungssteigernder Nahrungsmittelzusatz. So wirbt zum Beispiel Lance Armstrong für einen sogenannten Energy Drink, dem dieses Antioxidanz beigefügt ist. Quercetin findet sich als Naturfarbstoff in vielen Pflanzen und kommt auch in Nahrungsmitteln wie Äpfeln oder Wein vor.?
Forscher des UGA College of Education testeten nun Quercetin in einer Doppelblindstudie an 30 Versuchspersonen. Die Fallgruppe bekamen über 16 Tage viermal täglich 250mg Quercetin, während die Kontrollgruppe ein Placebo einnahm. Die Wissenschaftler erfassten dabei zahlreiche Parameter wie den maximalen Sauerstoffverbrauch, Kraftverlust im Verlauf einer Übung, Leistungsfähigkeit auf dem Fahrradergometer oder die Fähigkeit der Muskeln, Energie zu synthetisieren. ??“Wir konnten keine Verbesserung der Leistungsfähigkeit durch Quercetin feststellen. In gewisser Weise hat uns das Ergebnis enttäuscht, da unsere Hypothese auf vorangegangenen Untersuchungen an Mäusen fußte. Diese hatten uns ein positives Ergebnis vermuten lassen”, hielt Kirk Cureton fest, Leiter der Abteilung für Kinesiologie.
Quelle: www.aerzteblatt.de
Originalpublikation:
http://jap.physiology.org/cgi/content/abstract/107/4/1095
Kommentar & Ergänzung:
Alles unklar und offen, könnte man hier also schlussfolgern. Nichtsdestotrotz wird Quercetin als Nahrungsergänzungsmittel heftig vermarktet.
Mit nur 12 und 30 Teilnehmenden sind im übrigen beide Studien nicht sehr gewichtig.
Also doch lieber trainieren – schliesslich profitiert der Organismus von Bewegung auf den verschiedensten Ebenen…..
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
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Samstag, Oktober 31st, 2009
Curry ist nicht nur für die Verdauung bekömmlich, sein Inhaltsstoff Curcumin entwickelte in einer Studie im British Journal of Cancer (2009; 101: 1585-1595) auch eine Wirkung gegen Zellen des Ösophaguskarzinoms (Speiseröhrenkrebs).
Curcumin gibt dem Curry (und als Lebensmittelzusatzstoff E 100 auch vielen Fertigprodukten) seine gelbe Farbe. Der Stoff ist aber nicht nur für die indische Küche bedeutsam. Auch die medizinische Forschung interessiert sich seit einiger Zeit für den längst synthetisch hergestellten Naturstoff.
Nachdem er als Mittel zur Wundheilung und gegen Morbus Alzheimer im Gespräch war, werden nun Hinweise darauf diskutiert, dass Curcumin auch Krebszellen abtöten könnte. Sharon McKenna vom Cork Cancer Research Centre in Irland hat die Zellen des Speiseröhrenkrebses mit Curcumin versetzt. ??Innerhalb eines Tages kam es zum Absterben der Zellen, was die Wissenschaftler auf einen in der Krebsforschung derzeit sehr attraktiven Wirkmechanismus zurückführen. Curcumin scheint offenbar das Ubiquitin-Proteasom-System der Krebszellen zu stören. ?
Über diesen Stoffwechselweg entsorgen Körperzellen “verbrauchte” Proteine. Eine Störung hat nach kurzer Zeit eine Anreicherung von Schadstoffen und den Tod der Zellen zur Folge. Proteasom-Inhibitoren gelten als vielversprechender Ansatz in der Krebsbehandlung. Der erste zugelassene Wirkstoff ist Bortezomib, das zur Therapie des Multiplen Myeloms eingesetzt wird. ??Ob Curcumin sich zum Krebsmedikament eignet, müssen nun zunächst tierexperimentelle Untersuchungen zeigen. Der Weg bis zum zugelassenen Arzneimittel dürfte noch weit sein.
Quelle:
www.aerzteblatt.de
Originalpublikation:
http://www.nature.com/bjc/journal/v101/n9/abs/6605308a.html
Kommentar & Ergänzung:
Curcumin kommt vor in der Gelbwurzel (Curcuma longa, Kurkuma & Curcuma xanthorrhiza, Javanische Gelbwurz, Temoe Lawak). Die Curcuma-Pflanzen gehören zu den Ingwergewächsen (Zingiberaceae). Vor allem Curcuma longa ist ein Bestandteil der Curry-Gewürzmischung und gibt diesem die gelbe Farbe.
Curcumin ist zweifellos ein interessanter Naturstoff – auch für die Krebsforschung. Bei solchen Meldungen ist aber immer auch festzuhalten, dass es verhältnismässig einfach ist, im Labor verschiedensten Substanzen eine tumorhemmende Wirkung nachzuweisen. Dass aber eine Substanz wie Curcumin im Reagenzglas Krebszellen tötet, bedeutet noch lange nicht, dass sie dies auch im lebenden Organismus von Tumorkranken tut. Bei Curcumin beispielsweise ist nur schon ein Problem, dass die Substanz aus dem Verdauungstrakt schlecht resorbiert wird.
Solche Meldungen sind daher oft ziemlich zwiespältig. Einerseits ist jedes positive Resultat aus der Krebsforschung natürlich begrüssenswert. Andererseits aber schiessen die Versprechungen und Hoffnungen nach jeder solchen Meldung in einem Ausmass hoch, dass Enttäuschungen fast zwingend auf dem Fuss folgen werden.
Im weiten Terrain zwischen Laborexperimenten und einer wirksamen Krebstherapie entsteht dann jeweils viel Raum für Figuren, die sich als ultimative Krebsheiler aufspielen und die Hoffnungen verzweifelter Krebskranker ausnützen, um mit grossen Versprechungen ihr Ego aufzupolieren und fragwürdige Geschäfte zu machen.
Das “Ärzteblatt” schreibt daher meines Erachtens sehr zu recht, dass der Weg bis zum zugelassenen Arzneimittel noch weit sein dürfte.
Wenn es denn überhaupt soweit kommt. Unzählige anfängliche Wundermittel haben sich jedenfalls nach und nach in Luft aufgelöst. Darum sollte man meiner Ansicht nach Forschungen wie jene zum Curcumin mit Interesse verfolgen, aber auch mit einer gewissen Distanz. Abwarten, bis sich der Nebel auflöst und die Sache klarer geworden ist, wäre eine angemessene Devise.
Schwierig daran ist allerdings, dass Krebspatienten diese Zeit manchmal nicht haben. Es scheint mir eine grosse Herausforderung für Krebspatienten zu sein, souverän mit all den dringenden Ratschlägen und Heilungsversprechungen umzugehen, mit denen sie konfrontiert werden.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, Oktober 28th, 2009
Das Magazin “Focus” berichtete online über eine Studie, welche auch für die Anwendung von Kräutertees Schlussfolgerungen zulässt. Ich fasse den Text hier modifiziert zusammen und kommentiere die Studie anschliessend vor allem auch betreffend ihrer Bedeutung für die Anwendung von Kräutertees:
Viele Menschen schwören auf Schokolade, wenn es ihnen schlecht geht und sind überzeugt, dass sie ihnen hilft. Diese Vermutung hat eine Studie nun bestätigt – zudem aber auch den schmerzstillenden Effekt von Wasser bewiesen.
Essen und Trinken können Schmerzen lindern. Voraussetzung dafür ist aber, dass es sich um einen angenehmen Geschmack handelt. Wissenschaftler der University of Chicago haben in einem Tierversuch die Wirkung von Schokolade sowie von gezuckertem und reinem Wasser auf das Schmerzempfinden untersucht. Dazu ermöglichten sie Laborratten, von allen drei Varianten zu kosten. Die Zapfstellen für Wasser und Schokolade waren dazu allerdings auf einem präparierten Boden verankert. Dieser war unangenehm, jedoch nicht gefährlich heiß. Die Ratten hoben darum ihre Pfoten an, damit sie nicht schmerzten. Es zeigte sich, dass die Tiere während des Essens und Trinkens die Beinchen weniger rasch anhoben. Daraus schlossen die Forscher, dass die Nager den Schmerz nur gedämpft wahrnahmen. In einer zweiten Testreihe verabreichten die Wissenschaftler den Tieren Wasser mit bitterem Geschmack. Als sie nun tranken, hoben die Ratten genauso rasch die Beinchen, wie ohne zu essen oder zu trinken. Es trat also offenbar kein schmerzstillender Effekt ein, vermuten die Wissenschaftler.
Die Forscher ziehen aus diesen Resultaten mehrere Schlüsse. Um Schmerz zu vermindern, spielt es keine Rolle, ob Zucker und Fett verzehrt werden. Frühere Studien waren nämlich davon ausgegangen, dass diese Kalorienlieferanten den Schmerz dämpfen können. “Das hat wirklich nichts mit Kalorien zu tun”, erläutert Studienleiterin Peggy Mason. “Wasser hat keine Kalorien, aber den gleichen Effekt wie Schokolade, das ist überraschend.” Um Schmerzen zu dämpfen, ist es wahrscheinlich eher wichtig, etwas Angenehmes zu sich zu nehmen. “Das ist ein natürlicher Schmerzkiller, aber dazu brauchen wir keinen Zucker”, stellt Peggy Mason fest. Das kalorienreiche “süße Pflaster” muss also nicht sein. Ein Glas Wasser kann den gleichen Effekt bewirken.
Verantwortlich für die schmerzstillende Wirkung könnte eine bestimmte Gehirnregion sein, die für Tiere sicherstellt, dass sie sich beim Fressen nicht ablenken lassen, auch nicht durch Schmerzen. Weil sie in freier Wildbahn leben, ist Nahrung für sie nur schwer erreichbar. Jede Sekunde Fressen ist dann fürs Überleben wichtig. Die Wissenschaftler vermuten, dass das menschliche Gehirn ähnlich reagiert – und hätten damit eine weitere Erklärung dafür, weshalb viele Menschen zu viel essen.
Die Studie wurde im “Journal of Neuroscience” publiziert.
Quelle: www.focus.de
Kommentar & Ergänzung:
Kräutertees sind eine wichtige und traditionsreiche Anwendungsform von Heilpflanzen in der Phytotherapie. Kräutertees geraten aber manchmal etwas ins Hintertreffen, weil es Forschung in der Phytotherapie fast nur für Extraktpräparate gibt. Was die gleichbleibende Stabilität der Wirksamkeit anbelangt, sind standardisierte Pflanzenextrakte den Kräutertees tatsächlich oft überlegen. Es gibt aber auch Pluspunkte für den traditionellen Kräutertee. Das Teeritual beispielsweise ist in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen.
Die Studie von Peggy Mason deutet meines Erachtens darauf hin, dass das langsame schluckweise Trinken eines Kräutertees gegenüber dem raschen Schlucken einer Kapsel oder Tablette bezüglich Schmerzlinderung Vorteile haben könnte – unabhängig von allfälligen Wirkungen der Inhaltsstoffe. Allerdings müssten es angenehm schmeckende Kräutertees sein, wenn man die Resultate der Studie ernst nimmt. Vorstellen könnte ich mir den beschriebenen Effekt, auch wenn natürlich offen bleibt, ob sich dieser etwas eigenartige Rattenversuch auf den Menschen übertragen lässt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Dienstag, Oktober 27th, 2009
Üblicherweise werden Teemischungen und Monotees (nur ein Bestandteil) gegen Husten immer als Aufguss mit heißem Wasser zubereitet. Heißes Wasser ist ein ausgezeichnetes Lösungsmittel, die Wirkstoffe aller
Heilpflanzen werden so am besten gelöst. Heißes Wasser schädigt nicht die Qualität der Wirkstoffe.
Für Hustentees, die nur aus Isländisch Moos (Lichen islandicus) oder Eibischwurzel (Althaeae radix) bestehen, gilt allerdings eine andere Regel.
Hier empfiehlt es sich, einen Auszug mit kaltem Wasser herzustellen (etwa 1,5 Stunden unter gelegentlichem Umrühren ziehen lassen, leicht erwärmt trinken). Es ist empfehlenswert, den Tagesbedarf an Tee auf einmal zuzubereiten.
Aufbewahrt wird der Hustentee aus Isländisch Moos oder Eibischwurzel in einer Thermoskanne. Die Lagerung über bis zu 8 Stunden ist auch vom mikrobiologischen Standpunkt aus kein Problem.
Weshalb Kaltauszug bei Isländisch Moos und Eibischwurzel?
Mit kaltem Wasser werden aus dem Isländisch Moos die erwünschten Schleimstoffe, aber nicht die extrem bitteren Flechtensäuren extrahiert. Die bitteren Flechtensäuren dürften für die Behandlung von Reizhusten eine untergeordnete Rolle spielen. Sie müssen deshalb im Hustentee nicht
enthalten sein.
Bei der Eibischwurzel verkleistert heisses Wasser die Stärke, welche in der Wurzel enthalten ist. Dieser Kleister umschliesst die Wurzelstückchen wie eine Barriere, wodurch die therapeutisch bedeutsamen Schleimstoffe nur unzureichend in den Hustentee übergehen.
Quelle:
PHYTOTherapie 4|09, Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie
Kommentar & Ergänzung:
Isländisch Moos (Cetraria islandica) ist kein Moos, wie der Name es nahelegt, sondern eine Flechte. Und diese Flechte kommt auch nicht nur in Island vor, sondern auch in den Alpen. Wer Isländisches Moos in der Natur kennenlernen will, kann dies auf vielen meiner Exkursionen zu Heilpflanzen und Alpenblumen im Sommerhalbjahr. Info im Kurskalender ( www.phytotherapie-seminare.ch/index.php).
Eibisch (Althaea officinalis) kommt bei uns nicht wild wachsend vor. Die traditionelle Heilpflanze wurde aber schon vor langer Zeit in Gärten angebaut.
Zur Wirkung der Eibischwurzel siehe auch:
Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelzellen
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Sonntag, Oktober 25th, 2009
Mit dem jahreszeitlich bedingten Lichtmangel kommen etwa zwei Prozent der Bevölkerung nicht zurecht. Gegen den Herbst- und Winterblues lässt sich aber aktiv etwas tun.
Wenn die dunkle Jahreszeit kommt, schlägt das manchen Menschen aufs Gemüt. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung leidet Schätzungen zufolge jedes Jahr unter Winterdepressionen.
Wer davon betroffen ist, fühlt sich unausgeglichen, grundlos traurig und kommt morgens kaum aus dem Bett. Dennoch ist der saisonale Stimmungseinbruch bei Nebel und Nieselregen laut Medizinern kein Grund, sich die Decke über den Kopf zu ziehen oder sofort zur Chemiekeule zu greifen.
Ausgelöst wird die sogenannte «Saisonal Abhängige Depression» (SAD) hauptsächlich durch den Lichtmangel in der trüben und dunkleren Jahreszeit. Ohne Licht fährt der Organismus die Produktion des «Glückshormons» Serotonin herunter. Zudem steigt in der Dunkelheit der Melatonin-Spiegel, welcher normalerweise nachts den Schlaf steuert und uns daher müde und schlapp macht, wie der Facharzt für Psychotherapie und Professor an der Universität Leipzig, Hubertus Himmerich, erläutert.
Erwischt einen die Winterdepression, fühlen sich die Betroffenen nicht nur unausgeglichen und es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Häufig plagt die Winterdepressiven auch ein Heisshunger auf Süsses und fettige Speisen. Manche verlassen das Haus nur noch selten und vernachlässigen den Kontakt zu Freunden und Familie. Laut einer Forsa-Umfrage der deutschen Techniker Krankenkasse geben sechs von zehn Betroffenen an, dass sie bei trübem Wetter nur rausgehen, wenn es unbedingt nötig ist. Jeder Zweite setzt sich vor den Fernseher oder Computer, um sich von seinem Stimmungstief abzulenken.
Nicht in der Wohnung verkriechen
«Doch genau das ist falsch», erklärt Himmerich. Denn wenn das Stimmungstief zuschlägt, gibt es hauptsächlich ein Gegenmittel: Raus ans Tageslicht, um die Herstellung von Serotonin im Gehirn zu aktivieren. Wer sich jeden Tag ein bis zwei Stunden an der frischen Luft bewegt, könne seinen Seelenblues bereits wirksam angehen, sagt auch Professor Ulrich Voderholzer, der die Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg leitet.
Denn selbst an einem trüben Novembertag liege die Beleuchtungsstärke noch bei mindestens 1.000 Lux und damit deutlich über der Lichtintensität in geschlossenen Räumen. Künstliche Lichtquellen bringen es laut Voderholzer maximal auf 300 bis 500 Lux. Wer sich bewegt, vor allem joggt oder Fahrrad fährt, sorgt darüber hinaus für eine vermehrte Ausschüttung stimmungsaufhellender Hormone.
Sinnvoll bei Winterdepressionen ist auch eine Therapie mit speziellen Tageslichtlampen, die in ihrer spektralen Zusammensetzung dem natürlichen Sonnenlicht zumindest teilweise entsprechen. Lichtstärken von mindestens 2.500 Lux sollten die eingesetzten Geräte laut Prof. Himmerich dabei jedoch mindestens haben. Eine tägliche Lichtdusche von einer halben Stunde, möglichst am Morgen, sei optimal, erklärt der Mediziner.
Wichtig dabei ist: Damit der Impuls zur Steigerung der Serotonin-Produktion tatsächlich an das Gehirn weitergeleitet wird, muss das Licht der Geräte die Netzhaut des Auges erreichen. Bräunungslampen in Solarien, bei denen wegen der UV-Strahlen zum Schutz der Augen Brillen getragen werden müssen, zeigen Himmerich zufolge dagegen keine Wirkung.
Johanniskraut-Extrakte können Abhilfe schaffen
Ebenfalls empfehlenswert sind gemäss dem Mediziner natürliche Heilmittel wie Johanniskraut, dessen Pflanzenextrakte stimmungsaufhellend wirken. «Der Tee aus dem Supermarkt ist dabei aber nicht immer die richtige Wahl,» erläutert Himmerich. Sinnvoller sei, sich beispielsweise in der Apotheke individuell über die richtige und notwendige Dosis beraten zu lassen.
Die Einnahme von synthetischen Antidepressiva gilt beim winterlichen Stimmungstief dagegen nicht als «Therapie erster Wahl» – es sei denn, die Depressionen sind besonders schwer oder andere Massnahmen wie Lichttherapie und Sport bleiben ohne Wirkung, wie Voderholzer erklärt.
Grundsätzlich unterscheidet sich die Winterdepression von anderen Depressionsformen durch zum Teil deutlich andere Symptome. So ist man Himmerich zufolge bei anderen Depressionen nicht nur antriebslos, sondern meist dauerhaft tieftraurig, leidet an Appetit- und Schlaflosigkeit. Und ausserdem: «Wenn die Sonne im Frühjahr wieder lacht, dürfte der Stimmungsumschwung anders als beim Winterblues dennoch ausbleiben».
Quelle:
http://www.20min.ch (ap)
Kommentar & Ergänzung:
Die stimmungsaufhellende Wirkung einiger Johanniskraut-Extrakte ist so gut dokumentiert, dass sie von den Krankenkassen über die Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt. Wirksame Johanniskraut-Präparate gibt es aber auch rezeptfrei in Apotheken. Drogerien verkaufen als Ersatz oft homöopathische oder spagyrische Johanniskraut-Produkte, bei denen allerdings jeder Nachweis einer Wirksamkeit fehlt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, Oktober 23rd, 2009
Unter dem Titel “Kräuterkissen als sanfte Schlafhelfer” berichtet das
Yahoo-Nachrichtenportal über die Wirkung von Heilpflanzen als Kräuterkissen gegen Schlafstörungen:
“Düfte können eine starke Wirkung auf den Menschen haben. Die Gerüche einiger Pflanzen wirken beruhigend und werden deshalb seit langer Zeit als Einschlafhilfen genutzt.”
Das stimmt – und es trifft vor allem auf Heilpflanzen mit ätherischen Ölen zu.
Yahoo-News erklärt dann, wie sich ein Kräuterkissen für eine geruhsame Nacht leicht selbst herstellen lässt:
“Benötigt wird ein sauberer Kissenbezug in der Größe 15 mal 15 Zentimeter. In diesen werden die Kräuter gefüllt, die zum Einsatz kommen sollen. Sinnvoll ist es, eine Mischung herzustellen, die eine Gesamtmenge von 50 bis 150 Gramm Kräuter ergibt.”
Kein Einwand.
Fragwürdig wird der Text, sobald es um die geeigneten Heilpflanzen geht:
“Eine beruhigende Wirkung haben beispielsweise getrocknete Lavendelblüten. Auch Ringelblumen, Johanniskraut, Hopfen und Scharfgabe können dem gesunden Schlaf dienen. Weitere Zutaten wirken gegen gesundheitliche Probleme, darunter Pfefferminze oder Rosmarin bei Kopfschmerzen sowie Kamille bei Schnupfen.”
Dazu ist ein Kommentar nötig:
Klar dokumentiert ist die beruhigende Wirkung von Lavendelblüten bzw. Lavendelöl via Duftanwendung. Lavendelsäckchen haben sich zudem in einer langen Tradition bewährt.
Auch Hopfen enthält flüchtige Inhaltsstoffe mit beruhigender Wirkung. Es handelt sich um Abbauprodukte, die während der Lagerung aus den Bitterstoffen entstehen. Traditionelle Hopfenkissen haben also durchaus ihre Berechtigung.
Ringelblume (Calendula) ist ein bewährtes Wundheilmittel. Eine beruhigende Wirkung ist aus der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends ersichtlich und sehr unwahrscheinlich. Schon gar nicht auf inhalativem Weg, wenn man den tiefen Gehalt an ätherischem Öl bedenkt (0,2%). In Teemischungen und Kräuterkissen hat Ringelblume eher einen Effekt zur “Teeverschönerung”.
Johanniskraut wird gegen leichte bis mittelschwere Depressionen. Seine Wirkung ist in diesem Bereich gut dokumentiert. Für Beruhigende Eigenschaften fehlen aber Belege. Ausserdem dürften die entscheidenden Inhaltsstoffe nicht flüchtig sein, wodurch eine Wirkung via Inhalation sehr unwahrscheinlich ist.
Eine völlige Neuentdeckung ist die “Scharfgabe”……Im Ernst, es ist bestimmt die Schafgarbe gemeint. Sie wird als Heilpflanze bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt und als traditionelles Mittel gegen Menstruationskrämpfe. Schafgarbe als Beruhigungsmittel (Sedativum) zu empfehlen ist sehr unüblich und nicht durch die Phytotherapie-Fachliteratur zu stützen. Schafgarbe hat zwar ein ätherisches Öl, das wie Kamillenöl als Bestandteil Chamazulen enthält und für Kamillenöl gibt es Hinweise auf einen sedativen Effekt aus EEG-Untersuchungen. Aber erstens ist unklar, ob für den sedierenden Effekt von Kamillenöl Chamazulen verantwortlich ist und zweitens – wenn dem so wäre – entsteht das Chamazulen erst bei der Destillation des ätherischen Öles und fehlt daher im Kräuterkissen. So ist also die Anwendung von Schafgarben im Kräuterkissen sehr spekulativ.
Pfefferminze zeigt in Form von Pfefferminzöl zum Einreiben eine gute Wirkung bei Spannungskopfschmerzen. Dafür ist aber ein direkter Kontakt des Pfefferminzöls mit der Haut erforderlich. Ob sich die Anwendung von Pfefferminz in einem Kräuterkissen gegen Kopfschmerzen so generell empfehlen lässt, ist sehr fraglich.
Und Rosmarinöl hat eher eine anregende Wirkung, wodurch die Zugabe von Rosmarin in ein Kräuterkissen für gesunden Schlaf eher problematisch erscheint.
Unerwähnt bleiben im Yahoo-Text die Cumarin-Pflanzen Waldmeister und Steinklee, welche in der traditionellen Pflanzenheilkunde als beruhigende Kräuterkissen angewendet wurden. Cumarin ist jedenfalls flüchtig und als Heuduft sehr bekannt. Genauer dokumentiert ist diese Wirkung nicht. Cumarin als Reinsubstanz zeigt zentral sedative Wirkung.
Zusammengefasst kann man nur festhalten, dass die phytotherapeutischen Angaben auf Yahoo-News hier ziemlich wirr sind. Das ist ein Beispiel dafür, dass man im Bereich Naturheilkunde bzw. Pflanzenheilkunde genau hinschauen muss und nicht alles blind glauben soll, was geschrieben oder erzählt wird. Schreiben und Erzählen unterliegen hier kaum je einer Qualitätskontrolle.
Kräuterkissen sind ein interessantes, angenehmes, gut verträgliches und in vielen Fällen wohl auch wirksames Mittel gegen Schlafstörungen. Ich würde mich aber beschränken auf ein Lavendelkissen, allenfalls je nach individueller Vorliebe auf Lavendelblüten / Hopfenzapfen als Mischung. Auch ein Zusatz von Steinklee oder Waldmeister scheint mir gut vertretbar.
Keine Einwände habe ich zu machen bei den Anwendungsempfehlungen von Yahoo-News:
“Die Kräuter werden vor dem Einfüllen in das Kissen zerkleinert. Das Kräuterkissen wird dann unter den Nacken gelegt. Durch die Körperwärme werden die ätherischen Öle der Kräuter freigesetzt und können ihre Wirkung entfalten…..Außerdem sollten die Kissen nicht bei schweren, andauernden Schlafstörungen verwendet werden. In einem solchen Fall ist ein Arzt zu Rate zu ziehen.”
Quelle: http://de.news.yahoo.com/gesundheit-medizin.html
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Mittwoch, Oktober 21st, 2009
Zahlreiche schlafgestörte Menschen versuchen mit frei verkäuflichen Mitteln in den Schlaf zu finden. Extrakte aus der Baldrianwurzel sind beliebt und werden in der Selbstbehandlung oft angewendet. In einer aktuellen Metaanalyse zeigten sechs Baldrian-Studien eine signifikante Verbesserung der Schlafqualität. Patienten mit Baldriantherapie wiesen eine um 80 Prozent erhöhte Chance auf, über einen verbesserten Schlaf zu berichten als Patienten mit Plazebobehandlung.
Univ.-Prof. Dr. Heinz F. Hammer von der Medizinischen Universität Graz verweist in der Medical Tribune Nr. 43 / 2009 auf diese Metaanalyse und zieht das Fazit:
“Baldrian verbessert die Schlafqualität. Baldriandosierungen, Präparate und Dauer der Behandlung variierten allerdings in den Studien stark.”
Er weist auf die weite Verbreitung von Schlafstörungen und die damit verbundenen Kosten hin und regt an, dass grössere Studien von besserer Qualität die Wirksamkeit von Baldrian genauer untersuchen.
Quelle: Medical Tribune Nr. 43 / 2009, www.medical-tribune.at
Quelle der erwähnten Metaanalyse:
S. Bent et al., The American Journal of Medicine 2006; 119: 1005 – 12
Kommentar & Ergänzung:
Prof. Hammer weist hier auf ein häufig auftretendes Problem in der Phytotherapie-Forschung hin: Weil grosse Unterschiede bestehen zwischen den untersuchten Baldrian-Präparaten sind die Forschungsergebnisse nicht so einfach zu vergleichen, zu deuten und zu bewerten. Aber trotz diesen Einschränkungen ist Baldrian die am besten dokumentierte Heilpflanze bei Schlafstörungen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Dienstag, Oktober 20th, 2009
Die US-Regierung hat grünes Licht für die medizinische Anwendung von Marihuana gegeben, sofern dies von Gesetzen in den Bundesstaaten gedeckt ist. «Es hat für uns keinen Vorrang, Ressourcen des Bundes für die strafrechtliche Verfolgung von Patienten oder ihren Betreuern einzusetzen, wenn dies den Gesetzen der Staaten entspricht», erklärte US-Justizminister Eric Holder. Gleichzeitig werde die Regierung jedoch nicht dulden, dass sich Drogenschmuggler hinter solchen Richtlinien versteckten. 14 US-Bundesstaaten haben die Anwendung von Marihuana für medizinische Zwecke in der einen oder anderen Form legalisiert. Die Regierung des früheren US-Präsidenten George W. Bush lehnte dies aber strikt ab. Mit der Erklärung des Justizministers wurde nun die unter Nachfolger Barack Obama eingeführte Praxis, keine strafrechtlichen Ermittlungen einzuleiten, offiziell festgeschrieben. Gleichzeitig gingen entsprechende Richtlinien an die Bundesstaatsanwälte.
Quelle:
www.pharmazeutische-zeitung.de / dpa
Kommentar & Ergänzung:
Ich kann selber mit Marihuana / Cannabis nichts anfangen. Es kann aber nicht genug oft gesagt werden: Dass man Menschen mit Multiple Sklerose oder Krebs, denen Cannabis / Marihuana oft Beschwerden wie Spastik, Übelkeit oder Appetitlosigkeit lindert, immer noch kriminalisiert, ist ein Skandal. Jeder Schritt in Richtung einer Entkriminalisierung und Entkrampfung dieser unsäglichen Thematik ist daher zu begrüssen. Eine Legalisierung – und entsprechende Regulierung – von Cannabis als Heilpflanze ist überfällig. Wenn in den USA nun die Vernunft gegenüber der Ideologie die Oberhand gewinnt, kann man nur hoffen, dass dies in Europa Nachahmung findet.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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